Right Man, Right Time - Meghan Quinn - E-Book

Right Man, Right Time E-Book

Meghan Quinn

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Beschreibung

Silas Taters ist rechter Außenstürmer bei den Vancouver Agitators. Er ist erfolgreich, diszipliniert und nach einer schmerzhaften Trennung fest entschlossen, sein Herz nie wieder zu riskieren. Doch als seine Ex plötzlich im Marketingteam der Agitators auftaucht, steht seine Welt Kopf. Um ihr zu zeigen, dass sie ihm längst nichts mehr bedeutet, braucht er dringend eine Fake-Freundin ...

Ollie Owens steckt mitten in ihrem Journalismusstudium und hat ein Problem: Sie muss für ihr Praktikum einen Artikel über Eishockey schreiben, hat aber keine Ahnung vom Sport. Als sie in einer Bar einem Fremden begegnet, küsst sie ihn spontan, um vor ihrem Ex das Gesicht zu wahren. Dumm nur, dass der Fremde niemand anderes ist als Silas Taters, Profispieler der Agitators.

Was als chaotische Notlüge beginnt, wird schnell ein Spiel mit dem Feuer, das mehr als nur ihre Pläne durcheinanderwirbelt. Silas und Ollie müssen sich fragen, ob sie bereit sind, den Sprung von „Fake“ zu „Forever“ zu riskieren – Herz inklusive.

Eine emotionale, lustige und herzerwärmende Hockey-Romance von Spiegel-Bestsellerautorin Meghan Quinn.

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Seitenzahl: 647

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Danke, dass Sie sich für einen Titel von »more – Immer mit Liebe« entschieden haben.

Unsere Bücher suchen wir mit sehr viel Liebe, Leidenschaft und Begeisterung aus und hoffen, dass sie Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zaubern und Freude im Herzen bringen.

Wir wünschen viel Vergnügen.

Ihr »more – Immer mit Liebe« –Team

Über das Buch

Silas Taters ist rechter Außenstürmer bei den Vancouver Agitators. Er ist erfolgreich, diszipliniert und nach einer schmerzhaften Trennung fest entschlossen, sein Herz nie wieder zu riskieren. Doch als seine Ex plötzlich im Marketingteam der Agitators auftaucht, steht seine Welt Kopf. Um ihr zu zeigen, dass sie ihm längst nichts mehr bedeutet, braucht er dringend eine Fake-Freundin ...

Ollie Owens steckt mitten in ihrem Journalismusstudium und hat ein Problem: Sie muss für ihr Praktikum einen Artikel über Eishockey schreiben, hat aber keine Ahnung vom Sport. Als sie in einer Bar einem Fremden begegnet, küsst sie ihn spontan, um vor ihrem Ex das Gesicht zu wahren. Dumm nur, dass der Fremde niemand anderes ist als Silas Taters, Profispieler der Agitators.

Was als chaotische Notlüge beginnt, wird schnell ein Spiel mit dem Feuer, das mehr als nur ihre Pläne durcheinanderwirbelt. Silas und Ollie müssen sich fragen, ob sie bereit sind, den Sprung von „Fake“ zu „Forever“ zu riskieren – Herz inklusive.

Eine emotionale, lustige und herzerwärmende Hockey-Romance von Spiegel-Bestsellerautorin Meghan Quinn.

Über Meghan Quinn

Meghan Quinns Leidenschaft für Bücher begann als sie einen e-Reader geschenkt bekam und die große Welt der Romance-Bücher entdeckte. Heute ist sie selbst erfolgreiche Bestseller Autorin und wird von ihren Leser:innen weltweit für ihre mitreißenden, emotionalen und spicy Geschichten gefeiert. Sie lebt mit ihrer Ehefrau, ihrem Adoptivsohn, zwei Hunden, vier Katzen und ganz vielen Book Boyfriends in Colorado.

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Meghan Quinn

Right Man, Right Time

Aus dem Amerikanischen von Ivonne Senn

Übersicht

Cover

Titel

Inhaltsverzeichnis

Impressum

Inhaltsverzeichnis

Titelinformationen

Grußwort

Informationen zum Buch

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PROLOG

1. KAPITEL — Ollie

2. KAPITEL — Silas

3. KAPITEL — Ollie

4. KAPITEL — Silas

5. KAPITEL — Ollie

6. KAPITEL — Silas

7. KAPITEL — Ollie

8. KAPITEL — Silas

9. KAPITEL — Ollie

10. KAPITEL — Silas

11. KAPITEL — Ollie

12. KAPITEL — Ollie

13. KAPITEL — Silas

14. KAPITEL — Ollie

15. KAPITEL — Silas

16. KAPITEL — Ollie

17. KAPITEL — Silas

18. KAPITEL — Silas

19. KAPITEL — Ollie

20. KAPITEL — Silas

21. KAPITEL — Ollie

22. KAPITEL — Silas

23. KAPITEL — Ollie

24. KAPITEL — Silas

25. KAPITEL — Ollie

26. KAPITEL — Ollie

27. KAPITEL — Silas

28. KAPITEL — Ollie

EPILOG — Silas

Impressum

PROLOG

Zwei Jahre zuvor

Silas

»Ich weiß nicht, Mann. Vielleicht hätte ich mich für den Prinzessinnenschliff entscheiden sollen«, sage ich ins Handy, während ich mit dem Fahrstuhl zu meinem Penthouse hinauffahre.

Als Sarah und ich diese Wohnung gefunden hatten, meinte sie, die müssten wir nehmen. Nicht nur wegen des unvergleichlichen Ausblicks über den Burrard Inlet, sondern auch wegen der Privatsphäre, die dieses Apartment bot. Denn Privatsphäre ist ein kostbares Gut, wenn man der rechte Außenstürmer der Vancouver Agitators ist.

»Müssen wir das wirklich noch mal durchgehen?«, fragt Pacey, und ich höre, dass er von meiner Unfähigkeit, mich für einen Ring zu entscheiden, genervt ist.

»Ich will es richtig machen.« Der Fahrstuhl schießt mich zum Penthouse hoch. »Ich weiß, dass Sarah hierauf wartet, und ich bin endlich an dem Punkt in meinem Leben, an dem ich ihr den Ring kaufen kann, den sie verdient hat. Ich will sicher sein, dass er perfekt ist.«

»Wie oft müssen wir das noch durchkauen? Sie hat dir Fotos von dem Halo-Ring geschickt. Das ist der, den sie will, und deiner sieht genauso aus.«

»Ja, du hast recht.« Ich seufze. »Shit, ich bin nervös.«

»Machst du es heute Abend?«

»Nein.« Obwohl er mich nicht sehen kann, schüttle ich den Kopf. »Ich muss erst ihre Ringgröße ermitteln.«

»Das wäre der erste Schritt gewesen«, sagt er. In dem Moment piept der Fahrstuhl, und die Türen gleiten auf.

»Ja, vermutlich.« Ich fahre mir mit der Hand übers Gesicht und betrete meine Wohnung. »Das hier ist mein erster und letzter Antrag, deshalb sind mir die Abläufe nicht so geläufig.«

»Das hat nichts mit Abläufen zu tun, Mann. Das sagt einem einfach der gesunde Menschenverstand«, erwidert Pacey, als ich meine Schlüssel auf das Tischchen neben dem Fahrstuhl lege, die Schuhe ausziehe und dann in Richtung Küche gehe, wo ich einen von Sarahs BHs auf der Arbeitsplatte finde.

Das ist komisch.

Sie ist ein kleiner Ordnungsfreak, daher fühlt es sich falsch an, dass hier nur ein BH und sonst nichts herumliegt.

»Bist du noch da?«, fragt Pacey.

»Äh, ja.« Ich räuspere mich und nehme den schwarzen Spitzen-BH, den ich noch nie zuvor gesehen habe, in die Hand. Ich weiß, dass sie ihn noch nie getragen hat, weil ich seit der Highschool mit ihr zusammen bin. Ich habe alle Facetten der Garderobe dieser Frau gesehen, und an so einen BH hätte ich mich definitiv erinnert. »Hey, ich muss los.«

»Ist alles in Ordnung?«, fragt Pacey besorgt, weil er vermutlich die Veränderung in meiner Stimme gehört hat.

»Klar. Mir ist bloß gerade eingefallen, dass ich vergessen habe, das Fleisch aus dem Gefrierschrank zu nehmen.« Das ist eine einfache Lüge, von der ich weiß, dass sie funktionieren wird.

»So ein Mist, Kumpel! Das gibt Ärger.«

»Wem sagst du das?«, antworte ich, bevor ich den Anruf beende und mein Handy auf den Tresen lege.

Ich untersuche den BH, streiche mit den Fingern über die Spitze. Habe ich ihn schon mal gesehen?

Nein. Definitiv nicht.

Er ist anders.

Das ist nicht die Sarah, die ausschließlich hautfarbene Dessous trägt. In etwas anderem habe ich sie noch nie gesehen, und das war für mich in Ordnung. Ehrlich gesagt könnte es mir nicht egaler sein. Ich will nur sehen, was sich unter der Unterwäsche befindet, doch in letzter Zeit hatten wir eine Flaute im Bett.

Sie schiebt es auf das Eishockey und meint, ich wäre nie da. Aber ich sehe nicht, dass mein Terminplan sich von dem im letzten Jahr unterscheidet. Okay, ich habe ein paar Deals mehr eingetütet, die mir ein exponentiell höheres Einkommen verschaffen, und diese Verpflichtungen haben mir ein wenig mehr von meiner Zeit gestohlen, doch ich gebe mir immer noch Mühe, für Sarah da zu sein.

Sie ist diejenige, die mir ständig sagt, dass sie müde sei.

Sie ist diejenige, die mir bloß ihre Wange anbietet, wenn ich versuche, ihr einen Gutenachtkuss zu geben.

Mit den Jungs habe ich bereits darüber gesprochen. Dass sie nie die Initiative ergreift und sich nachts von mir wegdreht. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sie es vermutlich leid ist, darauf zu warten, dass ich mich offiziell an sie binde.

Daher der Ring.

Aber dieser BH … Vielleicht versucht sie, die Sache für uns ein wenig anzuheizen.

Vielleicht hat sie ihn hiergelassen, weil sie wusste, dass ich nach Hause komme und es für einen Hinweis halten würde.

Ein Lächeln breitet sich auf meinem Gesicht aus, als ich den BH in die Hosentasche stecke und in Richtung Schlafzimmer gehe.

»Sarah, Babe, bist du da?«, frage ich und nähere mich der geschlossenen Tür. »Ich habe deinen BH gefunden.«

»Hmmm«, höre ich sie stöhnen, was mich innehalten lässt.

War das Stöhnen für mich, oder war es … etwas anderes?

Verwirrt greife ich nach der Türklinke und drücke sie in dem Augenblick runter, in dem ich Sarah erneut höre. »Ja, genau da.«

Was zum …?

Ich öffne die Tür gerade weit genug, um Sarah sehen zu können, die nackt auf dem Bett liegt. Mit dem Kopf einer Frau zwischen ihren Beinen. Wie bitte?!

Mir fällt die Kinnlade runter, mein Herz setzt einen Schlag aus, und ich spüre, wie ich kreidebleich werde.

»So ist es gut, Babe. Behalt das Tempo bei«, sagt eine Männerstimme aus einer Ecke des Zimmers, was mich beinahe hintenüberkippen lässt.

Ich schaue zum Fenster und sehe einen nackten Mann, der auf dem Sessel sitzt, auf dem ich mir normalerweise die Schuhe anziehe. Er streicht über seine mittelmäßige Erektion.

»Was zum Henker ist hier los?«, brülle ich, weil ich mich nicht zurückhalten kann.

Sarahs Kopf schießt hoch, und unsere Blicke treffen sich. Angst huscht über ihre Pupillen, bevor pure Ekstase in ihren Augen aufleuchtet. Die Frau hört nicht auf, Sarahs Vagina zu lecken, der Mann hört nicht auf, seinen Schwanz zu bearbeiten, und es ist, als würde vor meinen Augen ein Porno in Zeitlupe ablaufen.

Sarah hält meinem Blick stand, während sie sich auf die Unterlippe beißt und ihre Wangen sich röten. Diesen Ausdruck habe ich seit wer weiß wie lange nicht mehr gesehen. Und ich kann nicht wegschauen, als ihre Brust sich hebt – die Nippel aufgerichtet, die Haut verschwitzt – und ihr ein tiefes, animalisches Stöhnen entfährt.

Ich hätte nie geahnt, dass sie zu so einem erotischen Geräusch fähig wäre.

Ihr Kopf sackt aufs Kissen zurück. Die Finger hat sie fest ins Laken gekrallt, und zu meinem absoluten Entsetzen muss ich zusehen, wie sie durch die Zunge einer Frau kommt, während der Mann es ihr gleichtut und dabei noch lauter stöhnt.

Da ich keine Ahnung habe, was ich tun soll, bleibe ich wie angewurzelt stehen und warte darauf, dass dieser Albtraum endet.

»O Gott!«, sagt Sarah und zupft an ihren Brustwarzen. »Das war so gut«, murmelt sie, ehe sie schließlich Luft holt.

So gut? Will sie mich verarschen?

Die nackte Frau zwischen ihren Beinen zieht sich zurück und wendet sich mir zu. Ihre gemachten Brüste sind viel zu groß für ihren Körper.

Das ist das Detail, das dir auffällt, Silas?

Sie steht auf und fängt an, sich selbst zu befingern. Dann wirft sie mir einen koketten Blick zu und fragt: »Willst du als Nächstes drankommen?«

»Sag mal, spinnst du?!«, entgegne ich. »Nein!« Ich schaue an der vollbusigen Rothaarigen vorbei zu Sarah. »Was ist hier verdammt noch mal los?«

Mit einer Hand über den Augen schließt Sarah die Beine und rollt sich in eine sitzende Position hoch. Sie ist erhitzt und befriedigt, was mich wahnsinnig wütend macht. Ich spüre, wie ich einen Tunnelblick bekomme. Sie ist mein Mädchen, und jemand anderes hat dafür gesorgt, dass sie so befriedigt aussieht. Das passt mir gar nicht. Genauso wenig wie ihre zerzausten Haare oder der wilde Ausdruck in ihren Augen. Pure Genugtuung schwingt in ihrer Stimme mit, als sie sagt: »Ich brauchte einen guten Fick, Silas.«

Sie brauchte einen guten Fick?

Das ist ihre Entschuldigung?

»Warum hast du dann nicht mich gefragt? Deinen Freund?«

Ich starre Sarah an, suche nach einer Antwort, aber sie gibt mir keine. Die Rothaarige kommt verführerisch auf mich zu und legt mir eine Hand auf die Brust. »Du wirkst angespannt. Lass mich das für dich richten.«

Durch zusammengebissene Zähne stoße ich aus: »Nimm deine Pfoten von mir!«

»Sprich nicht so mit meiner Frau«, sagt der Kerl und steht auf, um seinen schlaffen Penis in der Hose zu verstauen.

»Stell mich auf die Probe, Mann. Ernsthaft. Schau, wie weit du kommst. Ich habe in meinem Leben mehr Köpfe eingeschlagen, als ich zählen kann. Glaub mir, du willst dich nicht mit mir anlegen.«

»Vielleicht doch«, sagt der dumme Idiot. Er macht einen Schritt auf mich zu, und ohne nachzudenken, ziehe ich meinen Arm zurück. Sarah stellt sich zwischen uns, bevor ich dem Typen eine schallern kann.

»Nicht«, sagt sie streng.

Das kann nicht ihr Ernst sein.

»Du beschützt ihn?«, frage ich. In meinem Haus? In meinem Schlafzimmer? Was zum Teufel ist hier los?

Ohne mir zu antworten, dreht sie sich zu den beiden um und sagt: »Ich glaube, ihr solltet besser gehen.«

»Bist du sicher?«, fragt die Frau. »Wenn du in Schwierigkeiten steckst, können wir bleiben.«

»Sie steckt nicht in Schwierigkeiten!«, brülle ich. »Ich bin ihr gottverdammter Freund. Und wenn ihr nicht innerhalb der nächsten fünf Minuten verschwunden seid, werde ich euch eigenhändig auf die Straße setzen.«

»Geht«, sagt Sarah.

Während die beiden ihre Sachen zusammensammeln, nimmt Sarah den Morgenmantel vom Bett und zieht ihn sich über, womit sie die Bissspuren an ihren Rippen und Brüsten verdeckt. Brüste, die ich jahrelang angebetet habe.

Schmerz, Wut und Verwirrung toben in meinem Körper, während ich versuche, mich auf ein Gefühl zu konzentrieren.

Als ich höre, wie die Fahrstuhltür zugeht, habe ich mich für eines entschieden: Wut. Ich wende mich Sarah zu und frage: »Was zum Henker war das?«

Die Arme defensiv vor der Brust verschränkt, antwortet sie: »Ich … ich habe mich vernachlässigt gefühlt. Todd und Nancy haben …«

»Todd und Nancy?«, brülle ich.

»Ja, Todd und Nancy.« Sie bindet den Gürtel ihres Morgenmantels zu. »Sie geben mir das Gefühl, nicht mehr so allein zu sein, und mit ihnen habe ich ein erfülltes Liebesleben.«

Eine kalte Wut packt mich. »Komm mir nicht mit dem Scheiß! Ich habe versucht, dir … ein erfülltes Liebesleben zu geben, aber du hast mich nicht gelassen. Du hast mich von dir gestoßen, mich abgewiesen, du wolltest mich nicht mal ansehen. Ich meine, was soll das, Sarah? Wie lange geht das schon?«

»Vier Monate«, sagt sie ohne den geringsten Anflug von Entschuldigung in ihrer Stimme.

»Vier Monate?«, frage ich. »Meine Güte!« Ich fahre mir mit der Hand durch die Haare. Wenn ich sie anschaue, sehe ich nicht mehr denselben Menschen, in den ich mich vor so vielen Jahren verliebt habe. Ich sehe jemanden, der abgestumpft und manipulativ ist. Jemanden, der nicht die Absicht hat, mein Herz zu beschützen.

Nach allem, was wir durchgemacht haben, dem Auf und Ab, es im Eishockey zu schaffen, nach den Herausforderungen und den Freuden, tut sie so, als wäre mich seit vier Monaten zu betrügen nichts?

Als wäre es mein Fehler, weil ich mich nicht ausreichend bemüht hätte?

Als trüge ich die Schuld, weil wir beide das Ziel hatten, dass ich Eishockeyprofi werde?

Sie wusste, wie dieses Leben sein würde. Und ich habe keine Beschwerden von ihr gehört, wenn sie teure Handtaschen und Designerschuhe bekommen hat.

Ich starre die Frau an, der ich mein Herz geschenkt hatte, und Wut füllt jede Zelle meines Körpers. »Fick dich, Sarah!«

»Wie bitte?«, fragt sie geschockt nach.

»Ich sagte: Fick … dich!«

»Du bist sauer auf mich.« Sie zeigt auf ihre Brust. »Du bist sauer auf mich, obwohl ich diejenige bin, die hier ständig allein ist?«

»Du wusstest, worauf du dich einlässt!«, brülle ich. »Du wusstest ganz genau, wie dieses Leben sein würde, und du warst damit einverstanden. Wir haben uns ausführlich darüber unterhalten, was auf uns zukommt. Wir waren uns einig, dass das hier das Beste für unser gemeinsames Leben wäre. Und um die Situation angenehmer zu machen, um dir zu helfen, habe ich dieses luxuriöse Apartment gemietet, das du unbedingt haben wolltest. Ich habe dir das Auto und die Klamotten gekauft. Ich habe dir alles gegeben, worum du mich gebeten hast. Also ja, Sarah, fick dich! Das mit uns sollte keine offene Beziehung sein.«

»Als wenn du mich nie betrogen hättest!«, schnaubt sie.

»Ich war dir immer treu«, antworte ich knurrend. Die Härchen in meinem Nacken richten sich auf. »Ich habe nie eine andere Frau angerührt, angeschaut oder auch nur an sie gedacht, weil ich dich liebe, Sarah. Du bist mein Mädchen. Du bist diejenige, mit der ich zusammen sein will.«

Eine Hand in die Hüfte gestemmt und mit ungläubigem Unterton wiederholt sie: »Du hast mich nie betrogen? Das ist schwer zu glauben. Ich habe gehört, was die anderen Mädchen über die Frauen sagen, die sich in den Hotels tummeln und versuchen, einen Spieler aufzureißen.«

»Ja, die gibt es. Aber ich bin loyal«, gebe ich angespannt zurück. »Ich bin mit dir zusammen und hintergehe dich nicht. Warte mal, hast du mich etwa außer mit Todd und Nancy noch mit anderen Leuten betrogen?« Als sie den Blick abwendet, habe ich meine Antwort. Ich werfe die Hände in die Luft und drehe Sarah den Rücken zu. »Unfassbar!« Die ganze Zeit über dachte ich, sie wäre mir treu. Ich dachte, wir würden das hier gemeinsam machen. Ich dachte, sie würde sich ein wenig von mir zurückziehen, weil meine Popularität ein wenig gesunken ist. Aber die ganze Zeit über war sie mir untreu. Was soll das?!

Alles, was ich über die Liebe weiß, kommt kreischend zum Stehen. Ich fühle mich so … verraten. Gebrochen.

Ich atme ein paar Mal tief durch. »Ich will, dass du ausziehst.«

»Was?«, fragt sie.

Am Boden zerstört, drehe ich mich wieder zu ihr um und wiederhole: »Ich will, dass du ausziehst. Du hast eine Stunde. Nimm, was du brauchst, und verschwinde. Wir sind fertig miteinander, Sarah.«

»Das hier ist auch meine Wohnung.«

»Weißt du was? Du hast recht.« Ich lächle teuflisch. »Ich rufe sofort die Vermieterin an und sage ihr, sie soll den Vertrag auf dich überschreiben. Viel Spaß beim Zahlen der Miete!«

Ihr entgleisen die Gesichtszüge. »Das kannst du nicht machen. Ich habe keinen Job. Ich habe mein Leben auf Eis gelegt, um dich zu unterstützen.«

»Dass mich zu unterstützen heißt, mit anderen Leuten ins Bett zu gehen, wusste ich ja gar nicht. Ich glaube, da gehen unsere Vorstellungen ein wenig auseinander.«

Panik flammt in ihren Augen auf – entweder weil ich sie rausschmeiße oder weil sie erkennt, dass sie ohne mich nichts hat. »Hör mal, Silas, wir können das klären.«

»Einen Scheiß können wir. Entweder du packst und bist innerhalb einer Stunde verschwunden oder die Wohnung gehört dir. Die Miete ist nächste Woche fällig.«

Damit stürme ich aus der Tür und lege so viel Abstand wie möglich zwischen uns.

Das mit uns ist so was von vorbei.

Und ich soll verdammt sein, wenn ich mich jemals wieder von irgendjemandem so behandeln lasse.

1. KAPITEL

Ollie

»Auf das schlimmste Praktikum unseres Lebens!«, sagt Ross und hält sein Shotglas hoch.

Ich tue es ihm gleich. »Und mögen Alan Roberts die Zähne ausfallen, weil er dieses toxische Arbeitsumfeld geschaffen hat, das wir den ganzen Sommer über ertragen mussten.«

»Cheers!« Ross stößt mit mir an, dann stürzen wir den Tequila runter und beißen schnell in eine Zitronenscheibe, um den bitteren Geschmack zu vertreiben.

Danach stoße ich laut den Atem aus. »Ich kann nicht glauben, dass dieses Arschloch uns Überstunden machen lässt, damit wir den nötigen Schein für unser Praktikum bekommen.«

Ross leckt an seiner Zitronenscheibe, bevor er sie ablegt. »Das passiert, wenn man mit der Leiterin des Departments für Journalismus ins Bett geht. Man bekommt, was man will.«

Ich packe Ross am Arm. »Glaubst du wirklich, dass Roberts mit Professor Wheeler eine Affäre hat?«

Ross schürzt die Lippen und sieht mich unter hochgezogenen Augenbrauen an. »Ich bitte dich. Yamish hat sie letztes Frühjahr in ihrem Büro gesehen. So schnappt sich Roberts auch all die Praktikanten, die die Drecksarbeit für ihn erledigen, weil er sie direkt im Department abgreift.«

»Wir wurden abgegriffen«, sage ich.

»Ganz genau. Und sieh dir an, wohin uns das gebracht hat. Klar, wir haben ein bezahltes Praktikum bekommen, das wir für unser Studium brauchen, aber zu welchem Preis? Wir haben einen der besten Sommer unseres Lebens an Alan Roberts und seinen Latte macchiato aus aufgeschäumter Milch mit einem Teelöffel Espresso verloren. Und jetzt, da wir endlich die Chance haben, etwas für seine undurchschaubare Website zu schreiben, müssen wir es nach Semesterbeginn tun, sonst gibt es keinen Schein. Was soll der Scheiß?!«

»Schlechtes Zeitmanagement«, sage ich und drehe den Strohhalm in meiner Margarita. Unser Sommergetränk war eine Margarita on the Rocks mit einem Extrashot Tequila dazu. Diese Mischung hat den gewünschten Effekt, ohne dass man am nächsten Morgen einen Kater hat.

Ross und ich haben uns im ersten Studienjahr kennengelernt, als wir in derselben Studiengruppe gelandet waren. Wir haben uns auf Anhieb super verstanden und unsere Verbindung bei Gesprächen über Gesichtscremes, Modetrends und Sportarten, die uns das beste Ergebnis mit der geringstmöglichen Verletzungsgefahr bieten, vertieft.

»Hast du dir deinen Auftrag überhaupt schon mal angeguckt?«, fragt er.

Ich hole den Umschlag, der uns heute beim Verlassen des Büros übergeben wurde, aus meiner Handtasche und presse ihn mir gegen die Brust. »Nein. Du?«

»Auch nicht.«

»Wollen wir es zusammen machen?«, schlage ich vor.

Er nickt und greift in die hintere Tasche seiner perfekt gebügelten Anzughose, um den Umschlag herauszuziehen. »Ich lese deinen und du meinen.«

»Das macht es weniger schlimm«, stimme ich ihm zu.

Wir tauschen die Umschläge, und Ross nickt mir zu. »Du zuerst. Und wenn es irgendetwas mit Sport ist, töte mich bitte auf der Stelle.«

»Gleichfalls«, sage ich und ziehe das Schreiben heraus. »Du, mein Freund, hast …« Ich halte inne und überfliege den Text. »Mensch, du hast die Fashiontrends für den Herbst!«

»Hör auf!«, ruft er, bevor er mir das Schreiben aus der Hand reißt und selbst liest. »Großer Gott! Fünfhundert Wörter über die Must-haves im Herbst.« Mit weit aufgerissenen Augen schaut er zu mir auf. »Ollie, verstehst du, was für eine große Sache das ist?«

Ich lache leise. »Ja. Ich habe den ganzen Sommer mit dir gearbeitet. Alle werden den Artikel sehen, und ich bin mir sicher, dass er an andere Zeitschriften verkauft wird.«

»Großer Gott!«, murmelt er erneut. »Und ich dachte, Roberts hasst mich. Dabei hat er mich nur jeden Morgen zum Kaffeeholen losgeschickt, um sicherzugehen, dass ich den Style habe, um diesen Artikel zu schreiben. Das kann bloß eins bedeuten: Wenn ich Mode bekommen habe, hast du vermutlich Lifestyle. Die Bücherliste, die du zusammengestellt hast, wird sich also doch noch auszahlen.« Er reißt meinen Umschlag auf, und ich warte angespannt, denn ich hoffe wirklich, dass er recht hat. Lifestyle wäre das ideale Thema für mich, weil ich darüber am meisten weiß. Ich habe mich über alle Buch-, Schönheits- und Sporttrends auf dem Laufenden gehalten.

Er räuspert sich, entfaltet das Schreiben mit einer schnellen Bewegung seines Handgelenks und lächelt mich an.

»Ollie, meine liebste Freundin, die den strahlenden Teint eines Engels hat …«

»Danke, du aus Pflanzen gewonnenes Squalan.«

Lächelnd sagt er: »Du wirst viel zu tun haben, denn du schreibst einen Artikel über …« Er hält inne, und ich weiß, dass er das nur des dramatischen Effekts wegen tut. Ross kann einfach nicht anders. Zumindest glaube ich das, bis ich sehe, wie er besorgt die Stirn runzelt und sein Lächeln schwindet.

Oh-oh, das bedeutet nichts Gutes.

Außer, er versucht, mich reinzulegen.

Aber würde Ross so etwas tun? Er ist eigentlich keiner, der anderen Streiche spielt.

O mein Gott, was ist, wenn ich ein schlimmes Thema bekommen habe?!

»Äh … was ist es?«, frage ich nervös.

Langsam hebt er den Blick und sieht mich an. »Ich glaube, da liegt ein Irrtum vor.«

»Was meinst du damit, ein Irrtum?« Ich reiße ihm das Schreiben aus der Hand und überfliege es, bis ich zum Thema meines Artikels komme. »Nein, das kann nicht richtig sein.«

»Ah, schaut ihr euch die Aufträge an?«, schallt da eine fröhliche, aber schrille Stimme an unser Ohr, als jemand hinter uns tritt.

Candace Roundhouse.

Der Fluch unseres Lebens.

Die Schleimerin des Sommers.

Alan Roberts’ engagierteste Arschkriecherin.

Die unfassbar nervtötende und zwanghaft jeglichen Spaß verderbende Candace war der zweite Grund, warum Ross und ich auf unseren Sommerdrink gekommen sind. Roberts ist die Margarita, Candace ist der Tequilashot.

Obwohl wir sie nicht ausstehen können, setzen wir ein Lächeln auf, denn wir müssen so tun, als würden wir uns mit ihr verstehen.

»Oh, hey«, sage ich und drehe mich zu ihr um. »Ich hätte nicht gedacht, dass du heute Abend ausgehst.«

Sie wirft sich die gefärbten feuerroten Haare über die Schulter und mustert mich einmal von oben bis unten. »Ja. Ich dachte, ich sollte meinen Freund meinen Arbeitsbuddys vorstellen.«

Igitt, wer sagt denn bitte Buddys?

»Wie lustig!«, sagt Ross mit seinem aufrichtigen falschen Lächeln. Ich weiß, dass es falsch ist, weil er die Zähne fest zusammengebissen hat und es um seine Mundwinkel leicht zuckt.

»Könnt ihr fassen, dass Roberts mir erlaubt hat, die Aufträge zu verteilen? Er hat sie einfach auf meinen Tisch geworfen und gesagt, ich solle mich darum kümmern.«

Diese Bitch!

Natürlich steckt sie dahinter. Das hätte ich wissen müssen.

»Du hast die Aufträge zugeteilt?«, frage ich und versuche, weiterhin die Fassung zu wahren, dabei will ich ihr den roten Lippenstift direkt von ihrem Schmollmund wischen.

»Ja.« Sie strahlt. »Ich wusste, dass du den Modeartikel rocken würdest, Ross. In dem Moment, in dem ich das Thema gesehen habe, wusste ich, dass es an dich gehen muss.«

»Ja, danke«, sagt er leise, denn sie hat ihm einen Gefallen getan. Doch was ist mit mir?

Das hat sie absichtlich gemacht. Das weiß ich. Und alles nur wegen dieses blöden Post-its.

Wenn das nicht kleinkariert ist.

Und Candace Roundhouse ist die Lexikonabbildung dazu.

Ihr müsst verstehen, dass Candace sehr eigen ist, was ihre Büroartikel angeht. So eigen, dass sie ihre eigenen Sachen mitgebracht hat. Was total in Ordnung ist. Wenn man mit dummen Gelkulis schreiben will wie ein Mädchen, das in den Zweitausendern aufgewachsen ist. Aber einmal, als ich wie eine Verrückte im Büro hin und her gelaufen bin, um jedermanns Wünsche zu erfüllen, war ich gerade mit einem Werbekunden am Telefon, für den ich etwas aus einem Lagerhaus in der Innenstadt abholen sollte. Ich brauchte etwas, um mir die Adresse zu notieren. Da ich direkt neben Candace’ Schreibtisch stand und sie gerade nicht da war, habe ich mir einen Stift und ein Post-it genommen und mir die Anschrift aufgeschrieben. Nachdem ich aufgelegt hatte, stand Candace direkt hinter mir und starrte mich an, als wäre sie einer der Zwillinge aus Shining.

Mit einem verlegenen Lächeln habe ich sie um Entschuldigung gebeten.

Sie hat die Arme vor der Brust verschränkt.

Zwischen uns ist kein Wort gefallen, es gab nur diesen Starrwettbewerb, der sich als einer der fünf furchteinflößendsten Momente meines Lebens in mein Gedächtnis eingebrannt hat. Es gibt nichts Besseres als völliges Schweigen, um die Oberhand zu gewinnen, wenn man sich einem Gegner gegenübersieht. Vor allem, wenn dieser Gegner ich bin, denn ich kann Schweigen nicht ausstehen.

Ross hat mir erzählt, Candace hätte einem der Mädchen im Büro gegenüber erwähnt, dass ich ihr Post-it benutzt und es nicht ersetzt hätte. Sie hatte gereizt geklungen.

Es war ein Notizzettel.

Seht ihr, wovon ich hier rede?

Kleinkariert.

Ich räuspere mich und sage: »Also … bei allem Respekt, aber was hast du dir dabei gedacht, als du mir meinen Auftrag zugeteilt hast?«

Mit einem amüsierten Funkeln in den Augen schaut sie mich an. »Tja, ich habe den ganzen Sommer über gehört, wie sehr du den männlichen Körper liebst und wie du Männer auf alle möglichen Arten zum Objekt gemacht hast.« Wovon zum Teufel redet sie da? »Daher dachte ich, dieses Thema wäre für dich perfekt.«

»Ich habe Männer nicht zum Objekt gemacht«, entgegne ich, denn wenn überhaupt, war ich den ganzen Sommer über sehr professionell, was wahnsinnig anstrengend war. Es hatte viele Augenblicke gegeben, in denen ich nicht professionell hatte sein wollen.

Zum Beispiel, als Candace den anderen einen halbstündigen Vortrag gehalten hat, wobei ihr Reißverschluss offen stand. Ich hätte sie fragen können, ob sie versucht, die Zuneigung unseres Chefs zu gewinnen, uns ihr Höschen vorführen will oder sogar, ob sie auf der Suche nach Anschluss ist. Aber habe ich den Mund aufgemacht? Neiiiin. Und das lag bloß daran, dass ich professionell war.

Außerdem habe ich sie nicht auf die offene Hose hingewiesen, weil sie mich an dem Morgen anschrie, nachdem ich das letzte Kaffeepad genommen hatte. Jemand hatte es nehmen müssen, und dieser jemand war zufällig ich gewesen.

»Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie du dich in allen Einzelheiten darüber ausgelassen hast, wie Chris Hemsworth gebaut ist.«

Ich schüttle den Kopf und versuche, ihre Idiotie zu verstehen. »Das war in einer Mittagspause und lag nur daran, dass in der Men’s Health gerade eine Fotostrecke mit ihm veröffentlicht worden war. Was hat das mit dem Thema meines Artikels zu tun … Eishockey?«

Richtig gehört, sie hat mir Eishockey aufs Auge gedrückt. Ein Sport, über den ich überhaupt nichts weiß, außer … Schlittschuhe … Puck … Schläger und … viel Eis. Ja, das fasst es gut zusammen.

Sie lächelt. »Ich dachte, du könntest die Körper von Eishockeyspielern studieren. Immerhin ist Eishockey in Kanada ein Nationalheiligtum. Aus dem Thema könntest du etwas wirklich Besonderes machen.«

Kleinkariert. Sie ist so was von kleinkariert.

Aber das kann ich auch sein, wisst ihr? Ich könnte … äh … ich könnte ihr in den Schritt treten. Keine Ahnung, ob das kleinkariert ist, doch danach würde ich mich bestimmt viel besser fühlen.

»Ich habe keinerlei Ahnung, was Eishockey angeht, und du weißt ganz genau, dass Roberts mir, wenn ich einen Artikel über Muskeln und tolle Männernippel einreiche, nicht den Schein für das Sommerpraktikum gibt. Alles hängt an diesem letzten Auftrag.« Ich spüre, wie ich meine Coolness verliere.

Wenn ich bei diesem Artikel keinen guten Job mache, werde ich das Praktikum wiederholen müssen, und das kann ich nicht. Denn dann würde mich das ein Semester zurückwerfen, doch ich muss Ende dieses Jahres meinen Abschluss machen. Ich habe einen strikten Zeitplan.

Sie tippt sich ans Kinn. »Hmmm, da könntest du recht haben. Wie es aussieht, musst du dich ein wenig über Eishockey schlaumachen.«

Ich trete einen Schritt vor und zeige mit dem Finger auf sie. »Das hast du mit Absicht gemacht. Wegen eines Post-its. Ehrlich, wie konntest du nur …?«

»Darling, da bist du ja!«, unterbricht mich eine Männerstimme. Eine mir bekannte Männerstimme. Eine Stimme, die mir so unglaublich vertraut ist, dass ich spüre, wie mir das Herz in die Hose rutscht, als ich langsam aufschaue und Yonny Biliak vor mir stehen sehe.

Und er steht nicht nur vor mir, sondern legt auch noch einen Arm um Candace’ Taille und gibt ihr einen Kuss auf die Wange.

Das kann nicht sein.

Wer ist Yonny Biliak?, fragt ihr?

Ein selbsternannter aufstrebender Jurist. Ein Mann, der grauenhaft gemusterte Anzüge trägt, beim Pinkeln danebentröpfelt und zwei Jahre mit mir zusammen war. Anfang des Sommers hat er mit mir Schluss gemacht, weil er glaubte, dass es am besten wäre, wenn wir uns auf unsere Karrieren und nicht aufeinander konzentrierten.

Lustig, wie der Sommer jetzt vorbei ist und er sich nicht auf seine Karriere konzentriert, sondern eher auf das Hinterteil von Candace Roundhouse.

Also, ich kann sehen, wie er ihr über den Hintern streicht. Direkt hier, mitten in der Bar, als wäre er mit ihr in seinem miefigen Schlafzimmer, wo er es vorzog, mir seine Zuneigung zu zeigen, weil das öffentliche Zur-Schau-Stellen von Zärtlichkeiten verboten war. Er musste schließlich seinen Ruf wahren.

»Mein Mucki-Schatz!«, gurrt Candace und hebt eine Hand an seine schlecht rasierte Wange, um ihm einen Kuss auf die trockenen, verkrusteten Lippen zu geben. Zumindest möchte ich gern, dass es so ist, aber ehrlich gesagt wirkt er gut hydriert, was mich bloß noch mehr nervt. Wie es aussieht, hat der Mann einen Lippenpflegestift gefunden. Können wir also einen Moment innehalten und über den Kosenamen »Mucki-Schatz« lästern? Würg. »Ich bin so froh, dass du mich gefunden hast. Ohne dich bin ich total verloren«, fährt Candace fort.

Ah, komm schon. Wirklich?

Versuchen sie, die Gäste der Bar kollektiv zum Würgen zu bringen?

Ich spüre, dass Ross sich gegen mich lehnt. Seine Hand geht beschützend zu meinem Rücken, wofür ich dankbar bin. Er weiß, wie es mir nach der Trennung von Yonny ging. Obwohl Yonny mich nie gut behandelt hat, hat mir die Trennung schwer zugesetzt.

Als die beiden Turteltauben endlich damit fertig sind, sich gegenseitig anzugurren, schaut Yonny auf und zuckt erstaunt zurück, als er mich sieht.

»Ollie«, sagt er und richtet sich auf, »ich habe dich gar nicht gesehen. Wie, äh, geht es dir?«

Hervorragend.

Ich sprudele förmlich über vor Euphorie.

Ich bin so ausgelassen, dass mein seelenloses Herz – wie Yonny es einst genannt hat – droht, in unzählige Splitter zu zerspringen.

»Super«, antworte ich lauter, als ich wollte. »Total super.«

»Hör auf, super zu sagen«, flüstert Ross.

Ich verziehe die Lippen zu einem Lächeln, reiße mich zusammen und sage: »Einfach wundervoll.«

Yonny zieht Candace näher an seine Brust, was ganz eindeutig ein Versuch ist, mich eifersüchtig zu machen.

Tja, da müssen Sie sich schon mehr anstrengen, Sir, denn Sie sind kein Preis, um den zu kämpfen es sich lohnt.

Und doch … obwohl ich weiß, dass er kein Preis, sondern ein Idiot ist, spüre ich, dass ich gleich etwas Dummes sagen werde. Irgendetwas, um vor diesem Mann, der mir mal erzählt hat, es wäre normal, dass er in seine Unterhose tröpfelt, das Gesicht zu wahren.

»Mir geht es sogar wahnsinnig gut«, fahre ich fort, weil ich das nicht oft genug betonen kann. Ich schiebe mir die Haare hinters Ohr. »Für mich läuft im Moment alles bestens. Dank Candace habe ich gerade den Auftrag meines Lebens bekommen, ich führe ein geniales Leben im Herzen von Vancouver, werde von den Sponsoren mit dem leckersten Essen verwöhnt und habe mit Abstand den besten Sex aller Zeiten.« Yonnys Augenbrauen sinken nach unten, was mich weiter anfeuert, denn nichts fühlt sich besser an, als zu sehen, dass dein Ex über deinen Erfolg nicht erfreut ist. »Ja. So viel Sex. Verrückten Sex. Sex, der mich zucken lässt, als hätte ich einen elektrischen Schlag in meine Va…«

»Einen Hauch Klasse bitte«, unterbricht Ross mich.

Okay, ich kann zugeben, wenn ich ein wenig aus dem Ruder laufe.

»Tja, das ist schön«, sagt Yonny, der sich sichtlich unbehaglich fühlt. Ja, gut so, geschieht dir recht. Hinterfrag alle deine Lebensentscheidungen.

»Das ist lustig«, wirft Candace mit einem schmierigen Grinsen ein. »Soweit ich gehört habe, hattest du keinen Mann mehr, seitdem Yonny sich von dir getrennt hat.«

Verdammter Büroklatsch.

Eines Abends habe ich mich betrunken und ein paar Mädels erzählt, dass bei mir den ganzen Sommer über nichts gelaufen ist. Und natürlich musste irgendjemand das an Candace weitertratschen. Wie macht sie das nur? Bezahlt sie die Leute für Informationen? Und ist ihre Währung Post-it-Zettel? Das würde ich ihr durchaus zutrauen. Sie ist rachsüchtig, Leute, und man legt sich besser nicht mit ihr an.

Und doch schrecke ich davor nicht zurück.

»Das ist noch ganz frisch«, sage ich. »Er ist sogar hier. Der Mann, dank dem ich viele schlaflose Nächte habe. Der Mann, der mich auf mehr als nur eine Weise ausfüllt. Der Mann, den ich absichtlich Daddy nenne, wenn wir vö…« Ross stößt mir den Ellbogen in die Rippen. Richtig. Ich räuspere mich. »Also … ja. Wie auch immer, ihr wollt euch beide vermutlich noch weiter in der Öffentlichkeit aneinander reiben, also werde ich mal …«

»Wo ist er?«, fragt Candace, und das herausfordernde Funkeln in ihren Augen verrät mir, dass sie mir kein Wort glaubt. Was für eine Bitch! »Ich würde ihn gern kennenlernen.«

Natürlich würde sie das.

»Äh, ja, das wäre schön, aber leider ist mein kleiner Kuschelhase sehr schüchtern.« Ich schenke ihr ein entschuldigendes Lächeln.

»Was machst du da?«, flüstert Ross, der eindeutig besorgt ist. Und dazu hat er jedes Recht, denn ich bin total durchgedreht.

»Oh, dessen bin ich mir sicher.« Candace verdreht die Augen. »So schüchtern, dass er gar nicht existiert.« Sie tätschelt Yonnys Brust. »Komm, gehen wir, ehe sie sich noch weiter demütigt.«

»Er existiert sehr wohl«, sage ich, während die Wut in mir hochkocht. Meine Stimme klingt so überzeugend, dass ich beinahe glaube, dass er wie durch Zauberhand von meiner Phantasie hervorgerufen und in diese Bar gepflanzt wurde.

Candace schaut über ihre Schulter. »Okay, Ollie. Genieß deinen Auftrag. Ich bin mir sicher, dass du das wunderbar machen wirst.« Ihr herablassender Ton treibt mich über den Abgrund, und ich spüre, wie ich förmlich wild werde.

Zähne gefletscht.

Nackenhaare gesträubt.

Augen blutunterlaufen.

Ohhhhhh nein. Sie wird nicht das letzte Wort haben. Nicht, wenn ich einen Freund vortäuschen muss, mit dem ich den besten Sex meines Lebens habe.

»Er ist sehr wohl hier. Und zwar genau da«, sage ich und richte den Blick auf den ersten Mann, den ich sehe. Und bevor ich mich zurückhalten kann, marschiere ich aufs andere Ende der Bar zu.

Nimm dich in Acht, fremder Mann, eine Wildkatze ist auf dem Weg zu dir!

2. KAPITEL

Silas

Silas: Habt ihr die Pressemeldung der Agitators gesehen?

Ich nehme meinen Scotch in die Hand, starre auf den Chat mit meinen Jungs und versuche, sie per Willenskraft dazu zu bringen, mir zu antworten. Ich bin total durcheinander.

In dem Moment, in dem die Pressemeldung reinkam, habe ich alles stehen und liegen gelassen, meine Schuhe angezogen und bin zur nächstbesten Bar gegangen, wo ich seitdem sitze und mich in dem elendigen Wissen suhle, dass das Universum so verdammt unfair ist.

Nein, nicht unfair. Einfach nur abgefuckt.

Mein Handy vibriert mit einer Nachricht.

Pacey: O Mann, Kumpel!

Pacey ist der Startorwart der Agitators. Letzten Sommer, als wir die spielfreie Zeit in meiner Hütte in Banff verbracht haben, hat er seine große Liebe kennengelernt. Winnie. Vor Kurzem hat er ihr einen Antrag gemacht, und sie hat Ja gesagt. Ich weiß nicht, wann genau die Hochzeit stattfinden wird, aber ich weiß, dass ihre ekelhaft süße Liebe in mir den Wunsch weckt, mich zu übergeben.

Pacey: Geht es dir gut?

Kopfschüttelnd antworte ich.

Silas: Nein. Mir geht es im Moment auf mehreren Ebenen nicht gut.

Hornsby: Warte mal … Sarah arbeitet jetzt für die Agitators? Wie kann das sein?

Eli Hornsby – Verteidiger, Schönling und derjenige, der Penny, Paceys Schwester, geschwängert hat. Ja … das ist ein etwas heikles Thema, doch wie es aussieht, ist am Ende alles gut geworden. Der Geburtstermin steht kurz bevor, und in den ganzen Jahren, in denen ich Hornsby kenne, habe ich ihn noch nie so beschützend gesehen.

Oh, und falls ihr seine Nachricht nicht mitbekommen habt, ja, meine Ex, die Frau, die mich zerstört hat, arbeitet jetzt in der Marketingabteilung der Agitators. Daher der Scotch in meiner Hand.

Posey: Warte mal … *zieht die Augenbrauen zusammen* Wie bitte?!

Levi Posey – innerlich ein Teddybär, auf dem Eis ein totaler Schläger – tut immer so, als wäre er der Unschuldige der Gruppe mit seiner Liebe zu Fleischwurstsandwiches und dem Drang, alten Damen über die Straßen von Vancouver zu helfen, obwohl er in Wahrheit der größte Frauenheld von uns allen ist.

Pacey: Meinst du, sie hat deinen Namen benutzt, um den Job zu kriegen?

Hornsby: Wehe, wenn sie das getan hat! Mit wem können wir darüber reden? Wie können wir dafür sorgen, dass sie gefeuert wird?

Posey: Man kann jemanden nicht wegen einer vergangenen persönlichen Beziehung feuern lassen.

Hornsby: Und ob man das kann, wenn die neue Angestellte Taters mentale Probleme bereitet! Ist nicht böse gemeint, Taters. Du weißt, dass ich recht habe.

Silas: Das hast du.

Holmes: Ich sehe das jetzt erst. Sarah arbeitet für die Agitators? Kumpel, geht es dir gut?

Halsey Holmes ist neben mir der schnellste Skater auf dem Eis. Er hat seinen Zwillingsbruder bei einem grauenhaften Autounfall verloren. Danach hat Halsey sich in sich zurückgezogen und sich ganz aufs Eishockey konzentriert. Zumindest bis zum letzten Sommer, als wir entdeckt haben, dass er auf Pennys beste Freundin Blakely steht. Das einzige Problem ist, dass Blakely total in ihren Freund verliebt ist. Ja, da hat er ein echtes Problem.

Silas: Ehrlich gesagt nicht. Ich meine, warum macht sie das?!

Hornsby: Ist das nicht offensichtlich? Um dir eins auszuwischen.

Pacey: Ich gebe es nur ungern zu, aber ich sehe das wie Hornsby.

Hornsby: Wie können wir sie loswerden?

Posey: Ich sag es gern noch mal: Wir können sie nicht loswerden. Ihr Privatleben hat mit den Agitators nichts zu tun.

Holmes: Ich sehe das wie Posey. Wir können nicht viel tun.

Hornsby: Redet doch nicht so einen Scheiß! Was ist damit, für unseren Kumpel einzustehen?

Silas: Ich weiß deine Bereitschaft, mit einem Bajonett am Ende deines Hockeyschlägers auf sie loszugehen, zu schätzen, aber sie haben recht. Wir können nichts dagegen unternehmen.

Ich lege mein Handy weg und trinke einen Schluck. Wir können wirklich nichts anderes tun, als zu hoffen und zu beten, dass ich nichts mit ihr zu tun haben werde. Und wie zum Teufel hat sie den Job überhaupt bekommen? Soweit ich weiß, verfügt sie über keinerlei Berufserfahrung. Stellen die Agitators jetzt schon jeden ein? Ich will ihre Referenzen sehen.

Nachdem ich getrunken habe, stelle ich das Glas vor mir auf die Theke. In dem Moment spüre ich eine Hand an meinem Rücken. Ich drehe mich um und sehe eine Frau, die sehr nahe an meinem Gesicht spricht, als würden wir uns bereits seit Jahren kennen.

»Ich heiße Ollie. Ich stecke gerade in der Klemme, und es tut mir unglaublich leid, aber ich werde dich nun küssen, weil ich vor meinem Ex-Freund das Gesicht wahren muss, der inzwischen mit meiner Erzfeindin zusammen ist. Wenn du mich nicht in den nächsten drei Sekunden aufhältst, tue ich es.« Sie sagt das so schnell, dass ich sie kaum verstehe.

Ich drehe den Kopf ein wenig und erhasche einen Blick auf dichte, wellige kastanienbraune Haare und roten Lippenstift, und dann sind ihre Lippen auch schon auf meinen und ihre Hand geht zu meinem Hinterkopf.

Wow, was passiert hier gerade?!

Sie hat mich eiskalt erwischt, aber es dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, bis das Gefühl ihrer weichen, vollen Lippen auf meinen mich dazu bringt, dass ich mich weiter zu ihr drehe und meine Hand an ihre Hüfte lege.

Für einen kurzen Moment bin ich sprachlos, werde in eine andere Welt transportiert, in der Sarah nicht existiert und meine Sorgen nicht vorhanden sind. Stattdessen verliere ich mich in den perfektesten Lippen, die ich je gekostet habe.

Wie von selbst krallen sich meine Finger fester in ihre Hüfte, während sie mit meinen Haaren spielt. Sie kommt näher und öffnet den Mund ein wenig. Ich tue es ihr gleich. Ihre Hand geht zu meiner Brust. Verdammt, diese Frau schmeckt gut! Nach Tequila und nach mehr.

Gerade als ich sie noch näher an mich ziehen will, zieht sie sich zurück und flüstert an meiner Wange: »Bitte spiel für einen Augenblick meinen Freund. Außerdem habe ich mit dir den besten Sex meines Lebens.«

Ich muss grinsen. »Wahnsinn, und ich musste nicht mal etwas tun, um diesen Titel zu verdienen!« Ich sehe, dass sie über ihre Schulter schaut, und sage schnell: »Ich bin Silas.«

»Schön, dich kennenzulernen«, erwidert sie, ehe sie sich umdreht und sich gegen mich sinken lässt. Ich lege einen Arm um sie und ziehe sie zwischen meine Beine. Keine Ahnung, warum ich mitspiele. Vielleicht bin ich ein wenig betrunken von dem Kuss … und dem Scotch. Doch ich halte still und warte auf das, was kommen mag.

Drei Leute nähern sich uns. Das müssen die Übeltäter sein.

Die Frau hat einen schockierend missmutigen Blick.

Ihr folgt ein schlaksiger Mann mit einer stark ausgeprägten Zornesfalte.

Der andere Mann blinzelt einfach nur … als würde er nicht ganz verstehen, was er da sieht.

Wenn ich raten müsste, würde ich sagen, dass die Zimtzicke und der Schlaks die Leute sind, vor denen Ollie – so heißt sie doch, oder? – das Gesicht wahren will. Der Blinzler scheint ein Freund zu sein.

»Seht ihr, ich habe euch doch gesagt, dass er hier ist«, sagt Ollie und legt ihre Hand auf meine. »Er ist bloß schüchtern, mehr nicht.«

Äh, schüchtern? Eigentlich nicht, aber ich spiele mit.

Ich nicke den dreien zu, ohne etwas zu sagen.

»Äh, ich … ich weiß nicht, was ich sagen soll«, stottert die Frau.

»Du … du bist mit Silas Taters zusammen?«, fragt der Schlaks. Ehrlich gesagt bin ich geschockt, dass er so lange gebraucht hat, um den Mund aufzumachen.

»Ach, ihr kennt euch?«, fragt Ollie, die eindeutig keine Ahnung hat, wer ich bin.

»Jeder kennt Silas Taters«, sagt der Schlaks.

Tja, eindeutig nicht jeder.

»Ich … ich freu mich, dich kennenzulernen«, sagt der Schlaks und hält mir die Hand hin.

Aus Respekt vor meinem Image ergreife ich sie und schüttle sie fest. »Danke. Die Freude ist ganz meinerseits.«

Ich spüre, wie Ollie sich versteift. Vermutlich fragt sie sich, was hier los ist und woher ihr Ex mich kennt, also beschließe ich, ihr ein wenig auszuhelfen.

»Ollie und ich reden nicht viel über Eishockey …« Ich überlasse es ihnen, die Leerstellen zu füllen.

Die Zimtzicke verengt die Augen. »Warte mal, wenn du mit einem Eishockeyspieler zusammen bist, wieso hast du dich dann so über deinen Auftrag aufgeregt?«

Hm, ich frage mich, um was für einen Auftrag es sich handelt. Außerdem bin ich neugierig, warum Ollie und die Zimtzicke Erzfeindinnen sind. Wer hat den ersten Schlag ausgeteilt? Wer hat wem geschadet? Ging es um den Ex-Freund? Ich will nicht gemein sein, aber er sieht mir nicht nach einem Preis aus, um den man sich streitet.

»Äh, das hat er doch gerade gesagt. Wir reden nicht viel über Eishockey«, antwortet Ollie, und ich bin von ihrer Schlagfertigkeit beeindruckt. »Und ganz sicher will ich ihn mit so etwas nicht belasten.«

Ich ziehe sie noch fester an mich und streiche mit dem Daumen über ihren Bauch. Der Blick des Schlakses folgt der Bewegung. Ha, der Typ zeigt Anzeichen von Eifersucht, also hoffe ich wirklich, dass ich Ollie hiermit helfe.

Und um in der Rolle zu bleiben, sage ich leise: »Du kannst mich gern belästigen, Babe.«

Sie dreht sich ein wenig in meine Richtung und legt die Hände an meine Wangen. »Danke«, sagt sie, und erneut berühren ihre weichen, köstlichen Lippen meine, als sie mir einen sanften Kuss gibt. Er ist bloß kurz, aber verdammt süß. Ich könnte diese Frau durchaus mehr küssen. Dazu müsste sie mich nicht mal bitten, etwas vorzuspielen.

»Tja«, schnaubt die Zimtzicke, »wir sollten dann mal los. Wir haben noch was vor.«

»Ja, okay«, sagt der Schlaks, ohne den Blick von meiner Hand, die noch immer auf Ollies Bauch ruht, zu lösen.

»Viel Glück mit deinem Auftrag! Ich glaube, das wirst du brauchen«, sagt die Zimtzicke noch schnell, ehe sie den Schlaks umdreht und ihn in Richtung Tür schiebt.

Sobald sie außer Sicht sind, dreht Ollie sich vollständig zu mir um. Die Dankbarkeit steht ihr ins Gesicht geschrieben. Und verdammt … sie ist wunderschön! Aber mir ist nur ein kurzer Blick gegönnt, bevor sie mich fest umarmt und ihre Brüste gegen meinen Oberkörper presst. »O mein Gott, vielen Dank! Du hast mich gerettet.«

Da ich nicht weiß, was ich sonst tun soll, erwidere ich die Umarmung.

Als Ollie sich nach ein paar Sekunden zurückzieht, schaue ich sie genauer an.

Zierlicher, trainierter Körper. Ziemlich große Oberweite für ihre Größe. Wunderschöne lange Haare, die von Natur aus wellig zu sein scheinen. Mandelförmige Augen und volle Lippen. Sie ist eine absolute Traumfrau.

»Äh, ja, freut mich, dass ich helfen konnte.«

»Was zum Teufel ist hier los?«, fragt der Freund, der jetzt näher tritt. »Was war das, Ollie?«

Ollie beißt sich auf die Unterlippe und wirkt unglaublich verlegen. »Ich habe eine Gelegenheit ergriffen, die sich zu meinem Glück ausgezahlt hat.«

»Ihr kennt euch also gar nicht?«, fragt der Freund.

Sie schüttelt den Kopf. »Nein.«

»Ich habe sie noch nie zuvor gesehen«, füge ich an.

»Tja, ihr habt mich echt überzeugt. Ich dachte, du würdest etwas vor mir verheimlichen, Ollie.«

Leise lachend schüttelt sie den Kopf. »Nö. Er ist bloß ein dahergelaufener Fremder.«

»Verdammt!«, sagt der Typ noch mal und rauft sich die Haare.

Ja, verdammt trifft es genau.

Allein von dem Kuss und der Art, wie sie sich an mich geschmiegt hat, hätte ich mich selbst davon überzeugen können, dass wir zusammen sind. Ich gebe es nicht gern zu, aber für einen Moment hat es sich gut angefühlt, wieder von jemandem gebraucht zu werden. Jemanden zu haben, der mich berührt, sich an mich kuschelt, mich wie den seinen behandelt.

An mich gerichtet sagt Ollie nun: »Tja, ich lasse dich dann mal wieder deinen Scotch trinken. Nochmals vielen Dank! Ich kann dir gar nicht sagen, was für einen großen Gefallen du mir gerade getan hast. Dafür bin ich dir wirklich dankbar.« Damit nimmt sie ihren Freund am Arm und wendet sich zum Gehen.

Ich bin mir nicht sicher, was mich da überkommt.

Vielleicht ist es der Kuss.

Vielleicht ist es der Gedanke daran, dass ich Sarah in meinem Heiligtum sehen werde.

Oder vielleicht ist es auch der Scotch.

Bevor ich mich zurückhalten kann, sage ich jedenfalls: »Du bist mir was schuldig.«

Sie hält inne und sieht mich über ihre Schulter an. »Was?«

Ich nehme mein Glas und führe es zum Mund. Über den Rand hinweg wiederhole ich: »Du bist mir was schuldig.« Ich trinke einen Schluck. »Ich habe dir einen Gefallen getan, also finde ich, dass du mir auch einen tun solltest.« Ich trete mit dem Fuß gegen den Barhocker neben mir. »Setz dich.«

Ihr Blick schießt zum Hocker und wieder zu mir. »Wenn du glaubst, dass ich mit dir schlafe, bist du schief gewickelt.«

»Ich will nicht mit dir schlafen«, sage ich, obwohl der Gedanke sehr verlockend ist. Es würde mir nichts ausmachen, diese Lippen noch mal zu kosten.

Ihr Freund beugt sich zu ihr vor, und auch wenn er versucht, leise zu sprechen, höre ich ihn. »Ich glaube, du solltest ihm zuhören. Er hat gerade zugelassen, dass du ihn mit deinen Lippen sexuell belästigst.«

»Hey, ich habe ihm drei Sekunden gegeben, um Nein zu sagen. Das war keine sexuelle Belästigung. Der Kuss war doch einvernehmlich … oder?«, fragt sie mich und verzieht das Gesicht.

Ich nicke. »Das war er.«

»Siehst du? Einvernehmlich. Alles gut.« Sie zeigt auf mich. »Wenn du uns jetzt entschuldigen würdest, wir müssen heute Abend noch das ein oder andere Glas trinken, und ich bin mir sicher, du auch. Hab noch einen schönen Abend.«

»Setz dich«, wiederhole ich mit festerer Stimme, was sie erneut innehalten lässt.

Langsam dreht sie sich zu mir herum. »Äh, wie bitte?«, fragt sie, und Feuer flammt in ihren Augen auf. »Hast du gerade versucht, deine Starke-Helden-Stimme bei mir zu benutzen?«

»Starke-Helden-Stimme? Was zum Teufel ist das?«

»Ich glaube, im Gegensatz zu dir liest er keine Liebesromane«, sagt ihr Freund. »Und er hat recht. Du bist ihm was schuldig.«

»Ross, auf wessen Seite stehst du eigentlich?«, fragt Ollie und wirft die Hände in die Luft.

Ah, der Typ heißt Ross.

Und wow, er sieht auch wie ein Ross aus! Der Name passt perfekt zu ihm.

»Auf deiner, Ollie. Aber er hat recht. Du schuldest ihm was. Also solltest du dir zumindest anhören, was er zu sagen hat.«

»Und was ist, wenn er ein Sittenstrolch ist? Du lässt mich einfach neben einem Sittenstrolch sitzen?«

»Wenn hier einer ein Sittenstrolch ist, dann du«, sage ich. »Du bist immerhin diejenige, die mich geküsst hat.«

»Ach, komm schon«, stößt sie genervt aus. »Du hast den Kuss erwidert, also tu nicht so, als hätte dir das nicht gefallen.«

Ross, der einen klaren Verstand zu haben scheint, sagt: »Er ist Eishockeyspieler. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er seinen Ruf nicht riskieren und dich unsittlich berühren wird.«

»Er will, dass du das denkst«, sagt Ollie in einem schwachen Versuch, sich zu wehren. Als Ross sie nur ansieht, stöhnt sie frustriert auf. »Na gut.« Sie wirft die Hände in die Luft. »Aber ich stimme gar nichts zu.« Sie lehnt sich vor, so dass unsere Gesichter bloß wenige Zentimeter trennen, und sagt: »Hast du das gehört? Ich stimme hier nichts zu.«

Widerstrebend setzt sie sich auf den Hocker und knallt ihre Clutch auf die Theke. Mit vor der Brust verschränkten Armen dreht sie sich zu mir, was ihre Brüste nur noch mehr betont.

»Tja, ich lass euch beide dann mal allein«, sagt Ross und zieht sich langsam zurück.

»Warte mal. Du willst schon gehen?«, fragt Ollie. »Du kannst mich nicht mit diesem Typen allein lassen. Nach allem, was wir wissen, könnte er ein Mörder sein, der bloß darauf wartet, mich zu betäuben und in seine Höhle zu schleppen, wo er meine Körperteile auf dem Schwarzmarkt verkaufen wird.«

Erst ein Sittenstrolch, jetzt ein Mörder. Sie hat definitiv eine hohe Meinung von Männern, die ihr helfen.

»Und doch … hast du mich geküsst«, sage ich.

»Aus purer Verzweiflung. Du hast die Fassungslosigkeit in Candace’ Augen gesehen. Ich musste sie in ihre Schranken verweisen.«

»Ich bin da drüben«, sagt Ross und zeigt aufs andere Ende der Bar.

Ollie schaut in die Richtung. »Oh, in der Nähe von Fernando aus der Buchhaltung? Dem Typen, für den du den ganzen Sommer über geschwärmt hast?«

Ross sieht schuldbewusst drein. »Er hat die drei obersten Hemdknöpfe geöffnet. Das heißt, er ist heute Abend eindeutig bereit für etwas Aufmerksamkeit.«

»O Mann!« Ollie massiert sich den Nasenrücken. »Na gut, geh flirten. Aber du verlässt die Bar nicht, bis ich vor diesem Herrscher der Finsternis sicher bin.«

»Herrscher der Finsternis?«, frage ich. »Herrgott!«

»Also wirklich. Kannst du nicht einfach ein barmherziger Samariter sein und einer Jungfrau in Nöten helfen, ohne etwas im Gegenzug zu verlangen? Was ist nur aus den edlen Rittern geworden?«

»Gleiches Recht für alle. Das ist daraus geworden«, gebe ich zurück.

»Männer.«

»Also«, fragt Ross und wippt auf den Fersen, »kann ich gehen?«

»Ja, geh. Aber lass mich nicht zurück.«

»Das werde ich nicht.« Er gibt Ollie einen Kuss auf den Scheitel und verschwindet, womit ich allein mit dieser verdrossenen Frau mit den wunderschönen Lippen zurückbleibe.

»Okay, hier bin ich. Was willst du?«, fragt sie leicht schnippisch.

Ja, was willst du, Silas?

Ich bin mir nicht sicher. Ich weiß nur, dass ich sie nicht einfach gehen lassen konnte, nachdem mir klar wurde, dass ich sie genauso benutzen kann, wie sie mich benutzt hat.

Um mir Zeit zu verschaffen, mich zu sammeln, frage ich: »Möchtest du was trinken?«

»Ehrlich gesagt ja. Eine Margarita on the Rocks ohne Salz.«

Das kriege ich hin. Mit einem Nicken mache ich den Barkeeper auf uns aufmerksam. Ich bestelle die Margarita und bitte um einen weiteren Scotch für mich. Während der eingeschenkt wird, will ich wissen: »Möchtest du dich mir richtig vorstellen?«

»Wenn es sein muss.« Sie streicht über den Saum ihres Kleides, der beim Überschlagen ihrer wohlgeformten Beine bis zur Mitte ihrer Oberschenkel hochgerutscht ist. Ein Blick auf ihre geraden Schultern, die schmale Taille und die muskulösen Beine verrät mir, dass sie Sport treibt. »Ich bin Ollie Owens. Ich hasse die Frau, die eben hier war. Sie ist eine Klugscheißerin und außerdem sauer auf mich, weil ich einen ihrer Post-it-Zettel benutzt habe. Und ich glaube, aus Rache hat sie entschieden, mit meinem Ex zusammenzukommen, über den ich allerdings schon längst hinweg bin. Nur damit du das weißt. Es gibt nichts Besseres, als sich von dem Typen zu befreien, der im Schlafzimmer wie ein toter Fisch war.«

Ich nicke. »Und was ist das für ein Auftrag, von dem sie gesprochen hat?«

Ollie verdreht die Augen in dem Moment, in dem der Barkeeper unsere Drinks vor uns hinstellt. Ich bedanke mich und trinke einen Schluck.

»Das ist bloß der dumme Abschlussartikel, den ich schreiben muss, um den Schein für mein Praktikum zu kriegen.«

Beinahe hätte ich mich an meinem Drink verschluckt, der mir nun brennend die Kehle hinunterrinnt. Nachdem ich ein paar Mal gehustet habe, frage ich: »Praktikum? Du bist noch auf dem College?« Als sie nickt, murmle ich: »O Gott, bitte sag mir, dass du schon volljährig bist!«

Sie kneift die Augen zusammen. »Natürlich bin ich volljährig. Das sind alle Collegestudenten, du Knallkopf!«

Ha … sie hat recht. Das sind sie.

»Wie alt bist du?«

Sie legt den Kopf schief. »Einundzwanzig. Und du?«

»Einunddreißig«, antworte ich.

»Du bist schon über dreißig?!«

»Es ist ja nicht so, als hätte ich gesagt, ich wäre sechzig«, gebe ich angespannt zurück.

»Trotzdem … über dreißig … das ist so alt.«

»So alt nun auch wieder nicht!«, gebe ich zurück. Obwohl ich langsam anfange, die langen Abende auf dem Eis zu spüren.

»Trotzdem. Zehn Jahre Altersunterschied? Das bedeutet, als ich geboren wurde, hattest du schon die Grundschule hinter dir. Du hättest mein Babysitter sein können. Du bist ein Jahrzehnt älter als ich. Das ist fast eine ganze Generation. Igitt, ich habe einen alten Mann geküsst.«

»Du hast einen erfahrenen Mann geküsst«, verbessere ich sie leicht gereizt. »Das ist mehr, als ich über deinen Ex sagen kann, der aussieht, als würde er samstagmorgens immer noch Rugrats gucken.«

»Was ist Rugrats?«

»Um Himmels willen!«, stoße ich aus und fahre mir mit der Hand übers Gesicht. »Also, was machst du noch auf dem College? Deinen Master?«

»Nein, einen Bachelor in Journalismus. Ich bin im letzten Jahr.«

Mein Gott!

Sie ist so jung.

So verdammt jung, dass ich weiß, meine Jungs würden mich fragen, wieso ich überhaupt mit ihr rede. Sie würden mich so fertigmachen, wenn sie hiervon wüssten.

»Deinen Bachelor.« Ich nicke und versuche, mich davon zu überzeugen, dass sie zu jung ist und ich sie einfach ihrer Wege schicken sollte. Aber als mein Handy mit einer eingehenden Textnachricht piept, werde ich wieder an mein Dilemma erinnert.

Sarah.

Sarah ist wieder in meinem Leben, obwohl ich sie da nicht haben will.

»Du hast also einen Auftrag?«, frage ich, bevor ich einen Schluck trinke, um meine Sorgen hinunterzuspülen.

»Ja. Das ist der Artikel, den wir schreiben müssen, um den entsprechenden Schein zu kriegen. Candace durfte die Themen verteilen, und wie du dir vorstellen kannst, hat sie mir mit Absicht Eishockey zugeteilt, weil sie weiß, dass ich keine Ahnung von dem albernen Sport habe.« Ah, sie ist nicht gut darin, die Stimmung im Raum zu erfassen, doch das ist in Ordnung. »Ich hoffe, ihr fallen die Zähne aus.«

Ich lache in mich hinein. »Ich könnte dir damit helfen, weißt du? Also, da ich Eishockey spiele und so.«

»Ja, aber wie viel Erfahrung hast du wirklich?«, fragt sie.

»Ziemlich viel. Es ist mein Job.«

»Dein Job? Du bist Eishockeyprofi? Ich dachte, du wärst nur irgendein Spieler in einem lokalen Club oder so.«

Ich nicke langsam. Während meiner Zeit als Eishockeyprofi habe ich noch nie jemanden kennengelernt, der nicht wenigstens mein Gesicht wiedererkannt oder meinen Namen gehört hat. Beides ist in ganz Vancouver plakatiert.

»Ich spiele für die Vancouver Agitators.«

Ihre Augen weiten sich leicht, dann mustert sie mich einmal langsam von Kopf bis Fuß. »Die echten Agitators?«

»Ja, die echten Agitators.«

Sie verzieht den Mund. »Beweis es.«

Schwer seufzend nehme ich mein Handy, ignoriere die Nachrichten von meinen Jungs und tippe meinen Namen in die Suchmaschine ein. Als die Ergebnisse auf dem Display auftauchen – mein Gesicht und die Infos auf Wikipedia als Erstes –, drehe ich das Handy so, dass Ollie es sehen kann.

Sie nimmt es mir ab und liest. Ihr Blick schießt zu mir und wieder zum Handy. Wieder zu mir und zurück zum Handy.

»Du hast längere Haare«, sagt sie.

»Das kommt daher, dass Haare wachsen.«

»Auf diesem Foto hast du keine Stoppeln.«

»Für irgendetwas müssen Rasierer ja gut sein.«

Sie verengt die Augen. »Ich sehe auf diesem Bild keine Tattoos.«

»Weil sie abgedeckt wurden. Mein Gott!« Ich nehme ihr das Handy ab. »Willst du wirklich so schwierig sein?«

»Entschuldige bitte, dass ich sichergehen will, dass du nicht irgendein Nachahmer bist, der versucht, Frauen mit der falschen Identität irgendeines armen Kerls zu ködern, der sich seinen Lebensunterhalt mit Eishockeyspielen verdient.«

»Armer Kerl?«, frage ich. Unerhört, wie frech diese Frau ist! »Ich habe Millionen auf dem Konto, die beweisen, dass ich kein armer Kerl bin. Außerdem bist du auf mich zugekommen. Du hast mich geküsst. Also warum muss ich mich hier verteidigen?«

»Weil man heutzutage niemandem mehr trauen kann«, antwortet sie, bevor sie einen Schluck von ihrer Margarita trinkt.

»Hm, und wieso sollte ich dir vertrauen?«

»Oh, das kannst du nicht.« Sie schüttelt den Kopf und stellt ihr Glas ab. »Ich bin eine tickende Zeitbombe. Glaub mir, morgens bin ich besonders kratzbürstig, vor allem, wenn ich am Abend zuvor getrunken habe. Ich neige dazu, mich mehr auf meine Bedürfnisse zu konzentrieren als auf die von anderen, und auch wenn ich sage, dass ich etwas nicht will, will ich es insgeheim doch. Ich bin überhaupt nicht vertrauenswürdig, also wenn wir hier dann fertig sind, werde ich mich zu meinem Freund zurückziehen und gucken, wie es mit seinem Ziel aussieht, heute Abend noch auf Fernandos Penis zu sitzen.«

Sie will aufstehen, aber ich halte sie mit einer Hand auf dem Oberschenkel zurück. »Nicht so schnell. Du kannst mich mit deinem Unsinn nicht verschrecken.«