Nachtfasergespinste - Mirjam Wiesemann - E-Book

Nachtfasergespinste E-Book

Mirjam Wiesemann

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Beschreibung

Olivia und Rosie lieben ihr hübsches Second Hand Geschäft. Normalerweise befördern sie ihre textilen Schützlinge nach einem lebhaften Verkaufstag liebevoll an ihre Plätze zurück. Doch eines Abends, nach einem Telefonat mit ihrem Vermieter, der den Mietverlag nicht verlängern will, hinterlassen sie den Laden in einem chaotischen Durcheinander. Die aufmerksame Büste und manche Kleider, die dem Telefonat gelauscht haben, sind mehr als beunruhigt. Was soll aus ihnen werden, wenn es wirklich so weit kommt? Wenn Kleider sprechen könnten! In dieser Nacht, aufgewühlt, besorgt und quicklebendig, können sie es. Sie erzählen sich gegenseitig ihre Geschichten. Doch nicht nur das: Als Rosie und Olivia am nächsten Morgen ihren Laden betreten, erleben sie eine Überraschung.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Table of Contents

Titelseite

Impressum

Widmung

Nachtfasergespinste

Die Autorin

Mirjam Wiesemann

 

Nachtfasergespinste

 

Phantastische Novelle

 

 

 

Ashera Verlag

Impressum

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wäre rein zufällig.

 

 

 

Erste Auflage im August 2024

 

Copyright © 2024 dieser Ausgabe by

Ashera Verlag

Hochwaldstr. 38

51580 Reichshof

[email protected]

www.ashera-verlag.net

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.

Covergrafik: pixabay

Coverlayout: Atelier Bonzai

Innengrafik: pixabay

Szenentrenner: pixabay

Redaktion: Alisha Bionda

Lektorat & Satz: TTT

Vermittelt über die Agentur Ashera

(www.agentur-ashera.net)

Für Alisha,

die die wundervolle Idee zu dieser Geschichte hatte, und mit der ich – unter anderem – die Liebe zu schönen Second Hand Läden teile.

Rumms! Ein kalter Luftzug durchwehte den Raum wie ein vielstimmiges Raunen. Die Tür fiel lautstark ins Schloss. „Wenn Phil nicht mit sich reden lässt, werden wir wohl schließen müssen!“, hatte Olivia noch zu Rosie gesagt, bevor die beiden Frauen ihr geliebtes Second Hand Geschäft verließen. Zum ersten Mal hatten sie nach dem „Mehr-für-weniger-Tag“ keine Ordnung geschaffen und ihre textilen Schützlinge, als deren Herbergsmütter sie sich empfanden, ohne den liebevoll schweifenden letzten Blick am Abend zurückgelassen, den sie ihnen sonst stets zum Abschied schenkten. Und das nach dem schlimmsten Tag des Monats, dem Tag des Verramschens, an dem die liegengebliebene Ware zu Schleuderpreisen angeboten wurde. Rosie und Olivia sahen sich gezwungen, diesen Tag beizubehalten, er brachte den bitter benötigten Umsatz, um den Laden aufrechterhalten zu können.

Die Kleider, Taschen, Schuhe und Accessoires erwarteten das hektische Gewimmel stets mit Grauen. Je billiger sie angeboten wurden, desto respektloser wurden sie behandelt. Dabei waren wahre Schätze unter ihnen.

Die Menschen liebten die Jagd nach günstigen Angeboten. Auch die gut betuchten. Viele von ihnen waren wohl gerade deshalb reich geworden.

Nun war endlich Schluss mit dem Gerangel und Gezerre. Doch alle spürten die Nachwirkungen und waren nach wie vor aufgewühlt und völlig durcheinander.

„Was ist geschehen?“ Ein rosafarbenes Seidenblüschen mit floralem Design bahnte sich seinen Weg aus dem Knäuel zusammengepferchter Kleidungsstücke an den Rändern der Wühlkiste entlang. Es war erst am Tag zuvor abgegeben worden und derangiert. Innerhalb weniger Stunden schien es unter den grobschlächtigen Zugriffen der nimmersatten Schnäppchenjäger um Jahre gealtert zu sein. Ein Alptraum für das zarte, aus der Haute Couture Frankreichs stammende einstige so genannte It-Peace seiner untreuen Besitzerin.

„So haben Rosie und Olivia uns noch nie zurückgelassen“, bemerkte ein rechter, sehr eleganter weißer Seidenpump, der verzweifelt nach seinem linken Gegenstück Ausschau hielt. Das Schuhpaar war so gut wie neu, nur einmal getragen. Es hatte die Füße einer einst glücklichen Braut am Tag ihrer Hochzeit geschmückt. Nach der Trennung hatte sie es zusammen mit ihrem Hochzeitskleid in den Second Hand Laden gegeben, weil sie nicht an die glücklichen Anfänge erinnert werden wollte. Wenigstens die Schuhe hielten zusammen, doch nun war einer von ihnen verlorengegangen. Kleine Schicksale, die die beiden Herbergsmütter sonst zu verhindern wussten.

Die Büste namens Marie, die neben der Kassentheke aus der Menge ragte und besonders gute Ohren besaß, war mehr als beunruhigt: „Ich habe gehört, wie Olivia in den Hörknochen des alten Telefons stammelte. Ständig wiederholte sie: ‚Ja aber… ja aber … nein aber…‘ und ist dabei rot angelaufen, rot wie die Kappen der Fliegenpilze. Dann hat sie eingehängt und aufgebracht mit Rosie gesprochen, leise wie eine zischende Giftschlange kurz vor dem Zubeißen. So kenne ich sie gar nicht. Rosie ist immer blasser geworden, blass wie weiße Schokolade und war am Ende weiß wie Schnee. Ich hatte schon Sorge, sie würde schmelzen, wenn Olivia weiter so hitzig sprechen würde.“

Dem Wischtuch, das von allen Jammerlappen genannt wurde und ungereinigt über dem halbvollen Wassereimer hing, rannen schmutzgetränkte Tränen durch jede Faser seines Gewebes. „Sie wollen uns loswerden. Klar wie Putzbrühe!“

Sein Schniefen klang wie ein feuchter Wisch über eine kratzige Oberfläche. Man musste Mitleid mit ihm haben, es sah wirklich kaputt aus. Abgenutzt, alt und reichlich ungepflegt. „Schaut mich nicht so mitleidig an! So sieht man eben aus, wenn man für den Dreck der Anderen zuständig ist. Dass ich links liegen gelassen werde, bin ich ja gewöhnt. Aber wenn Rosie und Olivia anfangen, auch euch wie Lumpenpack zu behandeln, ist das ein ganz schlechtes Zeichen!“

„Schwarzmaler! Beschwer dich nicht. Du kannst dich freuen, dass die beiden überhaupt noch eine Verwendung für dich haben. Du zerfällst ja bald in deine Einzelteile.

---ENDE DER LESEPROBE---