Seewölfe - Piraten der Weltmeere 280 - Frank Moorfield - E-Book

Seewölfe - Piraten der Weltmeere 280 E-Book

Frank Moorfield

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Beschreibung

Ferris Tucker wälzte sich unruhig auf der alten Matratze hin und her, die ihm als behelfsmäßiges Lager in einem Schuppen auf der Werft des alten Ramsgate diente. Er lag im Halbschlaf, aber irgend etwas störte ihn. Dann wachte er auf. Hatte sich die Geräuschkulisse verändert? Ja, zu dem Knacken und Ächzen im Gebälk des Schuppens hatte sich ein eigenartiges Knistern gesellt, das zunehmend lauter wurde. Was war das? Der Schiffszimmermann stemmte sich von seinem Lager hoch, gähnte herzhaft und öffnete nach wenigen Schritten die Schuppentür. Was er sah, raubte ihm fast den Verstand. Feuer! Feuer im Spantengerippe der neuen "Isabella"! Die Flammen leckten bereits an verschiedenen Stellen gierig an den Decksbalken hoch...

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Impressum© 1976/2017 Pabel-Moewig Verlag KG,Pabel ebook, Rastatt.ISBN: 978-3-95439-677-1Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

1.

Man schrieb den Monat Juli im Jahre des Herrn 1592. Über England hatte sich seit Wochen der Sommer ausgebreitet.

Das erste Grau des beginnenden Tages tauchte langsam hinter dem Horizont auf und warf trübe Schatten über den Hafen von Plymouth.

Das Wasser schwappte in fast gleichbleibendem Rhythmus gegen die Kaimauern und bewegte die Karacken, Karavellen und zahlreichen Zweimaster, die im Hafen lagen, wie dunkle Ungeheuer hin und her.

Alles deutete auf den Beginn eines ganz gewöhnlichen Tages hin.

Doch für die zehn Männer, die erst spät in der Nacht aus der „Bloody Mary“, der Kneipe des dicken Nathaniel Plymson, an Bord ihrer namenlosen Karavelle zurückgekehrt waren, sollte dieser neue Tag – außer einigen erfreulichen Ereignissen – eine ganze Menge Ärger bringen.

Und dieser Ärger begann schon jetzt, im ersten zarten Morgengrauen.

Stenmark, der blonde Schwede, der seine Wache noch nicht ganz hinter sich gebracht hatte, purrte die übrigen sieben Seewölfe sowie Jack Finnegan und Paddy Rogers, die sich ihnen angeschlossen hatten, aus den Kojen. Seine Laune war nicht die beste, denn er hatte sich einen Großteil seiner Wache erfolglos damit abgemüht, das Wasser zu lenzen, das sich trotz der Reparaturmaßnahmen Ferris Tuckers immer wieder in das Schiff drückte. Die Musketenschüsse, die das französische Piratengesindel während der Überfahrt von Brest nach Plymouth bei der Ile D’Quessant auf sie abgefeuert hatte, waren die Ursache. Sie hatten große Löcher in den morschen Rumpf der kleinen Karavelle gefetzt, mit der man die Seewölfe in einen Hinterhalt locken wollte. Doch die Arwenacks hatten es mit Ach und Weh geschafft, die Heimat zu erreichen.

„Raus aus den Kojen!“ rief Stenmark. „Sonst sinkt uns der Mistkahn unter dem Achtersteven weg.“

„Was, wie?“ brummte Edwin Carberry, der bullige Mann mit dem Narbengesicht und dem gewaltigen Rammkinn. „Wer, zum Teufel, singt hier?“ Schlaftrunken fuhr er hoch.

„Niemand singt hier, Mister Carberry“, berichtigte ihn Stenmark, „es sei denn, du hörst als Spätfolge deines frommen Pilgerausfluges in die ‚Bloody Mary‘ die Englein singen. Ich jedenfalls habe vom Sinken gesprochen – nicht vom Singen.“

Nun war auch Edwin Carberry, der Profos der ehemaligen „Isabella VIII.“ plötzlich hellwach.

„Das sagt das Rübenschwein erst jetzt!“ grollte er. „Wenn man nicht selber auf sich aufpaßt, wacht man glatt eines schönen Morgen auf und stellt fest, daß man mausetot ist – jämmerlich ersoffen im Hafenwasser von Plymouth.“

Trotz der gefährlichen Situation konnte sich Stenmark ein Grinsen nicht verkneifen.

„Damit würdest du den dicken Plymson zum glücklichsten Menschen von England machen“, sagte er. „Das Perückengespenst würde bestimmt einige Runden von seinem Selbstgebrannten spendieren.“

Augenblicke später waren auch die übrigen Männer auf den Beinen, die sich unter der Führung Ferris Tuckers auf der französischen Handelsgaleone „Mercure“ von Damiette bis Brest und von da aus mit der Piratenkaravelle bis an die Küste Cornwalls durchgeschlagen hatten. Außer Stenmark, Edwin Carberry, Ferris Tucker, Jack Finnegan und Paddy Rogers gehörten noch Jeff Bowie, Blacky, Luke Morgan, Bill und der Kutscher dazu.

Auch Sir John, der karmesinrote Aracanga- Papagei, war wohlbehalten mit den Seewölfen in Plymouth eingetroffen, nachdem er an Bord der „Mercure“ das sadistische „Zielschießen“ des spanischen Galeerenkapitäns Juan de Faleiro überstanden hatte. Offenbar fühlte sich der bunte Vogel durch die plötzlichen Aktivitäten der Mannschaft in seiner Nachtruhe gestört. Er flatterte laut schimpfend auf das offene Schott hinüber und trippelte dort aufgeregt hin und her.

Der Kahn suppte immer stärker, das Wasser stieg unaufhaltsam.

„Ach du heiliger Patrick!“ entfuhr es dem rothaarigen Ferris Tucker, während er sich die Bescherung ansah. „Mit Lenzen ist da nichts mehr auszurichten, zumal es sowieso keine Pumpe an Bord gibt. Und an Pützen fehlt es auch.“

„Verdammt blamabel ist das!“ fluchte Ed Carberry. „Da segeln wir dem Teufel beide Ohren weg und reiten die heimtückischsten Stürme ab – und dann säuft uns in der trauten Heimat diese Nußschale unter dem Hintern weg. Mein Busenfreund Plymson wird sich den dicken Bauch halten vor Lachen.“

„Zum Teufel mit dem fetten Plymson!“ mischte sich nun Luke Morgan ein. Die Messernarbe über seiner Stirn begann sich zu röten. „Können wir den Kahn nicht mit Tauen befestigen?“

Ferris Tucker wiegte nachdenklich den Kopf hin und her.

„Wir können unser Glück versuchen, aber viel mehr als ein Glücksspiel ist das nicht.“

Die Crew ging augenblicklich an die Arbeit. Aber auch dieser Rettungsversuch erwies sich als vergebliche Liebesmühe. Es war schon zuviel Wasser eingedrungen, und die Karavelle wies bereits einen beängstigenden Tiefgang auf – besonders an der Backbordseite, die nicht durch die Taue festgehalten wurde. Lange konnte es nicht mehr dauern, bis das ungeheure Gewicht des Wassers die Taue zerfetzen, oder aber die Poller aus dem Holz reißen würde.

„Wir gehen auf Tiefe“, stellte Ferris Tucker fest, „da ist nichts mehr dran zu ändern. Los, holt rasch die notwendigsten Habseligkeiten und einige Waffen, und dann nichts wie runter von diesem morschen Eimer!“

Die Männer kamen seiner Aufforderung eilig nach. Sie schafften es gerade noch rechtzeitig, festen Boden unter die Füße zu kriegen, als sich das Schmatzen und Gurgeln des Wassers verstärkte. Dann plötzlich knirschten einige Planken, und die ehemalige Piratenkaravelle tauchte mit dem Vorschiff ins Hafenwasser. Das Heck reckte sie einen Moment in die Höhe und erinnerte damit an das Hinterteil einer tauchenden Ente. Ein häßliches Glucksen und Rauschen folgte, dann soff das Schiff vor den Augen der Seewölfe ab.

Sir John, der sich den nicht gerade vornehmen Wortschatz Edwin Carberrys angeeignet hatte, landete laut fluchend auf der Schulter seines Herrn und Meisters.

„Backbrassen!“ krächzte er. „Hafenratten! Nachttopfsegler!“ Und der Profos nickte zustimmend zu jedem weiteren Schimpfwort, das Sir John vom Stapel ließ, denn der Papagei nahm ihm gewissermaßen die Worte aus dem Mund.

So standen nun die Arwenacks am Kai und blickten grimmig auf die Masten, die hoch aus dem Wasser ragten und wie drohend erhobene Zeigefinger auf den heller werdenden Morgenhimmel deuteten.

Die Karavelle bewegte sich nicht mehr, sie hatte in wenigen Augenblicken den Grund erreicht. Letzte Luftblasen stiegen auf, dann folgten zwei Wasserfässer sowie einige Planken und Holzstücke, die Gegenstände gesellten sich zu dem anderen Unrat, der stets im Hafenwasser schwamm, und trieben dann an der Kaimauer entlang.

Auf einigen anderen Schiffen standen die Männer, die gerade Wache hatten, neugierig am Schanzkleid. Ihre Gesichter spiegelten teils Erstaunen, teils Schadenfreude wider. Schließlich wurde einem nicht jeden Morgen ein solches Schauspiel geboten.

Der Kutscher, der auf der im fernen Ägypten versandeten „Isabella VIII.“ als Koch und Feldscher fungiert hatte, fuhr sich mit einer verlegenen Geste durch das blonde Haar.

„Eines steht fest“, sagte er, „dem Hafenmeister haben wir das Frühstück kräftig versalzen. Er wird seine helle Freude haben, wenn er sieht, was hier passiert ist.“

Ferris Tucker schüttelte verärgert den Kopf.

„Was schert uns der Hafenmeister! Wir haben jetzt ganz andere Sorgen. Gewissermaßen stehen wir am Kai wie bestellt und nicht abgeholt. Sozusagen gleichen wir streunenden Hunden, die nicht wissen, wo sie hingehören. Oder habt ihr Dickschädel noch immer nicht begriffen, daß wir uns nun eine andere Bleibe suchen müssen?“

„Na und?“ fragte Stenmark. „Wir sind schließlich keine Hungerleider. Das, was wir in unseren Gürteln tragen, wird doch wohl für ein warmes Bett ausreichen, oder?“

Carberry kniff die Augen zu schmalen Schlitzen zusammen.

„Soll das etwa heißen, daß du triefäugiger Hering bei unserem lieben Freund Nathaniel Plymson Quartier nehmen willst? Ho, wenn du auf diese Schnapsidee verfallen solltest, dann ziehe ich dir eigenhändig die Haut in ganz schmalen Streifen von deinem karierten Affenarsch. Und anschließend werde ich dir …“

„Schon gut, Ed“, unterbrach Ferris Tucker die düsteren Drohungen Carberrys. Er wußte so gut wie die anderen, daß die kernigen Aussprüche ihres Zuchtmeisters stets sehr herzlich gemeint waren. „Wir können uns selbstverständlich nicht bei Plymson einmieten. Er wird zunächst einmal damit beschäftigt sein, seine Kneipe zu renovieren, denn dort dürfte in der letzten Nacht nicht viel heilgeblieben sein.“

Jeff Bowie, der eine Hakenprothese trug, weil ihm Piranhas die linke Hand zerfetzt hatten, lachte laut auf.

„Keine zehn Pferde brächten mich dazu, bei Plymson zu übernachten. Da würde ich lieber unter ein Boot kriechen, das kieloben im Sand liegt. Dort kriegt man wenigstens keine Flöhe!“

„Na, so schlimm wird’s wohl nicht sein“, meinte Ferris Tucker. „Aber es gibt ja schließlich noch genug andere Herbergen in dieser hübschen Stadt, und wir haben noch einen ganzen langen Tag vor uns. Oder will sich einer von euch faulen Stinten schon wieder in die Koje hauen?“

Die Männer grinsten. Nein, danach stand ihnen der Sinn im Moment überhaupt nicht. Aber den Kai auf und ab zu spazieren, das lag ihnen auch nicht. Irgend etwas mußten sie unternehmen. Und Ferris Tucker wußte auch schon, was.

„Ich hab’s, Leute“, sagte er und hieb Bill, dem Moses, der direkt neben ihm stand, kräftig auf die linke Schulter. „Was haltet ihr davon, Hesekiel Ramsgate einen Besuch abzustatten? Wir waren uns doch schon in Ägypten alle einig, daß nach unserer Heimkehr ein neues Schiff in Auftrag gegeben werden soll. Da könnten wir doch schon einmal mit dem alten Ramsgate in Verbindung treten. Das wäre immerhin besser, als hier im Hafen Maulaffen feilzuhalten.“

Blacky, ein dunkeläugiger, kräftiger Bursche, pfiff leise durch die Zähne.

„Das ist keine schlechte Idee“, sagte er. „Ramsgate ist ohne Zweifel der beste Schiffsbauer, der in England aufzutreiben ist. Warum sollte er nicht auch die neue ‚Isabella‘ auf Kiel legen? Bisher haben wir mit seiner Arbeit jedenfalls nur gute Erfahrungen gemacht.“

Auch bei den übrigen Männern fand der Vorschlag Ferris Tuckers lebhafte Zustimmung. Ein neues Schiff – das war der Traum eines jeden von ihnen. Sie wären dann endlich nicht mehr in drei Gruppen aufgespalten, und sie hätten es auch nicht mehr nötig, auf mehr oder weniger miserablen Kähnen in der Weltgeschichte herumzusegeln.

„Auf was warten wir noch?“ knurrte Ed. „Die Werft des alten Ramsgate liegt drüben in Rame Head. Bis zum nächsten Glasen schaffen wir das zu Fuß.“

Ferris Tucker nickte.

„Aber zwei Mann sollten auf jeden Fall hier im Hafen bleiben. Es könnte ja sein, daß Ben und Hasard mit ihren Leuten eintreffen. Sie werden bestimmt nichts dagegen haben, von einigen Arwenacks begrüßt zu werden. Wie wär’s mit dir, Luke, und mit dir, Bill?“

Luke Morgan und Bill, der Moses, hatten nichts dagegen einzuwenden. So setzte sich der Rest der kleinen Crew auf Schusters Rappen in Bewegung und nahm Kurs auf Rame Head.

Selbst Sir John konnte seinen Elan kaum noch bremsen.

„Hopp, hopp, ihr lahmen Säcke!“ rief er mit seiner Reibeisenstimme. „Hurtig, hurtig, ihr krummen Heringe!“

Obwohl die Seewölfe von ihrem frechen Papagei schon einiges gewohnt waren, legten sie angesichts dieser unmißverständlichen Aufforderungen einen Schritt zu. Und hätte Sir John grinsen können, in diesem Augenblick hätte er es gewiß getan.

Es war längst heller geworden, als die Werft des alten Hesekiel Ramsgate hinter einer Landzungen auftauchte. Die letzten dunklen Wolken verzogen sich, um dem neuen Sommertag genügend Platz einzuräumen. Es konnte nur noch Minuten dauern, bis die Sonne das Wasser des Plymouth Sounds mit gleißendem Licht überschüttete.

Die Seewölfe begegneten so früh am Tage nur wenigen Menschen. Außer einigen Bettlern, die man wohl von ihren Schlafplätzen verscheucht hatte, erblickten sie fast ausschließlich Bauern, die ihre zweirädrigen Karren, beladen mit Obst und Gemüse, zum Marktplatz zogen.

Doch für einen Besuch bei Ramsgate war es nicht zu früh. Die Arwenacks wußten nur zu gut, daß der schmächtige Mann mit dem grauen Seemannsbart morgens der erste war, der das Werftgelände betrat.

Das Gesicht Ferris Tuckers drückte Erstaunen aus, als er das Reich des alten Ramsgate überblickte.

„Ich glaube kaum, daß wir ungelegen aufkreuzen“, sagte er. „Es sieht hier nicht gerade danach aus, als ob Ramsgate in Arbeit ersticken würde.“

Tatsächlich herrschte nur wenig Betrieb auf der Werft. Das einzige Schiff, das den Seewölfen ins Auge fiel, war ein kleiner Zweimaster, den man aufgeslipt hatte, um ihn von dem hartnäckigen Muschelbewuchs zu befreien. Nur wenige Männer waren mit dieser Knochenarbeit beschäftigt, und sie schienen nicht gerade vor Tatendrang zu bersten.

Weiter hinten, auf dem Lagerplatz, standen noch zwei Männer, die offenbar die Holzvorräte begutachteten. Einer davon war Hesekiel Ramsgate. Er deutete gerade auf einen hohen Stapel von Eichenstämmen, der sich neben einem Werkzeugschuppen auftürmte.

Jeder dieser Baumstämme war mehr als hundert Jahre alt, denn jüngeres oder frisches Holz hatte die unangenehme Eigenschaft, sich zu werfen und dann zu splittern, wenn man es zu Planken verarbeitete. Selbst die mächtigen Eichenstämme mußte man nach dem Fällen über einen größeren Zeitraum hinweg der Witterung aussetzen, um sie abzulagern.

Hesekiel Ramsgate schenkte dem kleinen Trupp von Seewölfen zunächst keine Aufmerksamkeit. Wahrscheinlich nahm er an, daß es sich um Arbeitssuchende handelte, die er sowieso wieder wegschicken mußte. Erst als sich die Männer näherten, blitzte es in seinen hellen Augen überrascht auf.

„Die Seewölfe!“ stieß er hervor. Über sein faltiges Gesicht huschte ein freudiger Zug. „Mein Gott, sie sind es tatsächlich.“ Er ließ den anderen Kerl einfach stehen und eilte den Männern entgegen. Dabei schwang er strahlend die Krummaxt, die er in der rechten Hand hielt.

„Ho!“ entfuhr es Edwin Carberry. „Der alte Holzwurm wird uns doch wohl nicht mit der Axt das Gehirn vierteilen wollen?“

Der Kutscher konnte einen Lacher nicht mehr rechtzeitig unterdrükken.

„Das wäre verdammt schlimm“, meinte er. „Vor allem für Leute, die sowieso nur noch ein kleines Viertelchen davon haben.“

Ed warf ihm einen mißtrauischen Blick zu.

„Meinst du Töpfeschwenker vielleicht mich damit?“

„Aber nicht doch, Mister Carberry“, beeilte sich der Kutscher zu sagen. „Ich dachte nur gerade – äh – ich dachte beispielsweise an den dicken Plymson.“ Er atmete erleichtert auf, weil ihm noch rechtzeitig ein geeignetes Objekt eingefallen war.

„Da hast du allerdings recht“, gab Carberry zurück. „Und wenn der schöne Nathaniel sein winziges Spatzenhirn nicht mittels einer Perücke warmhalten würde, wäre es längst vertrocknet.“

Die tiefsinnige Betrachtung wurde von Hesekiel Ramsgate unterbrochen.

„Willkommen auf meiner Werft!“ rief er. Dann schüttelte er den Männern ebenso kräftig wie herzlich die Hände. „Was für eine Überraschung! Es ist Jahre her, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Doch – wo sind die anderen? Ich meine, wo ist Sir Hasard? Und Mister Brighton ist auch nicht dabei. Gibt es auch noch den alten Mister O’Flynn?“ Sein freudiges Gesicht wirkte plötzlich besorgt.

„Keine Bange, Mister Ramsgate“, sagte Ferris Tucker. „Es gibt sie alle noch. Die Crew mußte sich nach einem schlimmen Eréignis in Ägypten lediglich in drei Gruppen aufteilen, weil es so leichter war, sich bis nach England durchzuschlagen. Wir sind zufällig als erste Gruppe hier angelangt, doch wir erwarten unseren Kapitän und Mister Brighton täglich.“

„Ein schlimmes Ereignis? In Ägypten?“ Die hellen Augen Hesekiel Ramsgates blickten Ferris Tucker fragend an. „Nun, wenn es die gesamte Crew noch gibt, muß sich Ihre Bemerkung auf das Schiff beziehen. O heiliger Jakobus, soll das etwa heißen …?“

Ferris Tucker nickte.

„Die ‚Isabella VIII.‘ gibt es nicht mehr. Sie liegt unter Bergen von Wüstensand begraben.“