Mister Mysterious - Ive Banks - E-Book

Mister Mysterious E-Book

Ive Banks

0,0
0,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Er hat ein Geheimnis, das sie in Gefahr bringen kann, doch sein Verlangen ist zu groß … Dean Harris ist erfolgreich, sexy und die Frauenwelt liegt ihm zu Füßen. Mühevoll hat er sich an der Coté d´Azur ein neues Leben aufgebaut, nachdem er New York zusammen mit seiner Schwester Liv verlassen hat. Doch als plötzlich Livs attraktive Freundin Sunny vor seiner Tür steht, gerät seine mühsam aufgebaute Welt ins Wanken. Sie blickt ihm vom ersten Augenblick an direkt in die Seele. Dean weiß, dass Sunny sein Untergang sein kann, doch das Verlangen tief in seinem Inneren, lässt ihn immer wieder die Gefahr dieser Beziehung vergessen.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 375

Veröffentlichungsjahr: 2022

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Hals über Kopf
Nachts in Nizza
Kette der Vergangenheit
Im Licht des Sonnenuntergangs
Ablenkung ist die beste Medizin
Neue Arbeit, neues Glück
Die geheimnisvolle Fremde
Date mit dem Feind
Autopilot
Sehnsucht im Herzen
Druckmittel
Zwischen Gefahr und Erkenntnis
Der Duft von Lavendel
Die Akte
Die Wahrheit über Leon Harris
Der Abschied
Einen Funken Hoffnung
Wenn aus Dunkelheit Licht wird
Gefühlsrausch
Sommernachtsball
Die Autorin
Leseprobe
Impressum

Impressum neobooks

Mister Mysterious

Unnahbar

IVE BANKS

Erotischer Liebesroman

.SEXY.LOVE.BOOKS.

HINWEIS: Bei diesem Roman handelt es sich um eine Neuauflage, keine Neuerscheinung. Der Roman erschien 2016 unter meinem Klarnamen.

Dieses Werk ist reine Fiktion. Jegliche Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie Schauplätzen sind zufällig und nicht beabsichtigt. Alle darin beschriebenen Vorkommnisse sind frei erfunden.

2. Auflage

Copyright © Ive Banks, Mai 2020

Der Inhalt dieses eBooks ist urheberrechtlich geschützt. Kopieren, Vervielfältigen und Weitergabe sind nur zu privaten Zwecken erlaubt. Der Weiterverkauf des eBooks ist ausdrücklich untersagt. Der Abdruck des Textes, auch nur in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

Korrektur: KKB - Lektorat und Korrektur

Coverbild © Ive Banks

Coverfotos: © SashaKhalabuzar, www.depositphotos.com

Liebe mich dann,

wenn ich es am wenigsten verdient habe,

denn dann brauche ich es am meisten.

-Anonym

Hals über Kopf

Sunny sah aus dem Fenster des Taxis, das sie auf die französische Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat, in der Nähe Nizzas, brachte. An ihr zog die malerische Landschaft vorbei, die sie nur schwer genießen konnte. Die Lavendelfelder standen in voller Blüte und leuchteten herrlich violett. Der seifig-blumige Duft wehte zum Fenster hinein, und Sunny schloss für einige Sekunden die Augen. Sie war Hals über Kopf aus Paris geflüchtet, hatte sich einen Flug gebucht und war nach Südfrankreich geflogen. Auch wenn sie sich erleichtert fühlte, begleitete sie seitdem ein stechender Schmerz. Sie hatte weder ihrer Mutter und ihrem Stiefvater, noch ihrer Chefin Bescheid gegeben. Doch es ging nicht anders. Sunny war wieder und wieder die Möglichkeiten in ihrem Kopf durchgegangen, die ihr blieben. In Paris zu bleiben, hätte Schmerz bedeutet. Paris den Rücken zuzukehren, versprach dafür Ruhe und Ablenkung.

Sunny öffnete die Augen wieder. Der Taxifahrer bog um eine Ecke und fuhr eine schmale Straße zwischen einzelnen Wohnhäusern entlang. Sie hatten Saint-Jean-Cap-Ferrat erreicht. Erleichtert atmete Sunny auf und sah aus dem Fenster. Die kleine Gemeinde, die zu Nizza gehörte, machte einen ruhigen Eindruck. Sunny fiel auf, dass hauptsächlich große Strandvillen das Bild bestimmten. Ein Bild, das so gar nicht mit den Erinnerungen an ihre quirlige und spezielle Freundin Liv harmonieren wollte.

Es dauerte nur wenige Minuten, dann stoppte der Taxifahrer vor der Einfahrt einer hellen Villa mit dunklem Dach. Fasziniert betrachtete Sunny ihr neues Zuhause auf Zeit. Sie drückte dem Taxifahrer sein Geld in die Hand und stieg aus. Sunny sah zur Villa auf. Weiße Marmorplatten, die von grünen Hecken gesäumt wurden, führten sie zum Eingang des Hauses. Sie traute ihren Augen nicht. Es erschien nicht real, dass Liv tatsächlich in so einer Gegend leben sollte.

Als Sunny Liv in Paris kennengelernt hatte, wusste sie zunächst nicht, ob sie und die Amerikanerin mit den knallpinken Haaren sich überhaupt verstehen würden. Liv hatte drei Wochen Urlaub in Paris gemacht und dabei auch ein Probetraining in dem Fitnessstudio, in dem Sunny gearbeitet hatte, wahrgenommen. Die beiden Frauen hatten sich auf Anhieb verstanden und freundeten sich in den wenigen Wochen schnell an. Sunny dachte wehmütig daran zurück, wie sie Liv von ihrem perfekten Leben in Paris erzählt hatte und dass sie sich niemals vorstellen könnte, woanders zu leben. Liv bot ihr dennoch an, sie doch einmal in Nizza besuchen zu kommen, sollte Paris ihr zu langweilig werden. Sunny hatte lachend den Kopf geschüttelt.

»Und was ist jetzt? «, dachte sie verbittert.

Jetzt hatte sie alles stehen und liegen gelassen und war in der Not dem Angebot ihrer neuen Freundin gefolgt. Paris hatte Sunny ein Bein gestellt. Sie war gestolpert und auf ihr perfektes Leben gefallen, das jetzt nur noch in Scherben vor ihren Füßen lag.

»Madame, ihr Koffer«, sagte der Taxifahrer und holte Sunny aus ihren Gedanken.

»Merci. Au revoir.«

»Au revoir, Madame.«

Sunny atmete ein letztes Mal tief durch, dann schnappte sie sich ihren Koffer und zog ihn den Weg zum Haupteingang des Hauses entlang. Kurz bevor sie in Paris in das Flugzeug gestiegen war, hatte sie Liv angerufen und ihr Bescheid gegeben. Daraufhin hatte diese bereits überschwänglich begonnen zu planen, was sie ihr in Nizza und Umgebung alles zeigen wollte. Sunny hatte schmunzelnd aufgelegt und bereute ihre Entscheidung bis dahin nicht eine Sekunde. Die Zeit mit Liv würde ihr guttun und sie auf andere Gedanken bringen. Genau das, was sie jetzt brauchte.

Sunny klingelte und wartete gespannt. Es dauerte einige Sekunden bis sie Schritte im Haus hörte, die auf die Tür zusteuerten. Als die Tür geöffnet wurde, stockte Sunny der Atem. Vor ihr stand nicht Liv, sondern ein junger Mann dessen gefährliche, dunkle Augen sie neugierig, aber abwehrend musterten. Er verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an den Türrahmen. Sunnys Blick wanderte über seine dunklen, wilden Haare, seine markant-männlichen Gesichtszüge und den leichten Bartansatz. Sie betrachtete sein weißes, dünnes Hemd und die schwarze Hose, die einen sportlichen Körper erahnen ließen. Seine Haltung war stark und geheimnisvoll. Sein Blick war unergründlich und doch glaubte Sunny, eine leidende Nuance darin zu erkennen, die sie nachdenklich stimmte.

»Ich ... ich ...«, stotterte sie und seine perfekten Lippen verzogen sich zu einem amüsierten Schmunzeln, als sein Blick über ihre schlanke Figur, die langen blonden Haare und das liebliche Gesicht, bis hin zu ihren leuchtenden, grünen Augen wanderte.

»Kann ich dir vielleicht irgendwie helfen?«, fragte er und Sunny zog beim Klang seiner Stimme ein Schauer über den Rücken.

»Ich ...«

»Sollten wir uns kennen?« Er sah sie forschend an und überlegte krampfhaft, ob er sie schon einmal gesehen hatte. War sie vielleicht eine seiner Verflossenen? Nein, das war ausgeschlossen, daran würde er sich erinnern.

»Nein, ich ... Ich suche Liv«, brachte Sunny endlich heraus und sah unsicher auf. »Sie hat gesagt, ich könnte für einige Zeit bei ihr wohnen.«

Dean Harris begann zu lachen. Nie im Leben würde seine Schwester so einem Mädchen Obdach gewähren. Er kannte die Freunde seiner Schwester und er wusste auch, wie sie normalerweise über Mädchen wie dieses redeten. Arrogantes Püppchen und eingebildeter Kleiderständer waren dabei die harmlosesten Begriffe, die seine Schwester für diese Schönheit gefunden hätte.

»Nimm es mir nicht übel, aber bist du dir sicher, dass du hier richtig bist?« Sunny legte die Stirn in Falten und fand langsam zu sich selbst zurück. Der attraktive Fremde hatte sie für einen kurzen Moment völlig aus der Fassung gebracht, doch nun baute sich ihre Selbstsicherheit wieder auf.

»Entschuldige?«, fragte Sunny mit schriller Stimme. »Natürlich bin ich hier richtig. Das ist die Adresse, die mir Liv gegeben hat. Ist sie nun da?«

»Du kannst ja doch reden, ohne zu stottern.« Sunny verdrehte die Augen, erwiderte aber nichts. »Hör mal, wenn du wegen mir hier bist, kannst du mir das ruhig sagen. Die Ausrede mit meiner Schwester ist zwar süß, aber …«

»Wie bitte?« Sunny schnappte nach Luft.

»Normalerweise würde ich dich jetzt auf einen Kaffee hereinbitten, aber ich habe noch schrecklich viel zu arbeiten. Vielleicht sehen wir uns ja irgendwann mal wieder.«

Die Tür fiel Sunny vor der Nase zu. »Was bildete sich dieser Typ eigentlich ein?«, dachte sie erbost und klingelte aus Trotz ein zweites Mal. Der Unbekannte öffnete die Tür schnell wieder, sodass Sunny nur vermuten konnte, dass er auf diese Reaktion ihrerseits gewartet hatte.

»Was ist so abwegig daran, dass ich mit deiner Schwester befreundet bin?«, platzte es Sunny aus heraus.

»Einfach alles. Wenn du meine Schwester kennen würdest, dann hättest du mir diese Frage jetzt nicht gestellt. Und jetzt geh bitte einfach. Ich habe keine Zeit und keine Lust darauf, erst das Sicherheitspersonal kontaktieren zu müssen.« Die Tür landete erneut im Schloss und Sunny atmete laut aus.

»Das darf doch nicht wahr sein«, murmelte sie und überlegte kurz, was sie unternehmen konnte. Sie musste Liv anrufen. Es dauerte einige Zeit, bis diese den Anruf entgegennahm. »Wo zur Hölle steckst du? Ich stehe vor deinem Haus und dein Bruder lässt mich nicht rein.« Sunny hörte Liv erschrocken nach Luft schnappen.

»Verdammt, Sunny, ich habe dich völlig vergessen. Ich ... ich bin in zehn Minuten da. Klingel noch mal. Sag ihm, dass ich gleich komme. Er wird dich schon reinlassen.«

»Liv, ich habe schon zwei Ma…« Die Leitung war tot, und Sunny ließ entmutigt das Handy sinken. Sie steckte es wieder in ihre Tasche. Unter keinen Umständen würde sie noch einmal klingeln und sich von diesem arroganten Idioten vor den Kopf stoßen lassen.

»Warum denken diese hübschen Typen eigentlich immer, sie wären die Größten«, schimpfte sie leise und sah sich um, als sie ein kleines Türchen im Gartenzaun entdeckte. Sunny wusste, dass sie einfach hier stehen bleiben könnte, um auf Liv zu warten. Doch irgendetwas in ihrem Inneren veranlasste sie dazu, Livs Bruder noch ein wenig zu provozieren. So leicht ließ sie sich nicht aus der Fassung bringen. Und abwimmeln schon gar nicht.

Sunny schnappte sich ihren Koffer, sah sich noch einmal um, und steuerte dann auf das Türchen zu. Sie öffnete es leise und schlich an der Garagenwand entlang in Richtung Garten. Sie blieb überrascht stehen, als sie die Größe des Grundstücks erfasste. Vereinzelt standen ein paar Olivenbäume und bunte Sträucher, die sie nicht kannte. Am Ende des Gartens erstreckten sich die Weiten des Mittelmeeres. Eine kleine Treppe führte an den Klippen herunter. In Nähe des Hauses gab es außerdem einen Pool und direkt an das Haus grenzte eine stilvoll dekorierte Terrasse, die zum Entspannen einlud.

Als Sunny in Paris in das Flugzeug gestiegen war, hatte sie geglaubt, Liv würde in einer kleinen Wohnung leben, die sie sich vermutlich noch mit fünf anderen Leuten teilte. Mit einer Strandvilla wie dieser hatte Sunny nie im Leben gerechnet.

»Das darf doch jetzt nicht wahr sein?« Sunny schreckte zusammen und der attraktive Unbekannte eilte schnellen Schrittes auf sie zu. »Das ist Hausfriedensbruch, das weißt du hoffentlich?«, donnerte er. »Ich könnte dich in Grund und Boden klagen!«

»Oh ja, lass den arroganten, mysteriösen Typen raushängen. Das ist es, was Frauen wollen. Was bist du, ein verkappter Anwalt?«, platzte es Sunny heraus, ohne dass sie wollte, dass es so aggressiv klang.

»Ja, verdammt, und jetzt hau ab!«

»Natürlich ist Mister Mysterious Anwalt.« Sunny verdrehte die Augen und verschränkte die Arme vor der Brust. »Na das hätte ich mir ja denken können.«

»Es reicht mir, ich rufe jetzt den Sicherheitsdienst.« Dean griff nach seinem Handy und wählte die Nummer seiner Sicherheitsfirma. Sunny sah ihn mit festem Blick an, bewegte sich jedoch nicht einen Zentimeter.

»Du kannst wieder auflegen. Liv wird jeden Moment hier sein und die Sache aufklären«, sagte Sunny ruhig.

»Natürlich und dann räumst du in aller Seelenruhe mein Haus aus. Vergiss es.«

»Als ob das so einfach gehen würde, wenn du sowieso die ganze Zeit bei mir bist.«

»Na endlich«, bellte Dean ins Telefon. »Auf meinem Grundstück ist eine Stalkerin ... Nein, gefährlich ist sie nicht ... Ich habe sie mehrfach aufgefordert, mein Grundstück zu verlassen. Schicken Sie einf…« Jemand nahm Dean das Telefon aus der Hand.

»Ein Missverständnis. Die Stalkerin ist meine Freundin Sunny«, erklärte Liv dem Sicherheitschef, der daraufhin kehlig auflachte und einen Scherz auf Deans Kosten machte. Liv legte auf und gab ihrem Bruder sein Telefon zurück, dann schloss sie ihre Freundin aus Paris herzlich in die Arme und küsste sie auf die Wange. »Hast du den Flug gut überstanden?«

Liv löste sich leicht. Sunny betrachtete ihre Freundin kurz. Ihre Haare waren im Vergleich zum letzten Mal etwas ausgeblichen und leuchteten in einem angenehmen Pastellpink. Ihre großen, dunklen Augen hatte sie mit schwarzem Kajal umrahmt und die Wimpern stark getuscht. Ihre hohen Wangenknochen hatte sie mit Rouge noch einmal extra betont. Liv trug ein weißes, aufreizendes Top mit Corsageneinsatz, eine schwarze Lederhotpants und die schwarzen Pumps ließen ihre Beine endlos lang erscheinen. Auf ihrer makellosen Haut leuchteten einige Tattoos.

»Ja, es war alles gut, zumindest bis ich hier angekommen bin.«

Dean stand unschlüssig neben den beiden unterschiedlichen Frauen und hielt sein Handy fest umklammert.

»Entschuldige, ich dachte wirklich ...«, stammelte er und ging kopfschüttelnd ins Haus. Sunny blickte ihm irritiert nach.

»Tut mir leid. Dean ist manchmal ... ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll … engstirnig. Komm, wir trinken erst einmal einen Champus.«

Liv machte es Sunny leicht, die irritierende Situation mit Dean zu vergessen und auch gedanklich endlich anzukommen. Die beiden Freundinnen hatten sich viel zu erzählen, auch wenn Sunny absichtlich alle Ereignisse aussparte, die mit ihrer überstürzten Abreise zu tun hatten. Liv bemerkte sofort, dass irgendetwas nicht stimmte, doch sie wollte Sunny unter keinen Umständen zwingen, etwas dazu sagen zu müssen.

»Sunny, ich werde mich hinlegen gehen. Mir hängt die Schicht der letzten Nacht noch in den Knochen.« Liv trank ihren letzten Schluck Champagner aus und aß die Erdbeere, die in ihrem Glas übrig blieb.

»Ich würde gern noch etwas sitzen bleiben.«

»Natürlich, fühl dich wie zu Hause. Wo dein Zimmer ist, weißt du ja.« Liv umarmte Sunny noch einmal. »Schön, dass du hier bist.« Sunny lächelte glücklich.

»Gute Nacht.«

»Gute Nacht.«

Nachdem Liv ins Haus gegangen war, stand Sunny auf, schlüpfte aus ihren Sandaletten und ging mit nackten Füßen über die Fliesen in Richtung Pool. Sie setzte sich, zog ihr Kleid etwas nach oben und tauchte die Füße in das angenehme Wasser. Sie lehnte sich zurück und stützte die Hände auf die Fliesen, während sie in den sternenklaren Himmel sah. Südfrankreich war noch schöner, als sie es sich hätte träumen lassen. Die Luft hatte einen ganz besonderen Geruch. Sie roch nach einer Mischung aus Lavendel und salzigem Meer.

»Darf ich mich kurz zu dir setzen?« Sunny richtete sich auf und sah zur Seite, wo Dean stand. Sein Blick war noch immer unergründlich.

»Ja, es sind ja deine Fliesen, auf denen ich sitze, und dein Pool. Aber die Solarlichter würde ich an deiner Stelle schnell in Sicherheit bringen, ich überlege, sie auf dem Schwarzmarkt für viel Geld zu verkaufen.« Sunny konnte sich diesen Scherz nicht verkneifen und schmunzelte.

»Es tut mir leid, wirklich.« Dean zog die Schuhe aus und setzte sich neben Sunny. Auch er tauchte die Füße in das Wasser. »Aber ... du bist nicht wie die Freundinnen, die ich von Liv kenne.«

»Wir haben uns vor ein paar Monaten in Paris kennengelernt, als sie im Urlaub war.«

»Bitte, nimm mir die Frage nicht übel, aber wie lernen zwei Mädchen wie ihr sich kennen?« Über Deans Lippen huschte ein Lächeln. »Wenn ihr euch auf der Straße begegnet wärt, hättet ihr euch doch gegenseitig mit abschätzigen Blicken angesehen.«

»Sie hat ein Probetraining bei mir gemacht. Ich bin Personal Coach und Tanztrainerin. Und vermutlich in ein paar Tagen arbeitslos.« Sunny rieb sich die Stirn.

»Alles in Ordnung?«, fragte Dean besorgt.

»Ja, nicht so wichtig«, lächelte Sunny tapfer.

»Ja, jedenfalls wollte ich dich nur wissen lassen, dass es mir wirklich leidtut. Ich hätte dich vielleicht ausreden lassen sollen.«

»Das ist das Problem von euch spießigen Anwälten. Ihr lasst die Menschen nie ausreden.« Sunny bewegte ihre Füße im Wasser auf und ab. Dean lächelte und verkniff sich einen spitzen Kommentar als Gegenantwort.

»Weißt du schon, wie lange du bleiben möchtest?« Sunny seufzte kaum hörbar.

»Nein«, antwortete sie ehrlich. »Ich weiß überhaupt nicht, wie es weitergehen soll.« Sunny zog die Beine aus dem Wasser und stand auf. »Danke für deine Entschuldigung. Vielleicht hilft sie mir in hundert Jahren darüber hinwegzusehen, dass du mich von deinem Sicherheitsdienst verschleppen lassen wolltest.« Sie warf einen letzten Blick in die Sterne. »Gute Nacht, Mister Mysterious.«

»Gute Nacht, Sonnenschein.«

Nachts in Nizza

»Du hast die Wahl. Entweder sitzt du hier allein rum oder du kommst mit, trinkst ein oder zwei Cocktails und amüsierst dich.« Liv legte den Kopf leicht schief und sah Sunny mit einem Lächeln an. Sunny war nun schon einige Tage in Saint-Jean-Cap-Ferrat, und auch wenn der Ort ihr half, den Kopf freizubekommen, so war sie noch immer nicht in Partylaune. Was in Paris geschehen war, konnte sie nicht innerhalb von ein paar Tagen verarbeiten.

»Ich habe keine Lust auf Party.«

»Du musst ja nicht feiern, du kannst mir auch gern einfach nur dabei zuschauen, wie ich arbeite. Außerdem hast du mir immer noch nicht erzählt, was passiert ist. Und wie allgemein bekannt, sind Barkeeper die beste Adresse sich auszuheulen. Dein Glück, dass du eine der besten Barkeeperinnen in ganz Nizza kennst.« Liv zwinkerte übertrieben. »Komm schon. Bitte.«

»Okay.«

Schon eine Stunde später machten sich die beiden Frauen auf den Weg zu einem Club im Stadtkern Nizzas, in welchem Liv arbeitete. Diese lenkte ihren Wagen sicher durch die engen Straßen.

»Meine Schicht geht bis fünf Uhr morgens. Hältst du so lange durch?« Liv sah kurz zu Sunny und konzentrierte sich dann wieder auf die Straße.

»Nein, vermutlich nicht. Ich habe letzte Nacht nicht besonders gut geschlafen.«

»Dann kannst du entweder den Bus nehmen. Er fährt nachts alle eineinhalb Stunden und hält auch nur fünf Minuten von unserem Haus entfernt. Das findest du ganz leicht. Oder du nimmst dir einfach ein Taxi. Je nachdem, was dir lieber ist.«

»Okay.« Liv parkte den Wagen hinter dem Club und stieg aus. Sunny folgte ihr zum Hintereingang des Clubs, wo Liv in einem der Zimmer erst einmal ihre Sachen abstellte.

»Na dann wollen wir mal«, sagte sie voller Tatendrang und öffnete die Tür zum Club. Sofort wurden die beiden Frauen von hämmernden Bässen eingenommen. Blinzelnd sah Sunny sich um. Es war ein moderner Club mit gepflegtem Publikum. Überall blitzten bunte Neonlichter und dichter Nebel drang aus der Nebelmaschine, der den ganzen Raum umhüllte. Die Tanzfläche war bereits gut gefüllt und auch die beiden anderen Barkeeper hatten alle Hände voll zu tun. Schnell setzte sich Sunny Liv gegenüber auf den freien Barhocker und bekam nur zwei Minuten später ohne Aufforderung ihren Lieblingscocktail.

»Du magst ihn doch noch, oder?«, fragte Liv und erinnerte sich an die ein oder andere Nacht, die sie mit Sunny in einer kleinen Cocktailbar in der Nähe des Eiffelturms verbracht hatte.

»Für Erdbeer-Daiquiri würde ich töten«, erwiderte Sunny und saugte mit dem Strohhalm die beschwipste, eisige Masse nach oben.

Stumm beobachtete Sunny Liv dabei, wie sie in der ersten Stunde hinter der Bar wirbelte. Die beiden kamen kaum dazu, ein Wort zu wechseln. Auch wenn Sunny das schon zu Beginn gewusst hatte, drehte sie sich etwas gelangweilt in Richtung Tanzfläche. Verschiedene kleine Grüppchen tanzten ausgelassen und lachten. Ab und zu verirrte sich auch ein einzelner Tänzer auf Frauenjagd und versuchte sein Glück.

Und dann sah sie ihn. Dean lehnte lässig an einem mit schwarzem Stoff verkleideten Stahlbalken, die Arme vor der Brust verschränkt, und betrachtete sie mit starkem Blick. Er sah umwerfend aus und ganz anders, als Sunny ihn in den letzten Tagen kennengelernt hatte. Statt seiner Anzughosen und den dünnen, weißen Hemden trug er nun eine enge, verwaschene Jeans, ein schwarzes Shirt und eine ebenfalls schwarze Lederjacke. Seine Haare schienen wilder als sonst, und sein Kiefer war angespannt. Sunny erwiderte seinen Blick leicht erschrocken, dann lächelte sie vorsichtig und hob zaghaft die Hand. Deans Blick veränderte sich nicht. Er schob sich leicht von der Wand ab und kam mit großen Schritten auf Sunny zu. Sein Blick war selbstbewusst, seine Haltung stark. Die Frauen, an denen er vorbeiging, schnappten nach Luft, die Männer sahen ihm neidisch hinterher. Als er näher kam, lächelte er kaum merklich und stützte sich neben Sunny auf dem Tresen ab.

»Lederjacke und Jeans. Fast hätte ich dich nicht erkannt«, sagte Sunny und lächelte frech.

»Dafür siehst du umwerfend aus, wie immer.« Sunny verdrehte die Augen. Sie hatte Dean seit ihrer Ankunft und dem kurzen Gespräch am Pool kaum zu Gesicht bekommen. Er verbrachte viel Zeit in der Anwaltskanzlei, die er vor ungefähr einem Jahr allein in Nizza aufgebaut hatte. Sunny hatte bereits herausgefunden, dass auch sein Vater eine Kanzlei in New York führte, in der auch Dean einige Zeit lang gearbeitet hatte. Doch aus irgendeinem Grund hatte er sich vor einem Jahr entschieden der Stadt, die niemals schläft, den Rücken zuzukehren und in das ruhigere Südfrankreich zu ziehen. Es dauerte nicht lange, bis seine sechs Jahre jüngere Schwester Liv ihm folgte, weil sie und ihre Eltern unterschiedliche Vorstellungen vom Leben hatten. Auch wenn Dean seine Schwester gelegentlich damit aufzog, sie solle doch endlich etwas aus ihrem Leben machen, lebten die beiden harmonisch zusammen. »Den Abend hast du dir doch sicher anders vorgestellt«, raunte Dean Sunny ins Ohr und ihre Nackenhaare stellten sich auf.

»Eigentlich hatte ich gar keine Vorstellung von dem Abend.« Sunny drehte den Strohhalm in ihrem Cocktail und sah dann wieder auf. Ihr stockte für einen kurzen Moment der Atem, als sie bemerkte, dass Dean ihr ein noch kleines Stück nähergekommen war.

»Ich weiß, wie er vielleicht spannender wird. Sollen wir nach Hause fahren? Ich habe Sekt, Erdbeeren und einen privaten Strandabschnitt.« Auch wenn Sunny im ersten Moment schluckte und ein nervöses Kribbeln durch ihren Magen zog, konnte sie in dieser Sekunde nicht ernst bleiben. Lachend schlug sie eine Hand vor den Mund und sah Dean mit einem amüsierten Ausdruck in den Augen an.

»Oh mein Gott, flirtest du mit mir? Als ob ich ... mit dir …« Sunny beendete den Satz vor Lachen nicht. Das konnte doch nicht sein Ernst sein? »Dean, bitte.« Plötzlich lehnte er sich zurück und zuckte mit den Achseln, dann huschte ein geheimnisvolles Lächeln über seine Lippen.

»Es war einen Versuch wert.« Er wandte sich zu seiner Schwester an die Bar. »Liv, gibst du unserem Sonnenschein bitte etwas Härteres? Sie ist noch so verklemmt.« Liv sah irritiert zwischen Sunny und ihrem Bruder hin und her.

»Verklemmt?«, fragte Liv und Dean nickte.

»Er wollte mit mir nach Hause fahren und mir seinen Privatstrand zeigen. Leider schlechtes Timing, Mister Mysterious, ich habe gerade acht Jahre Beziehung hinter mir. Ich bin nicht einmal an einem Abenteuer interessiert«, seufzte Sunny trübsinnig und verschwand in Richtung der Toiletten. Liv sah ihr besorgt nach und auch Dean fragte sich, ob er besser hätte den Mund halten sollen.

»Ich wusste, dass etwas mit Julien passiert ist«, sagte Liv und schmiss das Geschirrtuch auf den Tresen.

»Wer ist Julien?«, fragte Dean und folgte Sunny noch immer mit seinem Blick.

»Ihr Verlobter ... also jetzt wohl nicht mehr.« Liv sah einen kurzen Moment nachdenklich in die tanzende Menge, dann suchte sie den Blick ihres Bruders. »Und jetzt zu dir. Es gibt eine Regel, Dean Harris, eine einzige, an die du dich halten wirst.«

»Und die wäre?«

»Keinen Sex mit Sunny. Du wirst sie nicht anrühren, hörst du? Sie ist meine Freundin und ich will nicht, dass du ihr wehtust. Kein küssen, kein fummeln, ja nicht mal eine tröstende Umarmung. Verstanden?«

»Hmm«, brummte er.

»Dean, ich meine es ernst!«

»Jaja.« Er schnappte sich seine Cola und blickte sich einen Moment im Club um. Er war nicht hier, um sich zu betrinken oder gar zu tanzen. Dean war hier, weil er Ablenkung von der stressigen Woche brauchte. Als die Rothaarige ihm kokett zulächelte, nickte er zufrieden. Sie sah aus, als wäre sie genau die Ablenkung, die er gesucht hatte.

Als Sunny von den Toiletten zurückkehrte, war Dean an der Bar verschwunden. Irritiert sah sie sich im Club um und entdeckte ihn nur wenig später im Gespräch mit einer Rothaarigen, die förmlich an seinen Lippen klebte und immer wieder eine Haarsträhne in ihren Fingern drehte. Sunny verdrehte die Augen und ging zurück zu Liv.

»Meinst du nicht, es wäre jetzt an der Zeit, dass du mir sagst, was zwischen dir und Julien passiert ist?« Liv stützte sich auf die Arbeitsplatte und sah Sunny durchdringend an.

»Nein, ich ... bitte zwinge mich nicht. In den wenigen Tagen, die ich jetzt hier bin, habe ich kaum an Paris gedacht. Können wir uns noch ein bisschen in dieser sicheren, abgeschotteten Welt bewegen? Zumindest solange bis meine Mutter anruft oder meine Chefin? Bitte.« Liv atmete auf und trocknete ein Glas ab.

»Okay, aber nur noch so lange, bis dich die Realität wieder einholt. Danach musst du mir alles erzählen.«

»Versprochen.«

Je mehr Zeit verging, desto erschöpfter fühlte sich Sunny. Die dröhnenden Klänge des Basses gingen ihr mehr und mehr auf die Nerven und auch vom Alkohol hatte sie genug. Sie wollte einfach nur noch in ihr Bett, sich in die weichen Kissen fallen lassen und sich in einen traumlosen Schlaf zurückziehen.

»Liv, ich werde mich auf den Weg machen.« Sunny stand auf und Liv kam hinter der Bar vor. Sie umarmte ihre Freundin kurz.

»Nimmst du den Bus oder ein Taxi?«

»Ich rufe mir ein Taxi. Ich habe keine Lust jetzt noch Ewigkeiten zu warten, außerdem würde ich wahrscheinlich falsch aussteigen. Ich kenne mich doch.«

Liv nickte und löste sich von ihrer Freundin. Diese machte sich auf den Weg aus dem Club und rief sich ein Taxi, das schon wenige Minuten später eintraf.

Sunny bezahlte den Taxifahrer, als er vor der Villa hielt, und stieg aus. Verwundert sah sie in die Fenster des oberen Stockwerks und entdeckte Licht in Deans Zimmer. Dann war er also schon zu Hause. Sie schloss die Tür auf und ging hinein. Mit leisen Schritten lief sie die Treppe nach oben und verschwand im Gästezimmer. Sunny wollte sich nur noch eine ausgiebige Dusche gönnen, um die Ruhe zu genießen, und sich dann so schnell wie möglich schlafen legen. Leise gähnend suchte sie sich ein dünnes Top, eine Stoffshorts und frische Unterwäsche und steuerte auf das Bad am Ende des Flurs zu. Die Villa der Familie verfügte über zwei Bäder. Das Bad im Untergeschoss war etwas größer und besaß eine große Eckbadewanne, währenddessen das im Obergeschoss nur eine Dusche hatte, die allerdings mit ihren Massagedüsen auch nicht von schlechten Eltern war.

Erschöpft rieb Sunny sich über die Augen und öffnete gleichzeitig die Badezimmertür. Sie gähnte leise und ging zum Spiegel. Gerade als sie sich auf dem Waschbecken abstützte, um sich zu betrachten, entfuhr ihr ein spitzer Schrei. Nicht etwa, weil die Stunden im Club sie so mitgenommen hatten, sondern weil Dean gerade dabei war, es der Rothaarigen aus dem Club in der Dusche zu besorgen. Sie hatte ihre Beine fest um seinen Körper geschlungen, während er sie mit sanften Stößen immer wieder gegen die kühlen Fliesen drückte. Sunny sah, wie sich jeder Muskel in Deans Körper anspannte, sobald er wieder und wieder in die Frau hineinstieß. Sunnys Mund wurde plötzlich trocken. Die glänzenden Wassertropfen, die von seinem Körper abperlten, ließen ihn aussehen wie Adonis höchstpersönlich. Seine Bewegungen wurden leidenschaftlicher. Härter. Sunny kam nicht um die Vorstellung herum, dass sie ihre Beine um Deans Taille gelegt hatte, während er sich in ihr anstatt der Rothaarigen versenkte. Seine Eroberung biss sich leicht auf die Lippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, und lächelte leicht dabei. Dean griff ihr mit der einen Hand unter den Hintern, während er sich mit der anderen an der Fliesenwand abstützte. Sie stöhnte glücklich auf und fuhr ihm durch die Haare, krallte sich darin fest und küsste ihn dann leidenschaftlich.

Sunny war erstarrt. Für einen kurzen Moment wusste sie nicht, ob sie lieber schnell flüchten sollte, um sich langsam und unbemerkt zurückzuziehen, oder ob sie etwas sagen sollte. Sie entschied sich für Option eins und ging mit langsamen Schritten rückwärts.

»Oh mein Gott!«, kreischte die Rothaarige plötzlich und Sunny kehrte in die Realität zurück. Als Dean sich umdrehte und sie aus seinen unergründlichen Augen ansah, färbten sich Sunnys Wangen zartrosa.

»Sunny«, flüsterte er.

»Entschuldigt, ich ... ich habe euch nicht gesehen. Macht einfach ... ähm ... macht einfach weiter.« Sunny lächelte keck, eilte schnell aus dem Badezimmer und ließ die Tür ins Schloss fallen. Als sie in Sicherheit war, schlug sie die Hände vors Gesicht und schrie im Stillen auf.

»Verdammter, Mist, verdammter, verdammter Mist«, rief sie in Gedanken und hätte sich für diese Peinlichkeit am liebsten selbst geohrfeigt. Doch sie musste jetzt cool bleiben und vor allem musste sie jetzt schnell in das Bad im Untergeschoss. Dort konnte sie sich immerhin solange einschließen, bis niemand mehr an das dachte, was gerade geschehen war.

Mit schnellen Schritten eilte sie die Treppe nach unten und schloss sich im Bad ein. Sunny war so erregt, dass die Hitze zwischen ihren Beinen sie beinahe verbrannte. Eigentlich brauchte sie jetzt eine eiskalte Dusche. Mit Dean, der sie genauso beherzt hochhob wie die Rothaarige und sie an die eiskalten Fliesen presste, während er seinen Schw…

Sunny schüttelte den Kopf und biss sich auf die Lippe. Sie musste sich irgendwie Erleichterung verschaffen. Schnell ließ sie warmes Wasser in die Wanne und öffnete den Schrank mit den Badezusätzen. Sie wählte das duftende Lavendel-Schaumbad aus und stieg anschließend in das herrlich dampfende Wasser. Sunny schloss die Augen und spürte, wie das Wasser ihre Glieder sofort entspannte. Das Brennen in ihrer Mitte linderte es jedoch nicht. Wieder schwenkten ihre Gedanken zu Dean und seinem Prachtkörper. Je länger sie an ihn dachte, desto unruhiger wurde sie. Zurückhaltend fuhr sie mit ihren Händen ihren Körper entlang und genoss die Berührungen. Insgeheim stellte sie sich vor, dass es nicht ihre eigenen Hände wären, sondern dass Dean sie mit seinen Händen verwöhnte. Sie stöhnte leicht auf, als sie mit einer Hand ihre Mitte erreichte, die pochend auf Erlösung wartete. Die Vorstellung, dass Dean sie so in Besitz nehmen würde, wie er die Rothaarige genommen hatte, ließ Sunny erschaudern. Ihr Atem wurde immer abgehackter und sie spürte, dass sie nicht mehr weit von einem Orgasmus entfernt war. Immer wieder rieb sie über ihre Knospe und gab sich all den Empfindungen hin. Sie stellte sich vor, wie Dean ihr sanfte Küsse auf die Schulter hauchte und sich sein erigierter Penis fest an ihren Hintern drückte, während er sie mit seinen Händen verwöhnte. Ihr Atem war kaum mehr als ein Keuchen, als ihr Körper sich verkrampfte und sie sich den mit Abstand besten Orgasmus ihres Lebens verschaffte. Sie brauchte ein paar Minuten ehe sie begriff, was sie da gerade mit sich selbst gemacht hatte.

Als das herrlich benommene Gefühl in ihrem Körper langsam abebbte und ihr Verstand langsam wieder arbeitete, erinnerte sie sich daran, dass Dean bemerkt hatte, wie sie in angestarrt hatte. Sofort brannten ihre Wangen. Das würde er nicht auf sich sitzen lassen. Auch wenn sie ihn noch nicht so gut kannte, wusste sie, dass er sie damit aufziehen würde.

Eine halbe Stunde später traute Sunny sich aus dem Bad und blickte verstohlen ins Wohnzimmer, das direkt angrenzte. Auf den ersten Blick erkannte sie niemanden. Mit ihrem Handy leuchtete sie sich den Weg in den Eingangsbereich. Sie musste nur noch die Treppe nach oben und geradeaus in das Gästezimmer, dann war sie in Sicherheit.

Doch plötzlich räusperte sich jemand in der Dunkelheit neben ihr und Sunny zuckte kreischend zusammen. Sie klammerte sich an einer Kommode fest und leuchtete mit ihrem Handy in die Richtung, aus der das Räuspern kam. Dean saß auf der Couch und hatte die Arme lässig hinter dem Kopf verschränkt.

»Hast du dich erschrocken?«, fragte er nüchtern. Sunny drückte den Lichtschalter links neben sich und dimmte das Licht etwas. Dean trug nur Boxershorts und Sunny hielt die Luft an. Seine Bauchmuskeln waren noch beachtlicher, als sie es sich hätte vorstellen können. Als sie merkte, dass sie ihn unverhohlen anstarrte, blickte sie ihm schnell wieder in die Augen.

»Nein, ich ... ja, habe ich«, gestand sie und versuchte mit einem Grinsen ihre Unsicherheit zu überspielen.

»Haben wir dich gut unterhalten?« Deans Gesichtszüge änderten sich kaum merklich.

»Oh, naja, ich habe ja nicht so viel davon mitbekommen.« Sunny zuckte mit den Schultern und setzte sich Dean gegenüber auf den Sessel. Er wollte die Situation ganz offensichtlich ausnutzen, um sie zu testen, doch dieses Spiel konnte sie ohne Probleme mitspielen.

»Meinetwegen hättest du bleiben können«, sagte er und grinste frech. »Oder du hättest mitmachen können. Das wäre noch besser gewesen.«

»Hör auf, mich zu testen, Dean Harris. Es war mir verdammt peinlich, dich mit dieser - Wo ist sie überhaupt?«

»Ich habe sie nach Hause geschickt. Sie fand deinen überraschenden Besuch nicht so lustig wie ich.«

»Entschuldige, dass ich dir die Tour vermasselt habe.«

»Schon in Ordnung, Sonnenschein.« Dean zwinkerte und stand auf. »Ich werde mich jetzt einsam und allein in mein Bett legen und meinem gescheiterten One-Night-Stand nachweinen. Es wäre das mindeste, wenn du mich trösten kommst«, scherzte er.

»Ich denke nicht, dass ich dich trösten werde.«, schmunzelte Sunny und stand ebenfalls auf. »Es wird jetzt jeder schön in sein eigenes Zimmer gehen, seine eigene Tür hinter sich schließen und sich allein in sein eigenes Bett legen.«

»Schade. Schlaf schön, Sonnenschein.«

»Gute Nacht.« Dean ging die Treppe nach oben und Sunny folgte ihm kurz danach. Kaum war er aus ihrem Sichtfeld verschwunden, atmete sie erleichtert aus. Es hätte schlimmer kommen können, dachte sie, wusste im gleichen Moment aber auch, dass Dean so schnell nicht davon aufhören würde.

Kette der Vergangenheit

Am nächsten Tag machte sich Sunny am Nachmittag auf den Weg in die Altstadt von Nizza. Sie wollte Dean aus dem Weg gehen, auch wenn sie glaubte, dass er vermutlich den ganzen Tag arbeiten würde. Am Morgen hatte Sunny herausgesucht, wie sie am besten zum Herzstück Nizzas kam, dem Place Masséna. Sie wollte die Zeit nutzen, um die Stadt zu erkunden und sich ein paar Gedanken darüber zu machen, wie es für sie weitergehen sollte. Denn wenn Sunny ehrlich zu sich selbst war, wusste sie weder vor noch zurück.

Als sie am Place Masséna ankam, blieb sie einen kurzen Moment ehrfürchtig stehen und sah sich fasziniert um. Der Platz war in einem Schachbrettmuster mit hellen und dunklen Pflastersteinen belegt und von den typischen ockerfarbenen Gebäuden umgeben, in denen sich kleine Geschäfte und Cafés befanden. Zielsicher steuerte Sunny auf die Fontain de Soleil zu, einem Brunnen, der Apollo zeigte und in der Vergangenheit für viel Aufsehen gesorgt hatte. Auf Grund der freizügigen Darstellung Apollos wurde die Statue für dreißig Jahre von dem Platz verbannt und durfte erst 2011 zurückkehren. Zusätzlich zierten auch fünf Bronzestatuen den Brunnen, die die Planeten Saturn, Mars, Erde, Venus und Merkur verkörperten.

Sunny setzte sich auf den Rand des Brunnens und tauchte ihre Hand in das angenehm kühle Wasser. In diesem Moment ärgerte sie sich, dass sie noch nicht einmal am Strand gewesen war, obwohl sie beinahe eine Woche in Südfrankreich verbracht hatte und die Villa sogar ihre eigene kleine Bucht besaß. Eigentlich liebte sie das Wasser. In Paris war sie wöchentlich mindestens zwei Mal ins Schwimmbad gegangen, um ein paar Bahnen zu ziehen.

Gedankenverloren zog Sunny ihre Hand wieder aus dem Wasser und schüttelte sie leicht trocken, dann sah sie sich auf dem Platz um. Trotz der heißen Temperaturen des Julitages hatten sich viele Leute auf den Place Masséna verirrt, um entweder zu shoppen, ein Eis zu essen, oder einfach nur das schöne Wetter zu genießen. Aus den Bäckereien drang der Duft von Kaffee und frischem Gebäck. Bunte Stimmen sprachen wild durcheinander und lachten ausgelassen. Sunny fühlte sich wie im Urlaub, dabei war sie in Wirklichkeit auf der Flucht. Sie flüchtete vor Paris und Julien. Sie flüchtete vor den Konsequenzen und ihren trübsinnigen Gedanken. Aber vor allem flüchtete sie vor sich selbst.

Auch wenn Sunny wusste, dass sie sich bald in Paris bei ihren Eltern und ihrer Chefin melden musste, so schob sie es doch vehement vor sich her. Sie war noch nicht bereit, über alles zu sprechen. Sie wollte still Zeit vergehen lassen, bis Gras über die Sache gewachsen war und dann wollte sie gestärkt in die französische Hauptstadt zurückkehren.

»Lynette, er ist traumhaft«, hörte Sunny plötzlich eine Frau in ihr Telefon sagen, die sich neben sie auf den Brunnenrand setzte. »Er ist zuvorkommend und höflich, und ich glaube, ich habe mich auf der Stelle in ihn verliebt.« Sunny senkte den Blick und lächelte. Sie wollte die Frau nicht belauschen und tat es trotzdem. »Ja, heute Abend wollen wir uns wiedersehen und am Meer entlang spazieren ... Ja, ich weiß, wie romantisch das klingt. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass mir das im Urlaub passiert, ich hätte es nicht geglaubt.«

Lächelnd sah Sunny zu Boden und zog behutsam eine silberne Kette aus ihrer Hosentasche. An dem dünnen Band hing ein geschwungener Herzanhänger mit echten Steinen. Sunny hielt sie mit etwas Abstand vor ihr Gesicht und betrachtete das kleine Herz, das elegant hin und her schwang. Eine Kette, die ihr einst so viel bedeutet hatte und die ihr jetzt nur noch das Herz brach. Sunny wusste nicht, was sie mit ihr machen sollte. Sie trug sie mit sich herum und vergaß ab und zu, dass sie sie überhaupt noch besaß. Und dann kamen die Momente, in denen sie das Schmuckstück betrachtete und heiße Tränen in ihren Augen aufstiegen. Diese Kette spiegelte die schönsten acht Jahre ihres noch jungen Lebens wieder. Acht Jahre, die offensichtlich keine Bedeutung mehr hatten, weil sie achtlos mit Füßen getreten worden waren.

Sunny seufzte leise und stand auf. Diese Kette würde ihr kein Glück mehr bringen. Das musste sie wohl einsehen. Vorsichtig ließ Sunny sie auf den Rand des Brunnens sinken, drehte sich um und ging davon. Sie musste die Vergangenheit hinter sich lassen. Das war der schmerzhafteste, aber wohl einfachste Weg.

»Hey!«, rief plötzlich jemand. »Hey, warte mal, du hast etwas verloren.« Sunny blieb erschrocken stehen und sah sich um. Ein junger Mann kam auf sie zugelaufen und hielt die Kette nach oben. Sunny musterte ihn stumm. Er hatte dunkles, kurzes Haar und ausdrucksstarke, blaue Augen. Sein Gesicht war schmal und wirkte noch recht jung, obwohl er in etwa in Deans Alter sein musste. Sein Körper war sportlich und gut trainiert, denn sein Shirt ließ am Bauch einen Six Pack erkennen. Er war attraktiv, das konnte Sunny nicht leugnen.

»Oh, danke, aber eigentlich habe ich die Kette nicht verloren«, sagte Sunny und lächelte unsicher. Der Fremde legte die Stirn in Falten.

»Aber das sind doch echte Steine, oder? Die muss ein Vermögen gekostet haben.« Sunny zuckte mit den Schultern.

»Ich ... es hängen zu viele Erinnerungen daran«, gestand sie. »Du kannst sie behalten. Ich schenke sie dir. Vielleicht hast du eine Schwester, der du sie schenken möchtest. Es an deine Freundin weiterzugeben, wäre allerdings geschmacklos.«

»Meine kleine Schwester würde sich sicher freuen. Danke.« Sunny wollte lächelnd weitergehen, doch der Fremde folgte ihr. »Wenn du schon nichts für die Kette haben möchtest, kann ich dich wenigstens auf einen Kaffee einladen?« Sunny überlegte kurz und sah ihm direkt in die Augen. Er hatte schöne Augen. Auf den zweiten Blick waren sie nicht einfach nur blau, sie funkelten auch noch ein bisschen grau.

»Was habe ich schon zu verlieren?«, dachte Sunny und lächelte.

»Okay, warum nicht. Ich heiße übrigens Sunny.«

»Ben.« Da es auf dem Platz nur so vor kleinen Cafés wimmelte, fanden die beiden relativ schnell einen geeigneten Platz und bestellten sich zwei große Café au lait´ mit süßem Vanillesirup.

»Lebst du in Nizza?«, fragte Ben beiläufig, als er die Karte mit den Eisbechern durchsah. Sunny schüttelte den Kopf und lehnte sich zurück.

»Nein, ich bin nur für einige Zeit bei einer Freundin zu Besuch. Ich wohne in Paris.«

»Was bringt ein hübsches Mädchen wie dich dazu, eine schöne Kette wie diese in Nizza an einem Brunnen auszusetzen?« Sunny schmunzelte. Ben schien Humor zu haben.

»Ein Mann. Mit dieser Antwort hast du doch bereits gerechnet, oder?«

»Ja, um ehrlich zu sein. Weißt du schon, wann du zurück nach Paris möchtest?«

»Nein, ich fühle mich hier gerade sehr wohl. Kennst du das Gefühl, wenn du am liebsten alles stehen und liegen lassen würdest? Wenn du dich einfach in ein Abenteuer stürzen willst, ohne an morgen denken zu müssen?« Sunnys Blick wurde sehnsüchtig.

»Ja, das Gefühl kenne ich.«

»Ich habe es einfach gemacht. Ich habe in Paris alles stehen und liegen gelassen und bin nach Nizza gekommen. Ich habe niemandem persönlich Bescheid gegeben. Ich habe meinen Eltern einen kurzen Brief geschrieben und meiner Chefin eine SMS. Dann bin ich ins Flugzeug gestiegen und zwei Stunden später hier gelandet.«

»Bereust du es?« Ben schien ehrlich interessiert zu sein. Er legte die Eiskarte beiseite und sah Sunny in die Augen.

»Nein, ich ... ich bereue es nicht. Aber ich frage mich beinahe täglich, was passiert wäre, wenn ich nicht einfach überstürzt aus Paris abgehauen wäre. Tut mir leid, dass unser Gespräch so einen negativen Beigeschmack hat. Ich bin keine besonders gute Gesellschaft im Augenblick.«

»Du musst dich nicht entschuldigen. Es geht uns allen doch einmal schlecht. Wenn mir Frankreich zu traditionell wird, dann steige ich auch ins Flugzeug und fliege nach New York zu meinem Vater. Er und meine Mutter haben sich kurz nach der Hochzeit getrennt. Es war für mich auch nicht leicht, ohne Vater aufzuwachsen. Du siehst also, wir tragen alle unser Päckchen mit uns herum.«

»Ich habe meinen leiblichen Vater nie kennengelernt.« Als die Kellnerin die beiden Kaffees brachte, löffelte Sunny gleich den Milchschaum herunter. »Aber ich bereue es nicht, ihn nicht zu kennen«, fügte sie noch hinzu. »Als meine Mutter meinen Stiefvater kennenlernte, wurde er für mich gleich zu einem Vaterersatz. Vermutlich ist er mir auch ein besserer Vater, als es mein Erzeuger je hätte sein können.«

»Da könntest du recht haben. Was machst du beruflich, wenn du nicht gerade aus Paris flüchtest, Sunny?« Bens Lippen verzogen sich zu einem liebevollen Lächeln.

»Ich bin Fitnesstrainerin und Tanzcoach.«

»Vor kurzem hat in Strandnähe ein neues Studio aufgemacht und ich meine mich zu erinnern, dass sie auch noch Fitnesstrainer suchen. Also nur für den Fall, dass du vielleicht doch hierbleiben möchtest.« Sunny überlegte kurz, schüttelte dann aber den Kopf.

»Nein, ich bin eigentlich ganz glücklich damit, mal keinen Sport zu machen. Es kommt mir fast vor, als wäre mir mein gesamtes Leben zuwider geworden. Verstehst du, was ich meine? Wenn ich daran denke, dass ich täglich fast zehn Stunden fremden Leuten dabei zugesehen habe, wie sie sich mit den Geräten abkämpfen, schwitzen und sich zu sehr verausgaben, wird mir übel. Ich will es im Moment einfach nicht. Vielleicht irgendwann mal wieder, aber jetzt im Augenblick ... nein.«

»Der Typ muss dir ja übel mitgespielt haben.«

»Ich spreche nicht darüber«, sagte Sunny schnell und trank einen Schluck Kaffee. »Was machst du, wenn du Mädchen nicht gerade die Ketten ihrer Ex-Freunde wiedergibst?«

»Ich bin Anwalt. Langweilig, ich weiß.«

»Oh«, formten Sunnys Lippen.

»Ist deine Reaktion jetzt gut oder schlecht?« Ben lachte unsicher auf.

»Ich weiß es, ehrlich gesagt, noch nicht. Ich habe normalerweise nichts mit Anwälten zu tun.« Sunny zuckte lächelnd mit den Schultern.

Der Nachmittag verging überraschend schnell. Unzählige Café au lait´ später standen die beiden endlich auf. Sunny hatte die Zeit mit Ben genossen. Sie mochte es, wie er sie beim Sprechen beobachtete, als würde sie etwas unheimlich Wichtiges sagen. Sie genoss seine Aufmerksamkeit und seine entspannte, lockere Art. Er war anders als Dean, schoss es ihr im ersten Augenblick durch den Kopf.

»Lass mich dich nach Hause fahren«, schlug Ben vor und Sunny stimmte nickend zu. Es war kompliziert von Nizzas Altstadt zurück auf die Halbinsel zu kommen und Sunny konnte nicht ihre ganzen Reserven für überteuerte Taxifahrten ausgeben.

»Das wäre super, danke.« Ben und Sunny liefen zu seinem weißen Audi A8 Cabrio und sie staunte nicht schlecht. »Netter Wagen.«

»Ein Laster brauche ich«, zwinkerte Ben. »Autos sind meine Drogen.«

Sunny liebte es, wie der Wind ihr um die Nase wehte, als Ben das Cabrio beschleunigte und aus der Stadt herauslenkte. Die Sonne senkte sich langsam zum Horizont und bot ein prächtiges Farbenspiel am Himmel. Für einen kurzen Moment schloss Sunny die Augen und sog all das Glück in sich auf, das sie in den letzten Stunden gefühlt hatte. Sie wusste, dass es besser werden würde, dass der Schmerz irgendwann nachlassen würde.

Als Ben den Wagen vor der Villa parkte, staunte auch er nicht schlecht. Schnell eilte er auf die Beifahrerseite und öffnete Sunny die Tür, dann lehnte er sich lässig gegen sein Auto und sah ihr direkt in die wunderschönen, grünen Augen.

***

Als Dean das Zuschlagen von Autotüren hörte, sah er skeptisch auf. Er stand von seinem Schreibtisch auf und rieb sich kurz die Stirn. Sein Blick war verschwommen. Seit Stunden saß er an einem Fall und kam nicht voran, weil Sunny ihm in Gedanken immer wieder erschien. Irgendetwas hatte diese Frau an sich, das es Dean nicht ermöglichte, sie auch nur für ein paar Stunden aus seinem Kopf zu verbannen.

Deans Magen verkrampfte sich, als er aus dem Fenster seines Arbeitszimmers blickte und Sunny lachend mit einem Typen entdeckte, den Dean in seinem Leben eigentlich nie wiedersehen wollte. Von Wut und auch einer kleinen Nuance Eifersucht gepackt, verließ er das Zimmer und eilte die Treppe nach unten. Er riss die Tür auf und stürmte auf die beiden zu.

»Freser!«, donnerte Dean. »Sieh zu, dass du auf der Stelle von meinem Grundstück verschwindest.« Sunny sah Dean irritiert an, doch sein Blick haftete starr auf seinem jahrelangen Konkurrenten.

»Eigentlich stehe ich auf einer öffentlichen Straße«, sagte Ben ruhig. »Wenn du mir gesagt hättest, dass Olivia Harris deine geheimnisvolle Freundin ist, hätte ich dich ein paar Straßen eher verabschiedet.« Doch Sunny hörte Ben kaum zu. Sie starrte Dean an, versuchte den Ausdruck in seinen Augen zu deuten und kämpfte gegen das wütende und zugleich ohnmächtige Gefühl in ihrem Magen an.

»Dean, was soll das?«, fragte sie ruhig. Zu ruhig für Dean, der sofort ihren Blick suchte.