Ratgeber Übergewicht - Franz Petermann - E-Book

Ratgeber Übergewicht E-Book

Franz Petermann

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6,99 €

Beschreibung

Viele Kinder und Jugendliche sind übergewichtig oder gar adipös. Der Ratgeber vermittelt anschaulich und leicht verständlich das aktuelle Wissen über die Entstehung und Aufrechterhaltung von Übergewicht und Adipositas und geht auf die Folgeerscheinungen von Adipositas ein. Der Ratgeber liefert anhand von zahlreichen Beispielen Hinweise, wie man eingeschliffene Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten wirkungsvoll ändern kann. Eltern, Erzieher und Betroffene lernen nicht nur, wie man Adipositas erkennen kann, sondern erhalten auch konkrete Tipps, wie das Ernährungs- und Bewegungsverhalten langfristig verändert und damit Gewicht reduziert werden kann.

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Seitenzahl: 97

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Ratgeber Übergewicht

Ratgeber Kinder- und Jugendpsychotherapie

Band 10

Ratgeber Übergewicht

von Prof. Dr. Franz Petermann und Prof. Dr. Petra Warschburger

Herausgeber der Reihe:

Prof. Dr. Manfred Döpfner, Prof. Dr. Gerd Lehmkuhl,

Prof. Dr. Franz Petermann

Ratgeber

Übergewicht

Informationen für Betroffene, Eltern, Lehrer und Erzieher

von Franz Petermann und Petra Warschburger

Prof. Dr. phil. Franz Petermann,geb. 1953. Lehrstuhlinhaber für Psychologische Diagnostik an der Universität Bremen und Direktor des Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen.

Prof. Dr. phil Petra Warschburger,geb. 1965. Professorin für Beratungspsychologie am Institut für Psychologie der Universität Potsdam.

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat für die Wiedergabe aller in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen etc.) mit Autoren bzw. Herausgebern große Mühe darauf verwandt, diese Angaben genau entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abzudrucken. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handele.

© 2007 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG

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Umschlagabbildungen: © Getty Images, München

Illustrationen: Klaus Gehrmann, Boppard; www.elkenwelt.de

Format: EPUB

Konvertierung: Brockhaus Commission

EPUB-ISBN: 978-3-8444-1628-2

Inhalt

 1  Kennen Sie das?

2   Wann wird es Zeit, etwas zu tun?

3   Woran erkenne ich, ob mein Kind Übergewicht hat?

4   Wer bleibt dick, wer nicht?

5   Wann muss ein Kind abnehmen?

6   Welche Probleme können bei Übergewicht auftreten?

7   Wie entsteht Übergewicht?

8   Lebensbedingungen und Lebensstil fördern Übergewicht

 9  Können Eltern überhaupt Einfluss nehmen?

10 Was können Eltern tun?

11 Vier wichtige Grundregeln

12 Wie berücksichtigt man das Alter des Kindes?

13 Muss sich in der Erziehung etwas ändern?

14 Was kann man für eine gute Eltern-Kind-Beziehung tun?

15 Was ist beim Essverhalten zu beachten?

16 Nahrungsmitteln auswählen – Die Ampelfarben zeigen wie es geht

17 Änderung des Essverhaltens

18 Das Bewegungsverhalten

19 Was können Eltern noch tun?

Literaturhinweise

1   Kennen Sie das?

Der elfjährige Leon kommt mittags aus der Schule. Er wirft seinen Ranzen in die Ecke und verzieht sich auf sein Zimmer. Bald hört man laute Musik. Nach kurzer Zeit kommt er aus seinem Zimmer und geht in die Küche an den Vorratsschrank. Er schnappt sich eine Tüte Chips, eine Tüte Bonbons und eine Flasche Sprite. Leons Mutter wartet mit dem Mittagessen. Sie ruft Leon zum Essen, dieser hört aber nicht. Die Mutter geht in Leons Zimmer. Leon sitzt vor seinem Computer und greift gerade in eine Chipstüte. Die Mutter sieht, dass ihr Sohn die Chips isst und ärgert sich: „Musst du schon wieder Chips essen, wir essen doch jetzt Mittag.“ Leon scheint gar nicht zuzuhören. „Ich weiß gar nicht mehr, was ich mit dir machen soll. Du weißt doch, dass du abnehmen sollst. Mit Chips geht das aber doch wohl nicht.“ Mürrisch erscheint Leon dann doch zum Essen. Bald ist er mit dem Essen fertig und geht wieder in sein Zimmer vor seinen Computer. Dort verbringt er den weiteren Tag. Zunächst spielt er sein Lieblings-Computerspiel, dann sieht er fern. Als gegen 18.00 Uhr das Abendessen bereit ist, hat er keinen Appetit. Die Mutter möchte zwar, dass er zum Essen in die Küche kommt, er aber möchte nicht essen und lieber weiter fernsehen.

Leon fühlt sich in seiner Haut nicht wohl. Er weiß zwar nicht genau, womit das zusammenhängt, aber immer wieder hört er von seinen Mitschülern Sätze wie „Da kommt ja das Walross!“, oder „Mein Gott bist du fett!“ Außerdem sitzt Leons Kleidung immer eng, gerne möchte er auch so eine schicke Jeans haben, aber da passt er nicht rein. Diese ganzen Hänseleien bringen ihn ganz durcheinander. Oft ist er auch wütend darüber und manchmal auch traurig. Wenn es in der Schule wieder besonders schlimm war, kommt er nach Hause und will nur seine Ruhe haben und entspannen. Am besten geht das vor dem Computer oder Fernseher. Dann holt er sich erst mal Chips oder Schokolade und isst sie nebenbei. Nach einiger Zeit fühlt er sich besser. Und mit den anderen Kindern spielen oder sich treffen mag Leon auch nicht mehr. Die könnten ja wieder gemeine Dinge sagen. Außerdem hat Leon gemerkt, dass er nicht so schnell rennen kann wie die anderen, er kommt schnell aus der Puste. Und dann lästern die anderen noch mehr. Also bleibt er lieber allein für sich. Oft ist ihm langweilig. Leon hat gemerkt, dass wenn er wütend oder traurig ist oder Langeweile hat, Essen eine gute Beschäftigung ist. Das scheint ihm gut zu tun, es lenkt ihn ab und entspannt ihn. Aber dann kommt seine Mutter ins Zimmer und schimpft. Sie sagt immer wieder: „Leon, du isst zuviel, Leon nimm endlich ab, was ist bloß los mit dir?“ Eigentlich möchte Leon seiner Mutter gerne erzählen, was die anderen zu ihm sagen. Aber das traut er sich nicht, er weiß nicht genau, wie er anfangen soll und findet nicht die richtigen Worte. Er hat Angst, dass die Mutter ihn nochmal ausschimpft.

Die Gedanken der Mutter:

Die Mutter macht sich Sorgen, denn seit der Grundschule ist ihr Sohn immer dicker geworden. Zunächst hat sie das als Babyspeck betrachtet und gedacht, dass sich das „wieder auswächst“. Das hat sie beruhigt. Zwar ist ihr Sohn im Vergleich zu anderen Kindern in seiner Klasse „sehr kräftig“, aber schließlich wächst er ja noch und außerdem ist es besser, wenn Jungen stark sind und sich durchsetzen können. Aber seit einiger Zeit beobachtet die Mutter, dass Leon immer mürrisch aus der Schule kommt. Er verbringt den Tag meist allein vor dem Computer oder Fernseher. Sie weiß, dass er heimlich Unmengen an Süßigkeiten und Chips isst. Wenn davon nichts im Hause ist, dann kauft sich Leon sein Essen von seinem Taschengeld. Die Mutter bemerkt auch, dass Leon ungern rausgeht oder sich mit anderen Kindern trifft. Oft sagt sie: „Mach doch mal etwas Anderes, geh raus zum Spielen!“ Dann sagt Leon: „Nee, keine Lust.“ Leons Mutter würde gerne wissen, was hinter diesem Verhalten steckt. Hat es vielleicht etwas mit Leons Gewicht zu tun? Aber jedes Mal, wenn sie das Gespräch mit Leon sucht, weicht er aus: „Ach, lass mich in Ruhe“, hört sie dann. Was mag dahinter stecken? Hat sie Schuld an Leons Übergewicht? Was kann sie tun?

2   Wann wird es Zeit, etwas zu tun?

Ist das Gewicht meines Kindes noch normal oder ist es zu dick? Diese Fragen stellen sich viele Eltern. Allerdings zeigen auch Studien, dass einige Eltern ein Gewichtsproblem ihres Kindes lange Zeit gar nicht bemerken oder auch unterschätzen. Dann geht man davon aus, dass ein Paar Pfunde zu viel oder Fettpolster nicht schaden und hofft, dass sich das Gewicht des Kindes durch das Wachstum noch reguliert. Aber es lohnt sich immer, genauer hinzuschauen. Häufig vergleichen Eltern ihr Kind mit anderen Gleichaltrigen oder der Kinderarzt gibt erste Hinweise, dass das Kind übergewichtig ist. Spätestens bei der Einschulungsuntersuchung wird den Eltern mitgeteilt, dass ihr Kind zu viel Gewicht hat.

3   Woran erkenne ich, ob mein Kind Übergewicht hat?

Bei starkem Übergewicht spricht der Arzt von „Adipositas“, oder „adipös“. Adipositas ist das medizinische Wort für Übergewicht und beschreibt einen Zustand mit übermäßiger Ansammlung von Fettgewebe im Körper, genauer: eine über das Normalmaß hinausgehende Vermehrung des Körperfetts. Um beurteilen zu können, ob ein Kind normalgewichtig, übergewichtig oder stark übergewichtig (adipös) ist, reicht das Augenmaß nicht aus. Eltern schätzen das Gewicht ihres Kindes oft sehr wohlwollend ein. Dabei werden Söhne und Töchter manchmal auch unterschiedlich beurteilt: Bei Töchtern ist man dann kritischer und schätzt sie eher als dick ein. Bei Jungen neigt man dazu, sie als „kräftig“ zu bezeichnen. Auch können die Maßstäbe für die Beurteilung des Gewichts für Erwachsene nicht bei Kindern verwendet werden. Um genau feststellen zu können, ob das Kind überhaupt übergewichtig oder gar adipös ist, wird ein Maß benötigt, das über den Körperfettanteil Auskunft gibt, das also Größe und Gewicht des Kindes berücksichtigt. Und dieses Maß, den sogenannte Body Mass Index (BMI), kann man für sein Kind ganz einfach berechnen. Für die Berechnung des BMI braucht man das aktuelle genaue Gewicht des Kindes und seine Körpergröße. Diese Werte setzt man in die BMI-Formel ein. Dabei teilt man das Körpergewicht (in Kilogramm) durch das Quadrat der Körpergröße (in Metern) und erhält den BMI-Wert.

Ein Beispiel: Der zehnjährige Kevin ist 1,57 groß und wiegt 65 kg. Diese Angaben werden in die BMI-Formel eingesetzt:

Kevin kommt nach dieser Berechnung auf einen BMI von 26,42.

Aber was bedeutet dieser Wert? Bei Erwachsenen ist die Beurteilung etwas einfacher. Hier gelten sogenannte Normwerte, feste Grenzen, die aussagen, ab wann Übergewicht beginnt. Dabei gilt ein BMI bis zu 25 als Normalgewicht. Ein Wert über 25 wird als Übergewicht eingestuft. Adipositas liegt vor, wenn der BMI höher als 30 liegt (siehe Tabelle 1).

Tabelle 1:

BMI-Normwerte für Erwachsene.

BMI (kg/m2)

bedeutet

unter 18.5

Untergewicht

18.5 – 24.9

Normalgewicht

25 – 29.9

Übergewicht (Präadipositas)

30 – 34.9

Adipositas Grad I

35 – 39.9

Adipositas Grad II

über 40

Adipositas Grad III

Der BMI wird bei Kindern und Jugendlichen zwar genauso wie bei Erwachsenen berechnet, aber bei ihnen wird der berechnete Wert anders interpretiert. Bei Kindern und Jugendlichen ist diese Einstufung des BMI deshalb etwas anders, da sie sich ja noch im Wachstum befinden und der Körperbau auch von Alter und Geschlecht abhängt. Der BMI ist zwar ein erster Anhaltspunkt, als alleiniges Maß reicht er aber nicht aus: Der genaue BMI-Wert eines Kindes muss noch mit den Durchschnittswerten seiner Altersgruppe in Beziehung gesetzt werden. Damit man diesen Vergleich herstellen kann, wurden die Maße Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht und BMI in einer großen Gruppe von Kindern und Jugendlichen festgestellt und daraus repräsentative Werte, die Norm, abgeleitet. Diese wurden dann in sogenannte Perzentilkurven eingetragen. Diese Kurven ähneln den Wachstumskurven für die Körpergröße, die auch der Kinderarzt verwendet, um