Rettet die Salter! - Zybell Jo - E-Book

Rettet die Salter! E-Book

Jo Zybell

4,8
9,99 €

oder
Beschreibung

Langsam lüftet sich das größte Geheimnis des gnadenlosen Robotervolkes, das die Menschheit in den Untergang treiben will: in einer riesigen Anlage auf ihrem Zentralplaneten Eins halten die Maschinen tausende Salter gefangen, betäubt und künstlich am Leben erhalten – Salter, die ersten Menschen von der Erde, die bisher als ausgestorben galten! Und so kann es für Ren Dhark nur ein Ziel geben. Es heißt: Rettet die Salter!

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 470

Bewertungen
4,8 (12 Bewertungen)
10
2
0
0
0


Sammlungen



Ren Dhark

Bitwar-Zyklus

 

Band 9

Rettet die Salter!

 

von

 

Uwe Helmut Grave

(Kapitel 1 bis 6)

 

Conrad Shepherd

(Kapitel 7 bis 11)

 

Jo Zybell

(Kapitel 12 bis 16)

 

Achim Mehnert

(Kapitel 17 bis 21)

 

und

 

Hajo F. Breuer

(Exposé)

Inhalt

Titelseite

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

Empfehlungen

Ren Dhark Classic-Zyklus

Ren Dhark Drakhon-Zyklus

Ren Dhark Bitwar-Zyklus

Ren Dhark Extra

Clayton Husker: T93

Clayton Husker: Necronomicon Tales

Impressum

Prolog

Ende des Jahres 2062 scheint das Ende der Menschheit – oder zumindest das Ende ihres Heimatplaneten Terra und des Sonnensystems – unausweichlich. Ein bisher unbekanntes Volk offenbar intelligenter Roboter hat terranische Kolonien angegriffen und unprovoziert einen Krieg mit Terra vom Zaun gebrochen.

Stärkste Waffe der Roboter, die sich selbst »das Volk« nennen und alle Lebewesen abschätzig als »Biomüll« bezeichnen, sind modifizierte Geschütze der Worgun: Die Energie eines herkömmlichen Nadelstrahlers wird auf wenige Nanometer konzentriert und erreicht somit eine Kraft, die sogar in der Lage ist, Raumschiffshüllen aus Unitall einzudrücken!

Doch diese »Kompri-Nadel« genannte Waffe ist harmlos im Vergleich zu dem, was die Roboter sonst noch zustande bringen!

Mit einer bislang völlig unbekannten Technik ist es ihnen gelungen, die Sonne zum Untergang zu verdammen! Von einer heimlich im Nachbarsystem Proxima Centauri errichteten Station aus haben sie es offenbar geschafft, ein winziges Schwarzes Loch im Zentrum unserer Sonne zu plazieren.

Gegenstück ist ein kleines Weißes Loch im Inneren von Proxima Centauri. Und so fließt immer mehr Masse aus unserer Sonne ab und läßt den einst trüben Nachbarstern regelrecht aufblühen, während Sol immer mehr an Kraft verliert. Der Winter, der im November 2062 anbricht, könnte der letzte sein, den die Erde erlebt – der ewige.

Und als wäre das nicht schon genug, fliegen die Roboter einen Großangriff auf Terra. Der kann erst im letzten Augenblick abgewehrt werden, nicht zuletzt dank der tatkräftigen Unterstützung durch neuartige Kampfraumschiffe des Planeten Eden, auf dem sich der Großindustrielle Terence Wallis selbständig gemacht hat.

Eden verbündet sich mit der Erde, um die weitere Manipulation der Sonne zu verhindern und eingetretene Schäden möglichst rückgängig zu machen. Bei einem koordinierten Großangriff auf das System Proxima Centauri kann die Station zur Sonnenmanipulation vernichtet werden.

Doch es ist schon zu spät: Der Prozeß hat sich verselbständigt. Immer mehr Energie fließt aus der Sonne ab, die bald nur noch ein verlöschender Stern sein wird…

Die Verantwortlichen der Erde wissen nach wie vor nicht, weshalb die Roboter Terra überhaupt den Krieg erklärt haben. Also wird ein Stoßtruppunternehmen aus Soldaten der Schwarzen Garde und einigen Cyborgs in Marsch gesetzt, um Eins, den Heimatplaneten des »Volkes«, zu erkunden.

Dabei stößt man auf das »Heiligtum« der Roboter, in dem man wider Erwarten nicht nur einige Grakos findet, sondern auch eine riesige Halle, in der mehrere tausend Salter in Tanks mit Nährflüssigkeit schlafen…

1.

Kuan Singut schaute zu seinem Freund Jedai, der unablässig aus dem Fenster sah und nervös den Eingang des gegenüberliegenden Hauses beobachtete. Draußen regnete es.

Hier, im derzeit leerstehenden Haus seiner Nachbarn, fühlte sich Jedai vor Muhsas Häschern einigermaßen sicher – insbesondere vor dem gefürchteten Meuchelmörder Thu-Kem, der nur auf direkten Befehl von Achmed bin Muhsa aktiv wurde, wie man sich hinter vorgehaltener Hand erzählte.

Außer dem Anführer selbst wußte innerhalb der Organisation »Helden des Dschihad« niemand, wer sich hinter dem Decknamen Thu-Kem verbarg. Gerüchten zufolge war der gedungene Mörder irgendein unauffälliges Mitglied der Organisation, das sich nach außen hin noch nie besonders hervorgetan hatte. Wenn man seine wahre Identität erfuhr, so hieß es, war es bereits zu spät…

»Ich begreife nicht, wie mich Muhsa derart mißverstehen konnte«, sagte Jedai, und in seiner Stimme schwangen Furcht und Verzweiflung mit. »Ich hatte niemals vor, mich gegen ihn zu stellen. Ganz im Gegenteil, mein Name stand ganz oben auf der Liste der Freiwilligen, die sich für die Kaperung der fünf Ovoid-Ringraumer gemeldet hatten. Mehr noch: Ich hatte mich sogar bereiterklärt, bei der Erstürmung der POINT OF mit dabeizusein. Doch dann entzog mir unser Anführer das Vertrauen.«

»Ich kann seine Handlungsweise gut verstehen«, entgegnete Kuan Singut und ging ein paar Schritte auf ihn zu. »Du hast ihn schwer gekränkt. Ihm vorzuhalten, er würde die Heilige Schrift, den Koran, falsch interpretieren, war eine üble Beleidigung. Genausogut hättest du ihm ins Gesicht spucken können.«

»Ich habe ihn lediglich auf die Aussagen von islamischen Sprachgelehrten hingewiesen, laut denen es grundverkehrt ist, den Begriff ›Dschihad‹ mit ›Heiliger Krieg‹ gleichzusetzen«, rechtfertigte sich Jedai. »Es geht beim Dschihad nicht um das Führen weltlicher Kriege gegen Andersdenkende, sondern um die Anstrengung, die man im Kampf gegen die eigenen Fehler und schlechten Eigenschaften aufwenden sollte. Krieg ist aus islamischer Sicht nie heilig.«

»Du redest wirres Zeug, mein Freund«, meinte Singut, der jetzt dicht hinter ihm stand. »Bisher warst du ein treuer Gefolgsmann, stets bereit, für unsere Sache zu kämpfen. Wieso verhältst du dich jetzt wie ein Abtrünniger?«

»Das tu ich doch gar nicht!« widersprach Jedai energisch, ohne sich umzudrehen. »Ich nehme mir lediglich das Recht heraus, frei meine Meinung zu äußern. Ob es Muhsa nun paßt oder nicht: Der Koran verlangt nicht von uns, den Dschihad als Mittel zur gewaltsamen Verbreitung des Islam und zur Bekehrung der Ungläubigen anzuwenden. Unter dem Deckmantel des Dschihad geführte, angeblich religiöse Kriege sind nicht im Sinne unseres Glaubens. Es stand uns daher nicht zu, eine Massenpanik auf der Erde zu verursachen. Viele Tausende werden sterben; ihr Blut klebt an unseren Händen. Das hätte unser Prophet Mohammed niemals gewollt.«

»Mein koranisches Verständnis ist ein anderes«, erwiderte Kuan Singut eisig.

»Hast du überhaupt ein eigenes?« stellte Jedai ihm die Gewissensfrage. »Oder plapperst du nur wie ein Papagei alles nach, was dir Muhsa in seiner Verblendung vorbetet? Würden alle ›Helden des Dschihad‹ den Koran genauer lesen, hätte er mit seiner ständigen Hetze gegen…«

Weiter kam er nicht. Als sich Singuts malaiischer Dolch von hinten durch sein Herz bohrte, schoß ein Schwall Blut aus Jedais Mund und klatschte gegen die regentropfenverhangene Fensterscheibe.

Sein Übergang vom Leben in den Tod dauerte nicht einmal drei Sekunden.

Kuan alias Thu-Kem betätigte einen kleinen Hebel am Griff seiner Waffe. Daraufhin löste sich die gewellte zweischneidige Klinge und blieb im Herz des Opfers stecken. Bin Muhsa hatte ihm diesen Spezialdolch einst geschenkt – er selbst trug ebenfalls einen Kris unter seinem Gewand. Das Verbleiben der Klinge im Körper des Toten war für Kuan so etwas wie das Zurücklassen einer schaurigen Visitenkarte: »Thu-Kem war hier! So ergeht es jedem, der sich gegen meinen Herrn stellt.«

Als Kuan Singut aus dem Haus trat, ließ der Regen etwas nach. Es war ungewöhnlich kalt in dieser Region, was mit der allmählich verlöschenden Sonne zusammenhing. Die Sonne starb. Und mit ihr die Erde und der Rest des terranischen Sonnensystems. Achmed bin Muhsa und seine Gefolgsleute brauchten sich davor jedoch nicht zu fürchten. Ihre Flucht ins All war bereits in vollem Gange – auf dem Raumflughafen von Djakarta.

Indonesien bestand aus 13 600 Inseln, die vor der Gründung der Weltregierung einen eigenen Staat gebildet hatten. Mittlerweile fühlten sich auch Malaysia und die Philippinen dieser Region zugehörig, sie war in den vergangenen Jahren mehr und mehr zusammengewachsen. Sogar Chinesen und Inder hatten sich hier inzwischen niedergelassen. Die verschiedenen Glaubensrichtungen stellten mitunter zwar ein Problem dar, doch im großen und ganzen kamen die Bewohner dieses riesigen Gebietes gut miteinander zurecht.

Leider schafften es Fanatiker wie Achmed bin Muhsa immer wieder, alte Vorurteile wachzuhalten beziehungsweise beigelegte Konflikte neu zu entfachen. Für ihn und seine verblendete Anhängerschaft galt jeder Andersgläubige als ein Feind des Islam – und Feinde mußte man mit allen nur erdenklichen Mitteln bekämpfen.

Kuan Singut sah das genauso. Jedai war sein Freund gewesen, doch Muhsas Befehl hatte einen höheren Stellenwert als Freundschaft.

Thu-Kem befolgte die Anweisungen seines sechzigjährigen Herrn blind. Muhsa hatte ihn einst in die Organisation aufgenommen, als es ihm furchtbar dreckig gegangen war und ihm niemand anderer hatte helfen wollen. Dafür war er ihm auf ewig dankbar, bis in den Tod.

Gewissensbisse wegen des Mordes an seinem Freund plagten Singut nicht. Nur Schwächlinge hatten ein Gewissen – und er war keiner.

*

»Gewissensbisse?« Frank Koschmer grinste und streckte die Beine unter seinem Schreibtisch aus. »Nur Schwächlinge haben ein Gewissen. Sind Sie ein Schwächling, West?«

»Selbstverständlich nicht, Herr Minister«, versicherte Jo West ihm eilfertig.

»Gut so, West, gut so«, erwiderte Koschmer in dem für ihn typischen gönnerhaften Tonfall. »Ich ertrage nämlich keine Schwächlinge in meiner Nähe. Hätte ich nicht beizeiten gelernt, mich durchzusetzen und von meinen Ellbogen Gebrauch zu machen, hätte ich nie diesen Posten bekommen. Dann würde jetzt Jacques Tristó auf meinen Stuhl sitzen.«

Koschmer war Mitglied der in Alamo Gordo ansässigen Weltregierung, in der Funktion des Ministers für innere Angelegenheiten. Seit Achmed bin Muhsa über Intermedia den bevorstehenden Untergang der Erde verkündet hatte, hatte der Minister alle Hände voll zu tun.

Das Militär war vollauf damit beschäftigt, die Raumflughäfen gegen den Ansturm der in Panik geratenen Bevölkerung zu sichern. Somit mußte die Polizei mit dem Chaos in den Städten allein fertig werden. Insbesondere die gewaltsamen Plünderungen machten den Beamten auf der Straße schwer zu schaffen. Die Hauptverantwortung für die Einsätze lag bei den jeweiligen Polizeipräsidenten. Sie postierten ihre Truppen dort, wo sie es für am effektivsten hielten.

In der Umgebung von Alamo Gordo hatten sich viele größere Unternehmen angesiedelt, die über eigene Sicherheitskräfte verfügten oder ihre Anlagen von professionellen Sicherheitsdiensten bewachen ließen. Aus diesem Grund wurden sie von der personell hoffnungslos unterbesetzten Polizei vernachlässigt, was mehrere Firmeninhaber zu Beschwerdeanrufen beim Minister veranlaßte. In einigen Fällen setzte sich Koschmer persönlich dafür ein, daß die Anrufer bevorzugten Polizeischutz erhielten.

West, ein schmächtiger Typ mit einer viel zu leisen Stimme, hatte ihn daraufhin gefragt, ob ihm das keine Gewissensbisse bereitete – doch er erntete nichts als Spott. Seinem hochgewachsenen, etwas zu kräftig gebauten Vorgesetzten hatte er nichts entgegenzusetzen, in keinerlei Hinsicht.

»Ich bin Ihnen zwar keine Rechenschaft schuldig, West, doch damit Sie mich für keinen Unmenschen halten, will ich Ihnen erklären, warum ich so und nicht anders handeln kann«, sagte Frank Koschmer.

Jo West zuckte jedesmal zusammen, wenn ihn der Minister herablassend bei seinem Nachnamen anredete, ohne wenigstens ein »Herr« oder »Mister« davorzusetzen. Schon oft hatte er sich vorgenommen, ihn darauf anzusprechen, aber getraut hatte er sich das nie.

»Es herrscht Aufruhr auf dem Planeten, vor allem hier, in der Hauptstadt, dem Sitz unserer Regierung«, fuhr Koschmer fort. »Die Sonnenkraft versiegt, und die aufgebrachte Bevölkerung befürchtet, daß sich die gesamte Regierung ins Weltall absetzen und diesen Staat sich selbst überlassen könnte. Der Zorn der einfachen Leute auf der Straße richtet sich aber nicht nur gegen Politiker, sondern auch gegen Großunternehmer und andere vermögende Bewohner, die theoretisch in der Lage wären, sich freie Plätze in den viel zu wenigen Fluchtschiffen zu erkaufen. Deshalb braucht dieser Personenkreis besonderen Schutz.«

»Genauso wie die Besitzer kleinerer Geschäfte«, riskierte sein Assistent einen leisen Einwand. »Sie leiden noch schlimmer unter den Plünderungen, weil sie sich kein Sicherheitspersonal leisten können und auf sich selbst gestellt sind.«

»Wir können nun mal nicht vor jeder Ladentür eine Hundertschaft postieren«, entgegnete der Minister für innere Sicherheit barsch. »Militär und Polizei haben weiß Gott Wichtigeres zu tun. Der Schutz von militärischen Anlagen, Fabriken und sonstigen Großobjekten hat äußerste Priorität, ebenso die Sicherung der Regierungsgebäude und des Luftraums über Alamo Gordo.«

Damit betrachtete er das Gespräch als beendet.

Jo West verließ das Büro des Ministers. Die Vorzimmerdame warf ihm nur einen geringschätzigen Blick zu und beachtete ihn nicht weiter. Das war Jos Hauptproblem: Keiner beachtete ihn sonderlich.

Was habe ich mir mit dem saft- und kraftlosen Burschen bloß eingehandelt? dachte Frank Koschmer und seufzte innerlich.

Vor einem Jahr hatte ihm sein Stellvertreter Jacques Tristó West als neuen Mitarbeiter empfohlen – sein bisheriger persönlicher Assistent war in den Ruhestand gegangen. Viel zu spät hatte der Minister gemerkt, was für ein Weichling der Neue war. Solche Menschen machten ihn krank. Da West zumindest über ein gewisses Maß an fachlicher Begabung verfügte und als Junggeselle quasi unbegrenzt Zeit hatte, hatte Koschmer ihn behalten, ein Entschluß, den er schon viele Male bereut hatte.

Inzwischen war Koschmer überzeugt, daß ihm der gebürtige Franzose Tristó mit seiner Empfehlung nur eins hatte auswischen wollen. Offenbar war es sein Stellvertreter leid, ständig nur die zweite Geige zu spielen. Daran würde er sich allerdings gewöhnen müssen. Frank dachte nämlich nicht im Traum daran, in nächster Zeit seinen Posten freizumachen, schon gar nicht für einen eingebildeten Schönling wie Jacques: jung, drahtig, unverheiratet, der Frauenschwarm schlechthin.

Frank Koschmer hatte keinen solchen Schlag beim anderen Geschlecht. Unwillkürlich dachte er an seine ständig nörgelnde Ehefrau daheim, und sein Zorn auf Tristó und West wuchs noch um ein Stückchen.

Das Vipho schlug an. Der Commander der Planeten berief eine Krisensitzung ein. Das war zu erwarten gewesen, schließlich verschlimmerte sich die Lage von Stunde zu Stunde.

Zusammen mit anderen hohen Beamten aus den verschiedensten Sparten traf der Minister für innere Angelegenheiten im abhörsicheren kleinen Konferenzsaal ein. Dort hatten bereits Bernd Eylers, Leiter der Galaktischen Sicherheitsorganisation, Flottenkommandant Marschall Ted Bulton und der Commander der Planeten, Henner Trawisheim, Platz genommen.

*

Als Dan Riker auf der Medostation der POINT OF wieder zu Bewußtsein kam, brauchte er erst einmal ein paar Sekunden, um zu begreifen, was geschehen war.

Die auf dem Mars geborene Amye Shivaa, ehemaliges Besatzungsmitglied der POINT OF und jetzt Angehörige der Terrororganisation »Helden des Dschihad«, hatte das Schiff übernommen. Kämpfer der Organisation hatten die Besatzung überwältigt. Mit Gegenmaßnahmen hatte sich Riker zunächst zurückhalten müssen, da sich Ren Dhark und Amy Stewart in der Gewalt Achmed bin Muhsas befanden, an einem unbekannten Ort.

Zusammen mit fünf weiteren gekaperten Raumschiffen war die POINT OF auf dem Flughafen von Djakarta gelandet, um dort Tausende von Moslems aufzunehmen, denen Muhsa versprochen hatte, sie vor der drohenden Katastrophe zu retten und in eine paradiesische Welt mitzunehmen – wenn sie sich ihm und seinen Gefolgsleuten anschlossen. Riker hatte dem Checkmaster einen Gedankenbefehl erteilt und war Sekundenbruchteile danach bewußtlos zusammengebrochen…

Nun war er wieder wach! Ohne Rücksicht auf seine schmerzenden Knochen und das Pochen in seinem Kopf sprang Dan Riker von der schwebenden Krankenliege und landete mit den Füßen sicher auf dem Boden. Beim Sturz in der Zentrale hatte er sich eine dicke Beule zugezogen. Ein Medoroboter hatte sie inzwischen versorgt; somit war es nicht nötig, noch länger hierzubleiben. An Bord gab es zahlreiche weitere Patienten mit Sturzverletzungen, um die sich die Roboter kümmern mußten, darunter mehrere Besatzungsmitglieder mit Knochenbrüchen.

Trotz der Verletzungen, die seine Männer, aber auch die Schiffsbesetzer erlitten hatten, war Riker überzeugt, das Richtige getan zu haben. Ren Dharks dreiunddreißigjähriger schwarzhaariger Stellvertreter hatte schnell und entschlossen handeln müssen. Glücklicherweise hielten sich seine eigenen Verletzungen in Grenzen; ein paar Prellungen und eine Beule setzten einen großen Kerl wie ihn noch lange nicht außer Gefecht.

Auf dem Weg zum Kommandodeck stellte Riker fest, daß das Schiff wie leergefegt war. Hier und da patrouillierten ein paar kegelförmige Kampfroboter, die ihn aber ungehindert passieren ließen. Wäre er ein unerwünschter Eindringling gewesen, hätten sie ihn kurzerhand paralysiert.

Dan stürmte in die menschenleere Zentrale und erfaßte die Situation auf dem Raumflughafen mit einem Blick – besser gesagt: mit einer Bildkugel. Die Kugel zeigte Massen von Moslems, die mit ihrem Handgepäck in die TSINGTAU und in die vier weiteren gekaperten Ovoid-Ringraumer strömten.

Riker bezweifelte, daß sich alle aus religiöser Überzeugung auf Achmed bin Muhsas Seite stellten. Die Aussicht auf ein Leben in einem »Paradies des Islam« und die Furcht vor dem Untergang der Erde stellten vermutlich die beiden größeren Triebfedern dar.

Die Flüchtenden versuchten, auch in die POINT OF einzudringen.

Keine Sorge, sämtliche Schleusen sind verschlossen, ließ der außergewöhnlichste Bordcomputer des Universums, der Checkmaster, den stellvertretenden Kommandanten wissen. Hier kommt nicht einmal ein Insekt herein, ohne daß ich es merke.

Einstmals hatte die POINT OF zur Terranischen Flotte gehört, zu einer Zeit, als Ren Dhark noch Commander der Planeten gewesen war. Mittlerweile war er »nur noch« Commander der POINT OF. Dank einer unabhängigen Stiftung, aus der auch die Besatzung ihren Sold erhielt, konnte er das Schiff als Eigner selbständig betreiben – zum Wohl der Menschheit, die von seinen Forschungsergebnissen und Kampfeinsätzen profitierte. Obwohl es inzwischen modernere Ringraumer gab, war dieser hier etwas ganz Besonderes, nicht zuletzt wegen des Checkmasters, der Biokomponenten seiner worgunschen Erbauer Margun und Sola enthielt und manchmal auch ohne ausdrückliche Anweisung agierte.

Bevor Dan Riker bewußtlos geworden war, hatte er dem Checkmaster den Befehl erteilt, die Gravitation im gesamten Schiff schlagartig (!) auf 15 Gravo zu erhöhen. Das hatte bei allen Menschen an Bord zur sofortigen Bewußtlosigkeit geführt – und zu plötzlichen Zusammenbrüchen mit den entsprechenden Folgen. Wer ungünstig gefallen war, wurde auf die Medostation gebracht oder an Ort und Stelle versorgt.

Nur wenige hatten das Glück, unverletzt davonzukommen, berichtete der Checkmaster. Die Eindringlinge wurden von den Robotern in die Messe gesperrt, ungeachtet ihrer Verletzungen. Eine medizinische Versorgung konnte dort bislang noch nicht erfolgen. Die Besatzung geht vor.

Dan Riker kam sich vor wie auf einem Lazarettschiff. Offenbar war er von den Offizieren der einzige, der noch einigermaßen »intakt« war – sprich: Er war auf sich allein gestellt.

»Ren hätte jetzt sicherlich eine brillante Idee«, murmelte er und fügte fast trotzig hinzu: »Aber wozu besitze ich selbst ein Gehirn?«

Per Gedankensteuerung leitete er einen Blitzstart ein…

*

Die Flüchtlinge auf dem Raumhafen von Djakarta hielten sich nicht lange damit auf, zu versuchen, in die POINT OFzu gelangen. Als allmählich allen klarwurde, daß die Schleusen des blauen Ringraumers verschlossen bleiben würden, versuchte man, einen Platz in den fünf anderen geräumigen Schiffen zu ergattern.

Mitten unter den Moslems befand sich ein unauffälliger Mann, auswechselbare Kleidung, austauschbares Gesicht. Kuan Singut war zufrieden mit dem Verlauf der Dinge. Offensichtlich stießen die Anschauungen und Zukunftspläne seines Herrn auf ungeheuren Zuspruch. Die »Helden des Dschihad« bekamen heute auf einen Schlag mehr frische Gefolgsleute als in den vergangenen Jahren: Sunniten, Schiiten, Imamiten, Ismailiten, Zaiditen… Niemand konnte sie jetzt mehr aufhalten!

Das wollte eigentlich auch keiner. Am liebsten hätte Dan Riker Achmed bin Muhsa mitsamt seiner mächtig großen Anhängerschaft ziehen lassen. Mehr noch: Er hätte sie nur zu gern selbst ins All geschossen, auf Nimmerwiedersehen – zur Erleichterung aller friedliebenden Menschen, darunter auch zahlreicher Moslems, die keinen radikalen Gruppierungen angehörten und lieber sterben wollten, als sich einem Blender wie bin Muhsa anzuschließen.

»Aber solange Ren Dhark in Muhsas Gewalt ist, geht ihr nirgendwo hin«, knurrte Riker, während er die POINT OF in einem Blitzmanöver in die Luft brachte. »Und schon gar nicht mit unseren Raumschiffen!«

Er wies den Checkmaster an, die Ovoid-Ringraumer sowie das gesamte Landefeld mit Strich-Punkt-Strahlen zu beschießen.

Mit entsetzter Miene beobachtete Kuan Singut alias Thu-Kem, wie um ihn herum alle Moslems ohnmächtig wurden. Da die fünf gekaperten Schiffe gerade Flüchtende einluden, waren weder die Intervallfelder noch die Kompaktfeldschirme aktiviert.

»Allah möge euch strafen!« stieß Singut zornig hervor – dann wurde es Nacht um ihn.

Dan Riker war sich bewußt, daß er mit einer derart intensiven Bestrahlung auch Todesopfer in Kauf nahm.

Doch er sah keinen anderen Weg, um den Massenansturm zu stoppen und seine Freunde zu retten. Wo auch immer sich Achmed bin Muhsa mit seinen beiden Gefangenen befand – jetzt mußte er reagieren.

*

»Ja, Roboter! So viel, wie ich bekommen kann. Roboter und Soldaten. Sie sollen die fünf Ringraumer räumen und… was? Wo Sie mit all den Bewußtlosen hin sollen? Ist doch nicht mein Problem. Sperren Sie die Rädelsführer ein und schicken Sie den Rest meinethalben nach Hause – natürlich erst nach Feststellung der Personalien. Ich kümmere mich derweil um den Anführer der HD. Wenn sich bin Muhsa erst in den Händen der GSO befindet, ist die Zerschlagung seiner Organisation nur noch reine Formsache. Wie bitte? Ja, ja, ich verstehe schon, alles klar! Zum Glück hält die Wirkung der Strich-Punkt-Strahlen noch ein paar Stunden an.«

Dan Riker, der sich in der Zentrale der über dem Landefeld schwebenden POINT OF aufhielt, beendete sein Gespräch mit der Raumhafenkontrolle von Djakarta.

Man hatte ihm höflich, aber unmißverständlich klargemacht, daß man ihm weder Roboter noch Soldaten zur Verfügung stellen würde.

Nach Muhsas Hetzrede, die auf fast allen Nachrichtenkanälen laufend wiederholt wurde, kam es in der indonesischen Hauptstadt zu Ausschreitungen. Chaos brach aus – wie überall auf der Welt, insbesondere in den großen Städten. Polizei und Militär hatten alle Hände voll zu tun, die Panik und den Volkszorn unter Kontrolle zu halten.

Auch in dieser Region machte der Abschaum der Menschheit den Sicherheitskräften schwer zu schaffen: Bewaffnete Plünderer waren überall in den Straßen unterwegs und drangen sogar in noch bewohnte Häuser ein.

Obwohl sie nicht wußten, ob sie morgen überhaupt noch leben würden, rafften sie alles zusammen, was sie in die Finger bekamen.

Morde und Vergewaltigungen säumten ihren blutigen Weg – der allerdings auch mit ihren eigenen Leichen gepflastert war, denn nicht jeder Bürger von Djakarta schaute hilflos zu, wie man ihn seines Besitzes und seiner Würde beraubte.

»Dreckspack!« fluchte Riker. »Man sollte dem feigen Gesindel einen eigenen Freiflug ins Weltall spendieren – und zwar ohne Raumschiff!«

Sein Armbandvipho schlug an.

»Apropos feige«, bemerkte Dan, als er sah, daß der Anruf von Dharks Vipho kam. »Die Ratte der Ratten kriecht aus ihrem Loch.«

*

Mittlerweile waren ein paar führende Besatzungsmitglieder der POINT OF auf ihre Posten zurückgekehrt. Hen Falluta, der Erste Offizier, trug eine Armschiene. Auch die anderen hatten diverse leichte oder schwere Blessuren, die sie aber tapfer wegsteckten.

Gespräch zurückverfolgen! wies Dan den Checkmaster an, bevor er die Verbindung zu Dharks Vipho herstellte.

Achmed bin Muhsas Gesicht erschien auf dem kleinen Bildschirm, wie Dan es erwartet hatte. Der Anführer und Aufrührer war ein dünner vollbärtiger Mann mit knochigen Unterarmen. Im Grunde genommen sah er zum Gotterbarmen aus – wäre da nicht sein stechender, furchteinflößender Blick gewesen.

Muhsa wußte, wen er vor sich hatte – er kannte seine härtesten Gegner.

»Wieso erhalte ich keine Nachricht von meinen Leuten, Riker?« fragte er unwirsch. »Und warum gehen Sie, ein Gefangener, ans Vipho?«

»Ich bin niemandes Gefangener«, machte Riker ihm deutlich. »Offensichtlich hinken die Medien bei all dem Chaos, das Sie weltweit angerichtet haben, mit der Nachrichtenerstattung ziemlich hinterher – sonst wüßten Sie längst, daß sich der Raumhafen von Djakarta wieder in der Hand der Weltregierung befindet.«

»Sie lügen, Riker!« beschimpfte ihn das Oberhaupt der Terrororganisation. »Holen Sie sofort Amye Shivaa ans Vipho, andernfalls kann ich nicht mehr für das Leben von Ren Dhark und seiner Gefährtin garantieren.«

Demonstrativ zeigte er ihm in der Vipho-Optik Ren und Amy, die reglos auf einem dicken Perserteppich lagen – in einem mit teuren Möbeln eingerichteten Wohnzimmer. Glanzstück der Wohnung war zweifelsohne ein funkelnder, mit elektrischen Glühbirnen ausgestatteter Kronleuchter, der über einem Kristallglastisch hing (alles war aus Glas, sogar die Tischbeine), auf dem wiederum eine große wertvolle Porzellanvase stand, bestückt mit einem geschmacklos zusammengestellten Strauß aus künstlichen, schrillfarbenen Blumen. Dhark und Stewart hatte man wie Dekorationsgegenstände links und rechts neben dem Tisch drapiert.

Wo befindet sich der Standort des Senders? fragte Dan den Checkmaster.

Irgendwo im Südwesten Amerikas, vermutlich in Alamo Gordo, erhielt er zur Antwort. Näher komme ich nicht an ihn heran. Es wird ein Satellit als Relais benutzt, und die zuständigen Behörden, die die Leitung weiterverfolgen könnten, reagieren nicht.

Wahrscheinlich sind sie hoffnungslos überlastet, erwiderte Dan in Gedanken. Probiere es weiter.

»Was bilden Sie sich ein, Muhsa?« sprach er laut ins Vipho. »Glauben Sie im Ernst, Sie könnten mich mit zwei Geiseln einschüchtern?«

Er gewährte seinem Gesprächspartner einen Blick in die Bildkugel, die auf den mit Bewußtlosen übersäten Raumflughafen ausgerichtet war.

»So sieht eine echte Geiselnahme aus, Sie Anfänger! Keine Sorge, die sind alle nur bewußtlos, schließlich sind wir keine Mörder. Dort unten liegt so ungefähr Ihre gesamte Anhängerschaft – abzüglich der paar Mann, die Sie derzeit zu Ihrem persönlichen Schutz um sich geschart haben.«

»Ich warne Sie, Riker, reizen Sie mich nicht!« schrie ihn der Hagere unbeherrscht an. »Wenn meinen mutigen Gefolgsleuten etwas zustößt, bringe ich Ihren Kommandanten um! Und seine Hure überlasse ich meinen Gefolgsleuten als Spielzeug – nachdem ich mich selber mit ihr vergnügt habe.«

Die »Hure« wird dir die Barthaare einzeln ausrupfen, wenn sie dich zu fassen kriegt, dachte Riker.

Offenbar wußte Muhsa nicht, daß Amy Stewart ein Cyborg war. Dan war überzeugt, daß sie ihre Bewußtlosigkeit nur vortäuschte und jedes Wort mit anhörte. In Muhsas Haut hätte er jetzt nicht stecken mögen…

»Lassen Sie sämtliche Bewußtlosen auf die Schiffe bringen, und kümmern Sie sich um ihre medizinische Versorgung«, verlangte bin Muhsa. »Außerdem werden Sie meiner Organisation auf der Stelle die POINT OFübergeben!«

Er war es gewohnt, Forderungen zu stellen, und ließ sich das Zepter nicht so leicht aus der Hand nehmen. Bei Dan Riker war er jedoch an den Falschen geraten.

»Selbst wenn ich wollte, könnte ich Ihrer Bitte nicht nachkommen«, entgegnete er gelassen.

»Das ist keine Bitte, sondern…!« brauste Muhsa auf.

»Ich bekomme weder Roboter noch Soldaten, das habe ich bereits versucht«, fuhr Dan ihm mit ruhiger Stimme ins Wort. »Und das ist einzig und allein Ihre Schuld, Muhsa. Sie selbst haben schließlich dafür gesorgt, daß sich Polizei und Militär nicht über mangelnde Beschäftigung beklagen müssen. Nicht einmal über die Besatzung der POINT OFkann ich uneingeschränkt verfügen. Meinen Männern wurde derart zugesetzt, daß viele von ihnen über einen längeren Zeitraum hinweg behandelt werden müssen. Pech gehabt, Muhsa. Offenbar haben Sie die ganze Sache nicht mehr unter Kontrolle.« Riker ließ ihn spüren, wie wütend er war.

»Mich täuschen Sie nicht!« erwiderte bin Muhsa. »Ich weiß, wieviel Ihrer Regierung Dhark wert ist. Und ich weiß, daß es Ihre Regierung niemals zulassen würde, daß Tausende von wehrlosen Menschen umgebracht werden. Somit sind Ihre sogenannten Geiseln nichts wert – im Gegensatz zu meinen beiden Gefangenen, deren Leben am seidenen Faden hängt. Geben Sie Ihren Widerstand auf, Riker, Sie sind mir nicht gewachsen.«

»Da Sie über so viel Wissen verfügen, dürfte Ihnen auch bekannt sein, daß die POINT OF nicht mehr der Regierung gehört. Sie ist Dharks Privatbesitz. Ich bezweifle stark, daß er Ihnen sein Schiff übergeben wird, wenn er aufwacht.«

»Was nutzt ihm der Besitz eines Schiffs, wenn er es nicht mehr fliegen kann? Tote brauchen keinen Raumer.«

»Stirbt er, geht die POINT OF in meinen Besitz über«, behauptete Dan Riker dreist. »Ich werde Sie damit so lange jagen, bis ich Sie zur Strecke gebracht habe, das schwöre ich Ihnen!«

»Nur ein Dummkopf schwört, was er nicht halten kann«, entgegnete Achmed bin Muhsa herablassend. »Schluß mit der Debatte! Sie übergeben mir die POINT OF, darüber wird nicht verhandelt.«

»Ich habe auch gar nicht die Absicht, mit Ihnen darüber zu verhandeln«, konterte Riker. »Sie kriegen das Schiff nicht, aus und fertig!«

»Ist das Ihr letztes Wort?«

»Mein allerletztes. Entweder begnügen Sie sich mit den fünf Ovoid-Ringraumern, oder Sie gehen zu Fuß in das ominöse Paradies, das Sie Ihren arglosen Anhängern großspurig versprochen haben.«

»Dieses Paradies existiert!« regte sich der kleine dürre Mann auf, hielt aber sogleich inne. »Moment mal, habe ich Sie eben richtig verstanden, Riker? Sie wollen mir die fünf anderen Schiffe überlassen?«

»Die Ringraumer gehören mir nicht, ich müßte darüber zunächst mit der Regierung sprechen«, schränkte Dan sein Angebot ein. »Aber ich denke, der Commander der Planeten wird nichts dagegen haben, daß Sie die Erde verlassen und nach… wohin wollten Sie doch gleich fliegen?«

Achmed bin Muhsa machte kein Geheimnis aus seinem Reiseziel. »Es handelt sich um einen erdähnlichen Planeten im System Medina, ungefähr 1200 Lichtjahre von hier entfernt. Auf Ihren Sternenkarten ist er nur mit einer mehrstelligen Zahlen- und Buchstabenkombination verzeichnet. Meine treue Gefolgschaft und ich nennen ihn Mina. Soweit ich informiert bin, wurde Mina als Evakuierungsplanet für einen größeren Teil der Erdbevölkerung in Erwägung gezogen, doch nach einem Erkundungsflug hat man ihn von der Liste gestrichen.«

»Sie wollen sich auf einem Planeten niederlassen, der von der Regierung für unbewohnbar erklärt wurde?« staunte Riker. »Wieso?«

»Mina ist nicht unbewohnbar, Riker, es gibt dort nur keine ausreichenden Möglichkeiten zur Schaffung einer Infrastruktur. Ein ausschließlich auf geschäftliches Denken aufgebautes System wie eures funktioniert nun einmal nicht ohne Verkehrs- und Handelswege oder Anlagen zur Energieversorgung. Auch für sonstige wirtschaftliche Einrichtungen gibt es auf Mina viel zu wenige geeignete Plätze. Der Planet ist ein Paradies mit nahezu undurchdringlichen Wäldern und unbezwingbaren Gebirgsketten. Wir werden uns dort trotzdem wohlfühlen, denn unser Glaube lehrt uns Bescheidenheit und Naturverbundenheit.«

»Woher haben Sie diese Information eigentlich?« hakte Dan nach. »Nicht einmal mir ist bekannt, daß es einen Forschungsflug nach Medina gegeben hat.«

»Einen Forschungsflug, der lediglich eine neue Enttäuschung mit sich brachte«, ergänzte Muhsa. »Mit Mißerfolgen geht niemand gern hausieren. Und was meine Informanten betrifft: Es gibt immer jemanden, der bereit ist, für etwas Kleingeld seine eigene Großmutter zu verkaufen. Genug geplaudert, Riker. Reden Sie mit Ihrer Regierungsspitze und rufen Sie mich dann auf Dharks Vipho zurück. Ich denke inzwischen über Ihr Angebot nach. Sollte ich mich dagegen entscheiden, sind die beiden Gefangenen bei Ihrem Anruf vielleicht schon tot. Es wäre also besser, Sie beeilen sich!«

Mit diesen Worten brach er die Verbindung abrupt ab.

Dan Riker zögerte keine Sekunde. Er übertrug Falluta das Kommando und begab sich zum Flashhangar.

*

Kuan Singut verfügte über eine weitaus bessere Kondition als der Durchschnittsmensch. In Extremsituationen vereinten sich sein Körper und sein Geist zu einer nahezu unschlagbaren Einheit.

Als die Strich-Punkt-Strahlen alles um ihn herum niedergemäht hatten, war diese Einheit sofort in Abwehrstellung gegangen.

Singut hatte sich mit allen Sinnen auf den unsichtbaren Angriff konzentriert. Er hatte sich vorgestellt, eine Art geistiger Schutzschirm würde ihn umgeben…

Genutzt hatte ihm das nur wenig; letztlich war auch er bewußtlos zusammengebrochen. Aber dank seiner besonders ausgeprägten psychischen und physischen Abwehrfähigkeiten war er der erste, der wieder erwachte, mehrere Stunden früher als erwartet.

Thu-Kem alias Kuan blieb ganz still liegen, zum einen, weil er eventuelle Beobachter nicht unnötig auf sich aufmerksam machen wollte, zum anderen, weil er erst einmal die schlimmsten Nachwirkungen abklingen lassen mußte.

Nach einer Paralyse sprang man nicht putzmunter wieder auf die Beine und flitzte wie ein Eichhörnchen davon. Manche Schmerzen verschwanden erst nach Tagen, das kam ganz auf die Dosis an, die man abbekommen hatte – und natürlich auf die eigene Kondition.

Menschen mit schwachem Herzen starben mitunter bereits bei der niedrigsten Einstellung.

Kuan hatte kein schwaches Herz. Sein Herz war so stark wie alles an ihm, und es schlug ausschließlich für die Helden des Dschihad und seinen Herrn Achmed bin Muhsa.

Als er Stimmen hörte, verhielt er sich ganz ruhig, was ihm nicht sonderlich schwerfiel – er konnte sich sowieso kaum bewegen.

Mehrere Männer bahnten sich einen Weg durch die Leiber der Bewußtlosen. Sie hatten Roboter bei sich.

Der Trupp verschwand in einem der Ovoid-Ringraumer und kam nach kurzer Zeit zurück.

Kuan konnte beobachten, daß ein paar Ohnmächtige aus dem Schiff getragen wurden.

Die fünf Ringraumer waren nur mit jeweils sechs Personen Besatzung bestückt. Hen Falluta hatte angeordnet, die insgesamt dreißig Besatzungsmitglieder auf die POINT OF zu holen. Singut wußte nichts von dieser Anordnung, aber er begriff allmählich, daß der Plan seines Herrn gescheitert war.

Der Raumhafen von Djakarta stand wieder unter der Kontrolle der Ungläubigen.

Kuan kannte Muhsas Geheimversteck in Alamo Gordo. Er beschloß, ihn dort aufzusuchen. Dafür benötigte er einen Jett, ein Beiboot oder wenigstens einen Schweber.

Zu versuchen, auf dem Flughafen ein Gefährt zu kapern, erschien ihm zu gefährlich, doch irgendwo in Djakarta würde er sicherlich fündig werden.

Nachdem der kleine Bergungstrupp seine Arbeit beendet hatte, erhob sich Kuan, schaute sich wachsam nach allen Seiten um und begab sich dann zur Flughafenhalle. Seine Schritte waren noch unsicher, es fiel ihm schwer, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Dennoch hielt er eisern durch.

Seine Aktivitäten blieben nicht unbeobachtet. Auf der POINT OF wurde er von der Ortung erfaßt. Falluta sah jedoch keinen Grund, den einzelnen, viel zu früh erwachten Mann niederzuschießen.

»Eine zweite Strahlendosis tötet ihn möglicherweise«, sagte er zu den Männern an der Waffensteuerung. »Lassen wir ihn seiner Wege ziehen. Was kann einer allein schon groß anrichten?«

2.

Die siebenundzwanzigjährige Amy Stewart war Terras erster weiblicher Cyborg – und die Lebensgefährtin von Ren Dhark, dem vierunddreißigjährigen weißblonden Commander der POINT OF. Vor allem seinetwegen stellte sie sich bewußtlos und verzichtete darauf, die bärtigen Männer, die sie und Dhark entführt hatten, anzugreifen. Zwar konnte ihr verhältnismäßig wenig passieren, doch die Gefahr, daß Ren etwas zustieß, während sie mit Achmed bin Muhsas Schergen kämpfte, erschien ihr zu groß.

Allmählich erwachte auch Dhark aus seiner Bewußtlosigkeit. Er gab ein leises Stöhnen von sich, was von Muhsa und seinen bärtigen Gefolgsleuten Gott sei Dank nicht gehört wurde, da sie sich im Zimmer nebenan laut stritten. Muhsas Männer wollten die beiden Gefangenen töten.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!