Nahtoderfahrung:   Zwischen Erleuchtung und Verblendung, Glückseligkeit und Traumatisierung, Himmel- und Höllenvisionen - Holger Karsten Schmid - E-Book

Nahtoderfahrung: Zwischen Erleuchtung und Verblendung, Glückseligkeit und Traumatisierung, Himmel- und Höllenvisionen E-Book

Holger Karsten Schmid

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Beschreibung

Welche Aussagen und Interpretationen über ein möglicherweise postmortales Leben lassen Nahtoderfahrungen zu, wenn sie bei ein und derselben Person sowohl eine traumatisierende negative Höllenvision, alsdann bei einer wiederholten Nahtoderfahrung eine harmonisierende Himmelsvision erfahren lassen? Seit den ersten Veröffentlichungen und auch Deutungen der Phänomene am Rande des Todes scheint die Thanatologie in diesen stagniert, hatte sie doch negative und auch traumatisierende Nahtoderfahrungen entweder statistisch nicht aufgenommen, weil sich Menschen ihrer schämten oder ausgeblendet. Das immer wieder repetierte Credo der Religionen und der meisten spiritualistisch-esoterisch eingestellten Autoren plädiert für die Unsterblichkeit der Seele und ein postmortales Leben. Der Autor zeigt auf, weshalb Jesus Christus und das Christentum keinen Freifahrtschein in den Himmel ausstellt und warum. Biblische Aussagen von außerkörperlichen Erfahrungen werden im neuen Licht erklärt. Dabei stellt er spiritistische, esoterische, thanatologische sowie auch graduell unterschiedliche christliche Vorstellungen von einer postmortalen Existenz dem Kern der biblischen Auferstehungshoffnung gegenüber und zeigt, was Nahtoderfahrungen als Zeugnisse für das Körperbewusstsein entgrenzender Bewusstseinsreisen über das Menschenbild und das objektlose kosmische Bewusstsein lehren können.

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Der Holzstich von dem französischen Maler und Grafiker PAUL GUSTAVE DORÉ (*6. Januar 1832 in Straßburg; †23. Januar 1883) mit dem Titel „THE HEAVENLY CHOIR“ von 1882 zeigt die zur Herrlichkeit Gottes aufsteigenden Engelchöre, jenem nichtphysischen Ursprung, von dem aus hierarchisch angeordnete mehrdimensionale Universen nichtphysischer Dimension sich durch Energiemenbranen und ihrem spezifischem Schwingungsniveau voneinander trennen.

Anmerkung zum Titelbild:

Bei diesem Holzstich nach A. SELIGMANN von ca. 1894 zieht Hermes als Psychopomp die Verstorbenen hintersich, wie es die Frau Holle mit ihren Heimchen tut oder Wotan bzw. Odin mit dem „Wilden Heer“. Die ägäische Große Mutter hatte Hermes als Schlangengemahl, ein Motiv, das der biblischen Schlange ähnelt, die der Eva die okkulte Weisheit von der „Unsterblichkeit der Seele“ beizubringen versuchte. Die Griechen nannten Hermes, den Gott der Gelehrtsamkeit, Medizin, Magie (vgl. die hermetische Magie der Araber) und okkulten Weisheit „Psychopompos“, „Führer der Seelen“. BARBARA G. WALKER (2003; S.385): „Diesen Beinamen trug der Herr des Todes in seiner Vereinigung mit der Gebieterin des Lebens auch in vielen anderen Religionen. Hermes besaß mehr Macht über Wiedergeburt und Reinkarnation als der himmlische Vater Zeus. (…). Die Sachsen verehrten Hermes als den phallischen Geist der Hermeseul oder Irminsul, der Weltsäule oder Weltesche, die am Mutterberg Heresburg (Berg der Hera) in die Erde gepflanzt wurde. Der Ort ist als Eresberg bekannt, und an der Stelle, an der sich in dem alten Heiligtum des Hermes das phallische Prinzip mit der Mutter Erde vereinte, steht nun eine dem heiligen Petrus geweihte Kirche. Andere germanische Stämme verehrten Hermes unter dem Namen Thot oder Teutates, »Vater der Teutonen«. Hermes-Merkur war mit dem germanischen Vater-Gott Wotan identisch. Der hermetische Tag, der Mittwoch, wird deshalb im Englischen als Wotans Tag (Wednesday), in romanischen Sprachen dagegen als Merkurs Tag (franz. mercredi, ital. mercoledi) bezeichnet.“ Die Vorstellungen, daß der Geist (Pneumatikon) oder Astralleib eines Nahtoderfahrenen von Verstorbenen quasi abgeholt wird, erscheinen sehr alt. WOLF-DIETER STORL (2000; S.61) dazu: „Auf der ganzen Welt sind bei Bestattungs-, Toten- und Opferritualen Psychedelika bekannt, die es ermöglichen, das Mysteriengeschehen auf der jenseitigen Ebene zu verfolgen, und die es den Teilnehmern und Kultfunktionären gestatten, dern Gestorbenen über die Schwelle hinaus ein Stück des Weges in die Totenwelt zu begleiten. Diese Rolle spielt der Hanf (Cannabis) traditionell in Indien und Zentralasien, der Fliegenpilz (Amarita) in Sibirien, Iboga (Tabernanthe) in Afrika und der Tabak, Brugsmansie, Yahé (Banisteriopsis), Peyote, die Prachtwinde (Turbina corymbosa) und etliche andere bewußtseinserweiternde Planzen in Amerika.“ Es soll auch Angehörige von Sterbenden gegeben haben, die auch ohne „Totenbegleitpsychedelikum“ energetisch mitgerissen wurden und den Lebensfilm des Sterbebettvisionäres miterlebt haben oder sogar dessen Exteriorisation. Hinduistische Sadhus (Sanskrit, m., sādhu, wörtl.: „Guter oder auch: Heiliger Mann“), die beispielsweise von morgens bis abends kiffen und saufen, halten sich gerne an Grematorien auf, um mittels dieses Totenbegleitpsychedelikums die Toten wohrend ihrer Andersweltreise zu begleiten. Die in den Mythen und Sagen enthaltenen Mytheme und Meme sowie Symbole z.B. die Weltsäule, der Lebensbaum, der Caduceus und die Swastika (Sanskrit: svastikacrux dissimulata oder crux grammata bzw. Gamma-Kreuz bekannt) als Axis mundi – (lat.: „Weltachse“), als „Tunnelvision“ zu den Transwelten, Anch etc. sind mit der Tiefenstrucktur veränderter Bewußtseinszustände, wie sie KEN WILBER erfasst hat, gleichzusetzen. Beispielsweise nannten einige gnostische Christen den Caduceus bzw. das Zepter mit den zwei Schlangen „Christus der Retter“, was wiederum ein Titel von Hermes war, der gleichsam von der Jungfrau Maia geboren wurde. Die Tiefenstruktur definiert Grundmerkmale, deren Ausgestaltungen variabel sein können. So reist ein Inder beispielsweise mit einer als heilig gehaltenen Kuh in den Himmel, während es mittelalterliche Hexen mit dem Besen taten und Amerikaner mit dem Taxi, während Schamanen ihre Krafttiere dafür benützen und christliche Mystiker von einem Engel in das Paradies entrückt wurden, ein Hindu mit seinem Ushta deva verschmolz. In der nordischen Mythologie sind es die Walküren, die den Gefallenen abholen und die Germanen, die eine Nahtoderfahrung machten, dürften der Unterweltsgöttin Hel, der späteren Göttin Holle begegnet sein, genauso wie Hindus dem Todesgott Yama begegneten, der diesen zuweilen in der furchterregenden Gestalt eins blauhäutigen ochsenköpfigen Dämons erschien, oder, wie dem buddhistischen Mönch aus Myanmar (Burma) ATHET PYAN SHINTHAW PAULU, mit einem Löwengesicht, dessen Körper einem Löwen glich, während dessen Beine einen Schlangengeist (Naga) glichen. Dieser Jama stellte sich Paulu als „König der Hölle und als Zerstörer“ vor, der überrasschenderweise den Glauben an Jesus Christus als Voraussetzung dafür benannte, wenn wir nicht in den „Feuersee“ geworfen werden wollen.

(Siehe: www.Lebensentscheidung.de/himmelhoelle/buddhist_starb_und_kam_zuurueck.html). Paulu habe in seiner Nahtodvision nach einen Fluss überquert und dahinter einen grauenvollen See aus Feuer gesehen, obwohl im Buddhismus davon nicht die Rede ist. Schließlich soll er auch Gautama (Buddha) dort im Feuersee angetroffen haben, weil er nicht an den ewigen Gott geglaubt habe (Daniel 12,1; Psalm 69,29). Yama wird wiederum dem Engel des Todes im Buch Henoch, Sammael, gleichgestellt. Interessanterweise ist im rabbinischen Judentum Sammael der Eigenname für Satan, dem Ankläger und gefallenen Engel. Wenn nun die Mutter des Hermes, Maia, mit der östlichen Version, der Maya („Magie“) identisch war und Yama nach B. G. WALKER (2003; S.1192) die männliche Entsprechung zur Herrin des Lebens ist, „deren Name der seinige in Umkehrung war: Ma-Ya“, dürfte er mit dem Erzenengel der jüdischen und christlichen Mythologie mit Samael oder auch Sammuel („Gift Gottes“) identisch sein. Die Maya der Hindus machte ihr männliches Gegenstück Ya-Ma zu einem Führer der Seelen und einem Fürsten des Todes, ebenso wie Maya ihren Sohn Hermes zum Führer der Seelen in die Unterwelt machte und Samael zum Herrn des Todes wurde. Als hebräische Bibeltexte im Targum-Pseudo-Jonathan ins Aramäische übersetzt wurden, stellte sich heraus, daß die Eva ihren Sündenfall im sexuellen Verkehr mit Sammael, dem Engel des Todes, hatte und den Kain gebar, damit er die Blutlinie zu dem kommenden Joshua ben Joseph (Jesus Christus), der dem Tod seinen Stachel nehmen sollte, verhindere. Lilith, eine Göttin der babylonischen Mythen, wurde in der sumerischen Mythologie zur Wüsten-Dämonin und „Königin der Nacht“ namens „Lilitu“ und dem Totenreich zugeorndet. In der jüdischen Legende sei sie aus der gleichen Erde geformt und erschaffen worden, doch der von Gott verstoßene Samuel oder Samael, der anderswo Azazil oder Iblis genannt wird, hätte den Lehm, aus dem Lilith erschaffen worden war, war durch seinen Speichel verunreinigt. Deshalb sollte sie nur böse Geister und Dämonen geboren haben. Aus dem jüdischen Talmud ist Samael als ein Dämon bekannt, der versucht, die Menschen zu schädigen, während er talmudisch als Schutzengels Roms galt und den Apokrypen nach als der Gott der Christen gewesen sei, der auch als Sammael, Schamael, Semael, Semel, Samuil oder Samiel genannt und als einer der sieben Erzengel angesehen wurde. In den Apokrypen wird berichtet, daß Samael Adam und Eva vortäuschte, er sei der Schöpfer. Die gnostischen Ophiten und Naassener betrachteten Samiel als einen satanischen „blinden Engel“, während anderen Quellen nach er der „Engel des Todes“ sei, der die Seele des Moses während seines Todes von dessen Körper trennte. Anderen Quellen nach sol Lilith seine Schwester gewesen sein. Lilith soll die ersten Frau Adams gewesen sei, dessen Samen sie sich bemächtigte um bösartige Geister zu gebären. Eines dieser von ihr geborenen Teufel soll Samael gewesen sein, der ihr Gefährte wurde, wie Muttergottheiten oft Gefährten hatten. In der sumerischen Mythologie soll Lilith im Stamm des des Weltenbaumes, der als „Verkehrsader zu den Multiversen und Transwelten anzusehen ist“, wie andere weibliche Baumgottheiten gewohnt haben, bis dieser auf Befehl von Inanna gespalten wurde und Lilith zur Flucht drängte. Die Nachfolger des Yama verehrten ihn indess als Psychopomos, weil dieser in der hinduistischen Mythologie den Tod wählte, weil er keusch bleiben wollte. Wie Yama soll die ägyptische Große Schlange Sata täglich im Schoß der Göttin wiedergeboren werden, der Geist der Nacht und des Todes. Sata, der dunkle Gott, der ständig in der Unterwelt lebte, war und ist der Widersacher des lichten Gottes und der Kampf zwischen Licht und Finsternis, Erleuchtung und Verblendung, Erlösung und Versammung spiegelt sich in den Mythologien nach dem Muster Osiris-Set, Apollo-Phython, Anu-Aciel, Baal-Yamm, Jesus Christus-Satan usw., was der Tiefenstrucktur KEN WILBERs entspricht. Im Buch Hiob 1,6 war Satanael einer der Söhne Gottes, der bene ha-elohim und Jesus setzte diesen mit der Blitz-Schlange Luzifer gleich (Lukas 10,18). Die Schlange im Garten Eden wird zum einen als Medium dieses Engels angesehen, auf der anderen Seite bedeutet das griechische Wort ophis, was dort mit „Schlange“ übersetzt wurde, „ein gerissenes Wesen“, „eine arglistige Person“, was mit dem Tier nichts mehr zu tun hat.

Was sagen „Nahtoderfahrungen“ über ein „Jenseits“ aus, wenn sie so sehr von der mentale Verfassung bzw. mythologischen, religiösen, kulturellen, weltanschaulichen Vorprägung (engl.: mindset; abk.: Set), der Persönlichkeit (Selbstkonzept, Moralische Haltung bzw. Gewissensverfassung, persönliche Überzeugungen), den Krankheiten, Verletzungsarten und den Reanimationsbedingungen (Setting) sowie den körpereigenen Opiaten (DMT oder das Anästhetikum Ketamin; Drugtrigger) bestimmt sind? Beispielsweise erkrankte der Mönch Paulu an unbehandelbarem Gelbfieber und Malaria, wurde ins Kloster zurückgebracht und sei dort bewußtlos geworden und drei Tage tot gewesen. Schließlich seiner buddhistischen Reinigungszeremonien unterzogen worden und hatten man seinen Körper auf die Verbrennung vorbereitet. Malaria führt zu Wechselfieber, zusammen mit dem Gelbfieber kam es zu einer Überhitzung des Körpers, zudem dürfte das Vorwissen über die Feuerbestattung die Szenen vom Feuersee begünstigt haben. Dieses Motiv des Feuersees als Bestrafungsort oder „Läuterungsort“ beschrieb auch VERONIKAULRIKE BARTHEL, eine Feuergrube (vgl. Matth.13,42.50) beschrieb BILL WIESE und viele andere erlebten mit allen Hypersinnen eine höllische „Unterwelt“, die die Bibel als „Gefängnis bestrafter Dämonen“ mit dem griechischen Begriff „Abyssos“ (Luk.8,31; Offb.9,1 f.) oder Tartaros (2. Petr.2,4) benennt (griech.: tartaroo =>Götter< „in Tartaros festhalten“). Der Mystiker MEISTER ECKEHART hatte diese Vorbedingungen, wie eine Nathoderfahrungen verlaufen kann, ob sie zu einer „Himmelsfahrt“ oder eine traumatisierenden „Höllenfahrt“ wird auf den Punkt gebracht: „Das Einzige, das in der Hölle verbrennt, ist der Teil, der uns ans Leben bindet: Gedächtnis und Zuneigung. All dies verbrennt, aber es gibt keine Schmerzen, sondern befreit die Seele. Fürchtet man den Tod und hält ihn zurück, dann sieht man Teufel, die einem das Leben entreißen. Ist man jedoch zufrieden und im persönlichen Einklang mit sich selbst, verwandeln sich die Teufel in Engel.“ Daß der buddhistische Mönch Athet Pyan Shinthaw Paulu vor seiner Nahtoderfahrungen keinerlei Kontakt zum Christentum hatte, mache sein Erlebnisbericht zu einem brisantn Zeugnis.1

Bei allen Nahtoderfahrenen „konstruiert“ deren MIND ein Vehikel für die Andersweltreise, das bei UFO-Gläubigen freilich auch ein materiell erscheinendes Objekt in Form einer silbrigen Scheibe sein kann. Die inhaltliche Ausgestaltung der Sterbeerlebnisse war also von den jeweiligen Welt- und Gottesbildern geprägt, das Metamuster scheint sich jedoch zu gleichen.

Die Jungfrau Maia, die Hermes hervorgebracht haben sollte, war die „Großmutter der Magie“, die mittels Trans-Formation und In-Formation die materiellen „Erscheinungen“ erschuf, denen aber keine letztendliche Wirklichkeit zugebilligt wird (vgl.1. Korinther 4,18), weshalb Maia auch als Große Göttin der Erneuerung und Wiedergeburt von griechischen Autoren angesehen wurde. Maya war die Mutter des erleuchteten Buddha der Hindus, deren westliche Version die Maia des Hermes war, die diesen zum Füheer der Seelen in die Unterwelt machte. Die Hindus machten ihrerseits den Sohn der Maya, Ya-Ma zu einem Führer der Seelen und zu einem Fürsten des Todes. Hermes, der Erleuchtete, sollte so viele Reinkarnationen wie Buddha gehabt haben. Die nach links weisende Mond-Swastika bedeutete für die tibetischen Buddisten die „Magie“ der Mutter Maya, während die nach rechts weisende Sonnen-Swastika für den Erlöser stand. Maias Partner war manchmal Vulcanus oder der greichische Hephaistos, beides Feuergottheiten. Nahtoderfahrene wurden von Hermes lediglich zum Ufer des Acheron gebracht. Die griechische Gottheit Hermes (römisch Merkur) war ein Herold (Caduceator) und sein Heroldsstab (Caduceus) mit seinen zwei geflügelten Schlangen, den von Apollon geschenkt bekommen hatte nach seiner Reue über den Diebstal einer Kuhherde, gleicht dem Stab der Hirten und Wanderer, denen er ebenso wie zu Kaufleuten ein Schutzgott war. Sein Stab (Hermesstab) diente nicht nur als Schutz sondern war ein Symbol der axis mundi (Welt-Achse), auf der der Götterbote zur Himmels- und zur Unterwelt hinauf- und hinsabsteigen konnte, wie Jesus Christus. In der Hermetik und Alchemie des Mittelalters spielte deshalb Hermes/Merkur eine große Rolle und schließllich bei den Rosenkreuzern und Freimaurern. BARBARA G. WALKER (2003; S.386-388) dazu: „Neuplatonische Philosophen bezeichneten Hermes als den Logos oder das fleischgewordene Wort Gottes. Christliche Vorstellungen von Jesus als dem Logos stammen also von der älteren Gottheit, die in ihren Hymnen ähnlich angerufen wurde wie Jesus in den Evangelien:

Herr der Schöpfung, Alles und Einziger. … Er ist das Licht meines Geistes; ihm sei der Segen meiner Kräfte. … Preise, oh Wahrheit, die Wahrheit, oh Güte, das Gute, das Leben und das Licht, das von dir kommt, so wie unser Dank zu dir geht. Ich danke dir, oh Vater, der du die Energiequelle meiner Kraft bist; Ich danke dir, oh Gott, der du die Kraft meiner Energie bist. Dein eigenes Wort preist dich durch mich. … Du Fülle der göttlichen Kraft in uns, oh Leben, erlöse uns; oh Licht, erleuchte uns; oh Gott, dein göttlicher Funke entünde unseren Geist. Der Geist hütet dein Wort. … durch den Ewigen empfing ich die Gnade und das, was ich suche. Durch dich werde ich Ruhe finden.

So entwickelte sich Hermes zu dem »inneren Gott«, nach dem alle religiösen Philosophen der gnostischen Ströming suchten. (…). Im Mittelalter lebte Hermes in der Gestalt des Hermes Trismegistos, Hermes der dreimal Größte, fort, dem Begründer der hermetischen Magie, Astrologie, Alchemie und anderer Künste, die den Mystizismus und die Naturwissenschaften verbanden. (…). Eine Abhandlung aus dem 16. Jahrhundert beschreibt das hermetische Gefäß als »eine Gebärmutter für die spirituelle Erneuerung und Wiedergeburt des Einzelnen … und ist mehr zu suchen als die Schrift.«

(…). Sowohl Sufi-Mystiker als auch östliche Alchemisten sahen in Hermes einen Eingeweihten ihrer Lehre. (…). Die am häufigsten mit Hermes verglichene christliche-mythologische Gestalt war der Erzengel Michael, der Engel des Todes, dessen Aufgabe der des alten Psychopompos ähnelte.“

Lassen Sie sich ent-führen in die Deutungsmuster und der Tiefenstruktur der ergreifendsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann, der Nahtoderfahrung und Astralreise, einem Erleben von Einblicken hinter dem Horizont physischer Sinneswahrnehmungen.

1 Ursprüngliche Quelle: Asian Minoroties Outreach, BOX 17, Chang Klan P.O., Chiang Mai 50101, Thailand, Fax (+66)-53-801487. E-mail: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Vorwort und Danksagung

Einführung

Die Elemente der Nahtoderfahrung

1.1 Stimmungsaufhellung und Glückseligkeit jenseits der Tunnelvision oder die erste perinatale Grundmatrix

1.1.1 Die Nah-Todeserfahrung: Gesteigertes Bewußtsein

1.1.2 Tunnelvision - Geburtskanalerinnerung? Die zweite perinatale Grundmatrix?

1.1.3 Auf dem „Bildschirm“ des Bewußtseins: vom passiven Zuschauer (Trance) zum aktiven Gestalter (Exaltation)

1.2 Außerkörperlichkeitserlebnis: Antizipation oder Immitation der Erlösung des himmlischen Leibes

1.2.1 Wenn der Körper schläft (Schlafparalyse) und der Geist erwacht: Induktionsvoraussetzung für die Außerkörperlichkeitserfahrung

1.2.2 Out-Of-Body-Experience: Bewußtseinsreisen in transsinnliche Multiversen

1.2.3 AKE bzw. OOBE: Ex-teriorisation (Ausflug des Geistes) oder Inspiration (Eindringen eines Geistes)?

1.2.4 AKE durch Elektrostimulation der Schläfenlappen des Großhirns: Indiz für ein immanentes Phänomen oder für die energetische Daseinsform des Pneuma?

1.3 Der Lebensfilm - Zensur ohne Richter – die letzte Lebensbilanz: Zur Selbstjustiz während des Lebensfilmes

1.3.1 Lebensrückblick im Spiegel der Mythen: Erfahrungen von Todesnähe als Inspirationsquellen des Jüngsten Gerichts

1.3.2 Totenbücher: Vom Logbuch für das Auflugsziel „Jenseits“ - Navigationshilfen für Seelenreisende

1.3.3 Die Zensur Gottes am Lebensbuch im Unterschied zur NDE-Selbstjustiz

1.3.4 Ablauf eines Lebensfilms analog zum himmlischen „Buch des Lebens“

1.3.5 Lebensrückblick infolge einer Elektrostimulation temporaler Gehirnareale und Hypnose

1.4 Verstorbene oder transintelligible Geistwesen als Psychopompos: Vom unterschiedlichen Empfangskommitee

1.4.1 Begegnung mit Verstorbenen und Lichtwesen beim NDE: spirituelle Begegnung oder generierte Gedächtnisinhalte?

1.4.2 Dämonische Immitation Verstorbener und der Erscheinung Christi

1.4.3 Jenseits des Todes: Jesu' Auferweckung des Lazarus

1.5 Erleben transsinnlicher Multiversen: Jenseitsvorstellungen - Vorstellungen vom Jenseits und das Unvorstellbare

1.5.1 Das Himmelreich: multidimensionale Transwelten und geistige Welten jenseits des Vorstellungsvermögens

1.5.2 Bewußtseinsreisen des objektlosen Ich-Bewußtseins in geistige Welten: wenn Bewußtseinszustände und Gedanken die Navigation in Transwelten übernehmen

1.5.3 Die himmlische Heimat: jenseits des Materiellen und sinnlich Wahrnehmbaren

Simulierte NDE-Jenseits-erfahrungen: „Schein“ oder „Sein“?

2.1

Trance- und Doorwaytechniken: von der simulierten Nahtoderfahrung

2.1.1 Trance als der klassiche Weg zur religiösen Erfahrung und zur Besessenheit – Erleuchtung durch Inkorporation eines Geitswesens

2.1.2 NDE-Simulationen durch hypnotische Regression - „En-Trance in the gate to the hereafter“

2.1.3 Verzückung versus Trance - Bewußtseinsklarheit versus Umnachtung: an den Antipoden des Bewußtseins

2.2 Psycholoytisch induzierte Nahtoderfahrung: von göttlichen Visionen und transpersonalen Erfahrungen - holotrope Bewußtseins-schranke zum Jenseits

2.2.1 Nahtoderfahrung und transpersonale Erfahrung unter LSD-Einfluss: Ein kritischer Vergleich der Phänomene nondualen Bewußtseins

2.2.2 Die „perinatalen Matrizen“ STANISLAV GROFS: Simulationen jenseitiger Welten

2.3 Nahtod-Erlebnisse aus der Sicht von Neurobiologie und - chirurgie und moderner Hirnforschung

2.3.1 Biochemische Korrelate religiöser Erfahrung: neurochemische Verbindungen zum Jenseits

2.3.2 Neurobiologie spiritueller Erfahrungen: biochemisch induzierte Nahtoderfahrung

Himmel- und Höllenvisionen der Nahtoderfahrenen und Mystiker: biblische Derivate

3.1 Von der jüdisch-christlichen Hölle: Deutungen und Fehldeutungen über Gottes Folterstätte

3.2 Seelenreisen in die Unterwelt: von unheimlichen Begegnungen mit amoralischen Spirits und Fegefeuererfahrungen in der dritten perinatalen Grundmatrix

3.2.1 Der Sambhogakaya („Körper der Glückseligkeit“) des tibetischen Buddhismus: Multiversen des kosmischen Buddha

3.2.2 Vom König der Unterwelt zur Göttin der Toten: Nahtoderfahrung als schicksalhafter Einweihungsweg

3.2.3 Bewohner der Unterwelt: Von erdgebundenen Geistern, Foppgeistern und Höllengeistern, Energievampiren

3.3 Esoterik und Okkultismus: vom bagatellisierten Jenseits zur bagatellisierten Dämonologie

3.3.1 Von Fegefeuervisionen und heiliger Inbrunst: Katharsis oder dämonische Be-Geisterung?

3.3.2 Ekstase verzückt, beglückt, entrückt oder macht verrückt, betört und verstört: die Apotheose

3.3.3 Doorwaytechniken der Mystiker: AKE im Vergleich zur Ekstase und mystischen Verzückung

Thanatologie: Die postmoderne Heilslehre jenseits der Religionen und christlicher Auferstehungshoffnung

4.1 Thanatologische und esoterische Vorstellungen vom ewigen Leben: Transfomation statt Erlösung, Reinkarnation statt Auferstehung

4.1.1 NDE und ihre zustandsabhängigen Phänomene veränderter Bewußtseinszustände

4.1.2 NDE-Erleuchtung im Zwielicht: Das postmortale Erwachen eines wiedergeborenen Gottes vs. Erlösung

4.1.3 Die postmortale Existenz: theologische, thanatologische und spiritistische Ansichten

4.1.4 Deutung und Bedeutung von Nahtoderfahrungen: „Jetzt erkenne ich stückweise (...).“

4.1.5 Bilderwelten und Weltbilder: NDE als sinnliche Erfahrung des Übersinnlichen

4.1.6 Die Jenseitswelt: ein verklärtes Diesseits in einer feinstofflichen Dimension

4.1.7 Nahtoderfahrungen: Phänomene jenseits von Objektivität und den Maßstäben unseres Verstandes

4.1.8 Interpretationsebenen von religiös-visionären Bildinhalten bzw. Inspirationen und Astralreisen

4.1.9 Einsichten in das Unsichtbare: Astralreise in die transsinnlichen Welten

4.1.10 Gottes Selbstoffenbarungen als primäre Grundlagen des christlichen Glaubens

4.2 Interpretation der NDE durch Thanatologen: Kurz-Schlüsse über Bewußtseins- und Daseinskontinuität

4.2.1 Auffassungen und Ansichten über die Wirklichkeit – das er- und verkannte Jenseits

4.2.2 Die Basis der Erkenntnis: Konstrukte des Geistes

4.2.3 Die biblische Sicht über den Zustand der Toten: Bewußtseinskondinuität oder geistiger „Schlaf“?

4.2.4 Prädisponierende Merkmale, die die NDE inhaltlich bestimmen

4.2.5 AKE als Indiz postmortalen Weiterlebens versus Auferstehung: von den Lehrgebäuden hinter den Phänomenen

Resümee: synthetisch-holistische Ausblicke

5.1 Vom Stachel des zweiten Todes: Hölle als Synonym für die Anullierung des Pneumatikon

5.2 Weltanschauliche und anthropologische Schlussfolgerungen

5.3 Schlußbetrachtungen

Literaturverzeichnis

Zeitschriften und Artikel

Zum Autor

Weitere Veröffentlichungen des Autors

Wichtiger Hinweis

Empfehlenswerte Homepages und Schriften zur Aufklärung und Orientierung über okkulte Phänomene

Vorwort und Danksagung

Erster Anlaß dieses Buch zu schreiben, entsprang meiner Korrespondenz mit dem Heidelberger Assistenzarzt MICHAEL SCHRÖTER-KUNHART. Ich hinterfragte seinen Artikel „Das Jenseits in uns“, und erkannte, daß es zu jeder Phase der Nah-Todeserfahrung eine spirituelle/esoterische Disziplin gibt, die diese generiert.2 Das erschien mir verdächtig. Warum, das beschreibe ich in diesem Buch. Ein weiterer Grund, warum mir die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit wichtig ist, kommt aus meinem Bedauern über Skeptiker, die einem nicht mehr tragfähigen Scientismus verfallen sind, der die Welt auf das nur Denkbare und Erkennbare reduziert. Wünschenswert wäre es, wenn solche Skeptiker und Zweifler, wie es der Jünger Thomas war, durch diese Schrift überzeugt würden und ihre Konsequenzen daraus zögen: die unbeirrte Nachfolge Christi. Zu einer solchen rufen besonders auch die auf, die während ihrer Nahtoderfahrung die „Hölle“ oder Jesus als Psychopompos im wahrsten Sinne des Wortes als real erlebt (vgl. WILLI ANDERSONs Nahtoderfahrung) und nicht nur in einer Vision „erblickt“ haben. Übereinstimmende Berichte von Himmel und Hölle (Siehe: http://www.lebensentscheidung.de/himmel_und_hoelle.html) wecken den Eindruck, als spiele sich die Szenerie nach einem bestimmten Muster ab, das in der Bibel prohezeit wurde. Da begegnen Nahtoderfahrene Jesus Christus, werden von diesem, wie JANET BALDERAS CANELA aus Puerto Rico zum „himmlischen Jerusalem“ geführt, bekommen gleichermaßen wie Johannes in dem Buch der Offenbarung Einblicke in zukünftige Geschehen. Seid den ersten Interpretationen der Phänomene an der Schwelle zum Hirntod von ELISABETH KÜBLER-ROSS und RMOODY, RAYMOND A. (1978) werden von heutigen Thanatologen wie von BERNARD JAKOBY (2016) dieselben Verheißungen und Versprechungen gegeben: das „Himmeltor“ sei nach dem Tod jedem offen und der Durchgang zu diesem führe ins Paradies. Selbst in Mythen, in den Totenbüchern und Märchen wie dies der „Frau Holle“, das ich in meinen zwei Werken ausführlich interpretierte, wird eine Urteilsverkündigung (nebst Sanktion) nicht ausgeblendet, sondernsie zeigen, welche Nachwirkungen der Lebenswandel dann im Jenseits hat. Folgen die Geistführer, die obige Thanatologen Versprechungen einflüsterten und deren Einfluss auf Ihre Interepretationen der Nahtoderfahrungen wahrscheinlich sind, einer von diesen beabsichtigten Verblendung der Leserschaft deren Werke? Auf der anderen Seite, was ist von den Interpretationen von Christen zu halten, die nach ihrer Nahtoderfahrung die Überzeugung vertreten es gäbe die Hölle als Strafort, als Ort höllischer Qualen wirklich? Was ist von deren Interpretationen der biblischen Prophetie zu halten, nach denen Gott, wie in der weisheitlichen Lehrdichtung im Buch Hiob, Gottabtrünnige oder ihn Verlegnende dem Teufel übergibt, damit dieser sie züchtige oder prüfe? Die Berichte von Nahtoderfahrungen, die auf der Internetseite www.Lebensentscheidung.de Himmel- und Höllenvisionen gegenüberstellen, geben den Eindruck, als folgten sie einem klassischen „Drehbuch und Drama“, das auch RAMOND A. MOODY aus einer Nahtoderfahrung herauszulesen versuchte und auf deren Grundelemente bzw. Tiefenstruktur verdichtete. In diesem Werk stelle ich die Interpretationen der Phänomene nondualen und objektlosen Bewußtseins auf den Prüfstand und nutze dabei ebenfalls die Bibel als Maßstab zur Beurteilung der Phänomene. Vor allem aber beantworte ich die Frage, was der Ursprung und das Ziel religiöser Erfahrungen ist, und zeige die Formen religiösen Erlebens auf, unter denen die Nah-Todeserfahrung eine universale spirituelle Erfahrung ist. Dabei formuliere ich Unterscheidungskriterien darüber, aus oder in welchem „Geist“ solch eine religiöse Erfahrung erfolgt (siehe 1.Kor.12,10; 1.Joh.4,1-6), d.h. ob sie letztlich heilsam oder unheilvoll ist. Besonders zeige auf, welche Rückschlüsse die Nah-Todeserfahrungen zum „Pneuma“ und seiner Funktionalität zulassen, d.h. auch, wo sie über das Physische/Materielle metaphysisch hinausweisen. Dennoch handelt es sich bei den NDE um Erlebnisse, die durchaus aus diesseitigen Erfahrungsinhalten zusammengesetzt sind, wobei auch die auftretenden Gefühlsqualitäten von durchaus irdischer Art zu sein scheinen, werden sie offenbar immer noch von einer „diesseitigen“ Restfunktion des im Sterben begriffenen Gehirns ausgeübt (Agonie). Da aber auf paranormalem Wege Informationen bei ihnen auftauchen, zeigt sich bei den NDE ein metaphysisches „Element“: ASW, das auf einen transpersonalen Einfluß schließen läßt. Ziel dieses Buches ist es, nicht nur eine Faszination für das Unbegreifliche unserer Existenz zu wecken und jegliche Reduktion durch nihilistisch-materialistisches Denken endgültig ad absurdum zu führen, sondern Glaubensgewißheiten und Ur-Vertrauen in transrationale Sinnzusammenhänge (in Gott) zu festigen, die unser Fassungsvermögen bei weitem übersteigen. Dazu will ich mehr als nur eine Ahnung und jenes Gespür für das erwecken, was Gott in unserem Leben be-wirken will. Denn obwohl wir noch im Glauben leben, erkennen wir doch schon mehr als wie „durch einen Spiegel in einem dunklen Wort.“ (1.Kor.13,12). Besonders aber möchte ich die verlorengegangene oder verkümmerte Fähigkeit, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören, wiederbeleben. Nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen, mit dieser Schrift Jesus Christus zu verherrlichen, denn das Himmelreich ist mitten unter uns, überall dort, wo Christi Geist der Liebe wirkt.

In meiner Korrespondenz mit den unterschiedlichsten Forschern fand ich zu einem akzeptablen Fazit über die multimodalen Ursachen für Halluzinationen und Visionen, Gotteserfahrungen, Nahtoderfahrungen und ihren vielschichtigen Interpretationsebenen. Mein Verständnis für das Heilige wurde erweitert und vertieft. Folgenden Personen, deren Schriften mich beeinflusst haben und bei denen ich die Ehre und das Glück besaß, mich mit ihnen austauschen zu können, drücke ich meinen Dank für ihre Hilfe, ihre Inspirationen und Quellenverweisen aus:

Dr. MICHAEL SCHÖTER-KUNHADT (Assistenzarzt u. Leiter der deutschen Nah-Todesforschung)

Prof. Dr. phil. nat. PAUL THOLEY (Sportwissenschaftler, Psychologe u. Bewußtseinsforscher; verst. )

Prof. Dr. BRUCE GREYSON (Präsident der amerikanischen Muttergesellschaft der „International Association for Near Death Studies“, IANDS, und Psychiater)

Prof. Dr. RENAUD van QUEKELBERGHE (Fachbereich Psychologe der Universität Koblenz-Landau)

Prof. Dr. med. CHRISTIAN SCHARFETTER (Psychiater in der Psychiatrischen Universitätsklinik in Zürich)

Prof. Dr. med. DETLEF BERNHARD LINKE (Neurochirurg der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Bonn, Organisator der Bonner Colloquien zur Medizinischen Ethik und Mitorganisator der Bonner Symposien zu „Gehirn und Bewußtsein“; Anfang 2005 verstorben

Prof. Dr. med. Dr. h.c. CHARLES PROBST (Neurochirurg FMH. Gründer der neurochirurgischen Klinik des Kantonsspitals Aarau, Schweiz. Professor an der Universität Zürich und Ehrendoktor der Universität Lublin).

Dr. med. WOLFGANG STROBEL (Arzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapie, Psychoanalyse, Musiktherapeut in Würzburg)

PD Dr. phil. THOMAS METZINGER (Philosoph. Leiter des Arbeitsbereiches Theoretische Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Mainz)

Prof. Dr. PINCHAS LAPIDE (Theologe und Schriftsteller in Frankfurt/Main; verst.)

Prof. Dr. WOLF SINGER (Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main)

2 SCHRÖTER-KUNHART, MICHAEL (1993): „Das Jenseits in uns“. In (Weinheim: Psychologie heute Verlag) Psychologie Heute, JUNI 1993, HEFT 6, S.64-69.

Einführung

Berichte von Erlebnissen an der Schwelle zum Tode häufen sich. Ob in esoterischen Schriften, Büchern (siehe Literaturverzeichnis) oder Zeitschriften wie Esotera, Psychologie Heute, Focus, GEO und sogar COUPÉ etc.! Nahtodeserfahrungen wurden auch in Talkshows zum Thema und inspirierten eine Reihe von Hollywood-Filmen, wie „Flatliners“, „Resurrection“, „Ghost - Nachricht von Sam“ und „Hinter dem Horizont“. „Das Leben nach dem Tod“ war Thema der 15. Internationalen „Psi-Tage“, die vom 28.11-1.12.1997 im Kongreßzentrum Messe Basel stattfanden. Doch was ist von solchen Erlebnissen und insbesondere von den Interpretationen, Deutungen und Schlußfolgerungen zu halten, die die Erfahrenden (Reanimierte, die eine Sterbebettvision hatten) und Wissenschaftler (Thanatologen) aus ihnen ziehen? In diesem Buch wird aufgezeigt, was uns die Nah-Todeserfahrung über das Mysterium unserer Seele und unserer Existenz offenbart und was sie uns verschweigt. Die Sterbebettvisionäre und die Thanatologie vertreten den uralten Glauben an die unsterbliche Seele. Zu dieser Weltanschauung des „wissenschaftlichen“ Spiritismus zählt die Meinung, Verstorbene könnten nach ihrem Tod geistig weiterexistieren. Entgegen diesem Selbsterlösungsmodell steht der christliche Auferstehungsglauben. Der Grund für die Überwindung des Todes liegt hier nicht in der Kraft einer unsterblichen Seele, sondern im Willen Gottes. Im Gegensatz zum Okkultismus muß der christliche Glaube sich ständig bewußt sein, daß alle seine Bilder und Vorstellungen über ein Leben nach dem Tod, d.h. nach der Auferstehung bei der Parusie, „nur“ Bilder sind, da die Gemeinschaft mit Gott vollkommen analogielos ist. Im Christentum kommt es auf den Glauben an, auf das Vertrauen, daß Gott nichts vom Menschen und der Welt verlorengehen läßt, weil er sie liebt. Dieser Glaube kommt vom Hören (Röm.10,17) und nicht vom Beweisen. Dem entgegenstehen Berichte von Nah-Todeserfahrungen, die als angeblicher „Beweis“ und Erfahrungsmaterial für die „spiritistische Hypothese vom Fortleben nach dem Tod“ dienen. In diesem Band werden diese antagonistischen Erlösungsmodelle gegenübergestellt und letzteres Selbsterlösungsmodell bibelkritisch hinterfragt.

Sterbebettvisionen waren oft der Ursprung von Mythen und Religionen, die aus diesen Berichten von Visionären entstanden sind. Die Erlösungssehnsucht (die sich auch latent äußert in dem Verlangen nach Glück, in der eskapistischen Flucht aus dem normalen Tageswachbewußtsein) des Menschen beweist, daß er sich in einem unfreiwilligen, irgendwie vom Absoluten abgefallenen, ambivalenten, desolaten bzw. heimatlosen Daseins- und dualen Bewußtseinszustand befindet, dessen Ende der Tod sein wird. Welche Religion hat die plausibelste Antwort und Erklärung dafür, welcher Glaube hat die Wahrheit? Welche Antworten und Erklärungen bieten Menschen, die eine Sterbebettvision hatten oder Thanatologen, die solche Visionen sammeln und auswerten? Wieso gibt es eine vordergründige Trennung zwischen Immanenz und Transzendenz? Der Philosoph und Mathematiker BLAISE PASCAL fand für sich folgende Antwort auf diese Fragen: “(...) Soll eine Religion wahr sein, so muß sie unsere Natur erkannt haben. Sie muß die Größe und die Kleinheit erkannt haben und den Grund der einen und der anderen. Wer hat sie erkannt, außer der christlichen?“3

WERNER THIEDE (1994), der Referent an der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Stuttgart hatte in seinem 1994 erschienenen Buch „Die mit dem Tod spielen” die in der Sterbeforschung erfolgte „bagatelisierte Grenze“ als „Spiel mit dem Tod und Ausweichen vor dem Problem des Todes“ kritisiert. Zum ersten Mal aber wissenschaftlich fundiert diese Phänomene der Sterbebettvision und der außersinnlichen Wahrnehmung (ASW) aus der Sicht eines wiedergeborenen Christen tiefgreifend gedeutet und erläutert. Bisher wurde es sträflich versäumt zu hinterfragen, von welchem weltanschaulichen Hintergrund und von welcher Religionszugehörigkeit aus bisherige Schreiber das Phänomen des NDE betrachtet haben. Warum diese Frage nach dem Glauben von äußerster Wichtigkeit in Bezug zur Deutung der NDE und anderer paranormaler Phänomene wie ASW ist, wird in diesem Buch ersichtlich. Doch damit nicht genug, es enthält zudem klare Interpretationen zu schwierigen Bibelstellen und zudem eine scharfe Kritik an psychologischen und esoterischen Deutungen

Wer der Frage nach dem Tod und dessen Sinn nicht ausweicht, sondern sich dem stellt, der sie einzig beantworten kann und wird, nämlich Christus, wird zum wahren Leben in Ihm finden. Denn erst wenn die Angst vor dem Tod verschwunden ist, beginnt ein friedvolles und sinn-erfülltes Leben. Die täglichen Dinge fallen nicht mehr so endgültig ins Gewicht und man trägt weniger Last. Wer von der lebendigen Hoffnung auf ein ewiges Leben getragen wird, dessen Leben wird durchdrungen von Tiefsinn und Dankbarkeit. Wer aber vom Ziel nichts weiß, der kann auch den Weg nicht finden und erfährt sich rast- und ruhelos. In diesem Buch wird von dem die Rede sein, was unser Erkenntnisvermögen sprengt, und zu dem wir letztlich nur durch Glauben Bezug haben können. JOHANN WOLFGANG VON GOETHE schrieb trefflich: “Der Glaube ist nicht der Anfang, sondern das Ende alles Wissens!“ Ich gehe der Frage nach, welche “Wahrheiten“ und Irrtümer das „Übersinnliche“ vermittelt. Dabei zeige ich auf, was man von den Berichten der Menschen, die eine Nah-Todeserfahrung oder eine ähnliche spirituelle Erfahrung machten, lernen kann, und wie diese Berichte kritisch zu hinterfragen sind! Erster Anlaß dieses Buch zu schreiben, entsprang meiner Korrespondenz mit dem Heidelberger Assistenzarzt MICHAEL SCHRÖTER-KUNHART. Ich hinterfragte seinen Artikel „Das Jenseits in uns“, und erkannte, daß es zu jeder Phase der Nah-Todeserfahrung eine spirituelle/esoterische Disziplin gibt, die diese generiert.4 Das erschien mir verdächtig. Warum, das beschreibe ich in diesem Buch.

Ein weiterer Grund, warum mir die Veröffentlichung der vorliegenden Arbeit wichtig ist, kommt aus meinem Bedauern über Skeptiker, die einem nicht mehr tragfähigen Scientismus verfallen sind, der die Welt auf das nur Denkbare und Erkennbare reduziert. Wünschenswert wäre es, wenn solche Skeptiker und Zweifler, wie es der Jünger Thomas war, durch diese Schrift überzeugt würden und ihre Konsequenzen daraus zögen: die unbeirrte Nachfolge Christi.

Vor allem aber beantworte ich die Frage, was der Ursprung und das Ziel religiöser Erfahrungen ist, und zeige die Formen religiösen Erlebens auf, unter denen die Nah-Todeserfahrung eine universale ist. Dabei formuliere ich Unterscheidungskriterien darüber, aus oder in welchem „Geist“ solch eine religiöse Erfahrung erfolgt (siehe 1.Kor.12,10; 1.Joh.4,1-6), d.h. ob sie letztlich heilsam oder unheilvoll ist. Besonders zeige auf, welche Rückschlüsse die Nah-Todeserfahrungen zum „Pneuma“ und seiner Funktionalität zulassen, d.h. auch, wo sie über das Physische/Materielle metaphysisch hinausweisen. Dennoch handelt es sich bei den NDE um Erlebnisse, die durchaus aus diesseitigen Erfahrungsinhalten zusammengesetzt sind, wobei auch die auftretenden Gefühlsqualitäten von durchaus irdischer Art zu sein scheinen, werden sie offenbar immer noch von einer “diesseitigen“ Restfunktion des im Sterben begriffenen Gehirns ausgeübt (Agonie). Da aber auf paranormalem Wege Informationen bei ihnen auftauchen, zeigt sich bei den NDE ein metaphysisches „Element“: ASW, das auf einen transpersonalen Einfluß schließen läßt.

Ziel dieses Buches ist es, nicht nur eine Faszination für das Unbegreifliche unserer Existenz zu wecken und jegliche Reduktion durch nihilistisch-materialistisches Denken endgültig ad absurdum zu führen, sondern Glaubensgewißheiten und Ur-Vertrauen in transrationale Sinnzusammenhänge (in Gott) zu festigen, die unser Fassungsvermögen bei weitem übersteigen. Dazu will ich mehr als nur eine Ahnung und jenes Gespür für das erwecken, was Gott in unserem Leben be-wirken will. Denn obwohl wir noch im Glauben leben, erkennen wir doch schon mehr als wie “durch einen Spiegel in einem dunklen Wort.“ (1.Kor.13,12).

Besonders aber möchte ich die verlorengegangene oder verkümmerte Fähigkeit, auf die Stimme des Heiligen Geistes zu hören, wiederbeleben. Nicht zuletzt ist es mir ein Anliegen, mit dieser

Schrift Jesus Christus zu verherrlichen, denn das Himmelreich ist mitten unter uns, überall dort, wo Christi Geist der Liebe wirkt.Letztgültige, eschatologische Wahrheiten werden erst am Jüngsten Tag des HERRN offenbar. Darum bin ich mir im Klaren darüber, daß mit den folgenden Ausführungen letztlich nur Annäherungen an Grenzbereiche des menschlichen Bewußtseins gegeben sind. Dabei bin ich jedoch bis zum Äußersten ins Innere gegangen, um zu ergründen, worin die Ursachen unserer Dilemmata liegen. Dem Leser wünsche ich, daß er vom Ziel mehr weiß, um den rechten Weg zu gehen, daß Einsichten ihn erleuchten, Erbauung ihn stärkt und jene unerschütterliche Überwinder-Freude auf die Herrlichkeit der Wiederkunft Christi ihn erfüllt! Diese himmlische-inwendige Freude der Hoffnung auf ewiges Leben möge den Leser anstecken und ihn durchs Leben tragen!

O. A. M. D. G.! Lectori salutem, deo volente!

Holger Karsten Schmid

M.A. Klinische Psychologie

Sozialtherapeut für Suchtkrankenhilfe

(DRB/EAG/FPI)

3 PASCAL, BLAISE (1979, S.96): Größe und Elend des Menschen. Aus den „Pensées“ ausgewählt von WILHELM WEISCHEDEL; Frankfurt am Main: Insel TB, (433).

4 SCHRÖTER-KUNHART,MICHAEL (1993): “Das Jenseits in uns“. In (Weinheim: Psychologie heute Verlag) Psychologie Heute, JUNI 1993, HEFT 6, S.64-69.

1 Die Elemente der Nahtoderfahrung

In diesem Buch geht es um die Nahtoderfahrung (Near-Death Experience: NDE). Jedes Erfahrungselement und die gängigen Interpretationen von Nah-Todesvisionen werden kritisch multidisziplinär und phänomenologisch hinterfragt bzw. “durchleuchtet“. Ziel dieses Buches ist es, auf folgende Fragen fundierte Antworten zu geben!

Folgende Hauptfragestellungen werden behandelt:

Gibt es einen 'wissenschaftlichen' Erweis, der einen triftigen Grund für die Hoffnung auf ewiges Leben schenkt?

Gibt es ein/e Geist/Seele, der/die prinzipiell unabhängig vom Körper ist, und die mit dessen Zerfall weiterexistiert (in welcher Form auch immer, ob bewußt oder „schlafend“; Matth.10,28)? Der Kartesianismus: griechisch, biblisch oder utopisch?

Klarträume (Luzidität: prä-visionäre Bewußtseinsklarheit) und das Fliegen in ihnen sind mit außerkörperlichen Erfahrungen fast identisch. Das in Klar- oder Hellträumen erlebte Bewußtseinszentrum - der Traumkörper bzw. das Traum-Ich - und das bei der Exkursion vom physischen Körper losgelöst erlebte Bewußtseinszentrum scheinen den gleichen Ursprung zu haben. Gibt dieses „außerkörperliche Bewußtseinszentrum“ einen Hinweis auf eine potentiell göttliche Existenzform, einen „Geist“ bzw. einen himmlischen „Bewußtseins-Leib“, der sich als „Odem Gottes“ in unserem eigentlich physischen Körper befindet, und der „erweckt“ bzw. erlöst werden muß, um als eigenständige Existenzform erfahbar zu sein? Wodurch wird dieses „neuartige Bewußtseinszentrum“ geweckt, bzw. warum „schläft“ es oder wirkt es nur subliminal?

Ist der Mensch, ähnlich wie die Engel, a priori ein Geistwesen, und welche Hinweise dazu gibt uns die Wissenschaft? Sollte sich die Seele vom Körper lösen können, müßte sie jedoch weiterhin mit ihm verbunden sein, damit das Gedächtnis des Wiederbelebten sich hernach an seine Exkursionen/Visionen erinnern kann. Wie wirkt der Geist auf die Materie, wie wirken die materiellen (neuronalen und biochemischen) Prozesse im Gehirn auf den Geist (wie werden sie geistreich, inhaltlich bedeutungsvoll, wie beseelt), d.h. wie und von “wem“ werden sie registriert, wie bewußtseinsfähig und dem Ich-Bewußtsein zugänglich? Wer entwirft das mentale Selbstmodell, um den Organismus zu steuern?

Was sind Visionen und was unterscheidet sie von klartraumartigen bzw. hypnopompen Wirklichkeitssimulationen und Halluzinationen?

Läßt die Nah-Todesvision eindeutige Aussagen über ein „Jenseits“ und einem direkten spirituellen Weiterleben nach dem Tod zu? Welche Beurteilungskriterien gibt es dafür und woher stammen sie? Ist der Verstand das angemessene “Instrument“ zur Wahrheitsfindung und Beurteilung von Phänomenen dieser Art, bzw. kann die Beurteilung glaubhaft überhaupt vom Menschen aus gehen, der sich ja vielmehr als “Opfer“ eines universalen Komplotts sehen müßte, zu dessen erbärmlicher Mittäter er wurde? Was „weiß“ ein „Diesseitiger“ vom „Jenseits“?

Ist es zustands-, also kontextabhängig (set in), wie ein NDE (Near Death Experience) erfahren wird (Himmel vs. Höllenvision) und damit in seiner Aussagekraft stark subjektiv gefärbt, also letztlich einer Selbst-Täuschung unterworfen, mit der Folge von Fehlschlüssen über die existentielle Position des Menschen und über das „Jenseits“?

Warum werden „Höllenvisionen“, die eher einem Horrortrip gleichen als einer Himmelfahrt, von den Sterbebettvisionären und Thanatologen bagatellisiert oder ganz verschwiegen? Welches Bild vom „Jenseits“ bzw. eines Gottes vermitteln solche Visionen, und worin besteht die Garantie, daß es sich bei diesen NDE-Visionen nicht um visionäre Phantasmagorien handelt?

5

Sind die eschatologischen Aussagen eines NDEr glaubhaft, und worauf stützen sie sich?

Bzw.: Welchen Grund zur „Erlösungsnotwendigkeit“ gibt die Nahtodeserfahrung, und wie glaubhaft ist dieser?

Welche Identitätsinstanz/Persönlichkeitsanteil löst sich bei der NDE-Alleinheitserfahrung auf - und wer ist der psychoide Rezeptor, der diese Erfahrung registriert?

Die Nah-Todesvision suggeriert ein möglicherweise direktes spirituelles Weiterleben nach dem Tod. Welche eschatologische Antwort über den Sinn und Zweck dieses Er-Lebens gibt sie?

Welche Antwort über das Wesen und die Absichten eines Gottes, der solch einen (leidvollen) Umweg zu seinem Himmelreich er-fordert, gibt die den Selbsterlösungsweg postulierende Nah-Todesvision und ihrer suggerierten Interpretationen?

Jede Erfahrung ist das Produkt von Erlebnisinhalten, die ihrerseits geschichtlich, also zeitbezogen sind.

6

Inwieweit kann die Nah-Todes-Erfahrung Auskunft über überzeitliche „Wahrheiten“ und Phänomene geben, wenn sie selbst aus zeitlichen Szenenabfolgen besteht?

Welche Konsequenzen haben die Erfahrungen an der Todesschwelle für unser Menschenbild und was lehren sie uns?

7

Welche Schlußfolgerungen suggerieren die Nah-Todesvisionen in Bezug auf das Menschenbild und die kosmologische Daseinsposition des Menschen?

Bestätigen die Visionäre die Existenz außerirdischer, transmaterieller Lebensformen und damit auch den Theismus? Zeugen die Berichte von Nah-Todeserfahrungen davon, daß mit dem Tod nicht das letzte Wort gesprochen ist, sondern daß der Mensch sich in die „Arme“ bzw. den „Schoß“ Gottes aufgenommen weiß (vgl. Luk. 16,22; Joh.1,18)?

Was „weiß“ ein Mensch, der eine Sterbebettvision hatte, vom „Jenseits“ und einem vermeintlichen Leben nach dem Tode?

Ist die Nah-Todeserfahrung eine Antwort auf eschatologische Fragen oder ist sie nicht vielmehr ihrem Wesen nach eine Geschichte, die in zeitlicher Szenenabfolge von bekannten Bildern erscheint, die ein unbekannter Sender drehte, damit sie uns „Zeitwesen“ vermittelbar bleibt?

Woher nimmt ein Reanimierter die Gewißheit, in seinem Glauben nicht getäuscht worden zu sein oder in seinem Urteil sich nicht zu irren? Widerfährt die Sterbebettvision dem Reanimierten nur, was den Eindruck erweckt, daß sie “von außen“ durch übernatürliche Wesenheiten eingeblendet bzw. in den Geist des Menschen hineinprojiziert wurde, oder übernimmt er auch einen aktiven Part?

8

Eschatologie: Vermag der endliche Mensch mit seinem begrenzten Verstand die Frage nach den Letzten Dingen zu beantworten (vgl. Gnostizismus)?

Die Frage nach Wirklichkeit ist die Frage nach Wahrheit, nach Letzt-Gültigkeitsbereichen, nach Echtheit - kann die subjektive Erfahrung des Transzendenten Maßstab für Objektivität (für die absolute Wahrheit) sein?

Ist Realität ein Uni-versum oder ist sie nicht vielmehr ein Multi-versum?

Welche Auskunft über Ewigkeitsdimensionen können die zeitbezogenen Episoden der Nah-Todesvision geben, und welche Bedeutung haben die menschlichen Interpretationen in der Retrospektive?

Welche Aussagen über den Schöpfer geben die Nah-Todesvisionen, welche Antworten liefern sie auf die Fragen vom Sinn des Lebens, des Todes, dem Ursprung des Bösen und Guten?

Welche Rolle spielt die Erlösergestalt Jesus Christus und sein Evangelium bei der Sterbebettvision - welche Aussagen macht „er“, wenn und wo er (scheinbar) auftritt, und inwieweit sind diese mit den Aussagen der Bibel identisch?

Was sagt die Bibel über den „Zustand“ der Toten? Vertritt die Bibel einen radikalen Ganztod und verweist in ihrer Erlösungsgewißheit auf die neuschaffende Kraft Gottes am Ende der Geschichte, oder hat der christliche Glaube Ideenanteile des platonischen Leib-Seele-Modells übernommen, bei dem die Seele, zwar unbewußt, doch als Informationseinheit in den geistig-göttlichen Bereich eingeht?

Was sagt die Bibel über das ewige Leben bzw. die Auferstehungshoffnung? Im Gegensatz zum Griechen sieht der Jude den Grund für das Weiterleben nach dem Tod nicht in einer dem Menschen gegebenen Eigenschaft, sondern ganz und gar in der lebenerweckenden Macht Gottes.

Das würde bedeuten, daß der Tod nicht als Trennung von Leib und Seele, sondern als radikaler Ganztod angesehen wird. Was aber kann dann auferstehen, was zum neuem, unvergänglichen Leben erweckt werden, wenn partout nichts mehr da ist vom Menschen?

Welche Bedingungen zur Erlösungsgewißheit stellt das Christentum bzw. nennt Jesus Christus?

In dem existentiellen Ausgangspunkt sind sich alle Religionen einig: der Mensch verlangt nach Erlösung, weil er sich in einem todgeweihten Zustand, d.h. der Vergänglichkeit unterworfen, erfährt. Und schon in seiner Sehnsucht nach Vollkommenheit erahnt er, daß es das Absolute geben muß, nach dem ihm verlangt. Wer diese existentiellen Sinnfragen verdrängt oder keine Antwort auf sie sucht, dem dürfte das Leben nur ein kurzer theatralischer Auftritt sein. Der religiöse Mensch aber sieht sein Leben in größere Sinn-Zusammenhänge gebettet und sein Lebensgesetz ist nicht Hedonismus, radikale Selbstbezogenheit, sondern er lebt für seinen Gott. Welche Antworten geben die Religionen auf eschatologische Sinnfragen, die Frage danach, ob es ein Leben nach dem Tod gibt - ob direkt nach dem Sterben oder erst bei der Parusie?

Die Antworten zu diesem existentiellen Problem fallen jedoch unterschiedlich aus. Während das Christentum sich auf das Erlösungswerk und den Glauben an Christus als den alleinigen Heilsweg beruft, glauben andere an die Zuverlässigkeit der Aussagen aus eigenen oder fremden religiösen Erfahrungen. Eine wesentliche universale religiöse Erfahrung ist die der Vision bzw. Inspiration.

Zuerst tritt eine „Abspaltung“ des „Ich-Bewußtseins“ (genauer: des Pneumas) vom eigenen Körper ein, dann erfolgt ein gerafftes „Lebenspanorama“ samit den ungeklärten Schuldgefühlen mit gleichzeitiger Rechenschaft, es folgen starke Licht- und Farberlebnisse trotz des unstofflichen Zustandes, die Begegnung mit Verstorbenen, die Erscheinung von Lichtgestalten mit Engel- und Christusvisionen, und schließlich die Weitung und Auflösung der Individualität und die Rückkehr in den Körper.

Haben die NDEr einen „Blick nach drüben“, hinein in das Jenseits getan? Haben sie zumindest „die Vorderseite jener Welt“ gesehen, „in die sie dieses Mal nicht eintreten konnten“? Haben ihre Erlebnisse bewiesen, daß es ein Leben nach dem Tod, ein Jenseits gibt? Worauf begründen sie ihre Überzeugung, was ist ihre Beweiskraft?

Interessant ist nun, daß Dr. MOODY in seinem Buch „Life after Life“ hervorhebt, daß er nicht beabsichtige den Beweis zu erbringen, daß es ein Leben nach dem Tode gibt, obwohl die Überschrift seines Buches dies suggeriert. E. KÜBLER-ROSS erklärte in ihrem Geleitwort zu Moodys Buch indess ganz unumwunden ihre Überzeugung, daß es ein Leben nach dem Tod gebe. Wichtig zu wissen ist, daß RAYMOND MOODY immer eine Stimme hörte, die er als göttlich verstand und sich von ihr bestimmen läßt. Das gewohnte und vertraute Vernehmen einer Stimme wird im Spiritismus als Kontrollgeist bezeichnet. Kübler-Ross hat mehrmals Exkursionen der Seele (OOBE) erfahren und weiß von mindestens drei Kontrollgeistern zu berichten. Ebenso wie sie hatte C. G. JUNG ein NDE und einen Kontrollgeist namens Philemon. Jung war ein aktiver Spiritist und gab offen zu, seine Psychologie und Archetypenlehre aus spiritistischer Literatur abgeleitet zu haben. Wer diese Kontrollgeister sind, dürfte klar sein: Dämonen! Sollten diese 'bösen Geister' nicht auch Verursacher der NDE sein?

Was sagen die Phänomene des NDE aus, was sagen sie nicht aus? Die Mehrdeutigkeit der Sterbeerlebnisse läßt keine klare Aussage über das „Jenseits“ zu, zumal NDE-Elemente durch veränderte Bewußtseinszustände generiert werden können. Die Basis und Voraussetzung für NDE, Channeling u.a. paranormale Erfahrungen sind veränderte Bewußtseinszustände. Es verwundert nicht, daß die zeitgenössischen NDE-Berichte in einer besonderen Nähe zur spiritistischen Weltauffassung stehen. Die grundlegende Lehre des Spiritismus besagt, daß jeder Mensch einen Geist hat, der Träger seiner Persönlichkeit und seiner intellektuellen Fähigkeiten ist. Diese Überzeugung teile ich, nicht jedoch die weiteren Folgerungen aus ihr. So glauben Spiritisten, daß dieser Geist nach dem Tod des materiellen Körpers weiterlebt und in der geistigen Welt (Jenseits) die Aktivitäten aus der Lebenszeit des Menschen fortsetzt, nur mit viel besserem Verständnis und mit größeren Fähigkeiten. Derselben Überzeugung ist auch die Sterbeforscherin ELISABETH KÜBLER-ROSS, im deutschsprachigen Raum BERNARD JAKOBY und letztlich alle NDEr. Was aber die Beurteilung dieser Erfahrungen und insbesondere des 'Jenseits' anbelangt, so muß man im sich im Klaren darüber sein, daß die Beurteiler „Flachländer“ sind und alles aus ihren gewohnten Weltdeutungsschablonen betrachten. Mystiker erkannten ihre Grenzen der Vermittelbarkeit und Deutbarkeit ihrer Visionen. Der deutsche Mystikexperte GERHARD WEHR dazu: „Eine eindeutige Definition von Mystik erwarten zu wollen, hieße ja, die andere Dimension der einen Wirklichkeit auf jene Dimension zu reduzieren, in der die rationale Begrifflichkeit ihre Gültigkeit hat.“ Die mystischen Erfahrungen beginnen da, wo der Verstand nichts mehr erklären kann; wo die Grenzen einer normalen, alltäglichen Vorstellung (die Konventionen) aufhören; wo sinnliche Wahrnehmung nur die Oberfläche erreicht und wo eine Zeitlosigkeit und Raumlosigkeit herrscht (vgl. Alleinheitserfahrung beim NDE und der „Leere“). Das „Jenseits“ ist also kein Ort - folglich müssen die von NDErn gesehenen jenseitigen Landschaften verschiedene „Wirklichkeitsebenen“ oder „Projektionen“ sein. Da fragt sich nur, wer der Projektor ist, der das „Jenseits“ in bestimmter Weise vorstellt und damit den spiritistischen Glauben nährt. Kübler-Ross preist einerseits die unvorstellbaren Fähigkeiten der Seele mit der Blitzgeschwindigkeit eines Gedankens „überall“ zu sein, und daß es im „Jenseits viel Liebe, Pflege und Mitgefühl gibt“, daß „die Seele jedoch andererseits in der zweiten Ebene alle Projektionen und Schatten erlebt, die wir in uns haben, und das kann sehr unangenehm sein“. „Wenn Sie erwarten“, so führt Sie weiter aus, „daß der Teufel Sie holt, dann werden Sie dies dort in der zweiten Ebene erleben“. Offenbar sind die Aussichten auf ein Paradies für NDEr sehr fraglich bzw. zwei-felhaft, d.h. mit Ambivalenzen und Turbulenzen verbunden. S. GROF beschreibt die perinatalen Erfahrungen in LSD-Sitzungen, und daß in der dritten Ebene die Begegnung mit Dämonen stattfindet, woraufhin der Betroffene mächtige Energieströme verspürt, die sich zuerst aufstauen, und dann in einer Explosion entladen. Die visionären Themata reichen über Bilder vom Fegefeuer, vom Jüngsten Gericht und Kämpfe zwischen Engeln und Dämonen hin zu Visionen von Höllenorgien, Schwarzen Messen und von Hexensabbathen. In intensiven Erlebnissen der Zerstörung und Selbstzerstörung wird eine ungeheure aggressive Energie entladen. Dazu gehören Morde, Folterungen, Verstümmelungen, Vergewaltigungen, Blutopfer und sadomasochistische Praktiken. Was diese Elemente allerdings mit dem Geburtsvorgang zu tun haben sollen, ist mir schleierhaft! Im zweiten Bardo (Chönyid Bardo) des tibetischen Totenbuches wird der Tote mit friedvollen und zornigen Gottheiten konfrontiert. Dabei sollte er erkennen, daß sowohl die himmlischen als auch die höllischen Visionen aus ihm selbst heraus kommen, d.h. Aspekte seines eigenen Seins sind. In diesem Zusammenhang schreibt TIMOTHY LEARY: „Alle Gottheiten und Dämonen, alle Himmel und Höllen sind inwendig im Menschen.“ Alles was auf dieser Stufe erlebt wird, sollte als eigene Projektion erkannt werden und damit als Halluzination, also als unwirklich. Dieser Behauptung schließt sich Grof an, für den Himmel und Hölle nichts anderes als Erlebnissse von außergewöhnlichen Bewußtseinszuständen sind: „Erst jetzt erkennen wir, daß diese Mythen und Vorstellungen von Gott, Himmel und Hölle nicht als physische Entitäten, zeitliche Ereignisse oder geographische Orte gemeint sind, sondern als psychische Realitäten während veränderter Bewußtseinszustände. Diese Realitäten gehören unabdingbar zum Wesen der menschlichen Persönlichkeit und lassen sich nicht unterdrücken oder verleugnen, ohne die Qualität des Lebens ernsthaft zu schädigen.“ Diese „Feststellungen“ sagen rein garnichts über den wirklichen Ursprung solcher psychedilischen Visionen oder den NDEs aus, denn man könnte weiter fragen, warum der MIND solche Visions-Elemente gebraucht, um den „Schatten“ der Persönlichkeit auszudrücken. Hier irrten nicht nur Kübler-Ross, Leary und Grof, sondern alle NDEr!

Manche Menschen, die eine Sterbebettvision bzw. eine Nah-Todeserfahrung hatten, berichten vom Durchqueren eines üppigen Tals, das tief und dunkel, aber überwältigend friedvoll gewesen sei. Am anderen Ende lockte ein helles Licht, in das ein Lichtwesen einlud. Friedvolle Gefühle und positive Empfindungen, nicht aber ein kritischer Verstand, werden zum Gradmesser für Interpretationen postmortalen Lebens, für Gut und Böse, Glückseligkeit und Fluch, Außer-sich-sein (Ekstase) und Trauma (Höllenvisionen). Manche Menschen wiederum erleben in ihrer positiven Nah-Todeserfahrung auch angsterregende, unangenehme und erschreckende höllische Welten, grauenvolle Dämonen oder haben beängstigende Empfindungen, oder machen Erfahrungen, die angenehm begonnen hatten und sich ins Negative wandeln. Schließlich gibt es auch finstere Höllenvisionen, zu deren Szenario oft eine graue, düstere, feindliche Umwelt gehört, was an die Unterwelt in den unterschliedlichsten Mythen erinnern lässt. Ein und dieselbe Person, die zweimal eine Nahtoderfahrung hatte, erlebte einmal himmlische Welten, ein anderes mal Höllische, sodaß der Eindruck von Willkür oder von zustandsbedingten „Resonanzen zur Anderswelt“ entsteht. Bei dem Übergang von der dritten zur vierten perinatalen Matrix im Rahmen der holotropen Therapie nach dem tschechoslowakisch-amerikanischen Psychoanalytiker Stanislav Grof erfährt der Patient die “Trennung von der Mutter“ äquivalent wie den prähistorischen Herauswurf oder Absturz aus dem Paradies oder Garten Eden nach biblischen Glaubensvorstellungen. Was Grof mit einem Geburtstrauma verbindet, kann während der Hyperventilation zu einer traumatisierenden Begegnung mit Horrorwesen, Tier-, Toten- und Ahnengeistern, diversen Gottheiten und Dämonen führen, die sicherlich nicht mit dem Geburtsvorgang in Verbindung stehen. Wie Fehlinterpretationen der Phänomene objektlosen Bewußtseins erfolgen und in ein pseudowissenschatliches Welt- und Menschenbild eingebaut werden, wurde an Grofs Theorie der perinatalen Matrizen mit ihrer absurden Analogiebildung deutlich. Welche Aussagekraft für postmortales Leben geben Nahtodeserfahrungen, und sollten Nahtoderfahrungen tatsächlich eine „Vorschau“ in postmortales Leben sein? Da stellt sich die Frage: Woher können die Nahtoderfahenen sicher gehen, nicht von bösartigen Lichtwesen getäuscht, betrogen, hintergangen, verblendet und “hinters Licht geführt“ worden zu sein? Wissenschaftlichen Studien zu Folge treten bei ca. 1/3 bis ½ aller Nahtoderfahrungen traumatisierende Begegnungen mit Geistwesen auf. Auch können diese sich ins Positive umgestalten und es können auch innerhalb der Nahtoderfahrungen, einer bipolaren Störung gleich, Veränderungen im Erleben stattfinden, sodaß diese nicht klar definieren lassen, was der Mensch nach seinem Tod erleben würde. Dr. med. MAURICE S. RAWLINGS (1996) hatte aus christlicher Perspektive diese Ambivalenzen aufgegriffen. Ganz speziell hatte sich Dr. med BARBARA R. ROMMER (2004) aus Fort Lauderdale, Florida (USA) der Interpretation von erschreckenden oder „nicht positiv“ erlebten Nahtoderfahrungen und ihrer Verwandlung gewimet. Ähnlich wie das Auftreten der „Frau Holle“ als Unterweltsgöttin, hätten von ca. 18% der Menschen aus Rommers Stichprobe von mehr als 300 Personen die Betroffenen aus traumatisierenden Höllenerfahrungen für ihr weiteres Leben wichtige Botschaften erhalten, die ihre spirituelle Entwicklung dadurch gefördert hätten. Nach Dr. ROMMER soll die Angst vor dem strafenden Gott, vor der Hölle und dem Fegefeuer, die die katholische Kirche den Gläubigen suggeriert, aber auch eine Unversöhnlichkeit mit anderen und sich selbst, ein von Wut, Ohnmacht, Angst und Verzweiflung bestimmtes Gemüt und letztlich die “Todsünden“, extreme Ichbezogenheit, Lieblosigkeit, Unzucht, Zynismus und Negativität, Nihilismus und Atheismus die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer negativen Nathoderfahrung erhöhen. Der Mensch tritt also von seiner inneren Haltung aus in Resonanz zu dem, was er “anzieht“ und erleben wird. Diese Erkenntnisse, die Rommer entdeckte, sind allerdings nicht neu, wie schon durch den Okkultisten WILLIAM WALKER ATKINSON (1862 – 1932) bestätigt (ATKINSON, R.; 2015). Auch die, die nicht aus der „Gnade in Christus“ leben, sondern streng gesetzlich, erwarten regelrecht ein gerichtliches Urteil, vielleicht weil sie sich nicht erlöst erleben und die Gewißheit erlöst zu sein haben. Wer sich nicht an Gott wenden kann, von dem er Hilfen erwartet, würde laut Rommer auch das rettende Licht (vgl. Frau Holle als „die Strahlende“ beschrieben wird) nicht wahrnehmen. Wer in Folge seiner Nahtoderfahrung entdeckt hat, daß das erste Gebot im Dekalog absolut bindend ist, um auch die Hoffnung auf ewiges Leben erfüllt zu bekommen, würde dementsprechend auch sein Leben verändern. Ähnlich wie RITCHIE, GEORGE (1978) oder DAVID SEREDA (2000) begegnete der frühere Kunstprofessor HOWARD STORM (2008) Jesus Christus als Lichtgestalt. Bei Storm hatte dieser ihn aus der „Sichegrube des Universums“ herausgeholt und erlöst, allerdings seien die Erlebnisse für ihn dermaßen schrecklich und verstörend gewesen (vgl. das Totenreich der Göttin Hel), die ihn traumatisiert hätten. STORM bekehrte sich zu Christus und absolvierte nach seiner Rückkehr Theologie und wurde Pastor einer christlichen Kirche, denn, Christus hatte ihn verwandelt, und nicht ein „innerer Gott oder ein Höheres selbst, das er dort (endlich) entdecken sollte“, wie es Esoteriker erwarten. Allerdings sah er in den Wesen, die über ihn herfielen, „in Dunkelheit existierende menschliche Wesen“, die nach dem Tod in den Abgrund stürzten, fern von Gott. Theologen sind unterschiedlicher Ansicht darüber, ob es diese postmortale bewußtseinsfähige Entität des menschlichen Geistes gibt. Zum einen soll es die Scheol geben, die sich in sehr großer „Tiefe“vbefindet (5. Mose 32,22; Hiob 11,8; Jes.14,1), deren Tore verschlossen sind (Psalm 9,13; Jes.38,10), in die Verstorbene aber tatsächlich „hinabfahren“ könnten (1. Mose 37,35; 4. Mose 16,23; Hiob 7,9; Psalm 9,18). Während wiederum in Jesaja 26,19 die Rede davon ist, daß erst nach dem Weltgericht Gottes die Toten aus ihren Gräbern aufwachen oder erst dann gäbe er diesen sein Odem wieder (Hesekiel 37,12-14; vgl. 1. Mose 2,4). Ebenso läßt die Aussage, daß Daniel bis zur Parusie ruht kein postmortal bewußtseinsfähiges Selbsterleben an einem „Ort“ zu (Daniel 12,13). In Johannes 5,28.29 heißt es, daß Jesus die Verstorbenen nicht aus einem Geisterreich, weder dem Himmel noch der Hölle holt, sondern sie aus den Gräbern ruft. In 1. Korinther 15,22.23 heißt es, daß erst bei seiner Parusie Christus alle wieder lebendig macht. Im 2. Tim.2,17.18 warnt Paulus vor Irrlehrern, die behaupten, die Auferstehung sei schon geschehen. Sollten also Thanatologen, die aus Erlebnisberichten von Nahtoderfahrenen eine direkte postnortale Existenz heraushören, Irrlehrer sein? Howard Storm (2008; S.138) erfährt, dass das Prinzip Ursache und Wirkung bestimmt, wohin die Reise nach dem Tod führt und wenn „unsere Grundeinstellung von Liebe beherrscht“ war, wir unszu Gott hingezogen erleben werden. Storm erlebte sich nach dem Rückzug der finsteren Gestalten alleine in der Dunkelheit, ein Sinnbild, wie es auch in der Bibel vorkommt, ein Spiegelbild, wie sein Lebenswandel auf andere gewirkt hatte. Schockiert über seine Egofixiertheit erkannte er, daß die funsteren Wesen, die ihn gefoltert haben, „Seelenverwandte“ gewesen seien, weil sie genauso „selbstbezogen und egoistisch gelebt, arrogant und maipulativ“ gewesen seien wie er selbst. Ihm dämmerte, warum es heißt: „Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. (1Joh 4,16; LUT).“ Storm hatte also bei seiner Selbstjustiz während des Lebensrücklickes keine Bestrafung, auch nicht den Eindruck gewonnen, daß es zu einer ewigenVerdammnis kommt, er wähnte, daß es weitere Lernprozesse in der Anderswelt geben wird. Dieser Rückblick hätte ihn verdeutlicht, daß es im Leben um die Frage geht, wie er sich in der Verbundenheit zu anderen Menschen verhalten hat. Auch hier wird das Wort Jesu (Matth.25,40) wieder klar: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ Storm konnte die Kollision zwischen den gesellschaftlich anerkannten Werthierarchien, denen er in seinem Kariierestreben alles unterordnete und dem, welche Werte Christus hochielt. Verständlich wird in diesem Zusammenhabg, was in Matthäus 6, 19-21 steht: „19Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf Erden, da sie die Motten und der Rost fressen und da die Diebe nachgraben und stehlen. 20Sammelt euch aber Schätze im Himmel, da sie weder Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. 21Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.“ Die Zukunft jedes Einzelen wird im Hier und Jetzt „geschafffen“. Spiritistische Christen wähnen eine spirituelle Entwicklung der Heiligung, die auch nach dem Tod fortgeführt würde. Dermaßen könnte der Apostel Paulus (1. Korinther 3,11-17) darauf aufmerksam gemacht haben, daß im „Jenseits“ die ganze Wahrheit über jeden Einzelnen, wie in der Nahtoderfahrung bei der Phase des Lebensrückblickes und der Selbstjustiz, offenbar wird und je nach Gesinnungs- und Lebenswandel diesen Verstorbenen dann in ein entsprechendes „paralleles Universum“ katapultiert . In seinem Brief an die Korinther heißt es nicht, dass es nach der zweiten Wiederkunft Christi zu einem Verdammungsurteil für die Gottabfälligen kommt (vgl. Röm.8,1), sondern dass am Tag des Gerichts die Folgen des vormaligen Lebenswandels erlebt werden, „er selbst (der Gottabtrünnige) aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch.“ Gleichzeitig mahnt der Apostel, daß eine Selbstzerstörung zu Lebzeiten, Gott dazu veranlasst diese nach dem Tod zu verstärken, denn das „Feuer“ bedeutet dann Tadel (2. Kor.5,1-10; Offb.14,13), schmerzhaftes Gericht (Phil-3,13f.). Darum sollte jeder daran setzen ein Leben zu führen, das Gott wohlgefällig ist, damit nach dem Tod eine Begegnung mit dem Herrn erfolgen kann (Hebr.12,14). Andere Christen wie die Siebenten-Tags-Adventisten sehen in diesem Leben einen geistigen Kampf (Gal.5,17), der nicht nur durch Glauben an den HERRN sondern durch eine Heiligung erfolgen solle (Her.12,14; 1.Kor.1m30; 1.Thess.4,3), weil nur dadurch der „alte Adam“ in uns dem neuen „Menschen in uns“ weicht und dessen Einfluss auf unsere Lebensgestaltung (1.Kor.15,31, Matth. 10,38; 16,24).

Typisch für esoterisch angehauchte Autoren von Büchern über Nathoderfahrungen, wie etwa die von BERNARD JAKOBY und auch die um Harmonie und Versöhnung mit dem Schicksal sich bemühende Autorin Dr. med. B. ROMMER (2004), ist die Betonung „alle kommen in den Himmel“ oder der zu erwartetende „Segen“ sei „verkleidet“, während die ebenso berichteten traumatisierenden, grauenvollen destruktiven, „höllischen“ Nathoderfahrungen, die als Fluch erlebt werden (vgl. hierzu die perinatalen Matrizen der transpersonalen Erfahrungen aus der holotropen Therapie heraus) und bei Betroffenen zu posttraumatischen Belastungsstörungen führen, ausgeklammert werden. Warum ist das so? Wird womöglich ein „falsches Evangelium“ repetiert? Geht es um eine Irreführung gigantischen Ausmaßes, von der die Bibel ja schon gewarnt hat (Joh.10,10)? Was können uns Berichte von Todesnäherfahrungen lehren, worauf sollten sie uns aufmerksam machen? Wie sind die Phänomene objektlosen Bewußtseins einzuordnen, was sagen sie uns über uns selbst aus, über unser Menschsein und dem Sinn des Lebens?

1.1 Stimmungsaufhellung und Glückseligkeit jenseits der Tunnelvision oder die erste perinatale Grundmatrix

In diesem anfänglichen NDE-Element der Stimmungsaufhellung erlebt der Reanimierte Liebes-, Geborgenheits- und Glücksgefühle, die ihm durch das helle Licht am Ende des „Tunnels“ plötzlich durchströmen und die Todesangst nehmen.9 Körpereigene Opiate, insbesondere ß-Endorphine10, bewirken jene Euphorie, aber auch Analgesie. Diese überströmenden Liebesgefühle, Euphorie und Analgesie können ebenso durch „Ecstasy“ oder MDMA (ein methoxyliertes Amphetamin) ausgelöst werden. Die Designer-Droge und Glückspille 'Prozac' vermag ebenso Hochgefühle zu verschaffen. Die NDE-typische Schmerzfreiheit kann durch den Opiatantagonisten Naloxon aufgehoben werden. M. SCHRÖTER-KUNHARDT hat diese „möglichen neurophysiologischen Korrelate des NDE“ minutiös ausgearbeitet, sodaß ich sie hier nicht wiederholen möchte.11 Es mag ja interessant sein, daß etwa vor kurzem die „Entdeckung, Isolierung, Kodierung und identische Vermehrung des Gens, das in jedem menschlichen Hirn für die Herstellung von Cannabis-Rezeptoren verantwortlich ist, erfolgte. Für diese Rezeptoren hat man auch den entsprechenden Liganden bzw. Transmitter gefunden, den man 'Anandamid' genannt hat, was im Sanskrit 'Innere Glückseligkeit' bedeutet. Doch verwundert es nicht, daß es biochemische Korrelate für das Erlebte gibt. Dennoch erzeugen Endorphine keine Halluzinationen, sodaß sie lediglich nur ein emotionales Begleitphänomen sind. So interessant auch Schröter-Kunhardts Überlegungen und Schlußfolgerungen sind, befindet er sich bei seiner Interpretation des NDE jedoch immernoch gefangen in einem „wissenschaftlichen Weltbild“, das jeden außermenschlichen Einfluß ausschließt.12 Ihm ist zwar bekannt, daß LSD am häufigsten NDE-ähnliche Effekte erzeugt, doch hat es nicht, wie ich im vorliegenden Buch, versucht zu erklären. Wennauch LSD und Cannabis die Traumschlaf-Aktivität corticaler und subcortikaler Strukturen fördert, sagt dies doch nichts darüber aus, warum sie bestimmte Erlebnisphänomene erzeugen, die STANISLAV GROF in den perinatalen Matrizen strukturiert hat.13 Dort beschrieb er die Erlebnisphänomene der ersten perinatalen Grundmatrix (das amniotische Universum), jene hypothetische dynamische Matrize, die die Prozesse auf der perinatalen Ebene des Unbewußten steuern. Der von Grof vorgestellte Erfahrungsbericht zeigt aber überdeutlich, daß seine Hypothese perinataler Grundmatrizen ad absurdum geführt ist. Es kann unmöglich als ein bloß immanent, aus einem vermeintlich „kollektiven Unbewußten“ oder angeblichen „Archetypen“ und schon garnicht auf neuronale Erinnerungsspuren vom Embryonalzustand zurückgeführt und interpretiert werden. So heißt es bei einem Erfahrungsbericht eines LSD-Probanden: „Gelegentlich wurden die positiven Erfahrungen durch starkes physisches und emotionales Unbehagen und das Gefühl einer mysteriösen, undefinierbaren Bedrohung unterbrochen. Solche Zustände, die wie Wellen über mich kamen, schienen eine deutliche chemische Komponente zu haben. Ich fühlte mich krank, übel, vergiftet. Ich hatte einen schlechten Geschmack im Mund und es war mir, als müßte ich gleich erbrechen. Gleichzeitig fühlte ich mich von dunklen metaphysischen Kräften besessen oder überwältigt. Sobald diese dämonischen Attacken nachließen, wurde alles um mich herum wieder freundlich, und ich versank erneut in tiefe ozeanische Glückseligkeit.“14

In diesem Bericht wird deutlich, daß ein „metaphysischer“ Verursacher dieser Erlebnisphänomene mit den Gefühlen seines Opfers spielt - dieser „transpersonale Verursacher“ kann sogar transpersonale Phänomene und Themen einblenden. So geht die Ausfaltung des „perinatalen Bereichs“ auch häufig (!) mit transpersonalen Erfahrungen einher, etwa mit „archetypischen Visionen von der Großen Mutter oder der Schrecklichen Muttergöttin, der Hölle, dem Fegefeuer, dem Himmel oder dem

Paradies, (...)“.15