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Was, wenn du die Liebe deines Lebens gefunden hast, aber das grausame Schicksal sie dir stiehlt? In dieser Dark Gay Romance wandelt der ehemalige Navy SEAL Orlando auf Messers Schneide. Können die Gefährten seiner polyamoren Gruppe den Verzweifelten davor bewahren, sich aufzugeben und sein Leben wegzuwerfen? Erstes Buch Veränderungen passieren. Auch ein so entschlossener Mann wie der ehemalige SEAL Orlando kann sie nicht aufhalten. Als sein Lover Mike, der im Haushalt Gable/Stone/Bernard als Leibwächter arbeitet, die Kundenkartei der Begleitagentur Ganymed erbt, für die er früher arbeitete, fliegt er nach New York, um die Sache zu klären. Der Milliardär Anthony Wilson sieht mit dem Tod des Gründers der Ganymed die Chance, in das Callboygeschäft einzusteigen. Zu diesem Zweck räumt er mit seinem Einfluss dem Erben der Ganymed, Mike Grell, erst einmal ein paar lästige, juristische Probleme aus dem Weg und unterbreitet ihm das Angebot, mit seiner Callgirlagentur Volupia zu fusionieren. Die Idee, einen luxuriösen Callboyring aus New York nach Los Angeles und Las Vegas zu erweitern, schreckt allerdings jemanden auf, der dieses Feld selbst besetzen möchte. Mike kann als Ex-SEAL mit Gefahren umgehen. Aber manchmal erkennt auch ein so gewiefter Mann wie er die Bedrohung nicht, wenn sie auf leisen Sohlen daherkommt … Zweites Buch Ein halbes Jahr nach den dramatischen Ereignissen in Los Angeles, begleitet Orlando seine Gefährten Vincent, Marc und Marina nach New York, wo er bei einem Spaziergang im Park zufällig auf den Mann trifft, nach dem er sich mit jeder Faser seines Herzens sehnt …
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Veröffentlichungsjahr: 2021
Inhaltsverzeichnis
ORLANDOS HERZ - TEIL 1
Vorab bemerkt
Was bisher geschah
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Vierzehn
Fünfzehn
Sechzehn
Siebzehn
Achtzehn
Neunzehn
Zwanzig
Einundzwanzig
Zweiundzwanzig
Dreiundzwanzig
Vierundzwanzig
Epilog
Geschnittener Prolog
ORLANDOS HERZ – TEIL 2
Inhalt
Eins
Zwei
Drei
Vier
Fünf
Sechs
Sieben
Acht
Neun
Zehn
Elf
Zwölf
Dreizehn
Vierzehn
Fünfzehn
Sechzehn
Siebzehn
Achtzehn
Neunzehn
Zwanzig
Einundzwanzig
Zweiundzwanzig
Ausblick
Social Media
Impressum
© Norma Banzi
Dieser Roman ist ein belletristisches Werk und nicht jedes Gesetz, welches erwähnt wird, existiert auch wirklich in den USA.
Wie immer habe ich keine Ärzte zu Rate gezogen, wenn es um medizinische Problematiken geht, sondern interpretiere frei von der Leber weg aus dem Laienwissen, was ich mir im Internet angelesen habe. Sollte ich eines Tages einen Millionenbestseller landen, dann habe ich natürlich auch das nötige Kleingeld, um mit Fachkräften der Medizin über die Nicklichkeiten oder ernsten Erkrankungen meiner Figuren zu quatschen.
Einige Leser und Leserinnen werden vielleicht bemerken, dass manche zeitlichen Abläufe, die in der Realität Jahre dauern, bei mir in wenigen Wochen abgehandelt werden. Da halte ich es mit der Fernsehserie Boston Legal, wo zwischen Anklage und Urteil oft auch nur einige Tage vergehen.
In diesem Roman sind die Figuren zwar auf der Suche nach Glück, aber wie sie es für sich interpretieren, könnte Romantiker vor den Kopf stoßen. Sie sind sexuell offensiv und greifen sich die erotischen Abenteuer, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet. Bei der Zahl ihrer Partner zur selben Zeit können sie sehr gierig sein. In Orlandos Herz - Teil 1 treten fünf Hauptfiguren auf und alle haben Freunde und Familie. Rechnen Sie also mit einem großen Ensemble!
Tags: Gay, schwul, Bisexualität, Polyamory, multiple Partner, M/M, M/F, M/M/M, F/M/M/M/..., Callboy, Rache, Navy SEAL, Biker
In Marina – Überraschungsgeschenk des Schicksals stellt der Prominentenanwalt Vincent Gable die beiden ehemaligen Navy SEALs Orlando und Mike als persönlichen Assistenten bzw. Leibwächter ein. Es dauert nicht lange und es entstehen emotionale Verbindungen zwischen den Beschützern und ihren Schützlingen. Sexuelle Wünsche werden beiseite geschoben und ignoriert, denn das Leben im Haushalt Gable/Stone/Bernard ist auch so schon kompliziert genug. Aber können Menschen, die sich magnetisch zueinander hingezogen fühlen, dauerhaft voneinander lassen, oder befreien sie sich irgendwann von den Fesseln ihrer selbst gestellten Regeln?
Der Drucker in seinem privaten Büro quoll gerade über vor Papier, als Vincent Gable dort ankam. Er schloss die aus seiner Anwaltskanzlei mitgebrachten Akten im Schreibtisch ein und legte sein Notebook neben das, welches mit dem Drucker verbunden war. Das andere gehörte Orlando, seinem persönlichen Assistenten mit Erziehungsverantwortung. Niemand wagte es, das Wort Nanny, oder noch schlimmer, Manny, in Zusammenhang mit Orlando Ramirez zu benutzen, wenn er im Raum war, sonst blühte ihm ein eisiger Blick des ehemaligen Navy SEALs, der einem unangenehm unter die Haut ging und unbehagliche Schauer auslöste. Orlando liebte es, sich um die kleine Tochter der Familie zu kümmern, um Lauren. Diese Aufgabe hatte er vor zwei Jahren mit Freude und Elan übernommen. Nur die damit verbundene berufstypische Anrede ließ man besser weg, wollte man es sich nicht mit ihm verscherzen.
Die Talk-Queen Winny Opra bezeichnete Orlando als das muskulöseste Kindermädchen der Welt. Glücklicherweise hatte sich das nicht in den Köpfen seiner Fans festgesetzt. Orlandos Berühmtheit beruhte auf einer noch immer im Internet kursierenden Videoaufnahme, in der er mit dem Hummer der Familie drei Kleinwagen von Paparazzi von der Straße geräumt hatte, während die skrupellosen Boulevardfotografen versuchten, Bilder von der durch einen Unfall verletzten Marina mit ihrem Schwangerschaftsbauch zu schießen, statt ihr zu helfen. Sie hatten gehofft, dass seine vorübergehende Popularität abflauen würde, er schnitt sich deshalb sogar seine langen, schwarzen Haare ab. Aber Orlando arbeitete im Haushalt Gable/Stone/Bernard und wann immer er mit einem von diesen dreien gesehen wurde, erinnerte sich der Boulevard auch an ihn.
Marc Stone, der Popstar mit dem Künstlernamen Angel, trat nach dem Tod seines Cousins Jamie, The Shadow, nicht mehr als Popmusiker auf, arbeitete aber weiterhin als Produzent und Komponist. Marina, seine Lebensgefährtin, machte Karriere als gefragtes Model und Vincent war als Angels und Marinas ständiger Begleiter auch berühmter, als ein Rechtsanwalt für Urheber- und Schadensersatzrecht normalerweise sein konnte. Die drei lebten in einer Dreierbeziehung. Nach außen nannten sie es Wohngemeinschaft und es gab viele Spekulationen darüber in der Klatschpresse.
In einem Interview mit Winny Opra hatte Marc nur indirekt zugegeben, in einer polyamourösen Konstellation zu leben. Darauf angesprochen stellte er klar, dass er nicht juristisch dagegen vorging, wenn das Wort Polyamory im Zusammenhang mit ihm verwendet wurde. Und Vincent schoss oft schnell und zielgerichtet seine juristischen Pfeile gegen den Boulevard. Besonders, wenn es um Lauren ging, Marcs Tochter, verstand er so gar keinen Spaß.
Vincent sah aus dem Fenster und lächelte zärtlich. Draußen spielte Orlando mit ihr und den beiden Hunden. Als Frühgeburt hatte sie mit einigen gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt, beispielsweise mit einer stark gestörten Darmflora, die ihren kleinen Körper schleichend vergiftete. Das alles gehörte dank Orlando und seiner unermüdlichen Suche nach der richtigen Behandlungsmethode der Vergangenheit an. Lauren entwickelte sich endlich wie ein normales Kind. Einer selbstbewussten Zweijährigen begreiflich zu machen, dass sie eine spezielle Diät halten musste, um ihre Darmflora zu schützen, gelang nicht immer reibungslos. Meistens schmeckte es ihr aber.
Vincent entledigte sich seiner Krawatte, zog sein Sakko aus und öffnete drei Knöpfe an seinem Hemd. Der Drucker hörte auf, Papier zu spucken. Der Druckauftrag von Orlando war abgearbeitet. Vincent bückte sich, raffte ein paar Seiten vom Boden und bemerkte die Seitenzahlen. Da nur wenige Blätter sortiert werden mussten, erledigte er das für Orlando. Danach wollte er den Stapel Papier auf einen der Aktenschränke legen, damit Orlando ihn später abholen konnte, ihm fiel allerdings das Titelblatt ins Auge. Er hielt einen Roman seines Assistenten in den Händen. Vincent wusste, dass Orlando gut schreiben konnte, schließlich war er der Ghostwriter des Erlebnisberichts gewesen, welchen er und Marc über das erste Lebensjahr von Lauren veröffentlicht hatten.
Neugierig las er einige Sätze des ersten Kapitels und dann konnte er nicht mehr damit aufhören, bis Marc in das Arbeitszimmer kam und ihn vorwurfsvoll fragte: „Wo bleibst du denn?“
„Ich stecke gerade meine Nase in Orlandos Privatangelegenheiten“, gab Vincent zu, legte das Blatt beiseite, welches er in den Händen hielt und ließ sich von seinem Mann küssen.
Marc interessierte sich wenig für den Papierstapel, er wollte Sex wie jeden Nachmittag, wenn Vincent nach Hause kam. Er fackelte nicht lange und streifte seine Jeans und sein T-Shirt ab. Wie so oft fehlte die Unterhose. Vincent zog den überschlanken Körper seines Mannes zu sich heran und knabberte an dessen Nippeln. Dann hob er ihn auf den Schreibtisch und leckte Marcs Vorsaft von der Spitze seiner Erektion. Marc schnurrte und stieß auffordernd sein Glied an Vincents Lippen. Der lachte leise und züngelte erst einmal die Länge nach unten, leckte die haarlosen Hoden und züngelte wieder zurück.
„Bitte, Vince …!“, bettelte Marc.
Vincent erfüllte gerne die sexuellen Wünsche seines Mannes, öffnete also den Mund und schob sich über das steife Glied. Er schluckte mehrmals und Marc zuckte jedes Mal.
„Das liebe ich so an dir, alter Mann“, keuchte Marc.
Vincent war siebzehn Jahre älter als Marc und mochte es nicht sehr, darauf angesprochen zu werden. Also kniff er seinem Mann strafend in die Hoden, was diesen nur noch heißer machte.
Vincent hob den Kopf. „Dir werde ich die Frechheiten austreiben!“, grollte er, öffnete seine Hose, nahm eine Tube Gleitcreme aus der Schublade seines Schreibtisches und verteilte etwas davon auf seinem Penis, der mit Fug und Recht als Übergröße bezeichnet werden konnte. Marc stand drauf und legte seine Beine beflissen über Vincents Schultern, um ihm einen besseren Zugang zu ermöglichen.
Vincent setzte an und fragte mit einer Stimme, die keinen Widerspruch duldete: „Was bin ich?“
Marc wackelte mit seinem süßen Arsch und versuchte, sich selbst auf Vincents Latte zu spießen, der das allerdings mit festem Griff um dessen Hüften zu verhindern wusste. Mit hochgezogener Braue blickte Vincent seinen Mann an.
„Mein Leben!“, antwortete Marc zärtlich und weich.
Zufrieden lächelte Vincent und biss Marc sanft in die Unterlippe. Marcs Zunge schnellte vor, um sich einen heißen Kuss zu rauben, aber eine Strafe für die freche Bemerkung musste sein. Deshalb hob Vincent schnell den Kopf wieder. Ein kleines, enttäuschtes Seufzen Marcs wandelte sich abrupt in ein Zischen, als sich Vincent mit einem Ruck halb in ihn stieß und es Marc die Luft aus den Lungen presste. Eine zweite Bewegung folgte und auch der Rest von Vincents Schwanz verschwand in der heißen Enge. Wie sehr es Vincents Blut immer in Wallung brachte, wenn er Marcs Gesicht dabei beobachtete, wie dieser die unverblümte Invasion seines Körpers empfand. Marc liebte es, hart genommen zu werden. Dennoch gab es natürlich auch für ihn den Moment, wo ihn der Schmerz überflutete, an dem ihm ein Betteln um Gnade auf der Zunge lag, bis die Lust den Schmerz besiegte. Erst dann begann Vincent, sich zu bewegen.
„Aah“, stöhnte Marc und krallte sich an der Schreibtischkante fest, während Vincent sich langsam aus ihm zurückzog, bis nur noch seine Schwanzspitze in ihm steckte.
„Vince!“
Die nackte Gier in Marcs ungeduldiger Stimme ging Vincent runter wie Öl und er gab Marc, was dieser forderte, einen Stoß, den dieser bis in die Zehenspitzen fühlen würde. Marcs raues Grunzen ließ Vincent lächeln.
Als die Tür aufging, sah Vincent hoch. Sein Leibwächter Mike stutzte, hatte er seine Schützlinge zu dieser Zeit des Tages doch nicht im Arbeitszimmer erwartet. Dann lächelte dieser muskulöse, großartige Mann mit den kurz geschorenen blonden Haaren und dem Dreitagebart und sah zu, wie Vincent es Marc besorgte. Mikes unverhohlene Aufmerksamkeit auf sich zu spüren, intensivierte Vincents Genuss um mehrere Nuancen. Vincent erwischte sich dabei, für ihn eine Show zu veranstalten und sich besonders erotisch zu bewegen, Marc noch intensivere Laute der Lust zu entlocken. So angeberisch verhielt er sich bei den Sexpartys, bei denen es auch Zuschauer gab, normalerweise nicht. Wieder einmal musste sich Vincent beherrschen, um die Distanz zwischen sich, Mike und Orlando aufrecht zu erhalten. Es war schon lästig, wenn man den Leibwächter und den persönlichen Assistenten attraktiv fand und diese ähnlich fühlten, lästig, weil sie alle auf kleiner Flamme ihres gegenseitigen Begehrens kochten, ohne dem nachzugeben.
Als Vincent Orlando und Mike eingestellt hatte, rechnete er nicht mit emotionalen Verwicklungen. Andernfalls hätte er es damals nicht getan. Gegen die stetig wachsende Zuneigung und Vertrautheit gab es allerdings kein Kraut, so sehr sie sich auch bemühten, ein Mindestmaß an Professionalität zu wahren. Entlassung schloss Vincent kategorisch aus. Orlando und Mike waren wertvolle und diskrete Mitarbeiter. Wenn Sex mit ihnen zum Thema wurde, wirbelte das allerdings ihr Sicherheitskonzept durcheinander. Die Bedenken überwogen. Orlando und Mike konnten entweder Angestellte sein oder Freunde mit Extras. Beides ging nicht, glaubten Vincent, Mike und Orlando. Marc fügte sich dieser Ansicht eher widerwillig. Vincent fand sein Leben auch schon so kompliziert genug, auch wenn er in schwachen Stunden, so wie gerade, ziemlich schwankte. Er sah Orlando und Mike nie beim Sex zu. Diese Grenze übertrat er aus guten Gründen nicht. Er kannte sich und seine Libido. Wahrscheinlich verlor er den Kopf, wenn er in eine heiße Szene mit ihnen geriet, und stieß dann alle seine Prinzipien um.
Die beiden begleiteten Vincent aber manchmal als Leibwächter, wenn er Sex hatte. Vincent lebte promisk und besuchte zusammen mit Marc und Marina hin und wieder die Sexpartys in seiner Eventvilla nebenan. Dort waren Orlando und Mike keine privaten Gäste, sondern achteten auf die Sicherheit.
Gerade bewegte sich Mike schon wieder eine Spur zu nah an der selbst gewählten Grenze, die sie voreinander bewahren sollte, nur schmiss Vincent ihn nicht raus, denn es machte ihn an, von ihm beobachtet zu werden. Vincents Blick fiel auf Mikes Schritt und die deutlich sichtbare Erektion jagte ihm einen heißen Schauer über den Rücken. Verflucht! Schnell beugte er sich über Marc und küsste ihn, weil er sich selbst davor bewahren wollte, Mike etwas Dummes zu sagen, so etwas wie: „Mach mit!“ oder „Schieb ihn mir rein, ich liebe Sandwiches!“ Und damit meinte er nicht die aus Weißbrot.
Als er wieder aufsah, war Mike verschwunden. Marc hatte von seiner kurzen Anwesenheit zum Glück nichts bemerkt. Er hatte eine besondere Schwäche für Mike, so, wie Vincent und Orlando sich emotional etwas näher standen. Der kleine Sexteufel wackelte in letzter Zeit zu häufig provokant mit seinem Arsch vor Mike, der das meistens mit Humor nahm. Andererseits hatte Vincent die beiden auch schon in dunklen Ecken der Villa rumknutschen sehen. Er ließ ihre kleinen Sünden unkommentiert. Wahrscheinlich musste sich die erotische Energie, die zwischen ihnen funkte, irgendwie entladen.
Marina mochte sowohl Orlando als auch Mike gerne, gab sich ihnen gegenüber unbefangen und familiär, behandelte sie eher wie große Brüder. Den beiden gefiel es, sich als solche zu geben. Marina war noch so jung, noch nicht ganz einundzwanzig. Die Brüder-Nummer fiel Orlando und Mike deshalb leicht.
Marc fuhr mit den Händen durch Vincents Brusthaare, unter denen mittlerweile auch schon einige graue hervorlugten. Er nahm die Nippel seines Mannes in die Zange, drückte zu und trieb ihn damit an, es ihm richtig zu besorgen, ihn seine Kraft spüren zu lassen. Vincent trainierte jeden Morgen mit Orlando und Mike seine Muskeln und konnte Marc deshalb einen noch kräftigeren Körper bieten als zu der Zeit ihres Kennenlernens. Er war nicht so muskulös wie seine beiden Angestellten, zwei ehemalige SEALs, die ihre Körper immer noch als Waffe betrachteten und entsprechend trainierten.
Wegen seiner Leukämie nahm Vincent noch immer jeden Tag ein Krebsmedikament, was man ihm allerdings nicht ansah. Marc liebte Vincent in jeder Lebenslage, hatte ihn auch geliebt und begehrt, als jener vom Gellvek aufgeschwemmt wurde. Ihre Liebe war längst über Äußerlichkeiten allein hinaus. Aber natürlich freute es Vincent, seinem Mann und Marina einen tollen Körper zu präsentieren.
Vincent griff nun um Marcs Erektion und drückte zu. Wuchtig stieß er sich in den schlanken Körper seines Mannes und Marc kam mit einem lauten Aufschrei. Sein Anus zog sich um Vincents heißes Fleisch zusammen und kurze Zeit später pulsierte Vincent in Marc. Vincent blieb noch einen Moment keuchend auf Marc liegen und liebkoste mit dem Mund dessen Halsbeuge. Dann stand er auf und sagte: „Lass uns schwimmen gehen, Katerchen!“
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Vincent fühlte sich besser, wenn er regelmäßig im Pool seine Bahnen zog und hatte bestimmte Rituale entwickelt, die ihn vor der Rückkehr des Krebses bewahren sollten. Damit bekam er seine gelegentlichen Panikattacken besser unter Kontrolle und er hatte das Gefühl, über sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Marc und Orlando spielten derweil mit Lauren. Die kleine Wasserratte mochte es, mit ihren Schwimmflügeln durch das Becken zu paddeln oder sich von ihrem Onkel Lando und ihrem Papa, französisch ausgesprochen, hin und her werfen zu lassen. Weil Lauren zu Anfang so krank gewesen war, hatten sie alle mit ihr englisch gesprochen. Marina und die Haushälterin Lisette redeten allerdings meistens französisch miteinander und dabei hatte Lauren es aufgeschnappt. Vincent bezeichnete sie als ihren Daddy. Weshalb sie Marc mit der französischen Version von Papa ansprach, wussten sie nicht. Wahrscheinlich hing es damit zusammen, dass sich Marina und Marc mit ihren blonden, kurz geschorenen Haaren und ihren hageren Körpern recht ähnlich sahen. Allerdings überragte Marina mit 1,85 m ihren zierlicheren Lebensgefährten etwas.
Orlando fand, Lauren war nun lange genug im Wasser gewesen und nahm seinen kleinen Schützling auf den Arm. Sie gab Marc noch einen Kuss auf die Wange und natürlich musste auch Vincent sein Programm unterbrechen, um sich ebenfalls seinen Kuss abzuholen. Danach fuhr Vincent mit seinem Training fort und Marc setzte sich an den Rand des Pools, streifte seine Badehose ab und spreizte seine Beine ein wenig. Mittlerweile konnten sie sich ein solches Verhalten in ihrem Garten leisten, denn sie hatten nach den Vorschlägen von Mike einen Sichtschutz einbauen lassen.
Bruno, der Butler, brachte ihnen diskret eine Erfrischung. Bruno arbeitete schon lange für die Familie Stone und es gab sehr wenige Verhaltensweisen seiner Herrschaft, die ihn noch verwunderten. Der ehemals eingefleischte Junggeselle heiratete ganz überraschend Lisette, die er als Angestellte in Vicents privater Ferienanlage in Frankreich kennengelernt hatte, und holte sie zu sich in die USA. Sie arbeitete nun auch in der Stonevilla und war ein echter Gewinn für den Haushalt. Ihre Diskretion und Treue zur Familie hatte sie schon in Frankreich unter Beweis gestellt.
Nach Absolvierung seiner üblichen Anzahl von Bahnen schwamm Vincent zu Marc. Er zog seinen Mann in das Wasser zurück und zeigte ihm ein zweites Mal an diesem Tag, wie sehr er ihn begehrte.
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Brav saß Lauren in ihrem Babystuhl und manschte mit ihrem Löffel in ihrem Gemüsebrei. Manchmal aß sie auch etwas davon. Wenn sie es zu bunt trieb, genügte ein Blick von Orlando. Dann kicherte sie und steckte sich den Löffel in den Mund. Orlando hatte seinen kleinen Schützling wirklich gut im Griff.
Vincent gab ihr einen Kuss auf die Stirn, wusch sich die Hände und steckte sich ein Küchentuch in den Hosenbund.
„Was steht auf dem Speiseplan?“, fragte er Orlando.
„Du wolltest Kalbsfilet mit Marsalasoße und gebackenes Gemüse dazu machen.“
„Stimmt! Oben im Büro liegt noch ein Roman von dir.“
„Ach ja, ich bat Mike, ihn zu holen. Hat gerade nicht gepasst, als er gekommen ist, was?“ Orlando zwinkerte Vincent gut gelaunt zu.
„Kommt drauf an, wie man es betrachtet“, scherzte Vincent. Was verbrannte er sich jetzt schon wieder die Finger mit sexuellen Anspielungen, fragte er sich und erntete auch sofort ein sinnliches Lächeln seines Assistenten. Orlando trug seine langen, schwarzen Haare gerade zu einem Pferdeschwanz gebunden und sah teuflisch gut aus damit. Zum Glück lenkte sie Laurens Anwesenheit voneinander ab.
Während Vincent aus dem von Lisette bereitgestellten Korb mit Gemüse eine Kartoffel angelte und sie schälte, sagte er: „Sorry Orlando, ich habe das erste Kapitel deines Romans gelesen und finde es großartig. Erlaubst du mir, auch den Rest des Buchs zu lesen?“
„Der Ausdruck war nur für Mike. Ich möchte das Buch nicht veröffentlichen, wollte nur wissen, was er dazu meint.“ Ein Mann wie Orlando wurde niemals rot, aber nun schien es ihm doch etwas unangenehm zu sein, dass Vincent von seinem Roman wusste.
„Ist dir das Buch peinlich?“, fragte Vincent und nahm eine zweite Kartoffel, während Orlando Lauren den Löffel aus der Hand nahm und ihr damit den Mund sauber putzte. Er ging dazu über, sie zu füttern, weil sie sonst wahrscheinlich nie fertig geworden wäre.
„Da ich ihn doch nicht veröffentliche, brauche ich nicht so viele Testleser, Vince.“ Mit einem feuchten Tuch wischte Orlando Lauren das Gesicht ab. Sie war wirklich gerade ein kleines Schweinchen. Er sagte es ihr auf Französisch und dann noch auf Spanisch und sie kicherte.
„Weshalb willst du es nicht veröffentlichen?“ Die dritte Kartoffel wurde in Angriff genommen.
„Ich kann gerade noch so mit Lauren unterwegs sein, ohne allzu große Aufmerksamkeit auf mich zu lenken, weil ich mich jedes Mal verkleide, wenn ich mit ihr zum Arzt oder in den Park gehe. Meine relative Bekanntheit ist jetzt schon ein Sicherheitsrisiko für sie. Und wenn ich jetzt noch mit einem Science Fiction Roman an die Öffentlichkeit gehe, bin ich wieder in den Schlagzeilen. Das würde meine Arbeit für dich erheblich erschweren.“
„Verstehe“, sagte Vincent und nahm sich die vierte Kartoffel. Mike schlenderte in die Küche, stellte sich hinter Orlando und zog ihm den Gummiring aus den Haaren. Vincent lächelte heimlich in sich hinein. So sehr sich Mike seinen Lover mit kurzen Haaren wünschte, konnte er auch den sinnlichen Effekt der langen, geschmeidigen Strähnen genießen, die einem wie Seide durch die Finger glitten. Vielleicht hatte Mike deshalb vor einiger Zeit aufgehört, beim Abendessen zu sticheln, dass Orlando einen frischen Haarschnitt brauchte, was allerdings stets einen entsetzten Ausruf von Marina nach sich zog. Selbst hatte Vincent Orlandos Haare noch nicht berührt - leider. Anders als Marina griff er Orlando nicht einfach in die glänzende, schwarze Pracht, wenn er sie manchmal offen trug. Marina diskutierte so unbefangen und unbeschwert mit Orlando über Haarpflegemittel und überredete ihn gelegentlich, ein neues Produkt auszuprobieren und für ihren Kosmetikblog zu bewerten. Wenn man über Shampoos diskutierte, hatte man eine Ausrede, weshalb man dem Gegenüber über den Kopf strich. Glückliche Marina!
„Keine gute Idee“, beschwerte sich Orlando gegenüber Mike, versuchte aber nicht, seine Haare wieder zusammen zu raffen. Mike wusch sich die Hände und half dann Vincent beim Gemüse putzen. Er hatte noch seine Pistole im Holster, wollte sie aber nicht vor Lauren in die spezielle, abschließbare Küchenschublade legen. Sie würden einen anderen Platz dafür finden müssen, nur fanden Orlando und Mike eben, dass diese Schublade ein guter, zentraler Ort für ihre Pistolen war.
Orlando wischte Lauren das Gesicht und die Hände ab und nahm sie auf den Arm. Prompt griff sie in seine Haare.
Er biss zärtlich in ihre Finger und sie quiekte fröhlich auf.
„Sag deinem Daddy und Onkel Miki gute Nacht!“, befahl er ihr.
Orlando trug sie erst zu Vincent und dann zu Mike. Sie küsste beide auf die Wange und mit einem spanischen Kinderlied auf den Lippen ging er mit ihr in den ersten Stock. Zwanzig Minuten später kehrte er zurück. Beim Zubettgehen wurde nicht lange gefackelt, da war Orlando eisern. Das Vorlesen übernahm Marc und daher hatte er jetzt Ruhe. Orlando öffnete eine Flasche Rotwein und stellte vier Gläser auf die Küchenbar, goss erst einmal drei davon ein.
Derweil hatte Mike seine Pistole weggeschlossen, das Holster abgelegt und sich seines Sakkos entledigt. Die drei Männer prosteten sich zu und tranken.
„Ich glaube nicht, dass du auf Dauer ausschließlich den Kinderbetreuer geben solltest“, wandte sich Vincent an Orlando. „Wenn dein Roman so gut ist, wie ich denke, solltest du ihn veröffentlichen und auch entsprechend promoten.“
„Ich bin gerne für Lauren zuständig“, wandte Orlando ein.
„Das weiß ich, Orlando. Du gehst toll mit ihr um. Aber ich habe das Gefühl, dass dein Potential verkümmert.“
„Mein Potential?“
„Du weißt doch, was ich meine …“
„Ich bin immer so, wie ich gebraucht werde.“
„Und wo bleibst du dabei?“, fragte Vincent.
Orlando stand von seinem Hocker auf, eine Spur verärgert. „Das bin ich, muskulös, männlich, Mann von Mike, ein ausgebildeter Kämpfer, anpassungsfähig. Ich kümmere mich gerne um Lauren und habe dabei Zeit, nebenbei Romane zu schreiben. Wenn du unbedingt möchtest, gebe ich sie unter einem Pseudonym als E-Books bei Amazon ein. Du hast mich eingestellt, damit ich dir und deiner Familie das Leben bequem mache, und jetzt beschwerst du dich, weil ich es tue?“
„Orlando!“ Mike legte ihm beruhigend die Hand auf den muskulösen Unterarm.
„Das ist das Problem, wenn man zu nah dran am Arbeitgeber ist. Er fängt plötzlich an, sich für deine Privatangelegenheiten zu interessieren und mischt sich in dein Leben ein. Ich gehe mit den Hunden raus!“
Orlando schloss die speziell gesicherte Küchenschublade auf und nahm seine Pistole raus. Im Flur legte er sein Holster an und zog sich sein Sakko über. Er nahm zwei Hundeleinen und pfiff. Whity und Luis kamen schwanzwedelnd angelaufen und er leinte den großen weißen Mischlingshund und den kleinen Chihuahua an.
Konsterniert blickte ihm Vincent hinterher. „Was war da gerade los?“, fragte er Mike. Der zuckte mit den Schultern. „Orlando ist es nicht gewöhnt, dass man sich um ihn sorgt und sich kümmern will.“
„Du kümmerst dich um ihn“, wandte Vincent ein. In ihm braute sich Enttäuschung zusammen, dass Orlando seine gut gemeinte Hilfe so brüsk ablehnte. Er versuchte, sie wegzuschieben und sich den Abend dadurch nicht verderben zu lassen.
„Abgesehen von mir“, entgegnete Mike. Nachdenklich drehte er den Ring an seinem Finger, Orlandos Ring, das Zeichen ihrer Liebe. Er trug einen Platinring, Orlando einen Diamantstecker in der Ohrmuschel.
„Warten wir mit dem Essen auf ihn?“, fragte Vincent, als Marc in die Küche kam. Er aktivierte das Babyphone, setzte sich an den Küchentresen und goss sich ein Glas Wein ein. „Wo ist Orlando?“, fragte er.
„Mit den Hunden raus“, antwortete ihm Mike. An Vincent gerichtet meinte er. „Wir warten nicht auf ihn.“
Also nahm Vincent die Kalbsschnitzel aus dem Kühlschrank, tupfte sie mit Küchenpapier ab und würzte sie von beiden Seiten.
„Weshalb hast du es denn auf einmal so eilig?“, beschwerte sich Marc und sprang vom Hocker, um die Soße aus etwas eingekochtem Kalbsfond und einem Schuss Marsala zu zaubern. Vincent briet das Fleisch nur ganz kurz und servierte es mit der Soße und dem im Ofen gebackenem Gemüse. Da Marc vermeiden wollte, dass Lauren sich seine Essstörung von ihm abschaute, beschwerte er sich nicht mehr über das, was Vincent ihm so auf den Teller tat, aß aber trotzdem nur, was ihm passte, das Fleisch mit der Soße und weil sein Mann so streng schaute, noch eine mit Olivenöl eingeriebene gebackene Möhre. Orlando mied die Küche an diesem Abend, irgendwann kamen aber die Hunde hereingewuselt. Sein von Vincent für ihn warmgestelltes Essen blieb unberührt. Vincent schaute extra noch einmal nach, bevor er ins Bett ging.
„Dann sorge ich eben dafür, dass du einen Raum für dich hast, in dem du in aller Ruhe deine Privatangelegenheiten regeln kannst“, grummelte Vincent eingeschnappt in sich hinein.
In der Dachwohnung von Orlando und Mike gab es nur wenige persönliche Gegenstände. Eine bunte Tagesdecke im mexikanischen Stil belebte das Schlafzimmer etwas. Orlando lag nackt darauf und las in einer Zeitschrift. Er fror nicht so schnell, solange er wach war.
Als Mike kam, legte er die Zeitschrift weg und beobachtete seinen Lebensgefährten beim Entkleiden. Mike legte sich zu ihm und zog ihn in die Arme.
„Willst du darüber reden?“
„Nein!“
„Okay!“ Mike drehte sich mit Orlando im Arm und spreizte demonstrativ die Beine. Mit einem leisen Lachen biss Orlando ihm in die Unterlippe. Er angelte nach der Gleitcreme und gab davon gerade so viel auf seinen Penis, dass keine Verletzungsgefahr mehr bestand. Er machte es langsamer, als Mike es erwartete und erntete dafür einen strafenden Biss in die Schulter. Mike knurrte, umschlang ihn mit seinen Beinen und zog ihn in sich hinein.
„Wieder so ungeduldig, Darling?!“, amüsierte sich Orlando.
Danach legten sie sich nebeneinander, immer noch auf der Tagesdecke, und Mike fragte. „Weshalb hast du diesen Roman geschrieben?“
„Keine Ahnung, hat mir Spaß gemacht. Liest du ihn und sagst mir, was du davon hältst?“
„Selbstverständlich! Und Vince?“
„Was ist mit ihm?“
„Er möchte den Roman auch lesen.“
„Kein Interesse.“
„Aus der Nummer kommst du nicht mehr heraus, so sehr du es auch versuchst.“
„Und was wäre das für eine Nummer?“, fragte Orlando irritiert.
„Du liebst Vincent. Selbstverständlich bin und bleibe ich deine sexy Nummer Eins, aber du bist mit Vince emotional verstrickt und es fällt dir immer schwerer, professionelle Distanz zu wahren.“
„Ich will hier nicht weg, Mike. Das hier ist das erste richtige Zuhause, was ich jemals hatte, mit Leuten, die mich schätzen, die bei meinem Anblick lächeln und nicht die Stirn runzeln.“
„Himmel, Orlando! Vincent will dich doch nicht rausschmeißen, er möchte deine Schriftstellerkarriere unterstützen.“ Mike stand auf und öffnete die Schlafzimmertür, weil Luis davor stand und jaulte. Das Hündchen sprang auf das Bett und rollte sich am Fußende ein. Mike zog Orlando wieder in seine Arme und sie schliefen schließlich ein. Diese Nacht stöhnte Orlando im Schlaf. Er begann zu zittern und Mike weckte seinen Mann. Der kroch bibbernd unter die Decke und ließ sich zusätzlich noch von Mike wärmen. „Auf welchem Tauchgang warst du im Traum?“, fragte Mike. Am Fußende spürte er plötzlich, wie Luis vom Bett sprang. Dem Hund wurde es zu unruhig bei seinen Menschen. Mike hörte den Hundekorb knarzen und ein Gähnen von Luis.
Orlando seufzte. „Auf keinem bestimmten, aber das Wasser war wieder einmal eisig.“
Als abgehärtete ehemalige SEALs konnten sie Kälte länger aushalten als normale Leute, nur war so etwas natürlich auch für sie kein Spaziergang. Orlandos Unterbewusstsein erinnerte sich oft an Tauchgänge in eisigem Wasser. Mike hatte andere Probleme. In schlechten Nächten träumte er von Schüssen, die ihn durchsiebten, erlebte wieder und wieder den Schmerz und die grässliche Todesangst, die solche Ereignisse auslösten. Der schlimmste Traum aber war, wenn er angeschossen wurde und deshalb Orlando nicht helfen konnte. Er hatte ihm immer irgendwie helfen können, also träumte er nicht von einer realen Situation.
„Ich liebe dich“, flüsterte er ihm ins Ohr und Orlando murmelte etwas in Spanisch zurück. Eine Liebeserklärung ging Orlando immer noch schwer über die Lippen und so flüchtete er sich in seine Muttersprache, die er noch vor Englisch gelernt hatte.
Mike schwitzte vor Hitze und doch hielt er Orlando eng an sich gepresst. Scheiß egal, wenn er das Bett vollsiffte, Hauptsache, Orlando hörte irgendwann auf zu zittern. Sein Lebensgefährte fiel in einen unruhigen Schlaf und Mike dämmerte vor sich hin, während er im eigenen Saft schmorte. Endlich schien die Wärme auch zu viel für Orlando zu werden. Er rückte im Schlaf etwas ab, hielt aber Kontakt mit einem seiner Beine. Mike warf die Decke von sich und konnte endlich richtig einschlafen.
Am nächsten Morgen bemerkte Orlando natürlich das zerwühlte Bett. „Hatte ich wieder Tauchgänge?“
„Ja, kein Problem, ich habe dich gewärmt.“
„Und bist selbst zerflossen.“
„Du würdest dasselbe für mich tun.“
„Stimmt!“, sagte Orlando und küsste ihn. Sie liebten sich noch einmal und standen dann auf. Luis sauste herein und schaute nach, wo sie blieben. Als er sah, dass sie noch duschen mussten, verschwand er wieder. Ein dringendes Bedürfnis schien er nicht zu haben. Wahrscheinlich hatte ihn schon jemand in den Garten gelassen.
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Wie jeden Morgen gingen Orlando und Vincent mit den Hunden raus, meistens fuhren sie in ihren Lieblingspark, um die Paparazzi zu umgehen, wobei natürlich auch dort die Gefahr bestand, von denen überrascht zu werden. Aber die Kerle hatten schon Hundefotos. Zwischen Orlando und seinem Arbeitgeber herrschte Eiszeit. Mehr, als ein ‚Guten Morgen’ hatte Orlando von ihm bisher noch nicht zu hören bekommen. Sie spazierten schon zwanzig Minuten durch den Park, als Vincent betont nüchtern sagte: „Im Erdgeschoss der Villa befinden sich noch zwei, drei unbenutzte Räume. Sie können sich einen davon als Ihr Büro einrichten, Orlando. Damit vermeiden wir die Gefahr, dass ich zufällig auf einen privaten Ausdruck von Ihnen in meinem Arbeitszimmer stoße. Das Budget für die Einrichtung, Möbel, Drucker und was auch immer Sie meinen, in Ihrem Büro zu brauchen, überweise ich Ihnen auf das Spesenkonto.“
Orlando fühlte sich, als hätte ihm jemand die Faust in den Bauch geschlagen – und er hätte vergessen, dort seine Muskeln anzuspannen, denn normalerweise konnte er solche Hiebe ganz gut wegstecken. Das war … grässlich. Er fühlte sich wohl in Vincents Arbeitszimmer, das er benutzte, wenn jener sich tagsüber in seiner Kanzlei aufhielt. In dem Raum roch es nach dessen Rasierwasser und Zigarren und Orlando mochte das.
„Wie Sie wünschen … Sir!“, presste er hervor und die Temperatur zwischen ihnen sank noch um ein paar weitere Grad.
Auch Marc fiel natürlich auf, dass sein Mann Orlando und Mike plötzlich wieder sehr förmlich behandelte. „Ich mache da aber nicht mit“, kommentierte er die Situation und stemmte erkennbar verärgert die Hände an die Hüften.
„Du kannst die beiden ansprechen, wie es dir passt“, entgegnete Vincent distanziert.
Sie blieben dabei, das Abendessen gemeinsam zu kochen und einzunehmen, weil sie sich währenddessen besprachen und den nächsten Tag planten. Die verkrampfte Höflichkeit zwischen Vincent und Orlando blieb allerdings.
Während Orlando entschlossen zu sein schien, bis in alle Ewigkeit am Status Quo festzuhalten, brachte Mikes Vergangenheit als Luxuscallboy alles ins Rollen. Mike sprach es beim Abendessen an: „Ich brauche Urlaub. In New York ist der Chef meiner früheren Begleitagentur Ganymed an Krebs gestorben.“
„Du fliegst zur Beerdigung?“, fragte Marc.
„Nicht nur. Ich muss einiges regeln, denn ich habe die Agentur geerbt, besser gesagt den Computer mit dem Adressbuch der Kunden.“
Marc grinste.
„Verstehe ich das richtig, Sie haben einen Callboyring geerbt?“, fragte Vincent.
„Scheint wohl so. Mein Chef hieß Jonas und er glaubte mir nie so ganz, dass ich einen Lover außerhalb des Milieus hatte. Dabei zeigte ich ihm sogar ein Foto von mir und Orlando.“ Mike lächelte amüsiert, als er sich an Jonas erinnerte.
„Weshalb Sie?“
„Eigentlich gab es zwischen Jonas und mir nur eine reine Geschäftsbeziehung. Freundschaftliche Treffen gab es zwischen uns kaum. Allerdings schätzte er meine Fähigkeiten als Navy SEAL und setzte mich gelegentlich als Leibwächter für andere Vertragspartner ein. Ich habe schon mit Tim telefoniert, seinem Lebensgefährten. Tim fühlt sich nicht hart genug, um in dem Metier weiterzuarbeiten und ist heilfroh, die heiße Adressliste an jemand anderen weitergeben zu können. Er behält die Modeberatungsfirma und das Versandhaus für Lifestyleprodukte, die waren immer seine Projekte, und überlässt dem Erben der Liste die Partnervermittlung. Sicher hat Tim auch genug Geld verdient, um sich ein sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Man muss Ellenbogen haben, um so eine Agentur zu führen.“
„Versandhaus? Modeberatung?“, wunderte sich Marc und blickte Mike begriffsstutzig an.
„Nun, im Laufe der Zeit hat Jonas den Kunden der Ganymed verschiedene legale Möglichkeiten geboten, das Geld für die Hosts zu begleichen. Im Luxussegment musst du dir schon etwas einfallen lassen, damit der Kunde die Sexdienstleistung auch diskret über seine Kreditkarte abwickeln kann, wenn er das möchte. Eine Möglichkeit der Ganymed ist, sich eine Modeberatungsmappe zu bestellen. Der Kunde bekommt dann wirklich eine Mappe zugesandt, bezahlt wird aber die Sexdienstleistung. Ihr Inhalt wird von Tim liebevoll zusammengestellt. So kann dann die Farbberatung für eine Krawatte auch schon einmal in die Tausende gehen.“
„Fällt das denn nicht auf?“, fragte Marc.
„Nein. Reiche Leute gönnen sich eben den Luxus, für Modeberatung sehr viel Geld auszugeben“, entgegnete Mike und zwinkerte Marc zu. „Was kostet beispielsweise deine Stilberaterin?“
„Kein Ahnung. Sie arbeitet für eine Reihe von Stars, die bei Steve unter Vertrag sind. Er bezahlt sie. Wenn, dann müsste es Vince wissen.“
Vincent zuckte mit den Schultern. „Um die Überwachung dieses Kleinkrams kümmert sich die Buchhaltung. Ich nehme an, ihr Honorar ist branchenüblich für Hollywood.“
„Willst du die Agentur abwickeln?“, fragte Marc und ließ damit das Thema Modeberatung fallen.
„Wenn ich die Hosts im Stich lasse, müssen sie zu einer anderen Agentur wechseln und da gibt es vielleicht weniger angenehme Arbeitsbedingungen. Noch hoffe ich, sie an andere Kollegen weitergeben zu können. Zwei, drei habe ich im Sinn, mit denen ich sprechen kann. Vielleicht kann ich sie überreden, die Agentur gemeinsam weiterzuführen. Alleine werden sie es nicht wollen.“
„Ihnen ist schon klar, dass Sie sich damit auf illegalem Terrain bewegen, Mike?“, mischte sich Vincent ein. „Natürlich nicht mit der Vermittlungsagentur. Sie dürfen sich legal einen Host buchen, der mit Ihnen in die Oper geht, aber wehe, Sie bezahlen ihn dafür, Sie in der Loge zu poppen.“
„Das ist mir bewusst, Boss. In New York werde ich mich erst orientieren müssen. Wenn Sie es wünschen, kündige ich.“
Marc stieß einen erschrockenen Laut aus und boxte Mike verärgert gegen den Oberarm. „Spinnst du?“
Vincent reagierte etwas gemessener auf das unwillkommene Angebot, aber genauso eindeutig: „Nein, das wünsche ich ganz bestimmt nicht. Sie können in der New Yorker Butlerwohnung wohnen, falls Ihnen das Angebot nicht zu privat ist. Ich empfehle Ihnen, sich juristisch beraten zu lassen. JJ findet solche Fälle amüsant. Wenden Sie sich an ihn.“
„Ich bezweifele, dass die Agentur in dieser Phase des Übergangs genug Geld einbringt, um JJs Stundensatz bezahlen zu können.“
Vincent setzte einen ironischen Blick auf und zog eine Braue nach oben.
„Ich denke, ich bekomme einen Freundschaftspreis von JJ“, gab Mike zu und warf ihm einen sinnlichen Blick zu. JJs Lebensgefährte Tony war ein guter Freund von ihm und beide interessierten sich sexuell für ihn. „Und das Angebot, in Ihrer New Yorker Wohnung zu wohnen, nehme ich sehr gerne an.“
Mike musterte Orlandos Gesicht. Das wirkte angespannt. Orlando hasst die Ereigniskarte, die das Schicksal für sie gezogen hatte, dennoch versuchte er nicht, ihn zu überreden, sein Erbe sausen zu lassen. Wie und ob es für Mike als Leibwächter von Vincent, Marc und Marina weitergehen würde, stand allerdings noch in den Sternen. Das störte Orlando gewaltig.
Ein lukratives Unternehmen wie die Ganymed warf man nicht einfach weg. Selbst, wenn Mike wegen der Illegalität des Sexgewerbes Bedenken gehabt hätte, fühlte er sich alten Freundschaften mit einigen Hosts verpflichtet. Irgendwie musste es ihm gelingen, die Übergabe der Ganymed an neue Betreiber zu organisieren, denen die Callboys vertrauen konnten.
Am nächsten Vormittag brachte Orlando seinen Lebensgefährten zum Flughafen. Mike trug jetzt einen seiner Maßanzüge und wirkte wie ein attraktiver Geschäftsmann, nicht mehr wie eine Sicherheitskraft.
Sie verschwanden in einer Toilettenkabine, weil Orlando so fertig aussah. Orlando küsste seinen Lover immer wieder, fast schon mit einer verzweifelten Leidenschaft. „Scheiße, Mike!“
„Ich kann die Agentur abwickeln. Für dich würde ich es tun.“
„Nein! Veränderungen gehören zum Leben.“ Seufzend band Orlando seinen Pferdeschwanz neu und sie verließen die Kabine. Orlando begleitete Mike bis zum Kontrollbereich. Bevor Mike seinen Blicken entschwand, drehte sich dieser noch einmal um, grinste und formte ein im Tauchen gebräuchliches Zeichen: Du führst, ich folge!
Fuck! Wie konnte man führen, wenn man nicht wusste, was man wollte?
Orlando setzte sich in einen Coffee-Shop und bestellte sich einen überteuerten, aber guten Espresso. Widerwillig gab er sich selbst gegenüber zu, dass er den Weg bereits vor sich sah und nur zu feige war, um das Risiko einzugehen, sein Schicksal beim Schopfe zu fassen. Veränderungen standen an, ob er wollte oder nicht. Nun lag es an ihm, ob er einfach nur auf sie reagierte und sich anpasste oder sich beherzt und aktiv das holte, wonach er sich sehnte.
Ups, er sollte vielleicht nicht in einer Flughafenbar an Vincents Schwanz denken und erst recht nicht daran, wie das Ding in seinen Arsch passte. Mit einem Steifen schlenderte man besser nicht zurück zu seinem Fahrzeug. Also bestellte sich Orlando noch einen Milchkaffee und atmete tief durch.
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Nachdem er sich einmal entschieden hatte, gab es für Orlando kein Zögern mehr. Auf dem Weg in die Villa schmiedete er seinen Plan, Vincents distanzierte Haltung zu durchbrechen und ihn zu verführen.
Lisette stimmte sofort lächelnd zu, sich den ganzen Tag um Lauren zu kümmern, als Orlando sie nach seiner Rückkehr in die Villa darum bat. Marc saß in seinem Musikzimmer am Klavier, grübelte über irgendwelchen Noten, die ihm der darin eingebaute Monitor anzeigte, und schreckte zusammen, als Orlando ihn von hinten umarmte.
„Hilfst du mir dabei, Vince zu verführen?“, raunte Orlando ihm ins Ohr und zwirbelte ihm die Nippel durch sein T-Shirt. Willig kuschelte sich Marc an ihn und stöhnte lüstern.
„Marc?“
„Hm?“
„Vincents Verführung planen!“
„Wenn du an mir herumspielst, kann ich mich nicht konzentrieren“, murmelte Marc.
Orlando biss ihm sanft in die Halsbeuge und zog dann seine Hände zurück. Marc atmete einmal tief durch und drehte sich auf dem Klavierhocker in Richtung Orlando, der sich vor ihn kniete, damit sie auf Augenhöhe miteinander sprechen konnten.
„Ist es endlich soweit?“, fragte er hoffnungsvoll.
„Was?“, fragte Orlando lächelnd und zwinkerte ihm zu.
„Das mit uns allen natürlich! Heißer Sex! Blasen, ficken, rimmen, kuscheln. Ich habe es nämlich verdammt satt, mich zu verstellen und so zu tun, als wärt ihr nur Mitarbeiter.“
„Immerhin steht Kuscheln auch auf deiner Liste“, neckte ihn Orlando und strich ihm durch die Haare.
Marc sprang von seinem Hocker auf und stürzte sich stürmisch auf Orlando. Er attackierte Orlandos Mund mit seinen Lippen. Orlando beantwortete dessen Hunger mit gleicher Leidenschaft, durfte aber den Kopf nicht verlieren.
„Bevor wir beide uns so richtig schön miteinander vergnügen dürfen, muss ich erst noch mein Verhältnis mit Vincent klären“, raunte Orlando Marc ins Ohr, der daraufhin frustriert seufzte und sich auf seinen Hocker zurücksetzte. So sexhungrig Marc normalerweise auch war, verstand er offenbar sehr gut, worauf Orlando hinauswollte.
„Also? Was schwebt dir vor?“
Dafür bekam Marc einen Kuss auf die Stirn und Orlando begann, seinen Plan zu umreißen.
Als Vincent von der Arbeit in die Stone-Villa zurückkehrte, wartete Orlando auf ihn.
„Ich habe dir deine Lederklamotten bereit gelegt“, sagte er. „Marc weiß schon Bescheid und wünscht uns viel Spaß bei unserem kleinen Ausflug.“
Orlando fühlte sich innerlich unsicherer, als er nach außen zeigte. Kritisch zog Vincent eine Braue nach oben und musterte seinen Assistenten distanziert. Schließlich nickte er. „Okay!“
Geduldig wartete Orlando, bis Vincent sich umgezogen hatte. Als Vince hinter ihm auf das Motorrad stieg, wirkte er reserviert und hielt sich gerade so weit fest, wie es notwendig war, um nicht während der Fahrt herunterzufallen.
Orlando griff seine Hände und zog ihn demonstrativ zu sich heran. Jetzt war es besser und Vincent versuchte auch nicht, wieder Distanz zu schaffen. Er wartete ab, was Orlando vorhatte und der fuhr los. Sie fraßen die Meilen und nach zwei Stunden Fahrt hielt Orlando an dem abgelegenen, romantischen Aussichtspunkt, den sie schon einmal besucht hatten. Sie stiegen vom Bike, nahmen die Helme ab, öffneten die Lederjacken und entfernten die Nierengurte.
Lange standen sie nebeneinander und schwiegen sich an. Plötzlich ließ Orlando seine Lederjacke in das Gras fallen und sprang Vincent regelrecht an. Vincent war ein stabil gebauter italienischer Typ mit recht ausgeprägten Muskeln und fast so groß wie Orlando, aber gegen den stahlharten Kämpfer hatte er keine Chance. Er wollte sich auch gar nicht gegen Orlandos Ansturm wehren. Die Küsse seines Angestellten wühlten sich tief in seinen Mund. Orlando machte eine abrupte Bewegung und riss Vincent einfach um. Er landete sanft mit dem Oberkörper auf einer der Lederjacken, jedenfalls spürte Vincent keine Schmerzen, nur Lust und forschende Hände, die an seiner Gürtelschnalle nestelten. Vince ließ ihn. Sie wussten beide, dass sie die Veränderungen nicht mehr aufhalten konnten, und sie hatten beide Angst davor. Langsam küsste sich Orlando an seinem Körper nach unten. Dio, dieser Mann konnte blasen! Er schluckte Vincents ganze Länge, keine einfache Aufgabe.
„Warte, warte!“, hielt er ihn auf.
Orlandos Blick wirkte wild, aggressiv. Er hatte sich aber unter Kontrolle.
„Neunundsechzig!“, forderte Vincent.
„Zu gefährlich. Du musst ein bisschen die Augen offen halten, während ich dich blase.“
„Himmel, Orlando! Ich kann doch nicht auf die Umgebung achten, während du mich zum Höhepunkt bringst.“
„Wohl nicht“, knurrte Orlando und schob seine Lippen wieder über den Schwanz, den er schon hatte lecken wollen, seit er ihn das erste Mal gesehen hatte. Er hörte Motorgeräusche und fluchte: „Verfickte Scheiße!“
Vincent konnte gerade noch seine Hose schließen, als auch schon zwei uniformierte Polizeibeamte auftauchten, die Hände an den Pistolen. Orlando kam mit einer Schnelligkeit auf die Füße, die Vincent nur bewundern konnte.
„Haben Sie eine Erlaubnis für diese Waffe, die Sie da im Holster bei sich tragen?“, fragte der eine Polizist.
„Selbstverständlich! Ich bin Orlando Ramirez, Sicherheitskraft bei Vincent Gable.“
„Okay, ich erkenne Sie, habe Sie damals bei Winny gesehen. Die Sache mit dem Hummer fand ich cool. Ich würde ja sagen, machen Sie weiter, aber Sex in der Öffentlichkeit ist gegen das Gesetz, auch wenn dieser Ort hier noch so verführerisch dafür geeignet zu sein scheint. Ich lasse Sie und Mr. Gable mit einer mündlichen Verwarnung davon kommen. Ihr Job ist wohl sehr … abwechslungsreich, was?!“
Orlando lächelte schwach.
„Schönen Abend noch, die Herren, und behalten Sie Ihre Hosen an, solange Sie hier sind.“
„In Ordnung!“, entgegnete Orlando.
Die Polizisten kehrten zu ihrem Fahrzeug zurück. Dabei legte der eine dem anderen die Hand auf eine der beiden wirklich sehr knackigen Arschbacken und drückte zu. Aha! Die beiden hatten den Aussichtspunkt auch für ein Schäferstündchen nutzen wollen. So einsam wie erhofft war es hier leider nicht.
„Siehst du, weshalb das so schwer ist?“, grollte Orlando seinen Arbeitgeber an.
„Wir machen jetzt aber keinen Schritt zurück, oder?“, fragte Vincent und runzelte die Stirn.
„Nein, dafür ist es zu spät. Ich nehme deine Hilfe beim Roman an, okay? Wir sehen, wie es läuft. Vielleicht findest du ihn ja gar nicht gut genug für eine Veröffentlichung.“
„Unwahrscheinlich“, antwortete Vincent. „Du wirst zu Hause das beenden müssen, was du hier angefangen hast. Marc wird hoch erfreut sein, dich in seinem Körper begrüßen zu dürfen.“
Orlando lächelte verhalten. „Okay, im Gästehaus werde ich ihn poppen, bis ihm Hören und Sehen vergeht!“
„Im Gästehaus?“, wunderte sich Vincent.
„Dort ist neutrales Terrain. Ich habe mir schon sehr lange überlegt, wie diese ‚Freunde mit Extras Nummer’ klappen könnte, du nicht? Wir sollten unsere persönlichen Lebensbereiche bewahren und die Extras an neutralen Orten stattfinden lassen.“
„Verstehe.“
Sie klaubten ihre Lederjacken aus dem Gras, schüttelten sie aus und zogen sie an. Zurück in der Villa erwartete sie schon ein von Marc gekochtes Abendessen. Lauren lag wie immer um diese Zeit im Bett.
Orlando und Vincent duschten noch schnell, getrennt voneinander. Keiner von ihnen wollte es jetzt übereilen. Als er in die Küche schlenderte, waren Orlandos Haare noch ein bisschen feucht. Deshalb ließ er sie offen und Marc griff hinein, um sie sich durch die Finger gleiten zu lassen. „Das ist ab jetzt erlaubt, oder nicht?“, fragte er, weil Orlando ein kleines bisschen vor ihm zurückzuckte.
„Ist es“, bestätigte Orlando und gab ihm einen Kuss auf die Nase.
„Ich habe genug von unschuldigen Küssen“, grummelte Marc und versuchte, Orlandos Kopf zu sich herunterzuziehen.
„Wir werden uns nach dem Essen schuldig machen. Jetzt habe ich Hunger.“
Marc rieb seinen Unterleib an dem von Orlando und kicherte.
„Was hast du denn Feines gekocht?“
„Kalbsragout.“ Freudestrahlend öffnete Marc den Topfdeckel und ließ Orlando probieren. Das Fleisch zerging Orlando auf der Zunge.
„Köstlich“, lobte er Marc.
Als Vincent in die Küche trat, hatte Marc den Löffel noch in der Hand. Daher bekam Vincent auch gleich einen Probierhappen. Sie beratschlagten, ob sie Nudeln oder Reis als Beilage wollten.
„Mike würde Kroketten oder Kartoffelpüree vorschlagen“, sagte Orlando mehr als Scherz.
„Dann gibt es Kroketten“, entschied Vincent und holte sie aus dem Eisschrank. Lisette bereitete ihnen solche Beilagen vor und fror sie ein. So hatten auch sie eine Auswahl von Convience-Produkten, die sie spontan aus dem Froster ziehen konnten. Nur stammten ihre nicht aus dem Supermarkt.
Marc riss seinem Mann den Beutel aus der Hand. „Ich koche heute! Kümmere du dich um die Aperitifs!“
„Sehr wohl, bossy Cat“, entgegnete Vincent amüsiert.
Beim Essen sprachen sie über die Notwendigkeit, ein neues Kindermädchen einzustellen. Vincent war so fest davon überzeugt, dass Orlando mit seinem Roman Erfolg haben würde, und hielt es deshalb für unumgänglich.
„Ich will dir deine Aufgabe nicht wegnehmen, Orlando. Du kannst dich um Lauren kümmern, wann immer du hier bist, aber ein Schriftsteller macht Lesereisen und Vorlesungen, gibt Interviews.“
„Berühmte Schriftsteller“, wandte Orlando ein.
„Bist du nicht von deinem Roman überzeugt?“, fragte Vincent.
„Doch, bin ich.“
„Dann halt die Klappe!“
Orlando schmunzelte. Er schnappte Marcs Blick auf, der einfach nur Sex haben wollte und sich über die organisatorischen Dinge wie immer keinen Kopf machte. Vincent hatte Schatten unter den Augen, bemerkte Orlando. Unter seinem Oberhemd lugten seine Brusthaare hervor und Orlando fand sie sexy. Er griff nach vorne und öffnete einen weiteren Knopf des Hemds.
„Geht es dir gut?“, fragte er und ließ seine Finger werbend durch die Haare gleiten, damit Vincent die Frage nicht als Distanzierung betrachtete.
„Gut genug!“
Nun wirkte auch Marc besorgt. Er wusste, Orlando sah schneller, wenn etwas mit Vincent nicht stimmte.
„Wir können uns Zeit lassen. Keine Angst, ich ziehe mich nicht zurück. Wir haben Sex, wenn es passt.“
„Es passt mir heute Abend gut“, beharrte Vincent.
Bruno kam in die Küche und sagte: „Die blaue Suite steht für Sie bereit, meine Herren.“
Orlando versteckte nicht vor Bruno, dass er gerade mit Vincent flirtete und ließ seine Hand an Ort und Stelle. Brunos schmales Lächeln wirkte zustimmend.
„Lisette und ich begrüßen es, dass Sie alle zusammenrücken“, kommentierte er die neuen Zeichen der Zeit.
„Ist das so, Bruno?“, fragte Vincent verwundert. „Das ist eine sehr moderne Einstellung.“
Bruno schmunzelte. „Sie alle lieben fortschrittlich, aber nicht weniger aufrichtig als Menschen in traditionelleren … hm … Konstellationen.“
„Danke, Bruno!“
„Sind Sie fertig mit dem Essen, kann ich abräumen?“
„Ja, wir ziehen uns dann in die Suite zurück“, erklärte Vincent.
„Ich hole grad noch mein Handy“, sagte Marc grinsend. „Bestimmt möchte Marina in Paris mithören.“
„Zeitdifferenz!“, erinnerte Orlando ihn und Marc schob schmollend die Unterlippe vor.
„Wenn du Marina jetzt schon verrätst, dass wir es uns endlich nett mit Orlando machen, dann kommt sie eine Woche früher nach Hause, statt ihre Großmutter in Südfrankreich zu besuchen, wie sie vorhatte.“ Vincents Stimme wirkte etwas angestrengt.
„Und?“
„Wenn Marina nicht zu Großmutter Bernard fährt, reist die gute Dame zu Marina nach Los Angeles. Und wo wird sie wohl wohnen?“
Verschreckt schaute Marc seinen Mann an. „Bei uns! Beim letzten Mal brachte sie den ganzen Haushalt durcheinander und Lisette hätte fast gekündigt. Bruno nannte sie einen Dienstboten. Schrecklich!“
„Dann erzählen wir Marina die Neuigkeit besser erst nach ihrer Rückkehr.“ Vincent zwinkerte ihm zu.
„Keine Sekunde früher“, entgegnete Marc und erschauerte. „Ich mag Madame Bernard ja ganz gerne, wenn wir sie auf ihrem Gut besuchen. Es macht Spaß, mit ihr Vorräte einzukochen. In ihrem eigenen Revier ist sie ganz verträglich.“
Orlando lachte amüsiert. „Sie hat eben ihre ganz eigenen Vorstellungen, wie ein Haushalt zu führen ist.“
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Als persönlicher Assistent hatte Orlando seine Arbeitgeber schon viele Male nackt gesehen und es störte ihn nie, oft machte es ihn an. Nun, wo sie ihre Zurückhaltung aufgaben, fühlte er sich auf einmal seltsam. Sie wagten den Schritt in eine Zukunft, für die es keine Anleitung gab, keine gesellschaftlichen Vorbilder.
Orlando wusste genau, wo er hingehörte, nämlich an Mikes Seite. Sie beide gehörten einander und gemeinsam ließen sie sich gerade auf noch Mehr in ihrem Leben ein. ‚Was war dieses Mehr?’, fragte sich Orlando, während er Vincent das maßgeschneiderte Hemd aufknöpfte, Marc öffnete derweil den Gürtel seines Mannes. Der Kleine machte sich wenig Gedanken über die Entwicklung der Dinge. Er wollte Sex. Wie immer genoss er einfach das, was ihm geboten wurde, ohne groß darüber nachzudenken. Marc orientierte sich an seinem geliebten Ehemann Vincent, und wenn der nichts dagegen hatte, stürzte er sich ins Abenteuer.
Orlando bemerkte, wie Vincent ihn mit seinen dunkelbraunen Augen beobachtete. Dieser Mann hatte so tolle, lange und gebogene Wimpern, dass es fast schon ein sinnliches Erlebnis war, auch nur einen flüchtigen Blick von ihm zu erhaschen. Vince wirkte mindestens genauso nachdenklich wie Orlando.
Irgendwie konnte Orlando einfach nicht aufhören, über die Situation nachzudenken. Vincent setzte sich nun nackt auf das vortrefflich von Bruno für ihren Sex vorbereitete Bett. Orlando goss ihm noch ein Glas Wein ein. Lässig in die Kissen gelehnt und an seinem Wein nippend, beobachtete Vincent, wie sein Mann Orlando auszog. Marc begeisterte sich für den Waschbrettbauch, den er schon so oft beim Schwimmen gesehen, aber niemals hatte anfassen dürfen. Er leckte ausgiebig mit der Zunge über die Muskelstränge und nahm dann Orlandos Schwanz in den Mund.
Orlandos Handy läutete. Sie alle kannten Mikes Klingelton. Wie selbstverständlich reichte Vincent ihm das Gerät. „Mike!“
„Was tust du gerade?“, fragte der.
„Ich habe das Handy auf Lautsprecher gestellt und mein Schwanz befindet sich in Marcs Mund.“
„Das ging schnell. Ich dachte, du brauchst mindestens eine Woche, um dir ein Herz zu fassen.“
„Manchmal überrasche ich dich eben noch“, entgegnete Orlando. „Und was machst du?“
„Mit JJ die Einzelheiten seines Honorars aushandeln.“
Im Hintergrund hörte Orlando ein Stöhnen.
„Und Tony?“, fragte er.
„Ist leider im Ausland auf einer Tagung. Moment …“
Körper klatschten aufeinander und JJ stöhnte schmerzerfüllt auf. „JJ wurde mir gerade zu frech“, sagte Mike.
Orlandos bemerkte, wie Vincent mit seinen Fingerspitzen von seiner Brust abwärts fuhr und sich dann locker seine schweren Eier kraulte.
„Hast du deinen Lautsprecher an, Mike?“
„Ja!“
„Marc und ich werden Vince gleich die Eier lecken und seinen Schwanz mit der Zunge verwöhnen. Stimmt’s, Kleiner?!“
„Hmpf!“, kam es von unten. Wer den Mund voll hatte, konnte schlecht reden.
„Oh Gott, ich will zu euch, sofort!“, hörten sie JJ. Vincents Exlover hatte noch immer eine Schwäche für ihn. Mikes Hand schien auf seinem Arsch zu landen, jedenfalls klatschte es entsprechend.
„Auf wen konzentrierst du dich gerade?“, fragte ihn Mike mit strenger Stimme.
„Auf dich, Mike!“, entgegnete JJ und dann fing er an zu stammeln: „Oh ja, … da, Himmel …, du bist toll …“
„Bring ihn zum Schreien“, forderte Orlando seinen Lebensgefährten auf und Mike tat ihm den Gefallen.
„Schlucken!“, warnte Orlando Marc und rammte sich in dessen Kehle. Überrascht quiekte Marc auf und Orlando kam. Es trieb Marc die Tränen in die Augen und bevor er in Panik geriet, zog sich Orlando schnell zurück. Der Rest seines Spermas landete in Marcs Gesicht.
„Das war, das war …“, stammelte Marc. „Fies!“
Am anderen Ende der Leitung lachte Mike. „Orlando kann sehr fies beim Sex sein, Darling. So oft, wie du uns heimlich dabei beobachtet hast, müsste es dir klar sein. Hat’s dir gefallen?“ Mikes dunkle, verführerische und gleichzeitig amüsierte Tonlage offenbarte, dass er Marc seine plötzliche Zimperlichkeit nicht abnahm.
„Glaube schon.“ Marc flüchtete in die Arme seines Mannes, der ihm das Sperma vom Gesicht leckte.
„Du schmeckst mir, Orlando“, raunte Vincent und erntete dafür ein strahlendes Lächeln von ihm, das ihm durch und durch ging, seinen Körper in Flammen setzte und gleichzeitig sein Herz berührte. Orlando war neben Mike einer der selbstbewusstesten Männer, die Vincent kannte. Gerade konnte Vincent aber einen Blick darauf erhaschen, dass es ihm um mehr als Sex ging. Es schimmerte feucht in Orlandos Augen, nur ein klein wenig. ‚Brich mir nicht mein Herz!’, las Vincent daraus. Oh, er würde sehr sorgsam damit umgehen.
Orlando blinzelte einmal und jetzt sah Vincent nur noch erotische Abenteuerlust in dessen Blick.
„Ich werde jetzt eine Weile nicht reden können, Mike“, sagte Orlando und gesellte sich zu den anderen beiden auf das Bett.
„Ich will Webcamsex“, beschwerte sich JJ.
„Keine Chance!“, wies Vincent ihn ab. Telefonsex mochte er, aber mit einer Webcam ließ er sich nie in intimen Situationen aufnehmen.
„Was passiert gerade?“, wollte JJ wissen.
„Orlando bläst mich gerade … sehr tief.“
„Wow! Ich will das unbedingt sehen …“
„Orlando, Lieber, ich hänge auf. Ich werde JJ begreiflich machen, dass er sich auf mich zu konzentrieren hat, wenn ich mit ihm im Bett bin“, sagte Mike und beendete die Verbindung. Sein Lover ließ sich davon nicht stören und entfaltete sein Können bei Vincent, der zwar selbst oral ein Künstler war, aber angesichts der Größe seines Teils selten in den Genuss kam, tief geblasen zu werden.
Orlandos Mund bescherte Vincent einen super Orgasmus und ließ ihn ausgelaugt zurück. Er genoss die Show, die Marc und Orlando ihm noch boten, mischte sich selbst aber kaum in das Geschehen ein. Immer wieder blickten sie zu Vincent, lächelten ihn an oder rückten ein wenig, um ihm eine noch schönere Aussicht auf ihre verschlungenen Körper zu bieten. Manchmal gab Vincent ihnen durch ein Handzeichen zu verstehen, was er gerne noch von ihnen sehen wollte. Er war Teilnehmer ihres Liebesspiels, auch wenn er sie nicht berührte. Vincent liebte jede Sekunde davon.
Nachdem endlich auch Marc mit Orlando seine Sättigung gefunden hatte, wollte er zu dritt in der Suite schlafen, aber das hielt Orlando für keine gute Idee. Vincent brauchte seinen Schlaf und Orlando traute sich derzeit selbst nicht richtig. Die beiden konnten keinen Ex-SEAL im Bett gebrauchen, der im Schlaf um sich schlug oder dessen Träume von eiskalten Tauchgängen so realistisch waren, dass sein Körper tatsächlich auskühlte. Wie so oft zupfte er den Schlafenden noch die Decken zurecht, gönnte sich aber dieses Mal zärtliche Berührungen, die er sich als Angestellter bisher verkniffen hatte. Als Orlando die Tür öffnete, trabten alle vier Katzen herein und miauten ihn vorwurfsvoll an, was ihre Menschen denn in diesem Zimmer zu suchen hatten. Er hob sie vom Boden auf, streichelte jeder von ihnen das Köpfchen und setzte sie auf das Bett. Die Bande rangelte noch miteinander und Orlando wollte sie schon wieder verscheuchen, als die Katzen endlich zur Ruhe kamen und sich zu einem Flauschhaufen gemeinsam zusammenrollten.
Am nächsten Morgen saß Orlando an der Küchenbar und tippte fleißig auf der Tastatur seines Notebooks. „Orlando, hast du diese Nacht schlecht geschlafen?“, fragte Vincent angesichts der frühen Uhrzeit und gähnte herzhaft. Familiär berührte er Orlando an der Schulter.
Durfte Orlando ihm jetzt einen Guten-Morgen-Kuss geben? Er sehnte sich danach, es zu tun. Bis er mit Überlegungen dazu fertig war, hatte sich Vincent allerdings schon auf seinen üblichen Platz gesetzt.
„Ich kann derzeit nicht gut schlafen“, antwortete Orlando und klappte sein Notebook zu. Er ging an die Kaffeemaschine und machte zwei Milchkaffee.
„Was ist los?“, wollte Vincent wissen.
Orlando sandte ihm einen Blick über die Schulter. Wie so oft wollte er sich eine neutrale Ausrede einfallen lassen, die dem Verhältnis von Arbeitgeber und Arbeitnehmer angemessen war, jedenfalls laut des Butlerkurses, den Orlando einst absolviert hatte.
Moment! Orlando stutzte.
Was genau waren sie jetzt? Verwirrt zog er die Stirn kraus.
„Orlando?“, hörte er die mitfühlende, sanfte Stimme von Vincent, die ihn gerade verführte, ihm alles, was ihn jemals gequält hatte, auf der Stelle zu offenbaren.
Gott! Orlando strich sich über das Gesicht. Am besten, er fing erst einmal mit dem Alptraum an. „Ich mache Tauchgänge im Traum und das fühlt sich sehr unangenehm an. Also bleibe ich lieber wach“, gab Orlando zu und erschauerte.
„Tauchgänge?“
„Sea, Air, Land, Vince. SEALs müssen tauchen können.“
„Und du hast nicht gerne getaucht?“
„Doch, in warmen Wasser. Aber wir wurden auch in eiskaltem Wasser gedrillt.“
„Hast du diese Träume oft?“
„Geht so“, murmelte Orlando. „Gerade ist es ein bisschen schwierig. Mike ist in New York, meine Zukunft ist unsicher …“
„Von wegen unsicher!“, unterbrach ihn Vincent etwas barsch. „Du glaubst doch nicht, ich knabbere ein bisschen an dir und dann schmeiße ich dich raus?“
Orlando lächelte. „Ich habe an dir geknabbert.“
„Stimmt! Und du hast das ganz ausgezeichnet gemacht. Ich will dich und Mike auch weiterhin in meinem Leben, verstehen wir uns?!“
„Ja, aber was sind wir?“
„Komm! Ich bin gerade aufgestanden und zerbreche mir doch jetzt nicht den Kopf darüber.“
„Ich fühle mich in eine unbekannte Welt gestoßen, deren Regeln mir fremd sind.“
Vincent seufzte. „Okay! Warum gehst du das mit uns nicht ein bisschen lockerer an? Auf deiner monatelangen Tour mit Bands hattest du doch auch keine starren Regeln.“
„Da war ich nur mir verantwortlich. Hier bin ich Teil einer Familie, sorge mich um die, die ich lie … mag. Ich brauche Eckdaten, genügend Informationen, um mich einordnen zu können.“
„Du gibst dir doch schon selbst die Antwort, Orlando. Du gehörst jetzt zur Familie.“
„Als was?“, wollte Orlando wissen. „Gespiele, Sexobjekt, Freund mit Extras?“ Seine Stimme wirkte nicht aggressiv oder beleidigt, er versuchte einfach nur, mit der Situation zurecht zu kommen.
„Was bin ich denn für dich, ganz spontan gesagt, ohne dass du lange darüber nachdenkst?“, konterte Vincent.
„Mein Alpha!“
Verblüfft starrte Vincent seinen Assistenten an und musste unwillkürlich lachen, als würde er diese Einordnung seiner selbst absurd finden. Orlando allerdings begann, sich in die neue Situation einzufügen und mit ihr klar zu kommen. Der zweifelnde Ausdruck auf seinem Gesicht verschwand.
„Du könntest mir mit einem Hieb das Genick brechen, stimmt’s?“, wandte Vincent ein.
„Das spielt keine Rolle. Du bist der Alpha, derjenige, der sagt, wo es langgeht, Mike und ich sind die Soldaten.“
„Ich bin Mitte vierzig, habe Leukämie und die Panikattacken nach dem Anschlag in Vegas sind zwar seltener geworden, kommen aber manchmal noch vor. Dann klammere ich mich wie ein zitternder Welpe an dich und versuche irgendwie, meine Emotionen in Schach zu halten. So verhält sich kein Alpha!“
Oh je, Vince verstand es wirklich nicht. Wie sollte Orlando es ihm nur begreiflich machen? Er versuchte es anders:
„Du bist wie dein Bruder Frank. Er hat seine Frau Cheryl, seinen tätowierten Lebensgefährten Brandon und eine Reihe Subs, die ihn vergöttern. Dein Bruder ist auch ein Alpha.“
„Ich bewege mich nicht in der BDSM-Szene und du bist alles andere als submissiv.“
„Du wärst ein guter Dom, Vince. Ich habe dich auf mehreren Gruppensexpartys beobachten können. Deine Präsenz hat dabei sogar die Situation beherrscht, wenn du wegen des Gellvecs nicht ganz auf dem Posten warst. Deine Wirkung auf andere ist … hm … beeindruckend und das wird wahrscheinlich noch so sein, wenn du Neunzig bist.“
„Ich werde keine Neunzig“, entgegnete Vincent gepresst. „Es wird Zeit, die Hunde auszuführen!“
Orlando akzeptierte den abrupten Themenwechsel, pfiff und die beiden Hunde rannten schwanzwedelnd in die Küche. Auch die vier Katzen schauten schon vorbei. Sie ließen sich kraulen und knusperten etwas von dem Trockenfutter, welches ihnen Orlando in die Schalen streute.
„Ist meine Wirkung auch auf dich beeindruckend?“, fragte Vincent und seine Stimme klang geschmeichelt.
Gut! Langsam sickerte die Erkenntnis in ihn ein. Orlando stellte sich vor ihn. Er nahm Vincents Hand und legte sie gegen seine Brust, dort, wo sein Herz schlug. „Habe ich dir das letzte Nacht nicht ausreichend bewiesen? Dann muss ich mir heute Abend mehr Mühe geben.“
Vincent lachte rauchig. „Oh, dein Beweis war überzeugend, aber eine Wiederholung verstärkt die Wirkung.“
