No Touch or Flirt - Kiki Wally - E-Book

No Touch or Flirt E-Book

Kiki Wally

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Beschreibung

Eine überraschende Liebesgeschichte an der australischen Küster mit tiefen Gefühlen, chaotischen Familienverhältnissen und Green Flag Surferboy. Liv Andersson - Jung. Geschieden. Erfolgreich. Mit der Liebe sollte es nicht klappen - mit ihrem eigenen Unternehmen aber umso mehr. Liv ist die erfolgreichste Innenarchitektin an der australischen Küste von Brisbane. Egal, ob Privathäuser, Loft, Penthouse oder Räumlichkeiten der Stadt - ihre Auftragslage ist hervorragend. Doch der Auftrag der Adelsfamilie Colbee, das Anwesen Colbee Hill zu modernisieren, überrascht sie, denn die Familie hat für jede noch so kleine Aufgabe ihre Angestellten. Dr. Harvey Colbee und seine Frau können das Leben in dem dreistöckigen Anwesen altersbedingt nicht mehr genießen. Sie überschreiben es ihrem Enkel Hudson und engagieren Liv, damit er das in die Jahre gekommene Anwesen nach seinen Wünschen gestalten lassen kann. Der charmante Queenslander, der auch noch aussieht, wie ein Männermodel aus einem Sportmagazin, hat ihr nach der frischen Scheidung gerade noch gefehlt.

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Seitenzahl: 224

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Mein Instagramprofil

Kommende Projekte

Meine Bücher:

Impressum

Vorwort

Kapitel 1

Ich sitze dem Mann gegenüber, von dem ich geglaubt habe, dass er die Liebe meines Lebens sei.

Und doch habe ich vor einigen Wochen festgestellt, wie fremd er mir eigentlich ist.

Vor zehn Jahren war ich quer über den ganzen Kontinent gezogen, von Perth, der Westseite Australiens, nach Brisbane.

Vermeintlich der Liebe wegen.

Tyler war damals wegen einem Geschäftsessen in der Stadt. In einer Beachbar habe ich ihn kennengelernt und wir hatten die ganze Nacht getanzt.

Für mich hatte er seinen Aufenthalt drei weitere Tage verlängert.

Es war eine dieser Geschichten, wie in romantischen Filmen.

Eine, von denen man glaubte, dass sie für die Ewigkeit halten würde, wenn sie so unkompliziert und voller Leidenschaft anfing.

Damals war ich noch in der Findungsphase gewesen.

Ich hatte mein Studium in der Innenarchitektur abgeschlossen und hatte bereits in zwei Firmen gearbeitet.

Die Kundenzufriedenheit war groß – ständig wurde nach Liv Andersson gefragt.

Doch die Arbeitszeit und auch das Gehalt ließen in beiden Architekturagenturen zu wünschen übrig.

Meine Kündigung war jedes Mal zum Leidwesen der CEO’s gewesen – sie konnten sich die Unzufriedenheit der Kunden anhören, wenn klar wurde, dass ich mich nicht mehr um ihr Projekt kümmern würde, sondern jemand anderes.

Die zweite Agentur, Creative Living by J. P. Ricard, hatte versucht, mich mit einem Angebot zurückzuholen.

Die fünfprozentige Gehaltserhöhung war allerdings nicht das, was ich mir unter einem überzeugendem Argument vorgestellt hatte, um mich zur Rückkehr zu bewegen.

Es stand fest – ich wollte mein eigenes Architekturbüro haben.

Und da ausgerechnet Tyler ein Investor war, der in Start-Up Unternehmen investierte und ich ihm von meinem Plan erzählte, dass ich gerne mein eigenes Büro eröffnen wollen würde und es gar nicht so leicht war, eine entsprechende Räumlichkeit in Perth zu finden, wollte er in mich investieren.

Aber nicht in Perth, sondern in Brisbane.

Und ich hatte mich darauf eingelassen, da die berufliche Perspektive im westlichen Teil von Australien nicht gerade rosig aussah.

Kurzum hatte ich in Perth alle Zelte abgebrochen und war mit ihm gegangen.

Ich war schon immer jemand gewesen, der jedes Abenteuer auf sich nahm, um etwas im Leben zu erreichen.

Vollkommen egal, auf welche Art und Weise.

Meine Freunde hatten mich damals für verrückt erklärt.

Es war verrückt.

Da konnte ich nicht widersprechen.

Und am heutigen Tag ist klar, dass ich diese Entscheidung nicht hätte treffen sollen.

Zumindest was die Beziehung angeht.

In meinem Beruf hatte sich Erfolg eingestellt.

Tyler hatte direkt an der Küste eine passende Immobilie ausfindig gemacht, wo ich mittlerweile meine eigene Firma über drei Etagen führte.

Andersson’s Homebusiness.

Glücklicherweise gehörte zu dem Haus noch eine vierte Etage mit einer Einliegerwohnung.

Bisher hatte ich von dieser Wohnung keinen Gebrauch machen können, da ich zu Tyler in seine Strandvilla gezogen war.

Aber natürlich stand die Immobilie damals nur komplett zum Verkauf.

Nachdem wir damals alles recht zügig in die Wege geleitet hatten, hatte er mir ungefähr ein halbes Jahr später einen Heiratsantrag gemacht.

In einem vermeintlichen Irrglauben gefangen, konnte ich mich nicht glücklicher schätzen und habe Ja gesagt.

Endlich eine eigene Firma - einen Mann, der mich liebt.

Eine wunderschöne Villa mit Blick auf das Meer.

So, wie alles in unserer Beziehung schnell verlief, standen wir auch genauso schnell vor dem Traualtar.

Dennoch hatte ich meinen Nachnamen behalten.

Als Liv Andersson war ich nun ich der Architekturwelt bekannt. Diesen Ruf wollte ich nicht freiwillig aufgeben.

Tyler reiste weiterhin viel über den Kontinent verteilt, auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten.

Wir waren es gewohnt, viel Freiraum für uns selbst zu haben, da wir uns genau auf diesem Wege kennengelernt hatten.

Dass Tyler dabei offenbar weiterhin auf der Suche nach Frauen war, denen er helfen konnte, und das nicht nur beruflich, hatte ich nicht kommen sehen.

Deswegen wird diese Einliegerwohnung nun genutzt – von mir.

Und das, seitdem die Schlacht unserer Scheidung begonnen hat.

Vor zwei Monaten bin ich dorthin gezogen.

Glücklicherweise liegt mein Büro eine halbe Stunde Fahrzeit von der Villa entfernt.

Es ist ungewohnt, nicht mehr so viel Platz zu haben und doch ein Ort, an dem man sich wohlfühlen kann, was natürlich nicht zuletzt an meinem Beruf liegt.

Denn die Wohnung habe ich nach meinen eigenen Wünschen hergerichtet.

Ein paar Wände wurden entfernt, Türen, Böden- und Wandbeläge ersetzt.

Und ein Feinschliff mit den passenden Möbeln.

So naiv, wie ich auch mit unserer Beziehung und dem schnellen Wohnortwechsel gewesen war, haben wir damals vertraglich festgehalten, dass die Firma allein mir gehört und dass ich seine Investition an ihn zurückzahle.

Dies ist über die Jahre bereits geschehen – offen sind noch 50.000 Dollar, die ich ihm hoffentlich mit den nächsten

Aufträgen zurückzahlen kann.

Anders als bei Start Up Unternehmen hat er bei mir nur in die Immobilie investiert, damit ich diese erwerben kann und in keine weiteren Projekte.

„Wenn Sie dann bitte hier unten und auf der zweiten Seite ebenfalls unten unterschreiben würden“, reißt mein Anwalt mich aus den Gedanken.

Ich nehme den Füllfederhalter entgegen und setze meine Unterschrift.

Selbstbewusst.

Nicht zittrig oder ängstlich.

Erleichterung flutet mich, dass heute dieses Kapitel meines Lebens abgeschlossen wird.

Der letzte Strich wird von mir gezogen und die Tinte ist nicht einmal ansatzweise getrocknet, als Tyler auch schon aufspringt und nach seinem Handy greift.

Überschwänglich stürmt er aus dem Büro der Anwaltskanzlei und bleibt neben der offenen Tür stehen.

„Dana, Baby. Du kannst den Termin in der Kapelle buchen. Ich gehöre nun ganz dir.“

Ich kann weder weinen, noch sauer sein.

Ich empfinde Mitleid.

Mitleid für Dana, die er sich in Maryborough angelacht hat – mit einer ähnlichen Geschichte, wie bei mir.

Sie ist die Nächste, die in ihr Verderben rennen wird.

Denn sicherlich wird er schon bald die nächste heiratswillige Frau finden.

„Seien Sie einfach froh, dass Sie diesen Mann los sind, ohne einen finanziellen Schaden davongetragen zu haben. Der Frau vor Ihnen erging es ganz anders.“, flüstert Tylers Anwalt verschwörerisch über den Tisch.

„Bitte?“, frage ich irritiert, denn offenbar gibt es noch mehr Dinge, die ich nicht über ihn weiß.

Zum Beispiel, dass er schon einmal verheiratet war.

„Was meinen Sie, warum er eine so hübsche Strandvilla besitzt? Diese gehörte vorher seiner Exfrau. Sie war noch sehr jung, nicht sehr gebildet. Das Start Up, in welches er investiert hat, war mehr seine Idee, als ihre. Es ist vor die Hunde gegangen – genau wie sie. Sie war nicht so eine junge, kluge Frau, die sich trotz rosaroter Brille immer abgesichert zu haben scheint.“, verrät er mir.

Meinem Anwalt steht der Mund offen, genau wie mir.

„Sollten Sie als sein Anwalt nicht auf seiner Seite sein?“

„Nun, er bezahlt mich, damit ich ihn vertrete. Das habe ich in diesem Scheidungskrieg getan und bedeutet nicht, dass ich unbedingt eine gute Meinung über ihn habe. Ich denke, dass ich im nächsten Jahr wieder an diesem Tisch sitzen werde, um einer weinenden Frau klar zu machen, dass sie alles verloren hat.“

Gerade, als ich antworten will, stellt Tyler sich neben den langen Tisch aus Mahagoni.

„Wir sind dann fertig hier, oder? Ich wünsche dir ein schönes Leben, Liv. Aber glaub ja nicht, dass es dabei bleibt, dass dir die Immobilie gehört! Vielleicht solltest du einfach zurück nach Perth gehen.“

Drohend hat er dabei den Zeigefinger erhoben und wieder frage ich mich, wie ich so blind sein konnte, mich in diesen Mann zu verlieben.

Ich hebe die Hand vor den Mund, um mein aufkommendes Lachen zu verbergen.

Das Ganze hier gleicht einer Comedyshow, zu der ich nichts mehr zu sagen habe.

Ich werde für ihn niemals das Feld räumen.

Brisbane ist nun auch meine Heimat.

Ob er will oder nicht.

Sicherlich kann ich darauf verzichten, ihm und seiner neuen Huldigen spontan im Supermarkt oder am Strand über den Weg zu laufen, aber das nehme ich in Kauf.

„Mr. Sawyer, Sie sollten nun gehen. Es ist alles unterzeichnet, worauf Sie beide sich geeinigt haben. Andersson’s Homebusiness gehört allein Ms. Andersson, so auch die Immobilie mit entsprechender Besitzurkunde.“, weist sein eigener Anwalt ihn zurecht und er schnauft nur wütend, bevor er das Büro nun endgültig verlässt.

„Machen Sie sich keine Sorgen, Ms. Andersson. Er kann Ihnen auf keinem rechtlichen Wege Ihre Firma oder die dazugehörige Immobilie absprechen.“

Mitfühlend sieht mein Anwalt mich an, doch ich fühle mich von Tyler nicht im Geringsten eingeschüchtert.

„Vielen Dank für Ihre Arbeit. Ich hoffe inständig, dass Mr. Sawyer sich für seine nächsten Beziehungsdramen einen anderen Anwalt sucht, als Sie, Mr. Quesenberry.“

Ich schiebe den dickgepolsterten Stuhl zurück, greife nach meiner Handtasche sowie den unterschriebenen Scheidungspapieren und verlasse das Büro.

Geschieden.

Single.

Ich hätte nie daran geglaubt, dass mich dieser Zustand irgendwann mal wieder glücklich stimmen würde.

Kapitel 2

Der weiße Lack meines Mercedes AMG Cabriolet strahlt in der hochstehenden Mittagssonne und ich entriegle den Wagen.

Von Tylers schwarzem Maserati ist nichts mehr zu sehen – durchaus hätte ich erwartet, dass er auf dem Parkplatz auf mich wartet, um mir noch einen Spruch drücken zu können.

Fast bin ich überrascht, dass mein Lack keine Kratzer hat und auf meinen Reifen auch noch genug Luft zu sein scheint.

Ich steige in den hohen Wagen, streife die High Heels von den Füßen und lasse das Verdeck auffahren.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment zurück, als er abends in der Küche vor mir stand und mir sagte, dass er sich in eine andere Frau verliebt habe.

Draußen war es dunkel und das Meer, welches direkt vor unserer Terrasse lag, war still.

Trügerisch still.

An dem Abend kam er von einer vermeintlichen Geschäftsreise zurück.

Er wirkte abgeklärt und emotionslos.

Schon als er durch die Eingangstür kam, hatte ich das Gefühl, dass ein völlig neuer Mann vor mir stand.

Und mein Gefühl hatte mich nicht getäuscht.

Dass das mit Dana schon seit drei Monaten so ging und dass seine Geschäftsreisen private Reisen waren, um die Nächte heimlich mit ihr zu verbringen, hatte ich erst später erfahren.

Anfangs war ich am Boden zerstört gewesen.

Nächte lang hatte ich mich in den Schlaf geweint, während er unten auf dem Sofa lag und heimlich mit ihr telefonierte.

Ab diesem Tag behandelte er mich wie einen lästigen Gast in seinem Haus.

Nicht wie eine Frau, für die er Gefühle hatte und vor seiner Abreise noch geschlafen hatte, um ein Kind zu zeugen.

Das war dieser Fakt, der nach wie vor tief in mir schmerzte.

Wir wollten Kinder.

Bis heute hat es nicht funktioniert.

Dem Schicksal sei Dank.

Als hätte eine höhere Macht gewusst, dass dieser Mistkerl

mich hintergeht und ich später vermutlich allein mit dem Kind dastehen würde.

Entweder er würde sich aus der Affäre ziehen, da seine Augen für diesen Moment nur auf Dana gerichtet waren oder aber ich hätte seine unerträgliche Anwesenheit wegen einem gemeinsamen Kind ständig an der Backe.

Dann müsste ich diesem Kind nicht nur erklären, wieso seine Mum und sein Dad sich ständig stritten und nicht mehr zueinander fanden, sondern vermutlich auch, wieso es alle paar Jahre eine neue Stiefmutter bekam.

Zu sagen, dass sein Vater ein notgeiles Schwein ist, wäre vermutlich keine gute Option.

Mit mir ist alles in Ordnung.

Das hatte meine Frauenärztin mir immer wieder beteuert.

Keine Erkrankungen.

Keine hormonellen Probleme.

Doch dann stellte man fest: träge Eierstöcke.

Sie haben den Betrieb, fruchtbare Eizellen herzustellen, eingestellt.

Vermutlich ist es der ganze Stress, den ich mit der Firma habe, obwohl ich mich recht ausgeglichen fühle.

Tyler hingegen wollte sich nie untersuchen lassen.

Er hatte immer gemeint, er sei der potenteste Mann an der australischen Küste.

Was sein Stehvermögen und offenbar das sexuelle Abfertigen von einigen Frauen anging, mochte das zutreffen.

Ob das auch auf seine Zeugungsfähigkeit schließen ließ – da bin ich mir trotz allem bis heute nicht sicher.

Aber auch das ist seit heute nicht mehr mein Problem.

Nun hieß es: nach vorne sehen.

Neu beginnen.

Irgendwann vielleicht einen neuen Mann finden, mit dem man glücklich werden konnte, obwohl ich im Moment die Nase davon voll hatte und mir gerade nicht im Geringsten eine neue Beziehung vorstellen konnte.

Ich werde erst einmal Single bleiben.

Mich voll und ganz auf mein Business konzentrieren.

Kein Mann.

Keine Dates.

Nur ich.

Und meine Freunde, die ich an einer Hand abzählen kann.

Aber immerhin wahre Freunde.

Ich krame das Handy aus meiner Handtasche und wähle die Nummer einer meiner besten Freundinnen.

Und gleichzeitig Assistentin der Geschäftsführung in meiner Firma – von niemand Geringerem, als mir.

„Bist du den Blödmann endlich los?“, nimmt Becca das Gespräch entgegen.

„Ich werde ihn wohl eine ganze Weile nicht mehr sehen.

Hoffen wir es.“

„Das will ich ihm geraten haben. Soll er in seinem gottverdammten Strandhaus doch glücklich werden.“, motzt sie, was mich zum Schmunzeln bringt.

„Zu schade, dass ich dieses Haus wirklich gerne habe. Ich meine, der Ausblick ist fantastisch.“

„Gut möglich, Liviboo. Aber der Ausblick aus deiner Einliegerwohnung ist genauso super.“

Liviboo – bis heute habe ich keine Ahnung, wie es zu diesem Spitznamen gekommen ist.

Er entstand in einer Nacht, geprägt von Tequila.

Sehr viel Tequila, der am Ende am Straßenrand landete.

Aus meinem Magen heraus.

Bei der Erinnerung schüttelt es mich prompt.

„Eine Einliegerwohnung, von der er meint, sie mir wegnehmen zu können. Samt Firma.“, gebe ich sarkastisch von mir.

„Der Typ bekommt den Hals wohl nie voll genug, oder? Kann er da echt was machen?“, fragt Becca nun besorgt.

„Nein, mach dir keinen Kopf. Ich werde dein Boss bleiben. Beide Anwälte haben gesagt, dass es keine rechtliche Grundlage gibt, auf der er mir die Firma wegnehmen kann.“

„Na also. Was plappern wir dann noch hier rum. Mittag im Fresh Fisher’s?“, hakt sie freudig nach.

„Ich mache mich direkt auf den Weg.“

Ich lasse das Handy wieder in meiner Tasche verschwinden, bevor ich den Wagen starte.

Etwas Sand wirbelt auf, als ich den Parkplatz verlasse, denn diese kleinen Körnchen sind in dieser Küstenregion überall.

Man hat keine Chance gegen sie.

Selbst dann, wenn man den Tag nicht am Strand verbracht hat.

In irgendeiner Ritze, in irgendeinem Schuh findet sich immer was davon.

Die Sonnenstrahlen und der blaue Himmel fliegen über das offene Verdeck hinweg, als ich aus dem kleinen Städtchen herausfahre, direkt an der Küste entlang.

Die meisten Hauptstraßen führen durch die großen Dünen, umgeben von grünen Bergen, nah am Wasser und am Sand entlang.

Man hat immer einen fabelhaften Ausblick und trotz der ganzen Umstände bin ich weiterhin in Brisbane verliebt.

Perth hatte auch seine Vorzüge, aber dieser Ort hier hat etwas Magisches.

Vermutlich hat das fast jeder Ort in Australien.

Ich würde Menschen, die in enganeinander stehenden Hochhäusern lebten und täglich dem Straßenlärm lauschten, nie verstehen können.

Es gab nichts Besseres, als die salzige Meeresluft einzuatmen.

Immer gutes Wetter und gute Laune zu haben.

Die ein bis zwei Hurricanes im Jahr außen vorgelassen, die hier draußen wirklich heftig werden konnten.

Ich fahre an meiner Firma vorbei, doch der Wagen von Becca ist bereits weg.

Die anderen sitzen bei offenen Terrassentüren an ihren Schreibtischen und sind fleißig, wie immer.

Das beige hölzerne Gebäude mit den schwarzen Fensterrahmen kommt hier draußen wirklich gut zur Geltung und hebt sich trotz der gediegenen Farbe von den anderen Häusern ab.

Ich fahre den schmalen, sandigen Pfad neben einer Düne hinunter, bevor ich auf einen Parkplatz biege.

Von hier aus geht es nur zu Fuß weiter runter zum Strand, wo einige Lokale und Bars ihren Sitz haben.

Barfuß steige ich aus dem Wagen und verstaue die Heels in meiner Tasche, ehe ich über den warmen Sand laufe und das Gefühl unter meinen nackten Sohlen genieße.

Wie immer ist der Strand gut besucht, die Lokale sind auf den Terrassen voll.

Kinder spielen am Strand, lassen Drachen steigen, bauen Burgen.

Und einige sind mit ihren Segelbooten und Surfbrettern auf dem Wasser.

Ich mag das Meer sehr gerne, genauso wie den Klang der Wellen, aber dem Surfen kann ich nicht wirklich etwas abgewinnen.

Etwas, was man an der australischen Küste besser nicht laut aussprechen sollte.

Als ich mich dem Fresh Fisher’s nähere, erkenne ich Beccas feuerrotes Haar.

Sie hat unseren liebsten Platz ergattert.

Der letzte auf der Terrasse, direkt am Geländer zum Meer.

„Da bist du ja, Süße.“

Freudig wackelt sie mit zwei gefüllten Champagnergläsern in ihrer Hand.

„Wie mir scheint, gibt es was zu feiern.“

Ich lasse mich neben sie sinken und gebe ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange, bevor ich ihr eines der Gläser abnehme.

„Natürlich. Du bist jung, gutaussehend, erfolgreich, frischgeschieden und die Welt steht dir in allem offen. Auf dich und ein neues Kapitel.“

Etwas überschwänglich stößt sie ihr Glas gegen meines, so, dass etwas von dem Champagner über meine Hand rinnt.

Lachend hebe ich das Glas ebenfalls an meine Lippen und nehme einen Schluck von der prickelnden Flüssigkeit.

Kapitel 3

„Es ist der letzte Heat in Runde Fünf. Der heimliche Favorit Hudson Colbee, der für Queensland kämpft, genauso wie Arvid Cold, Maryborough und Josh Dunkert für Brisbane, warten auf die nächste Welle. Pünktlich zu dieser Runde bauen sich die Wellen nun stärker auf. Wer von ihnen wird das Rennen machen?“, ertönt es über die Lautsprecher, was hier draußen auf dem Meer kaum zu hören ist.

Ich versuche, meine innere Ruhe zu finden.

Es ist kein Wettkampf, wie ich ihn sonst surfe, sondern ein Spendensurfing für das Kinderkrankenhaus in Queensland.

Und trotzdem kämpfe ich nicht anders als sonst, um so viel Spendengeld wie möglich mit jeder einzelnen Welle reinzuholen.

Die erste Welle wirbelt sich unter unseren Brettern hindurch.

Sie wäre gut gewesen.

Doch nicht perfekt.

Keiner von diesen Idioten hat seine Chance genutzt, weil sie heimlich ein Auge auf mich haben, wann ich die nächste Welle nehmen werde.

Ob ich den Heat nutzen werde.

Und genau das habe ich vor.

Doch ich lasse mich von ihnen nicht aus der Reserve locken.

Ich manifestiere.

Meinen Atem.

Mein Körperbewusstsein.

Jeden einzelnen Muskel.

Als die nächste Welle sich nähert und ich wieder genau von den Konkurrenten ins Visier genommen werde, die scheinbar mehr Interesse an mir, als an dem Gewinn haben, bleibe ich ruhig.

Im letzten Moment, den diese Welle hergibt, paddle ich los.

„Und Hudson Colbee nutzt den Heat. Wird er diese Welle zu seiner machen können?“, ruft einer der Moderatoren aufgeregt.

„Er stellt sich auf..er setzt auf Geschwindigkeit..und..“

Und die Welle ist meine.

Ich lege einen Bottom Turn hin, tief in die Knie gebeugt.

Gekonnt lenke ich das Board über die Welle hinweg und

halte Stand, als würden meine Füße am Board festkleben.

Ich spüre ihre Macht unter mir.

Den Druck und die Kraft, die diese Wassermassen haben.

Ich werde eins mit meinem Board.

Spüre, wie die Finne mich durch das Wasser lenkt.

Ich erreiche den höchstens Punkt der Welle.

Jetzt heißt es: Alles oder Nichts, um den Snap nicht zu versauen.

Es ist eines der kompliziertesten Manöver, um von der Welle nicht vom Board gerissen zu werden.

„Colbee legt den perfekten Snap hin. Er hat wie immer auf den perfekten Heat gewartet und wie es aussieht, serviert er uns damit den krönenden Abschluss.“

Ich schaffe es, in den Floater und reite den Rand der Welle.

Der Schaum bricht sich über meine Füße und es fühlt sich an, wie fliegen.

So, als wäre kaum noch Wasser unter mir.

Gerade rechtzeitig komme ich zurück in den Roundhouse Cutback und lasse die Welle auslaufen.

Ich mache die letzten skatingähnlichen Bewegungen mit dem Board, bis die Welle sich komplett im knietiefen Wasser verliert und ich mich jubelnd mit einem Rückwärtssalto vom Board schmeiße.

Selbst unter Wasser höre ich gedämpft das Jubeln und

Klatschen der anwesenden Gäste.

„Das ist eine 9,6 für Hudson Colbee und damit die höchste Punktzahl für diesen Tag!“, ruft einer der Schiedsrichter über den Lautsprecher und ich halte siegessicher die Fäuste in die Luft.

Ich schnappe mein Board und laufe aus dem Wasser, als mein Coach auch schon auf mich zugelaufen kommt.

„Hudson, das war eine absolute Meisterleistung.“

Er fällt mir um den Hals, scheinbar gleichgültig darüber, dass ich seine Klamotten komplett durchnässe.

„Wenn du so weiter machst, werden wir mit dir die nächste Saison auf jeden Fall wieder gewinnen.“

„Danke, Coach. Du weißt, ich gebe mein Bestes.“, klopfe ich ihm auf den Rücken und merke, dass das Strahlen aus meinem Gesicht nicht weichen will.

Wir gehen zurück unter den aufgestellten Pavillon, wo auch die anderen Queenslander sitzen und mich der Reihe nach beglückwünschen.

Ich lasse mich in den Sand sinken und greife eine eisgekühlte Dose Eistee aus der Kühlbox, die ich zischend öffne und gierig ein paar Schlucke trinke.

Dann richte ich meinen Blick zurück auf das Wasser.

Cold und Dunkert müssen die Runde noch unter sich

entscheiden, auch, wenn es kaum noch Hoffnung darauf gibt, meine Leistung schlagen zu können.

„Es ist ein Kopf an Kopf Rennen zwischen Maryborough und Brisbane, um noch ein wenig Geld einfahren zu können. Wird einer von ihnen noch einen Heat zu seinem machen können oder wird diese Runde ohne Leistung abgepfiffen?“

Viele scheinen heute nicht so motiviert, wie sonst, da sie keinen Titel oder Preisgeld gewinnen können.

Ich surfe gerne für den guten Zweck und helfe, wo ich kann.

Außerdem sollte man nie vergessen, dass trotzdem Sponsoren und Talentscouts anwesend sein können, um neue Talente zu finden, die sie fördern können.

Und bereits am Anfang sind mir die zwei jungen Frauen aufgefallen, die sich abseits des Schiedsrichterpults mit zwei Stühlen platziert haben.

Sie tragen nichts Offensichtliches, doch an dem Klemmbrett der einen Frau ist vorhin das Emblem von Waving Colours aufgeblitzt.

Eine Surfermarke aus Brisbane, die sehr streng in ihrer Auswahl sind.

Schon seit Jahren versuche ich immer wieder, dort einen Sponsorenvertrag zu ergattern.

Bisher habe ich es nicht geschafft, obwohl ich mit einer der besten Surfer von Queensland bin, wie auch wieder die

Begeisterung meines Coaches mir bestätigt hat.

Ich habe vorhin die Zufriedenheit der beiden Frauen gesehen, als ich von meinem Heat zurückkam und beide hielten ihre Stifte nicht still.

Ich hoffe, dass es diesmal ein gutes Zeichen ist.

Wieder zurück mit dem Blick auf dem Wasser, erkenne ich Josh Dunkert, der sich eine Welle geschnappt hat.

Offenbar versucht er, mich zu überbieten und versucht sich an einem Rodeo Flip – dumm nur, dass er es nicht zurück auf sein Board schafft, um den Rest der Welle zu surfen, sondern ins Wasser fällt.

„Und das war es mit der letzten Runde. Dunkert konnte diesen Heat nicht für sich gewinnen und bekommt..immerhin eine 2,3.“

Buh-Rufe ertönen von dem Team aus Brisbane, verärgert über die Punktevergabe der Schiedsrichter.

Doch man muss sich eingestehen können, dass das keine gute Leistung von Josh Dunkert war.

Er hat sich übernommen und wollte mit dem Rodeo Flip eins draufsetzen, um mich schlagen zu können.

Aber, wenn man diese Surfmanöver nicht regelmäßig macht und sie auch nicht beherrscht, ist das absolut die falsche Wahl, um auf den Sieg zu setzen.

„Also Leute, kommt mal näher zusammen..“, ruft unser Coach Tom und alle Queenslander versammeln sich unter

dem Pavillon.

„Ihr habt es geschafft, 65.000 Dollar einzufahren!“, setzt er direkt jubelnd hinterher, was auch die anderen zu Freudenschreien bewegt.

„Und Hudson, das Meiste davon hast du eingefahren. Das ist eine klasse Leistung.“

„Das war es wirklich.“, durchschneidet eine weibliche Stimme von der Seite die Euphorie der Teammitglieder und ich sehe auf.

„Hudson Colbee, richtig? Haben Sie einen Moment für uns?“

Es sind genau die beiden Frauen, die ich bereits als Mitarbeiter von Waving Colours enttarnt habe.

„Nur zu, entführen Sie unseren Star.“, gibt Tom sich gönnerhaft, weshalb ich aufstehe und etwas Sand von meinen Beinen klopfe.

Ich folge den Frauen zu einer aufgestellten Strandbar mit einigen Sitzmöglichkeiten.

Auf einem Tisch werden gerade drei Drinks bereit gestellt, die offenbar für uns gedacht sind.

Die Frauen deuten mir, Platz zu nehmen und setzen sich ebenfalls an den Tisch.

„Wenn wir uns kurz vorstellen dürfen. Ich bin Wendy Parks, Managerin von Waving Colours und das ist meine Assistentin Elaine Gold. Mr. Colbee, Sie sind ein absolutes Naturtalent dort draußen auf dem Wasser und ich muss sagen, Sie sind uns nicht nur gut in Erinnerung geblieben, sondern haben uns heute durchaus überzeugt.“

„Gut in Erinnerung geblieben? Ich versuche schon seit Jahren, näher an Ihre Marke heranzukommen“, lache ich charmant und errege damit besonders die Aufmerksamkeit von Elaine.

Nicht, dass mir der Sinn danach stehen würde, etwas mit einem potentiellen Sponsor anzufangen.

Aber ein bisschen zu flirten kann sicherlich nicht schaden.

„Oh, das ist uns bekannt, aber wie Sie sicher wissen, wählen wir unsere Klienten sehr sorgfältig aus. Und im Gegensatz zu anderen Marken nehmen wir nicht jeden Sommer immer und immer wieder neue Talente auf. Wir wollen die Besonderen finden. Die, bei denen es sich lohnt, sie für eine lange Zeit unter Vertrag zu halten und sie in allem zu fördern, wo es nötig ist.“

Das ist mir bekannt.

Waving Colours pusht seine Talente derart, dass die meisten berühmter durch sie, als durch den Verein geworden sind.

Viele von ihnen reisen durch die ganze Welt, haben sich an die Spitze neuer Vereine gearbeitet und sind so berühmt, wie manche Rockstars es selbst nicht sind.

„Dann nehme ich an, ich bin jemand, bei dem es sich lohnt.“,

pokere ich, denn nicht umsonst haben wir uns hier zusammengesetzt.

„Das sind Sie, Mr. Colbee. Wir würden Sie gerne unter Vertrag nehmen und Ihre Karriere fördern.“

Kapitel 4

Als am nächsten Morgen der Wecker klingelt, spüre ich immer noch den Champagner, der gemächlich durch meine Blutbahnen wabert.

Es war gestern nicht bei einer Flasche geblieben.

Um genau zu sein, weiß ich nicht einmal, wie viele Flaschen wir zusammen leergemacht haben.

Ich weiß nur, dass ich definitiv zu spät ins Bett gegangen bin, um den heutigen Arbeitstag entspannt bewältigen zu können.

Vorsichtig schiebe ich mich aus dem Bett und strecke mich ausgiebig.

Ich ziehe die Vorhänge an meiner Balkontür beiseite und öffne sie.

Barfuß trete ich hinaus auf die Holzdielen, die jetzt schon warm sind von der morgendlichen Sonne.

Noch einmal strecke ich mich und genieße die warme Luft.

„Wow, Süße. Toller Ausblick!“, ruft plötzlich jemand von unten, weshalb ich die Augen öffne und hinuntersehe.

Zwei junge Männer, ungefähr Anfang zwanzig, halten beim Joggen inne und sehen zu mir nach oben.

Immer noch lachend und grölend.

Als ich den Blick an mir hinabwandern lasse, erkenne ich den Grund dafür.

Kreischend weiche ich zurück, stolpere über die Türkante und falle krachend auf den Hintern.

Ich trage bloß noch meinen Slip und bin ansonsten vollkommen nackt.

Wie mir scheint, habe ich gestern Abend einfach meine Klamotten abgestreift und mich in mein Bett gelegt.