Russisch Briederchän. Erzählungen Band 4 - Walter Stallinger - E-Book

Russisch Briederchän. Erzählungen Band 4 E-Book

Walter Stallinger

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Beschreibung

Bruder, der „große Bruder“, welcher die Zwangsfamilie Sozialistisches Lager dominierte, hier vom Autor WALTER STALLINGER als kritisch – satirische Reminiszenz im Titel seiner neuesten Sammlung anekdotenhafter Erzählungen gewählt. Wen streifte nicht das Bonmot: „Ist die Sowjetunion(von der ideologisch bedingten grammatikalischen Geschlechtsumwandlung möge abgesehen werden)eigentlich unser Freund oder Bruder?“ Die schlagfertige Antwort der gelernten DDR – Bürger, die stoisch dem Alltag trotzten, hatte zu lauten: „Sie ist nur unser Bruder, denn Freunde kann man sich aussuchen!“(Lachen, Beifall, Hurra-Bekundungen, Unkenrufe und vielleicht eine Lokalrunde!) „Schillerte“ da aber nicht auch Utopismus durch, a la „Alle Menschen werden Brüder!“, ein Stück, welches in eine annehmbar verträgliche Tonart zu transponieren noch aussteht. Steigen Sie selbst ein in das Arsenal der stallingerschen Figurenwelt: Aufschneider, Neureiche, Hochstapler(vormals verbreiteten sie ihre sogenannte Weltanschauung, heute das zusammen geraffte Geld), aber besonders beeindruckte mich das Schicksal des Gotteslästerers im finnischen Kriegsgefangenenlager, eine neue beeindruckende Farbe in der Palette des Autors. Die Tetralogie – Erzählungen, vom Autor wohl der praktischen Handhabbarkeit wegen als „Tetra – Pack“ bezeichnet, liegen vor. Vier Bände eines angenommenen Metiers, deren Geschichten aufschlagbar, nacherlebbar, annehmbar oder kontrovers disputierbar, füllbar mit eigenen Begebenheiten dargeboten werden. Man greife zum schmackhaften »RUSSKI CHLEB – RUSSISCH BROT“, 2004, ziehe die Neuflagge des Staatsgebiet – Restes vom ehemaligen Weltimperium Sowjetunion hoch: »RUSSISCH WEISS – BLAU – ROT«, 2005, steige ein in die kollektiv gewollten Marschtrittrhythmus – Erzählungen »RUSSISCH RAS – DWA – TRI«, 2006, und sinniere nach beim gebrannten Wässerchen, dem freundschaftsstiftenden Obligatgetränk Wodka, über das »RUSSISCH BRIEDERCHÄN«, wiederum erschienen 2006. Lesen Sie die Geschichten, lassen Sie sie liegen und erzählen Sie diese dereinst Ihren Kindern, Enkeln, Urenkeln! Es war UNSERE Zeit und etwas von fast jedem von uns steckt darin in diesem köstlichen Zirkus »Leben«, für dessen Dramaturgie sich im Nachhinein niemand verantwortlich erklärte, dessen undurchschaubares, hier von Walter Stallinger partiell nachskizziertes Geschehen oft spontan von UNS gestaltet wurde, reagierend und manchmal auch agierend. Viel Spaß beim Lesen, beim Weitermachen und Lachen! Lutz Nitzsche Kornel Leipzig, im Juni 2006

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Seitenzahl: 106

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Walter Stallinger

Russisch Briederchän

Erzählungen Band 4

Engelsdorfer Verlag

Copyright (2012) Engelsdorfer Verlag

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de

Inhalt

Nur wegen der Leut’
Abenteuerliches am Kamin
Au weia Vai!
Chastu dschinsi?
Da biste platt!
Das Märchen vom Wulfi und dem armen Lazar(us)
Der alte Finne und die Russen
Die Club rauchende Ziege
Die Jagdsaison ist eröffnet
Feuerlocke
Frischfleisch
Italmas
ITEM
Kanonade
Kartoffelschäler
Mein Flugversuch
Mitte 1990 in der mittleren Stadt Irbit am Fluss Niza in Westsibirien
Rotsektparty
Russen in Rotterdam
Sockig
Trio auf der Bühne
Tula-trulla-trallala...
»Waibi’s« im Rossija
Zwei kurze Anmerkungen
Südamlik tere tulemast Eesstisse !
Tallinn 1988
Tutvumine Vaatamisväärsustega...
Palun liha!
Kuidas söita Hiiumaa?
Wie kommt man nach Hiiumaa?-
Die »singenden« Revolutionäre
Juuta auf Einkaufsfahrt 1989
Was noch zu sagen wäre...

Nur wegen der Leut’

eigentlich auch nicht, obgleich die Hörer und Leser meinten, es wäre alles sehr anregend, unterhaltsam und gar nicht so stachelig geschrieben.

Also ein winzig-klein Stückchen auch wegen mir habe ich den vierten und letzten Band dieser Art Geschichten verfasst. Was mich dazu veranlasste? Vor allem die Neugier. Jene Art von Neugier, die in der indirekten Frage gipfelt, ob es nicht noch andere gibt, die sich erinnern und ob es nicht auch solche gibt, die wissen wollen, wie das damals war...

Deshalb war ich immer aufs neue erfreut, wenn sich unter die erfahreneren Hörer in Bibliotheken, Bürgersälen oder Buchhandlungen auch zunehmend jüngere Generationen »einmischten«.

Vielleicht auch darum, weil ich mir Mühe gab, in den Geschichten keine historischen Aufarbeitungen(seien es leidvolle Klagen, gehässige Anklagen oder schadenfrohe Schuldzuweisungen) vorzunehmen.

Ein wenig Spott und Ironie hat noch niemandem geschadet, es sei denn, da existierten irgendwo, aber solche Personen lesen kaum und meine Bücher gleich gar nicht!

Vielleicht bleiben Sie sogar mein Leser und fragen nach, ob es noch was anderes von mir gibt. Man kann ja nie wissen...

Ganz in solcher Absicht wünsche ich wieder viel Vergnügen!

Ihr Autor (manchmal mit, manchmal ohne Auto)

Walter Stallinger

Abenteuerliches am Kamin

Er war ein liebenswerter Schelm. Durch die DDR hatte er sich mit Glück, Geschick und bescheidener Freundlichkeit geschlängelt. Unauffällig, aber aufmerksam in allen Lebenslagen. Sein persönliches »Päckchen« verstand er mit Charme zu tragen und, zugegeben, es war auch nicht sehr schwer.

Eine ebenso bescheidene und auch kluge Partnerin gefunden, wie ein kaukasischer Dichter sagt, Söhne gezeugt, ein Haus (aus-) gebaut und viele Bäume gepflanzt, konnte er außerdem auf ein zuweilen turbulentes Leben zurück schauen, ohne dabei seinen Schalk zu verlieren.

So verstand er es einmal einer ganzen Gesellschaft von mittel-, zum Teil hochgebildeten Lehrern begreiflich zu machen, dass zu einem Substantiv namens Mutation nur das Verb »mutardieren« gehören kann. Als nach geraumer Zeit die Wahrheit herauskam und »mutieren« als grammatisch richtig erkannt werden musste, da sprachen besagte Kindererzieher und –lehrer jahrelang kein Wort mehr mit ihm, übersahen sogar seinen freundlichen Gruß auf den Plätzen und Straßen der Stadt. Dieser Schelmenstreich wurde ihm wohl nicht vergeben!

Einer weiteren Gesellschaft aus anderem Anlass stülpte er mit größter Überzeugungskraft »übersehene historische Zusammenhänge« über die aufmerksam lauschenden Köpfe.

Deutschland vor 1914, so trug er vor, hatte in Afrika nicht nur ein südwestliches, ein südöstliches Kolonialgebiet erobert, erhandelt, erschwindelt oder ergaunert, sondern besaß neben dem bekannten Togo und Kamerun auch jenes Fleckchen Erde, welches sich heute Burundi nennt. Geschickt tauschte er die Absicht in eine Wirklichkeit um, tat niemandem weh und seine Vortragsweise überzeugte selbst Besserwissende, dass diese aus der ihnen eingeredeten Unsicherheit alles zugaben oder schwiegen.

Nur einmal stießen seine wundersamen Geschichten auf einen großen Widerspruch.

Die Geburtstagsrunde nahm es als sehr wahrscheinlich hin, dass er seine Freunde in der Stadt Ordshonikidse, dem heutigen Wladikawkas, im Trabi besuchte, man nahm es auch hin, dass er einen »propusk«, einen Erlaubnisschein mit nicht wie üblich angegebener Meldepflicht bekommen hatte, und dass auch keine Marschroute vorgeschrieben war (so war es nicht üblich im Jahre 1976 in der Sowjetunion). Glaubhaft und nachvollziehbar auch seine Schilderung von den beiden gewaltigen Bergriesen, dem Elbrus und dem Kasbek, wo er sich zum ersten Mal sehr klein vorkam. Die Beschreibung der Wegstrecke durch den Nordkaukasus vermittelte den Zuhörern eine grandiose Fülle von Eindrücken.

Selbst im Jahre 2006, gemütlich am Kamin seines mit viel Fleiß verschönten Hauses sitzend, kroch da und dort ein wenig Gänsehaut herbei, wenn er die rauen Sitten der Gastfreundschaft beschrieb, nach denen besonders er zur Vernichtung von alkoholischen Getränken ausersehen worden war.

Deshalb trinke er heute auch so sehr in Maßen. Prost!

Nur eines wollte den Zuhörern partout nicht in den Kopf. Dieser Schalk gab nämlich zum Besten, wie er von einem Freund seines Freundes, der nebenbei als Bergführer auftrat, in die Nordossetischen Berge geführt wurde. Zwei oder vier Stunden mit einem Jeep der Sowjetarmee in die Nähe des Passes Mamisonskij gefahren, dann noch eine gute Stunde berggewandert und alle standen unvermittelt in einer geräumigen Höhle. An den Wänden der Höhle erblickte man im Licht der Taschenlampen eigenartige Malereien. Sie sahen aus, wie primitive Wegstrecken, die mit unbekannten Symbolen markiert waren. Vom Bergführer, so betonte er nachhaltig und ernsthaft, erfuhren sie dann die folgende Geschichte:

Vor langer, langer Zeit wurden in dieser Höhle die letzten Ostgoten auf dem Kaukasus gefangen genommen und von den Alanen, die damals hier lebten, in die Sklaverei verkauft. Der letzte Häuptling hätte Goticus geheißen oder vielleicht Germanicus? Er habe sich nicht ergeben und in die tiefsten Tiefen der beinahe unergründlichen Höhle zurück gezogen und ist nie mehr gesehen worden.

Nur der herabstürzende Wasserfall wisse die Wahrheit. Und jetzt kam der Clou des Ganzen: die Osseten, egal, ob nördliche oder südliche, leiten den Ursprung ihres Namens von den Ostgoten ab!! Und das geht so, imitierte der Erzähler den ominösen Bergführer: Os – si –got – get – et – osset – Osseten!

Man lauschte wie erstarrt den Worten des liebenswürdigen Erzählers. Ob er selbst diese Erklärung glaubte, das sagte er nicht. Möglich, dass er später in allen verfügbaren Geschichtsbüchern nachschlug, sich dann aber mit der weit interessanteren Bergführergeschichte zufrieden gab.

Einem gelang das nicht. Der stellte fest, dass die östlichen Goten auch beim besten Willen nur bis in die Nähe der Krim gekommen sein konnten, bevor sie mit anderen Völkerschaften gen Westen zogen und später nach Italien gelangten Das Ende dieses einst mächtigen Germanenstammes ist in Italien und auch in Russland sehr nebulös. Irgendwann um 1860 starb jedenfalls der letzte Mensch auf der Halbinsel Krim, der noch Gotisch sprechen konnte. Selten ist eine so wunderbare Verquickung von wahrer und erdachter Historie gelungen, die keinem geschadet hat und alle vergnügte – am Kamin!

Ein gutes Blatt Geschichte ist mehr als tausend Gedichte.

(Viktor von Scheffel)

Au weia Vai!

Es war ein sogenannter runder Geburtstag, zu dem wir uns selber eine Kreuzfahrt in der Ägäis mit einem Aufenthalt auf der Insel Kreta geschenkt hatten. Und genau auf Kreta, im Osten findet man Vai, die kleine Halbinsel der großen Insel, mit Palmen, weißem Sandstrand, dem blau-grünen Wasser und dem ständig wehenden leichten Wind aus der Levante, dem östlichen Teil des Mittelmeeres.

Nicht umsonst lieferte Vai den Hintergrund für die bekannte Bacardi-Werbung!

Als wir 1993 dort einen Badetag zubrachten, fiel uns aber noch etwas anderes auf. Nach der Wende in der Sowjetunion 1992 war es zunehmend Gewohnheit geworden, überall in den Urlaubsorten junge Leute anzutreffen, die kaum die Landessprache beherrschten, aber die gewohnten Verhaltensweisen aus Samara, Archangelsk, Irkutsk oder Chabarowsk an den Tag legten. Mit großen Mengen Dollars ausgestattet, überschwemmten sie St. Moritz in der Schweiz, Monaco, die Balearen und Kanaren ebenso wie den Schwarzwald, Rimini und auch Kreta. Nichts gegen solche Leute, aber alles gegen das mitgenommene Gebaren! Bei den Engländern gibt es ein treffendes Sprichwort: Bist du in Rom, dann verhalte dich wie ein Römer.

Das war im erwähnten Fall auf Vai nicht so. Hier hieß es wohl: Bist du auf Kreta, dann bleib dir treu und verhalte dich so, wie du es im »kabak«, deiner Kneipenbar, immer versucht hast.

Das Pärchen schien wirklich sehr jung zu sein, tat aber mächtig erwachsen. Mit dem knappsten aller möglichst knappen Show-Bikinis angetan posierte das Mädchen an eine Palme gelehnt und ein ebenfalls recht jugendlicher Fotograf hüpfte, sprang und ging um sie herum, um mit einer der damals modernsten Digitalkameras das passende Foto zu machen.

Unwirsch befahl ihm sein Modell dabei laut und wenig beherrscht, wie er »seinen Hintern« bewegen soll, damit die Aufnahmen glücken. Ob die beiden ein Liebespärchen waren, das ging aus dem Verhalten nicht hervor. Dazu waren sie zu wenig intim und zärtlich miteinander. Aber der Neo-Russe liebt Unklarheiten, wie er zum Beispiel plötzlich zu solchem Reichtum kam oder welche Freunde hinter dem Reichtum stecken.

Über diese Nachdenklichkeiten vergaß ich beinahe, mir den knipsenden Fotografen-Adonis genauer anzusehen. Auch er war mit einem tanga-ähnlichen Badeschürzel bedeckt, welches überdeutlich ein sehr beachtliches Gemächte betonte. Ich erinnerte mich an Darstellungen aus dem Mittelalter, wo die Mode solche Blüten trieb. Unbekümmert tauschten die beiden ihre Ansicht über die blöden Touristen aus, deren Anwesenheit die Russenvenus daran hinderte, noch eindeutigere Posen einzunehmen.

So nebenbei ließen sich die beiden den griechischen Wein schmecken. Das bewiesen die leeren Flaschen neben ihrer Palme. Plötzlich flogen ein paar kurze Bemerkungen zwischen den beiden hin und her, sie liefen zu einem unweit stehenden BMW-Mietwagen und wollten verschwinden. Auf diesen Moment schienen zwei Kellner gewartet zu haben. Sie stellten sich vor das anspringende Auto und bedeuteten unmissverständlich, dass noch eine Rechnung offen stehe.

Das Englisch der Kellner war ordentlich und laut. Viele Touristen wurden aufmerksam und betrachteten jetzt neugierig die Szene. So erfuhren alle Anwesenden, dass die beiden noch sechzig Dollar zu begleichen hätten für drei Flaschen Wein, zwei Portionen sehr reichliches Mittagessen, zwei Espressos mit je einem Stück griechischer Mandeltorte und insgesamt vier Portionen Speiseeis. Der sehr junge Mann war mit allen Wassern gewaschen, nicht nur mit solchem aus der Ägäis. Er weigerte sich, auch nur einen Dollar herauszurücken, weil er alles schon bezahlt hätte. Die Mädchen-Venus bekräftigte das mit recht albernem Gelächter und eindeutigen Bewegungen, die ausdrückten, dass ihr das alles am Arsch vorbeigeht.

Weitere Kellner kamen aus dem Strandrestaurant und ein älterer Herr, wohl der Restaurantchef. Der drohte mit der Benachrichtigung der Polizei in Seteia. Die wäre in zwanzig Minuten vor Ort und die sind nicht sehr freundlich zu Zechprellern. »You are caught by bilking«, sagte der Restaurantchef unüberhörbar. (Sie wurden beim Zecheprellen erwischt). Die englische Vokabel schien den beiden sehr fremd zu sein, der Tatbestand aber war wohl bekannt und bestimmt hatte es da oder dort auch geklappt!

Heftiges Hin- und Hergeschnatter in Russisch, dann der Jüngling mit verkniffenem Mund:»The bill!«(Die Rechnung). Ein Kellner übergab grinsend die Rechnung und der Jünglingsmensch griff sich in sein Badehöschen. Er enthüllte damit ungewollt gleichzeitig das Geheimnis des unnatürlich großen »Sackhalters.« Nichts anderes als eine Rolle von Dollarscheinen in einer Plastiktüte, hatte die nicht vorhandene Dimension vorgetäuscht. Mit widerwilligem Getue entnahm der Jungmann einen Schein, der Kellner nahm ihn noch stärker grinsend entgegen, gab dem Möchtegernzechpreller ein paar Scheinchen zurück und die Kellnerversammlung löste sich auf.

Die Mädchenschönheit keifte im Weggehen sehr unschön mit ihrem Begleiter: »Ubljudok!«*) »Mudak!«**)! Er blieb nichts schuldig und konterte: »Tupaja korowa!«***) »Schljucha!«****)

Damit befanden sie sich beide auf der gemeinsamen Ebene von Bildung, Erziehung oder Anstand.

Noch heute bin ich meiner Frau dankbar, dass sie mich energisch davon abgehalten hatte, dem Pärchen ein paar Takte in ihrer Mutter- oder Vatersprache zu sagen.

*) Du Arschloch!

**) Du Wichser!

***) Blöde Kuh!

****) Du Schlampe (Nutte)!

»Er suchet den fünfften Zipffel am Sacke«,

sagte einmal Martin Luther.

Peter Tille meint ergänzend:

»Die Schlauheit des Gegners wächst immer um das Maß

der eigenen Dummheit.«

Chastu dschinsi?

Kiew 1979 im Hotel Bratislava, fast schon symbolisch, denn ich bin in dieser Stadt geboren. Nicht in Kiew, nein, in Bratislava.

Wir logierten mit Freunden im Hotel, weil wir eine Urlaubsreise in die vormalige Sowjetunion vor uns, sie zum Teil eigentlich schon hinter uns hatten.

Hillu, Bernti, meine Frau und ich hatten uns zum wiederholten Mal vor dem Besuch einer Gedenkstätte verdrückt. Hillu und Bernti spazierten dafür durch Geschäfte, wir durch den Botanischen Garten. Hinterher gab es natürlich einen, wie sagt man im Jargon? Touristengruppenleiteranschiss, aber der perlte an uns herab, wie Regen vom Fettpapier, sozusagen. Was sollte man auch mit solchen renitenten »Jugendtouristen« anstellen, die aus dem Jugendalter mit seinen Widrigkeiten schon vor langer Zeit heraus gewachsen waren?