Zwischen den Zeiten - Mirjam Wiesemann - E-Book

Zwischen den Zeiten E-Book

Mirjam Wiesemann

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Beschreibung

Im dritten und letzten Teil der Novellentrilogie über die Innen- und Außenweltreisen des Schriftstellers Alexander begegnen wir auch den geheimnisvollen Frauen aus Teil 1 und 2 wieder. Wer ist Oda wirklich? Ist die Namenlose real oder entspringt sie ausschließlich der lebhaften Vorstellungskraft des überspannten Autors? Und welche Rolle spielt das Zimmermädchen, das ihm immer wieder begegnet? Verbindet Alexander und die Frauen eine gemeinsame Geschichte? Oder sind sie verschiedene Erscheinungsformen ein und derselben Person? Und vor allem: Was hat es mit dem frühen Tod von Alexanders Mutter auf sich? Manchmal erscheint es dem heimgesuchten Autor, als würden alle Momente der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft seines Lebens gleichzeitig existieren. Kann er am Ende wirklich entschlüsseln, was Fantasie ist, was Traum und was Realität?

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Table of Contents

Title Page

Impressum

Zitat

Zwischen den Zeiten

Nachtrag

Die Autorin

Mirjam Wiesemann

Zwischen den Zeiten

Oda

Dritter Teil der Trilogie rund um das Leben des Schriftstellers Alexander

PhantastikNovelle

Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig.

Bisher in dieser Trilogie erschienen:

Zwischen den Seiten – Novelle

Zwischen den Welten: Der Namenlose – Novelle

Zwischen den Zeiten: Oda – Novelle

Copyright © 2025 dieser Ausgabe by Ashera Verlag

Ashera Verlag GbR

Hochwaldstr. 38

51580 Reichshof

[email protected]

www.ashera-verlag.de

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder andere Verwertungen – auch auszugsweise – nur mit Genehmigung des Verlags.

Covergrafik: pixabay

Innengrafiken: pixabay

Coverlayout: Atelier Bonzai

Redaktion: Alisha Bionda

Lektorat & Satz: TTT

Vermittelt über die Agentur Ashera

(www.agentur-ashera.net)

Zeit ist das Bild der Ewigkeit in Bewegung.

(Platon)

Zwischen den Zeiten

Alexander riss die übergroße, weiße Decke vom leeren Tisch, zerknüllte sie und warf sie in den Papierkorb zwischen seine zerrissenen Manuskriptseiten. Er konnte es nicht ertragen, dass selbst der Faltenwurf einer Tischdecke ihn erneut an Frauen in weißen Kleidern erinnerte, an jene geheimnisvollen Erscheinungen, die ihn in den vergangenen Wochen beharrlich heimgesucht hatten, Tag und Nacht. Sie waren Gemälden entstiegen, hatten sich in seine Träume geschlichen und waren ihm auf der Straße oder im Hotel in die Arme gelaufen. Mit derartigen Hirngespinsten sollte nun endgültig Schluss sein. Er würde sich nicht länger davon abhalten lassen, sein verkorkstes Leben in den Griff zu bekommen. Dies bedeutete in erster Linie: Sachlichkeit, Objektivität und vor allem Nüchternheit. Die Dinge waren, wie sie waren. ‚Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose‘, wie schon Gertrude Stein in ihrem berühmten Gedicht feststellte. Für einen Pflanzenforscher wäre diese Aussage höchstwahrscheinlich inakzeptabel gewesen, gab es doch eine Unmenge unterschiedlicher Rosen-Identitäten. Aber auch dieser Gedanke sollte ihn nicht dazu verleiten, den Versuchungen seines äußerst erfinderischen Geistes nachzugeben.

Er schaute sich um.

Inzwischen war seine Behausung in einem Zustand, der den Begriff der ‚Wohnung‘ rechtfertigte. Die meisten Gegenstände hatten ihren Platz gefunden. Die Wände waren nach wie vor kahl, was ihm gefiel, und er hatte sich vieler Dinge, die ihm in seinem neuen Leben überflüssig erschienen, radikal entledigt. Alles Bedrängende und Belastende war aus seinem Blickfeld verschwunden.

Das Übriggebliebene hatte er größtenteils in dem spartanischen Mobiliar, das ihm von Seiten des Vermieters zur Verfügung stand, untergebracht. Lediglich die Behältnisse, in denen er die Restbestände seiner Kindheit aufbewahrte, standen kaum sichtbar in der hintersten dunklen Nische des Wohnzimmers. Seit Jahrzehnten trug er sie unbeachtet und ungesehen von Wohnort zu Wohnort.

Er lauschte in den Raum hinein. Es herrschte Ruhe. Keine zerfließenden Uhren von Dalí, keine Leitern und Sterne von Miró, keine Magrittschen Männer in schwarzen Anzügen, und Frauen in weißen Kleidern. Keine gläsernen Wände, steinernen Vögel, blauen Berge. Kein kleiner Alexander mit dem Bewusstsein des Großen. Keine inneren Stimmen und kein sich stetig wandelndes Interieur: Der Spuk, der ihn in den ersten Tagen nach seinem Einzug aus allen Ecken und Winkeln bedrängt hatte, war vorüber und mit ihm das ängstliche Erstaunen des Autors über die mannigfaltigen Erscheinungen, die seine Vorstellungskraft hervorzubringen vermochte. Nun war der Brunnen seiner Schöpferkraft so leer wie seine kahlen Wände. Alexander war zutiefst erschöpft und ausgewrungen. Er bemühte sich erst gar nicht, seine Schreibversuche fortzusetzen. Aller Sinn seines Tuns war ihm entglitten und das Aufgeben fühlte sich an wie eine Befreiung. Er saß da und starrte in eine unbestimmte Ferne. Seitdem er seine Familie verlassen hatte und statt der ersehnten Freiheit eine tiefe Einsamkeit und gleichzeitige Getriebenheit durch sein aufgewühltes Gemüt erlebte, war er nicht zur Ruhe gekommen. Womöglich hatte sein Gehirn die Trugbilder der letzten Wochen produziert, um seine Leere und Weltflucht auszugleichen. Tagelang in den vier Wänden der neuen Behausung, von äußeren Einflüssen abgeschirmt, der meisten Sinneseindrücke entledigt, fühlte er sich wie das Versuchskaninchen eines Isolationsexperimentes. Sein Gehirn schien sich mangels Stimulation von außen seines reichhaltigen Gedächtnisspeichers zu bedienen und auf unvorhersehbare Art und Weise Bilder aus den dunklen Kammern seines Unterbewussten hervorzulocken. Nur so konnte er sich die Erlebnisse der vergangenen Wochen auf vernünftige Art und Weise erklären. Ein besonnenes Vorgehen im Falle weiterer Erscheinungen, die ihn jederzeit ereilen konnten, war ihm wichtiger denn je, sonst drohte er, der Parallelwelt, die ihm immer dichter auf die Fersen rückte, nachzugeben, und Teil von ihr zu werden. Für einige Sekunden schloss er die Augen und konzentrierte sich auf die Schwärze hinter seinen Lidern. Da waren sie wieder, erst die Lichtkreise, dann die Bilder, die willkürlich und ohne jeden Sinnzusammenhang aus dem Nichts erschienen. Er wurde sie nicht los. Ein kleiner Fuchs tauchte hinter einem sanften Hügel auf, oder war es ein Hund?

---ENDE DER LESEPROBE---