Outlander - Das Schwärmen von tausend Bienen - Diana Gabaldon - E-Book
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Outlander - Das Schwärmen von tausend Bienen E-Book

Diana Gabaldon

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Beschreibung

Im historischen Roman »Outlander – Das Schwärmen von tausend Bienen« müssen Claire und Jamie Fraser inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges um ihre Familie und ihre Liebe kämpfen. 1779 steht für Claire Randall und Jamie Fraser mehr auf dem Spiel als jemals zuvor: Zwar sind sie überglücklich über Briannas Heimkehr – doch niemand weiß, ob die Gefahr, die ihre Tochter mit Mann und Kindern zur Flucht aus dem 20. Jahrhundert gezwungen hat, wirklich gebannt ist. Wie können Claire und Jamie ihrer Familie inmitten des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Schutz bieten? Währenddessen hadert der junge William Ransom noch immer mit seiner wahren Abstammung. Und Lord John Grey muss sowohl einen Weg zur Versöhnung finden, als auch neuen Gefahren entgegentreten – im Namen seines Sohnes, und in seinem eigenen ... Spannung und Dramatik, Leidenschaft, Liebe und Abenteuer: Seit 8 internationalen Bestsellern steht die Serie »Outlander« für einen hoch spannenden Mix aus Zeitreise-Roman und historischem Roman. Auch im 9. Band von »Outlander« lässt Welt-Bestseller-Autorin Diana Gabaldon uns hautnah am Schicksal von Claire und Jamie Fraser, ihrer Familie und ihren Freunden teilhaben. Alle Bände der "Outlander"-Reihe von Diana Gabaldon: • »Outlander« • »Outlander - Die geliehene Zeit« • »Outlander - Ferne Ufer« • »Outlander - Der Ruf der Trommel« • »Outlander - Das flammende Kreuz« • »Outlander - Ein Hauch von Schnee und Asche« • »Outlander - Echo der Hoffnung« • »Outlander - Ein Schatten von Verrat und Liebe«

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Seitenzahl: 2282

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Diana Gabaldon

Outlander

Das Schwärmen von tausend Bienen

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von Barbara Schnell

Knaur eBooks

Inhaltsübersicht

Widmung

Karte

Familienstammbaum 1

Prolog

ERSTER TEIL

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

ZWEITER TEIL

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

DRITTER TEIL

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

35. Kapitel

36. Kapitel

37. Kapitel

38. Kapitel

39. Kapitel

40. Kapitel

41. Kapitel

42. Kapitel

43. Kapitel

44. Kapitel

45. Kapitel

46. Kapitel

47. Kapitel

48. Kapitel

49. Kapitel

50. Kapitel

51. Kapitel

52. Kapitel

53. Kapitel

54. Kapitel

55. Kapitel

56. Kapitel

57. Kapitel

58. Kapitel

VIERTER TEIL

59. Kapitel

60. Kapitel

61. Kapitel

62. Kapitel

63. Kapitel

64. Kapitel

65. Kapitel

66. Kapitel

67. Kapitel

68. Kapitel

69. Kapitel

70. Kapitel

71. Kapitel

72. Kapitel

73. Kapitel

74. Kapitel

75. Kapitel

76. Kapitel

77. Kapitel

78. Kapitel

79. Kapitel

80. Kapitel

81. Kapitel

82. Kapitel

83. Kapitel

84. Kapitel

85. Kapitel

86. Kapitel

87. Kapitel

88. Kapitel

89. Kapitel

90. Kapitel

91. Kapitel

92. Kapitel

93. Kapitel

94. Kapitel

95. Kapitel

96. Kapitel

97. Kapitel

98. Kapitel

99. Kapitel

100. Kapitel

101. Kapitel

102. Kapitel

103. Kapitel

104. Kapitel

105. Kapitel

106. Kapitel

FÜNFTER TEIL

107. Kapitel

108. Kapitel

109. Kapitel

110. Kapitel

111. Kapitel

112. Kapitel

113. Kapitel

114. Kapitel

115. Kapitel

116. Kapitel

117. Kapitel

118. Kapitel

119. Kapitel

120. Kapitel

121. Kapitel

122. Kapitel

123. Kapitel

124. Kapitel

125. Kapitel

126. Kapitel

127. Kapitel

128. Kapitel

129. Kapitel

130. Kapitel

131. Kapitel

132. Kapitel

133. Kapitel

134. Kapitel

135. Kapitel

136. Kapitel

137. Kapitel

138. Kapitel

139. Kapitel

140. Kapitel

141. Kapitel

142. Kapitel

143. Kapitel

144. Kapitel

145. Kapitel

146. Kapitel

147. Kapitel

148. Kapitel

149. Kapitel

150. Kapitel

151. Kapitel

152. Kapitel

153. Kapitel

154. Kapitel

155. Kapitel

Familienstammbaum 2

Anmerkungen der Autorin

Danksagung

Für Doug

Meinen Kompass

Diese Landkarte finden Sie auch im Internet unter folgendem Link: www.droemer-knaur.de/outlander-bilder

Diesen Stammbaum finden Sie auch im Internet unter folgendem Link: www.droemer-knaur.de/outlander-bilder

Prolog

Wir wissen, dass etwas auf uns zukommt. Es wird etwas geschehen – etwas Bestimmtes, das ernst ist und schlimm. Wir stellen es uns vor, wir schieben es von uns. Es wälzt sich langsam, unausweichlich in unsere Gedanken zurück.

Wir bereiten uns vor, so gut wir können. Zumindest denken wir das, obwohl unser Inneres die Wahrheit kennt – es ist nicht möglich, dem Ansturm auszuweichen, uns anzupassen, die Wucht zu verringern. Er wird kommen, und wir werden ihm hilflos gegenüberstehen.

Wir wissen das.

Und doch glauben wir irgendwie nie, dass es heute so weit ist.

ERSTER TEIL

Ein Bienenschwarm im Kadaver eines Löwen

 

 

 

 

1

Die MacKenzies sind hier

Fraser’s Ridge, Kolonie North Carolina17. Juni 1779

Ich hatte einen Stein unter meiner rechten Gesäßbacke, doch ich wollte mich nicht bewegen. Der winzige Herzschlag unter meinen Fingern war sanft und beharrlich, die flüchtigen Stöße Leben und die Zwischenräume Ewigkeit, meine Verbindung mit dem endlosen Nachthimmel und der Flamme, die ihm entgegenstieg.

»Rutsch ein Stück zur Seite, Sassenach«, sagte eine Stimme in meinem Ohr. »Ich muss mich an der Nase kratzen, und du sitzt auf meiner Hand.« Jamie zuckte unter mir mit den Fingern, und ich wandte mich ihm zu, rückte ein wenig und setzte mich wieder zurecht, ohne Mandy loszulassen, die völlig erschlafft in meinen Armen schlief.

Er lächelte mich über Jems Wuschelkopf hinweg an und kratzte sich an der Nase. Es musste weit nach Mitternacht sein, doch das Feuer brannte noch hell, und das Licht schlug Funken in seinen Bartstoppeln und leuchtete in seinen Augen so sanft wie im roten Haar seines Enkelsohns und den Schattenfalten des abgetragenen Plaids, das er um sie beide gelegt hatte.

Auf der anderen Seite des Feuers lachte Brianna leise, so wie Leute mitten in der Nacht lachen, wenn schlafende Kinder in der Nähe sind.

Sie legte Roger den Kopf an die Schulter, die Augen halb geschlossen. Sie sah vollkommen erschöpft aus – ihr Haar war ungewaschen und verknotet, und der Schein des Feuers drückte tiefe Mulden in ihr Gesicht – und doch glücklich.

»Was ist denn da so lustig, a nighean?«, fragte Jamie und verlagerte Jemmy in eine bequemere Position. Jem versuchte aus Leibeskräften, wach zu bleiben, doch allmählich verlor er den Kampf. Er gähnte herzhaft, schüttelte den Kopf und blinzelte wie eine benommene Eule.

»Lustig da?«, wiederholte er, doch das letzte Wort verhallte, und er saß mit halb offenem Mund und glasigen Augen da.

Seine Mutter kicherte. Sie klang wie ein Mädchen, und ich spürte Jamies Lächeln.

»Ich habe nur gerade Papa gefragt, ob er sich an ein Gathering vor vielen Jahren erinnern kann. Die Clans wurden alle an ein großes Lagerfeuer gerufen, und ich habe Papa einen brennenden Ast gegeben und ihm gesagt, er soll ans Feuer gehen und sagen, die MacKenzies wären da.«

»Oh.« Jem blinzelte, einmal, zweimal, blickte auf das Feuer, das vor uns loderte, und zwischen seinen feinen roten Brauen entstand eine kleine Falte. »Wo sind wir jetzt?«

»Zu Hause«, sagte Roger, und sein Blick traf den meinen, dann wanderte er zu Jamie weiter. »Für immer.«

Jamie stieß den Atem aus, den auch ich angehalten hatte, seit die MacKenzies heute Nachmittag plötzlich unter uns auf der Lichtung aufgetaucht waren und wir ihnen den Hügel hinunter entgegengeflogen waren. Einen Moment lang war alles in wortlosem Glück explodiert, als wir uns einander in die Arme warfen, dann hatte sich die Explosion ausgebreitet. Amy Higgins kam aus ihrem Blockhaus, durch den Lärm herbeigerufen, gefolgt von Bobby, dann Aidan – der bei Jemmys Anblick einen Freudenschrei ausgestoßen und ihn gerammt und zu Boden geworfen hatte –, Orrie und dem kleinen Rob.

Jo Beardsley war in der Nähe im Wald gewesen, hatte den Aufruhr gehört und war gekommen, um nachzusehen … und es schien nur einen Augenblick lang zu dauern, dann war die Lichtung voller Menschen. Sechs Haushalte waren nah genug, um die Nachricht vor Sonnenuntergang zu erhalten; der Rest würde es zweifellos morgen erfahren.

Die spontane Gastfreundschaft der Schotten war wunderbar gewesen; Frauen und Mädchen waren zu ihren Hütten zurückgelaufen und hatten geholt, was sie zum Abendessen gekocht oder gebacken hatten, die Männer hatten Holz gesammelt und es – auf Jamies Bitte – oben zum Hügelkamm geschleppt, wo der Umriss des neuen Hauses stand. Und wir hatten unserer Familie ein zünftiges Willkommen bereitet, im Kreis von Freunden.

Man hatte den Reisenden Hunderte von Fragen gestellt: Woher kamen sie? Wie war die Reise gewesen? Was hatten sie erlebt? Niemand fragte, ob sie froh waren, wieder da zu sein; das hielten alle für selbstverständlich.

Weder Jamie noch ich hatten eine Frage gestellt. Dazu blieb genug Zeit – und jetzt, da wir allein waren, hatte Roger gerade die eine beantwortet, die wirklich wichtig war.

Der Grund für diese Frage jedoch … ich spürte, wie meine Nackenhaare kribbelten.

»Ein jeder Tag hat seine Plage«, murmelte ich in Mandys schwarze Locken hinein und küsste ihr kleines, im Schlummer taubes Ohr. Einmal mehr tasteten sich meine Finger ins Innere ihrer Kleider vor – schmutzig von der Reise, aber von sehr guter Qualität – und fanden die haarfeine Narbe zwischen ihren Rippen, den Hauch des Skalpells, das ihr das Leben gerettet hatte, so fern von mir.

Es klopfte friedlich vor sich hin, dieses tapfere kleine Herz unter meinen Fingerspitzen, und ich rang blinzelnd mit den Tränen – nicht zum ersten Mal an diesem Tag und gewiss auch nicht zum letzten Mal.

»Ich habe recht gehabt, aye?«, sagte Jamie, und ich begriff, dass er es schon zum zweiten Mal sagte.

»Recht womit?«

»Dass wir mehr Platz brauchen«, sagte er geduldig und wandte sich dem unsichtbaren Rechteck des steinernen Fundaments zu, das bis jetzt die einzige greifbare Spur des neuen Hauses war.

Brianna gähnte wie ein Löwe, dann schob sie ihre wirre Mähne zurück und blinzelte schläfrig in die Dunkelheit.

»Wahrscheinlich schlafen wir diesen Winter im Kartoffelkeller«, sagte sie, und der Klang ihres Lachens verlor sich im nächsten Gähnen.

»Oh, ihr Kleingläubigen«, sagte Jamie völlig ungerührt. »Das Holz ist schon gesägt, zerteilt und gehobelt. Bis es schneit, werden wir Wände und Fenster in Hülle und Fülle haben. Vielleicht noch ohne Glas«, fügte er der Vollständigkeit halber hinzu. »Aber das kann bis zum Frühjahr warten.«

»Mmm.« Wieder blinzelte Brianna und schüttelte den Kopf, dann reckte sie sich, um einen Blick in Richtung des Hauses zu werfen. »Hast du schon eine Kaminplatte?«

»Ja. Ein schönes kleines Stück Serpentin – ein grünes Gestein, weißt du noch?«

»Ja. Und hast du ein Stück Eisen, um es darunterzulegen?«

Jamies Miene war überrascht.

»Noch nicht, nein. Aber ich werde eins suchen, wenn wir den Herd segnen.«

»Ja, dann.« Sie setzte sich gerade hin und kramte im Stoff ihres Umhangs, bis sie einen großen Leinensack zum Vorschein holte, eindeutig schwer und mit diversen Gegenständen gefüllt. Sie grub kurz darin herum, dann zog sie einen Gegenstand heraus, der im Feuerschein schwarz glänzte.

»Nimm den, Pa«, sagte sie und reichte Jamie das Objekt.

Er betrachtete es einen Moment, lächelte und gab es mir.

»Aye, der ist gut«, sagte er. »Du hast ihn für den Kamin mitgebracht?«

»Der« war ein etwa zwanzig Zentimeter langer Meißel aus glattem schwarzem Karbidstahl, in dessen Griff das Wort »Craftsman« eingeprägt war.

»Nun ja … für einen Kamin«, sagte Brianna und lächelte ihn an. Sie legte eine Hand auf Rogers Bein. »Anfangs dachte ich, wir würden vielleicht selbst ein Haus bauen, wenn wir es könnten. Aber …« Sie wandte den Kopf und blickte über den dunklen Bergkamm hinweg zum Gewölbe des kalten, klaren Himmels, wo der Große Bär über uns leuchtete. »Wahrscheinlich schaffen wir es nicht bis zum Winter. Und da ich davon ausgehe, dass wir euch zur Last fallen werden …« Sie blickte unter den Wimpern hinweg zu ihrem Vater auf, und Jamie prustete.

»Rede keinen Unsinn, Kleine. Wenn es unser Haus ist, ist es auch das eure, das weißt du ganz genau.« Er sah sie an und zog eine Augenbraue hoch. »Und je mehr Hände beim Bau mithelfen können, umso besser. Möchtest du den Grundriss sehen?«

Ohne eine Antwort abzuwarten, wickelte er Jem aus seinem Plaid, legte ihn neben mir auf den Boden und stand auf. Er zog einen brennenden Ast aus dem Feuer und wies mit einem einladenden Ruck seines Kopfes auf das unsichtbare Rechteck des neuen Fundaments.

Brianna war zwar schläfrig, doch sie spielte mit; sie lächelte mich an und schüttelte gutmütig den Kopf, dann zog sie sich den Umhang um die Schultern und erhob sich.

»Kommst du mit?«, sagte sie zu Roger, doch der lächelte zu ihr auf und schüttelte den Kopf. »Ich bin so kaputt; ich kann nicht mehr geradeaus schauen, mein Herz. Ich warte bis morgen.«

Brianna berührte ihn flüchtig an der Schulter und folgte dem Licht von Jamies Fackel, brummte etwas, als sie über einen Stein im Gras stolperte, und ich legte ein Stück meines Umhangs um Jem, der sich nicht geregt hatte.

Roger und ich saßen still da und lauschten ihren Stimmen, die sich in der Dunkelheit entfernten – und saßen dann noch ein bisschen still da, lauschten dem Feuer und der Nacht und den Gedanken des anderen.

Damit sie die gefährliche Reise wagten, von den Gefahren dieser Zeit und dieses Ortes ganz zu schweigen … musste, was auch immer in ihrer eigenen Zeit geschehen war …

Er blickte mir in die Augen, sah, was ich dachte, und seufzte.

»Aye, es war schlimm. Ziemlich schlimm«, sagte er leise. »Trotzdem … wären wir vielleicht zurückgegangen, um damit fertigzuwerden. Ich wollte es. Aber wir hatten Angst, dass dort niemand wäre, den Mandy intensiv genug spüren könnte.«

»Mandy?« Ich blickte auf den kräftigen, kleinen, im Schlaf erschlafften Körper hinunter. »Wen spüren? Und was meinst du mit ’zurückgegangen’? Warte –« Ich hob entschuldigend die Hand. »Nein, versuch nicht, es mir jetzt zu erzählen; du bist erschöpft, und wir haben Zeit genug.« Ich hielt inne, um mich zu räuspern. »Und es genügt, dass ihr hier seid.«

Jetzt lächelte er, ein echtes Lächeln, in dem jedoch die Erschöpfung vieler Meilen und Jahre und furchtbarer Dinge lag.

»Aye«, sagte er. »Das tut es.«

Wir schwiegen eine Weile, und Rogers Kopf sank vornüber; ich dachte, dass er eingeschlafen war, und zog schon die Knie hoch, um mich zu erheben und alle für das Bett einzusammeln, als er den Kopf wieder hob.

»Eines aber.«

»Ja?«

»Bist du je einem Mann namens William Buccleigh MacKenzie begegnet? Oder vielleicht Buck MacKenzie?«

»Der Name klingt irgendwie vertraut«, sagte ich langsam. »Wer ist das?«

Roger rieb sich das Gesicht und ließ die Hand dann langsam über seinen Hals wandern, bis zu der weißen Narbe, die ein Strick dort hinterlassen hatte.

»Nun … erst einmal ist er der Mann, der mich an den Galgen gebracht hat. Außerdem ist er mein Ur-ur-ur-ur-urgroßvater. Das wussten wir aber beide nicht, als er mich an den Galgen gebracht hat«, sagte er beinahe entschuldigend.

»Jesus H. … Oh, entschuldige. Bist du immer noch so etwas wie ein Priester?«

Er lächelte, obwohl ihm die Erschöpfung tiefe Furchen ins Gesicht grub.

»Ich glaube nicht, dass sich das abnutzt«, sagte er. »Aber falls du ’Jesus H. Roosevelt Christ’ sagen wolltest, würde mir das nichts ausmachen. Der Situation angemessen, könnte man sagen.«

Und mit knappen Worten erzählte er mir die seltsame Geschichte des Sohns der Hexe und wie Buck MacKenzie im Jahr 1980 in Schottland gelandet war, um dann mit Roger zurückzureisen, weil sie hofften, Jem zu finden.

»Das ist längst noch nicht alles«, versicherte er mir. »Aber das Ende ist – vorerst –, dass wir ihn in Schottland zurückgelassen haben. 1739. Bei … ähm … seiner Mutter.«

»Bei Geillis?« Meine Stimme erhob sich unwillkürlich, und Mandy zuckte und stieß ein paar kleine, mürrische Laute aus. Ich tätschelte sie hastig und brachte sie in eine bequemere Lage. »Bist du ihr begegnet?«

»Ja. Ähm … interessante Frau.« Neben ihm stand ein Krug auf dem Boden, der noch halb voll Bier war; ich konnte die Hefe und den bitteren Hopfen riechen. Er griff danach und schien zu überlegen, ob er das Bier trinken oder sich über den Kopf schütten sollte, doch schließlich trank er einen Schluck und stellte den Krug wieder hin.

»Ich … wir … wollten, dass er mit uns kommt. Natürlich war es riskant, aber wir hatten genug Edelsteine aufgetrieben, und ich dachte, wir könnten es alle gemeinsam schaffen. Und … seine Frau ist hier.« Er winkte vage in Richtung des fernen Waldes. »In Amerika, meine ich.«

»Daran … erinnere ich mich dumpf, von deinem Stammbaum.« Obwohl mich die Erfahrung die Grenzen des Glaubens an Dinge gelehrt hatte, die auf Papier festgehalten waren.

Roger nickte, trank noch einen Schluck Bier und räusperte sich heftig. Seine Stimme war heiser und überschlug sich vor Müdigkeit.

»Ich nehme an, du hast ihm verziehen, dass er …« Ich wies flüchtig auf meinen eigenen Hals. Ich konnte die Linie des Stricks sehen und den Schatten der kleinen Narbe, die ich auf seiner Kehle hinterlassen hatte, als ich mit einem Taschenmesser und dem Bernsteinmundstück einer Pfeife einen Luftröhrenschnitt durchgeführt hatte.

»Ich habe ihn geliebt«, sagte er schlicht. Ein schwaches Lächeln schimmerte aus den schwarzen Bartstoppeln und dem Schleier der Müdigkeit hervor. »Wie oft ist es einem Menschen vergönnt, jemanden zu lieben, der einem das Blut und das Leben geschenkt hat, ohne auch nur zu ahnen, wer man sein würde oder dass man je existieren würde?«

»Nun ja, wer Kinder bekommt, geht einige Risiken ein«, sagte ich und legte Jem sanft die Hand auf den Kopf. Er war warm, das Haar ungewaschen, aber weich unter meinen Fingern. Er und Mandy rochen wie Hundewelpen, ein süßer, kräftiger Geruch nach Säugetier und Unschuld.

»Ja«, sagte Roger leise. »Das stimmt.«

Raschelndes Gras und Stimmen hinter uns verkündeten die Rückkehr der Baumeister – die in ein Gespräch über Wasserleitungen vertieft waren.

»Aye, vielleicht«, sagte Jamie gerade skeptisch. »Aber ich weiß nicht, ob wir das Material, das du dafür brauchst, noch vor dem Winter bekommen können. Ich habe immerhin gerade angefangen, einen neuen Abort zu graben; damit kommen wir fürs Erste zurecht. Und dann im Frühling …«

Brianna erwiderte etwas, was ich nicht hören konnte, und dann waren sie da, vom Feuerschein umkränzt, einander so ähnlich in dem Licht, das auf ihren Gesichtern mit den langen Nasen schimmerte und ihrem roten Haar. Roger bewegte die Beine, um aufzustehen, und ich erhob mich vorsichtig, Mandy auf dem Arm, so schlaff wie ihre Stoffpuppe Esmeralda.

»Es ist wunderbar, Mama«, sagte Brianna und drückte mich an sich, und ihr kräftiger, aufrechter Körper umfing mich mit sanfter Kraft, Mandy zwischen uns. Sie hielt mich einen Moment lang fest, dann senkte sie den Kopf und küsste mich auf die Stirn.

»Ich liebe dich«, sagte sie, ihre Stimme leise und heiser.

»Ich liebe dich auch, Schatz«, sagte ich mit einem Kloß im Hals und berührte ihr Gesicht, das so müde war und so sehr strahlte.

Dann trat sie zurück und nahm mir Mandy ab, um sie sich mit geübter Leichtigkeit über die Schulter zu legen.

»Komm mit, Kumpel«, sagte sie zu Jem und stieß ihn sacht mit der Schuhspitze an. »Zeit fürs Bett.« Er stieß ein verschlafenes, fragendes Geräusch aus und hob den Kopf zur Hälfte, dann plumpste er wieder in den Schlaf.

»Lass nur, ich nehme ihn schon.« Roger winkte Jamie beiseite, bückte sich, rollte Jem in seine Arme und erhob sich ächzend. »Wollt ihr auch gehen?«, fragte er. »Ich kann zurückkommen und mich um das Feuer kümmern, sobald ich Jemmy hingelegt habe.«

Jamie schüttelte den Kopf und legte seinen Arm um mich.

»Nein, keine Sorge. Wir bleiben vielleicht noch etwas sitzen und warten, bis es aus ist.«

Sie trotteten langsam bergab wie Rinder, begleitet vom Scheppern aus Briannas Rucksack. Die Blockhütte der Higgins , wo sie übernachten würden, war als schwacher Schimmer in der Dunkelheit zu sehen; Amy musste die Lampe angezündet und die Abdeckung des Fensters beiseite gezogen haben.

 

Jamie hatte den Meißel noch in der Hand; den Blick fest auf den kleiner werdenden Rücken seiner Tochter geheftet, hob er das Werkzeug und küsste es, wie er einst das Heft seines Dolches vor mir geküsst hatte, und ich wusste, dass auch dies ein heiliges Versprechen war.

Er verstaute den Meißel in seinem Sporran und nahm mich in die Arme. Ich stand mit dem Rücken zu ihm, sodass wir ihnen beide nachsehen konnten, bis sie verschwanden. Er legte das Kinn auf meinen Kopf.

»Was denkst du gerade, Sassenach?«, fragte er leise. »Ich habe deine Augen gesehen; es sind Wolken darin.«

Ich lehnte mich ein wenig zurück und spürte seine Wärme wie ein Bollwerk in meinem Rücken.

»Die Kinder«, sagte ich zögernd. »Sie … ich meine, es ist wundervoll, dass sie hier sind. Zu glauben, dass wir sie nie wiedersehen würden, und plötzlich …« Ich schluckte, überwältigt von der schwindelerregenden Freude, mich – uns – so unerwartet als Teil dieser bemerkenswerten Sache wiederzufinden, einer Familie. »Jem und Mandy aufwachsen sehen zu können … Brianna und Roger zurückzuhaben …«

»Aye«, sagte er mit einem Lächeln in der Stimme. »Aber?«

Ich brauchte einen Moment, nicht nur, um meine Gedanken zu sammeln, sondern auch, um sie in Worte zu fassen.

»Roger hat gesagt, in ihrer eigenen Zeit ist etwas Schlimmes passiert. Und du weißt, dass es wirklich etwas Furchtbares gewesen sein muss.«

»Aye«, sagte er, und seine Stimme verhärtete sich ein wenig. »Das hat Brianna auch gesagt. Aber du weißt doch, a nighean, dass sie schon einmal in dieser Zeit gelebt haben. Ich meine, sie wissen … wie es ist, wie es sein wird.«

Er meinte den Krieg, und ich drückte seine Hände, die er um meine Taille verschränkt hatte.

»Das glaube ich nicht«, sagte ich leise und blickte über die weite Lichtung hinunter. Sie waren in der Dunkelheit verschwunden. »Das weiß niemand, der es nicht selbst erlebt hat.« Den Krieg.

»Aye«, sagte er und hielt mich schweigend fest. Seine Hand ruhte auf meiner Seite, auf der Narbe der Verletzung, die mir eine Musketenkugel in Monmouth beigebracht hatte.

»Aye«, wiederholte er nach langer Pause. »Ich weiß, was du sagen willst, Sassenach. Ich dachte, mir platzt das Herz, als ich Brianna gesehen und begriffen habe, dass sie es tatsächlich war, und die Kinder … Aber bei aller Freude … Natürlich haben sie mir furchtbar gefehlt, aber ich konnte mich mit dem Gedanken trösten, dass sie in Sicherheit waren. Jetzt …«

Er hielt inne, und ich spürte seinen Herzschlag in meinem Rücken, langsam und stetig. Er holte tief Luft, und das Feuer knallte plötzlich, als ein Pechklumpen zu Funken explodierte, die in der Nacht verschwanden.

»… sehe ich sie an«, sagte er, »und mein Herz ist plötzlich …«

»Von Grauen erfüllt«, flüsterte ich und hielt mich an ihm fest. »Schierem Grauen.«

»Aye«, sagte er. »Genau.«

 

WIR STANDEN EINE Weile da, beobachteten die Dunkelheit unter uns und ließen das Glücksgefühl zurückkehren. Auf der anderen Seite der Lichtung leuchtete das Fenster in der Hütte der Higgins immer noch sanft.

»Zehn Menschen in dieser Hütte«, sagte ich. Ich atmete einen tiefen Zug der kühlen, nach Fichten duftenden Nacht und stellte mir die Ausdünstungen und die feuchte Wärme von zehn Schläfern vor, die jede waagerechte Fläche in der Hütte in Anspruch nahmen, dazu der Kessel, der auf dem Herd dampfte.

Im nächsten Fenster erblühte das Licht.

»Vier davon die unseren«, sagte Jamie und lachte leise.

»Ich hoffe, die Hütte brennt nicht ab.« Jemand hatte frisches Holz auf das Feuer gelegt, und über dem Schornstein begannen Funken zu tanzen.

»Sie wird nicht abbrennen.« Er drehte mich zu sich hin. »Ich will dich, a nighean«, sagte er leise. »Wirst du mit mir schlafen? Es könnte für eine ganze Weile das letzte Mal sein, dass wir nur für uns sind.«

Ich öffnete den Mund, um »Natürlich!« zu sagen, und gähnte stattdessen herzhaft.

Ich schlug mir die Hand vor den Mund und zog sie fort, um zu sagen: »Oje. So war das wirklich nicht gemeint.«

Er lachte beinahe lautlos. Kopfschüttelnd zog er den zerknitterten Quilt zurecht, auf dem ich gesessen hatte, kniete sich darauf und hob mir die Hand entgegen.

»Komm, leg dich zu mir, und wir schauen in die Sterne, Sassenach. Wenn du in fünf Minuten noch wach bist, ziehe ich dich aus und nehme dich nackt im Mondschein.«

»Und wenn ich in fünf Minuten schlafe?« Ich schlüpfte aus den Schuhen und nahm seine Hand.

»Dann spare ich mir die Mühe, dir die Kleider auszuziehen.«

Das Feuer brannte nicht mehr so hoch, aber immer noch kräftig; ich konnte spüren, wie der warme Luftzug mein Gesicht berührte und das Haar an meinen Schläfen hob. Die Sterne waren dicht gesät und leuchteten wie Diamanten, die bei einem Einbruch im Himmel verschüttet worden waren. Ich teilte Jamie diese Beobachtung mit, und er reagierte mit einem sehr abfälligen schottischen Geräusch, legte sich dann aber neben mir zurück und seufzte genießerisch über den Anblick.

»Aye, es ist schön. Siehst du die Kassiopeia – da?«

Ich richtete den Blick auf den ungefähren Himmelsabschnitt, dem sein Kopfnicken gegolten hatte, doch ich schüttelte den Kopf.

»Ich habe keine Ahnung von Sternbildern. Ich kann den Großen Wagen sehen, und normalerweise erkenne ich auch den Oriongürtel, aber der Teufel soll mich holen, wenn ich ihn jetzt gerade sehe. Und irgendwo da sind die Plejaden, nicht wahr?«

»Sie sind Teil des Stiers – da neben dem Jäger.« Er zeigte mit ausgestrecktem Arm zum Himmel. »Und das da ist der Kamelopard.«

»Oh, sei doch nicht albern. Es gibt kein Sternbild der Giraffe, davon hätte ich gehört.«

»Eigentlich sieht man es gerade nicht – aber es existiert. Und ganz ehrlich gesagt, ist es denn lächerlicher als das, was heute passiert ist?«

»Nein«, sagte ich leise. »Nein, das ist es nicht.« Er legte den Arm um mich, und ich drehte mich so, dass meine Wange auf seiner Brust lag. Schweigend beobachteten wir die Sterne und lauschten dem Wind in den Bäumen und dem langsamen Schlag unserer Herzen.

Es schien sehr viel später zu sein, als Jamie sich regte und seufzte.

»Ich glaube, ich habe noch nie einen solchen Sternenhimmel gesehen, nicht seit der Nacht, in der wir Faith gemacht haben.«

Ich hob überrascht den Kopf.

»Du weißt, wann sie gezeugt wurde? Nicht einmal ich weiß das.«

Langsam fuhr er mir mit der Hand über den Rücken, und seine Finger hielten inne und beschrieben Kreise in meinem Kreuz. Wäre ich eine Katze gewesen, hätte ich sanft mit dem Schwanz unter seiner Nase gewedelt.

»Aye, nun ja, ich könnte mich auch irren, aber ich habe immer gedacht, es war die Nacht, in der ich im Kloster in dein Bett gekommen bin. Am Ende des Korridors war ein großes Fenster, und auf dem Weg zu dir habe ich die Sterne gesehen. Ich dachte, es wäre vielleicht ein Zeichen – dass ich den Weg so klar sehe.«

Einen Moment lang tastete ich in meinen Erinnerungen umher. Diese Zeit im Kloster Ste. Anne, in der er dem selbst gewählten Tod so nah gekommen war, war eine Zeit, an die ich nur selten zurückdachte. Es war eine grauenvolle Zeit gewesen. Tage voller Angst und Verwirrung, die miteinander verschwammen, die Nächte schwarz vor Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit. Und doch – wenn ich den Blick zurückwandte, fand ich eine Handvoll lebhafter Bilder, die wie die illustrierten Buchstaben einer antiken lateinischen Textseite hervorstachen.

Vater Anselms Gesicht, bleich im Kerzenlicht, seine Augen voll Wärme und Mitgefühl – und dann das zunehmende Leuchten des Staunens, als er meine Beichte hörte. Die Hände des Abtes, die Jamies Stirn berührten, seine Augen, Lippen und Handflächen, sacht wie die Berührung eines Kolibris, als er seinen sterbenden Neffen mit dem Heiligen Chrisam der Letzten Ölung salbte. Die Stille der dunklen Kapelle, wo ich um sein Leben gebetet und eine Antwort auf mein Gebet bekommen hatte.

Und unter diesen Momenten war auch die Nacht, in der ich aus dem Schlaf erwacht war und er neben meinem Bett gestanden hatte, ein bleicher Geist, nackt und frierend, so schwach, dass er kaum laufen konnte, und doch wieder mit Leben erfüllt und mit jener hartnäckigen Entschlossenheit, die niemals von ihm wich.

»Dann erinnerst du dich an sie?« Meine Hand lag leicht auf meinem Bauch, während ich mich zurückbesann. Er hatte sie nie gesehen oder mehr von ihr gespürt als zufällige Tritte und kleine Stöße aus meinem Inneren.

Er küsste mich flüchtig auf die Stirn, dann sah er mich an.

»Das weißt du doch, nicht wahr?«

»Ja. Ich wollte nur, dass du mir mehr erzählst.«

»Oh, das habe ich auch vor.« Er stützte sich auf seinen Ellbogen und zog mich an sich, sodass wir uns sein Plaid teilen konnten.

»Weißt du das auch noch?«, fragte ich und zog an dem Stoffzipfel, den er über mich gelegt hatte. »Wie du dein Plaid mit mir geteilt hast, in der Nacht, als wir uns begegnet sind?«

»Damit du nicht erfrierst? Aye.« Er küsste meinen Nacken. »Im Kloster war ich es, der dem Erfrieren nah war. Ich war erschöpft von meinen Gehversuchen, und du hast mir ja nichts zu essen gegeben, also war ich kurz vor dem Verhungern, und …«

»Oh, du weißt genau, dass das nicht stimmt! Du …«

»Würde ich dich anlügen, Sassenach?«

»Genau das würdest du«, sagte ich. »Du lügst mich ständig an. Aber das spielt jetzt keine Rolle. Du warst fast verhungert und erfroren, und plötzlich hast du beschlossen, statt Bruder Roger um eine Decke oder eine heiße Suppe zu bitten, lieber nackt durch einen dunklen Steinkorridor zu wanken und zu mir ins Bett zu kommen.«

»Es gibt Dinge, die wichtiger sind als das Essen, Sassenach.« Seine Hand legte sich fest um meinen Hintern. »Und herauszufinden, ob ich je wieder mit dir ins Bett gehen könnte, war in diesem Moment wichtiger als alles andere. Ich habe gedacht, wenn ich es nicht könnte, würde ich einfach wieder in den Schnee hinauslaufen und nicht zurückkommen.«

»Natürlich ist es dir nicht in den Sinn gekommen, noch ein paar Wochen zu warten und erst wieder Kräfte zu sammeln.«

»Nun ja, ich war mir einigermaßen sicher, dass ich so weit kommen würde, wenn ich mich an den Wänden abstützte. Den Rest würde ich ja im Liegen tun. Warum also warten?« Die Hand an meinem Hintern streichelte mich jetzt geistesabwesend. »Du erinnerst dich also doch daran.«

»Es war, als würde man mit einem Eisklotz schlafen.« So war es gewesen. Außerdem hatte es mir das Herz zerrissen vor Zärtlichkeit und mich mit unerwarteter Hoffnung erfüllt. »Aber nach einer Weile bist du ja etwas aufgetaut.«

Zunächst nur ein wenig. Ich hatte ihn einfach nur an mich gedrückt und mir alle Mühe gegeben, Körperwärme zu erzeugen. Ich hatte mir das Hemd ausgezogen, um so viel Hautkontakt wie möglich herzustellen. Ich erinnerte mich noch an die harte, scharfe Rundung seines Hüftknochens, die Wölbungen seiner Wirbelsäule und die geschwollenen frischen Narben, die sich darüber zogen.

»Du warst kaum mehr als Haut und Knochen.«

Jetzt drehte ich mich um, zog ihn neben mir zu Boden und drückte ihn an mich, um mit der beruhigenden Wärme seiner Gegenwart gegen die Kälte der Erinnerung anzugehen. Er war warm. Und lebendig. Sehr lebendig.

»Du hast dein Bein über mich gelegt, um zu verhindern, dass ich aus dem Bett falle, das weiß ich noch.« Er strich mir langsam über das Bein, und ich konnte das Lächeln in seiner Stimme hören, obwohl sein Gesicht dunkel war vor dem Feuer in seinem Rücken, das in seinem Haar Funken schlug.

»Es war ein enges Bett.« So war es gewesen – eine schmale Mönchsliege, kaum groß genug für eine normale Person. Und er beanspruchte selbst in seinem ausgehungerten Zustand noch eine Menge Platz.

»Ich hätte dich gern auf den Rücken gedreht, Sassenach, aber ich hatte Angst, ich würde uns beide auf den Boden werfen, und … nun ja, ich war mir nicht sicher, ob ich mich aufstützen konnte.«

Er hatte vor Kälte und Schwäche gezittert. Doch vermutlich, so begriff ich jetzt, dazu auch noch vor Angst. Ich nahm die Hand, die auf meiner Hüfte lag, und hob sie an meinen Mund, um seine Fingerknöchel zu küssen. Seine Finger waren kalt von der Abendluft und legten sich fest um die Wärme der meinen.

»Du hast es geschafft«, sagte ich leise. Ich drehte mich auf den Rücken und nahm ihn mit.

»Mit knapper Not«, murmelte er und suchte sich den Weg durch die Lagen aus Decke, Plaid, Hemd und Chemise. Er stieß einen langen Atemzug aus, und ich tat es ihm nach. »O Jesus, Sassenach.«

Er bewegte sich, nur ein bisschen.

»Wie es sich angefühlt hat«, flüsterte er. »Damals. Zu denken, ich würde dich nie wieder haben, und dann …«

Er hatte es geschafft, und zwar tatsächlich mit knapper Not.

»Ich habe gedacht – ich würde es tun, und wenn es das Letzte wäre, was ich jemals tat …«

»Das wäre es ja auch fast gewesen«, erwiderte ich flüsternd und legte die Hände um sein Gesäß, fest und rund. »Einen Moment habe ich tatsächlich gedacht, du wärst gestorben, bis du angefangen hast, dich zu bewegen.«

»Dachte auch, ich würde sterben«, sagte er mit dem Hauch eines Lachens. »O Gott, Claire …« Er hielt einen Moment inne, senkte sich auf mich und presste die Stirn gegen die meine. So hatte er es auch in jener Nacht gemacht, eiskalt, mit verzweifelter Leidenschaft, und ich hatte mich gefühlt, als hauchte ich ihm mein eigenes Leben ein. Sein Mund war sanft und offen und roch ganz schwach nach dem mit Ei vermischten Ale, das Einzige, was er bei sich behalten konnte.

»Ich wollte …«, flüsterte er, »ich wollte dich. Musste dich haben. Aber als ich erst in dir war, wollte ich …«

Er seufzte tief und bewegte sich tiefer hinein.

»Ich habe gedacht, ich würde auf der Stelle daran sterben. Und das wollte ich auch. Wollte gehen, während ich in dir war.« Seine Stimme hatte sich verändert, immer noch leise, aber irgendwie fern, abwesend – und ich wusste, dass er sich von der Gegenwart gelöst hatte und in die kalte steinerne Dunkelheit zurückgekehrt war, zurück zu Panik, Angst und überwältigendem Verlangen.

»Ich wollte mich in dich ergießen, und das sollte das Letzte sein, was ich erlebe, doch dann habe ich angefangen, und ich wusste, dass es nicht so sein sollte – dass ich leben würde, aber ich für immer in dir bleiben würde. Dass ich dir ein Kind schenkte.«

Während er das sagte, war er zurückgekehrt, zurück ins Hier und Jetzt und zurück in mich hinein. Ich hielt ihn fest, groß und gegenwärtig und stark in meinen Armen, und hilflos zitternd gab er sich auf. Ich spürte warme Tränen aufquellen und kalt in mein Haar gleiten.

Nach einer Weile regte er sich und rollte sich von mir hinunter auf die Seite. Eine große Hand lag immer noch leicht auf meinem Bauch.

»Ich habe es geschafft, aye?«, sagte er und lächelte ein wenig. Der Schein des Feuers fiel sanft auf sein Gesicht.

»Das hast du«, flüsterte ich. Ich zog das Plaid wieder über uns und lag erfüllt mit ihm im Licht der sterbenden Flamme und der ewigen Sterne.

2

Ein Tag wie blauer Wein

Vor lauter Erschöpfung schlief Roger wie ein Stein, obwohl das Bett der MacKenzies aus zwei zerschlissenen Quilts bestand, die Amy Higgins hastig aus einem Sack mit Nähzeug gezogen und über die schmutzige Wäsche der letzten beiden Wochen gebreitet hatte, während die Kleider der MacKenzies als Bettdecken dienten. Immerhin war es ein warmes Bett mit der Hitze des abgedeckten Feuers auf der einen Seite und der Körperwärme zweier Kinder und einer anhänglichen Ehefrau auf der anderen, und er war eingeschlafen wie ein Mann, der in einen Brunnen fällt und nur noch Zeit für ein ganz kurzes – aber herzliches – Dankgebet hat.

Wir haben es geschafft. Danke.

Er erwachte im Dunklen, roch verbranntes Holz und einen frisch benutzten Nachttopf und spürte plötzliche Kühle hinter sich. Er hatte sich mit dem Rücken zum Feuer hingelegt, sich im Lauf der Nacht aber umgedreht, und jetzt sah er das dumpfe Leuchten der letzten Glut einen knappen Meter von seinem Gesicht entfernt, schwache rote Adern in einem Häufchen aus grauer Asche und verkohltem Holz. Er tastete hinter sich; Brianna war fort. Am anderen Ende der Decke war ein vager Haufen; das mussten Jem und Mandy sein. Der Rest der Hütte schlief noch fest, erfüllt von schwerem Atem.

»Brianna?«, flüsterte er und stützte sich auf einen Ellbogen auf. Sie war in der Nähe – ein deutlicher Schatten, den Hintern neben dem Kamin an die Wand gelehnt, um sich einen Strumpf anzuziehen. Sie stellte den Fuß ab, hockte sich neben ihn, und ihre Finger streiften sein Gesicht.

»Ich gehe mit Pa auf die Jagd«, flüsterte sie dicht über ihn gebeugt. »Mama passt auf die Kinder auf, falls du heute zu tun hast.«

»Aye. Woher hast du …« Er ließ seine Hand über ihre Hüfte gleiten; sie trug ein dickes Jagdhemd und eine lose Kniehose mit vielen Flicken; er konnte die groben Nähte unter seiner Handfläche spüren.

»Von Pa«, sagte sie und küsste ihn, und das Licht des Feuers schimmerte flüchtig in ihrem Haar auf. »Schlaf weiter. Es dämmert erst in einer Stunde.«

Er sah zu, wie sie leichtfüßig zwischen den Schlafenden auf dem Boden hindurchging, die Schuhe in der Hand. Ein kalter Luftzug schlängelte sich durch den Raum, als sich die Tür lautlos öffnete und hinter ihr schloss. Bobby Higgins sagte etwas mit verschlafener Stimme, und einer der kleinen Jungen setzte sich auf, sagte mit klarer, aufgeschreckter Stimme »Was?«, ließ sich wieder auf seine Decke plumpsen und schlummerte weiter.

Die frische Luft verschwand im heimeligen Mief, und die Hütte schlief wieder. Roger nicht. Er lag auf dem Rücken und empfand Frieden, Erleichterung, Aufregung und Beklommenheit – in etwa zu gleichen Teilen.

Sie hatten es tatsächlich geschafft.

Und zwar alle. Immer wieder zählte er seine Familie zwanghaft durch. Alle vier. Hier und in Sicherheit.

Erinnerungen und Empfindungen taumelten in Bruchstücken durch seinen Kopf; er ließ ihnen freien Lauf und versuchte nicht, ihnen Einhalt zu gebieten oder mehr als hier und dort ein Bild aufzuschnappen: das Gewicht eines kleinen Goldbarrens in seiner verschwitzten Hand, der Krampf in seinem Magen, als er ihn fallen gelassen und zugesehen hatte, wie er über das schwankende Deck davongerutscht war. Der warme Dampf von Porridge mit Whisky, Stärkung gegen einen frostigen schottischen Morgen. Brianna, die vorsichtig auf einem Bein eine Treppe hinunterhüpfte und den verbundenen Fuß hochhielt, was ihn unwiderstehlich an Kinderlieder über Störche erinnerte. Der beißende Geruch von Bucks ungewaschenen Haaren, als sie sich an einem Kai zum endgültigen Abschied umarmten. Kalte, endlose, ewig gleiche Tage und Nächte im wankenden Frachtraum der Constance auf der Reise nach Charles Town, zu viert hinter stinkenden Fässern mit Pökelfisch und billigem Rum aneinandergeschmiegt, taub vom Lärm des Wassers, das gegen die Bordwand krachte, zu seekrank, um hungrig zu sein, zu müde, um noch Angst zu haben, stattdessen hypnotisiert vom zentimeterweise steigenden Wasser im Frachtraum, das sie bei jedem Übelkeit erregenden Schlingern nass spritzte, während sie versuchten, sich ihren kläglichen Vorrat an Körperwärme zu teilen, um die Kinder am Leben zu halten …

Er stieß den Atem aus, den er gar nicht bewusst angehalten hatte, legte die Hände rechts und links auf den festen Holzboden, schloss die Augen und ließ es alles davonsickern.

Er würde nicht zurückblicken. Sie hatten ihre Entscheidung getroffen, und sie hatten es bis hierher geschafft – die Zuflucht erreicht.

Und was nun?

Er hatte einmal in dieser Hütte gelebt, lange sogar. Jetzt würde er vermutlich eine neue bauen; Jamie hatte ihm gestern Abend erzählt, dass das Land, das Gouverneur Tryon ihm übertragen hatte, nach wie vor ihm gehörte und auf seinen Namen eingetragen war.

Ein kleiner Schauer der Erregung stieg in seinem Herzen auf. Der Tag lag vor ihm; der Beginn eines neuen Lebens. Was sollte er als Erstes tun?

»Papi!«, flüsterte eine spuckefeuchte Stimme laut in sein Ohr. »Papi, ich muss mal!«

Lächelnd setzte er sich auf und schob Umhänge und Hemden aus dem Weg. Mandy hüpfte aufgeregt von einem Fuß auf den anderen, ein kleiner schwarzer Vogel, real inmitten der Schatten.

»Aye, Schätzchen«, flüsterte er seinerseits und nahm ihre warme, klebrige Hand. »Ich bringe dich zum Abort. Pass auf, dass du niemanden trittst.«

 

MANDY WAR SCHON auf vielen Aborten gewesen, und auch dieser schreckte sie nicht ab. Doch als Roger die Tür öffnete, ließ sich plötzlich eine große Spinne vom Türsturz fallen und schwang wenige Zentimeter vor seinem Gesicht wie ein Senkblei hin und her. Er und Mandy schrien beide auf – nun, sie schrie auf; sein eigener Versuch war nicht mehr als ein Krächzen, jedoch immerhin ein männliches Krächzen.

Es war noch nicht richtig hell; die Spinne war ein schwarzer Fleck mit angedeuteten Beinen, doch das machte sie nur alarmierender. Ihrerseits durch die Schreie alarmiert, hastete die Spinne wieder an ihrem Faden hinauf in die unsichtbare Ritze, die wohl ihre Behausung war.

»Geh ich nicht rein!«, sagte Mandy und hielt ihn an den Beinen fest.

Das konnte Roger zwar nachvollziehen, doch mit ihr abseits des Weges in die Büsche zu gehen, brachte nicht nur die Bedrohung durch weitere (und möglicherweise größere) Spinnen oder Schlangen und Fledermäuse mit sich, sondern auch durch Wesen, die im Zwielicht jagten. Berglöwen zum Beispiel … Aidan McCallum hatte sie vorhin mit einer Geschichte unterhalten, wie er auf dem Weg zum Abort einem Berglöwen begegnet war … zu diesem Abort.

»Ist ja gut, Schätzchen.« Er bückte sich und hob sie auf. »Sie ist fort. Sie hat Angst vor uns, sie kommt nicht zurück.«

»Fürchte mich!«

»Ich weiß, Süße. Keine Sorge; ich glaube nicht, dass sie zurückkommt, aber wenn sie es tut, töte ich sie.«

»Mit Gewehr?«, fragte sie hoffnungsvoll.

»Ja«, sagte er entschlossen. Er klammerte sie an seine Brust und duckte sich unter dem Türsturz hindurch. Zu spät fiel ihm Claires Geschichte ein, von der riesigen Klapperschlange, die auf dem Sitz ihres Aborts gekauert hatte …

Diesmal jedoch gab es keine Zwischenfälle, abgesehen davon, dass ihm Mandy um ein Haar in das Loch gefallen wäre, als sie ihn losließ, um zu versuchen, sich den Po mit einem getrockneten Maiskolben abzuwischen.

Trotz der Kühle des Morgens leicht verschwitzt, kehrte er zur Hütte zurück, um dort festzustellen, dass sich die Higginses – und Jem – in seiner Abwesenheit en masse erhoben hatten.

Amy Higgins blinzelte zwar, als sie hörte, dass Brianna auf die Jagd gegangen war, doch als Roger hinzufügte, dass sie mit ihrem Vater gegangen war, ging die überraschte Miene in ein einwilligendes Nicken über, und Roger musste innerlich lächeln. Er war froh zu sehen, dass Ehrwürdens Persönlichkeit Fraser’s Ridge nach wie vor beherrschte, obwohl er so lange fort gewesen war; Claire hatte ihm gestern Abend erzählt, dass sie selbst erst vor einem Monat aus dem Exil zurückgekehrt waren.

»Haben sich hier viele neue Siedler niedergelassen, seit wir zuletzt da waren?«, fragte er Bobby, als er sich neben seinem Gastgeber auf die Bank setzte, die Porridge-Schüssel in der Hand.

»Reichlich«, versicherte ihm Bobby. »Zwanzig Familien mindestens. Etwas Milch und Honig, Prediger?« Er schob den Honigtopf kameradschaftlich in Rogers Richtung – als Engländer waren ihm solche Frivolitäten zum Frühstück gestattet, nicht nur die gestrenge schottische Prise Salz. »Oh, bedaure – ich hätte fragen sollen, bist du noch Prediger?«

Es war nicht so, dass Roger diese Frage nicht erwartet hätte, doch er hatte sie nicht ganz so schnell erwartet.

»Das bin ich, aye«, sagte er und griff nach dem Milchkrug. Tatsächlich ließen sowohl die Frage als auch die Antwort sein Herz schneller schlagen.

Er war Priester. Er war sich nur nicht sicher, wie offiziell er es war. Natürlich hatte er ein Jahr oder länger die Menschen von Fraser’s Ridge getauft, verheiratet, beerdigt, ihnen gepredigt und auch die weniger bedeutenden Aufgaben eines Priesters versehen, und sie hatten ihn alle als solchen betrachtet; taten das zweifellos nach wie vor. Andererseits war er nicht offiziell zum Presbyterianer-Priester ordiniert. Nicht ganz.

»Vielleicht statte ich den Neuankömmlingen einen Besuch ab«, sagte er beiläufig. »Wisst ihr, ob einige von ihnen katholisch sind oder was sonst?« Das war eine rhetorische Frage; jeder in Fraser’s Ridge kannte die Religion aller anderen – und hatte keine Scheu, diese zu kommentieren, wenn auch vielleicht nicht in Hörweite.

Amy stellte ihm einen Zinnbecher mit Zichorienkaffee neben die Schüssel und setzte sich mit einem Seufzer der Erleichterung vor ihren eigenen gesalzenen Porridge.

»Zehn katholische Familien«, sagte sie. »Vier sind Presbyterianer und eine Blaues Licht – Methodisten, aye? Auf die solltest du achtgeben, Prediger. Orrie!« Sie sprang gerade noch rechtzeitig auf, um den kleinen Orrie abzufangen, der sich heimlich, wenn auch etwas wankend, den vollen Nachttopf über den Kopf gehoben hatte, mit der klaren Absicht, ihn über Jem auszuschütten, der im Schneidersitz vor dem Feuer saß und verschlafen den Schuh in seiner Hand anblinzelte.

Durch den Ausruf seiner Mutter aufgeschreckt, ließ Orrie den Nachttopf fallen – sodass er Jem zwar mehr oder weniger verfehlte, seinen stinkenden Inhalt aber in das frisch geschürte Feuer ergoss – und rannte zur Tür. Seine Mutter verfolgte ihn, hielt aber kurz inne, um sich einen Besen zu schnappen. Aufgebrachte gälische Rufe und schrilles Schreckensgeschrei verhallten in der Ferne.

Jem, dem der frühe Morgen ein Gräuel war, richtete den Blick auf die blubbernde Masse im Kamin, verzog die Nase und stand auf. Er schwankte einen Moment, dann schlurfte er zum Tisch und setzte sich gähnend neben Roger.

Es herrschte Stille. Ein verkohltes Holzscheit zerbrach plötzlich im Kamin, und Funken stoben aus der Masse wie ein abschließender Kommentar zum Stand der Dinge.

Roger räusperte sich.

»Der Mensch, vom Weibe geboren, lebt kurze Zeit und ist voll Unruhe wie die Funken, die zum Himmel fliegen«, merkte er an.

Bobby, der den Blick meditativ auf den Kamin gerichtet hatte, wandte Roger langsam den Kopf zu. Seine Augen waren vom Qualm gerötet, und die alte »M«-Brandmarke auf seiner Wange erschien weiß im gedämpften Licht der Hütte.

»Gut gesagt, Prediger«, sagte er. »Willkommen daheim.«

 

ES WAR DAS, was ihre Mutter einen »Tag so blau wie Wein« nannte. Ein Tag, an dem Luft und Himmel eins waren und jeder Atemzug berauschte. Kastanien- und Eichenblätter knisterten bei jedem Schritt, scharf duftend wie die Kiefernnadeln weiter oben. Sie stiegen den Berg empor, die Gewehre in der Hand, und Brianna Fraser MacKenzie war eins mit dem Tag.

Ihr Vater hielt den Zweig einer Hemlocktanne für sie beiseite, und sie duckte sich daran vorbei und trat zu ihm.

»Feur-milis«, sagte er und zeigte auf die Wiese, die sich jetzt vor ihnen ausbreitete. »Kannst du noch ein wenig Gàidhlig, Kleine?«

»Du hast etwas über das Gras gesagt«, sagte sie und durchwühlte hastig die Schränkchen in ihrem Kopf. »Aber was ’milis’ bedeutet, weiß ich nicht.«

»Süßgras. So nennen wir diese kleine Wiese. Eine gute Weide, aber die meisten unserer Tiere können nicht so weit klettern, und man lässt sie besser nicht tagelang unbeaufsichtigt hier, wegen der Berglöwen und Bären.«

Die ganze Wiese kräuselte sich, und die Morgensonne fing sich in den silbergrünen Spitzen unzähliger bewegter Grashalme. Hier und dort flatterten gelbe und weiße Schmetterlinge umher, und auf der anderen Seite der Grasfläche krachte es plötzlich, als ein großer Wiederkäuer im Gebüsch verschwand und wankende Äste hinterließ.

»Die Wiese scheint allgemein begehrt zu sein«, sagte sie und wies kopfnickend auf die Stelle, an der das Tier verschwunden war. Sie zog eine Augenbraue hoch und hätte gern gefragt, ob sie ihm nicht nachsetzen sollten, doch sie ging davon aus, dass ihr Vater einen guten Grund hatte, es nicht zu tun, da er keine Anstalten dazu machte.

»Aye, das stimmt«, sagte er und wandte sich nach rechts, um sich an den Bäumen entlangzubewegen, die die Wiese säumten. »Aber Rotwild frisst andere Dinge als Rinder oder Schafe, zumindest, wenn es reichlich Nahrung gibt. Das war ein alter Bock«, fügte er beiläufig hinzu. »Die brauchen wir im Sommer nicht zu erlegen; es gibt besseres Fleisch – und davon reichlich.«

Sie zog beide Augenbrauen hoch, folgte ihm aber wortlos. Er wandte den Kopf und lächelte sie an.

»Wo es eins gibt, gibt es um diese Jahreszeit vermutlich auch mehr. Die Ricken und die neuen Kitze fangen an, sich zu kleinen Herden zu sammeln. Es dauert zwar noch bis zur Brunst, aber die Böcke denken trotzdem immer daran. Er weiß genau, wo sie sind.« Er wies kopfnickend in die Richtung des verschwundenen Rehbocks.

Sie verkniff sich ein Lächeln, weil sie an die ungeschminkte Meinung ihrer Mutter über Männer und die Wirkung des Testosterons denken musste. Er sah es dennoch und warf ihr einen halb reumütigen, halb belustigten Blick zu. Er wusste, was sie dachte, und diese Tatsache versetzte ihrem Herzen einen kleinen, liebevollen Stich.

»Aye, nun ja, deine Mutter hat recht, was Männer betrifft«, sagte er achselzuckend. »Vergiss das nicht, a nighean«, fügte er hinzu, ernster jetzt. Dann drehte er sich um und hob sein Gesicht in den Wind. »Sie sind in der Nähe der Wiese, aber der Wind kommt aus unserer Richtung; sie werden uns nicht in ihre Nähe lassen, es sei denn, wir klettern ein Stück und nähern uns von der anderen Seite des Hangs.« Doch er wies mit dem Kopf nach Westen, über die Wiese hinweg. »Aber ich dachte, wir schauen zuerst bei Ian vorbei, wenn es dir nichts ausmacht?«

»Ausmacht? Nein!« Bei der Erwähnung ihres Vetters stieg Freude in ihr auf. »Gestern Abend am Feuer hat jemand gesagt, dass er jetzt verheiratet ist – wen hat er denn geheiratet?« Sie war mehr als neugierig auf Ians Frau; vor etwa zehn Jahren hatte er sie um ihre Hand gebeten. Diese Frage war zwar aus der Not geboren gewesen – und außerdem vollkommen lächerlich –, doch ihr war bewusst, dass ihm der Gedanke, mit ihr ins Bett zu gehen, nicht unwillkommen gewesen war. Später, als sie beide erwachsen waren – sie verheiratet und er von seiner indianischen Frau geschieden –, waren sie sich beide stillschweigend einer körperlichen Anziehung zwischen ihnen bewusst gewesen … und hatten diese genauso stillschweigend abgetan.

Dennoch gab es zwischen ihnen ein Echo der Zuneigung, und sie hoffte, dass sie Ians unbekannte Frau mögen würde.

Ihr Vater lachte.

»Du wirst sie mögen, Kleine. Rachel Hunter ist ihr Name; sie ist Quäkerin.«

Sie sah eine glanzlose kleine Frau mit gesenktem Blick vor sich, doch ihr Vater sah den Zweifel in ihrem Gesicht und schüttelte den Kopf.

»Sie ist nicht so, wie du denkst. Sie spricht freiheraus. Und Ian liebt sie wie von Sinnen – und sie ihn.«

»Oh. Das ist gut.« Sie meinte es ernst, aber ihr Vater zog die Augenbraue hoch und warf ihr einen amüsierten Blick zu. Doch er sagte nichts mehr und wandte sich ab, um durch die Wogen aus duftendem Gras voranzugehen.

 

IANS HÜTTE WAR zauberhaft. Nicht, dass sie sich großartig von den anderen Hütten in den Bergen unterschied, die Brianna in ihrem Leben gesehen hatte, doch sie stand mitten in einem Espenhain, und im Flirren der Blätter brach sich das Sonnenlicht zu einem nervösen Wechselspiel aus Licht und Schatten, das der Hütte etwas Magisches verlieh – als könnte sie ganz in den Bäumen verschwinden, wenn man den Blick abwendete.

Vier Ziegen und zwei Zicklein streckten die Köpfe über den Zaun ihres Pferches und ließen freundlichen Begrüßungslärm ertönen, doch es kam niemand heraus, um zu sehen, wer die Besucher waren.

»Sie sind nicht da«, stellte Jamie fest und blickte mit zusammengekniffenen Augen zum Haus. »Ist das ein Zettel an der Tür?«

So war es; ein Stück Papier, das mit einem langen Dorn an die Tür geheftet war und auf dem eine unverständliche Zeile stand, die Brianna schließlich als Gälisch erkannte.

»Ist Ians Frau Schottin?«, fragte sie und betrachtete die Worte mit gerunzelter Stirn. Die einzigen, die sie erkennen konnte, waren – so glaubte sie – »MacCree« und »Ziege«.

»Nein, er ist von Jenny«, sagte ihr Vater. Er zog seine Brille hervor und überflog den Zettel. »Sie schreibt, sie und Rachel sind quilten gegangen, und ob Ian die Ziegen melken und die Hälfte der Milch für Käse beiseitestellen kann, falls er vor ihnen zu Hause ist.«

Als hätte man ihre Namen gerufen, erscholl ein Chor lauter Mäh-Rufe aus dem Ziegengehege.

»Offenbar ist Ian noch nicht zu Hause«, stellte Brianna fest. »Meinst du, sie müssten jetzt gemolken werden? Ich weiß vielleicht noch, wie es geht.«

Ihr Vater lächelte bei diesem Gedanken, schüttelte aber den Kopf. »Nein, Jenny hat sie bestimmt vor ein paar Stunden gemolken – das reicht ihnen bis zum Abend.«

Bis zu diesem Augenblick war sie einfach davon ausgegangen, dass »Jenny« der Name einer Magd war – doch als sie Jamies Ton hörte, blinzelte sie.

»Jenny. Deine Schwester Jenny?«, sagte sie ungläubig. »Sie ist hier?«

Er sah ein wenig verblüfft aus.

»Aye, das ist sie. Entschuldige, Kleine, mir ist gar nicht in den Sinn gekommen, dass du das nicht weißt. Sie … warte.« Er hob eine Hand und sah sie aufmerksam an. »Die Briefe. Wir haben … nun ja, den größten Teil hat Claire geschrieben … Aber …«

»Wir haben sie bekommen.« Ihr stockte der Atem, so wie damals, als Roger die Holzkiste mitgebracht hatte, in deren Deckel Jemmys vollständiger Name eingebrannt war, und sie sie geöffnet und die Briefe gefunden hatten. Und die überwältigende Mischung aus Erleichterung, Glück und Trauer, als sie den ersten Brief geöffnet und die Worte gelesen hatte: »Wir leben noch …«

Dasselbe Gefühl durchströmte sie jetzt, und unwillkürlich kamen ihr die Tränen, sodass alles ringsum flimmernd verschwamm, als wären die Hütte, ihr Vater und auch sie selbst im Begriff zu verschwinden, aufgelöst im schimmernden Licht der Espen. Sie stieß ein ersticktes Geräusch aus, und der Arm ihres Vaters legte sich um sie und hielt sie fest.

»Wir haben nie gedacht, dass wir dich wiedersehen würden«, flüsterte er ihr in das Haar, und auch seine Stimme klang erstickt. »Niemals, a leannan. Ich hatte Angst … solche Angst, dass ihr euch nicht in Sicherheit bringen konntet, dass ihr … gestorben wart, alle … euch dort verloren hattet. Und wir es nie erfahren würden.«

»Wir konnten es euch ja nicht sagen.« Sie hob den Kopf von seiner Schulter und wischte sich mit dem Handrücken über die Nase. »Aber ihr konntet es uns sagen. Diese Briefe … zu wissen, dass ihr lebt. Ich meine …« Sie hielt plötzlich inne und blinzelte die letzten Tränen fort, sah Jamie den Blick abwenden und ebenfalls blinzeln.

»Aber wir haben gar nicht gelebt«, sagte er leise. »Wir waren tot, als ihr diese Briefe gelesen habt.«

»Nein, das wart ihr nicht«, sagte sie heftig und packte seine Hand. »Ich wollte die Briefe nicht auf einmal lesen. Ich habe sie eingeteilt – denn solange es noch ungeöffnete Briefe gab … so lange wart ihr noch am Leben.«

»Das spielt alles keine Rolle, Kleine«, sagte er schließlich ganz leise. Er hob ihre Hand und küsste ihre Fingerknöchel, sein Atem warm und leicht auf ihrer Haut. »Du bist hier. Und wir auch. Alles andere spielt keine Rolle.«

 

BRIANNA HATTE DIE Vogelflinte der Familie dabei, ihr Vater sein gutes Gewehr. Doch auf Vögel oder Kleinwild schoss sie nicht, solange es möglich war, dass sie damit das Rotwild in der Nähe aufscheuchte. Der Aufstieg war steil, und sie ertappte sich dabei, dass sie keuchte und ihr der Schweiß hinter den Ohren aufperlte, obwohl es kühl war. Ihr Vater kletterte wie eh und je – wie eine Bergziege, ohne das geringste Zeichen von Anstrengung, doch er merkte – zu ihrer Bestürzung –, dass sie Schwierigkeiten hatte, und winkte zur Seite, auf einen kleinen Felsabsatz.

»Wir haben es nicht eilig, a nighean«, sagte er und lächelte sie an. »Hier gibt es Wasser.« Es war nicht zu übersehen, wie er zögerte, als er die Hand ausstreckte, ihre errötete Wange berührte und sie rasch wieder zurückzog.

»Entschuldige, Kleine«, sagte er und lächelte. »Ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, dass du wirklich da bist.«

»Ich weiß, was du meinst«, flüsterte sie. Sie schluckte, streckte ihrerseits die Hand aus und berührte sein Gesicht, warm und glatt rasiert, die schrägen Augen tiefblau wie die ihren.

»Och«, hauchte er und zog sie sanft in seine Arme. Sie drückte ihn fest, und dann standen sie wortlos da und lauschten den Rufen der Raben, die über ihnen kreisten, und dem Wasser, das über die Felsen rann.

»Trobhad agus òl, a nighean«, sagte er. So sanft, wie er sie umarmt hatte, ließ er sie wieder los und drehte sie zu einem winzigen Rinnsal, das durch eine Spalte zwischen zwei Felsen lief. Komm, trink etwas.

Das Wasser war eisig. Es schmeckte nach Granit und einem Hauch von Kiefernnadelterpentin.

Sie hatte ihren Durst gestillt und spritzte sich gerade Wasser auf die heißen Wangen, als sie spürte, wie sich ihr Vater plötzlich bewegte. Sofort erstarrte sie und blickte zu ihm hinüber. Auch er stand erstarrt da, hob aber Augen und Kinn ein wenig und wies auf den Hang über ihnen.

Jetzt sah – und hörte – sie es, das leise Rieseln von Erde, die sich löste und mit leisem Kiesel-Klickern zu ihren Füßen auf dem Felsen landete. Dann folgte Stille, bis auf die Rufe der Raben. Diese waren lauter, dachte sie, als wären die Vögel näher gekommen. Sie sehen etwas, dachte sie.

Die Vögel waren näher gekommen. Ein Rabe schoss plötzlich in die Tiefe und sauste erschreckend nah an ihrem Kopf vorbei, ein anderer schrie am Himmel.

Ein plötzliches Krachen auf dem Fels über ihnen ließ sie den Halt verlieren, und sie griff automatisch nach einer Handvoll junger Triebe, die aus den Felsen ragten. Gerade noch rechtzeitig, denn über ihr ertönten ein dumpfer Schlag und Rutschgeräusche, und quasi im selben Moment stürzte etwas Großes in einer Wolke aus Erde und Kies an ihr vorüber, prallte mit einer Explosion aus Atem, Blut und schierer Wucht neben ihr vom Felsen ab und landete krachend unten im Gebüsch.

»Seliger Michael, steh uns bei«, sagte ihr Vater auf Gälisch und bekreuzigte sich. Er richtete den Blick auf das Getöse unten im Gebüsch – Himmel, was immer es war, es lebte noch –, dann nach oben.

»Weh!«, sagte eine aufgebrachte Männerstimme über ihr. Sie verstand zwar das Wort nicht, doch sie erkannte die Stimme, und Freude brach in ihr aus.

»Ian!«, rief sie. Oben herrschte absolute Stille, bis auf die Raben, die immer aufgeregter wurden.

»Seliger Michael, steh uns bei«, sagte eine verdatterte Stimme auf Gälisch, und im nächsten Moment landete ihr Vetter Ian auf dem schmalen Felsensims, wo er ohne erkennbare Schwierigkeiten das Gleichgewicht wiederfand.

»Du bist es wirklich!«, sagte sie. »Oh, Ian!«

»A charaid!« Ungläubig lachend packte er sie und drückte sie fest. »Himmel, du bist es!« Er wich einen Moment zurück, um sich mit einem genauen Blick zu überzeugen, lachte noch einmal glücklich, küsste sie herzhaft und drückte sie erneut. Er roch nach Hirschleder, Porridge und Schießpulver, und sie konnte sein Herz an ihrer Brust schlagen spüren.

Mit halbem Ohr hörte sie es rascheln, und als sie einander losließen, begriff sie, dass ihr Vater von dem Felsen gesprungen war und sich halb rutschend über das Geröll auf das Gebüsch zubewegte, in das der Hirsch – es musste ein Hirsch gewesen sein – gestürzt war.

Am Rand der Büsche hielt er kurz an – die Äste bewegten sich immer noch, doch die Bewegungen des verletzten Tiers wurden jetzt weniger heftig –, dann zog er seinen Dolch, murmelte eine gälische Bemerkung und watete vorsichtig in das Gestrüpp hinein.

»Das sind alles Rosenbüsche da unten«, sagte Ian, der einen Blick über ihre Schulter warf. »Aber ich glaube, er kommt noch rechtzeitig, um ihm die Kehle durchzuschneiden. A Dhia, das war ein schlechter Schuss, und ich hatte schon Angst, ich hätte … aber was zum Teuf–, äh, ich meine, wie kommt es, dass du hier bist?« Er trat einen Schritt zurück und ließ den Blick über sie hinwegwandern. Seine Mundwinkel kräuselten sich ein wenig, als er ihre Kniehose und die ledernen Wanderschuhe sah, dann verschwand das Lächeln, und sein Blick kehrte zu ihrem Gesicht zurück, diesmal besorgt. »Ist dein Mann nicht bei dir? Und die Kinder?«

»Doch, das sind sie«, beruhigte sie ihn. »Roger hämmert wahrscheinlich irgendetwas zusammen, Jem hilft ihm, und Mandy steht wie üblich im Weg. Warum wir hier sind …« Der Tag und die Freude über das Wiedersehen hatten sie die jüngste Vergangenheit vergessen lassen, doch die unvermittelte Notwendigkeit einer Erklärung ließ plötzlich die ganze Wucht der Situation über sie hereinbrechen.

»Keine Sorge, Cousinchen«, sagte Ian hastig, als er ihr Gesicht sah. »Es kann warten. Meinst du, du weißt noch, wie man einen Truthahn schießt? Keine Viertelmeile von hier trippelt ein ganzer Schwarm herum wie Tänzer bei einem Ceilidh.«

»Oh, das kann schon sein.« Sie hatte die Vogelflinte an den Felsen gelehnt, um zu trinken; der stürzende Hirsch hatte das Gewehr umgeworfen, und sie hob es auf; der Fall hatte den Feuerstein verschoben, und sie rückte ihn gerade. Das peitschende Rascheln im Gebüsch war verstummt, und sie konnte die Stimme ihres Vaters hören, die den Wind in Wortfetzen übertönte und das Grallochgebet sprach.

»Aber sollten wir Pa nicht mit dem Hirsch helfen?«

»Ach, es ist nur ein Jährling; er wird schneller damit fertig sein, als du blinzeln kannst.« Ian beugte sich auf der Felsenkante vor und rief in die Tiefe: »Ich gehe mit Brianna Truthähne schießen, bràthair mo mhàthair!«

Totenstille von unten, dann lautes Geraschel, und Jamies zerzauster Kopf tauchte plötzlich über den Rosenbüschen auf. Sein Haar war lose und durcheinander, sein Gesicht war tiefrot angelaufen und blutete an mehreren Stellen, genau wie seine Arme und Hände, und seine Miene war missmutig.

»Ian«, sagte er in gemessenem Ton, aber so laut, dass er trotz der Waldgeräusche gut zu hören war. »Mac Ian … mac Ian!«

»Wir kommen zurück und helfen dir, das Fleisch zu tragen!«, rief Ian zurück. Er winkte fröhlich, packte die Vogelflinte, fing Briannas Blick auf und wies mit einem Ruck seines Kinns bergauf. Sie blickte in die Tiefe, doch ihr Vater war verschwunden, nur die Büsche wedelten aufgebracht hin und her.