Perry Rhodan 291: Brücke zwischen den Sternen - Kurt Mahr - E-Book

Perry Rhodan 291: Brücke zwischen den Sternen E-Book

Kurt Mahr

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Beschreibung

Sie wollen zurück in die Galaxis - sie sind die letzten, die den Sprung ins Ungewisse wagen Nach Abschluß des Freundschaftsvertrages mit den Maahks, den alten Todfeinden der Arkoniden, zögert Perry Rhodan nicht länger mit dem entscheidenden Schlag gegen die Macht der MdI. Der Zentraltransmitter von Andromeda wird durch die "Antisonne" zerstört - doch die Folgen dieser Aktion sind heftiger als erwartet! Das "Sonneninferno", das dieser Zerstörung folgt, zwingt Perry Rhodans Flotte zum Rückzug. Nur Gucky und eine Handvoll Terraner bleiben noch im Zentrum Andromedas. Sie erreichen die Welt der Sonneningenieure und nehmen Verbindung mit den rätselhaften Energiewesen auf. Der Mausbiber will dafür sorgen, daß die Sonneningenieure, die für die MdI arbeiten, ihren Dienst quittieren und zu Verbündeten Terras werden. Das Volk der Sonneningenieure läßt sich jedoch nicht umstimmen. Die Energiewesen kehren zu den "großen Müttern" zurück, die ihnen vor Äonen das Leben geschenkt hatten. Das Geheimnis der Sonnentransmitter geht somit für immer verloren. Doch schlimmer noch: Durch die Zerstörung des Zentraltransmitters werden die übrigen Transmitter instabil - und jeder riskiert sein Leben, der die BRÜCKE ZWISCHEN DEN STERNEN betritt...

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Nr. 291

Brücke zwischen den Sternen

Sie wollen zurück in die Galaxis – sie sind die letzten, die den Sprung ins Ungewisse wagen

von KURT MAHR

Nach Abschluss des Freundschaftsvertrages mit den Maahks, den alten Todfeinden der Arkoniden, zögert Perry Rhodan nicht länger mit dem entscheidenden Schlag gegen die Macht der MdI.

Der Zentraltransmitter von Andromeda wird durch die »Antisonne« zerstört – doch die Folgen dieser Aktion sind heftiger als erwartet!

Das »Sonneninferno«, das dieser Zerstörung folgt, zwingt Perry Rhodans Flotte zum Rückzug. Nur Gucky und eine Handvoll Terraner bleiben noch im Zentrum Andromedas. Sie erreichen die Welt der Sonneningenieure und nehmen Verbindung mit den rätselhaften Energiewesen auf. Der Mausbiber will dafür sorgen, dass die Sonneningenieure, die für die MdI arbeiten, ihren Dienst quittieren und zu Verbündeten Terras werden.

Das Volk der Sonneningenieure lässt sich jedoch nicht umstimmen. Die Energiewesen kehren zu den »großen Müttern« zurück, die ihnen vor Äonen das Leben geschenkt hatten.

Die Hauptpersonen des Romans

Tsin Muno – Kommandant des schweren Kreuzers HELIPON.

Timo Benz – Leutnant auf der HELIPON.

Warren Levier und Pulpo Rimak – Zwei Sergeanten, die Leutnant Benz bei seinem Sprung ins Nichts begleiten.

Perry Rhodan – Großadministrator des Solaren Imperiums.

Reginald Bull – Staatsmarschall des Solaren Imperiums und Befehlshaber von Kahalo.

Vince Foley

Im Museum für Kolonisationsgeschichte in Valparaiso, Terra, Sektion Südamerika, wird die Aufmerksamkeit des Besuchers von einer merkwürdigen Ausstellung angezogen. Hinter einer schützenden Glassitwand breitet sich ein etwa fünfmal fünf Meter großes Stück Grasfläche. Dass es sich um besonderes Gras handelt, wird dem Betrachter mittels eines unauffälligen, am linken unteren Rand der Glaswand angebrachten Schildes erläutert: GRAMINEA COMMUNIS KAHALENSIS. Gemeines Gras von Kahalo. In der Mitte der Grasfläche stehen, dicht nebeneinander, drei Natursteinblöcke von unregelmäßiger Form und etwa einem Meter Höhe. In die Fronten der Blöcke eingelassen sind drei rechteckige Metalltafeln mit identischen Inschriften in altertümlichem Interkosmo:

ZUM GEDENKEN AN LEUTNANT TIMO BENZ, SERGEANT WARREN LEVIER UND SERGEANT PULPO RIMAK. IHR HELDENMUT WIRD NIE VERGESSEN WERDEN.

Der Besucher wundert sich, ob die Ausstellung ihrer Kuriosität wegen, oder weil sie wirklich etwas zu besagen habe, im Museum untergebracht sei. Dann zerbricht er sich den Kopf über die Bedeutung der Welt Kahalo und erfährt, wenn er sich erkundigt, dass es sich dabei um einen Planeten handelte, der zu Beginn des Dritten Jahrtausends eine wichtige Rolle als Stützpunktwelt des Ersten Imperiums spielte. Er hört, dass es drei Gedenksteine gibt, weil die sterblichen Überreste der drei Genannten, obwohl an drei verschiedenen Stellen aufgefunden, nicht identifiziert werden konnten, so dass man nicht wusste, welcher Rest zu welcher Person gehörte. Er erfährt schließlich, dass man Grassamen von Kahalo über die Jahrtausende gerettet hatte, um der Stätte einen würdigen Untergrund zu geben.

Dann hört er die Geschichte von Timo Benz und den beiden Sergeanten, wie sie von Sachverständigen rekonstruiert wurde ...

1.

Leutnant Timo Benz starrte nachdenklich auf den Bildschirm mit seinen Tausenden von Lichtpunkten, die von den kosmischen Trümmerstücken des Schrotschuss-Systems und den weit verstreuten Schiffen der Wachflotte herrührten. Er hatte nichts zu tun und war gelangweilt. Wenn er nicht rein zufällig auf den Schirm gesehen hätte, hätte er die grüne Flammenzunge, die sich von rechts unten her plötzlich in die Bildfläche schob, wahrscheinlich zu spät bemerkt.

Timos Reaktion war natürlich. Er fluchte vor sich hin und drückte den Reset-Knopf des Bildsystems. Der Knopf leuchtete grün. Das System war in Ordnung. Die grüne Flammenzunge existierte in Wirklichkeit.

Timo wünschte sich, es wäre außer ihm noch jemand im Kommandostand. Er fühlte sich ratlos und verlassen in der großen, kreisrunden Halle mit ihren blitzenden Geräten und den vielen leeren Sitzen. Er warf einen misstrauischen Blick auf den Bildschirm und griff nach dem Interkom. Er drückte einen Wählknopf und wartete ungeduldig, bis die kleine Bildscheibe aufleuchtete. Ein runder Kopf mit asiatischen Gesichtszügen erschien.

»Leutnant Benz, Sir, wachhabender Offizier«, sprudelte Timo hervor. »Bitte die Störung zu entschuldigen, aber ...«

Der Mann fing an zu grinsen, und Timo unterbrach sich irritiert.

»Was ist los, Leutnant? Sagen Sie's schon!«

»Sir, ich beobachte eine grünliche Leuchterscheinung, die sich aus der Richtung des System-Zentrums ins Blickfeld schiebt. Bitte um Ihre Entscheidung, ob wir uns um das Phänomen kümmern sollen oder nicht.«

Oberstleutnant Tsin Muno sah nicht aus wie ein Mann, der lange brauchte, um sich zu entscheiden. Trotzdem kam er zu spät. Von völlig unerwarteter Stelle wurde ihm die Entscheidung abgenommen.

Das automatische Warngerät der Energieortung begann zu schrillen. Tsin Muno hörte es durch den Interkom.

»Geben Sie Alarm!«, rief er Timo zu. »Und informieren Sie den Stützpunkt. Ich bin in ein paar Minuten bei Ihnen.«

Das Bildfeld erlosch. Timo fühlte sich erleichtert. Auf dem großen Fernsehschirm zog sich das grüne Leuchtband jetzt quer über die Sichtfläche. Timo hieb auf die Alarmtaste. Das Schrillen des Energieorters ging im Heulen der Sirenen unter. Er schaltete den Hyperkom ein und setzte sich mit dem Stützpunkt auf Kalif in Verbindung. Auf Kalif war die grüne Leuchterscheinung ebenfalls beobachtet worden. Nein, niemand hatte eine Ahnung, worum es sich handelte. Wahrscheinlich hatte es mit dem Transmitter zu tun; denn das leuchtende Band kam aus dem Leerraum zwischen den beiden Sonnen im Zentrum des Systems hervor. Alle Einheiten der Wachflotte waren alarmiert und standen auf Posten.

Damit war Timos Neugierde nicht befriedigt. Er rannte quer durch die Halle, an dem leicht erhöhten Schaltpult des Kommandanten vorbei, zum Energietaster hinüber. Nachdem er den immer noch quäkenden Warner abgeschaltet hatte, studierte er die Anzeigen der Messgeräte. Er selbst war Navigator und verstand von diesen Dingen nicht allzu viel. Aber er sah die Leuchtzeiger unruhig hin- und herpendeln, als Energieflüsse oszillierender Stärke auf die Antennen trafen, und er wusste, dass die Farbe des Leuchtbalkens am oberen Ende des Pultes auf die Struktur der empfangenen Energie hinwies. Blau stand für unbekannt.

Er schaltete den Panoramaschirm ein, der über den Pulten, drei Meter breit, rings um den ganzen Kommandostand lief. Die roten Glutbälle der beiden Sonnen erschienen, ihr grelles Licht durch Filter so gedämpft, dass man sie ansehen konnte, ohne die Augen zu schädigen. Der grüne Leuchtstreifen drang zwischen den Sonnen hervor. Soweit Timo erkennen konnte, hatte er den Ring der kosmischen Trümmerstücke, der die Sonnen im Abstand von achtzig Millionen Kilometern umgab, schon durchstoßen und drang weiter in den Raum hinaus vor.

Das Schott rollte auf. Eine Gruppe von Offizieren stürmte herein, an ihrer Spitze Tsin Muno, der Kommandant des Schiffes.

»Alles auf die Posten«, gellte seine Stimme, die höher klang, als man von dem bulligen und großen Mann erwartete. Er schnellte sich über die Stufen zu seinem Pult hinauf. »Wir gehören nicht zur Wachflotte und sind im Augenblick noch unser eigener Herr. Aber ich möchte das Schiff startbereit haben für den Fall, dass etwas Unvorhergesehenes eintritt.«

Timo Benz begab sich an seinen Platz zurück. Die runde Halle des Kommandostands erfüllte sich mit Leben und Aktivität. Timo hatte nichts zu tun. Seine Dienste wurden erst gebraucht, wenn der Startbefehl vorlag. Er lehnte sich in seinem Sessel nach hinten und starrte zum Panoramaschirm empor. Mit halb zusammengekniffenen Augen musterte er den grünen Leuchtstreifen, als könnte er auf diese Weise sein Geheimnis durchschauen. Timo Benz war erst vor kurzem von der Raumakademie gekommen. Seinen Posten auf der HELIPON, einem der modernsten Schiffe der Flotte des Imperiums, verdankte er einem hervorragenden Abschlusszeugnis. Er war ein ausgezeichneter Navigator, aber wie alle jungen Offiziere mit geringer praktischer Erfahrung war er von dem Wahn besessen, dass es in diesem Kosmos kein Rätsel gebe, das nicht durch logisches Nachdenken und scharfes Hinschauen gelöst werden konnte.

Der grüne Lichtstreifen brachte diese Anschauung zum ersten Mal ins Wanken. Er ließ sich nicht erklären. Er war ein unlogisches Ding. Offenbar handelte es sich nicht um eine Waffe, denn die Leuchterscheinung war gegen keinen wichtigen Punkt des Systems gerichtet und drang über dessen Grenzen hinaus in den Leerraum vor. Mit seiner scharf gezeichneten Begrenzung und der Geradlinigkeit seines Vordringens machte er eindeutig den Eindruck eines künstlichen Gebildes. Aber künstliche Gebilde verfolgten irgendeinen Zweck, und einen Zweck schien die Erscheinung nicht zu haben. Vielleicht war sie nicht künstlich, überlegte Timo. Auch die Natur erzeugte Gebilde, die erstaunlich regelmäßige Formen besaßen. Vielleicht handelte es sich um einen Vorgang, der sich im Innern des Transmitters abspielte und sich durch die Leuchterscheinung nach außen bemerkbar machte. Timo bedauerte es, dass er über die Prinzipien der Transmitterphysik nur oberflächlich informiert war. Ein Transmitter war ein Ding, das Objektive von hier nach dort beförderte, und der Vorgang ließ sich etwa mit einer Radiosendung vergleichen, nur dass der Transmitter sich anderer Energiestrukturen bediente.

Timo warf einen Blick rundum und gähnte. Rechts und links neben ihm saßen andere Offiziere der Navigationsgruppe und waren, nach ihren Gesichtern zu urteilen, mit der Lage ebenso unzufrieden wie Timo.

Von der andern Seite des Raumes her hörte er die gedämpfte Stimme eines der Männer am Energietaster. Er sprach über Interkom mit Tsin Muno, der oben hinter seinem Kommandopult saß. Timo versuchte, ihm vom Gesicht abzulesen, was er von der Lage hielt. Das erwies sich als unmöglich. Er hatte schon immer Schwierigkeiten gehabt, die Physiognomien seiner Mitmenschen zu deuten; bei Tsin Muno mit seinen asiatischen Gesichtszügen ließ ihn diese Kunst völlig im Stich.

Er drehte seinen Sessel wieder in die ursprüngliche Lage und legte den Kopf in den Nacken, um zum Bildschirm hinaufzusehen.

In diesem Augenblick entdeckte er, dass der grüne Leuchtstreifen verschwunden war.

Die Dinge überstürzten sich von da an. Zuerst gellte die Stimme des Energieorters: »Fremde Energieflüsse versiegt, Sir! Keine Anzeige mehr!«

Dann schrie der Objekttaster: »Anzeige aus Phi einunddreißig, Theta drei-null-drei, Sir! Abstand etwa einhundert. Objekt von beachtlicher Größe, Sir!«

Jeder, der nichts zu tun hatte, drehte seinen Sessel herum und starrte zu den Orter- und Tasterpulten hinüber. Timo machte keine Ausnahme. Der grüne Leuchtstreifen war im gleichen Augenblick verschwunden, in dem der Objekttaster einen Reflex empfing. Zwei völlig unerwartete Ereignisse treten niemals gleichzeitig auf, wenn sie nicht in logischem Zusammenhang stehen. Timo fragte sich irritiert, wo er diesen Spruch aufgeschnappt hätte, und kam zu dem Schluss, dass er auf seinem eigenen Mist gewachsen sein müsse.

Ein Objekt erschien, als der grüne Leuchtstrahl verschwand. Was war das? Materialisierung von Energie?

Tsin Muno hatte das Hyperkommikrophon vor dem Mund und sprach mit jemand auf Kalif. Man konnte ihn nicht verstehen. Timo sah jedoch, dass er nickte, als er das Mikrophon zurück auf die Gabel legte.

»Wir starten sofort!«, gellte seine helle Stimme durch den Kommandostand. »Ziel – das unbekannte Objekt, das soeben geortet wurde. Unser Auftrag ist herauszufinden, worum es sich handelt und was es hier sucht.«

Timo wirbelte seinen Sessel herum. Die Zeit des Sich-Wunderns war vorbei. Vor ihm begann das Relais zu rasseln, das seine Rechenmaschine mit den Positronikspeichern der Tasteranlage verband. Die Tasterdaten wurden automatisch an die Maschinen der Navigationsgruppe übertragen. Ein Plastikstreifen mit aufgedruckten Zahlen fiel aus einem Schlitz. Timo nahm ihn auf und überflog die Ziffern. Der Abstand des fremden Objekts betrug im Augenblick einhundertunddrei Millionen Kilometer. Es bewegte sich relativ zur HELIPON mit einer Geschwindigkeit von achtzehntausend Kilometern pro Sekunde. Enttäuscht schob Timo den Streifen beiseite. Die Rechenmaschine konnte das Problem ohne seine Hilfe lösen. Bei so geringen Entfernungen und Geschwindigkeiten galten die Gleichungen des dreidimensionalen Fluges. Der Navigator brauchte keine Entscheidung über den günstigsten Kurs zu treffen.

Vierzig Sekunden später war der Kurs gesetzt. Das Schiff setzte sich in Bewegung. Timo verfolgte die Anzeige seiner Instrumente ohne großes Interesse. Es konnte nichts schiefgehen. Die HELIPON beschleunigte mit Volllast und ließ den Ring von Asteroiden und kosmischen Trümmerstücken, der die rote Doppelsonne umschwebte, rasch hinter sich zurück. Der Panoramaschirm zeigte die undurchdringliche, lichtlose Schwärze des intergalaktischen Leerraums voraus.

Innerhalb von vierzig Minuten kam der Schwere Kreuzer relativ zu dem fremden Objekt zum Stillstand. Das geheimnisvolle Etwas, das aus dem grünen Lichtstreifen entstanden war, befand sich rund zehntausend Kilometer entfernt. Es hatte seine ursprüngliche Geschwindigkeit beibehalten und bewegte sich nach wie vor auf geradlinigem Kurs. Mit achtzehntausend Kilometern pro Sekunde würde es den Anziehungsbereich der Doppelsonne in wenigen Stunden verlassen haben und von da an bis in alle Ewigkeit durch den unendlichen Abgrund zwischen den Milchstraßen schweben.

Der Taster hatte inzwischen ausmachen können, dass das Objekt unregelmäßige Formen besaß und in der Linie der größten Ausdehnung knapp fünf Kilometer maß. Das, fand Timo, war ziemlich eindeutig. Es konnte sich nicht um ein Raumschiff handeln. Raumfahrzeuge waren, mit Ausnahme der Posbischiffe, regelmäßig gebaut, und selbst ein Posbifahrzeug war leicht von einem kosmischen Felsbrocken zu unterscheiden. Es musste sich also um ein natürliches Objekt handeln, wahrscheinlich einen kleinen Asteroiden, der irgendwie in den Wirkungsbereich des Transmitters geraten und wieder ausgespien worden war. Die Experten würden nicht allzu lange brauchen, bis sie erklären konnten, woher die grüne Leuchterscheinung kam.

Timo hielt das Rätsel für gelöst und begann, sich von neuem zu langweilen. Da hörte er plötzlich die Stimme eines der Offiziere der Energietastung. Der Interkom war inzwischen auf Rundsprech geschaltet worden. Der Mann sagte: »Das fremde Objekt gibt intermittierende Streustrahlung ab. Die Struktur der Strahlung ist eindeutig. Sie rührt von einem Fusionsmeiler her.«

*

Tsin Muno versuchte, den Fremden anzufunken. Er probierte alle Kodes, die für den Verkehr mit fremden Rassen von den Fachleuten ausgearbeitet worden waren. Aber er bekam keine Antwort. Der Empfänger blieb still. Nach einer Viertelstunde wurde der Versuch aufgegeben. Tsin Muno befahl, die HELIPON näher an das unbekannte Objekt heranzubringen.

Ein paar Minuten lang hatte Timo alle Hände voll zu tun. Die Errechnung der ständig wechselnden Manöver erforderte seine ganze Aufmerksamkeit. Eine Zeitlang verschmolz er mit seiner Aufgabe und vergaß, was um ihn herum vorging. Dann gab Tsin Muno den Stopp-Befehl. Ein letztes Manöver, und die HELIPON glich Kurs und Geschwindigkeit denen des fremden Objekts an. Timo sah auf.

In der Schwärze des Leerraums war ein rotglühender Schatten aufgetaucht. Seine Konturen verschwammen in der Finsternis, aber die Rundungen, Falten und Abgründe des riesigen Körpers stachen plastisch und unheildrohend daraus hervor wie die eines Ungeheuers, das einem im Traum erschien. Fasziniert starrte Timo das Gebilde an und spürte, wie Furcht in ihm aufstieg. Er versuchte sich einzureden, dass es keinen Grund zur Aufregung gäbe. Das rote Glühen war natürlich leicht zu erklären. Das fremde Objekt reflektierte das Licht der Doppelsonne, die jetzt mehr als hundert Millionen Kilometer weit entfernt war. Und ein kosmischer Felsbrocken, von unsicherem Licht bestrahlt, würde niemals einen anheimelnden Anblick bieten.

Aber die Angst blieb. Das dort draußen war kein Felsbrocken. Die Kanten waren zu sanft, die Rundungen zu regelmäßig, obwohl sie wirr durcheinanderliefen. Das Ganze sah einer abstrakten Skulptur viel ähnlicher als einem Stück natürlichen Fels.

Tsin Munos Stimme riss ihn aus dem Brüten.

»Leutnant Benz!«

Timo sah Tsins Gesicht auf dem Interkom.

»Hier, Sir«, antwortete er verwirrt.

»Sie sind neu und brauchen Erfahrung. Nehmen Sie sich zwei Mann aus Ihrer Gruppe und begeben Sie sich zur Hangarschleuse Ost. Erwarten Sie mich dort in zwanzig Minuten – aussteigbereit!«

Timo bestätigte den Befehl. Er dachte eine Weile darüber nach, wen aus seinem Zug er mitnehmen sollte, und entschied sich für Warren Levier und Pulpo Rimak. Er führte diesen Zug seit knapp zwei Wochen, und von den meisten seiner Leute wusste er kaum mehr als Namen, Rang und Kennzahl. Mit Warren und Pulpo, zwei Sergeanten, war er enger zusammengekommen. Er rief sie an und gab Tsin Munos Befehl weiter.

Dann schnallte er sich los und stand auf. Um das Ostschott zu erreichen, musste er den Kommandostand durchqueren. Als er an dem Schaltpult des Kommandanten vorbeikam, warf ihm Tsin einen aufmunternden Blick zu. Timo salutierte sorgfältig. Vom Schott aus warf er noch einmal einen Blick auf das rote Ungeheuer, das dort in der Finsternis des Leerraums lauerte. Tsin Muno wollte sich das Ding aus unmittelbarer Nähe ansehen. Timo war nicht sicher, ob der Auftrag ihm gefiel. Er wusste nicht, wie er sich entschieden hätte, wenn man ihm die Wahl gelassen hätte, entweder hierzubleiben oder mit Tsin zu gehen.

*

Pulpo Rimak und Warren Levier waren schon zur Stelle, als er den Vorraum der Hangarschleuse erreichte. Sie grüßten, und als er ihre unbewegten, fast gelangweilten Gesichter sah, stellte sich sein Selbstvertrauen automatisch wieder her. Pulpo und Warren waren erfahrene Leute. Es gab nichts zu fürchten, solange sie sich nicht fürchteten. Pulpo war ein Klotz von einem Mann, knapp zwei Meter groß und ungemein breit. Er hatte sich, wie Timo erfuhr, schon mehrmals erfolgreich als Epsaler ausgegeben und sich damit eines Respekts versichert, der ihm als erdgeborenem Sergeanten eigentlich nicht zustand. Er hatte einen Stiernacken, und seine Stirn wirkte ausgesprochen niedrig, obwohl er ihr, indem er sein schwarzes Haar im Bürstenschnitt trug, zusätzlich Höhe zu verleihen suchte. Wer ihn zum ersten Mal sah, fragte sich unwillkürlich, wie er es fertiggebracht hatte, auch nur den einfachsten Intelligenztest zu bestehen, dem Bewerber für eine Flottenlaufbahn sich unterziehen mussten. Timo Benz wusste, dass der Eindruck trog. Pulpo Rimak hatte mehr Grips als manche Leute mit hohen Stirnen.

Neben Pulpos riesenhafter Gestalt war Warren Levier ein Zwerg. Kaum einssiebzig groß und schmächtig gebaut, wirkte er wie ein hilfloses Wesen, das das Schicksal dazu bestimmt hatte, stets fehl am Platze zu sein. Warren war fünfunddreißig Jahre alt, wirkte aber wenigstens zehn Jahre älter. Timo hatte ihn noch nicht in Aktion gesehen; aber er kannte seine Personalakten und wusste von verschiedenen Berichten, dass er zu einem Bündel aus Energie und Tatkraft wurde, sobald es die Lage erforderte.

Sie fassten Raumschutzanzüge und Waffen, bevor sie den eigentlichen Schleusenraum betraten. Ein kleiner Fünf-Mann-Gleiter war, offenbar auf Tsin Munos Befehl, inzwischen startbereit gemacht worden. Raumgleiter waren primitive, aber unverwüstliche Gebilde, die zu kurzen Ausflügen benutzt wurden und ihren Fahrgästen keinerlei Schutz boten. Sie bestanden aus einem mit fünf Kontursesseln bestückten Gestänge, das hinten und vorne je ein chemisches Triebwerk zur Fortbewegung des Ganzen enthielt. Vier Sitze waren zu je zweien nebeneinander angebracht. Der fünfte befand sich im Bug des Fahrzeugs und hatte vor sich ein kleines Schaltpult, von dem aus die Triebwerke bedient wurden.