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In "Mein Fliegerleben" gewährt Ernst Udet, ein herausragender deutscher Jagdflieger des Ersten Weltkriegs, tiefen Einblick in seine außergewöhnlichen Erfahrungen und Erlebnisse in der Luftfahrt. Mit einem klaren, präzisen Stil und einer packenden Erzählweise schildert Udet nicht nur seine Einsätze an der Front, sondern beleuchtet auch die technische Entwicklung der Luftfahrt und deren Bedeutung für den Krieg. Diese Autobiographie ist nicht nur ein persönlicher Bericht, sondern auch ein wichtiges Dokument der Zeitgeschichte, das die Ambivalenz des Krieges und die Faszination des Fliegens eindrucksvoll thematisiert. Ernst Udet, geboren 1896 in Frankfurt am Main, war während des Ersten Weltkriegs einer der führenden Flieger und prägte die Entwicklung der Luftkriegsführung maßgeblich. Sein Werdegang—von ersten Flugversuchen auf einfachen Maschinen bis hin zu seiner Rolle als einer der erfolgreichsten Luftasse—spiegelt seine ausgeprägte Leidenschaft für die Fliegerei wider. Nach dem Krieg setzte er sich intensiv für die Weiterentwicklung der Luftfahrttechnik ein, was stark in seinen Schriften zum Ausdruck kommt. "Mein Fliegerleben" ist eine fesselnde Lektüre für alle, die sich für die Geschichte der Luftfahrt interessieren oder mehr über die bewegenden Erlebnisse eines der bekanntesten Flieger der damaligen Zeit erfahren möchten. Dieses Buch bietet eine einzigartige Kombination aus persönlichem Erlebnisbericht und historischen Reflexionen, die den Leser in die Höhen und Tiefen des Fliegerlebens eintauchen lassen. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Zwischen dem Rausch grenzenloser Höhe und der Härte eines industrialisierten Krieges entfaltet Mein Fliegerleben die Erfahrung eines Mannes, dessen Blick auf die Welt sich im Cockpit schärft und zugleich verunsichert, denn die frühe Luftfahrt verheißt Freiheit, Schnelligkeit und technische Meisterschaft, während sie im selben Moment Verantwortung, Disziplin und äußerste Gefahr erzwingt; aus dieser Spannung von Begeisterung und Belastung, Abenteuerlust und ethischer Zumutung, persönlicher Selbstbehauptung und kollektiver Geschichte entsteht ein erzählerischer Sog, der das Faszinosum Fliegen nicht verklärt, sondern als ambivalentes Erlebnis der Moderne in Szene setzt und dabei zugleich Nähe und Abstand zu seinem eigenen Mythos wahrt.
Ernst Udets Mein Fliegerleben ist eine Autobiographie und zugleich ein zentrales Werk der deutschsprachigen Fliegerliteratur; sie führt in die Welt der frühen Militärluftfahrt des Ersten Weltkriegs und entstand in der Zwischenkriegszeit als persönliche Rückschau eines Beteiligten. Der Schauplatz spannt sich vom Flugfeld über Werkstatt und Hangar bis zum wechselnden Himmel über Europa, von Ausbildungsstationen bis zu Frontabschnitten. Als Zeitzeugnis verbindet das Buch erfahrungsnahe Beobachtungen mit dem Blick auf eine technische Kultur im Umbruch, ohne sich in Theorie zu verlieren, und verankert seine Erinnerungen in konkreten Orten, Bewegungen und Geräuschen der neuen Luftfahrtepoche.
Ausgangspunkt ist der Weg eines jungen Mannes in eine damals noch experimentelle Sphäre: die Verlockung des Fliegens, der Eintritt in den Dienst, die Aneignung von Fertigkeiten, die im Einsatz auf die Probe gestellt werden. Udet erzählt in einer direkten, bildstarken Stimme, die Tempo liebt und Details der Handhabung nicht scheut, ohne die Menschen hinter den Maschinen aus dem Blick zu verlieren. Der Ton schwankt zwischen heiterer Selbstironie und nüchterner Sachlichkeit; die Szenenfolge ist episodisch, vorangetrieben vom Rhythmus von Start und Landung, Lernkurven, kurzen Atempausen und wiederkehrendem Lärm der Motoren. Das Leseerlebnis bleibt dadurch unmittelbar und körpernah.
Zentrale Themen sind die Verführungskraft der technischen Moderne und die Frage, wie der Mensch in einer Maschine seine Grenzen verschiebt. Immer wieder geht es um Wahrnehmung und Kontrolle: den Blick in Böen und Wolken, das Hören von Störungen, das Lesen von Signalen, die Kunst der Entscheidung unter Druck. Dazu treten Kameradschaft und Rivalität, Mut und Angst, Routine und Ausnahme. Das Buch erkundet, wie aus Können Anerkennung wird und wie Öffentlichkeit Bilder von Heldentum formt, die auf den Schultern Einzelner lasten. So verbindet sich Abenteuerlust mit einer leisen Reflexion über Risiko, Verantwortung und Zufall.
Stilistisch hält Udet die Balance zwischen technischer Präzision und erzählerischem Drive: Er benennt Manöver, Geräte und Abläufe, doch er verdichtet sie zu Szenen, in denen Stimmung, Tempo und Körpergefühl dominieren. Die Rückschau-Perspektive ordnet Erlebnisse, ohne deren Rohheit völlig zu glätten; zwischen Euphorie, Erschöpfung und nüchterner Registrierung entsteht ein spannungsreiches Wechselspiel. Die Sprache arbeitet mit dynamischen Bildern und knappen Beobachtungen, wodurch Nähe entsteht, während eine spätere Einsicht den Rahmen zieht. So bleibt das Buch zugleich Erinnerungsbericht und literarische Gestaltung, getragen von einer individuellen Stimme, die Nähe zur Sache und Sinn für erzählerische Pointierung verbindet.
Heutige Leserinnen und Leser finden hier mehr als historische Luftfahrtgeschichte: Sie begegnen einem frühen Erfahrungsraum der Technikkultur, in dem sich Faszination, Beschleunigung und Gefährdung in exemplarischer Weise verdichten. Das Buch erlaubt, Fragen nach Verantwortung, Professionalität und öffentlicher Inszenierung in Zeiten raschen technologischen Wandels neu zu stellen. Es zeigt, wie Medien Bilder von Können und Mut produzieren und wie Biographien durch Erwartungen geformt werden. Zugleich bietet es Anschauung darüber, wie Erfahrung erzählt und erinnert wird, welche Lücken bleiben und welche Akzente gesetzt werden – Einsichten, die weit über den militärischen Kontext hinaus wirksam sind.
Als Lektüre funktioniert Mein Fliegerleben zugleich als Zeitdokument und als kunstvoll montierte Selbstbeschreibung eines Protagonisten der frühen Luftfahrt. Wer den Text aufschlägt, erhält keine strategische Gesamtschau, sondern eine Nahsicht, in der Können, Zufall und Momententscheidung ein flirrendes Gewebe bilden. Gerade diese begrenzte, persönliche Perspektive macht seinen Reiz und seine Aussagekraft aus, weil sie historische Prozesse durch konkrete Praxis erfahrbar werden lässt. Das Buch bleibt dadurch aktuell: Es lädt dazu ein, Begeisterung und Skepsis produktiv zu halten, Mythen zu prüfen und den Mensch hinter der Maschine zu sehen – und darin die Moderne neu zu betrachten.
Mein Fliegerleben ist die Autobiographie des deutschen Piloten Ernst Udet. In klarer, episodischer Erzählweise beschreibt er seinen Weg vom technikbegeisterten Jungen zum weithin bekannten Flieger. Die Darstellung folgt chronologisch und verknüpft persönliche Erlebnisse mit Beobachtungen zur rasanten Entwicklung der Luftfahrt. Udet richtet den Blick auf Ausbildung, Frontalltag, technische Neuerungen, Öffentlichkeit und organisatorische Zwänge. Das Buch verspricht Abenteuer, bleibt jedoch auf Erfahrung, Handwerk und Reflexion konzentriert. Leitend sind Fragen nach Können, Mut und Verantwortung in einer riskanten, jungen Technik. Die großen Abschnitte umfassen Vorkriegsjahre, Kriegseinsatz, Nachkriegskarriere sowie die erneute Einbindung in staatliche Strukturen der dreißiger Jahre.
Der erste Teil zeichnet Udets frühe Leidenschaft für Flugmaschinen nach, die in Werkstätten, auf improvisierten Flugfeldern und vor wachsenden Zuschauermengen gedeiht. Er tastet sich über einfache Maschinen, strenge Übungsabläufe und die Suche nach verlässlichen Lehrern an das Fliegen heran. Prägend sind Improvisation, Mangel an ausgereifter Technik und die Faszination, einen neuen Bewegungsraum zu erobern. Die Erzählung betont die körperliche Präzision, die ein Pilot schon am Boden benötigt, und die Disziplin, die Starts und Landungen verlangen. Als Wendepunkt markiert Udet das sichere Alleinfliegen und das Gefühl, mit dem Flugzeug zu kommunizieren, bevor eine militärische Verwendung seinen Weg grundlegend verändert.
Mit Kriegsbeginn schildert Udet die Aufnahme in den militärischen Flugbetrieb, die harte Umstellung vom zivilen Üben zum operativen Einsatz und das Lernen im Tandem mit erfahreneren Kameraden. Zunächst stehen Erkundungs- und Verbindungsflüge, bald rückt der Luftkampf ins Zentrum. Der Bericht verbindet nüchterne Ablaufbeschreibungen mit Momenten von Angst, Zufall und Glück. Ein Schlüsselmotiv ist das Ringen um Taktik: Höhe, Tempo, Überraschung und Schussdisziplin entscheiden über Erfolg oder Scheitern. Zugleich zeigt Udet, wie schnell Technik und Verfahren sich ändern, und wie wichtig Wartungsteams, Material und Wetter werden, während persönliche Initiative weiterhin den Unterschied ausmachen kann.
Im weiteren Verlauf beschreibt Udet den Übergang zum Jagdflug und die zunehmende Verantwortung als erfahrener Pilot. Er skizziert dogfight-Erfahrungen, Teamabsprachen, die Bedeutung klarer Führung und die psychische Belastung wiederholter Einsätze. Entscheidende Wendepunkte sind Verluste im Freundeskreis und das Gefühl, immer komplexere Maschinen zu beherrschen, ohne die eigenen Grenzen zu ignorieren. Die technische Schilderung bleibt nah am Handwerk: Waffenstörungen, Motorleistung, Sicht, Funkersatzzeichen. Gleichzeitig tritt der Mythos des unfehlbaren Helden zurück zugunsten eines Bildes von Disziplin, Vorbereitung und Glück. So entsteht ein nüchterner Blick auf Ruhm, der zugleich die Verwundbarkeit des Einzelnen sichtbar macht.
Nach Kriegsende thematisiert Udet die abrupte Entlassung aus militärischen Routinen und die Suche nach einer neuen Rolle. Er schildert den Übergang in die zivile und populäre Luftfahrt: Vorführflüge, Wettbewerbe, Fernreisen und das Arbeiten für Filmproduktionen. Das Fliegen wird zum Beruf und zur Bühne, mit ökonomischen Zwängen, wechselnden Auftraggebern und stetigem Risiko. Technische Lernprozesse setzen sich fort, nun gekoppelt an Publikumswirksamkeit und Präzision im Sekundenbereich. Ein neuer Fokus entsteht: die Vermittlung von Flugbegeisterung an breite Kreise, ohne die Sicherheit aus dem Blick zu verlieren. Darin liegt ein pragmatischer Gegenentwurf zum heroischen Pathos des Frontpiloten.
Im letzten Drittel rückt die Professionalisierung der Luftfahrt in den Vordergrund: Industriekontakte, Erprobungen, Standardisierung und die wachsende Rolle staatlicher Stellen. Udet beschreibt Chancen und Reibungen dieser Entwicklung, vom Zugang zu modernen Maschinen bis zu Vorschriften, die individuelle Freiheiten begrenzen. Wiederkehrend ist der Konflikt zwischen der Lust am Fliegen und der Nutzung des Flugs als Instrument für Ziele, die über die Person des Piloten hinausgehen. Dabei betont er Ausbildung, Teamarbeit und verlässliche Technik als Voraussetzung jeder Leistung. Die Abenteuer bleiben, doch die Verantwortung wächst, und mit ihr eine reflektierte Sicht auf Risiken, Zweck und Öffentlichkeit.
Als Ganzes bietet die Autobiographie einen konzentrierten Blick auf das 20. Jahrhundert aus Cockpitperspektive: Wie Technik Menschen formt, wie Routinen Sicherheit stiften und wie Ruhm Erwartungen erzeugt. Udet verknüpft spannungsreiche Episoden mit nüchternen Einsichten in Training, Material und Zusammenarbeit. Daraus entsteht ein Leitmotiv der Balance zwischen Wagemut und Maß, Individualität und System, Spieltrieb und Pflicht. Ohne intime Privatdetails auszubreiten, bleibt der Text nah an Situationen und Entscheidungen. Die nachhaltige Wirkung liegt in der Entzauberung gängiger Legenden und in der anhaltenden Faszination für die Kunst des Fliegens, deren Ethos der Autor eindringlich reflektiert.
Ernst Udet (1896–1941) wuchs im späten Kaiserreich auf, einer von Technikbegeisterung, Militärkultur und rasantem Luftfahrtpioniergeist geprägten Zeit. Geboren in Frankfurt am Main und in München sozialisiert, traf er auf frühe Flugplätze, Vereine und Werkstätten, die den Sprung vom Experiment zur organisierten Fliegerei ermöglichten. Prägende Institutionen wurden bald die Kaiserliche Fliegertruppe, ab 1916 als Luftstreitkräfte organisiert, deren Strukturen Ausbildung, Einsatz und Technik standardisierten. Zugleich wirkten die großen Verlage und Illustrierte der Metropolen an der Popularisierung der Flughelden mit. Diese Gemengelage aus urbaner Moderne, militärischer Organisation und Medienöffentlichkeit bildet den Ausgangshorizont seiner Autobiographie Mein Fliegerleben.
Der Erste Weltkrieg verwandelte die Fliegerei in ein strategisches Instrument. Anfangs für Aufklärung genutzt, entwickelte sich 1915/16 mit dem Fokker-Synchronisationsgetriebe der spezialisierte Jagdluftkampf. Deutschland schuf Jagdstaffeln und zentralisierte die Ausbildung. Udet trat 1915 zur Fliegertruppe, flog zunächst als Beobachter und bald als Jagdflieger. Die neue Waffengattung verband technische Innovation mit hohem Risiko, was die Figur des „Fliegerasses“ entstehen ließ. Institutionell spiegelte sich das in Auszeichnungen und Beförderungen; herausragende Piloten erhielten hohe Orden wie den Pour le Mérite. In dieser Umgebung sammelte Udet die Erfahrungen, die seine Erinnerungen prägen: Technik, Taktik und der Alltag eines schnell professionalisierten Kriegshandwerks.
Mit der Bildung großer Verbände wie Jagdgeschwader 1, kommandiert nacheinander von Manfred von Richthofen und Hermann Göring, erreichte der deutsche Jagdflugdienst eine eigene Identität. Udet erzielte 62 bestätigte Luftsiege, gehörte damit zu den erfolgreichsten deutschen Piloten und führte zeitweise eine Staffel innerhalb des Jagdgeschwaders. Moderne Muster wie Albatros-Jäger und die Fokker D.VII bestimmten die letzte Kriegsphase. Parallel wuchs die öffentliche Inszenierung des „ritterlichen“ Luftkampfs, obwohl die Realität von Materialschlachten und verlustreichen Taktiken geprägt war. Diese Spannung zwischen Mythos und Mechanisierung durchzieht die autobiographischen Passagen, die den Wandel vom individuellen Duell zur systematischen Luftherrschaft veranschaulichen.
Nach 1918 setzten der Versailler Vertrag und die Interalliierte Militär-Kontrollkommission der deutschen Militärluftfahrt enge Grenzen. Viele Piloten wechselten in zivile Bereiche; Segelflug an Orten wie der Rhön gewann an Bedeutung. Udet beteiligte sich an der zivilen Luftfahrt, gründete in den frühen 1920er Jahren ein eigenes Unternehmen und wirkte an leichten Trainings- und Kunstflugzeugen mit; der Typ U 12 „Flamingo“ wurde später in Serie gebaut, auch bei den Bayerischen Flugzeugwerken. Flugtage, Reklameflüge und technische Wettbewerbe prägten die Weimarer Luftfahrtkultur. Diese Phase des Übergangs – Entmilitarisierung, Innovation, Publikumssuche – liefert den Hintergrund der nachträglichen Selbstverortung in Mein Fliegerleben.
Die Zwischenkriegszeit war transnational. Deutsche Firmen wie Junkers warben weltweit, und Piloten demonstrierten neue Muster im Ausland. Udet unternahm Vorführreisen, auch nach Südamerika, und profilierte sich als Kunstflieger. Zugleich verband sich Luftfahrt mit Film und Massenmedien: In Hollywood wirkte Udet 1930 an Howard Hughes’ Produktion Hell’s Angels als Stuntpilot mit, was die öffentliche Wahrnehmung von Luftkampf und Technik weiter prägte. Solche Erfahrungen spiegeln im Buch den internationalen Austausch, die Kommerzialisierung der Fliegerei und den Aufstieg einer Populärkultur, die das Bild des Piloten zwischen Ingenieurskunst, Spektakel und Abenteuer ansiedelte. Auch europäische Luftfahrtsalons, etwa in Paris und Berlin, boten Bühnen für Technikschauen und Rekorde.
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 änderten sich Rahmen und Ziele. Das Reichsluftfahrtministerium entstand, die bis dahin geheime Aufrüstung mündete 1935 in die offizielle Schaffung der Luftwaffe. Luftfahrt wurde zum Prestige- und Propagandafeld. Udet trat in leitende Funktionen der neuen Streitkraft ein, förderte Sturzkampftaktiken und war an der Beschaffung von Mustern wie der Ju 87 beteiligt; 1939 wurde er Generalluftzeugmeister. Parallel bediente das Kino die Begeisterung, etwa mit dem UFA-Film Wunder des Fliegens (1935), an dem Udet mitwirkte. Diese Verdichtung von Politik, Rüstungsindustrie und Massenkultur rahmt die Rezeption seines autobiographischen Rückblicks.
Mein Fliegerleben erschien 1935 und blickt vor allem auf Udets Weg vom Vorkriegsbegeisterten zum Jagdflieger des Ersten Weltkriegs zurück. Die Publikation fiel in eine Phase, in der der NS-Staat Erinnerung an 1914–1918 selektiv heroisiert und militärische Traditionen neu verankert hat. Das Buch knüpft an verbreitete Motive des Fliegerdiskurses an: technisches Können, Kameradschaft, Wagnis und der Kontrast zur Materialschlacht am Boden. Als autobiographische Quelle liefert es Details zu Ausbildung, Ausrüstung und Einsatzpraxis der Luftstreitkräfte und zeigt, wie individuelle Erfahrung in einer politisierten Erinnerungskultur aufgegriffen und verbreitet wurde. Es erschien im selben Jahr, in dem die Luftwaffe offiziell verkündet wurde, was den Kontext der Lektüre prägte.
Im historischen Kontext fungiert Mein Fliegerleben als Kommentar zu einer Epoche, in der sich industrielle Moderne, Mediengesellschaft und Nationalstaat im Medium der Luftfahrt kreuzten. Es dokumentiert den Weg von der Pionierfaszination über den industrialisierten Krieg bis zur erneuten Mobilisierung der Fliegerei im Zeichen der Aufrüstung. Gerade weil es persönliche Erlebnisse bündelt, macht das Buch die Mechanismen sichtbar, mit denen Technikbegeisterung, Leistungsdenken und nationale Mythen verbunden wurden. Damit ist es zugleich Zeitzeugnis, technische Erfahrungsquelle und Beitrag zur Deutung des Ersten Weltkriegs, dessen Luftkrieg im Deutschland der 1930er Jahre eine exemplarische Erinnerungserzählung erhielt.
Mit 77 Abbildungen
Im Deutschen Verlag – Berlin 301.-350. Tausend Printed in Germany Copyright 1935 by Deutscher Verlag, Berlin
Ich schreibe dieses Buch für die Jugend, die nach uns kommt. Denn sie wird einst der Richter unserer Taten sein. Ich widme es meinen toten Kameraden. Denn sie haben das Beste von uns allen getan. Und wenn ich sonst noch einen Zweck mit diesem Buch verbinde, so ist es der: ich möchte zeigen, daß es das Schicksal jedem von uns in die eigene Hand gegeben hat, ob wir Krämer sein wollen oder Soldaten, ob wir das Leben genießen wollen oder unser Glück für nichts achten vor einer Idee, die die kleine Barke unseres Daseins in den ewigen Strom der Geschichte hinausträgt.
Inhaltsverzeichnis
Als ich in unsere Stube trete, ruft mir Niehaus schon an der Tür entgegen: »Udet, sofort zu Leutnant Justinus kommen, er hat schon zweimal nach dir geschickt!«
Ich rücke die Mütze gerade, Kokarden in Verlängerung des Nasenrückens, und gehe den langen, grauen Kasernenflur entlang[1q]. Die Flugschüler kommen von einem Übungsmarsch zurück, mit Karabiner und Tornister klappern sie an mir vorbei.
Ich überlege: Was kann Justinus von mir wollen? Ob er erfahren hat, wer dem Hauptmannshund Benzin unter den Schwanz gespritzt hat? Wäre komisch, wenn er sich darum kümmerte. Denn er ist schließlich nur nach Darmstadt kommandiert, um Piloten für seine Abteilung auszusuchen. Mit dem inneren Betrieb der Fliegerersatzabteilung[2] hat er nichts zu tun.
Der »Aeroklub 1900« als Zaungast bei den Ottowerken
Eine schmale Tür, ein weißes Pappschildchen »Lt. Justinus«. Ich klopfe, trete ein.
Justinus liegt auf dem Bett, in Hemdsärmeln. Der Waffenrock hängt über der Stuhllehne, das Band des Eisernen Kreuzes[1] leuchtet aus dem zweiten Knopfloch. Draußen vor dem offenen Fenster flirrt ein heißer Sommertag.
Der erste Gleitflugapperat wird gebaut
Ich stehe stramm.
»Setzen Sie sich, Udet!« sagt Justinus, reckt sein Bein aus und fegt einen Stoß Zeitungen vom Stuhl auf den Boden herunter.
Ich setze mich und sehe ihn erwartungsvoll an.
»Wie alt sind Sie eigentlich?« beginnt er unvermittelt.
»Neunzehn Jahre, Herr Leutnant!«
»Hm«, brummt er, »bißchen jung!«
»Aber ich werde bald zwanzig«, füge ich eilig hinzu, »nächstes Jahr im April.«
Um seine Augen bilden sich Lachfältchen. »Na, da beeilen Sie sich mal«, sagt er. »Und wie sind Sie zur Fliegerei gekommen?«
Ich fange an zu begreifen, was er von mir will.
»Ende Vierzehn wurde ich als freiwilliger Motorradfahrer entlassen«, berichte ich eifrig, »und da habe ich mich sofort bei einer Fliegerersatz-Abteilung gemeldet. Bin aber nicht genommen worden.«
»Weshalb?«
»Weil ich damals noch zu jung war«, gebe ich zögernd zu. Justinus lächelt wieder. »Und dann?« fragt er.
»Dann habe ich mich als Zivilflieger ausbilden lassen. Bei den Ottowerken in München.«
»Auf eigene Kosten?«
»Mein Vater hat zweitausend Mark bezahlt und eine Badezimmereinrichtung für Herrn Otto.«
Unfreiwillige Landung beim Gleitflugversuch in Niederaschau
Ich will noch weiter erzählen, aber Justinus schneidet mir mit einer Handbewegung das Wort ab. »Ist gut!« sagt er. Dann richtet er sich auf, den Kopf auf den Ellenbogen gestützt, und sieht mich mit seinen harten, blauen Augen eine Weile prüfend an.
»Hätten Sie Lust, mit mir rauszugehen, als mein Pilot?« fragt er. Obwohl ich das erwartet habe, kann ich nicht verhindern, daß ich rot werde. Vor Freude. Denn Justinus ist ein feiner Kerl. »Verdammt schneidiger Hund!« sagen die Flugschüler von ihm.
Als Pennäler vor Verdun, 1913
»Selbstverständlich, Herr Leutnant!« schmettere ich ganz vorschriftswidrig. Er nickt mir freundlich zu.
»Geht in Ordnung!«
Ich stehe auf, baue ein strammes Männchen. In der Tür ruft er mich noch mal zurück.
»Haben Sie heut abend frei?« Und als ich bejahe: »Dann wollen wir unsere neue Ehe begießen, ›Emil‹.«
»Jawoll, Leutnant ›Franz‹.« Bei ihm riskiere ich diese Antwort.
»Emil« heißt in der Fliegersprache der Pilot, »Franz« der Beobachter. Aber nur »Franz« traue ich mich denn doch nicht zu sagen.
Gegen Morgen kommen wir heim. Ich bin lange über meinen Urlaub ausgeblieben, und Justinus hängt mir sein Offizierscape um, damit ich ungefährdet die Posten passieren kann.
Rohrlegerlehrling in Vaters Fabrik
Am nächsten Morgen bei den Schulflügen im Grießheimer Sand hätte ich beinah Bruch gemacht. Ich vergesse, meinem Schüler, dem großen, dicken Kolonialwarenhändler, der immer zu früh abfängt, im entscheidenden Augenblick mit dem Spazierstock eins über die Haube zu geben. Erst im allerletzten Moment kriegt er seinen Puff. So sehr beschäftigt mich das Gespräch mit Justinus.
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