Phacharas Irrtum - Axel Kruse - E-Book

Phacharas Irrtum E-Book

Axel Kruse

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Beschreibung

Major Michel "Mick" Dupont erhält den Auftrag einen Botschaftssekretär nach Phacharas Irrtum zu bringen. Ein eher ungewöhnlicher Auftrag für einen Kreuzer der Sternenlichtvereinigung, auch wenn man das Faktum in Betracht zieht, dass das Schiff kurz vor Außerdienstnahme und die Mannschaft kurz vor dem Renteneintritt steht. Zudem wird der Sekretär von zwei Sicherheitsdienstleuten und einer Ärztin begleitet. Mick ist argwöhnisch, aber was sich dann während des Einsatzes ergibt, hätte er sich selbst in seinen kühnsten Träumen niemals vorgestellt.

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EPUB
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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Axel Kruse

Sternenlicht 30

Phacharas Irrtum

Saphir im Stahl

Für meinen Enkel Theo Phachara

Sternenlicht 30

Axel Kruse - Phacharas Irrtum

e-book: 325

Erste Auflage 01.04.2025

© Saphir im Stahl

Verlag Erik Schreiber

Schlosswaldweg 11

64678 Lindenfels

www.saphir-im-stahl.de

Titelbild: Thomas Budach

Vertrieb: neobooks

Axel Kruse

Sternenlicht 30

Phacharas Irrtum

Saphir im Stahl

Geleitwort

Es ist eine Ehre, für Axel Kruse das Geleitwort schreiben zu dürfen. Über Axel Kruse selbst kann ich sagen, dass er ein sehr angenehmer Mensch ist, mit dem ich mich gerne nicht nur über Science Fiction unterhalte. Die Gelegenheit dazu habe ich allerdings leider viel zu selten. Seine Geschichten sind immer wieder von der Abenteuerlust geprägt, fremde Welten zu entdecken, sie aber gleichzeitig mit ganz menschlichen Themen auszuschmücken. Dadurch wirken seine Protagonisten sehr nahbar. Genau diese Mischung findet sich auch in diesem Buch. Major Dupont wird in eine außergewöhnliche Geschichte verstrickt, bleibt dabei aber immer Mensch. Ein weiteres Merkmal ist Axels Fähigkeit, aktuelle Themen in seinen Geschichten zu verweben. Manches kann man leicht überlesen, Anderes ist deutlicher zu erkennen. Mir selbst macht es Freude, seine Geschichten zu lesen und all diese Besonderheiten zu entdecken, die er in die Geschichten seiner Protagonisten verwebt. Allen Lesern dieses Sternenlicht-Romans wünsche ich ebenso viel Vergnügen beim Lesen und Entdecken der Details rund um „Phacharas Irrtum“. Peter R. Krüger

Inhaltsverzeichnis

1. Kapitel Omer

2. Kapitel Lehrgang politische Bildung

3. Kapitel Phacharas Irrtum Station

4. Kapitel An Bord der Stella

5. Kapitel Der Plan hinter dem Plan

6. Kapitel Anflug

7. Kapitel Am Boden

8. Kapitel Die Hütte im Wald

9. Kapitel Zurück zur Phönix

10 Kapitel Rücksturz nach Omer

11. Kapitel Drei lange Tage

1. Kapitel Omer

Ich streckte meine Füße aus, die nackten Füße. Ich genoss es, endlich die Stiefel, die wir an Bord immer trugen, ausgezogen zu haben. So sehr, dass ich auch die Socken abgelegt hatte. Ich war zu Hause angekommen, endlich. Eine Dusche hatte ich mir noch nicht gegönnt. Warum auch? Ich lebte allein seit …, nun, ich wollte das jetzt nicht nachrechnen, es war viel zu lange.

Aber es hatte auch Vorteile. Ich legte die nackten Füße auf den Couchtisch, mir wurde bewusst, dass sie vermutlich nicht sonderlich gut rochen, aber das war mir egal und es war niemand anwesend, der mir Vorschriften machte. So saß ich da, mehr als eine Stunde, und starrte einfach nur so vor mich hin. Sinnierte über mein Leben. War es verpfuscht?

Nun, ich war Kommandant eines Kreuzers, das war eine Stellung, um die mich so manch ein Kadett beneidete, auch, wenn klar war, dass es ein Kreuzer war, der seine Glanzzeit bereits lange hinter sich hatte. Aber das war Kadetten in der Regel egal. Es war ein Kreuzer und nur das zählte.

Nun, für mich nicht.

Ich war bereits zu lange Kommandant dieses Schiffes. So lange, dass klar war, und das nicht nur mir, dass das meine Endstation war, beziehungsweise sein würde. Letztendlich war es egal, weil ich es nicht würde ändern können. Ich würde als Kommandant in Rente gehen, ein weiterer Karriereschritt war mir verbaut, schon lange.

Irina kam mir in den Sinn.

Nun, es hatte nicht funktioniert mit uns. Das war auch schon lange her. Sie hatte ihr Glück gefunden. Einen anderen Mann, Kinder. Und ich? Trauerte ich ihr immer noch nach?

Verdammt, ich sah sie jeden Tag an Bord. Warum vermisste ich sie jetzt? Jetzt, wo ich die paar Tage frei hatte, um auszuspannen, bevor uns eine neue Mission wieder an Bord zusammenbringen würde.

Ehrlich gesagt, ich genoss diese Zeit an Bord mit ihr, auch wenn da nichts mehr zwischen uns war, außer … Freundschaft? Ja, Freundschaft, das war es.

Ich raffte mich auf, streifte meine Uniform ab und warf sie auf den Boden. Auch ein Vorteil, wenn man allein lebte, da war niemand, der sich darüber aufregte.

Dann ging ich zu Bett und fiel übergangslos in einen tiefen Schlaf.

Am folgenden Morgen räumte ich auf, kochte mir einen Tee und setzte mich an den Küchentisch, von dem ich einen wundervollen Ausblick nach draußen hatte. Links von mir floss der Bach, aus dem Wohnzimmer kommend, durch die Küche und von dort aus durch die Wand, speiste im Badezimmer das Schwimmbecken und verließ das Haus wieder nach draußen.

Das Wasser war trüb, da stimmte irgendetwas nicht mit den Filtern, die oberhalb vom Haus, wo das Wasser in die Röhre floss, installiert waren. Ich würde sie reinigen müssen. Vielleicht hatten ja auch die Viecher wieder mal ein Nest dort errichtet.

Das Haus war wunderschön, der Traum eines Architekten, am Hang gelegen, den Bach einfangend und durch die jeweils etwas tiefer als die vorherigen angelegten Zimmer geleitet, ausgelegt für eine Familie mit Kindern.

Nun, ich war allein hier, gönnte mir den Luxus. Leisten konnte ich es mir. Das Gehalt eines Kreuzerkommandanten war nicht schlecht. Anfangs war die Abgeschiedenheit in dieser Bergwelt von Omer auch die Erfüllung all meiner Wünsche gewesen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem Irina auszog.

Schon wieder Irina!

So ging das nicht weiter.

Ich nahm mir vor, die Filter zu überprüfen und das Nest der Viecher, ich war überzeugt davon, dass das der Grund sein musste, zu entfernen. Arbeit half immer, um auf andere Gedanken zu kommen.

Die Viecher, diese einheimische Tierart, hatte ich unterschätzt. Sie machten mir das Leben schwer. Nicht nur, dass sie regelmäßig ein Nest direkt vor den Filtern bauten, dazu das Material der Filter nutzten und sie somit zerstörten. Nein, sie nutzten den Abfluss des Wassers aus ihrem Bau als Mittel dafür, ihre Körperausscheidungen abzutransportieren. Eigentlich ja eine intelligente Art und Weise damit umzugehen. Hier führte es nur dazu, dass ich die ganze Scheiße in meinem Haus hatte und mich nicht mehr so recht an diesem genialen Einfall des Architekten erfreuen konnte.

Wie schön war es gewesen, mit Irina abends im Wohnzimmer zu sitzen, auf die Findlinge zu sehen, die im Bach lagen und von den verborgen angebrachten Lampen angestrahlt wurden. Wie schön waren diese Abende …, verdammt, schon wieder Irina.

Ich riss mich davon los, stürmte nach draußen und begann voller Wut das Nest zu entfernen. Wenig später hatte ich einen Haufen Filtermüll auf dem Bachufer liegen. Die Viecher waren bei meiner Annäherung allesamt geflohen. Ich weiß nicht, ob ich, wenn ich denn eines von ihnen in meine Finger bekommen hätte, meine Wut an ihm ausgelassen hätte.

Vermutlich eher nicht. Das hätte ich dann doch nicht übers Herz gebracht. Aber ich machte mir Gedanken darüber, wie ich sie denn endgültig von hier vertreiben könnte.

Als ob ich mir zum ersten Mal Gedanken dazu gemacht hätte. Es brachte nichts. Sie kamen immer wieder zurück. Der Architekt und damit ich, hatte seine Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Wieder zurück in meinem Haus bemerkte ich, dass mein Visiphon eine Nachricht aufgezeichnet hatte. Ich hatte vergessen, meinen Kom von lautlos auf Signalgebung zu schalten. Nachts wollte ich nicht gestört werden und gestern Abend hatte ich ihn bereits früh auf stumm geschaltet, um in Ruhe vor mich hinstarren zu können.

Ich startete die Wiedergabe. Das Symbol der Sternenlichtvereinigung blinkte kurz auf und machte übergangslos Platz für eine junge Frau in Uniform.

„Büro von Admiral Wan tu Sinh“, sagte sie. „Major Dupont, Sie werden gebeten, sich mit der Admiralin in Verbindung zu setzen. Möglichst umgehend, es eilt.“ Damit war die aufgezeichnete Botschaft bereits wieder beendet.

Ich seufzte auf. Das war es dann mit den freien Tagen zwischen den Einsätzen. Meine Chefin rief nach mir.

Ich gab den Code ein, das Rufsignal ging raus. Ein junger Mann, mit den Dienstgradabzeichen eines Obergefreiten nahm ihn entgegen.

„Major Michel Dupont“, identifizierte ich mich. „Die Admiralin bat um meinen Rückruf.“

„Ah, richtig“, erwiderte er. „Sie ist gerade zu Tisch, Major. Ich soll Ihnen ausrichten, dass Sie so schnell als möglich hier vorstellig werden sollen. Sollen wir Ihnen eine Fähre schicken?“

So dringend? Ich hatte gehofft, dass ich zumindest noch etwas mehr Zeit gehabt hätte.

„Ich wollte noch Duschen“, sagte ich.

„Kein Problem, Major. Die Fähre wird in etwa einer halben Stunde bei Ihnen sein.“

Ich bedankte mich, beendete die Verbindung und begab mich in mein üppiges Badezimmer, wo ich mit Genugtuung wahrnahm, dass die Trübung des Wassers im Schwimmbecken bereits ein wenig abgenommen hatte. Blöd, dass ich jetzt keine Zeit mehr dazu hatte, einen neuen Filter zu installieren.

Ich war gerade fertig mit dem Duschen, hatte eine frische Uniform angezogen, als ich das Brausen von draußen hörte, das die Landung der Fähre ankündigte. Fast auf die vorhergesagte Minute genau.

Die Pilotin, eine Frau in ihren Dreißigern, war wortkarg. Sie deutete auf die Passagierkabine und hieß mich so, nicht neben ihr auf dem Kopilotensitz Platz zu nehmen. Ich tat, wie geheißen, auch wenn mir das nicht sonderlich behagte. Ich hätte es vorgezogen vorne zu sitzen, irgendwie wollte ich eingreifen können, wenn es nötig werden sollte.

Kontrollzwang? Vermutlich hätte so mancher Psychologe dazu ein Wort gesagt, ich wusste ja selber, dass es völliger Humbug war. Die Pilotin verstand ihr Handwerk und außerdem war da noch die KI, die eingreifen würde, wenn die Pilotin ausfallen würde. Worüber also machte ich mir Sorgen?

Darüber, dass ich keine Kontrolle hatte. Das hatte Irina mir damals auch immer vorgeworfen. Ich …, verdammt, hörte das denn nie auf?

Vielleicht sollte ich bei der nächsten routinemäßig erfolgenden psychologischen Untersuchung mal darüber reden.

Es war so viele Jahre her und ich kam nicht drüber weg. Dabei sah ich sie fast täglich, bei jedem Einsatz. Wir kamen sehr gut miteinander zurecht. Bei der Arbeit. Nur im privaten Leben eben nicht. Sie hatte ihren Mann, ihre Kinder.

Es war so viele Jahre her und ich dachte immer wieder daran. Das war doch nicht normal.

Die Fähre landete auf dem Dach des Verwaltungsgebäudes hier auf Omer.

Omer war nicht wirklich ein Planet, auch wenn er in etwa die Größe der Erde hatte. Es war ein Mond, der sich um den Gasriesen des hiesigen Systems drehte, wobei er eine gebundene Rotation hatte und somit dem Planeten immer dieselbe Seite zuwandte. Die menschlichen Ansiedlungen befanden sich allesamt, mal von einzelnen Forschungsstationen abgesehen, auf eben dieser Seite von Omer, was zu einem ewigen etwas fahlen Lichteinfall, durch die Reflexion des Sonnenlichtes, welches auf den Gasriesen fiel, führte.

Ein Aufzug brachte mich etliche Etagen tiefer in das Stockwerk, in dem die Admiralin ihr Büro hatte.

„Major Michel Dupont meldet sich zur Stelle“, sagte ich und salutierte formvollendet vor dem Gefreiten, der im Vorzimmer hinter einem Schreibtisch saß. Ich sah ihn nur etwas undeutlich, durch den holografischen Bildschirm, der vor ihm in der Luft schwebte.

Er stand auf und salutierte ebenfalls.

„Die Admiralin ist noch nicht wieder aus der Mittagspause zurück“, klärte er mich auf. „Sie können hier warten“, er deutete auf eine kleine Sitzgruppe, die neben der Eingangstür platziert war. „Oder Sie begeben sich noch in die Cafeteria, die befindet sich …“

„Danke, ich weiß, wo ich die Cafeteria finde“, unterbrach ich ihn rüde. Mochte er von mir denken, was er wollte. Ich war noch immer missgelaunt wegen der Viecher. „Ich warte lieber hier.“

Ohne ein weiteres Wort von ihm abzuwarten, drehte ich mich um, machte die paar Schritte zu der Sitzgruppe und nahm platz.

Ich musste noch mehr als eine halbe Stunde warten, bis die Admiralin endlich durch die Tür hineinkam. Warum hatte sie darauf bestanden, dass ich sofort zu erscheinen hatte, wenn sie selbst es augenscheinlich als nicht so wichtig erachtete? Sie war doch gewiss informiert worden, dass man mich kontaktiert und hergeholt hatte.

Ein Strahlen ging über das Antlitz der kleinen Frau. Sie ging mir maximal bis zum Bauchnabel. Na ja, nicht ganz, aber der Scheitel ihrer kurz gehaltenen Haare hätte maximal meine Brust berührt, wenn sie mir denn so nahegekommen wäre.

„Mick!“, rief sie erfreut aus. Fast hätte ich erwartet, dass dem folgen würde: Was machst du denn hier?

„Mun“, sagte ich knapp und schüttelte ihre mir dargebotene Hand. „ich melde mich zur Stelle, wie befohlen“, fügte ich noch an.

Sie drehte sich um, öffnete die Tür zu ihrem Büro und sagte dem Gefreiten: „Wir wollen nicht gestört werden.“ Dann begaben wir uns in ihr Zimmer.

Sie nahm hinter dem ausladenden Schreibtisch platz, und deutete auf den davorstehenden, etwas unbequem aussehenden Stuhl.

Ich setzte mich und sah sie erwartungsvoll an.

„Du machst es mir nicht einfach, Mick“, sagte sie.

Ich zuckte mit den Achseln. Sie hatte mich meiner freien Tage beraubt. Auch wenn ich, wenn ich ehrlich war, nicht so recht gewusst hatte, was ich damit anfangen sollte.

„Mick, ich benötige eine zuverlässige Crew und ein ebensolches Schiff für einen etwas delikaten Auftrag.“

„Oh“, merkte ich an, „werden wir versetzt? Schade, ich hatte mich an die Stella gewöhnt.“

„Du bist ein unverbesserlicher Zyniker, Mick. Natürlich nicht. Ich brauche dich, deine Crew und dein Schiff.“

„Die Stella steht kurz vor der Außerdienstnahme, wie auch die Crew. Wir gehen allesamt alsbald in Rente, Mun.“

„Das ist ein Allgemeinplatz. Für den Auftrag, den ihr zu erfüllen habt, seid ihr geradezu prädestiniert.“

„Jetzt bin ich gespannt. Sollen wir alte Leute von einem Heim ins andere befördern?“

„Woher kommt diese Bitterkeit, Mick? Früher warst du nicht so.“

Spielte sie damit auf die Zeit an, als wir gemeinsam im selben Seminar saßen? Als wir beide noch Kadetten waren? Sie hatte eine erstaunliche Karriere hingelegt.

In ihr schienen die gleichen Gedanken abgelaufen zu sein.

„Du hast nie den Ehrgeiz an den Tag gelegt, den Dienst an Bord eines Schiffes dranzugeben und in der Verwaltung aufzusteigen. Du kannst nur das eine oder das andere haben, Mick. Und das weißt du so gut wie ich.“

Natürlich wusste ich das.

Aber ein neues Schiff, das hätte doch zumindest mal drin sein können. Eins von denen, die die Stella quasi im Leerlauf überholen und stehen lassen könnten. Eines von denen, die …

„Was weißt du über Phacharas Irrtum?“, riss sie mich aus meinen Gedanken.

Ich kramte in meinem Gedächtnis.

„Phacharas Irrtum? Da war vor nicht allzu langer Zeit etwas in den Nachrichten. Eine Kolonie, menschlich, draußen am Rim. Eine Revolution?“ Mehr konnte ich nicht erinnern.

Sie nickte.

„Immerhin ist es nicht völlig an dir vorbeigegangen. Die meisten Menschen an Bord unserer Schiffe neigen mittlerweile dazu, sich von den Entwicklungen auf den Planeten abzuschotten, sie leben in ihrer eigenen Welt. Fast schon so, als ob es allein erstrebenswert wäre, die muffige Luft an Bord der frischen auf einem Planeten vorzuziehen. So als ob dieser Mikrokosmos das allein erstrebenswerte wäre.“

Damit hatte sie den Nagel auf den Kopf getroffen. Zumindest was mich anging. Die Zeit zwischen zwei Einsätzen war für mich oftmals …, wie sollte ich es ausdrücken? Langweilig? Unausgefüllt? Was machte ich bloß, wenn ich in Rente war?

„Auf Phacharas Irrtum hat eine Revolution stattgefunden. Die gewählte Regierung ist hinweggefegt worden. Jetzt hat sich die Partei Arbeit für Denker an die Macht geputscht. – Du kannst damit etwas anfangen?“

Langsam schüttelte ich den Kopf. „Nicht wirklich, Mun“, gab ich zu.

„Das hatte ich befürchtet. Mal sehen, was wir da machen können.“ Sie schaltete ihr Terminal ein, gab ein paar Befehle und sah sich eine Datei an. „Da läuft nachher ein Lehrgang, politische Bildung. Dauert zwei Stunden. Daran wirst du teilnehmen. Die behandeln da auch das Thema. Ist eigentlich für den Sicherheitsdienst gedacht, aber ich buche dich dazu.“

„Politische Bildung?“

„Stell dich nicht so an, Mick. Das ist notwendig.“

„Und der Auftrag?“, fasste ich nach.

„Du wirst Botschaftspersonal nach Phacharas Irrtum bringen. Das ist alles.“

„Botschaftspersonal? Willst du mich verkackeiern?“

Für den Augenaufschlag bekamen Leute andernorts bei den Holodramen Geld. Sie musste lange dafür geübt haben.

„Major Michel Dupont“, sagte sie. „Sie vergessen sich!“

Ich stand auf und salutierte.

„Wann und wo findet der Lehrgang statt?“

„In anderthalb Stunden auf Ebene 3c, Raum 310. Sei pünktlich.“

„Und wann starten wir?“

„Morgen früh um 8.00 Uhr. Startfreigabe ist erteilt. Boarding ist um 6.00 Uhr. Deine Crew ist informiert, sie wird da sein.“

„Mir fehlt ein Bordingenieur“, wandte ich ein. Alec war in Rente gegangen.

„Ist bereits zugeteilt“, gab sie zurück.

Ich salutierte erneut. „Befehl empfangen“, sagte ich, schlug die Hacken zusammen und drehte mich gekonnt auf der Stelle um, um aus dem Zimmer zu schreiten.

Mun kicherte hinter meinem Rücken.

„Du kannst noch immer schneidig sein, wenn du willst“, meinte sie. „Nur dürfte das auf niemanden mehr Eindruck machen. Melde dich, wenn du wieder zurück bist, Mick.“

2. Kapitel Lehrgang politische Bildung