Mind Machine - Leo Brescia - E-Book

Mind Machine E-Book

Leo Brescia

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Beschreibung

"Etwas ist nicht richtig." Diese Worte sagt ein Fremder in der U-Bahn zu Detective Harris. Der Mordermittler ahnt zu dem Zeitpunkt noch nicht, wie falsch die Dinge wirklich sind. Als er später einen Verdächtigen in einem Mordfall befragen will, gesteht ihm dieser ein dunkles Geheimnis: Gedankenkontrolle ist möglich, Identitäten sind leicht zu erfinden und zu zerstören. Dieses Geständnis ist nicht bloß das Gefasel eines Wahnsinnigen, es ist bitterer Ernst. Die Konsequenzen könnten schlimmer nicht sein.

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Seitenzahl: 38

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Leo Brescia

Mind Machine

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Einleitende Worte

Detective Harris

Ein anderer Detective Harris

Impressum neobooks

Einleitende Worte

London im Jahr 2123. Der letzte große Bürgerkrieg in Europa ging vor 30 Jahren zu Ende. Weltweit setzten sich die Menschen gegen Regime zur Wehr, die schlimmer als Faschismus und Kommunismus des 20. Jahrhunderts zu werden drohten oder es in manchen Ländern bereits waren. Das Bewusstsein der Menschen, geschärft durch die Lehren der Geschichte, schrie nach Befreiung vom Übel.

Ehe die Welt erneut, diesmal vielleicht für immer, in den Abgrund kippte, standen jene auf, deren Geister noch nicht der Propaganda ihrer selbstherrlichen Regierungen zum Opfer gefallen waren, und traten ihren Oberhäuptern samt deren verblendeten Anhängern entgegen. Um ihre Freiheit wiederzuerlangen, um ihre Individualität zu bewahren und das, was sie menschlich machte, griffen die Bürger zu den Waffen und entledigten sich der größenwahnsinnigen Staatenlenker und aller Organisationen und Einrichtungen, die Teil eines Systems waren, das in weiterer Folge zur totalen Unterdrückung des Menschen geführt hätte.

Freiheit, einmal gekostet, ist ein Zustand, den keiner jemals wieder aufgeben möchte. Die Möglichkeit, ein freies Individuum zu sein, schlägt alle anderen Freuden um Längen. Tatsächlich dienen alle Freuden dieser Erde einzig dem Zweck, seine eigene Freiheit zu erfahren, sie auszukosten und sich immer wieder seines berauschenden Daseins als Ich bewusst zu werden.

Das Ich kann sich nur dann entwickeln und kann sich nur dann deutlich in der Welt manifestieren, wenn ihm freie Entscheidungen zu treffen möglich ist. Man kann sich zum Werden, zum Sein oder zum Vergehen entscheiden; zum Mitmachen oder zum Trotz; zum Aufgeben oder zum Weitermachen.

Entscheidungen werden in unserem Innersten getroffen. Diese Entscheidungen werden nun zu einem jener äußeren Faktoren die ihrerseits Einfluss auf unser Selbst ausüben. Wir sind sowohl Geber als auch Empfänger von Impulsen die unser Selbst definieren. Die Frage ist nur: kam der erste Impuls unserer individuellen Geschichte als Ich aus uns selbst oder von außen?

Die Philosophen kennen das Beispiel eines Schiffes aus Holz. Man stelle sich vor: ein schöner Tag im antiken Athen. Auf der Agora stellt ein praktisch veranlagter Philosoph einen Tisch auf und platziert darauf ein kleines Spielzeugschiff aus Holz. Die vorbeigehenden Menschen fragt er, was denn Identität sei. Nach der unüberlegten Antwort eines Passanten fragt der Philosoph weiter: Wird eine Planke dieses Schiffes ausgetauscht, handelt es sich dann noch um das selbe Schiff? Was, wenn nach einiger Zeit eine weitere Planke ausgetauscht wird? Und was, wenn irgendwann die Mehrheit oder sogar alle ursprünglichen Planken ausgetauscht sind? Ist es noch das selbe Schiff?

Da kann der Passant nun zweierlei tun: entweder leise verzweifeln beim Versuch, sich sein Hirn auf der Suche nach einer Antwort zermartern; oder das Schiff des überlegen grinsenden Philosophen zerschlagen, über den Tisch springen und den Denker jagen, der es gewagt hat, die eigene Identität in Frage zu stellen und auf den dunklen Abgrund unbeantworteter Fragen hingewiesen hat, dessen Existenz er tunlichst vor sich selbst verheimlichen wollte.

Identität und Freiheit – der Zustand des modernen Menschen – sind heißbegehrt, weil sie unermessliche Freuden verspreche; ignoriert wird, dass sie auch Grund für Leid sind.

Detective Harris

Ich wachte in meinem Apartment auf und überlegte, wozu ich aufstehen sollte. Ich könnte einfach liegen bleiben und den Tag bis zum Einbruch der Nacht vorbeiziehen lassen. Wozu sollte ich hinaustreten in eine verrückte Welt und mich dem Wahnsinn stellen, der dort draußen regierte?

Das süße Nichtstun, das Aufgeben und die Ruhe lockten mich jeden morgen aufs Neue. Und wie jeden morgen kämpfte ich diese Gefühle zurück.

Ich war davon überzeugt, dass ich eine Aufgabe in dieser Welt hatte, der Glaube daran erfüllte mich regelrecht und hielt mich aufrecht. Mein Name war Harris, ich war Detective bei der Mordkommission Südlondon.

Der Rand der Verzweiflung, der an den Verbrechen der Menschen begann, war mir dank meines Jobs als Polizist in Südlondon mittlerweile ebenso bekannt wie der horror vacui des Geistes und die stoische Gleichgültigkeit, die einen befallen, wenn man zu oft Zeuge schrecklicher Ereignisse wird. Trotzdem glaubte ich noch an das Gute in der Welt und daran, dass meine Taten etwas zu jenem Guten beitragen konnten.