Schneller als der Tod erlaubt - Georg Lehmacher - E-Book

Schneller als der Tod erlaubt E-Book

Georg Lehmacher

4,8
6,99 €

oder
Beschreibung

In ihrem Beruf geht es oft um Leben und Tod. Ob Massenkarambolage oder Messerstecherei, die Arbeit der Rettungssanitäter ist nichts für schwache Nerven. Mehr als dreißig Jahre ist Georg Lehmacher nun schon im Dienst und hat dabei die unterschiedlichsten Geschichten erlebt: Tragische, als er traumatisierte Kinder betreut, die den Unfalltod des eigenen Vaters mit ansehen müssen. Aber auch solche, die von dem Glück erzählen, überlebt zu haben. So wird er zu einem völlig zerfetzten Unfallwagen gerufen, neben dem er die Autofahrerin und deren Sohn fassungslos und unverletzt antrifft. Erleben Sie mit, was passiert, wenn der Notruf geht - dieses Buch macht Gänsehaut!

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EPUB
MOBI

Seitenzahl: 369




Über den Autor

Georg Lehmacher, geboren 1962 in Stuttgart, ist seit dreißig Jahren im Krankentransport und Rettungsdienst des Roten Kreuzes tätig. Als Zivildienstleistender ist er zur Rettung gekommen, heute übt er sein Amt ehrenamtlich aus. In seinem eigentlichen Berufsleben arbeitet er als Kommunikations-Designer und ist Dozent an der Hochschule Augsburg. Georg Lehmacher ist verheiratet und Vater von drei erwachsenen Kindern.

Georg Lehmacher

Schnellerals der Toderlaubt

Ein Rettungssanitäter berichtet

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige E-Book-Ausgabedes in der Bastei Lübbe AG erschienenen Werkes

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

Zum Schutz der Persönlichkeitsrechte wurden Namen,Orte, Jahreszahlen, Funkrufnamen, und Details verändert

Deutsche Erstausgabe

Copyright © 2013/2014 by Bastei Lübbe AG, Köln

Textredaktion: Sylvia Gredig

Titelbild: © Fuse/Getty Images; Fotoline/shutterstock

Umschlaggestaltung: Sandra Taufer, München

Datenkonvertierung E-Book:

hanseatenSatz-bremen, Bremen

ISBN 978-3-8387-1966-5

Sie finden uns im Internet unterwww.luebbe.deBitte beachten Sie auch: www.lesejury.de

Für all die Menschen,

die anderen helfen:

im Rettungsdienst, bei der Feuerwehr, der Polizei,

einem Hilfsdienst, in einer Klinik oder einem Altenheim.

Oder einfach da,

wo Hilfe gebraucht wird und es niemand bemerkt.

Die sich manchmal auch überwinden müssen,

die sich allen Absicherungen zum Trotz

in Gefahr begeben

oder in ungezählten Nachtschichten

ihre Gesundheit ruinieren;

ohne Bezahlung – oder für einen Lohn, der das,

was sie tun, niemals ausgleichen kann.

Für all die,

von denen ich so viel lernen durfte,

sei es bei der Bewältigung von Konflikten

oder in Freundschaft:

Ich bin sehr dankbar dafür,

sie alle kennengelernt zu haben.

Und für die, die mir Halt geben:

meine Freunde und Familie.

Vor allem für

Hans, Thomas und Rosi.

Ein Rückblick

Es ist unglaublich, wie viel sich in den letzten dreißig Jahren im Rettungsdienst geändert hat. Medizingerätetechnik, Medikamente, Diagnosemöglichkeiten. Nicht einmal eine Trage von heute hat noch Ähnlichkeit mit diesen einfachen Tragen, die wir zu Beginn der Achtzigerjahre hatten: Sie hatte zwei Gurte und kein Fahrgestell mit Rollen. Ein einfaches EKG-Gerät und ein Defi auf dem RTW waren etwas ganz Besonderes. Als ich begann, bekam ich nur ein paar Wochen Ausbildung, dann wurde ich als verantwortlicher Sanitäter am Patienten eingesetzt, im Krankentransport und wenige Monate später auf dem Rettungswagen. Für ein riesengroßes Gebiet rund um Augsburg gab es nur einen einzigen Notarztwagen, wenn man ihn am dringendsten brauchte, war er oft belegt. Ging es einem persönlich nach einem Einsatz schlecht, dann hatte man zufällig einen guten Kollegen, zufällig einen Wachleiter, dem das auffiel – oder einfach Pech.

Heute muss man dazu Rettungsassistent sein: mit einer Ausbildung von zwei Jahren. Es gibt ein Vielfaches an Notarztstandorten. Frühdefibrillation, standardisierte Abläufe, psychische Betreuung für Patienten, Angehörige und das Personal sind Beispiele für die Professionalität, die Einzug gehalten hat.

Wichtiger als der fachliche ist aber der persönliche Rückblick, den ich teilen möchte: Ich habe viele Erfahrungen sammeln dürfen. Ich habe Dinge erlebt, die ich nicht noch einmal erleben möchte und die mich doch »geformt« haben. Ich habe erlebt, wie es ist, wenn man aufeinander angewiesen ist, empfinde den Rettungsdienst vor allem als Teamarbeit, und sie läuft dann am besten, wenn der Patient, so gut es möglich ist, Teil des Teams wird. Ich habe hektische Einsatzabläufe erlebt und Konflikte – nicht nur mit anderen, sondern auch die wesentlich schlimmeren, die man in sich selbst austrägt.

Ich durfte viele ganz besondere Menschen kennenlernen. Ärzte. Kollegen. Patienten. Manchmal ganz einfache, aber unvergessliche Persönlichkeiten. Ich bin an Grenzen gestoßen. An Grenzen, die mich, in der Stille nach dem Einsatz, dazu gebracht haben, über das nachzudenken, was jenseits dieser Grenzen liegen könnte.

Die wichtigsten Lektionen für das Leben lernt man wohl vom Leben selbst. Und Leid, wo es uns begegnet, verpflichtet uns besonders – zu einem guten Umgang miteinander und der Suche nach Glück, für uns selbst und die Menschen um uns herum. Ein Glück ist es auch, »dabei« zu sein, ein kleines Rädchen in einem guten Ganzen.

Georg Lehmacher, im Sommer 2012

Mein erster Tag in der Rettungswache

Drei weiße Hosen, drei weiße Hemden, eine Allwetterjacke in leuchtendem Orange. »Hier ist der Leihschein«, sagt Frank, ein schlaksiger Typ mit Schnauzbart, der mich in die Kleiderkammer im Untergeschoss der Wache begleitet hatte. »Zieh dich am besten gleich hier um, und dann kommst du wieder hinauf, Christian will dich einweisen.«

Christian war der Wachleiter, so viel wusste ich schon. Und dass man sich hier duzt.

Ich stecke den Leihschein in mein Portemonnaie und tausche Jeans und Pullover gegen eine Garnitur Dienstkleidung. Mit einem flauen Gefühl im Magen trete ich vor den großen Spiegel, der an einer Wand hängt … So übel sieht das gar nicht aus … Ich ziehe den Gürtel fest, stecke die restliche Kleidung in meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zurück nach oben. So schnell geht der Wechsel vom Designstudenten zum Zivi einer Rettungswache, zumindest rein äußerlich …

Die helle Deckenbeleuchtung in den Fluren lässt die ohnehin glänzenden Parkett- und roten Steinfußböden der Rettungswache noch mehr erstrahlen, der Neubau war erst vor wenigen Monaten eingeweiht worden.

»Hallo Georg, ich bin Christian.« Der Leiter der Wachstelle, ein markanter Typ, winkt mich in den großen Aufenthaltsraum, in dem außer einer großen Couchgarnitur mit Tisch und mehreren Sesseln und Bürostühlen auch eine hellgraue Schrankwand, ein Regal und ein Sideboard stehen.

»Frank hast du ja schon kennengelernt. Diese Woche fährst du bei uns auf dem KTW mit.«

»KTW?«, frage ich nach.

»Krankentransportwagen.«

»Ja, klar.« Hätte ich auch so drauf kommen können, denke ich und spüre plötzlich ein Kribbeln wie vor einer Prüfung.

Doch dann kommen immer mehr Kollegen in den großen Raum, beinahe jeder hat eine Kleinigkeit mit Christian zu besprechen. Nachdem er mich ihnen vorgestellt hat, gerate ich erst einmal wieder aus seinem Fokus. Die Kollegen von der Nachtschicht berichten ihrer Ablöse von den Einsätzen. Ich lausche gespannt. Ein Obdachloser, der für die Nacht in einem Heim untergebracht werden konnte, ein Fehlalarm und ein Herzinfarkt-Patient, der im Klinikum sofort auf die »Intensiv« kam.

»Dienstbeginn der Frühschicht ist um sechs Uhr, also solltest du allerspätestens um zwanzig vor sechs da sein«, führt Christian seine Einweisung fort.

Ich rechne: Die Bus- und Straßenbahnfahrt eingerechnet, muss ich um kurz nach vier aufstehen. Und das im Winter bei Schnee und Eis. Puhhh …

Als hätte er meine Gedanken erraten, sagt er: »An das frühe Aufstehen gewöhnst du dich schon. Dienstschluss der Frühschicht ist um vierzehn Uhr, wenn kein Notfall dazwischenkommt. Warte kurz, ich frag mal nach, wann du für die Schulung eingeplant bist.« Die weiße Dienstkleidung lässt ihn wie einen Arzt aussehen. Wie einen gut aussehenden Arzt … Jetzt fällt mir auch ein, wem Christian ähnelt. Cary Grant, dem US-Schauspieler, der in Filmen wie Über den Dächern von Nizza gespielt hat. Ein gepflegter Typ, dem man den Chef gleich ansieht.

»Mitte Februar.« Christian schüttelt verärgert den Kopf, als er zurückkommt. »Das geht natürlich überhaupt nicht. Wir müssen sehen, dass wir dich vorher irgendwo unterbringen, notfalls in einer Schule, die weiter weg ist. Maximal solltest du zwei Wochen als dritter Mann ohne Schulung mitfahren, wenn es vier sind, okay. Aber zweieinhalb Monate, das können wir uns nicht leisten.« Seine Augenbrauen heben sich, so als wäre ihm gerade eine Idee gekommen. »Verstehst du was von Autos? Kannst du in der Werkstatt aushelfen?«

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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