Saltern auf der Spur - Jo Zybell - E-Book

Saltern auf der Spur E-Book

Jo Zybell

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Beschreibung

Auf der Suche nach den Synties gelangt Ren Dhark im Kugelsternhaufen Welcome auf die Welt der Bulldozer – und entdeckt eine faszinierende Technologie, die auf Syntie-Energie basiert. Während auf der Erde Arc Doorn das Geheimnis von Nazca entdeckt, hat Ren Dhark nun ein neues Ziel: Er ist Saltern auf der Spur.

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Ren Dhark

Weg ins Weltall

 

Band 6

Saltern auf der Spur

 

von

 

Jo Zybell

(Kapitel 1 bis 5)

 

Achim Mehnert

(Kapitel 6 bis 11)

 

Uwe Helmut Grave

(Kapitel 12 bis 17)

 

Conrad Shepherd

(Kapitel 18 bis 22)

 

und

 

Hajo F. Breuer

(Exposé)

Inhalt

Titelseite

Prolog

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

14.

15.

16.

17.

18.

19.

20.

21.

22.

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Impressum

Prolog

Im März des Jahres 2065 steht die Menschheit vor einer Zerreißprobe: Die Bewohner Terras sind nach Babylon evakuiert, wo Henner Trawisheim, der amtierende Commander der Planeten, die Zentrale des neuen Terra schaffen will. Nur noch 20 Millionen Menschen sind auf der mittlerweile völlig vereisten Erde zurückgeblieben.

Doch es ist Ren Dhark und seinen Mitstreitern gelungen, den Abfluß der Materie von unserer Sonne zu stoppen, indem sie die Hyperraumstation zerstörten, die kontinuierlich Masse aus der Sonne abzog und nach Proxima Centauri transferierte.

Als sich darüberhinaus die Synties – tropfenförmige Energiewesen aus dem All – aus alter Freundschaft zur Menschheit und vor allem zu Ren Dhark bereiterklären, die verlorengegangene Masse der Sonne durch neuen interstellaren Wasserstoff zu ergänzen und sie wieder so stark zu machen wie zuvor, scheint der glückliche Ausgang der Katastrophe gewiß.

Trotzdem läßt Henner Trawisheim die Evakuierungsaktion fortsetzen. Traut er den Synties nicht, oder verfolgt er eigene geheime Ziele? Die Frage wird bald überflüssig, als eine unbekannte Kraft die Synties aus dem Sonnensystem absaugt: Ohne die spurlos verschwundenen Helfer ist die Erde nicht mehr zu retten!

Resigniert beteiligt sich Ren Dhark mit seiner POINT OF an der weiteren Evakuierungsaktion. Doch nach ihrem Abschluß will er die Synties suchen, auch wenn er nicht den allerkleinsten Hinweis auf ihren Verbleib hat. Langsam faßt er wieder Mut – als eine bisher unbekannte Spezies aus den Tiefen des Alls auftaucht und die Erde zu ihrer neuen Heimat erklärt! Und dieses Volk scheint wie geschaffen für ein Leben in arktischer Kälte.

Die Eisläufer oder Riiin, wie sie sich selbst nennen, landen an beiden Polen und nehmen die Erde von dort aus in Besitz. Verzweifelt versucht Ren Dhark, auf Babylon Hilfe für die Heimat der Menschheit zu bekommen – doch Henner Trawisheim läßt ihn eiskalt abblitzen. Auch Terence Wallis, der Herrscher von Eden, will seine noch junge Welt nicht in einen Krieg verwickeln.

Auf dem Rückflug nach Terra macht die POINT OFBekanntschaft mit einer unheimlichen Waffe der Eisläufer: dem Relativitätswerfer, der die Zeit rings um ein getroffenes Schiff um den Faktor 104 verlangsamt.

Trotzdem gelingt Ren Dhark der Durchbruch nach Cent Field. Die genaue Überprüfung alter Protokolle führt ihn und seine Gefährten zu einem geheimnisvollen Gerät unter Stonehenge, dessen Vernichtung einen kurzen Frühling in ganz Südengland auslöst und so Millionen Eisläufer das Leben kostet.

Arc Doorn erinnert sich daran, ein ähnliches Gerät schon einmal gesehen zu haben – und nimmt kurzerhand seinen Abschied von der POINT OF, um auf der Erde nach weiteren dieser geheimnisvollen Artefakte zu suchen.

Ren Dhark aber folgt der Spur des Energieimpulses nach Andromeda. Doch diesen neuen Flug in die Weiten des Alls will Dan Riker, Rens bester Freund, nicht mehr mitmachen: Auch er nimmt seinen Abschied von der POINT OF!

In dem der Nachbargalaxis vorgelagerten Kugelsternhaufen Welcome trifft Dhark auf das aggressive Echsenvolk der Lizards – und auf unübersehbare Spuren der Worgun in Form einer gigantischen goldenen Echsenstatue. Nach einigen Scharmützeln mit den Lizards ortet man einen sonderbaren energetischen Impuls, der demjenigen gleicht, den man anmaß, als die Synties aus dem Sonnensystem verschwanden. Die Spur des Impulses führt auf die Welt der Bulldozer, die in einer Theokratie leben – und Ren Dhark und seine Begleiter in die Falle locken…

Auf der Erde brechen Arc Doorn und einige Getreue zu einer Expedition nach Südamerika auf, um einen der legendären »Orte der Macht« zu suchen. Doch sie kommen nur bis zur Hochebene von Nazca, wo sich die Eisläufer – tief in der Zone der Terraner – eine heiße Schlacht mit gigantischen Maschinen aus unbekanntem Metall liefern. Und dann stürzt eines der Großkampfschiffe in unmittelbarer Nähe der Menschen ab – und explodiert…

1.

Am Anfang herrschte weiter nichts als Finsternis.

Nichts als Finsternis.

Im selben Augenblick, als er das dachte, dämmerte ihm, daß das nicht ganz stimmen konnte: Außer der Finsternis mußte es noch etwas geben. Etwas, das die Finsternis wahrnahm; etwas also, das diesen Gedanken denken konnte: Am Anfang herrschte weiter nichts als Finsternis.

Dieses Etwas war sein Bewußtsein.

Moment mal – sein Bewußtsein? Wenn es sein Bewußtsein gab, dann mußte es theoretisch auch seine Bewußtlosigkeit geben. Er hatte es also mit mindestens drei Phänomenen zu tun: mit seinem Bewußtsein, mit seiner Bewußtlosigkeit und mit der Finsternis.

Halt! Finsternis an sich war nur denkbar vor dem Hintergrund ihres Gegenteils. Wie sollte sein Bewußtsein Finsternis denken, Finsternis wahrnehmen können, wenn es nicht irgendwann die Erfahrung von Licht gemacht hätte? Licht also.

Finsternis und Licht.

Bewußtsein und Bewußtlosigkeit.

Wo aber war das Licht? Es mußte noch mehr existieren als nur Finsternis, Licht, Bewußtsein und Bewußtlosigkeit. Mindestens einen Ort, an dem das Licht schien, mußte es noch geben. Irgendwann war er doch an diesem Ort gewesen! Und das war noch gar nicht lange her!

Auf einmal hörte er Piepslaute. Dann pfiff irgend etwas, irgend jemand. Und dann sagte eine Stimme: »Commander Dhark?« Und noch einmal: »Commander Dhark?« Und wieder: »Commander Dhark?«

Er lauschte in die Finsternis. Die Stimme kam von weit her. Viel zu weit, um von Bedeutung zu sein. Oder? Viel näher war doch dieses Gepiepse und Gepfeife. Seltsame Geräusche!

Er konzentrierte sich darauf, auf das Piepsen, Pfeifen und Schnarren. Es kam aus der Finsternis. Es bedeutete: Was wißt ihr darüber?

Merkwürdig eigentlich, daß er diese Bedeutung erfaßte. Und während er sich darüber wunderte, veränderte sich die Finsternis: Sie wurde milchig, als scheine irgendwo hinter ihr ein Licht.

Licht und Finsternis.

Bewußtsein und Bewußtlosigkeit.

Stille und Geräusche.

Gepfeife und Stimmen.

Sein Gedächtnis hauchte Bilder aus. Es gab also auch sein Gedächtnis, es gab also auch Bilder darin. Folglich gab es die Originale dieser Bilder jenseits der Finsternis. Es gab da noch eine ganze Menge Dinge im Licht, wie es schien. Er nahm sich vor, aus der Finsternis ins Licht zu tauchen, zu gehen, zu fliegen: was auch immer. Er konzentrierte sich mit aller Kraft darauf.

Kraft. Licht. Konzentrieren.

An einer Stelle der Finsternis wurde es ein wenig heller, und er erkannte eine massige Gestalt. Sie piepste und schnarrte, und ihr Piepsen und Schnarren bedeutete: Was wißt ihr über diese Impulse? Jenseits der Finsternis gab es also ein Gerät, das Bedeutungen erfassen konnte.

Seine Erinnerung gab ein Bild dieses Gerätes frei: ein Translator!

Die massige Gestalt griff in eine von vielen Taschen ihres grauen Ganzkörperanzugs. Bulldozer! Wieder ein Stück Erinnerung, diesmal ein Begriff: Sie hatten diese massigen Gestalten Bulldozer genannt!

Es gab also mehrere dieser massigen Gestalten? Und wer war das: sie?

Langsam, ganz langsam, immer ein Schritt nach dem anderen.

Der Bulldozer holte also ein kleines, rundes Gerät aus einer der vielen Taschen seines grauen Ganzkörperanzugs. Dieses Gerät war schwarz und hatte viele Tasten. Die massige Gestalt, die sie Bulldozer genannt hatten, drückte auf eine der Tasten.

Im selben Moment herrschte wieder vollkommene Finsternis.

Er begriff, daß die Gestalt in der Finsternis Vergangenheit war, und das, was sie tat, war auch Vergangenheit. Die Finsternis war also Vergangenheit.

Gut so, weiter! Schritt für Schritt!

Das Licht hinter dem milchigen Fleck in der Finsternis mußte also die Gegenwart sein.

Richtig, weiter!

Die massige Gestalt verblaßte, ihr Piepsen, Pfeifen und Schnarren war kaum noch zu hören. Dafür wurde die erste Stimme wieder lauter, der milchige Fleck wurde größer und das Licht dahinter heller. An all seinen Rändern sickerte es in die Finsternis hinein. Und irgendwo in diesem Licht sprach die Stimme und sagte: »Commander Dhark? Commander Dhark? Hören Sie mich, Commander?«

Wenn das Licht Gegenwart war, mußte auch diese Stimme Gegenwart sein.

Die Stimme war Gegenwart? Moment, ganz langsam, noch einmal Schritt für Schritt: Wie es Licht und Finsternis gab, Bewußtsein und Bewußtlosigkeit, gab es also auch Vergangenheit und Gegenwart. Und ihn selbst? Sein Bewußtsein? Gab es das in der Vergangenheit oder in der Gegenwart?

Und jetzt kam ihm der entscheidende Gedanke: Wenn es Licht geben mußte, um einen Begriff von Finsternis zu gewinnen, und wenn es ein Bewußtsein geben mußte, um beides, Licht und Finsternis, wahrzunehmen, dann mußte es auch Sinne geben, die Licht und Finsternis dem Bewußtsein zugänglich machten.

Augen.

Natürlich: Es gab Augen! Seine Augen zum Beispiel.

Er öffnete sie. Ein Gesicht hinter Glas schwebte über ihm. Ein Mund hinter Glas bewegte sich. »Endlich, Commander«, sagte die Stimme, und das Gesicht lächelte erleichtert. »Sind Sie in Ordnung?«

*

Es war eine doppelte Glasschicht, die ihn von dem Gesicht trennte: sein Gesichtshelm und der Gesichtshelm vor dem Gesicht, das über ihm schwebte und lächelte.

»Ja, ich bin in Ordnung«, sagte er.

Es war Pjetr Wonzeffs Gesicht, das ihn anlächelte. Das Gesicht zu sehen und den Namen zu denken half ihm, die letzten Schritte aus der Finsternis ins Licht zu gehen und vollständig in die Gegenwart zurückzukehren. Ins Bewußtsein.

»Ja, ich bin in Ordnung«, sagte Ren Dhark. Das war weniger eine Zustandsbeschreibung als ein Wunsch, denn so ganz hatte der Commander seine Glieder und seine Sinne noch nicht sortiert. Wo genau war er, und was war eigentlich geschehen?

»Was ist passiert?« Er blickte sich um. Die Decke eines prunkvollen Saales wölbte sich über ihm. Der Saal war so groß wie die Eingangshalle der Transmitterstation von Alamo Gordo.

Zwischen tomatenartigem Gemüse und Früchten, die an Weintrauben erinnerten, lagen Scherben einer Obstschale auf dem Boden. Schalen voller Obst und Schüsseln voller Gemüse standen auf niedrigen, schweren Tischen. Viele solcher Tische waren zu einer U-förmigen Tafel zusammengestellt. Hunderte von massigen Gestalten, meist in grauen oder graugrünen Ganzkörperanzügen, lagen bewußtlos auf wuchtigen Liegepolstern oder neben ihnen.

Wie in graues oder grüngraues Zelttuch gehüllte Nilpferde kamen ihm die reptilienartigen Kolosse vor. Manche lagen auf dem Rücken und streckten alle sechs Gliedmaßen von sich, so daß sie aussahen wie riesige Krabbeltiere. Was war los mit den Bulldozern? Warum rührten sie sich nicht?

Dhark selbst lag neben einem aus dunklem Holz gezimmerten Hocker. »Kommen Sie, Commander.« Wonzeff half ihm auf ein leeres Liegepolster. Seine Glieder waren seltsam schwer, sein Kopf schmerzte. »Atmen Sie tief durch.« Jetzt entdeckte Dhark die beiden Flash. Sie standen zwischen dem mächtigen Eingangsportal des Saales und der Festtafel.

»Zum Glück war das Überwachungssystem in Ihren Anzügen aktiviert«, sagte Pjetr Wonzeff. Seine Stimme kam aus dem Helmfunk. »So haben wir alles mitbekommen, was sich hier abgespielt hat, und konnten rechtzeitig reagieren.«

Dhark nickte. Ihm lag die Frage auf der Zunge, was genau sich denn abgespielt habe. Doch er schluckte sie herunter und versuchte sich zu erinnern. Links von ihm saßen H.C. Vandekamp und Miles Congollon auf Hockern. Landungsspezialisten der POINT OFsprachen mit ihnen. Congollon, sein leitender Ingenieur, tastete seine linke Schulter ab. Offensichtlich hatte er sich verletzt.

Rechts lag der schwere Körper Chris Shantons lang hingestreckt auf einem Liegepolster. Er hatte die Augen geöffnet und machte ein Gesicht, als hätte man ihn aus dem Tiefschlaf geweckt. Auch um ihn kümmerte sich ein Mann von der POINT OF. Ren Dhark erkannte den Flashpiloten Ray Dafner.

»Wir sind sofort mit zwei Flash gestartet und mit aktiviertem Intervallum in den Regierungspalast und den Konferenzsaal eingedrungen.« Ren Dhark nickte. »Die Bulldozer haben wir mit Strich-Punkt betäubt.« Ren Dhark nickte. Wieso hörte er Wonzeffs Stimme eigentlich über Helmfunk? »Niedrigste Stufe, versteht sich. Sie müßten bald wieder zu sich kommen.«

Der Commander nickte und betrachtete die Obstschalen und Gemüseschüsseln auf den Tischen. Auch Becher mit Wasser standen dort. Hatte er seinen Helm nicht geöffnet, um essen und trinken zu können? Jetzt war sein Helm jedenfalls geschlossen.

Dhark blickte zu Shanton: Auch dessen Helm war geschlossen. Die Männer von der POINT OF hatten ihre geöffneten Helme geschlossen. Deswegen waren sie wahrscheinlich wieder zu sich gekommen.

»Darmans Stellvertreter hat den Luftdruck im Saal schlagartig erhöht, nur mit einem Funkimpuls. Das hat Sie alle umgehauen.« Wonzeff blickte nach rechts, wo Chris Shanton versuchte, sich aufzusetzen. »Sogar Mr. Shanton ist k.o. gegangen, wenn auch als letzter.«

Jetzt erinnerte Dhark sich wieder an jede Einzelheit. Er sah zur leeren Liege, die seinem Platz gegenüber lag. Neben ihr lag ein bewußtloser Bulldozer, ein Baguin, wie die Eingeborenen dieses Planeten sich selbst nannten. Welku Wurbo, der Vize des Primas’ Darman Holst XXIII.

Er war es gewesen, der gefragt hatte: »Was wißt ihr über diese Impulse?« Er war es gewesen, der ein rundes schwarzes Gerät aus einer der vielen Taschen seines Ganzkörperanzugs gezogen und auf eine Taste gedrückt hatte.

Danach war Ren Dhark in die Finsternis abgestürzt. Und seine drei Gefährten auch, wie es schien. Vermutlich hatte Congollon sich verletzt, als er bewußtlos vom Hocker stürzte.

»Ein plötzlicher Druckanstieg also«, sagte der Commander. Er blickte auf das kleine Anzeigenfeld im Ärmel seines Schutzanzuges. Der Außendruck entsprach einem Wert, wie er in Terra in etwa fünfzig Meter Wassertiefe herrschte.

Dhark erinnerte sich: Als sie die Helme geöffnet hatten, um zu essen und zu trinken, herrschte ein Druck wie in fünfundzwanzig Metern Wassertiefe auf der Erde. Dhark stellte sich vor, er wäre innerhalb einer halben Sekunden von fünfundzwanzig auf fünfzig Meter Wassertiefe getaucht. Ihm wurde schlecht.

Auch Pjetr Wonzeff blickte auf die Anzeigen in Dharks Ärmel: Der Druck innerhalb des Schutzanzuges sank langsam, aber kontinuierlich dem terranischen Durchschnittswert entgegen. »Die notwendige Dekompression ist im Gange«, sagte er. »Das Steuerungssystem des Schutzanzuges macht das automatisch. Phantastische Anzüge!«

»Was mich betrifft, ist das Festbankett beendet.« Shantons Stimme knurrte aus dem Helmfunk. Mit hängenden Schultern hockte er auf der Kante seines Sitzpolsters. »Laßt uns verschwinden, mir ist der Appetit vergangen.«

»Wie wäre es, wenn ich noch zwei leere Flash hierher beordere, Commander?« wandte Wonzeff sich an seinen Chef. »In ein paar Minuten wären Sie wieder an Bord der Point of.«

Dhark blickte sich um. Auf den Liegepolstern und auf dem Boden bewegten sich schon die ersten Bulldozer. Nicht mehr lange, und die massigen Exoten würden wieder zu sich kommen.

Er betrachtete Welku Wurbo, den Stellvertreter des religiösen Diktators von Rifta. Seine großen, gelbgrünen Augäpfel zuckten. Die schwarzen Lippen seines wahrhaft gigantischen Rachens kräuselten sich. Warum nur hatte er so heftig reagiert, als Shanton die fremdartigen Energieimpulse angesprochen hatte, die sie hierher in dieses Sonnensystem geführt hatten?

»Nein.« Ren Dhark schüttelte den Kopf. »Wir bringen die Sache hier zu Ende.« Mit einer Kopfbewegung deutete er auf den sich hin- und herwälzenden Wurbo. »Wir sind auf der richtigen Spur. Sie haben das Energiemuster angesprochen, Chris, und er drehte durch. Also wissen diese panzerlosen Schildkröten etwas.«

Shanton seufzte und verdrehte die Augen. »Schon möglich, Ren. Wenn diese Schwergewichte nur ein bißchen kooperativer wären…«

»Wir müssen die Synties finden, koste es, was es wolle.« Der Commander machte eine entschlossene Miene. »Und wir haben eine erste heiße Spur. Also bleiben wir dran.«

»Sollen wir vorsichtshalber bei Ihnen bleiben?« fragte Wonzeff.

Dhark schüttelte den Kopf. »Nein. Wir bleiben bei unserer Strategie. Fliegen Sie zurück zur POINT OF und behalten Sie uns im Auge. Das wird diesen Primas mehr beeindrucken, als wenn wir uns Verstärkung holen.«

»Wie Sie meinen, Ren.« Wonzeff zuckte mit den Schultern, wandte sich ab und verständigte sich mit Ray Dafner und den beiden anderen Männern der Flashbesatzung. Dhark und seine drei Gefährten sahen ihnen hinterher, als sie zu den Beibooten gingen.

»Pjetr…« rief Dhark. Wonzeff drehte sich um. »Greifen Sie nur ein, wenn wir ernsthaft in Gefahr sind.«

»So wie eben, Commander?«

»So wie eben, ja.«

»Verstanden.« Wonzeff winkte und wandte sich Flash 001 zu. Er stieg ein, und kurz darauf hoben die Maschinen ab und schwebten der hohen Saalwand entgegen. Ein kaum sichtbares Flimmern umgab sie – die Intervallfelder. Als wären sie nur projizierte Bilder von Flash, verschwanden sie in der Wand.

Am anderen Ende der großen Tafel fiel eine Obstschale vom Tisch und zerbrach. Ein Baguin richtete sich dort auf. Noch halb betäubt hatte er die Schale versehentlich vom Tisch gewischt.

*

… und wieder geschah es! Die beiden Kleinflugzeuge der Glatthäuter flogen einfach durch die Wand! Darman Holst war unfähig, sich zu rühren, so sehr erschütterte ihn, was er da auf dem Hauptbildschirm der Überwachungskamera beobachten mußte.

Einige der Ministerialen, Räte, Vikare, Sekretäre und Elektroniker, die sich mit ihm im Kommunikationszentrum des Regierungspalastes aufhielten, zogen die Schädel ein, andere wichen erschrocken zurück. Die Augäpfel der meisten zuckten oder rollten.

»Sie schweben durch die Hallenwand, als wäre sie aus Wasser oder aus Luft«, rief der Direktor des Kommunikationszentrums erschrocken.

Wie recht er hatte! Die plumpen Röhren durchdrangen die massive Stahlbetonmauer zum Foyer, als wären sie nichts, und im Foyer flogen sie sogar durch Säulen und Treppen. Dabei stiegen sie höher und höher, bis sie schließlich im Kuppeldach der Wohnstatt des Einzigen verschwanden.

»Außenkamera!« schnarrte Darman Holst XXIII. Einer der Sekretäre schaltete auf eine andere Kamera um. Jetzt sah man, wie die beiden Maschinen durch den flirrend blauen Mittagshimmel von Bagu flogen. Ein Glutring flimmerte knapp hinter ihrem Rumpf, sie beschleunigten. Über die Dächer von Tarriftallia hinweg entfernten sie sich rasch vom Regierungspalast in Richtung Flughafen.

Der Primas starrte noch auf den Hauptbildschirm, als man die beiden Röhren schon nicht mehr darauf erkennen konnte. Weißer Schleim glänzte auf seinen schwarzen, bebenden Lippen. Fast alle in der Kommunikationszentrale starrten noch auf den Bildschirm. Und alle waren ähnlich entsetzt wie ihr Herrscher Darman Holst XXIII.

»Das können keine Lebewesen aus Fleisch und Blut sein«, piepste einer seiner Vikare. »Das müssen doch wahrhaftig göttliche Boten des Einzigen und Allmächtigen sein!«

»Oder Gespenster«, gab ein Ministerialer zu bedenken.

»Vielleicht sind es kosmische Ketzer, die der Einzige nach Baguin geschickt hat, damit wir sie vernichten«, pfiff ein Sekretär.

»Am Ende sind es möglicherweise nicht nur Gespenster oder Ketzer, sondern gefährliche Boten des Bösen, die uns vernichten sollen«, sagte ein Ministerialer, und seine dunklen Lippen schlugen Wellen dabei.

Zustimmendes Flöten wurde laut, und einige der Anwesenden warnten vor einer Versuchung, durch die der Einzige und Allmächtige sein Heiliges Reich Rifta prüfen wollte.

»Wenn diese glatthäutigen feingliedrigen Wesen Gespenster wären oder gar Boten des Finsteren, dann hätten sie nicht das Bewußtsein verloren, als Welku Wurbo den Luftdruck erhöhte«, widersprach einer der Elektroniker, ein überaus nüchterner Baguin.

»Es sind Sternenreisende aus Fleisch und Blut«, pflichtete ein Radaringenieur ihm bei. Und bot im nächsten Satz einen Kompromiß an: »Sternenreisende aus Fleisch und Blut, weiter nichts. Doch sie verfügen über göttliche Fähigkeiten. Insofern, würde ich sagen, sind sie wahrhaftig gottähnlich!«

»Genug!« schnarrte Darman Holst. »Niemand ist gottähnlich! Außer seinem Stellvertreter, dem Primas des Heiligen Reiches Rifta!«

Er riß seinen Blick vom Bildschirm los. Schweigend stapfte er durch die Kommunikationszentrale. Die Ministerialen, Räte, Sekretäre, Vikare, Techniker und Elektroniker bildeten eine Gasse, durch die er stapfen konnte. Er schaukelte zu der Konsole mit den Radarinstrumenten, machte kehrt und schaukelte zurück zum Steuerpult für die visuellen Überwachungsgeräte. Er grübelte und brütete und schaukelte hin und her.

Irgendwann blieb er vor der Monitorwand der Überwachungsanlage stehen. »Umschalten«, schnarrte er.

Ein Techniker aktivierte die Kamera für den zentralen Konferenzsaal. Ren Dhark und seine drei Gefährten hockten noch immer wie benommen am Tisch. Die ersten Ministerialen kamen zu sich. Auch Welku Wurbo.

Bis jetzt hatte der Primas noch keine sicheren Informationen darüber, was seinen Stellvertreter veranlaßt haben könnte, den Luftdruck in der Konferenzhalle so rasch und so unerwartet wieder zu erhöhen. Als ein Sekretär ihn an den Hauptmonitor rief, lagen die Sternenreisenden bereits reglos neben ihren Hockern. Außer dem einen, dem nicht ganz so filigran und zerbrechlich wirkenden Außerbaguinischen: Der hing auf dem Liegepolster und rührte sich nicht.

Und als der Primas Welku Wurbo zur Rede stellte, schwebten auf einmal die Flugröhren in den Saal und versprühten blaßblaue Streustrahlung – alle Versammelten brachen bewußtlos zusammen, und der Primas erfuhr den Grund für die Luftdruckerhöhung nicht mehr.

»Noch einmal die Aufzeichnungen!« schnarrte der Darman Holst. Einer der Techniker beeilte sich, die akustischen Aufzeichnungen abzuspielen, die kurz vor der abrupten Luftdrucksteigerung im Saal aufgenommen worden waren. Ein paar Gesprächsfetzen zwischen Welku Wurbo und den Sternenreisenden drangen aus dem Lautsprecher des Aufzeichnungsgerätes. Mit ungeduldiger Geste bedeutete der Primas dem Techniker die Aufzeichnung vorzuspulen.

»Sie sind doch hier gelandet, um den Auftrag Gottes zu erfüllen, oder etwa nicht?« tönte es aus dem Lautsprecher. Der Primas hob die Rechte, und der Techniker hielt das Band an. Man hörte Shanton reden, den weniger zerbrechlichen Sternenreisenden mit den Haaren im Gesicht. Mit den Göttern sei es so eine Sache, sagte er, man wisse nie so genau, was sie wirklich von einem wollten, und eigentlich wären er und seine Gefährten mit ihrem Sternenschiff auf Bagu gelandet, weil sie zwei Impulse und eine Explosion angepeilt hatten.

Darman Holsts Augäpfel und Lippen zitterten. So still war es auf einmal in der Kommunikationszentrale, daß man die Verdauungsgeräusche der Anwesenden und das Summen des Abspielgerätes hören konnte.

»Explosion? Impulse?« Die erregte Stimme Welku Wurbos tönte aus dem Lautsprecher des Aufzeichnungsgerätes. »Von welchen Impulsen sprechen Sie?«

Alle im Raum lauschten konzentriert dem aufgezeichneten Wortwechsel. Der nicht ganz so filigrane Sternenreisende, jener Shanton, sprach von einem seltenen Energiemuster und von einer Spur zu einem großen Sternennebel, den er »Andromeda« nannte. Der Primas und sein Stab wußten damit nichts anzufangen: Den Begriff Sternennebel kannten sie genausowenig wie das Gebilde, das er bezeichnete, und den Namen Andromeda hatten sie noch nie gehört.

Dann überschlug sich Wurbos Stimme. »Was wißt ihr über diese Impulse?« rief er.

Der Techniker schaltete das Wiedergabegerät aus. »An dieser Stelle zog Euer Stellvertreter seinen Klimajustator und erhöhte den Luftdruck«, erklärte der Direktor der Kommunikationszentrale.

»Diese Sternreisenden werden doch nicht etwa in Erfahrung gebracht haben, daß wir das Portal testeten?« rief ein Elektroniker aufgeregt.

»Das könnte Welku Wurbos überstürzte Reaktion vielleicht erklären«, zischte der Primas. Er blickte auf den Bildschirm. Ein Ministerialer nach dem anderen kam zu sich und richtete sich auf seinem Liegepolster auf. Auch Welku Wurbo saß inzwischen wieder aufrecht. Die Sternenreisenden redeten auf ihn ein.

»Boten des Finsteren sind sie ganz bestimmt nicht«, sagte Darman Holst. »Dann hätten sie meinen gesamten Residenzrat getötet und nicht nur leicht betäubt.« Er wandte sich vom Bildschirm ab und schaukelte zum Hauptschott der Kommunikationszentrale. »Wer auch immer sie sein mögen, woher auch immer sie kommen mögen – sie verfügen über die technische Fähigkeit, ihre Fluggeräte durch Wände fliegen zu lassen. Also hat der Einzige sie uns geschickt, damit wir durch sie das böse Reich Gäspefilk vernichten. Das Schott öffnete sich. »Zwei Ministeriale und zwei Sekretäre begleiten mich zurück in den Großen Konferenzsaal der Heiligen Ratsversammlung!«

*

Über die Hälfte der Bulldozer war wieder bei Bewußtsein. Von Minute zu Minute erwachten mehr Echsenartige aus ihrer Betäubung. Der gewaltige Saal hallte wider von ihrem Piepsen, Schnarren, Pfeifen und Zischen. Die Kolosse wußten nicht, wie ihnen geschehen war, sie konnten sich kaum noch beruhigen.

»Schwer zu sagen, was sie tiefer erschüttert hat«, murmelte Miles Congollon. »Das unerwartete Auftauchen der Flash oder die plötzliche Bewußtlosigkeit.«

»Wahrscheinlich beides«, knurrte Shanton. »Wahrscheinlich glauben sie, daß jemand, der durch Wände gehen kann, auch frömmelnde sechsgliedrige Nilpferde frißt.«

»Sollen sie denken, was sie wollen!« Ren Dhark war wütend. Er schaltete seinen Translator wieder ein. »Warum haben Sie uns von einer Sekunde auf die andere derart hohem Luftdruck ausgesetzt?« fuhr er den Bulldozer an, der ihm gegenüber auf seinem Liegepolster lag.

»Ich bitte Sie, Kommandeur Ren Dhark…!« Wurbos wuchtiger Schädel fuhr nach links und nach rechts; als würde er von jeder Seite einen Angriff fürchten. Auch hinter sich blickte er immer wieder. »Ich bitte Sie: Sagen Sie mir, was das war!« Seine Augäpfel rotierten, seine schwarzen Lippen bebten. Weißlicher Schleim troff von ihnen auf seinen Ganzkörperanzug. »Was waren das für Maschinen, die eben durch die Wand geflogen kamen? Was waren das für blaßblaue Strahlen, die sie verschossen?«

»Das waren Beiboote unseres Mutterschiffes!« sagte Dhark. »Beruhigen Sie sich, Welku Wurbo!« Der Echsenartige war hochgradig erregt. »Sie haben uns angegriffen, also mußten Kämpfer unserer Besatzung uns zur Hilfe kommen! Länger diesem hohen Druck ausgesetzt zu sein, hätte unseren Organismus bleibend beschädigt! Warum haben Sie das getan, Wurbo?!« Richtig laut wurde der Commander. »Das war ein hinterhältiger Angriff!«

»Aber…!« Der stellvertretende Primas kam ins Stottern und stieß halb schnatternde, halb prustende Laute aus, die der Translator nicht übersetzte. »Aber warum fliegen Ihre Beiboote durch meterdicke Stahlbetonwände? Oder haben meine Sinne mich getäuscht?«

»Lenken Sie nicht ab, Wurbo!« zischte Dhark. »Unsere Beiboote können das einfach – genau wie ihr Mutterschiff! Und wir verfügen über Waffen, die jedes komplexe zentrale Nervensystem außer Gefecht setzen können, wie Sie gemerkt haben!«

»Der Einzige und Allmächtige sei uns gnädig…!«

»Das war er, Mann!« schimpfte Shanton. »Unsere Männer hatten die Strich-Punkt-Strahler auf niedrigste Stufe gestellt. Oder spüren sie etwa noch irgendeinen Schmerz?«

»Nein, nein…« Inzwischen hatte sich eine ganze Traube der Bulldozer um Welku Wurbo und die Terraner gebildet. Alle waren jetzt wieder wach, und alle wollten wissen, was geschehen war. Das Gepiepse und Geschnarre legte sich nach und nach. »Ich spüre nichts, ich… nur ein wenig benommen fühle ich mich noch…!«

»Na, sehen Sie!« zischte der Commander. »Das nächste Mal werde ich dafür sorgen, daß Sie eine Ladung abbekommen, deren Wirkung Sie so schnell nicht mehr vergessen, haben Sie das verstanden?« Der Echsenartige schnarrte eine reumütige Zustimmung. »Und jetzt will ich wissen, warum Sie das getan haben! Bei uns auf Terra gilt es als niederträchtig und unentschuldbar, seine Gäste während des Essens anzugreifen!«

»Ich… äh… ich bin… ich war erschrocken…!« Das Hauptportal öffnete sich, und der Primas stampfte in den Saal. Vier Bulldozer eskortierten ihn, zwei in grauen, zwei in grünlichen Uniformen. »Ich war erschrocken, ich wußte mir nicht zu helfen, ich, ich…!« Welku Wurbo kam schon wieder ins Stammeln.

Die Bulldozer, die sich um ihn und die Terraner versammelt hatten, bildeten eine Gasse, so daß der Primas und seine Begleiter bis zur Tafel vordringen konnten.

Neben seinem Stellvertreter blieb Darman Holst XXIII. stehen und lauschte dem Dialog.

»Ich… was sollte ich denn tun?« Hilfesuchend rollte Welku Wurbo seine großen Augäpfel in Richtung des Primas’. »Plötzlich merkte ich, daß Sie Riftas größtes Geheimnis kennen, und da wußte ich mir nicht anders zu helfen, als Sie…«

»Riftas größtes Geheimnis?!« Plötzlich polterte Chris Shanton los. »Zwei Explosionen, die man über Hunderttausende Kilometer anpeilen kann! Was sollen denn das für Wahnsinnsgeheimnisse sein?! Erklären Sie mir das bitte mal!«

»Zwei Explosionen?« Jetzt erst ergriff Darman Holst XXIII. das Wort. Er tat es mit einer Verblüffung, die selbst noch in der künstlichen Translatorstimme mitschwang. »Wie kommen Sie auf zwei Explosionen, Wissenschaftler Shanton?«

»Die auf dem Mond läßt sich wohl kaum vertuschen!« schnauzte Shanton. »Jeder auf diesem Planeten, der über ein bißchen Ortungstechnik und einigermaßen gute optische Geräte verfügt, kann den Explosionsort anpeilen und den Krater erkennen! Wir haben Bilder von diesem Krater und die Trümmerteile darin gesehen!«

»Auf Bildern?« Darman Holsts Augäpfel zuckten bedenklich.

»Wir haben eine Expedition zum Explosionsort geschickt«, erklärte Ren Dhark.

»Dieser Explosion auf Ihrem Mond ging ein Impuls voraus, der mit einem zweiten Energieimpuls identisch war, den wir auf Ihrem Planeten Bagu geortet haben«, ergriff H.C. Vandekamp das Wort, der Intervallexperte und Kontinuumsforscher der POINT OF. »Also muß es wohl auch auf dieser Welt hier eine identische Explosion gegeben haben.«

Der Primas und sein Vize sahen sich an. Ihr Mienenspiel war schwer zu lesen, doch aus ihren zuckenden Augäpfeln und ihren wellenschlagenden Lippen schloß Ren Dhark, daß beide Bulldozer ziemlich betroffen waren. Shanton und Vandekamp hatten also ins Schwarze getroffen: Auch auf Shantons Planeten – auf Bagu – hatte es eine vergleichbare Explosion gegeben.

Der Primas brauchte ein paar Sekunden, um sich zu fangen. Dann wandte er sich an die im Saal versammelten Bulldozer. »Das Festmahl ist beendet!« übersetzte der Translator sein lautes Pfeifen und Schnarren. »Laßt den Stellvertreter des Einzigen und Allmächtigen und dessen Stellvertreter allein mit den Sternenreisenden! Geht!«

Das Palaver unter den Bulldozern im Saal verstummte. Eine lange Kolonne schwerer, behäbiger Leiber setzte sich Richtung Portal in Bewegung. »Geht euren Geschäften nach, meine Ministerialen und Vikare, kümmerte euch um das Wohl des Heiligen Reiches Rifta.« Der Primas scheuchte die Menge seiner Verwaltungselite aus dem Raum. Das dauerte.

Wurbo hockte die ganze Zeit apathisch auf seinem Liegepolster. Keinen Ton gab er von sich, kaum eine Bewegung machte er.

»Sieht aus, als wollte dieser Hippopotamuspapst ein vertrauliches Gespräch mit uns führen«, sagte Shanton.

Ren Dhark schaltete den Außenlautsprecher seines Anzugs aus. »Ich weiß nicht, was jetzt kommt, meine Herren. Eines aber ist klar: Wir haben den wunden Punkt dieser Theokraten berührt.« Er wandte sich an seinen Chefwissenschaftler. »Übernehmen Sie die Verhandlungsführung, Chris. Kein Wort über unsere Motive oder gar über die Synties. Versuchen Sie, diesen größenwahnsinnigen Heiligen unter Druck zu setzen.«

»Ich werde mein Bestes tun«, seufzte Shanton, und an die Adresse von Congollon und Vandekamp: »Wäre nett, wenn Sie mich unterstützen, Kollegen.«

Die letzten zwei Dutzend Bulldozer schaukelten zum Hauptportal. Darman Holst kam augapfelzuckend zurück zur Tafel. Das Portal schloß sich krachend.

»Schon wieder schließen Sie uns aus ihrem Gedankenaustausch aus!« beklagte sich der Primas. »Das schafft kein Vertrauen, nein, Kommandeur Dhark und Wissenschaftler Shanton, solche Heimlichtuereien schaffen wahrhaftig kein Vertrauen!«

»Hören Sie doch auf mit dem Theater, Holst!« blaffte Shanton. »Sie haben unsere Gesundheit und unser Leben durch eine unangekündigte Druckerhöhung aufs Spiel gesetzt! Wollen Sie das etwa als vertrauensbildende Maßnahme bezeichnen? Und jetzt schicken Sie Ihre Leute raus, und Ihr Vize redet von Geheimnissen, von denen wir nichts wissen dürfen. Ist das etwa keine Heimlichtuerei?«

»Welku Wurbo hat überstürzt gehandelt«, schnarrte Darman Holst XXIII. »Eine technische Panne. Nicht schön für Sie, sicher nicht schön, aber halten wir uns doch nicht mit der Vergangenheit auf, schauen wir lieber vorwärts, fassen wir unsere künftige Zusammenarbeit ins Auge!« Der Echsendiktator kletterte auf das Liegepolster neben Welku Wurbo. »Haben Sie die beiden Explosionen denn direkt geortet?«

»Nein.« Shanton hob erstaunt die Brauen. »Die Energieimpulse, die ihnen vorangingen, haben uns auf die Explosionen aufmerksam gemacht. Auf die Explosionen und auf manches mehr. Doch Sie haben recht: Warum darüber noch ein Wort verlieren? Reden wir über die Zukunft. Sie wollen einen Krieg führen, und wir möchten Sie nicht länger dabei stören. Also gehen wir wieder an Bord unseres Schiffes und bereiten den Start vor. Ich denke, es wäre von Vorteil für Sie, wenn Sie eine Organisationsmannschaft zum Startplatz schicken, die mit uns Kontakt aufnimmt.«

»Eine Organisationsmannschaft?« Darman Holsts mächtiger Unterkiefer bebte. »Ich verstehe nicht…« Sein kissenartiger Kopf zuckte hin und her, während er die Terraner abwechselnd fixierte.

»Nun, der Start eines derart großen Sternenschiffs ist nicht ganz ungefährlich«, sagte Congollon. »Jedenfalls nicht für die, die sich außerhalb geschlossener Räume in der Nähe des Startplatzes aufhalten. Deswegen sollten wir den genauen Starttermin absprechen, damit Sie den Abzug Ihrer Truppen vom Landeplatz organisieren können.«

»Es wäre doch schade um Ihre schöne Panzerarmee«, sagte Vandekamp.

»Nicht so schnell, liebe Sternenreisende, nichts überstürzen!« Der Primas schlug einen versöhnlicheren Ton an. Zugleich wurde er hektisch. »Sie glauben doch nicht, daß der Einzige und Allmächtige Sie zu uns geschickt hat, damit Sie gleich wieder starten? Nein, nein.« Er gestikulierte wild und rollte mit den Augäpfeln. »Es geht um die Zukunft des Heiligen Reiches Rifta! Um die zu sichern, hat er Sie doch geschickt!«

»Es ist ganz bestimmt kein Zufall, daß der Einzige Sie zu diesem Zeitpunkt schickte.« Der Vize des Primas ergriff das Wort. Offenbar hatte Welku Wurbo seine Resignation überwunden. »Ausgerechnet am Tag nach dem Scheitern. Ist das nicht geradezu ein Wunder?«

»Scheitern?« Shanton runzelte die Stirn. »Sie machten uns einen recht zuversichtlichen Eindruck. Woran sind Sie denn gescheitert?«

»An einem wichtigen Experiment«, erklärte Welku Wurbo.

»An einem Experiment, an dessen Vorbereitung wir viele Zeitläufe lang gearbeitet haben«, bestätigte der Primas.

»An einem Experiment, an dem die Zukunft des Heiligen Reiches Rifta hing«, sagte Welku Wurbo.

Ren Dhark verdrehte die Augen, Vandekamp und Congollon zogen die Brauen hoch, und Shanton trommelte mit den fleischigen Fingern seiner Rechten auf dem Tisch herum. »Wenn Sie darüber reden wollen, hören wir Ihnen gern zu. Andernfalls würden wir uns jetzt verabschieden.«

»Es geht um das Portal«, sagte Darman Holst XXIII. schnell. Der Primas schnarrte laut, und es klang fast wie ein Räuspern. »Wir haben den Durchgang durch das Portal getestet, und dabei ist es leider explodiert.«

2.

Eine feierlich-trübsinnige Stimmung herrschte plötzlich, und ein paar Atemzüge lang sprachen weder die Terraner noch die beiden Bulldozer ein Wort.

Bis Darman Holst XXIII. mit den Augäpfeln rollte und vernehmlich schnarrte: »Wir haben alle Hoffnung auf die neue Portaltechnik gesetzt«, erklärte er. »Vergeblich. So jedenfalls schien es zunächst. Doch dann schickte der Einzige und Allmächtige Sie.«

Die Terraner verständigten sich mit verstohlenen Blicken. »Portaltechnik also, aha.« Shanton kratzte sich die Halbglatze. »Und wozu diente diese Portaltechnik? Ich meine – nicht, daß es mich wirklich interessiert, ich versuche einfach nur Ihre Situation zu verstehen…«

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