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Toby Weston ist jung, ambitioniert – und Lehrer. Sein erster Job führt ihn an eine Schule in Oberbayern, in ein scheinbar geordnetes System aus Lehrplänen, Noten und Aufsichtspflicht. Doch schon bald erkennt er, dass Regeln dehnbar sind. Und dass Macht im Klassenzimmer anders funktioniert, als es in pädagogischen Handbüchern steht. Je näher er seinen Schülerinnen kommt, desto deutlicher wird ihm, wie abhängig sie von seinen Entscheidungen sind. Eine Note kann Karrieren öffnen oder zerstören. Ein Wort genügt, um Druck auszuüben. Und Schweigen wird zur wertvollsten Währung. Was als Beobachtung beginnt, entwickelt sich zu einem gefährlichen Spiel aus Kontrolle, Erwartung und stillschweigenden Abmachungen. Grenzen verschieben sich. Rollen verkehren sich. Aus Unterricht wird Verhandlung, aus Aufsicht ein Machtinstrument. Als eine Klassenfahrt nach Prag die letzte Struktur auflöst, eskaliert das System endgültig. Was niemand auszusprechen wagt, wird zur neuen Normalität – und niemand bleibt unbeteiligt. Noten gegen Gehorsam ist der erste Band der vierteiligen Reihe Unter seiner Aufsicht – ein provokanter Roman über Autorität, Abhängigkeit und die Frage, was geschieht, wenn derjenige, der bewerten soll, selbst entscheidet, wie weit er gehen darf. Alle handelnden Personen sind bereits volljährig. Aber Vorsicht! Erotikszenen werden nicht verniedlicht, sondern authentisch dargestellt. Das Buch ist deswegen nur für volljährige Leser geeignet.
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Seitenzahl: 203
Veröffentlichungsjahr: 2026
Toby Weston
Noten gegen Gehorsam
Unter seiner Aufsicht (Band 1)
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1
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Impressum neobooks
Alle handelnden Personen sind bereits volljährig.
Es war Anfang August und ich bin gerade achtundzwanzig Jahre alt geworden. Der Geburt am vierten August geschuldet, bin ich vom Sternzeichen Löwe. Sollte sich jemand damit auskennen, oder sich dafür interessieren, kann er mich jetzt astrologisch analysieren. Mit ist das alles völlig egal. Ich bin stark und selbstbewusst, daher sollte sich die Astrologie nach mir richten und nicht umgekehrt.
Ich hatte mein zweites Staatsexamen erfolgreich bestanden und stand nun vor meiner ersten Anstellung als Lehrer für Geschichte und Sport. Und dieser erste Job führte mich an das Annette-Kolb-Gymnasium nach Traunstein. Da sich unter meinen Lesern sicher einige befinden, die in der Schule beim Fach Geografie gefehlt haben, informiere ich kurz über den Standort meiner ersten Anstellung: Traunstein ist eine Große Kreisstadt und der Sitz des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Oberbayern. Sie liegt am Fluss Traun im Chiemgau.
Also, meine lieben Freunde, wir sprechen vom tiefsten Oberbayern, dort, wo die Menschen noch Dialekt sprechen, hübsche Dirndl tragen und täglich Schweinsbraten mit Knödeln essen. Oder auch nicht. Egal. Aber ich sollte bald feststellen, dass hier eine Vielzahl sehr hübscher Mädchen geboren wurden. Und das interessierte George am dringlichsten. Ich sagte bereits, dass die Schlange in meiner Hose mit den Namen George von mir getauft wurde. Die Taufe fand, während dem ersten Sex meines Lebens statt, als ich die dicke Nachbarin meiner Eltern ficken durfte. Während ich sie in meinem jugendlichen Elan rammelte, leckte mir ihr Dackel ständig über die Arschbacken. Der Hund der Nachbarin hieß George. Da dieses Ereignis für mich für immer unvergesslich bleiben wird, habe ich den Namen des Hundes auch meinem Pint gegeben.
Aber ich schweife schon wieder ab. Das ist eines meiner Probleme. Ich habe häufig viele Gedanken gleichzeitig, die durch mein Hirn schwirren. Also, wenn ich zwischen den Themen regelmäßig wechsle und abschweife, seht mir das bitte nach. Ich bin auch nur ein ungläubiger Sünder. Oh je, und das im streng katholischen Bayern.
Ich ahnte bereit, dass es hier zu Schwierigkeiten und Verwicklungen kommen würde, sowohl in Bezug auf meinen mangelnden Glauben als auch wegen der sexuellen Gier meines George, aber nicht, wie schlimm das alles in Traunstein werden sollte.
Aber ich versuche nun, etwas beim Thema zu bleiben.
Ich befand mich auf der Fahrt von München nach Traunstein. Jeder, der einmal im August die Autobahn München-Salzburg versucht hat zu befahren, erinnert sich an die kilometerlangen Staus. Klar, es waren Sommerferien und die Blechkarawanen rollten erbarmungslos in Richtung Süden.
Aber ich war ein cleveres Kerlchen, denn ich mied die Autobahn. Stattdessen nahm ich die Landstraße B304, fuhr an Grafing, Wasserburg und Obing vorbei, bevor mich mein Glück verließ.
Ich befand mich kurz hinter Aiging, einem kleinen Kaff kurz vor Traunstein, als der Hinterreifen meines alten BMWs platzte. Mist. Scheiße. Aber alles Fluchen half nicht. Ich kam am Straßenrand zum Stehen und stellte als erstes fest, wie einsam es in Oberbayern sein konnte. Kein Auto, kein Mensch, keine Hilfe weit und breit.
Vielleicht sollte ich noch kurz anmerken, dass ich wunderschöne Hände und sehr hübsche Finger besitze, die aber über keinerlei Talent für handwerkliche Tätigkeiten verfügen. Und jetzt sollte ich auch noch versuchen, den Hinterreifen zu wechseln? Nein. Das konnte nur in einem Fiasko enden. Später sollte ich feststellen, dass ich gar kein Ersatzreifen im Kofferraum gehabt hätte. Das schien irgendwann mal abgeschafft worden zu sein. Aber egal. Ich hätte mir sowieso nicht die Hände und Fingernägel schmutzig gemacht.
Dreckige Fingernägel geht gar nicht! Denkt daran, liebe Männer, wenn ihr euch mal wieder auf Freiersfüßen befindet. Die Mädels mögen das nicht. Also immer brav die Finger waschen und die Fingernägel säubern, bevor ihr Hand an die Weiber legt. Ich bin auch einer der wenigen Männer, die auf der Wiesn ein halbes Hendl mit Messer und Gabel essen, nur aus dem einzigen Grund, dass ich keine Fettspuren unter den Fingernägeln ertragen konnte.
Aber jetzt stand ich wie ein Volldepp am Straßenrand. Wie bestellt und nicht abgeholt. Aber dank Martin Cooper und seinem Patent aus dem Jahr 1973 gab es ein Handy. Und die aktuelle Generation sogar mit Internet. Und nun kam die Krönung: Es gibt hier im tiefsten Bayern sogar schon Internet. Also konnte ich in Traunstein einen Abschleppdienst ausfindig machen, der bereit war, innerhalb der nächsten zwei bis vier Stunden mein Auto abzuholen. Ja, so sind die Zeitfenster in Bayern. Es eilt nie. Die Termine werden gegeben und eingehalten, aber wann, das bleibt immer ein Abenteuer.
Okay. Also musste ich damit leben. Zum Glück war es August. Der Himmel war blau und die Sonne brannte vom Himmel. Durch die Wegbeschreibung meines Handys wusste ich, dass in nur wenigen Metern die Traun fließen sollte. Ich schrieb also einen Zettel, gab meine Handynummer bekannt und teilte dem Abschleppdienst mit, dass ich in der Umgebung etwas spazieren ging. Das Blatt heftete ich an die Windschutzscheibe.
Anschließend verließ ich die Bundesstraße und spazierte auf einem schmalen Weg in die Richtung, die vermutlich zur Traun führen würde. Vor mir bereitete sich die hügelige Voralpenlandschaft aus. Für den Anblick geben viele Menschen einen Haufen Geld aus und machen hier Urlaub. Und ich durfte hier arbeiten. Eigentlich ein schöner Job. Aber es sollte leider alles anders kommen. Aber dazu später mehr.
Kurz darauf erreichte ich die Traun. Der Fluss war an dieser Stelle schmal und nicht allzu tief. Ich überlegte einen Moment, ob ich mir ein kühles Bad gönnen sollte, verabschiedete mich jedoch schnell von dem Gedanken, da ich keine Wechselkleidung oder Handtuch dabeihatte.
Ich suchte mir eine Stelle am Ufer heraus, wo ich mir das Gesicht und die Hände kühlen konnte. Diese fand ich neben einem Gebüsch. Ich kroch an das Ufer und neigte mich über das leise plätschernde Wasser. Der Fluss glänzte von dieser Position wie flüssiges Metall. Jede Welle trug einen hellen Saum.
Bayern war faszinierend, dachte ich in diesem Moment erneut. Ich ließ mich auf den Bauch sinken und spritzte das Wasser in mein Gesicht.
Von fern hörte ich junge Stimmen, die sich meiner Position näherten. In dieser Sekunde kam ich mir in der liegenden Position recht dämlich vor, und wollte nicht gesehen werden. Aber ich stellte beruhigt fest, dass ich vom Gebüsch so verdeckt war, dass die jungen Leute an mir vorbeigehen würden, ohne mich zu sehen.
Doch sie kamen näher und blieben am Rand der Lichtung stehen. Ich blickte durch die Zweige hindurch. Der junge Mann hatte den Kopf des Mädchens in beide Hände genommen und küsste sie. Er war etwas größer als sie.
Ich musste grinsen. Es war auch ein kitschiger Anblick. Sonne, Berge, Fluss, Bayern und ein küssendes Paar. Ein prima Foto für einen Werbeprospekt.
Das blonde Mädchen, ich schätze sie auf achtzehn oder neunzehn Jahre, ließ ich bereitwillig küssen. Dann zog sie seine Hände beiseite und trat einen Schritt zurück. Ich wurde nun Zeuge, einer interessanten Gegebenheit.
„Tony ... du ... du küsst ja wild“, stammelte die Blondine.
Ihre Lippen glühten, ihre Augen waren verschleiert. Tony griff wieder nach ihr und drückte sie an sich. Sein Mund presste sich auf die verlockenden Lippen.
Eigentlich habe ich nur sehr gering ausgeprägte voyeuristische Neigungen. Ich bin eher der Typ, der gerne beobachtet wird, als andere zu beobachten. Selbst aktiv zu sein ist immer befriedigender, als einen passiven Spanner zu markieren. Aber die Geschmäcker sind bekanntlich sehr verschieden. Daher wollte ich eigentlich nicht Zeuge dieses Techtelmechtels sein, doch ich konnte den Blick nicht abwenden. Wie sie sich an ihn schmiegte, sich weich in seine Arme legte! Es war spannend und auch leicht erotisierend.
Langsam ließ sich der junge Mann auf den Waldboden nieder, zog die Blondine zu sich herunter und küsste sie im Gesicht und am Hals. Nun lag sie mit geschlossenen Augen neben ihm ausgestreckt unter dem dicken Ast einer rotgelben Buche.
Jetzt wurde ich doch leicht nervös. Ich wagte es nicht, mich zu rühren! Wenn ich jetzt gehen würde, dann hörten sie mich und glaubten, dass ich so ein beschissener Spanner bin. Und das, als neuer Lehrer im Traunsteiner Gymnasium. Das wäre ein schlechter Einstand.
Es war eindeutig zu spät zum Gehen!
Der Bursche streichelte nun über den schlanken Körper des Mädchens. Er berührte zart und vorsichtig ihre Brüste und knöpfte mit zitternden Fingern ihr Kleid auf. Dann küsste er ihren Hals, den weichen Hügel und das zarte Tal zwischen den festen Brüsten. Sein Mund verweilte an den Kuppen, während seine Hand über ihre Hüfte und den Oberschenkel hinunter zum Rocksaum strich. Dann schob er ihr Kleid hinauf, streichelte vom Knie innen an den Schenkeln hinauf, immer höher.
Die Blondine stöhnte leise. Ihre Beine entspannten sich und öffneten sich ein wenig. Er berührte ihren Slip, zog leicht am Bund. Sie richtete sich auf.
„Nein, Tony, nicht ... wir wollen doch nicht Ernst machen!“
„Keine Angst, ich tue dir nichts. Ich will dich nur streicheln, dich küssen, zärtlich zu dir sein. Bitte, lass es dir gefallen. Du bist so schön, Marie, die schönste und erotischste Frau der Welt.“
Marie lächelte ihn verträumt an. Die Komplimente hatten ihr gefallen. Tony schien das Richtige gesagt zu haben. Erneut küsste er sie. Langsam ließ sie sich wieder zurückfallen. Seine Küsse erregten sie, ihre Abwehr schwand. Sie streichelte seinen Rücken, seine muskulösen Schultern.
Tony ergriff den Bund ihres Höschens und zog es langsam ihre Hüften herunter. Sie hob sich ein wenig, um es zu erleichtern. Dann lag ihr nackter Schoß frei vor ihm.
Er kniete neben ihr und starrte einen Moment lang fasziniert die völlig glatt rasierte Intimzone des Mädchens an. Seine Hand umschloss den Venushügel und schob sich langsam tiefer. Wieder streichelte er sie sanft. Marie bewegte sich leise. Tonys Hände waren überall. Eine Hand strich über den flachen Bauch und die Hüften, die andere Hand über die Schenkel. Dann drang er mit einem Finger vorsichtig und sehr zart in ihre Spalte ein. Marie stöhnte lauter. Ihr Körper hob sich seiner Hand entgegen.
„Ach, schön, jaaa ...“, murmelte sie leise.
Ihr Kopf lag auf dem Waldboden. Tony küsste immer wieder ihren Hals und ihre Brust. Dann beugte er sich weiter über sie, küsste ihren Bauch und ihre Schenkel.
Langsam, mit wachsender Spannung, wanderten seine Lippen zu ihrem Schoß. Sie stöhnte auf, breitete die Arme aus und bewegte den Kopf leidenschaftlich hin und her. Als sie immer heftiger atmete, nahm Tony seine Hand und drückte zwei Finger in ihre gierige Vagina.
Nach wenigen rhythmischen Bewegungen bäumte sie sich auf und schrie: „Aaaahhh ...“
Ihr Körper zuckte einige Male wild hin und her. Dann entspannte sie sich.
Jetzt nahm Tony ihre Hand und führte sie an sein aufgerichtetes Glied, das er aus dem Gefängnis seiner Hose befreit hatte. Langsam bewegte er ihre Hand auf und ab.
Marie richtete sich leicht auf. Während sie noch zusah, wie er ihre Hand bewegte, drückte sie ihn mit der anderen Hand zu Boden. Er ließ sich weich zurückfallen. Sein Penis stand groß und kraftvoll in die Höhe.
Sie kniete sich neben ihn und umschloss mit einer schnellen Bewegung sein Geschlecht mit ihren vollen Lippen. Erst streichelte sie es nur mit den Lippen, dann fasste sie mit der Hand die Wurzel und begann, ihren Kopf auf und abzubewegen. Nach wenigen Sekunden bäumte sich Tony wie ein Bogen auf. Aus seinem prall geschwollenen Glied ergoss sich ein Schwall heißer Flüssigkeit, die Marie mit ihren Händen auffing.
„Du, ich mag dich“, sagte sie leise, „du bist lieb.“
Tony richtete sich auf und half ihr beim Aufstehen. Gemeinsam zogen sie sich an und richtete ihre Haare. Er legte seinen Arm um sie. Dann gingen sie eng umschlungen den Weg zurück, auf dem sie gekommen waren.
Und ich? Klar, ihr habt allen Grund, mich zu schimpfen. Aber was hätte ich tun sollen? Daher gebe ich es zu. Ich hatte die Augen nicht abwenden können, war wie in einer lustvollen Trance gewesen und hatte die Szene wie einen hübschen Pornofilm genossen.
Traunstein wirkte so einladend. Es war Liebe auf den ersten Blick. Verwinkelte Gassen, freundliche Häuser mit breiten Dächern und schön geschnitzten Balkonen, auf denen leuchtend rote Geranien blühten. Ein reich verzierter Brunnen schmückte die Mitte des Rathausplatzes. Die Inschrift in golden glänzenden Buchstaben am Fuße des Brunnenheiligen lud den Fremden ein, sich an dem erfrischenden Wasser zu laben. An einer Brücke war ein verwittertes Holzschild befestigt: Für Traktoren gesperrt!
Ich ließ meine Augen über die Stadt schweifen, sah im Hintergrund die Chiemgauer Alpen liegen. Gewaltige Gebilde aus Stein, die meine Fantasie beflügelten. Märchen- und Fabelwesen, Hexen und Feen wohnten dort oben über den grünen Almen. Ich liebte den Zauber der ungebändigten Natur.
Das Hupen eines Autos schreckte mich aus meinen Gedanken.
„Wohl verrückt geworden, he?“, rief der Fahrer eines offenen Sportwagens. „Mitten auf der Straße zu pennen. Blöde Großstadtaffen!“
Großstadt? Stimmt, mein Münchner Kennzeichen, stellte ich fest. Der Abschleppdienst hatte meinen BMW nicht abschleppen müssen, sondern nur irgendeine Flüssigkeit in den Reifen gepumpt. Es würde für ein paar Kilometer gehen, aber dann sollte ich den Reifen wechseln lassen, so wurde ich informiert. Ich hatte freundlich genickt, dem Mann eine Banknote in die ausgestreckte Hand gedrückt und weiter nach Traunstein gefahren.
Ich machte eine entschuldigende Handbewegung, fuhr wieder an und bog in die nächste Straße ein. Ein Schild wies mir den Weg: Annette-Kolb-Gymnasium.
Das Schulgebäude passte nicht in das Stadtbild, obwohl der moderne Bau aus Glas und Beton sehr zweckmäßig wirkte. Aber da die Schule ein wenig entfernt von der Stadt am Waldrand stand, neben Sportgelände und Fußballstadion, machte sie einen guten Eindruck.
Während ich mich der Schule näherte, sah ich auf dem Sportplatz junge Männer in bunten Trikots über den Rasen laufen.
„Tor, Tooor!“, schrien die zehn Zuschauer, als ein Blondschopf in Rot nach raschem Spurt den Ball ins Tor geschossen hatte.
Der Lärm eines Schwimmbades tönte herüber. Die spielenden, planschenden Kinder übertönten mit ihrem Geschrei noch die Rufe der Fußballfans.
Ich wendete und fuhr in die Stadt zurück. Durch einen Torbogen, dann links und die nächste Straße rechts, so hatte es mir Claudia Bamhackl beschrieben.
Ich fand einen Parkplatz genau vor der Hausnummer zwei. Es war ein freundliches Haus mit weiß getünchten Mauern, grünen Fensterläden und einem schönen Balkon im ersten Stock. Auch hier blühten rote Geranien in den Kästen.
Ich stieg aus und schloss mein Auto ab. Dann ging ich langsam auf das Gartentor zu.
»Bamhackl«, stand auf dem Klingelschild. »Einmal läuten«
Das Schild darunter war leer, kein Name aufgedruckt. Ich klingelte und ging zur Haustür. Ein hübscher kleiner Garten mit Jasmin und Fliedersträuchern lag vor dem Haus; auf den Stufen zur Eingangstür standen zwei Schalen mit blühenden Fuchsien. In den Beeten neben dem Gartenweg blühte roter und weißer Phlox.
Aus dem geöffneten Fenster neben der Haustür hörte ich das Klappern von Geschirr.
„Moment“, rief eine Frauenstimme. „Ich komme gleich.“
Dann hörte man das Schlagen einer Tür und tippelnde Schritte. Eine ältere Dame öffnete. Mit ihr kam ein Schwall von Küchenduft aus der Tür. Frisch gebacken, dachte ich, wie zu Hause.
„Ja, bitte?“, fragte sie freundlich.
„Ich bin Toby Weston“, stellte ich mich vor.
„Oh, Herr Weston“, rief die Hausfrau. „Gerade haben wir von Ihnen gesprochen.“
„Tatsächlich?“
„Aber ja. Ich habe meiner Schwester am Telefon erzählt, dass der neue Lehrer bei mir wohnen wird. Wie in alten Zeiten, habe ich gesagt. Sie müssen nämlich wissen, dass mein Mann auch Lehrer war. Aber nun kommen Sie doch erst einmal herein. Ich bin Claudia Bamhackl.“
Damit trat sie von der Tür zurück und streckte mir die Hand entgegen. Neugierig betrat ich das Haus. Da ich hier wohnen sollte, sah ich mich mit einem raschen Blick genau um. Es gefiel mir hier sofort: ein breiter Flur, glänzend gebohnerte Holzdielen mit einem rötlichen Teppich belegt, mehrere Türen und auf einer alten Kommode ein großer Asternstrauß. Meine Blicke verweilten einen Augenblick auf der Treppe, die sich in behäbiger Rundung nach oben in den ersten Stock erhob.
Dann folgte ich der einladenden Handbewegung von Claudia Bamhackl. Auf dem Tisch war für zwei Personen Kaffeegeschirr aufgedeckt. Ein frischer, duftender Napfkuchen stand in der Mitte.
„Mögen Sie Kuchen?“, fragte die Hausherrin.
„Meine heimliche Leidenschaft.“
„Ach“, rief sie freudig, „meine auch. Aber setzen Sie sich doch. Ich hole schnell den Kaffee. Dann können wir ein wenig plaudern. Oder möchten Sie erst Ihr Zimmer sehen?“
„Das kann noch warten. Aber wenn ich mir vielleicht zuerst die Hände waschen dürfte? Ich hatte nämlich eine Reifenpanne.“
„Na, so ein Pech. Kommen Sie, ich zeige Ihnen das Badezimmer.“
Einige Minuten später saßen wir bei Kaffee und Kuchen. Ich genoss die gemütliche Atmosphäre, und fühlte mich vom ersten Augenblick an wohl. Fast eine Stunde lang hörte ich der Dame zu, aß Kuchen, trank Kaffee und nickte.
Sehr bald kannte ich ihre ganze Lebensgeschichte. Als Kind eines Bauern hatte Claudia Bamhackl das Licht der Welt erblickt, vor siebenundsechzig Jahren. Sie sieht eigentlich viel jünger aus, dachte ich damals, sie hat so lebendige Augen und ein so fröhliches Lächeln. Mit achtzehn heiratete sie einen jungen Lehrer und zog mit ihm nach Traunstein. Sie schenkte ihm eine Tochter und war eine gute Ehefrau. Später ging die Tochter nach München und heiratete dort einen Rechtsanwalt. Ihr Mann war vor einigen Jahren gestorben. Seit dieser Zeit lebte sie allein, aber sie schien sich mit dem Leben gut auszukennen, war rüstig und trotz allem guter Dinge.
Vor zwei Monaten hatte der Schuldirektor bei Claudia Bamhackl angefragt, ob sie nicht ein Zimmer an einen Lehrer aus München vermieten wolle.
Und ob sie wollte!
Wo sie doch so viel Platz hatte. Und so viel Zeit. Außerdem konnte sie viele gute Ratschläge geben.
„Ich schwatze doch zu viel“, sagte sie lächelnd, nachdem sie geendet hatte.
„Aber nein, ich höre Ihnen gern zu. Übrigens, Ihr Kuchen schmeckt ganz ausgezeichnet. Auch Ihr Kaffee ist so, wie ich ihn gern mag.“
„Sie sind sehr liebenswürdig, junger Mann“, bemerkte sie geschmeichelt. „Möchten Sie jetzt Ihr Zimmer sehen?“
„Ja, sehr gerne.“
Gemeinsam gingen wir in den ersten Stock. Meine Hand strich dabei über das dunkel glänzende Eichenholz des Geländers, als ich die Stufen hinaufging. Ein dicker Velourteppich schluckte jedes Geräusch der Schritte. Oben blieb ich auf dem kleinen, blitzsauberen Vorplatz stehen. Claudia Bamhackl öffnete die Tür neben der Treppe.
Ich blieb überrascht auf der Schwelle stehen. Der Raum übertraf alle meine Erwartungen. Er war sehr geräumig; zwei Fenster gaben angenehmes Licht. Die Abendsonne sandte die letzten goldenen Strahlen herein. Auf dem hellen Riemenfußboden lag ein dicker, bunter Teppich. Am linken Fenster stand ein großer Schreibtisch aus Eichenholz, dessen Platte mit grünem Filz bezogen war. Deckenhohe Wandregale boten viel Platz für Bücher. Gleich neben der Tür stand eine behagliche, braunbezogene Sitzgruppe, daneben eine Blumenbank mit bunten Herbstblumen in einer Tonschale. Über dem Sofa hing an der weißen Wand eine Reproduktion von Manet, eine bunte Wiesenlandschaft mit weiblichen Figuren im Hintergrund. Es war ein anheimelnder Raum.
„Das ist doch sicher das Arbeitszimmer ihres Mannes gewesen“, erkundigte ich mich.
Claudia Bamhackl nickte. „Es steht schon so lange leer. Da habe ich mir gedacht ... äh, gefällt es Ihnen?“
„Und ob es mir gefällt!“
„Na, sehen Sie! Gleich nebenan ist Ihr Schlafzimmer. Auf der anderen Seite des Flurs liegen Bad und Toilette.“
„Es sieht alles wunderbar aus“, bedankte ich mich.
„Also, ich lasse Sie jetzt allein. Sie wollen sicher Ihre Sachen aus dem Wagen holen und einräumen. Der Haustürschlüssel liegt auf dem Schreibtisch. Ich habe auch ein Klingelschild für Sie anfertigen lassen. Wäre es Ihnen recht, wenn ich unter Ihrem Namen »Dreimal läuten« draufschreibe? Dann wissen wir gleich, wer von uns beiden gemeint ist.“
Ich nickte zustimmend. Mir gefiel es hier sehr gut. Als die Hausherrin zur Treppe ging, fragte ich: „Kann ich mein Auto vor dem Haus stehen lassen?“
„Ach ja, natürlich. Sie können aber auch hinter das Haus fahren. Dort ist ein leeren Holzschuppen.“
Sie lächelte und ging nach unten. Sie freute sich, dass mir offensichtlich alles gut gefiel. Dieser nette junge Mann war ihr als Mitbewohner sehr willkommen.
Ich holte meine Koffer und richtete mich häuslich ein. Dann sprang ich schnell unter die Dusche und zog mir eine saubere Jeans an.
Als nächstes sah ich mich in meinem neuen Schlafzimmer um. Auch hier lag ein bunter Teppich auf dem hellen Holzfußboden. Ein breites Bett nahm die eine Wand ein, gegenüber stand eine zierliche Kommode aus Kirschholz mit einem hübschen Spiegelaufsatz. Ein dazu passendes Nachtkästchen stand neben dem Bett mit einer Lampe, deren Schirm aus hellgelbem Leinen bestand, passend zu den Vorhängen am Fenster.
Es wurde bereits Abend. Die Sonne war untergegangen, aber ich hatte gerade jetzt noch Lust auf einen kleinen Spaziergang. Ich lief die Treppe hinunter und ging mit elastischen Schritten durch den Hausflur und über den Steinplattenweg zur Straße.
Als ich nach einer Stunde zurückkam, telefonierte ich kurz mit dem Schuldirektor. Wir vereinbarten für den nächsten Tag ein Treffen in der Schule, ein erstes Kennenlernen.
Claudia Bamhackl kam aus der Küche und rief gutgelaunt: „Ich habe eine Kleinigkeit gekocht, nichts Besonderes, aber ich würde mich freuen, wenn Sie mir Gesellschaft leisten.“
Ich hörte, wie mein Magen knurrte und antwortete: „Ja, danke, sehr freundlich von Ihnen.“
Die Klasse zwölf C vom Annette-Kolb-Gymnasium saß vollzählig auf ihren Plätzen: vierzehn Mädchen an Einzeltischen in zwei Reihen am Fenster, an der Innenwand sechs Jungs.
Der Schuldirektor, Eberhard Weißnicht, hatte mich in meine neue Klasse begleitet. Vielleicht glaubte er, ich würde eine moralische Stütze benötigen. Die Klasse verhielt sich still, als wir den Raum betraten.
„Ich möchte euch alle zum neuen Schuljahr begrüßen. Ihr werdet sicher verwundert sein, warum der Schuldirektor diese Worte an euch richtet“, sagte Eberhard Weißnicht und sprach nach einem kurzen Rundblick über die jungen Gesichter weiter: „Ihr bekommt einen neuen Klassenlehrer, der euch in den Fächern Deutsch und Sport unterrichten wird. Ich möchte, dass ihr Toby Weston begrüßt.“
Die zwanzig Schüler klopften verhalten mit den flachen Händen auf die Tischplatten. Ich spürte sofort, dass ich mir den Respekt erst erarbeiten musste.
„Nun wünsche ich euch ein erfolgreiches Schuljahr und trete das Wort an euren neuen Klassenlehrer ab.“
Der Direktor trat beiseite und nickte mir zu. Ich stand gerade an der Tafel und schrieb meinen Namen. Außerdem brauchte ich eine kurze Pause vom Anblick der süßen jungen Mädchen. Puh. Das war grenzwertig für einen leicht zu erregenden Mann. Ich unterrichtete pure Erotik. Die Mädchen waren der Hammer, eines hübscher als das andere. Ich erinnere mich noch an meine damaligen Gedanken, meine Verzweiflung, da ich genau spürte, dass es nicht gut gehen würde. Früher oder später musste ich diesen geilen Geschöpfen erlegen. Vor dem Sportunterricht, wenn die Mädchen in einem knappen Sportdress vor mir herumhüpfen würden, war mir bereits angst und bange.
„Also macht mir keine Schande“, sagte der Direktor lächelnd zur Klasse und nickte zu Abschied. Dann ging er. Schweigen. Die Schritte des Schuldirektors verloren sich auf dem Flur. Stille.
Die Zwölfte war mit ihrem neuen Klassenlehrer allein. Ich musterte meine Schüler, und sah in die neugierigen Augen. Dann erstarrte ich für einen kurzen Moment. In der zweiten Reihe saß die blonde Marie, die ich heimlich am Fluss beobachtet hatte. Und tatsächlich. Auch ihr Partner, den sie am Fluss den Schwanz gelutscht hatte, der schüchtern wirkende Tony, war einer meiner Schüler. Er saß in der letzten Reihe. Zum Glück hatten die beiden meine Anwesenheit in dem Gebüsch nicht bemerkt. Das wäre sonst ein peinlicher erster Auftritt vor meiner neuen Klasse geworden. Ich versuchte die Gedanken an die Szene am Fluss zu verdrängen.
„Wir wollen uns möglichst gut vertragen und ordentliche Arbeit leisten, okay“, begann ich meine ersten Worte und hoffte, dass diese klar und selbstbewusst klangen.
Gemurmel erfüllte den Klassenraum. Einige Schüler nickten mir zu, andere grinsten sich an. In einigen Mädchengesichtern las ich Entgegenkommen.
„Natürlich habe ich gewusst, dass eine zwölfte Klasse kein Kindergarten mehr ist. Aber dass ich hier so nette Jungs und so hübsche jungen Mädchen begegne, habe ich mir nicht vorgestellt. Ihr seid alle volljährig und daher nach dem Gesetz bereits erwachsen. Womit wir bei der wichtigen Frage angelangt sind: Wie soll ich euch anreden? Mit »Sie« oder mit »Du«?“
„Mit »Sie«!“, riefen einige Mädchen.
„Mit »Du«!“, erklang es von der anderen Seite.
Nun redeten alle durcheinander und ich musste das Gemurmel unterbrechen.
„Wie wäre es, wenn wir abstimmten?“, schlug ich vor.
Von der Klasse kam keine Reaktion.
„Wer war denn bisher Klassensprecher?“
Die blonde Marie, deren nackten Körper ich durch die Büsche am Fluss bereits bewundert hatte, erhob sich.
„Klassensprecherin!“, sagte sie spitz.
