Orlando - Lady Coeur Noir - E-Book

Orlando E-Book

Lady Coeur Noir

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Beschreibung

Orlando öffnet die Tür in sein Innerstes – in die dunkle, glänzende Welt grenzenloser Hingabe. Als devote Zofe, Diener und Lustobjekt lebt er ganz im Dienst seiner Herrin. Schmerz und Demütigung sind für ihn keine Strafe, sondern pure Lust. Er wird verliehen, benutzt, erniedrigt – und findet darin seinen wahren Platz. Mit jedem Stück Latex, das er anzieht, mit jedem Schlag der Peitsche und jeder neuen Form der Feminisierung wächst seine Erfüllung. Natursekt, Keuschhaltung, schmerzhafte Rituale: Orlando lernt, all das nicht nur zu ertragen, sondern zu begehren. Als seine erste Herrin ihn verlässt, droht Orlando an seiner Leere zu zerbrechen. Doch seine Reise ist noch nicht zu Ende – eine neue, Domina nimmt ihn auf und formt ihn aufs Neue. Ein bewegender, erotischer Bericht, bei dem die Grenzen zwischen Realität und Wunschdenken verschwimmen. In Orlandos Leben dreht sich alles um Macht, Ohnmacht und den Stolz, als Besitz dienen zu dürfen. Für alle, die sich in der Welt von Latex, Spanking, Feminisierung und Dienst wiederfinden – dominant oder devot.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 311

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Nachwort
Erklärungen zu BDSM
Weitere SM-Bücher

Lady Coeur Noir

Orlando

Aus dem Leben eines BDSM-Sklaven

ISBN 978-3-98704-012-2

(c) 2025 fetischbuch

1. Auflage 2025

www.fetischbuch.de

Alle Rechte vorbehalten.

Coverfoto: © Coverfoto: © VJ Dunraven / stock.adobe.com

Lektorat: Lukas Tamper

Die auf dem Cover abgebildete Person steht in keinem Zusammenhang mit dem Inhalt des Buchs!

Hinweis

Dieses E-Book ist nur für Erwachsene geeignet, die sadomasochistischen Praktiken offen gegenüberstehen.

Alle beschriebenen Handlungen erfolgen in gegenseitigem Einverständnis zwischen Erwachsenen.

Die Geschichte ist der Fantasie der Autorin entsprungen und die Handlungen und Sexualpraktiken sind nicht geeignet nachgeahmt zu werden. Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, BDSM zu praktizieren, informieren Sie sich über Risiken und Sicherheitsvorkehrungen.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und rein zufällig.

Viel Spaß beim Lesen dieses Buches.

Vorwort

2014 lernte ich Orlando persönlich kennen.

Für eine kurze Weile war er mein hingebungsvoller Sub, Diener und Begleiter beim Sushi-Essen.

Irgendwann 2015 bat er mich, mir Texte schicken zu dürfen. Er übersandte mir eine ganze Menge an, in sich abgeschlossener, aber aufeinander aufbauender, kurzer Texte. Diese sichtete ich kurz, war mir aber nicht schlüssig, ob ich damit etwas anfangen wollte oder nicht.

Die Texte waren teilweise sehr sprunghaft, mal im Präsens, mal im Präteritum geschrieben, dazwischen Abbildungen in einem Fünfzigerjahre-Fetisch-Comic-Stil, die dem Inhalt nicht wirklich dienlich waren. Jeder zweite Satz fing mit »Und« an und an der Interpunktion haperte es auch gewaltig.

Da ich bereits einige Bücher veröffentlicht hatte, die nichts mit BDSM oder Fetisch zu tun haben, bot ich ihm an, diese Texte zu überarbeiten, dass daraus ein Buch entstehen könnte.

Für mehrere Jahre lagen diese Texte, grob überarbeitet und zusammengefasst, auf meiner Festplatte. Ende 2023 entschloss ich mich, diese Texte zu überarbeiten, die Namen der Protagonistinnen zu »veredeln« und eine Einleitung zu verfassen. Eine Einleitung in die BDSM-Handlungen fehlte nämlich völlig. Es gab keinerlei Hinweise darauf, wie sich Orlando und seine innig geliebte Herrin, Madame Elisabeth, kennengelernt und gefunden hatten.

Diese erste Begegnung und die frühe Zeit des Kennenlernens ist meine Erfindung, meine Idee, und ich denke, dass Orlando sehr zufrieden damit sein würde. In dieser Einleitung gebe ich ihm einen ausgedachten Namen, um seine Identität zu schützen. Natürlich kenne ich seinen richtigen Namen.

Orlando existiert wirklich, er ist ein Mann aus Fleisch und Blut. Was er in seinen Texten tatsächlich erlebt, was Fantasie ist, mag ich nicht zu beurteilen, weil ich nicht mit dabei war. Ich erkenne aber anhand seiner Beschreibungen, Orte, Personen und Teile seiner »Spielzeuge«, von denen er mir auch einige überlassen hatte.

Lady Coeur Noir, im Frühjahr 2024

1

Ich traf sie das erste Mal im Zug. Auf meinem Heimweg von München nach Hamburg stieg sie in Frankfurt in mein Abteil, das ich seit Nürnberg für mich alleine hatte.

Es war schon spät, gegen Mitternacht sollte der Zug in Hamburg ankommen, noch vier Stunden Fahrt. Mit dem Examen in der Tasche konnte ich nun als Assessor in der Kanzlei meines Onkels anfangen und Franziska, meiner Freundin aus Kindheitstagen, endlich den langersehnten Heiratsantrag machen.

Sie war schlicht aber elegant gekleidet, ein dunkelgraues Kostüm, enger Rock, tailliertes Jackett, eine beige Bluse und auffallend hohe, schwarze Stöckelschuhe. Dazu eine schwarze, lederne Handtasche. Das dunkelblonde Haar war zu einem lockeren Knoten gebunden, ihr Gesicht dezent geschminkt. Ein wenig Lidschatten, Wimperntusche, zartes Rouge und ein unauffälliger Lippenstift.

Ich schätzte sie damals auf ungefähr Mitte vierzig. Sie hätte die jüngere Schwester meiner Mutter sein können, eine Dame von Welt.

Ihr Blick ruhte kurz aber eindringlich auf mir, ich spürte förmlich ihre Energie und Kraft, die das ganze Abteil ausfüllte. Mir wurde warm. Nein, heiß, und ich blickte aus dem Fenster, hinaus auf den Bahnsteig, wo Menschen hin- und her hasteten. Koffer und Taschen in den Händen, kleine Kinder hinter sich her zerrend. Alles verschwamm, als der Zug Fahrt aufnahm und immer schneller werdend den Bahnhof verließ.

In der Spiegelung im Fenster konnte ich sehen, wie sie sich mir schräg gegenüber hingesetzt hatte und gerade dabei war, ihre Stöckelschuhe auszuziehen. Verlegen fing ich an, in meiner Reisetasche nach der Tageszeitung zu kramen, als mir dabei einer meiner Kugelschreiber entglitt und auf den Boden fiel. Genau vor ihre Stöckelschuhe. Ich beugte mich vor, um den Schreiber aufzuheben, als sich plötzlich ihr seidenbestrumpfter Fuß auf meinem Kugelschreiber niederließ.

»Verzeihung«, ich blickte zu ihr auf, doch ihr Fuß blieb, wo er war.

Rot lackierte Nägel hielten meinen armen Schreiber fest auf dem Boden. Sie beugte sich etwas vor, näher zu mir, und ich konnte ihr zartes Parfum riechen, blumig, Rosen und Veilchen.

»Ich mag es, wenn Männer vor mir knien«, sagte sie leise zu mir. Eine dunkle Stimme, streng und bestimmend.

Sie nahm ihren Fuß von meinem Stift und ich griff schnell danach und setzte mich wieder aufrecht auf meinen Sitz. Die Zeitung war zerknüllt und ich saß halb darauf, musste mich noch einmal erheben, um sie unter meinem Hinterteil hervorzuziehen. Ich bemerkte ein spöttisches Lächeln um ihre Lippen. Es machte mich noch nervöser, als ich eh schon war. Hastig versuchte ich, die Zeitung wieder zu glätten und die Seiten in die richtige Reihenfolge zu sortieren.

»Verwirre ich dich so sehr«, fragte sie leise aber bestimmt.

»Äh, nein. Nein«, stammelte ich und wusste nicht, wohin ich blicken sollte. Zum Fenster hinaus, das wäre unhöflich gewesen. Ihr ins Gesicht? Zu aufdringlich. Auf die Füße? Ihre Beine? Die Brüste? Wie unverschämt von mir! Ich senkte den Blick auf meine Hände, die die zerknüllten Zeitungsseiten hielten. Und den Kugelschreiber.

»Möchtest du mir nicht deinen Namen nennen«, forderte sie mich auf.

»Matthias. Matthias Christensen«, flüsterte ich, räusperte mich, denn ich hatte einen unerklärlichen Kloß im Hals. Ein Schweißtropfen lief mir die Wirbelsäule hinunter. Bis in den Spalt zwischen meinen Pobacken.

»Nun, Matthias. Diese zufällige Begegnung hier in diesem Zugabteil kann für dich der Beginn eines komplett neuen Lebens sein. Oder wir werden uns nie wieder begegnen. Es liegt an dir.«

Sie hielt mir ihren Fuß entgegen und ich wusste im Moment nicht, was ich damit tun sollte.

»Der Schuh! Zieh mir den Schuh an!«

Ich blinzelte verwirrt, griff mir einen der schwarzen Stöckelschuhe und versuchte ihn, ihr auf den Fuß zu stülpen.

»Dummkopf«, fauchte sie mich an. »Das ist der falsche Schuh!«

»Oh«, entfuhr es mir und ich bückte mich, um den anderen Schuh aufzuheben. Diesmal gelang es mir, ihr den Schuh ohne große Probleme an den Fuß zu ziehen. Sie hielt mir ihren anderen Fuß entgegen und es gelang mir auf Anhieb, ihr den richtigen Schuh anzuziehen.

Sie stand auf und ich musste zu ihr aufblicken. Ihre Hand fuhr durch meine Haare und über meinen Kopf und eine glühende Welle durchströmte meinen Körper, rief widerstrebende Gefühle in mir hervor. Sexuelles Verlangen, Hingabe, Sehnsucht, Angst. Angst vor Kontrollverlust.

»Ich gehe ins Zugrestaurant. In der Zwischenzeit, bis ich zurückkomme, kannst du dir überlegen, ob du mich näher kennenlernen möchtest. Und ob du bereit bist, dich auf völlig neue Erfahrungen einzulassen.«

Sie gab mir eine leichte Ohrfeige, einen zarten, aber bestimmten Klaps, öffnete die Schiebetür des Abteils und verschwand den Gang hinunter in Richtung Zugrestaurant.

Ich holte tief Luft und blickte aus dem Fenster. Draußen war es stockdunkel und ich sah nur die Reflexion meines eigenen Gesichts, das leere Abteil, die Sitze, die Koffer. Gelegentlich huschten die Lichter von Häusern und Dörfern vorbei.

Wer war diese Frau, deren Namen ich noch nicht einmal wusste? Warum rief sie so widersprüchliche Gefühle in mir hervor? Wollte ich sie wirklich wiedersehen? Mich gar auf eine Affäre mit ihr einlassen? Denn so verstand ich ihre Aufforderung, ihr Angebot. Würde ich damit Franziska betrügen? Sie gar verleugnen? Und was meinte sie mit den völlig neuen Erfahrungen, die ich mit ihr machen könnte?

Der Zug hielt in Kassel, später in Hannover, wo ein älteres Ehepaar ins Abteil zustieg.

Sie war noch nicht aus dem Restaurant zurückgekommen, aber ihr Koffer lag noch oben in der Ablage. Erst kurz vor Hamburg kam sie zurück, setzte sich wieder auf ihren Platz und sah mich mit undurchdringlichem Blick an. Als der Zug schon langsam über die Elbbrücken in den Bahnhof in Hamburg einfuhr und das Ehepaar sich bereits auf den Weg zur Zugtür machte, reichte sie mir ihre Visitenkarte, die sie aus ihrer Handtasche kramte.

»Überleg es dir. Ich würde mich freuen, dich in die Kunst der Hingabe einzuweihen, Matthias«.

Während sie ging, starrte ich auf die Visitenkarte. Sie hieß Elisabeth. Diese kleine Karte war wie eine Verheißung für mich, ermöglichte sie mir doch, mit ihr Kontakt aufzunehmen.

2

Unser erstes Telefonat.

Sie sagte, meine Stimme sei ihr sympathisch, ein angenehmes Hin- und Her, freundliches Abtasten am Telefon. Dann plötzlich ein kleiner Umschwung in ihrer Stimme, Strenge:

»Hast du dich entschieden, ob du mich näher kennenlernen willst? Wenn du das willst, wirst du von nun an tun, was ich dir sage. Diese Abmachung gilt bis zu unserem ersten Treffen. Also …?«

Meine Stimme versagte. Heftiges Herzklopfen.

»Ich möchte Sie gerne näher kennenlernen.«

»Sprich lauter, deutlicher«, quittierte sie mein Gestammel. »Und du hast etwas vergessen.«

Mit immer noch zittriger Stimme versuchte ich es erneut: »Ich möchte Sie gerne näher kennenlernen, bitte!«

»Knie dich hin und hör mir zu. Von nun an wirst du immer knien, wenn wir telefonieren. Die Hand, die den Hörer nicht hält, legst du mit der Handfläche nach oben auf deinen Oberschenkel. Dein Blick ist dabei immer nach unten gerichtet. Und du beendest jeden Satz entweder mit: Ich danke Ihnen, Madame! Ja, Madame oder Nein, Madame. Hast du das verstanden?«

Ich nicke. Dann fiel mir ein, dass sie mich ja gar nicht sehen konnte, und außerdem hatte sie mir eben eine Anweisung gegeben.

»Ja, Madame!«

»Außerdem, bis zu unserem ersten Treffen hast du absolutes Verbot, dich sexuell zu betätigen. Nun?«

»Ich danke Ihnen, Madame«, schien mir die richtige Antwort, aber ich war weiter unsicher.

»Ich glaube, du hast die erste Regel nicht befolgt. Du bist einfach sitzen geblieben. Ist die Regel zu schwer für dich?«

Ihre leicht bissige Ironie ließ mich wortlos schlucken, machte mich sprachlos, klein. Zögerlich brachte ich ein zaghaftes »Nein« heraus.

»Schon wieder«, hörte ich sie in mich dringen.

»Nein, ich danke Ihnen, Madame«, verbesserte ich mich schnell, während ich mich gleichzeitig auf die Knie vor dem Telefontisch begab und meine linke Hand auf den Oberschenkel legte.

»Du wirst schneller lernen müssen, wenn du mich willst.«

»Ja, ich danke Ihnen, Madame.«

Das war knapp, gerade noch dran gedacht! Ich war durcheinander, zitterte innerlich, aufgebracht wie ein Reh, das den Hund des Jägers bemerkt hat.

»Gut. Bis morgen möchte ich von dir einen Bericht über deine beiden wichtigsten Erfahrungen als Mann. Schreib mir auf, warum sie besonders wichtig für dich waren. Und ich möchte diesen Bericht handschriftlich. Ich mag keine maschinengeschriebenen Briefe.«

»Ja, ich danke Ihnen, Madame«, war jetzt meine prompte Antwort.

Sie legte auf.

Einen Bericht schreiben, zur Post bringen, wann sollte ich das schaffen?, raste es durch meinen Kopf. Und was waren meine beiden wichtigsten Erfahrungen als Mann? Warum wollte sie das wissen?

Ich war unfähig, mich in dieser Situation zu konzentrieren oder gar zu schreiben. Nach einer guten Stunde klingelte das Telefon.

»Bist du fertig?«

»Nein, ich weiß nicht, was ich in den Bericht schreiben soll. Was sind meine wichtigsten Erfahrungen als Mann?«

»Du hast gegen beide Regeln verstoßen!«

Ich ging auf die Knie, zu spät.

»Ja, ich danke Ihnen, Madame.«

Das Klicken am anderen Ende der Leitung war die Antwort.

Tiefes Durchatmen und ich saß vor meinem leeren Blatt Papier und überlegte, welche Erfahrungen für mich wohl die Wichtigsten gewesen waren.

Zum Einen war das die Ohrfeige von Katharina, damals, als sie ernsthaft in mich verliebt war und ich sie so sehr kränkte durch mein Geständnis der fortgesetzten Suche nach der perfekten Frau. Es war die Echtheit dieser Ohrfeige und die Schläge hinterher, ihre Entschlossenheit, ihr »da hilft dir jetzt auch kein Flehen«. Für einen Moment hatte ich gefunden, was ich suchte. Nur wusste ich es damals noch nicht, konnte es ihr deshalb nicht sagen.

Die zweite Erfahrung hatte ich mit Franziska, meiner Freundin seit dem Kindergarten. Das Vertrauen, die Freundschaft, das Gefühl, einfach füreinander bestimmt zu sein. Wie zwei Seiten einer Medaille. Ohne den anderen sind wir nicht komplett. Auch das ist ein Grund, warum wir heiraten wollten. Aber bei ihr fehlte mir etwas. Sie war nicht so bestimmend und entschlossen wie Elisabeth, die ich ab sofort Madame nennen musste.

Ich machte mich an das Schreiben, lief mit dem Brief zum nächsten Briefkasten, entschied mich doch zum Hauptbahnhof zu fahren, um ganz sicherzugehen, dass der Brief auch pünktlich ankommen würde. Aufregung und Herzklopfen begleiteten mich. Und das seltsame Gefühl, dass Madame Elisabeth jeden meiner Schritte überwachte.

3

Ein paar Tage später rief sie mich an.

Es war ein ganz normales Telefonat. Sie fragte nach meinen Interessen, erzählte mir von ihren, von Oper, Konzerten, Filmen mit englischem Humor, Rotwein und italienischem Essen.

Nach einer halben Stunde dann eine kleine Wende, ganz unerwartet. Ihre Stimme wirkte klarer jetzt, herzlich und warm:

»Ich muss jetzt Schluss machen. Ach ja, du wirst mir eine Auflistung deiner Sexspielzeuge und deiner Kleidung machen. Und dann schreibst du einen Bericht darüber, was Hingabe für dich bedeutet. Und noch etwas! Ich möchte, dass du ab morgen unter deiner Kleidung Damenstrümpfe trägst – und einen Damenslip. Das ist von nun an deine Kleidung, an allen Wochentagen und von morgens bis abends. In einer Woche werden wird wieder telefonieren. Dann berichtest du mir, wie es dir damit ergangen ist.«

»Ja, ich danke Ihnen, Madame!«

Sie legte auf. Ich träumte ein paar Minuten vor mich hin bevor ich erkannte, wie spät es schon war. Schnell zu Karstadt und die Strümpfe und den Slip kaufen.

Mein telefonischer Bericht hatte zwei Kernpunkte. Da war dieses eigenartig-wunderbare Gefühl, durch das Tragen der Strümpfe ständig an SIE erinnert zu werden. Und dann kam die Erfahrung dazu, mich auf der Toilette immer hinsetzen zu müssen. Beim Sport hatte ich mich erst sehr unwohl und gedemütigt gefühlt. Ich musste gestehen, dass ich daran gedacht hatte, die Strümpfe vor dem Sport auszuziehen.

Madame Elisabeth gefiel mein Bericht. Unser Telefonat, bei dem wir auch einige Reiseerlebnisse austauschten, endete wie das davor mit ein paar Befehlen.

In der nächsten Woche wollte sie mich treffen. Dafür solle ich mir Eyeliner besorgen und um die Augen auftragen. In der ersten Stunde unseres Treffens dürfte ich ihr unter keinen Umständen direkt ins Gesicht sehen. Für jede Aktivität müsste ich sie um Erlaubnis bitten. Meine Aufmerksamkeit dürfte auch nicht für einen kurzen Moment von ihr abwesend sein. Und ich hätte ihr in drei Tagen ein Restaurant vorzuschlagen, dort einen Tisch zu bestellen und dort mit dem Rücken zur Tür zu sitzen und auf sie zu warten.

So trafen wir uns eine Woche später in einem italienischen Restaurant. Wir hatten am Telefon keinen Zeitpunkt verabredet. In meinem Brief hatte ich 19.00 Uhr vorgeschlagen. Ich war pünktlich. Sie war noch nicht da, was ich allerdings auch nicht erwartet hatte. Ich setzte mich. Bestellte mir einen Espresso. Und wartete. Ich wartete lange. Nach einer halben Stunde begann ich zu zweifeln. Sie ließ mich weiter warten. Mehrfach war ich versucht, mich zur Tür umzudrehen. Aber ich widerstand. Um genau 20.00 Uhr näherten sich Schritte. Automatisch stand ich auf. Ich fühlte, dass SIE es war. Ich hielt meinen Blick gesenkt. Mit meinen Händen machte ich Anstalten, ihr aus dem Mantel zu helfen. Gar nicht so einfach sie dabei nicht direkt anzuschauen. Ich gab den Mantel dem herangeeilten Kellner. Sie setzte ich.

»Setz dich«, forderte mich ihre warme Stimme auf.

Ich war erlöst. Fast hätte ich sie vor Freude zur Begrüßung angesehen.

»Du bist sehr gehorsam«, lobte sie mich, »aber wie kommst du dazu, dir eigenmächtig einen Kaffee zu bestellen?«

Ich bat um Entschuldigung. Jetzt war ich wieder total verunsichert. Sie verstärkte dieses Gefühl, indem sie mich daran erinnerte, dass die Anrede nicht nur für das Telefon gelte.

Schnell fügte ich ein: »Ich danke Ihnen, Madame«.

»Ich werde dir nun sagen, wie ich mir unsere Beziehung vorstelle. Fürs Erste möchte ich eine Wochenendbeziehung. Du wirst mir jedes zweite Wochenende ab Freitag zur Verfügung stehen. Sonntags ab 14 Uhr hast du dann wieder frei. Das bedeutet nicht, dass wir in dieser Zeit immer zusammen sind. Aber deine Zeit, auch wenn du bei dir zu Hause bist gehört mir. Allerdings wirst du auch während der Woche alle meine Befehle ausführen. Dabei werde ich selbstverständlich deine beruflichen Verpflichtungen respektieren.

Nun zu deinen Aufgaben. Du wirst für mich kochen, für mich aufräumen, mich umsorgen, mich massieren und ganz nach meinen Wünschen verwöhnen. Und du wirst mir bestimmte Alltagsentscheidungen abnehmen und sie ganz in meinem Interesse selbst treffen. Du wirst Restaurants auswählen, Opernkarten besorgen, Filme aussuchen. Du wirst nicht mein einziger submissiver Diener sein, es wird auch andere für mich geben. Aber du hast mit absolut treu zu sein. Unsere Beziehung steht für dich an erster Stelle, du wirst für mich Neues lernen, und du wirst alles, was du für mich tust, gern tun. Ich möchte fühlen können, dass du stolz darauf bist, mir zu gehören. Und du wirst durch Selbstreflexion daran arbeiten, dein männliches Dominanzverhalten abzulegen und durch weibliche Gefühlstiefe zu ersetzen. Ohne meine Erlaubnis darfst du dich nicht befriedigen oder irgendwie sexuell aktiv sein, aber ich werde dir gestatten, einmal im Monat abzuspritzen.

Du wirst ein Tagebuch für mich führen, in dem du täglich alle deine Gedanken und Fehler notierst. Und du wirst lernen, deine Bedürfnisse in konkreten Wünschen an mich zu formulieren. Du darfst dir alles Wünschen. Aber ich entscheide, was ich dir gestatte.«

Nach dieser Ansage und meinem »Ja, ich danke Ihnen, Madame« bestellte sie für uns Pasta und ein Glas Prosecco.

Dann ließ sie mich erzählen, fragte nach Erfahrungen, nach Wünschen und forderte mich auf, ihr zu erzählen, wie ich ihr dienen wollte. Ich begann zu erzählen. Der Kellner muss sich gewundert haben, dass ich immer nur mit gesenktem Blick da saß. Er brachte den Prosecco. Sie trank. Ich wollte auch trinken, besann mich dann. Wartete auf ihre Erlaubnis. Nach einiger Zeit bat ich, trinken zu dürfen.

»Bitte, Madame, ich wünsche mir, mit Ihnen trinken zu dürfen«.

Sie stieß mit mir an. Ihr »Santé« beantwortete ich mit »Santé, ich danke Ihnen Madame«.

Wir tranken und ich erzählte weiter. Unser Essen kam, ich sprach weiter. Sie forderte mich auf zu essen. Und irgendwann zwischendurch sagte sie: »Du hast nicht auf die Zeit geachtet. Die Stunde ist um.«

Zuerst verstand ich nicht, dann wurde mir auf einmal klar:

»Ich danke Ihnen Madame«, und ich sah ihr das erste Mal, seit unserer ersten Begegnung im Zug nach Hamburg, ins Gesicht.

Das war sie also. Ich war sprachlos. Schöne braune Augen und ein bezauberndes Lächeln. Ich lächelte verlegen zurück, sie lachte laut. Ich lachte mit. Die Situation hatte auch etwas Komisches. Ich genoss es. Ich erzählte weiter, aber auch sie erzählte von sich. Wir tauschten Interessen und Geschichten aus. Es war plötzlich so entspannt, dass ich fast vergaß, meine Regeln einzuhalten. Sie ließ mich einen Wein aussuchen, wir verwirrten lachend den Kellner, als er mir das Glas mit dem ersten Schluck zum Kosten einschenkte, ich ja nicht ohne Erlaubnis trinken durfte, sie um Erlaubnis fragte und vor dem Kellner ganz souverän mit einem »Ich danke Ihnen, Madame« zum Probieren überging.

Wir lachten noch viel. Dann wurde sie wieder ernst. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen. Ich solle mir überlegen, ob ich ihre Bedingungen akzeptiere und auch sie würde sich Bedenkzeit nehmen. In drei Tagen würde sie mich zur üblichen Zeit anrufen. Ich hätte sie dann darum zu bitten, ihr dienen zu dürfen, und sie würde meine Bitte annehmen oder ablehnen.

»Wir sollten jetzt gehen!«

Ich zahlte, half ihr in den Mantel und begleitete sie aus dem Restaurant.

»Überlege es dir gut«, verabschiedete sie sich.

»Ich danke Ihnen, Madame« waren meine letzten Worte und sprachlos sah ich, wie sie sich umdrehte, und meine Augen folgten ihren Schritten mit sehnsüchtigem Blick.

4

Zwei Jahren waren wir schon zusammen. Anfangs jedes zweite Wochenende, dann verlangte Madame Elisabeth, dass ich ein weiteres Wochenende für sie zur Verfügung stehen sollte, nur wartend. Dann kam ein Wochentag dazu.

Nachdem unsere Vereinbarung abgemacht war und schriftlich, als Vertrag festgehalten wurde, erhielt ich immer mehr Regeln und Anweisungen.

Ich hatte meinen Körper ständig zu rasieren, trug an bestimmte Tagen (auch bei der Arbeit) ein Korsett, dass immer enger geschnürt wurde und mir das Gefühl verschaffte, ihren Druck ständig zu spüren. Wenn ich bei ihr war, war ich fast immer nackt oder trug weibliche Kleidung, die sie mit mir gemeinsam einkaufte, nicht ohne mich vor den Verkäuferinnen zu demütigen.

In dieser Zeit wurde ich aufmerksamer, zufriedener, glücklicher. Es wirkte sich sogar auf meine Arbeit positiv aus. Auf ihren Befehl und unter ihrer Anleitung richtete ich in ihrer Wohnung einen Strafraum ein. Ich wurde von ihr zur Keuschheit erzogen, denn sie erkannte, dass diese dauernde Keuschheit meine Hingabe förderte, dass ich ihr gegenüber eifriger, inniger und intensiver bemüht war zu dienen.

Meine Lust diente ihrer Lust. Dabei hatte ich gelernt, meine Lust nicht mehr im Schwanz zu fühlen. Nicht der schnelle Orgasmus, das intensive Gefühl im ganzen Körper war das Ziel! Sie entwickelte meine weibliche, dienende Seite und förderte gleichzeitig bestimmte Anteile meiner männlichen Seite. So wurde ich sogar im Beruf erfolgreicher, zielstrebiger, härter und gleichzeitig sehr gefühlsbetont.

Regelmäßig erlebte ich Bestrafungen. Und immer wieder stellte sie mich auf die Probe, oft in dem sie mich eifersüchtig machte.

Einmal ließ sie mich die Vorbereitungen für einen zweisamen Abend treffen. Ich kochte ein feines Menü, badete und massierte sie, cremte ihren ganzen Körper ein, lackierte ihre Fingernägel. Anschließend fesselte Madame Elisabeth mich im Strafzimmer und vergnügte sich mit einem anderen Mann, die Tür nur angelehnt, damit ich alles hören konnte. Manchmal musste ich auf der Straße oder im Restaurant vor ihr knien, bekam dann und wann eine Ohrfeige, öffentlich. Oder es gab eindeutige Bemerkungen, die mich im Boden versinken ließen. Doch ich genoss diese Zeit, auch wenn ich gern ihr Einziger gewesen wäre.

Ich verehrte sie, liebte sie und trug in meiner Freizeit stolz das Halsband, das sie mir geschenkt hatte. Sie liebte mich auch, aber anders, auf ihre Art. Es gab Tage, da waren wir ein ganz normales Paar. An anderen Tagen wollte sie nur in den Arm genommen werden. Aber für sie war ich nur einer von drei anderen.

Trotzdem war ich glücklich.

5

Mittlerweile sind wir im dritten Jahr zusammen, Elisabeth und ich. Vor etwa einem Jahr hat sich unsere Beziehung einschneidend geändert. Ich bin nicht nur ihr Sub, ihr Geliebter, ich bin zu ihrem Partner geworden. Und sie gab mir einen neuen Namen: Orlando.

Es änderte nichts an ihrem Recht, weitere Beziehungen zu haben. Es war ihre Bedingung, dass wir partnerschaftlich miteinander umgehen wollten, aber ich sämtliche Allüren heimlicher Dominanz abzulegen hatte. Sie wollte meinen devoten Neigungen und Wünschen nachgeben und diese erfüllen. Der Preis dafür war und ist für mich, dass ich ihr zu dienen hatte, ganz, total, komplett, mit einem »freien Tag« in der Woche.

So sieht unser Leben seit einem Jahr aus. Es gab Zeiten, da war für Außenstehende nicht zu merken, wie unsere Beziehung definiert war, selbst wir verhielten uns manchmal eine ganze Woche lang »normal«. Aber es war doch jeden Tag meine Aufgabe, ihr meine Hingabe zu zeigen und mir dieser Hingabe bewusst zu sein.

Und dafür hatten wir unsere Regeln.

Das neue Jahr begann damit, dass Elisabeth mir Keuschheitsringe einsetzen ließ. Natürlich vertraute sie mir, aber sie wollte weitere eigenständige Erektionen verhindern und auch noch deutlicher machen, wer über mein Geschlecht und meine Sexualität bestimmte.

Ein Besuch in einem Piercingstudio endete mit je einem Ring durch meine Vorhaut und einem durch meine Hoden. Als nach einigen Wochen die Löcher gut verheilt und die Ringe endgültig verschlossen waren, fesselte Elisabeth mich eines Abends stehend mit gespreizten Armen und Beinen.

So präsentierte ich ihr meine, wie immer glatt rasierten, Genitalien. Sie spielte ein wenig, liebevoll streichelnd, damit, um mir dann feierlich zu eröffnen, was ich ja schon wusste. Sie würde gleich nach dem Abklingen der Erektion beide Ringe mit einem Schloss endgültig verschließen und von dann ab die Schlüsselgewalt über meinen Schwanz haben. Um es noch feierlicher zu machen, zündete sie ein kleines Kerzenmeer um mich herum an, stellte zwei Gläser mit Champagner bereit und wandte sich dann noch einmal zärtlich meinem Schwanz zu. Natürlich hoffte ich auf ein letztes Abspritzen. Doch Elisabeth, meine Hoffnung spürend, erklärte mir: »So kann ich auf keinen Fall das Schloss anbringen, deshalb muss ich dich zur Einführung deiner verschlossenen Keuschheit so lange und so hart peitschen, bis dein Schwanz geschrumpft ist, damit ich das Schloss gut durch die Ringe ziehen kann.«

Nach fünf Hieben steckte sie mir ihren feuchten Slip in den Mund, um mein schmerzerfülltes Stöhnen zu dämpfen. Weitere fünf Schläge, und sie war mit dem Ergebnis zufrieden.

Sie hatte lange nicht mehr so hart zugeschlagen. Aber ich war dankbar für diesen Beginn des nächsten Abschnitts unserer spannenden Partnerschaft.

»Du kannst nun nur noch im Sitzen pinkeln und so kannst du dich ein bisschen mehr als Frau fühlen. Zusätzlich zu den verschlossenen Ringen hast du ab sofort täglich das Korsett zu tragen.«

Sogleich zauberte Elisabeth ein neues, engeres Korsett hervor, um mich darin einzuschnüren. Meine Geilheit nahm dabei beachtlich zu. Sofort machte sich das Schloss bemerkbar. Schmerzhaft verhinderte es, dass mein Schwanz richtig steif werden konnte. Elisabeth verstärkte aber diesen Effekt noch durch ein paar zarte und liebevolle Berührungen.

Mir ging dabei der Gedanke durch den Kopf, ob das Korsett wohl unter meinem Anzug bei der Arbeit auffallen würde. Dann fiel mir das Schloss ein, das sicher unter der Dusche nach dem Sport nicht ganz zu verbergen wäre. Aus diesen zweifelnden Gedanken wurde ich gerissen, als sie mir das Champagnerglas an die Lippen hielt, mir einen verliebten Kuss zuwarf und mich aufforderte zu trinken.

»Auf unsere fesselnde Liebe!«

Endlich band sie mich los und befahl mir, die schwarzen Seidenstrümpfe und die Lackpumps anzuziehen, den Tisch zu decken und das Essen aufzutragen. Es wurde ein wunderbarer Abend.

Da es meine Hauptaufgabe war, meine Partnerin zu verwöhnen, gehörte neben dem wöchentlichen Hausputz, vor allem das tägliche Kochen. Wenn ich von der Arbeit zu Madame Elisabeth nach Hause kam, hatte ich mich auszuziehen. Bis auf das Korsett und die halterlosen, schwarzen Damenstrümpfe, die ich immer, auch zur Arbeit, trug. Ich musste in meine Pumps steigen, das Halsband und die leichten Armfesseln umlegen und mit dem Kochen beginnen.

Nachdem ich den Tisch gedeckt hatte, musste ich mir die sogenannte »Meditationshaube«, eine schwere geschlossene, schwarze Latexmaske, aufsetzen und mich selbst an den Armfesseln so weit ausgestreckt wie möglich unter dem Deckenhaken in der einen Ecke des Wohnzimmers fesseln.

So erwartete ich täglich die Ankunft meiner Herrin Madame Elisabeth.

Was dann passierte, konnte sehr unterschiedlich sein. An guten Tagen band sie mich los, ich servierte uns das Essen, räumte auf, und wir verbrachten einen Abend redend, fernsehend, oder wir gingen ins Theater oder die Oper, wobei ich fast immer das Halsband trug.

Es gab Tage, da ignoriert sie mich, ließ mich stehen, aß ohne mich, und wenn sie fertig war, durfte ich abräumen und musste dann selber in der Küche essen. Einmal in der Woche bekam ich die Peitsche oder den Rohrstock zu spüren. Meistens aß sie zuerst, nachdem sie mir meine Strafe verkündet hatte. So war ich gezwungen, die Bestrafung bewusster zu erwarten, während sie genussvoll das Essen aß und sich zugleich an meiner ängstlichen Aufgeregtheit weidete.

Wenn wir Gäste hatten, war ich weniger auffällig gekleidet, aber ich war zum Erstaunen, und oft zu Bewunderung, der Gäste der Diener. Bei Fehlern und Nachlässigkeiten erntete ich einen vielsagenden Blick meiner Herrin, der mich manchmal bei dem Gedanken an die bevorstehende Strafe erschaudern ließ. Diese folgte dann regelmäßig, nachdem die Gäste gegangen waren. Sofern Elisabeth dann noch Lust hatte, sich mit meiner Erziehung zu beschäftigen.

Besonders schlimm wurde es für mich, wenn ich in Gegenwart der Gäste den Befehl bekam, schon mal den Abwasch zu machen und die Küche aufzuräumen.

Die Demütigung vor den Gästen, die den Auftrag mit fasziniertem Staunen aufnahmen, dann und wann auch meine Folgsamkeit lobend kommentierend, das war dann der erste Schritt für eine spätere, härtere Bestrafung.

Der zweite Schritt folgte später im sogenannten Strafzimmer, das wir für unsere Spiele gut ausgestattet hatten. Unaufgefordert begab ich mich dorthin, entkleidete mich bis auf das Korsett, legte mir Hand- und Fußfesseln und die Strafmaske mit einem Knebel an und lege mich über den Bock.

Ungewissheit begleitete mein Warten. Wie hart würde sie mich heute bestrafen? Ob sie mich nach der Bestrafung losbinden würde?

Vor etwa zwei Monaten hatte sie nach den ersten zwanzig Hieben erklärt, sie sei jetzt müde und würde schlafen gehen. Am nächsten Tag wollte sie sich weiter mit mir befassen. Ich musste in dieser, über den Bock gefesselten Stellung, die ganze Nacht über meine Verfehlungen nachdenken.

Ich hörte, wie Sie auf dem Flur die Gäste verabschiedete, hörte Lachen, Scherzen. Was hat sie ihnen über mein Fernbleiben erzählt? Dann schloss sie die Wohnungstür. Und irgendwann kam sie ins Zimmer, band mich wortlos fest, schloss auch den breiten Lederriemen über meinem Rücken, sodass ich fest und unverrückbar auf den Bock gepresst wurde.

Gespannt verfolgte ich ihre Schritte, lauschte, ob ich vielleicht die verwendete Peitsche erraten konnte, befürchtete das Schlimmste. Ich wusste, dass achtzig Schläge das Mindestmaß waren. Boni gab es für Ins-Wort-Fallen und Besserwisserei.

Ich spüre, wie sie hinter mich trat, mich beobachtete, das leise Zittern in meinem Körper bemerkte, ausholte, wartete, mich warten ließ. Und dann zischte der erste Hieb auf meinen rechten Oberschenkel. Zornig. Wortlos. Aus der Stille folgte Schlag auf Schlag. Sie setzte die Schläge gezielt und kräftig. Jeder Hieb ließ mich in den Knebel stöhnen.

Ihr ruhiges Schweigen verriet nicht, wie viele Streiche es heute werden würden. Der brennende Schmerz machte mich unfähig, leise mitzuzählen. Ein besonders heftiger Schlag traf mich auf die linke Pobacke. Der Nächste ließ mich aufschreien. Ich hielt es nicht mehr aus! Noch einer. Und noch einer. Und wieder einer.

Meine Arme zerrten verkrampft an den Fesseln, mein Atem ging stockend, schluchzend, mein glühender Po zitterte zwischen Anspannung und willenloser Erschöpfung. Kaum merkte ich, dass die peinigenden Bisse der Peitsche aufgehört hatten. Da spürte ich ihre Hände an meiner Haube. Langsam, immer noch schweigend, öffnete sie den Reißverschluss, nahm mir die Haube mit dem Knebel ab. Dann streichelte sie zärtlich über meinen Kopf.

»Du musst noch viel lernen«, sagte sie sanft. »Aber deine Verfehlungen heute haben mir ziemlich viel Lust bereitet. Ich möchte, dass du mich gleich mit deinen Lippen und deiner Zunge verwöhnst.«

Welch eine Ankündigung!

Sie schnallte mich los und ich räumte ein letztes Mal an diesem Abend auf. Erst dann folgte ich ihr ins Bett, immer noch ihr Diener, aber voller brennender Lust. Aber das Schloss blieb auch in dieser Nacht verschlossen, was einmal mehr schmerzte.

War es nicht das, was ich wollte?

Sie gab es mir.

6

»Hallo Orlando! Überraschung, ich habe eine Freundin zum Essen mitgebracht.«

Ich stand wie jeden Abend auf meinen roten Pumps im Spielzimmer, trug die schwarzen, halterlosen Strümpfe, die ich den ganzen Tag über angehabt hatte, mein Korsett war noch etwas enger geschnürt als sonst. Die Handfesseln hatte ich mir umgelegt, die Haube aufgesetzt, die mich blind machte, und mich dann, wie immer, selbst mit ausgestreckten Armen gefesselt.

Während sie mir diesen Begrüßungssatz durch das Gummi der Haube flüsterte, griff sie in meine Pobacken. Nun begriff ich schlagartig die Befehle von heute Morgen. Ich sollte »zur Feier des Tages« schon um vierzehn Uhr zu Hause sein, ein feines Menü für Zwei kochen, gegen achtzehn Uhr solle ich sie erwarten.

Ich hatte wohl schon so an die fünfzehn Minuten gewartet, eigentlich damit gerechnet, dass sie mich vor dem Essen besonders hart peitschen würde. Mehrere Bemerkungen und Blicke hatten im Laufe der Woche solches angekündigt.

Und nun das!

Vielleicht stand diese Freundin schon mitten im Raum, gehört hatte ich nichts. Werde ich losgebunden, darf ich meine Männerkleidung anziehen? Was hatte sie mit mir vor? Was weiß die Freundin? Welche Rolle würde ich an diesem Abend spielen? Viele Fragen schossen mir durch den Kopf. Erste Antworten erhielt ich, als Madame Elisabeth mir die Haube abnahm und ich endlich sehen konnte. Wir waren allein. Sie band mich los:

»Du wirst uns heute bedienen. Setz die offene Haube auf, die Rot abgesetzte. Dann servierst du uns ein Glas Champagner. Und«, fügte sie beiläufig hinzu, »zeige dich uns in der weißen Latexschürze. In genau fünf Minuten wollen wir unser Glas Champagner. Du hast Redeverbot!«

Sie sagte das mit funkelnden Augen und gleichzeitig mit ihrem süßesten Lächeln, diesem unwiderstehlichem. Dies war die Antwort auf meinen fragenden ängstlichen Blick, Worte die mir auf der Zunge lagen, schluckte ich herunter.

Sie war schon eine Weile aus dem Zimmer gegangen, als mir klar wurde, dass ich mich beeilen musste. Also, Haube auf, die Schürze, ich finde sie so scheußlich, dieses gerüschte Ding, das meine Vorderseite bis zu den Knien bedeckt und den Po und den Rücken freiließ. Ich musste sie immer dann tragen, Elisabeth so bedienen, wenn sie meinte, ich hätte mir zu viel herausgenommen und sie mich lächerlich machen wollte. Vor einer Fremden hatte sie das noch nie getan.

Bis jetzt.

Ab in die Küche! Hoffentlich sieht mich die Freundin nicht! Was für ein absurder Gedanke. In zwei Minuten würde ich ihr ein Glas Champagner servieren und sie wird sicher nicht nur die aufsteigenden Perlen im Glas beobachten.

Ich bekam den Korken nicht aus der Champagnerflasche heraus gezogen. Die Hände zitterten. Plopp! Jetzt vorsichtig eingießen, bloß nichts verschütten! Mit dem Tablett auf den Händen betrat ich das Wohnzimmer, ging auf die beiden zu, die an der Balkontür standen und hinaus schauten.

Ich senkte den Blick und wartete.

»Hatte ich nicht fünf Minuten gesagt?«

Dann: »Bitte, greif zu!«

Ich fühlte mich wie beim aller ersten Mal, während zuerst die Freundin, dann sie das Glas vom Tablett nahm. »Bring die Flasche hierhin, stelle sie auf den Tisch. Und serviere uns die Vorspeise in fünfzehn Minuten. Du bist sehr unaufmerksam. Mach schon!«

Völlig verunsichert trat ich den Rückzug an. Das »Ist er nicht süß«, das ich noch hörte, machte mir die Blicke bewusst, die mir belustigt folgten. Tiefe Demütigung trug ich mit hinaus, ich fühlte mich klein, wie der fünfjährige Junge, der ich vor dreißig Jahren war. Wieder rein ins Zimmer, jetzt mit dem Champagnerkühler. Sie ignorierten mich wieder. Der Blick der Freundin galt eher dem polierten Gefäß und der Flasche.

Als ich nach einer Viertelstunde wieder das Zimmer betrat, saßen beide an dem Tisch, den ich nachmittags schon fein eingedeckt hatte. Ich setzte die Teller vor ihnen ab, schenkte Champagner nach und entfernte mich wieder. Ich war der stumme Diener. Nur selten fiel ein Blick der Freundin auf mich, neugierig, wie mir schien. Aber ich war nicht das Thema. Sie unterhielten sich über die letzte Inszenierung des Tannhäuser und tratschten über die Arbeit.

Erst als ich die Nachspeise auftrug und gerade wieder gehen wollte, sagte Elisabeth:

»Halt, bleib hier. Knie dich neben mich!«

Ich ging auf die Knie, nahm die Arme auf den Rücken und senkte den Kopf.

»War lecker«, lobte sie das Menü und hob meinem Kopf mit ihrer Hand unter meinem Kinn, sodass ich zu ihr aufsehen musste.

Die Freundin beobachtete uns jetzt fasziniert, das konnte ich aus den Augenwinkeln erkennen.

»Mund auf, Orlando!«

Ich folgte ihren Worten, kam mir unter den Augen der Freundin schrecklich gedemütigt vor. Sie nahm einen Löffel mit einer Erdbeere und etwas Marscaponecreme und hielt ihn mir an die Lippen. Ich wollte mit meinem Mund entgegenkommen.

Unvermittelt schlug sie mit der anderen Hand in mein Gesicht. Ich schämte mich, wie ein unartiger Junge.

»Nicht so gierig! Du wartest, bis ich es dir gebe. Sei nicht so ungeschickt, bloß weil wir Besuch haben. Das ist übrigens Sarah, die dich so interessiert beobachtet. Mach den Mund wieder auf!«

Dieses Mal wartete ich geduldig bis sie mir den Löffel ganz gab, ließ mich nicht hinreißen von der leichten Berührung der Creme an meinen geöffneten Lippen.

»Schlägst du ihn öfter mit der Hand ins Gesicht«, fragte Sarah.

»Mund auf, bleib so!«

»Nein, eher selten«, wandte sie sich an Sarah, »aber manchmal, wenn andere dabei sind, ist es eine schöne kleine Strafe. Am liebsten schlage ich ihn über dem Bock im Spielzimmer. Dort haben wir überall Spiegel. Er muss dann zusehen. Das erhöht die Angst. Ich mag seine Augen dabei sehen, wenn sie sich Weiten, wenn Tränen herausquellen, wenn ich seine Hingabe darin erkennen kann.

Er selbst mag es am liebsten mit der geschlossenen Haube mit Knebel, wenn vorher noch Ohrstöpsel verhindern, dass er hören kann, was um ihn herum passiert. Er ist dann ganz reduziert auf die Wahrnehmung seiner Haut, den Luftzug, das Streicheln, den Hieb.«

Ich kniete weiter mit geöffnetem Mund, Kopf im Nacken, neben ihr. Noch nie hat sie in meinem Beisein so über mich geredet. Sie nahm noch einen Löffel voll und hielt ihn mir an die Lippen. Regungslos verharrte ich.

»Komm, leck ein wenig«, forderte sie mich diesmal auf.

Vorsichtig, bedacht, nichts falsch zu machen, fuhr ich mit meiner Zunge über den Löffel und die Creme.

»Irre«, sagte Sarah. »Und das macht er freiwillig?«

»Klar, er liebt mich und ich liebe ihn! Und weißt du, warum er so gut ist? Komm, ich zeig es dir.«