Nummer 8 - Michael Peter - E-Book

Nummer 8 E-Book

Michael Peter

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Beschreibung

Hast Du es damals auch gelesen, als Kandidatinnen für die Wahl zur Hopfenkönigin vermisst wurden? Hast Du es mitbekommen, als direkt vor dem Fußballstadion in Regensburg eine junge Frau tot zusammengebrochen war? Hast Du es in den Nachrichten erfahren, dass auf einem Lastkahn in Riedenburg eine ermordete Frau gefunden wurde? Diese drei Fälle beschäftigten die iSdS-Detektive in diesem Buch. Ganz unzensiert erfährst Du in den Büchern der iSdS-Detektive, wie die Ermittlungen in den verschiedensten Kriminalfällen gelaufen sind. Die Fälle sind reell. Die Handlungsorte kannst auch du besuchen. Es ist genau beschrieben, an welchen Orten die Detektive ermittelt haben. iSdS-Detektive - kein Fall bleibt ungelöst Auch dieses Buch ist für Erwachsene Leser. Aber natürlich können auch jüngere Leser dieses Buch genießen, wenn sie reif für realistische Kriminalfälle sind.

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Seitenzahl: 312

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Michael Peter

iSdS – Detektive

Band 4

Nummer 8

Kriminalroman

Das füllte dieses Buch:

Das berühmte Vorwort

Die vermissten Kandidatinnen

Der tödliche Wettkampf

Der tote Passagier

Die Worte zum Schluss

Weitere Bücher und Serien

Serie 1: Im Schatten der Steine.

Serie 2: iSdS – Detektive

Das berühmte Vorwort

Jeder von uns kennt die Prinzessinnen und Königinnen, die für ihre Produkte werben. Für die jungen Mädchen ist es ein Traum, einmal als Königin ein Jahr für das jeweilige Produkt werben zu können. Aber oftmals wollen die Väter sehen, wie ihre Tochter voller Stolz die Krone präsentieren. Und es ist kein Geheimnis, wie viele dieser Wahlen zur Königin es in Bayern gibt. So gibt es die Bayrische Milchkönigin, die Kartoffelkönigin, Waldkönigin, Spargelkönigin, Fischkönigin, Honigkönigin, Oktoberfestkönigin… Und es gibt die Wahl zur Hopfenkönigin. Jedes Jahr im Oktober geht die Jury wieder auf Suche nach Kandidatinnen für die Wahl im folgenden Sommer. Jedoch wurden in einem Jahr plötzlich immer die Favoritinnen vermisst. Im ersten Fall dieses Buches wird von diesem kuriosen Fall berichtet.

Jeder kennt den Traum vom Erfolg. Ob man im Beruf, privat oder im Verein erfolgreich sein will, ist egal. Man muss alles dafür tun, damit man Erster ist. Ob man es durch Leistung schafft, oder irgendwie anders nachhilft. Wobei sich doch jedem die Frage stellt, wie ein Biathlet zweiter sein kann. Hat er doch ein Gewehr bei sich. Was sich hinter dem Todesfall einer Sportlerin in Regensburg verbirgt, wird in unserem zweiten Fall beschrieben.

Der letzte Fall in diesem Buch war besonders schwierig. Eine Frau wurde durch Zufall auf einem Frachtkahn gefunden, als wir an einem unserer freien Tage in Riedenburg am Main-Donau-Kanal spazierten. Keiner wusste vorher, welche Tragweite diese Ermittlungen haben würden. Und hätten nicht wir diese Tote gefunden, wäre sie vielleicht erst im Heimathafen des Schiffes bei der Löschung der Ladung oder auch nicht entdeckt worden.

Drei Fälle füllen dieses Buch.

Unser Team:

Ich bin nicht nur der Autor dieses Buches. Gleichzeitig bin ich auch der Gründer und CEO der iSdS-Detektive. Begonnen hat meine Laufbahn als kleiner Detektiv, angestellt in einer bekannten Anwaltskanzlei in Ingolstadt. Doch schon nach kurzer Zeit wollte ich eigenständig arbeiten. Geld verdient man viel und kann so eine eigene Firma aufbauen. In der Ingolstädter Zentrale gibt es inzwischen mehrere Detektivteams und auch Personenschützer.

Daniel Ivanova war früher ein angestellter Frisör in einer großen Kette. Ich war einer seiner Stammgäste und bat ihn schnell, in meine Firma zu wechseln. Da wurde er nicht nur Friseur für unsere Mitarbeiter. Er fungierte auch als Chauffeur, Gärtner und mein persönlicher „Buttler“. Sehr schnell war er nicht mehr nur mein Angestellter. Es entstand eine richtige Freundschaft. Bei Ermittlungen war er stets mein Fahrer und Assistent.

Sophie Richter begann ihre Karriere damals als meine Haushälterin und spätere Sekretärin. In der Ingolstädter Zentrale, die gleichzeitig meine Wohnung beherbergte, bewohnte sie mit Daniel die Wohnräume für Bedienstete. Heute sind diese Wohnräume für Personen, die einen besonderen Schutz bedürfen oder für Einsatzkräfte, falls unsere Ingolstädter Teams Verstärkung benötigten. Seit einem Ermittlungsfall im Auftrag der sächsischen Polizeibehörden wurde sie gemeinsam mit Daniel zu Ermittlern und ihre Stellen, die dadurch frei wurden, besetzten wir neu.

Daniela Lieblig lernten wir später bei Ermittlungen in den Alpen kennen. Sie wurde uns von der örtlichen Polizei als ortskundige Kontaktperson zur Seite gestellt. Da sie aber von ihren Kollegen der österreichischen Polizei gemobbt wurde und im Alltag nur Innendienst verrichten durfte, verspürte sie sehr schnell den Drang etwas zu ändern. Es dauerte nur ein paar Jahre, dann hängte sie ihre Polizeiuniform an den Nagel und wechselte zu uns. Sicherlich muss sie hier ab und zu auch mal Telefondienst oder Computerarbeit übernehmen. Aber wir vier sind während unserer Ermittlungsarbeit gleichberechtigte Detektive. Und wir sind nicht nur ein erfolgreiches Ermittlerteam. Auch privat sind wir intime.

Über unsere erfolgreichen Ermittlungen sind inzwischen acht Bücher veröffentlicht. Und es ist noch lange nicht Schluss.

Für weitere Informationen empfehle ich das Besuchen meiner Homepage. Dort sind auch die Mailadressen veröffentlicht. Falls Du zu speziellen Fällen eine Frage hast, so lass es uns wissen.

Aber eine Bitte haben wir noch. Auch wenn Detektive den Ruf haben, überall schnüffeln zu wollen und jeden Fall an sich reißen, um schnelles Geld zu verdienen. Wir übernehmen keine Fälle, die uns einfach herangetragen werden. Jeder Fall, der interessant ist und auch bereits öffentlich genannt werden darf, wird in unseren Büchern veröffentlicht. Observationen von eventuell untreuen Ehepartnern sind in keinem unserer Bücher beschrieben. Solche langweiligen Aufträge übernehmen wir nicht.

Nun wünsche ich gute Unterhaltung mit den hier veröffentlichten drei Fällen. Sicherlich werden einige Textstellen schwierig und anstrengend sein. Aber es waren auch wieder sehr komplexe Ermittlungen. Sie waren so intensiv, dass selbst die Verarbeitung der Fakten zu einem Roman sehr fesselnd und emotional war.

Die vermissten Kandidatinnen

Es war Spätherbst. Die Tage wurden jetzt merklich kürzer. Die Temperatur erreichte die letzten Tage nicht mehr den zweistelligen Bereich. Öfters war jetzt tagsüber Regen manchmal gab es auch leichte Schneefälle. Der Wind ließ es noch unangenehmer erscheinen. Eigentlich die Witterung, in der man nur sehr ungerne sein Haus verlässt. Jedenfalls Erholungsurlaub würde man zu dieser Jahreszeit im Altmühltal und auch in unserem liebgewordenen Elbsandsteingebirge nicht machen. Wer nicht unbedingt muss, geht nach der Abenddämmerung nicht mehr aus dem Haus.

Während wir Detektive die Abende vor dem Kamin nutzten, um unsere letzten Fälle auszuwerten, würden höchstens Jäger durch die Wälder streifen oder junge Menschen zu Partys gehen. Aber in freier Natur würde man wohl kaum noch jemand antreffen, der gerne unterwegs war. Wir nutzten diese Zeit vor Weihnachten, um zu überlegen, welche Ermittlungen wir in unseren Büchern veröffentlichen können. Auch geht es darum, ob wir die tatsächlichen Orte nennen dürfen. Oftmals waren es kleine Ortschaften, bei denen man auch durch Namensänderung der Opfer schnell herausbekommen könnte, um wen es sich handelte. Und deswegen war es nicht immer einfach, unsere interessanten Fälle als Romane wiederzugeben. Daniela und Sophie nutzen auch stets diese Tage, um unseren nächsten Sommerurlaub zu planen. Wobei sie immer Hotels oder Ferienhäuser finden müssen, bei denen man auch mal die Anreise verschieben kann, falls mal wieder ein interessanter Fall dazwischenkommt. Dazu brauchten wir auch große Betten. Und auch die Umgebung müsste für uns eine gewisse Abwechslung bieten und trotzdem Geborgenheit vermitteln.

Während wir in unserer Villa im Elbsandsteingebirge ruhige Tage und Abende verbrachten, ging es in einer anderen Gegend nicht ganz so ruhig und gelassen zu. Das sollte schnell uns Detektive auf den Plan holen.

In Bayern war mal wieder die Zeit gekommen, die Kandidatinnen der nächsten Hopfenkönigin auszusuchen. Die ersten Vorrunden waren schon vorbei. Dieser Titel und die damit verbundenen Pflichten waren sehr begehrt. Gerade unter den bayrischen Mädels, die noch nicht den richtigen Partner gefunden hatten, gab es da oft Gerangel. Wer Hopfenkönigin war, stand in der Öffentlichkeit. Und gerade dort, wo sie ihre Auftritte hatten, gab es genug Kerle zur Auswahl. Und bis jetzt hatte keine Hopfenkönigin ihre Amtszeit beendet, ohne mindestens einen potenziellen Kandidaten zu bekommen. In diesem Jahr wollte die Juri unbedingt eine langhaarige blonde Hopfenkönigin küren, was wir zu einem späteren Zeitpunkt erfahren sollten. Die Auswahl war sehr groß. Über fünfzehn Kandidatinnen hatten sich beworben. Noch nie in der Geschichte wollten so viele Kandidatinnen gegeneinander antreten. Vom Spätherbst bis zum Hallertauer Hopfenfest, welches stets im August in Wolnzach stattfindet, müssen die Kandidatinnen so einiges über sich ergehen lassen. Sie müssen trainieren, mehrere Maß zu stemmen, müssen verschiedene Biersorten am Geschmack erkennen und sehr viele Fakten über die Braukunst lernen. Nicht zuletzt sollten sie auch in der Lage sein, genug vom flüssigen Gold zu trinken.

Die ersten Entscheidungen waren schon gefallen. Die ersten Kandidatinnen mussten das Feld räumen. Und da ist die Jury nun wirklich nicht nur nach dem Aussehen gegangen. Vielleicht hatten diese Mädels nur vergessen, den gewissen Umschlag mit dem speziellen Buntpapier abzugeben. Wie wir später erfahren hatten, waren unter den abgelehnten Frauen zwar einige, die nicht gerade die hellsten Kerzen auf der Torte darstellten. Aber auch Mädels, die bei Schönheitswettbewerben ganz vorne teilnehmen könnten, wurden wegen ihrem fehlenden Grundwissen zum Thema Bier wieder in ihr Dorf zurückgeschickt.

Schon einige Male waren in dieser Saison die Favoritinnen nicht mehr zu weiteren Terminen erschienen. Und so gab es inzwischen drei Vermisstenfälle. Das war der Grund, warum eines Tages mal wieder eine Mail zu uns unterwegs war. Diese Mail kam direkt von unserer Ingolstädter Zentrale.

Ein noch unerfahrener Kriminalkommissar hatte während seines Studiums von unserer Detektei erfahren. Oft wurden unsere Fälle als Lehrbeispiele genommen, um die charakteristischen Ermittlungsansätze zu trainieren. Und so kam er auf den Gedanken, uns um beratende Unterstützung zu bitten.

Es war schon ein reizender Gedanke, aus unserem tristen Alltagtrott auszubrechen. Und es ging auch darum, junge Frauen zu finden. Uns würde interessieren, wo sie waren und warum sie plötzlich verschwanden. Auch wollten wir dafür sorgen, dass keine weiteren jungen Frauen plötzlich verschwinden würden. Lange brauchten wir nicht überlegen. Auch wenn wir erst ein Team unserer Ingolstädter Zentrale diesen Auftrag übergeben wollten, so entschlossen wir uns doch, diese Ermittlungen selbst in die Hände zu nehmen, zumal der Kriminalkommissar bestimmt auch gehofft hatte, uns persönlich kennenzulernen.

Sofort begannen wir, unsere Sachen zu packen. Unsere Haushälterin sollte für uns und unser Personal für diesen Abend ein großzügiges Dinner vorbereiten. Da wir davon ausgehen mussten, dieses Mal wieder an schwierige und zeitintensive Ermittlungen geraten zu sein.

Sophie und Daniela durften unsere Reisetaschen mit den wichtigsten Klamotten packen. Dazu gehörte unsere Winterkleidung, Abendgarderobe, Wanderkleidung und natürlich auch Kleidung für die verdeckte Ermittlung zu den verschiedensten Tageszeiten und Witterungsbedingungen. Daniel überprüfte die Ausrüstung in unserem GLS und im Vito. Schließlich wollten wir beide Autos mitnehmen. Der GLS ist perfekt für schnelle Verfolgungsfahrten auch auf Wald und Feldwegen. Den Vito nehmen wir gerne für versteckte Ermittlungen und Observationen. Mit den verschiedenen Magnetschildern konnte man ihn mit fiktiven Firmenschildern als Handwerkerauto tarnen. Es ist so einfach, unauffällig zu beobachten. Ich hatte da die wenigste Arbeit. Ich schnappte mir das Telefon und rief unsere Frau Sekretärin in Ingolstadt an. Sie sollte für den nächsten späten Nachmittag einen Termin mit dem Kriminalkommissar in unserer Altmannsteiner Gästevilla vereinbaren. Auch sollte sie dafür sorgen, dass unsere Betten gemacht, die Villa angenehm geheizt und der Kühlschrank gefüllt ist. Die restliche Zeit des Tages verbrachte ich damit, die letzten Seiten des Falles in Pirna fertig zu schreiben.

Dann war es Zeit, noch ein letztes Mal die Vorzüge unseres Wellnessbereiches gemeinsam zu genießen. In der Sauna und im Whirlpool überlegten wir schon einmal, welche Gründe es alles geben könnte, weshalb junge Frauen verschwinden würden. Auch machten wir uns erste Gedanken, welche Informationen uns der Kommissar zum ersten Treffen mitbringen musste. Wobei wir diese Liste nach dem Dinner mit unseren Mitarbeitern noch einmal genau schriftlich festhalten und sogleich an unsere Sekretärin weiterleiten wollten. Ein letztes Mal gab es Gruppenkuscheln im Whirlpool und gemeinsames Erfrischen unter der Tropendusche.

Beim anschließenden gemeinsamen Dinner mit unseren Angestellten besprachen wir die anstehenden Aufgaben. Während unserer Abwesenheit sollte unbedingt der Kamin in unserem kleinen Salon und im Speiseraum gereinigt werden. Auch sollte unser Gärtner das letzten Baumstämme zu kamintauglichem Holz verarbeiten. Gemeinsam mit der Haushälterin könnte auch rings um den einen Kamin mal wieder neue Farbe angebracht werden. Das viele Feuern hatte schon so einen schwarzen Schleier um den Kamin legen lassen. Unsere drei Chauffeure sollten allen anderen entsprechend unter die Arme greifen. Danach könnte jeder abwechselnd ein paar freie Tage genießen. Sie sollten nur dafür sorgen, dass unsere Villa nie ganz ohne Personal wäre. Es wäre schließlich ein gefundenes Fressen für die Presse, wenn ausgerechnet bei Deutschlands berühmtesten Privatdetektiven erfolgreich eingebrochen werden würde.

Nach dem Dinner zogen wir vier uns in unser Arbeitszimmer zurück. Auf unserem iPad schrieben wir die Liste für den Kommissar. Wir wollten von den vermissten Frauen die Adressen, Fotos, Hobbies und alle noch erhältlichen Informationen haben, die er uns in der Schnelle besorgen konnte. Auch brauchten wir eventuell veröffentlichte Artikel aus der regionalen Presse. Und er sollte dafür sorgen, dass ab jetzt keine Informationen an die Presse gelangen konnten. Wir mussten unbedingt erfahren, welche gemeinsamen Interessen die vermissten jungen Frauen neben der Hopfenkönigin noch verfolgten. Vielleicht gab es da einen oder mehrere Schnittpunkte. Und diese Informationen wollten wir nicht nur von den vermissten Frauen. Auch wollten wir von den noch vorhandenen Kandidatinnen alle persönlichen Informationen bekommen. Und was uns auch noch einfiel, war eine Liste jeder jungen Frau. Wir brauchten die Namen der aktuellen Freunde und der Exfreunde. Und wir müssten erfahren, welche eventuellen Affären es gegeben hatte. Vielleicht wäre es ein Anhaltspunkt. Doch diese Liste konnte uns der Kommissar nicht besorgen. Diese Informationen müssten wir selbst durch geschickte Einzelgespräche ermitteln. Offiziell sollte jede Kandidatin Jungfrau sein und durfte sich in keiner aktuellen Beziehung befinden. Also sollte unser Büro den Kommissar nur damit beauftragen, die ihm bekannten Informationen zu unserem ersten Treffen am nächsten Nachmittag in Altmannstein mitzubringen.

Die Liste der für uns interessanten Informationen war erstellt. Der Sekretärin hatten wir die Mail zugesendet. Auch alle sonstigen Vorbereitungen waren getroffen. Wir lehnten uns zurück und schlossen die Augen. Im Kamin loderten die Flammen und das Holz knisterte leicht. Gemeinsam stellten wir uns vor, wie die Treffen der Kandidatinnen für die nächste Hopfenkönigin ablaufen könnten. Was solche Mädels mit ihren Konkurrenten in der Umkleide besprechen würden und was nach den Terminen passieren würde. Wir gingen so einige Möglichkeiten durch, warum die Mädels verschwanden. Eines machte uns allerdings stutzig. Es war stets immer nur eine Kandidatin, die nie wieder zu weiteren Treffen erschien. Vielleicht gab es da einen jungen Mann, der einfach keinen Erfolg bei den jungen Damen hatte. Vielleicht hatten die jungen Frauen ihn bei seinen Flirtversuchen einfach ausgelacht, weil sie sich für etwas Besseres gehalten haben, dass er sich gerächt hatte. Also sich genötigt fühlte, die Mädchen zu entsorgen, damit sein Ego nicht darunter leidet. Vielleicht wollte er dadurch Druck aufbauen, bis eine andere Auserwählte sich erbarmte und sich zu ihm gesellte. Auch so andere Ideen hatten wir. Es war also schon eine gedankliche Vorbereitung getroffen. Wir mussten nur anhand der Informationen, die uns der Kommissar am nächsten Nachmittag überbringen würde, entschieden werden, in welche Richtung unsere Ermittlungen anfangs gehen würden. Eine Hoffnung hatten wir allerdings. Wir hofften, dass es sich nicht um Opfer sexueller Gewalt handeln sollte und alle drei wieder von selbst zu ihren Eltern zurückkehren würden. Uns würde auch reichen, wenn wir sie unversehrt aus einer misslichen Lage befreien würden. Wobei für uns noch immer rätselhaft war, warum sich keines der vermissten Mädels bei ihren Angehörigen gemeldet hatte. Auch war es wahrscheinlich keine Entführung, von Lösegeldforderungen hatten wir nichts gehört. Und einfach weggerannt sollten sie bestimmt auch nicht sein. Es war kaum vorstellbar, dass drei Mädchen nacheinander wegrennen würden. Schließlich würde keiner die Frauen zwingen, bei der Wahl zur Hopfenkönigin anzutreten. Sicherlich gab es da die einen oder auch anderen Eltern, die stolz wären, ihre Tochter mit der Hopfenkrone zu sehen. Auch die Schärpe würde eine gewisse Eleganz ausstrahlen. Aber wer seine Tochter liebt, würde sie dazu nicht zwingen. Zumal jede Kandidatin volljährig und im Besitz eines Führerscheines sein muss.

Nachdem das Feuer im Kamin schon längst keine Flammen mehr hatte, unsere Weingläser leer waren und wir inzwischen auch die erforderliche Bettschwere erreicht hatten, gingen wir eine Etage höher. Dort war unser großes Himmelbett. Wir kuschelten miteinander und schliefen ein. Meine Träume waren in dieser Nacht noch sehr chaotisch. Mädels, deren Gesichter ich nicht erkennen konnte, rannten chaotisch durch einen Raum. Es war ein Raum, deren Wände nicht zu sehen waren. Auch hörte ich in diesem Raum keine Stimmen. Zwischendurch sah ich an eine Leinwand projizierte Bilder von Fässern, Hopfenfeldern und sich zuprostenden Politikern. Aber der Zusammenhang dieser Bilder war im Nachhinein nicht herzustellen. Allerdings bin ich es gewohnt, zu Beginn einer Ermittlung in meinen Träumen ein wildes Durcheinander zu erleben.

Am nächsten Morgen wurden wir von unserem Wecker aus dem Schlaf gerissen. Es war noch weit vor fünf Uhr, als das iPhone die Fanfare als Wecker erschallen ließ. Wir standen fast im Bett vor Schreck, konnten wir doch die letzten Tage immer ausschlafen, bis die Sonne ihre ersten Strahlen in unser Zimmer schickte. Zügig verließen wir das warme Nachtlager und sprangen unter die erfrischende Dusche. Unsere Haushälterin hatte die Küchentür nicht geschlossen. Und so konnten wir jedes Geräusch wahrnehmen, welches bei der Zubereitung unserer ersten Mahlzeit des Tages und vorerst letzten im Elbsandsteingebirge entstanden ist. So vernahmen wir schon das Mahlgeräusch unseres Kaffeevollautomaten. Das war Motivation genug, uns schnell wieder abzutrocknen, den Morgenmantel überzuwerfen und in den Frühstückssalon zu spazieren. Während wir vom Aroma des frischen Kaffees und der frischgebackenen Brötchen angelockt wurden, war es draußen noch immer dunkel. Beim Frühstück würfelten wir aus, wer in welchem Fahrzeug sitzt. So entschied der Zufall, dass Sophie mit Daniela fahren und ich bei Daniel im Auto sitzen würde. Noch vor Beginn der Morgendämmerung waren unsere Sachen in beiden Fahrzeugen verstaut und wir konnten uns von unserem Hauspersonal verabschieden.

Wegen der zu erwartenden Herbststürme wollten wir die Autobahn zwischen Chemnitz und Hof meiden. Dort wurde schon im Radio vor extremen Seitenwinden gewarnt. Und so entschieden wir uns über Tschechien, Furth im Wald und Regensburg nach Altmannstein zu fahren. Diese Strecke war zwar sehr regenintensiv, aber ohne gefährliche Winde. Und so erreichten wir schon kurz nach Mittag Riedenburg. Wir beschlossen in der Fasslwirtschaft von Riedenburg unser Mittag einzunehmen. Anschließend folgte ein Spaziergang am Kanal. Rechtzeitig waren wir in unserer Altmannsteiner Villa eingetroffen. Wir räumten unsere Fahrzeuge aus. Daniel und ich trugen das Gepäck in unser Arbeitszimmer und in das Schlafgemach. Sophie bereitete den Kaffeeautomaten vor und Daniela holte etwas Kuchen vom Bäcker.

Nach dem Kaffee bereiteten wir unser Büro im Kaminzimmer vor. Wir richteten den mobilen Zugang zu unserem Firmenserver ein und überprüften die Verbindung unserer iPads. Als alle Vorbereitungen getroffen waren, begannen die ersten Recherchen. So wollten wir alles über aktuelle Vermisstenfälle in dieser Region wissen. Auch interessierten uns Vermisstenfälle aus anderen Regionen Deutschlands. So wollten wir wissen, ob irgendeine Person vermisst wurde, bei der es sich um eine junge Frau handeln würde. Schließlich könnte es sein, dass auch in anderen Regionen Frauen verschwinden würden, die optisch zu unseren aktuellen Mädels passen würden. Aber groß war die Ausbeute nicht. Jedenfalls stand auf den Seiten der bayrischen Lokalzeitungen nichts von vermissten Frauen. In Norddeutschland wurden einige vermisst, diese sollten aber allein wegen ihrer Figur schlecht in das Beuteschema eines Entführers passen. Auf einer Internetseite wurde eine junge Frau aus der Nähe von Schrobenhausen vermisst. Es handelte sich um eine schlanke langhaarige Blondine. Vielleicht wäre das ein Hinweis. Jedenfalls speicherten wir das Profil der Person ab, die das junge Mädchen vermisste. Auch das Profil der gesuchten Frau markierten wir. Viel mehr, was hier nennenswert gewesen wäre, konnten wir in der kurzen Zeit nicht ermitteln. Auch eine schnelle Abfrage der Datenbank des Bundeskriminalamtes war ergebnislos. In den öffentlichen Suchausschreibungen waren keine weiteren Frauen zu finden. Auf den internen Seiten des BKA, zu denen wir dank dem Leiter Herrn Brenner Zugang haben, fanden wir nur die alten Passbilder der drei Frauen aus dem Hopfenland.

Langsam setzte die Abenddämmerung ein. Die Sonne wechselte allmählich ihre Farbe von goldgelb auf strahlendrot. Da klingelte es an unserer Haustür. Auf dem Monitor unserer Türsprechanlage sahen wir einen nervös umherschauenden jungen Mann. Sein Auto parkte er direkt vor unserer Tür. Sophie nahm den Hörer ab und fragte mit verstellter sehr alt wirkender Stimme, was dieser Mann zu so später Stunde an der Tür wünschte. Er gab zu erkennen, dass er der Kriminalkommissar war, mit dem wir eine Verabredung hatten. Daniela ging zur Eingangstür und ließ unseren Gast herein. Etwas verwundert schaute er. Eben hatte er noch mit einem alten Mütterchen gesprochen und jetzt stand eine bildhübsche junge Frau vor ihm. Nachdem er seinen Mantel abgelegt hatte, führte sie ihn in unser Arbeitszimmer. Er wirkte etwas schüchtern und verunsichert. Das lag vermutlich an seiner noch recht kurzen Laufbahn und an dem Kontrast zwischen alten Büromöbeln, Kaminfeuer auf der einen und der modernsten Computertechnik auf der anderen Seite. Und wenn er alles über unsere hocheffiziente Ermittlungsarbeit und unserer weiterentwickelten Methodik der Deduktion wusste, war bestimmt auch etwas Respekt und Hochachtung, was ihn etwas schüchtern machte.

Wir stellten uns kurz gegenseitig vor. Unser Gast hieß Jürgen Meisler und war von der Polizeiinspektion Pfaffenhofen. Seit zirka zwei Jahre war er Kriminalkommissar. Vermisstenfälle gehörten noch nicht zu seiner Sammlung. Bisher durfte er sich nur um Einbrüche und alltägliche Ladendiebstähle kümmern. Da aber seine Vorgesetzten zum Zeitpunkt des ersten vermissten Mädchens gerade auf einer Tagung in München waren, wurde ihm der Fall übertragen.

Diese letzte Information war auch der Einstieg in unsere Ermittlungen. Er nannte uns die nüchternen Fakten. Alle drei jungen Frauen waren fast identisch vom Aussehen. Besonders ihre strahlend naturblonden Haare, ihre tiefblauen Augen, lange schlanke Beine und straffe Oberweite könnten vermuten lassen, dass es sich um eineiige Drillinge handeln könnte. Aber so war es nicht. Rein zufällig sahen sie einander so ähnlich. Das erste Opfer stammte direkt aus Pfaffenhofen. Die anderen zwei Mädels wohnten in Scheyern und Wolnzach. Eine Gemeinsamkeit hatten sie allerdings. Erst gingen alle drei auf das Gymnasium in Pfaffenhofen und später auf die Berufsfachschule im Kloster Scheyern. Obwohl sie miteinander befreundet waren, traten sie gegeneinander bei der Wahl zur Bierkönigin an. Die Namen der drei jungen Frauen wollen wir hier nicht verraten, da wir von den Angehörigen darum gebeten wurden. Mehr Gemeinsamkeiten konnte uns Jürgen nicht nennen.

(Der Herr Kommissar bat uns selbst darum, ihn stets mit Vornamen anzureden. Besonders während wir mit anderen redeten, wollte er es. Das stärkte in seinen Augen das Gefühl, dass wir fünf ein festes Team wären. Sollte doch kein Fremder mitbekommen, dass wir „nur“ seine beratenden Helfer waren. Auch wenn wir bei Angehörigen oder Freunden waren, um über die Opfer oder den Umständen zu reden, stellte er sich mit Kriminalkommissar Jürgen Meisler vor und von uns nannte er nur die Namen. Dass wir keine Polizeibeamte waren, hatte er nie erwähnt. Das war auch nicht weiter verwerflich. Schließlich hatten wir von Herrn Kirchenbauer die Ausweise des LKA Sachsens und von Herrn Brenner die Dienstausweise des Bundeskriminalamtes bekommen. Also könnten wir uns auch offiziell als Polizeibeamte ausweisen, wenn es erforderlich gewesen wäre.)

Nun nannten wir unsere Gedanken. Wenn sich die drei sehr gut kannten und ein gemeinsames Geheimnis hüten würden, wäre ein gemeinsames Untertauchen möglich. Nur müsste man klären, wie sie es finanzieren würden. Und es müsste in Erfahrung gebracht werden, warum das immer um eine Woche zeitversetzt passierte.

Es wäre auch möglich, dass sie, ohne es vorher zu wissen, den gleichen Freund hatten. Da sie in verschiedenen Orten wohnten, könnte der junge Mann davon ausgehen, dass sich die drei Mädels nicht kennen würden. So könnte er sich immer mit einer anderen treffen. Bei einem Fotovergleich in der Berufsschule könnte er aufgeflogen sein. Um nicht als Loser dazustehen, könnte er nach und nach eine nach der anderen aus dem Weg geschafft haben. Deshalb müsste man unbedingt die Zimmer der drei Mädels in Augenschein nehmen. Auch ihre Profile auf Facebook, Instagram und anderen Seiten müsste man genau anschauen. Sämtliche gemeinsamen Schnittpunkte müssten ermittelt werden. Und dann müsste geklärt werden, wie man den gemeinsamen Freund überführen würde, falls es diesen gibt.

Dann sprachen wir an, dass wir auch die Gemeinsamkeiten mit den anderen Kandidatinnen abgleichen sollten. Dazu gehören Elternhaus, Schulen, Hobbies, Freunde und sonstige Schnittpunkte. Auch ob es mal zufällige oder geplante gemeinsame Urlaube gab. Oder gleiche Urlaubsziele zu anderen Zeiten. Wir mussten nach jedem Strohhalm greifen.

Als Jürgen mit seinem Polizeiwissen von seiner Ausbildung etwas überfordert schaute, nannten wir ihm unsere Möglichkeiten. Sicherlich würden jetzt endlos viele Gespräche auf uns warten. Wir müssten mit den Eltern, Freunden und Klassenkammeraden der Vermissten reden. Auch würden Einzelgespräche mit den übrigen Kandidatinnen erfolgen. Wir müssten klären, wer die vermissten jungen Frauen als letztes gesehen hatte, und wo die Mädels anschließend hingegangen waren. Es wäre also so viel zu ermitteln, wir könnten mindestens noch weitere zehn Polizisten benötigen. Allein die Auswertung der einzelnen Gespräche und das Zusammentragen der so ermittelten Fakten würde mehrere Beamte tage- oder sogar wochenlang beschäftigen. Aber zu seinem Glück hatte er uns um Hilfe gebeten. Er war der einzige Polizist, der für diesen Fall abgestellt werden konnte. Alle anderen waren bei der Vorbereitung der nächsten Sicherheitskonferenz. Aber wir waren mehr als nur vier Detektive. Wir hatten unsere spezielle Software. Auch hatten wir noch personelle Reserven in unserer Ingolstädter Zentrale. Davon hatten wir ihm aber noch nichts berichtet. Wenn wir keine Unterstützung bräuchten, wäre diese Information für ihn unwichtig. Außerdem könnte er sich, statt auf den Fall selbst zu kümmern, dafür interessieren, wann endlich der perfekte Zeitpunkt für den Einsatz weiterer Detektive und Personenschützer kommen würde.

Bei so kompakten Überlegungen und Ermittlungsansätzen kam unser junger Kollege mehr als nur leicht ins Schwitzen. Es war Zeit, ihn zu beruhigen. Wir nannten ihn als erstes die Möglichkeit, personelle Verstärkung über LKA und BKA anzufordern. Dies würden wir machen, wenn wir unbedingt zeitgleich an verschiedenen Orten Befragungen durchführen müssten. Dann nannten wir ihn unsere Methode mit den Fragebögen. Diese würden wir immer für gewisse Befragungen gleicher Charaktere ausarbeiten. Da wären zum einen die Fragebögen für die Gespräche mit den Eltern, Angehörigen, Freunden und Klassenkameraden der Vermissten Mädchen. Für die noch vorhandenen Kandidatinnen würden wir andere Fragebögen erstellen. Diese Fragebögen würden wir ausdrucken. Natürlich sagten wir Jürgen, dass diese Fragebögen möglichst in sauberer Schrift ausgefüllt werden müssten, damit der Computer sie einscannen und unsere eigene Künstliche Intelligenz die Auswertung durchführen könnte. Schließlich wollten wir nicht per Hand nach Gemeinsamkeiten der verschiedenen Personengruppen suchen.

Als wir ihm einen kleinen Einblick in unsere Computertechnik gewährten, war er wieder erstaunt. Als wir ihm auch noch einen Einblick in die Möglichkeiten unserer Software namens KIKEBE gaben, war er beeindruckt. Sicherlich hatte er auf der Polizeischule von dieser europäischen Software gehört. Dass FBI und auch russische Behörden ähnliche Software längst ganz normal nutzten, war ihm klar. Dass aber eine Detektei in Deutschland eine Lizenz zum Testen nutzen durfte und das genau wir diese Detektei waren, das war das Letzte, was er zu träumen gewagt hätte. Wir nannten kurz ein paar Fälle, bei denen wir mit Hilfe dieser Software bereits die Täter überführen konnten. Und so baten wir Jürgen darum, uns die Nummern der Reisepässe und Personalausweise und eventuelle Kreditkartennummern zu besorgen. Wir würden diese Daten unserem Computer geben. KIKEBE könnte überwachen, ob diese Daten seit dem Verschwinden der drei Frauen an Flughäfen, Bankautomaten oder an sonstigen Orten aufgefallen waren. Denn während wir hier in dieser Region ermitteln und nach ihnen suchen würden, könnten sie längst in einer ganz anderen Region Europas oder sogar auf einem ganz anderen Kontinent sein.

Bei diesem ersten Treffen mit dem Kommissar Jürgen Meisler waren wir sehr ins Gespräch vertieft. Das lag zum einen daran, dass es hier um eine komplexe Suche gehen würde. Aber auch die Neugier des Polizisten machte sehr ausführliche Überlegungen und Erläuterungen notwendig. Und so haben wir gar nicht bemerkt, wie die Zeit verging. Erst als Jürgens Magen unüberhörbar knurrte, wurde es uns bewusst. Auch für uns war es inzwischen Zeit, den Magen etwas zu füllen. Wir beschlossen, gemeinsam zu unserem griechischen Restaurant zu gehen. Es war mitten in der Woche. Und in dem Restaurant gab es gerade nicht viele Gäste. So konnten wir uns an einem Tisch am Rand des kleinen Nebenraumes setzen, um ungestört noch etwas über diesen aktuellen Fall zu reden.

Jürgen sollte uns noch etwas über die Veranstaltungen der Kandidatinnen erzählen. Wir wollten wissen, nach welchen Kriterien die Hopfenkönigin ausgewählt wurde. Da gab er uns zu verstehen, dass die Wahl eigentlich keine reelle Wahl ist. Die Kandidatin muss nur verführerisch aussehen, um genug Begeisterte anzulocken, die bei den öffentlichen Auftritten der Hopfenkönigin für ein großes Publikum sorgen und den Bierumsatz steigen lassen. Wenn die Auswahl zu groß ist, würde dann manchmal auch ein Umschlag helfen, den die Eltern der Kandidatin der Jury zukommen lassen könnten. Wobei die letzte Möglichkeit offiziell gar nicht in Betracht kommen würde. Jürgen erzählte uns, dass bei diesen Vorbereitungstreffen schon ausgesiebt werden würde. Wer absolut keine Ahnung von der Braukunst hätte und auch nichts darüber lernen würde, wurde sofort wieder nach Hause geschickt. Auch mussten sie genug Kraft mitbringen. Sollten sie doch nach jedem Anstich des ersten Bierfasses bei den einzelnen Festen die ersten Maßkrüge an die offiziellen Gäste verteilen können. Und dazu musste jede Königin mindestens fünf Maßkrüge in jeder Hand tragen können. Es war auch schon mal die Rede von Jurymitgliedern, die den weiblichen Reizen der Kandidatinnen verfallen waren und für gewisse körperliche Zuwendungen einzelne Mädels in den Ausscheidungsrunden bevorzugt hatten.

Wir wollten alles erfahren. Schließlich mussten wir wissen, ob wir dort ein Motiv finden konnten. Und da kam uns die Idee. Wenn jetzt ein Jurymitglied erst mit einer Kandidatin geschlafen hätte und diese ihn dann drohte, es öffentlich zu machen. Das wäre doch ein Motiv. Er müsste aber dann schon dumm sein, auch mit zwei weiteren sich erst mit gewissen körperlichen Gesten bestechen und anschließend erpressen zu lassen. Aber auch dies könnte ein möglicher Ansatz sein.

Wir wollten auch noch wissen, ob es vielleicht doch Entführungen sein konnten. Diese drei Frauen sahen echt verführerisch hübsch aus. Wenn sie einen Mann verführen wollten, würde er bestimmt nicht ablehnen. Es muss also keine Entführung für eine Lösegeldforderung sein. Vielleicht wurden sie auch entführt, um in Laufhäusern zu arbeiten. Immerhin hört man immer wieder von sogenannten „Loverboys“. Dazu müssten wir aber unbedingt die Zimmer der Mädels durchsuchen und eventuelle Tagebücher finden. Auch die engsten Freundinnen der Mädels könnten etwas wissen.

Nachdem wir unser Abendessen beendet hatten, verabschiedeten wir auch den Kriminalkommissar. Am nächsten Vormittag würden wir ihn an der Berufsschule in Scheyern treffen. Bis dahin würden wir die Fragebögen ausarbeiten und mitbringen.

Wir gingen in unser Arbeitszimmer und legten genug Holz in den Kamin. Während Sophie und Daniela sich um die Gestaltung der Fragebögen für die Angehörigen der Vermissten kümmerten, gestaltete Daniel die Unterlagen für die Gespräche mit den Freunden und Klassenkammeraden der gesuchten jungen Frauen. Ich dagegen kümmerte mich um die Vorbereitung der Gespräche mit den noch vorhandenen Kandidatinnen und mit der Jury der Wahl. Mit diesen vorbereiteten Gesprächsprotokollen wollten wir stets dafür sorgen, dass bei keinem Gespräch eine Frage ausgelassen wurde. Auch wollten wir bei den Gesprächen mit den einzelnen Personengruppen stets eine gewisse Struktur der Interviews einhalten. So könnten wir sicherstellen, dass unser Computer schnell zu möglichst genauen Ergebnissen bei der Auswertung aller Gespräche kommen konnte. So war der Abend schnell vorbei. Kurz vor Mitternacht folgten wir den Rufen unseres Bettes.

Am nächsten Morgen wurden wir noch vor dem Wecker aus dem Schlaf gerissen. Die Sirene auf dem Dach des Rathauses ertönte mit ihrem schrillen Ton, der unter die Haut ging. Das ist stets ein Grund aus den Fenstern in alle Richtungen zu schauen, ob eventuell die Villa des Nachbars in Flammen steht und er eventuell Hilfe bräuchte. Aber das war nicht der Fall. Da wir nun einmal wach waren, starteten wir in den Tag. Es war fünf Uhr am Morgen. Daniel ging in unser Frühstückszimmer und legte Holz in den Kamin, um uns ein wohliges Klima vorzubereiten. Sophie überprüfte kurz den Inhalt des Kühlschrankes und stellte schon mal die Butter aus dem Kühlschrank auf dem Esstisch. Dann gingen wir kurz in den warmen Whirlpool. Vor sechs Uhr könnten wir nicht frühstücken, da der Bäcker erst dann aufmachen würde. Also hatten wir noch fünfundvierzig Minuten, bevor einer von uns frische Semmeln holen könnte. Aber im Wasser vergnügten wir uns nicht nur. Die intimen Aktivitäten waren nicht die Hauptbeschäftigung. Wir nutzten diese Zeit, um noch einmal zu bereden, wie wir die Gespräche führen wollten. Zusammen mit dem Kommissar waren wir fünf Ermittler. Also wäre einer übrig, da wir paarweise ermitteln wollten. Drei Ermittler und eine zu befragende Person ist auch immer etwas seltsam. Also einigten wir uns darauf, dass Daniela mit Daniel und Sophie mit dem Kommissar die Berufsschüler befragen sollten. Ich würde die Zeit nutzen und den Schulleiter und das Lehrpersonal befragen. Wobei ich letztere Aufgabe als die schwierigere einstufen würde. War es doch immer das Ziel des Lehrkörpers ihr Bildungsinstitut in kein schlechtes Licht zu rücken und möglichst keine negativen Dinge auszusprechen.

Die Zeit im Pool war längst vorbei. Sophie hatte den Frühstückstisch gedeckt, Daniela war beim Bäcker und wir Männer hatten noch einmal die Formulare und unsere iPads überprüft. Ziel war es, die Formulare nach jedem Gespräch einscannen und auf unseren Server laden zu können. Daniel hatte schon längst für diesen Fall einen neuen Ordner eingerichtet. Auch hatte er eine Routine programmiert, so dass der Computer die Daten aus den Gesprächsprotokollen tabellarisch abspeichern konnte. So könnte er sofort nach dem Termin in der Berufsschule und den späteren Befragungen der anderen Personengruppen mit der Auswertung der Informationen beginnen.

Nach dem gemeinsamen Frühstück fuhren wir zügig nach Scheyern. Auf der Autobahn war mal wieder Stau in der ewigen Baustelle gemeldet. So entschieden wir uns über die Bundesstraßen sechszehn und dreizehn zum Treffpunkt mit dem Kommissar Jürgen Meisler zu fahren. Wir stellten unser Auto auf dem Parkplatz der Klosterschenke ab, wo bereits Jürgen auf uns wartete. Kurz zeigten wir ihn die von uns vorbereiteten Unterlagen und nannten ihn unsere Aufteilung. Dann ging es hinein in diese Berufsfachschule für Landwirtschaft. Gemeinsam sprachen wir im Sekretariat vor und baten darum, uns eine reibungslose und zügige Befragung aller Lehrer der Schule und der Klassenkammeraden der drei blonden Kandidatinnen zu ermöglichen. Auch sollte dafür gesorgt werden, dass niemand das Schulgelände verlassen konnte, bevor er mit uns gesprochen hatte. Da wir den Freund der vermissten Frauen auch hier in der Schule vermuteten, wollten wir natürlich vermeiden, dass er eventuell unseren Gesprächen entkommen konnte.

Schnell hatten wir mit der Sekretärin alles besprochen. Uns wurden für die Befragung der Schüler zwei Vorbereitungsräume zur Verfügung gestellt. Für die Befragung des Schulleiters, der Sekretärin und aller anderen Lehrer durfte ich eines der beiden Lehrerzimmer nutzen. Hier gab es tatsächlich zwei getrennte Lehrerzimmer. Das war allerdings der Zeit geschuldet, als die Lehrer im Schulgebäude rauchen durften. So hatten die nichtrauchenden Lehrer meist mehr Platz zur Verfügung, weil sie damals in der Minderheit waren.

Ich begann mit der Befragung der Sekretärin. Es war eine pflichtbewusste und sehr gut organisierte Frau älteren Semesters. Wobei sie trotzdem noch attraktiv aussah. Ihr Wortschatz war sehr gepflegt und ihre Blickte trotz des Alters sehr verführerisch. Allerdings wollte ich von ihr nur wissen, ob weitere Schülerinnen seit einiger Zeit dauerhaft der Schule ferngeblieben sind. Auch wollte ich wissen, ob es junge Lehrer gab, die erst kürzlich auf diese Schule gewechselt hatten oder sie inzwischen an einer anderen Schule unterrichten würden oder sich vor Kurzem krankgemeldet hatten. Mein Gespräch mit der Sekretärin dauerte nur fünfzehn Minuten. Sie beantworte mir jede Frage offen und direkt. Nur konnte sie mir keine Antworten geben, die ein Ansatz für weitere Ermittlungen darstellen konnten. Danach nahm sich der Schulleiter Zeit für mich. Auch das Gespräch mit ihm dauerte nicht lange. Fragen zum Personal konnte er kaum beantworten. Ihm war anzumerken, dass er sich kaum um seine Kollegen kümmerte. Auch die Schüler an sich interessierten ihn nicht viel. So konnte er keine meiner Fragen beantworten. Seine ganze Aufmerksamkeit galt generell dem Image der Berufsschule. In seinen Augen war die Konkurrenz unter den Berufsschulen sehr groß. Und erwartungsgemäß hielt er mir einen Vortrag, wie wichtig Diskretion in diesem verflixten Fall für ihn und seine Lehrer sein würde. Auch auf meine direkte Frage, ob ihm das Verschwinden von drei seiner Schülerinnen nicht wichtiger wäre als der Ruf in der Öffentlichkeit, änderte er seine Einstellung nicht. Da das Gespräch keine interessanten und für unsere Ermittlungen relevanten Informationen bringen würde, bedankte ich mich ganz höflich für die Zeit, die er mir geopfert hatte und ließ mich anschließend von seiner netten Sekretärin zu dem Lehrerzimmer führen, in dem ich das Lehrpersonal befragen durfte.