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Madleen van Hoogstraten wächst in Sumatra als verwöhnte Tochter eines Plantagenbesitzers auf. Als sie an der Schwelle zur Frau steht, schickt ihr Vater sie zur Erziehung in ein Internat in der Schweiz. Zurück bleibt Frank van der Meulen, der Sohn der Nachbarplantage, der Madleen über alles liebt und gar nicht einverstanden ist, dass seine Angebetete nach Europa reist, um die Welt kennenzulernen.
Aus dem Traum der mondänen Welt Europas wird Madleen bald herausgerissen, als sie im Internat zuerst Neid dann Missgunst und schließlich Intrigenspiel kennenlernt … und als in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ihr Vater plötzlich ohne Vermögen dasteht, lernt auch Madleen van Hoogstraten tiefste Armut kennen …
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Veröffentlichungsjahr: 2022
Daniela Behrens
Mein Herz vergaß dich niemals
Ein Schicksalsroman
Copyright © by Authors/Bärenklau Exklusiv
Cover: © by Steve Mayer nach Motiven, 2022
Korrektorat: Roland Heller
Originaltitel: Mein Herz vergaß dich nie
Verlag: Bärenklau Exklusiv. Jörg Martin Munsonius (Verleger), Koalabärweg 2, 16727 Bärenklau. Kerstin Peschel (Verlegerin), Am Wald 67, 14656 Brieselang
Die ausgedachten Personen haben nichts mit tatsächlich lebenden Personen zu tun. Namensgleichheiten sind zufällig und nicht beabsichtigt.
Alle Rechte vorbehalten
Inhaltsverzeichnis
Impressum
Das Buch
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
Madleen van Hoogstraten wächst in Sumatra als verwöhnte Tochter eines Plantagenbesitzers auf. Als sie an der Schwelle zur Frau steht, schickt ihr Vater sie zur Erziehung in ein Internat in der Schweiz. Zurück bleibt Frank van der Meulen, der Sohn der Nachbarplantage, der Madleen über alles liebt und gar nicht einverstanden ist, dass seine Angebetete nach Europa reist, um die Welt kennenzulernen.
Aus dem Traum der mondänen Welt Europas wird Madleen bald herausgerissen, als sie im Internat zuerst Neid dann Missgunst und schließlich Intrigenspiel kennenlernt … und als in den ersten Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts ihr Vater plötzlich ohne Vermögen dasteht, lernt auch Madleen van Hoogstraten tiefste Armut kennen …
***
Personen
Willem van Hoogstraten: Plantagenbesitzer – Gummibäume
Madleen: seine Tochter
Marie van Hoogstraten: Madleens Großmutter
Aileen van der Meulen: Seine Mutter
John van der Meulen: Sein Vater
Frank van der Meulen: ihr Freund
Madame Renant: Internatsleiterin in der Schweiz
Doris Egedy: Eine Schülerin und Freundin
Fleury Armand: Eine Schülerin und Freundin
Antje van Geldern: Hausangestellte bei Maria van Hoogstraten
Viktor Harlander: Freund von Doris Egedy
Raymond Brunot: Freund von Fleury Armand
Claude Robin: Rechtsanwalt
»Wenn ich groß bin, möchte ich die ganze Welt kennenlernen«, schwärmte Madleen und sah dabei in den tiefblauen, wolkenlosen Himmel. Mit ihren 12 Jahren lebte sie noch sorglos in den Tag hinein.
Sie lag auf dem Rücken unter einer Palme und hatte die Hände hinter dem Kopf verschränkt.
Neben ihr richtete sich jetzt ein Junge von etwa vierzehn Jahren auf, der sie mit einem entsetzten Blick anstarrte.
»Du willst fort von hier?«, fragte er, und seine Stimme klang vor Aufregung ganz tonlos. »Du willst weg von Tana-Rambong?«
Madleen schob die Unterlippe ein wenig vor. Dann hob sie den Kopf ein klein wenig und sah ihren jungen Freund, den Sohn des Pflanzers, dem die Nachbarplantage gehörte, mit einem überlegenen Lächeln an.
»Ja, glaubst du, ich wollte ewig hierbleiben?«
»Allerdings, ich möchte nicht fort von hier«, erwiderte er und ließ sich in das hohe Gras zurücksinken.
Auf Madleens schön geschwungenen Lippen lag ein Lächeln. Solange sie denken konnte, wurde sie von der Sehnsucht beherrscht, auch einmal jene andere Welt, die sie nur aus den Erzählungen der Erwachsenen kannte, kennenzulernen.
Als sie acht Jahre alt gewesen war, hatte ihr Vater ihr versprochen, sie dürfe im nächsten Jahr mit ihrer Mutter nach Europa fahren.
Aber dann war die Mutter gestorben, und es war nie wieder die Rede von einer Europareise gewesen.
Madleen hatte niemals gewagt, ihren Vater an sein Versprechen zu erinnern, denn seitdem seine Frau gestorben war, war er ein anderer Mensch geworden, wortkarg und in sich gekehrt. Selten sah man ihn lachen.
Madleen war der Liebling aller.
Frank hatte sich wieder aufgerichtet. Er stützte sich auf den Ellbogen und betrachtete das Antlitz seiner kleinen Freundin. Madleen tat so, als ob sie es nicht bemerkte, obgleich es ihr schwerfiel, die Lider geschlossen zu halten.
»Warum willst du denn nicht hierbleiben?«
»Weil ich wissen möchte, wie die Menschen woanders leben«, lächelte Madleen.
Langsam schlug sie die Augen auf. Sie sah Frank an. Über sein Antlitz lief ein Zucken, und jetzt tat er ihr leid.
Warum musste sie ihn auch immer mit solchen Worten erschrecken? Wusste sie nicht, dass Frank van der Meulen ihr treuester Freund war? Nirgendwo auf der Welt würde sie je wieder einen so treuen Begleiter finden.
Es gab nichts, was sie nicht gemeinsam erlebt hatten. Von frühester Jugend an waren sie immer zusammen gewesen.
»Komm«, sagte sie, »steh auf, wir wollen weitergeben.«
Frank ließ es sich nicht zweimal sagen.
Die beiden setzten ihren Streifzug durch die Plantagen fort. Sie kamen zu einer Stelle, wo fleißig gearbeitet wurde. Die Eingeborenen, die auf den Plantagen arbeiteten, begleiteten ihre Tätigkeit mit eintönigen, schwermütigen Gesängen.
Madleen kannte alle diese Lieder, und abends, wenn sie in ihrem Bett hinter dem Moskitonetz lag und nicht einschlafen konnte, summte sie sie leise vor sich hin.
Auch jetzt, da sie mit Frank eine Schneise entlangging, sang sie das Lied leise mit.
Plötzlich umspannte Frank mit einem harten Griff Madleens Arm und riss sie zurück.
»Da!«, schrie er und deutete mit der ausgestreckten Hand auf etwas Braunes, das sich in dem hohen Gras bewegte.
Eine Schlange!
Madleen starrte mit entsetzt aufgerissenen Augen auf das schwarzgepunktete Tier. Sie wagte kaum zu atmen, denn sie wusste, dass eine einzige Bewegung genügen konnte, um das Tier zum Angriff zu reizen.
Nur wenn sie ganz still verharrten, konnten sie damit rechnen, dass die Schlange sie nicht angreifen würde.
Die Sekunden dehnten sich zu Ewigkeiten.
Langsam kroch die Schlange weiter. Sie war sehr dick, und das war ein Zeichen dafür, dass sie erst vor Kurzem gefressen hatte.
Die beiden Kinder sahen ihre kleinen, glitzernden Augen durch das hohe Gras leuchten. Die Schlange ließ sie nicht aus den Augen.
Madleen zitterte an allen Gliedern.
Sie wusste, wie gefährlich diese oft drei Meter langen Tiere sein konnten. Schon mancher der Eingeborenen war von ihnen gebissen worden, und dann gab es meistens keine Rettung mehr. Bis ein Arzt herbeigerufen und dieser auf der Plantage eingetroffen war, hatte das Gift sich bereits im ganzen Körper verbreitet, und unter furchtbaren Qualen musste der Verletzte dann sterben.
Langsam schlängelte die Schlange sich durch das Gras.
Endlich war sie zwischen den Büschen verschwunden.
Madleen wagte wieder zu atmen, aber jetzt rannen ihr die Tränen über die Wangen. Zu groß war die Angst, die sie hatte ausstehen müssen.
»Wein doch nicht, Madleen«, sagte Frank und zog sie an sich. Zärtlich streichelte er über ihr goldenes Haar. »Die Gefahr ist ja vorüber. Die Schlange kommt nicht zurück. Sie liegt jetzt dort im Gebüsch und schläft.«
»Töte sie doch«, sagte Madleen und schloss schaudernd die Augen. »Wenn du es nicht tust, dann beißt sie einen der Arbeiter.«
»Die Schlange töten?«, wiederholte Frank fragend.
»Ja, töte sie – töte sie!«, schrie Madleen jetzt.
Frank zögerte noch immer.
Er wusste, wie gefährlich es war, sich der schlafenden Schlange zu nähern. Das kleinste Geräusch konnte sie aufwecken, und wenn sie einmal gereizt war und sich aufrichtete, dann gab es kein Entrinnen mehr.
Sollte er vor Madleen wie ein Feigling dastehen?
Es gab Eingeborene, die die Schlangen mit ihren bloßen Händen töteten. Man musste nur die richtige Stelle treffen, wo sie verwundbar waren.
Madleen stand mit geschlossenen Augen neben ihm. Vor nichts auf der Welt hatte sie mehr Angst als vor Schlangen. Sie hatte einmal gesehen, wie ein junges Eingeborenenmädchen von einem dieser riesigen Tiere gebissen worden war. Das Kind hatte sich dann in wilden Krämpfen auf den Boden gewälzt, bis das Gift sein Zerstörungswerk beendet hatte.
Frank bückte sich und griff nach einem auf dem Boden liegenden Stein. Er war auf der einen Seite ganz spitz, fast wie ein Meißel.
Die Muskeln in seinem Gesicht spannten sich.
Dann trat er an den Rand der Straße, dorthin, wo die Schlange vorhin im Gebüsch verschwunden war, und schob das Blättergewirr ein wenig auseinander.
Es war schwer, das Tier in dem Dämmern zu erkennen, denn es hatte die Farbe trockenen Laubes. Nur die schwarzen Punkte auf seinem Rücken konnten es verraten.
Fast lautlos trat Frank auf. Auch das hatte er von den Eingeborenen gelernt, so lautlos wie eine Katze zu gehen.
Zentimeter um Zentimeter beugte Frank sich nieder. Seine Finger umspannten den Stein. Er ließ den Kopf der Schlange nicht aus den Augen.
Er musste gleich beim ersten Zuschlagen treffen. Dicht hinter dem Kopfe musste die spitze Seite des Steines zuschlagen.
Wenn er nicht traf …
Wenn er die Schlange nur verletzte und sie dadurch aufs Höchste reizte …
Dann …
Die Hand mit dem Stein sauste herab.
Die Schlange bäumte sich auf. Ihr glänzender Körper streckte sich.
Aber ihre Kraft erlahmte.
Ein Zucken ging durch den riesigen Leib. Dann war die Schlange tot.
Ein triumphierendes Gefühl erwachte in Frank. Es war die erste Schlange, die er erlegt hatte. Was er getan, hätte vielleicht nicht einmal sein Vater gewagt.
Er kam sich wie ein Held vor.
Er packte die Schlange beim Schwanz und zerrte sie durch das Gebüsch zur Straße, wo Madleen, noch immer von Angst und Schrecken gebannt, stand.
Als sie das tote Tier sah, stieß sie einen leichten Schrei aus. Dann löste sich die Spannung, die sie erfasst hatte.
»Du hast sie getötet?«, fragte sie.
»Ja«, antwortete Frank. Stolz schwang in seiner Stimme mit.
Madleen bückte sich und streichelte mit ihren schmalen Fingern über den glänzenden Leib der Schlange.
Das Leder war kostbar.
Als Madleen Franks Jagdbeute genügend bewundert hatte, zerrte er die tote Schlange in den Graben. Er riss Blätter und Äste von den Büschen und deckte sie damit zu. Er wollte sie nachher mit einem kleinen Karren abholen. Er hoffte, dass sie vorher von niemand anderem entdeckt werden würde.
Dann wandte er sich lächelnd Madleen wieder zu.
»Du brauchst jetzt keine Angst mehr zu haben.«
Bald erreichten sie den Eingang von Tana-Rambong, den Besitz Willem van Hoogstratens, Madleens Vater.
Tana-Rambong war ein einstöckiges Backsteingebäude mit zwei Seitenflügeln. Der Garten war schön angelegt und gut gepflegt. Der Rasen in der Mitte war auf englische Art kurz gestutzt.
Längs der Auffahrt wuchsen Ölpalmen mit ihren düsteren, dunkelgrünen Blättern. Und neben dem Haus entfalteten sich kokett einige hohe Fächerpalmen.
Truthühner hockten auf dem Rasenplatz.
Etwas weiter entfernt lagen die Häuser der Plantagenarbeiter. Auch diese waren von kleinen Blumengärten umgeben. Besonders ein Haus fiel sofort ins Auge. Es war über und über mit roten und weiß blühenden Kletterpflanzen bewachsen.
Madleen blieb stehen und reichte Frank die Hand.
»Besuchst du mich einmal wieder?«, fragte sie.
»Ich komme heute Nachmittag«, versprach Frank. »Ich muss doch die Schlange holen.«
»Ach ja«, sagte Madleen, als ob sie es schon wieder vergessen hätte.
Im Innern des Hauses schlug der Gong an.
Das war das Zeichen dafür, dass bald gegessen wurde.
Drei Jahre später.
Madleen war fünfzehn Jahre alt geworden und zu einem bildhübschen jungen Mädchen herangewachsen.
Das goldblonde Haar fiel ihr dicht und schwer auf die Schultern herab und umrahmte ein Antlitz von so eigenartigem Reiz, dass jeder, der Madleen sah, fasziniert war von dem strahlenden Glanz der bernsteinfarbenen Augen, dem sanften Schwung ihrer roten Lippen und dem dunklen, samtartigen Schmelz ihrer Haut.
Madleen war jetzt kein Kind mehr, sondern ein junges Mädchen, das aber dennoch genau wie früher ihr Leben fortführte, das in den Bäumen herumkletterte, sich auf den Rücken eines ungesattelten Pferdes schwang und mit Frank um die Wette ritt, über Gräben und Hecken hinweg.
Es kam Madleen auch gar nicht darauf an, mit einem Rock herumzulaufen. Da konnte sie sich höchstens an irgendeinem dornigen Gestrüpp ein Loch reißen.
Das waren Äußerlichkeiten, auf die sie keinen besonderen Wert legte. Andererseits, was machte schon ein einziges Loch aus?
Nur ihr Vater runzelte die Stirn, wenn er so etwas sah. Er ermahnte Madleen, und dann versprach sie auch Besserung.
Aber eine Stunde später hatte sie schon wieder alles vergessen, was Willem van Hoogstraten ihr gesagt hatte.
Auch die alte Haushälterin, die schon zu Maria van Hoogstratens Zeiten den Haushalt geführt hatte, schlug oftmals die Hände über dem Kopf zusammen, wenn sie mit ansehen musste, wie wild und ungestüm Madleen geworden war.
»Mach nicht solch ein entsetztes Gesicht, Saima«, lachte Madleen. »Du änderst mich doch nicht.«
»Leider, leider«, seufzte die alte Saima, und bei sich dachte sie, dass es wohl die höchste Zeit würde, dass Madleen in eine strenge Schule käme.
Die gleichen Gedanken bewegten auch Madleens Vater.
Was sollte aus seinem Kinde werden, wenn sie dauernd hierblieb? Eine kleine Wilde, die später vielleicht einen der Pflanzersöhne heiratete?
Das wollte er nicht.
Madleen sollte wenigstens einmal das Leben in der zivilisierten Welt kennenlernen. Sie sollte eine gediegene Ausbildung erhalten, und wenn sie dann nach Tana-Rambong zurückkehren wollte, nun, dann war das ihre Sache.
Aber sie sollte ihm niemals den Vorwurf machen können, er habe sie gezwungen, ihr Leben in dieser Eintönigkeit zu verbringen.
Seit seine Frau gestorben war, hatte Willem van Hoogstraten es sich angewöhnt, alles, was Madleen betraf, mit Aileen van der Meulen, der Frau seines Nachbarn, zu besprechen.
Aileen war eine verständige Frau, die für alles Rat wusste, und so hoffte Willem van Hoogstraten auch diesmal, dass sie ihm sagen konnte, was geschehen müsste.
Als die Sonne sich zum Scheiden rüstete, und aus dem Park ein betäubender Duft der in üppiger Fülle blühenden Blumen ins Haus drang, gab er seinem Diener den Auftrag, ein Pferd zu satteln.
»Du willst noch fort, Vater?«, fragte Madleen, die die Worte mit angehört hatte.
»Ja, mein Liebling. Ich komme nicht spät zurück. Du kannst aber ruhig schon schlafen gehen.«
»Kannst du mich nicht mitnehmen?«, fragte das junge Mädchen.
Willem van Hoogstraten schüttelte den Kopf.
»Diesmal geht es nicht, Madleen«, sagte er.
Madleen schob schmollend die Unterlippe vor, aber sie machte keinen weiteren Versuch, ihren Vater umzustimmen. Wenn er einmal Nein gesagt hatte, dann blieb es auch dabei.
Willem van Hoogstraten zog seine Tochter in die Arme und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann fuhr er ihr zärtlich über das lockige Haar.
Madleen begleitete ihren Vater bis vor die Tür.
Der Farmer ritt im langsamen Trab den Weg entlang, der nach Bukit-Lembu führte. Schon von Weitem sah er die Lichter durch das Grün der Bäume schimmern.
Die Hunde schlugen an, als der Hufschlag seines Pferdes laut wurde. Da kam auch schon ein Diener auf ihn zugeeilt, um sein Pferd im Empfang zu nehmen.
Der Pflanzer glitt aus dem Sattel.
In der Diele kam ihm die Herrin des Hauses, Aileen van der Meulen, entgegen.
*
Lächelnd reichte sie ihm die Hand.
»Guten Abend, Herr van Hoogstraten«, sagte sie freundlich. »Das ist nett von Ihnen, dass Sie uns einmal wieder besuchen. Leider sind mein Mann und Frank nicht da, Sie müssen vorerst also mit mir allein vorliebnehmen.«
»Das freut mich sehr, Aileen«, entgegnete der Pflanzer, »denn heute gilt mein Besuch eigentlich nur Ihnen.«
Sie öffnete die Tür zu dem großen Wohnzimmer, in dem ebenfalls einige Petroleumlampen brannten, denn elektrisches Licht gab es weder auf Tana-Rambong noch auf Bukit-Lembu. »Sie machen mich gespannt.«
»Es ist eigentlich nichts von Bedeutung«, sagte Willem, während er sich in einem der Liegestühle niederließ. »Es betrifft trifft Madleen.«
»Macht sie Ihnen Kummer?«, fragte Aileen lächelnd, während sie sich ihrem Gast gegenüber niederließ.
»Das wäre zu viel behauptet«, sagte der Pflanzer. »Sie macht mir nämlich viel mehr Freude als Kummer. Aber ich mache mir Sorgen um sie.«
Aileen schlug mit einem kleinen hölzernen Hammer gegen eine Metallscheibe, die an einem in die Wand eingelassenen Haken hing.
Gleich darauf wurde lautlos die Tür geöffnet, und eine Dienerin erschien, die unterwürfig den Kopf senkte und die Arme über der Brust kreuzte, um die Befehle ihrer Herrin in Empfang zu nehmen, »Bringe uns Wein, Aisha«, sagte Aileen, »und vergiss die Gläser nicht.«
Die Dienerin zog sich wieder zurück, und die Hausfrau wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihrem Gast zu.
»Erleichtern Sie Ihr Herz, Herr van Hoogstraten«, sagte sie aufmunternd, »wenn ich Ihnen helfen kann, das wissen Sie ja, dann tue ich es gern.«
»Sie sind sehr gütig.«
Es verging dann aber doch noch eine Weile, bis er zu sprechen begann.
