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“Sie war ihrem Lächeln verfallen, hatte dieser Frau ihr Herz geschenkt. Schon spürte sie den ersten Riss. Wenn sie nicht aufpasste, würde es entzweibrechen.”
Tara und Lilly könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Lilly ihr lesbisches Singleleben genießt, sucht Tara eine feste Beziehung. Als sie sich nicht nur körperlich, sondern emotional näherkommen, sind da schnell starke Gefühle. Doch beide Frauen haben ihre Päckchen zu tragen. Eine Lüge könnte Lilly den Job an der Uni kosten, gleichzeitig scheint sie ihre beste Freundin zu verlieren. Tara hingegen ist unglücklich in ihrem Studium. Viel lieber zieht sie mit ihrer Kamera los, um zu fotografieren.
Dennoch stellen beide fest: Durch die Hilfe der jeweils anderen sind ihre Päckchen leichter. Erst als Taras Familiengeschichte ans Licht kommt, scheint Lilly zu verletzt, als dass die Frauen noch einmal zueinanderfinden …
Tauch ein in diese queere Wohlfühlgeschichte voller liebenswerter Figuren, Spice und großen Gefühlen.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Sibylle Paraquin
sie zu lieben
Eine Inhaltswarnung findet ihr am Ende des Buches.
Impressum:
sie zu lieben
1. Auflage, März 2024
© Sibylle Paraquin 2024
Sibylle Paraquin
c/o Fakriro GbR / Impressumsservice
Bodenfeldstr. 9
91438 Bad Windsheim
Coverdesign: Christin Giessel, www.giessel-design.de
Buchsatz & Illustration: saje design, www.saje-design.de
Korrektorat: Sarah Nierwitzki, www.lektorat-wortkosmos.de
Druck & Vertrieb: Tolino Media
Alle Rechte vorbehalten.
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet zu finden über http://dnb.dnb.de
Für alle,
die mit Liebesgeschichten nichts anfangen konnten,
bis sie sich selbst darin fanden.
Herzen konnten so vieles. Brechen, entflammen, aufhören, zu schlagen. Doch ihr Herz war ruhig, schlug beharrlich seinen Takt.
Tara war auf dem Weg zu ihrer ersten Vorlesung im neuen Semester und hatte es zu ihrem Erstaunen geschafft, rechtzeitig aufzustehen. Dadurch konnte sie nun den schönen Weg zum Zentralcampus nehmen, durch den Alten Botanischen Garten. Die Aussicht, in einer halben Stunde in einer Vorlesung zu Ökonometrie zu sitzen, erfüllte sie mit absolutem Unwillen. Durch den kleinen Spaziergang gönnte sie sich einen schönen Beginn des Tages. So schlenderte sie vorbei an Palmen, einem Teich, akkurat angelegten Beeten. Tote Blätter knirschten unter ihren Schuhen, sonst war es still. Noch ließ das Grün auf sich warten, es war erst März, die Luft roch nach Winter. Tara freute sich schon auf den Moment, wenn plötzlich alles in voller Blüte stehen und es scheinen würde, als hätte die Natur über Nacht ihren Farbkasten ausgekippt. Bis dahin würde sie noch ein paar Wochen warten müssen.
Als sie auf der anderen Seite den Garten verließ, stand sie vor der Fakultät für Biologie und Psychologie. Sie mochte das kleine Gebäude mit seiner hellen Klinkerfassade. Gerade als sie sich nach links wandte, um zur Straße zu laufen, kam ihr ein Motorrad entgegen. Es fuhr langsam und hielt auf einen der Parkplätze zu, die nun in Taras Rücken lagen. Als es sie passierte, blickte sie ihm nach und drehte erst ihren Kopf, dann sich selbst. Etwas an der Person darauf nahm ihren Blick gefangen. Diese war schlank, ganz in schwarze Motorradkluft gekleidet. Hinten aus der Lederjacke lugte eine Kapuze hervor. Zwei Parklücken von Tara entfernt kam die Maschine zum Stehen, kurz darauf erstarb der Motor.
Die Fahrerin nahm den Helm ab und daraus flossen brustlange rotbraune Haare, fielen auf ihre sanft geschwungenen Schultern. Erst jetzt wurde Tara vollends klar, dass es sich um eine Frau handelte. Als sie nun den Blick an ihr hinuntergleiten ließ, erkannte Tara ihre Kurven, die langen, anmutigen Beine. Wieder oben beim Gesicht angekommen, hatte sie keine Zeit, sich dieses genauer anzusehen. Denn ihr Gegenüber blickte sie direkt an, mit leuchtend blauen Augen, die sie sofort gefangen nahmen. Ein, zwei Atemzüge lang konnte sie den Kontakt nicht beenden. Dann schaute sie doch weg, nach unten und landete unwillkürlich auf den Brüsten, die sich unter der Lederjacke abzeichneten. Bevor sich ihr Kopfkino ausmalen konnte, wie diese ohne Kleidung aussehen mochten, richtete sie ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Weg. Etwas sagte ihr, dass sie sich an ihr gewaltig verbrennen würde. Dass ihr Lächeln Taras Herz erobern könnte. Oder brechen. Aus den Augenwinkeln wagte sie noch einen verschämten Blick zurück. Die Frau zwinkerte ihr zu und grinste.
Lilly lächelte. Es war eindeutig, dass die Studentin sie musterte. Sie starrte sie regelrecht an und bemerkte dann offenbar ganz entgeistert, dass Lilly sie ertappt hatte. Richtig niedlich. Fast wie ein Erdmännchen. Nur mit sehr verwuschelten Haaren. Die asymmetrische Frisur stand ihr gut. Lilly hielt kurz inne und betrachtete sie.
Alles, was sie sah, gefiel ihr. Auf der Nase eine Brille mit großen runden Gläsern und einem dünnen Rahmen. Dadurch sahen ihre braunen Augen groß aus. Eine kleine Nase stand dazu im Kontrast, ebenso schmale Lippen. Durch den dunkelblauen Dufflecoat war die Figur nicht genau einschätzbar, aber sie wirkte etwas stämmiger. Ein weiterer Punkt auf der Sexy-Liste.
Offenbar war es zu früh für das arme Ding. Sie hielt sich an ihrem To-go-Becher fest und stand noch immer an der gleichen Stelle. Lilly hängte den Helm an den Lenker und band sich einen lockereren Pferdeschwanz. Sie fühlte sich beobachtet und genoss es. Betont gelassen stieg sie vom Motorrad, stellte es ab, steckte den Schlüssel in die Jackentasche. Sie fackelte nicht lange, dachte nicht weiter darüber nach, sondern nahm ihren Helm und machte den ersten Schritt in Richtung der Studentin. Ihr Herz war nicht involviert. Doch diese hatte sich abgewandt und ging schnellen Schrittes weg von ihr in Richtung der nächsten Straße. Enttäuscht blickte sie ihr nach, konnte nicht anders, als auf ihren Hintern zu schauen und sich zu fragen, wie der unter der Jacke genau aussah. Wie alles an ihr unter den vielen Stoffschichten aussehen mochte.
Nach wenigen Metern verschwanden Hintern und Studentin aus Lillys Blickfeld. Sie zuckte die Schultern und stieg die wenigen Stufen zum Eingangsportal ihrer Fakultät hinauf. Ein Lächeln konnte so vieles. Verbinden, verführen, zerstören. Das Lächeln von Lilly war ganz spontan und ehrlich gewesen.
Auf jedem erdenklichen Fleck saßen Leute, der Platz summte wie ein Bienenstock. Direkt nach der konzentrierten Stille des Hörsaals überrumpelten Tara Geselligkeit und Lautstärke. Sie brauchte einen Moment, um sich zurechtzufinden. Blinzelte gegen die Sonne. Kurz schloss sie die Augen und atmete die frische Luft ein.
Die erste Woche ihres vierten Semesters war geschafft. Zur Belohnung war sie mit Simon verabredet. Sie ließ den Zentralcampus hinter sich und wandte sich in Richtung Süden, um wieder ein Stück durch den Botanischen Garten zu gehen. An diesem Tag schien die Sonne immerhin schon so stark vom wolkenlosen Himmel, dass sie die Kälte mildern konnte. Nur an den Ohren fror sie trotzdem. Den Haarschnitt bereute sie jedoch nicht.
Als sie hinter dem Theater wieder aus dem Garten kam, ließ sie den Platz hinter sich und hoffte, dass sie den richtigen Weg nahm. Sie trafen sich in einem neuen Café, das erst vor wenigen Tagen eröffnet hatte. Schon sah sie Simon winken. Er stand vor der Eingangstür und lächelte breit, wie immer. Sofort steckte er sie damit an. Die kurzen braunen Haare nach oben gegelt, trug auch er keine Mütze, dafür sahen sein dunkelgrauer Mantel und der passende Schal warm genug aus.
„Da bist du ja endlich!“ Stürmisch umarmte er sie.
„Was heißt hier endlich? Ich bin noch nicht zu spät, oder?“
„Nein, aber ich freue mich so. Es fühlt sich an, als hätten wir uns ewig nicht gesehen. Zumindest lässt mich deine Frisur das glauben. Dreh dich mal!“
Gehorsam drehte sie sich um die eigene Achse. Dabei lächelte sie verlegen. Simon sah nachdenklich aus.
„Du findest es schrecklich, oder?“
„Weißt du …“ Er hatte eine Hand an seinem Kinn und die Augen zusammengekniffen, dann brach ein breites Lächeln aus ihm heraus. „Es ist wundervoll! Du siehst klasse aus. Meine Mutter würde sagen: frecher.“
Nun lachten sie beide. Simons Mutter war die liebste der Welt, aber eher der Typ altmodische Hausfrau. Zum Glück galt das nur in Sachen Mode und Kochen, die Sexualität ihres Sohnes war kein Problem für sie.
„Dass du mich auch immer ärgern musst!“ Tara boxte ihm gegen den Oberarm.
„Wozu hat man denn sonst Freunde?“
Sie verdrehte die Augen, musste aber grinsen. „Damit man keine Feinde mehr braucht, jaja. Lass uns reingehen, es ist kalt.“
Drin empfing sie außer angenehmer Wärme ein intensiver Kaffeeduft. Und in Taras Fall eine beschlagene Brille. Die Einrichtung wirkte wie in einem zu groß geratenen Wohnzimmer. Nicht zum ersten Mal fragte sie sich, wo alle diese abgewetzten Möbel herbekamen. Tingelten die von einer Wohnungsauflösung zur nächsten? Oder wurde das inzwischen als Ladeneinrichtung angeboten?
Sie suchten sich ein kleines blaues Sofa an der hinteren Wand des Raumes aus. Da sie sich nicht einigen konnten, setzten sie sich nebeneinander. So konnten sie zusammen die anderen Gäste beobachten. Nicht, dass es viele gewesen wären.
„Wie geht es Jean?“, fragte Tara, nachdem sie ihre Getränke bestellt hatten.
„Ganz okay. Die Arbeit läuft bei ihm richtig gut, was leider manchmal bedeutet, dass er erst spät nach Hause kommt.“
„Hilf mir kurz: Was macht er jetzt noch mal?“
„Seine neue Firma verkauft IT-Lösungen an kleine und mittelgroße Firmen. Er wurde dafür eingestellt, Kontaktmann nach Frankreich zu sein, durchläuft aber jetzt erst mal alle relevanten Abteilungen. Wenn er damit durch ist, wird es sicher besser und er kann sich die Arbeit selbst einteilen. Über die kommenden vier Tage fährt er nach Bayern in die Zentrale.“
„Was machst du dann hier mit mir? Verbringe den Tag mit ihm.“
„Das machen wir heute Abend, keine Sorge.“ Simon grinste verschmitzt.
Sie bewunderte es immer wieder, wie verliebt die beiden noch waren, obwohl sie bereits sechs Jahre eine Beziehung führten. Vielleicht lag es daran, dass ihre ersten Jahre eine Fernbeziehung gewesen waren.
„Da fällt mir ein, es gab noch ein Hochzeitsgeschenk, das ich dir zeigen muss.“
„Sechs Monaten später? Wer hat denn da geschlafen?“
Simon lachte. „Jeans Cousin Ruben. Er hatte schon angekündigt, dass es noch dauern würde.“ Er hielt ihr sein Handy vor die Nase. Darauf war das Foto eines Delfins zu sehen, der aus Plastik bestand. Er war knallig türkis und daneben stand eine passende Tube mit französischem Schriftzug.
Tara kniff die Augen zusammen. „Ich kann das nicht lesen … Was soll das sein?“
„Manchmal bist du so süß.“ Er lachte wieder. „Das ist ein Dildo, mein Kind. Und das daneben, das nennt man Gleitgel.“
Sie prustete los. „Ich hätte es wissen müssen. Das passt zu Ruben.“
Die Bedienung stellte zwei dampfende Tassen auf den Tisch. „Einmal Café Latte und einmal heiße Schokolade.“
Tara bedankte sich und fragte nach Kuchen. Die Kellnerin antwortete, dass jeden Tag andere Sorten in der Theke stünden. Die beiden Frauen lächelten sich an, dann ging die Bedienung wieder.
„Na, hast du sie abgecheckt?“ Simon stellte seine Frage leise, nachdem sie den ersten Schluck getrunken hatten.
„Nein, nicht mein Typ.“ Da musste sie unwillkürlich an die Motorradfahrerin denken. Diese Begegnung, die fast wie im Film gewesen war. Es hatte nur noch gefehlt, dass sie ihre langen Haare in Zeitlupe über die Schulter geworfen hätte. Sie war eher ihr Typ gewesen. Besonders dieses Lächeln … Aber nein, so eine wie sie bedeutete nur Unglück und Tränen. Sie hatte diese Klippe bisher umschifft und nicht vor, den Kurs zu ändern.
„Blond und niedlich ist also nicht dein Typ. Aha.“
Simon holte sie aus ihren Gedanken zurück. Tara stöhnte auf. „Ich habe gerade sowieso keinen Kopf für so was. Seit wann checkst du überhaupt Frauen ab?“
„Ein guter Wingman ist eben allzeit bereit.“ Er grinste, doch Tara erwiderte es nicht, sondern starrte weiter in ihre Tasse. Simon atmete hörbar aus. „Hey, was ist los?“
„Dasselbe wie immer. Die Uni ist gerade erst wieder losgegangen und ich … ich habe fast Angst vor dem Semester.“
„Angst?“
„Nicht direkt, nicht wie vor einem Abgrund, in den man rast. Wobei schon so ähnlich. Die letzten Semester waren schrecklich. Mathe und Recht waren einfach nur furchtbar.“
„Gab es denn auch gute Sachen?“
„Soziologie war okay und ist es dieses Semester bestimmt wieder. Aber ich schiebe Statistik vor mir her. Und ich bin durch zwei Klausuren gefallen. Mindestens Mathe muss ich wiederholen und dann zwingend schaffen.“
„Hey.“ Simon nahm sie in den Arm. „Die ersten Semester sind ätzend, das ist ganz normal. Da wollen sie aussortieren.“
„Ich weiß, aber ich bin im vierten! Die Hälfte des Studiums ist rum und ich fühle mich immer mehr aussortiert. Vielleicht kann ich das nicht.“
Daraufhin schwiegen sie. Tara war Simon dankbar, dass er nicht sofort das Gegenteil behauptete. Sie hatte diesen Gedanken zum ersten Mal laut ausgesprochen. Dass sie sich so lange nicht gesehen hatten, lag an den Wochen, die sie unentwegt für Prüfungen gelernt hatte. Ihr wurde immer wärmer, sie schob die Ärmel ihres Pullovers hoch. Simon hatte einen Schluck getrunken und offenbar überlegt, nun wandte er sich wieder zu ihr.
„Pass auf, ich verstehe das. Diese Gedanken hatte ich auch manchmal während meines Studiums. Aber ich finde, nach drei Semestern ist es zu früh, um aufzugeben. Gib dem Ganzen eine letzte Chance. Was kommen denn noch für Fächer auf dich zu?“
„Finanzwirtschaft und Mikroökonomik und Recht gehen weiter. Und wie gesagt Statistik.“ Betrübt von der Aufzählung rührte Tara in ihrer Schokolade.
„Puh, verstehe, was du meinst. Wie gesagt, du freust dich einfach auf die beiden guten Fächer. Vielleicht wird es ja nicht so schlimm und du kommst langsam rein. Und für die Nachholprüfungen suchst du dir jemand aus deinem Jahrgang zum Lernen.“
Sie zuckte mit den Schultern. „Na gut.“
„Nein, wie heißt das?“
Nun musste sie lächeln. „Das wird super und ich schaffe das.“
„Genau, so wird das was!“
„Danke, Simon.“
„Na, immer doch, Kleines.“
So hatte er sie genannt, als er noch mit ihrem Bruder Torben befreundet gewesen war. Der Spitzname hatte sich hartnäckig gehalten. Inzwischen fand sie ihn nicht mehr nervig, sondern vertraut.
„Ich will jetzt Kuchen.“
Bis zu ihrem Büro war es ein verschlungener Weg durch das Gebäude des psychologischen Instituts. Als sie angefangen hatte, zu studieren, hatte sie sich regelmäßig verlaufen. Die Gänge sahen sich zu ähnlich, überall Ziegelwände, mitunter weiß gestrichen und dunkle Holztüren. Einige quietschten herzzerreißend. Inzwischen war sie im Master und kannte die Wege im Schlaf.
Sie genoss die zurückgekehrte Betriebsamkeit. Nun traf sie wieder Leute, die bei ihr im Tutorium gewesen waren oder aus ihrem Jahrgang stammten. Als sie um eine Ecke bog und den Flur vor sich entlangblickte, stutzte sie. Einige Meter vor ihr erkannte sie knallrot gefärbte Haare und einen karierten Mantel. Cornelia? Oder Carolin? Es war nur eine gemeinsame Nacht gewesen. Da Lilly noch nicht entdeckt worden war, wechselte sie spontan die Richtung und nahm einen kleinen Umweg in Kauf. Wie auch immer sie hieß, sie hatte die Einmaligkeit ihres sexuellen Zusammentreffens nicht akzeptieren wollen. Ein schöner Abend, der Sex hatte Spaß gemacht, war locker gewesen. Direkt danach hatte Carolin/Cornelia/Cordula aus heiterem Himmel angefangen, Pläne zu schmieden. Man könnte doch diverse Ausflüge machen und in zwei Monaten wäre sie auf einer Hochzeit eingeladen, ob Lilly sie nicht begleiten wollte.
Wollte Lilly nicht. Trotz freundlich gewählter Worte, war die andere wütend geworden und Lilly hatte sich schleunigst aus deren Wohnung davongemacht. Natürlich war das nicht die feine Art. Aber es ging ihr auf die Nerven, wenn Frauen es nicht kapierten. Mitunter verstand sich das komplett von selbst, wie bei der einen Blonden letztens im Club.
Nein, zu ihrer beider Wohl wäre es besser, eine erneute Begegnung mit dem Rotschopf zu vermeiden. Außerdem war sie zum Arbeiten hier, nicht für Drama. Ihr Studium nahm sie ernst. Klar, vermutlich wollte sie nur sich selbst analysieren. Aber sie hatte ihr Fach gefunden und brannte dafür.
Auch deshalb hatte sie sich schon früh um eine Stelle als studentische Hilfskraft bemüht. Dass sie tatsächlich bei Professor Clamor Peters gelandet war, hatte sie überrascht. Von anderen hatte sie gehört, dass er nur Männer als HiWis beschäftigte. Es hatte sich als Glücksfall erwiesen. Inzwischen waren sie sehr gut aufeinander eingespielt und er vertraute ihren Fähigkeiten.
Sie hatte ihr Ziel erreicht und schloss die Tür zu dem kleinen Büro auf, in das man zwei Schreibtische gequetscht hatte. Diese standen sich in der Mitte des Raumes gegenüber. Immerhin gab es ein Fenster und eine winzige Küchenzeile, das war Luxus. Sie hatte bereits ganz andere Büros gesehen, daher beklagte sie sich nicht.
Heute würde sie hauptsächlich anderen Studierenden helfen müssen. Sie hoffte, dass der Ansturm milder sein würde als im Herbst. Der einzige Nachteil an diesem Job war, dass sie Tutorin sein musste. Klar war sie damals ahnungslos gewesen, aber die neuen Studierenden wirkten manchmal völlig unselbstständig. Oder hatten das die älteren Semester von ihr damals genauso gedacht?
Darüber sinnierend öffnete sie das Fenster, startete ihren Computer und die Kaffeemaschine, legte den Türstopper an. Wenige Minuten später drehte sie sich mit einer Tasse dampfenden Kaffees wieder zu ihrem Schreibtisch, als auch schon jemand in der Tür stand. Ein junger Mann mit schmalen hellbraunen Augen und schwarzen Haaren, die in einem Knoten an seinem Hinterkopf zusammengebunden waren. In den Augen einer heterosexuellen Frau würde er wohl als attraktiv gelten.
„Hallo, ist das hier das Büro von Professor Peters?“
Selbstbewusst, wie es nur junge Männer sein konnten, stellte er diese Frage. Das charmante Lächeln perfekt. Lilly grinste. Manchmal genoss sie es, männliche Charmeoffensiven komplett an sich abprallen zu lassen und zu sehen, was das mit ihnen machte.
„Nein, er ist noch nicht da. Kann ich helfen?“
„Nun ja …“ Der Typ war wohl etwas verunsichert. „Ich soll mich heute hier melden, um, also, als HiWi bei ihm.“
Kurz war Lilly entgeistert. Dann erinnerte sie sich an eine Nebenbemerkung. Er hatte gescherzt, dass sie ihr Büro vielleicht bald würde teilen müssen. Das war schon einige Wochen her. Typisch, sobald es nicht um Fachliches ging, war es für den Professor nicht besonders wichtig. Sie stellte die Tasse ab, bevor sie ihre Handfläche endgültig verbrannte. Das gab ihr einen Moment, sich zu sammeln.
„Ach natürlich, wie konnte ich das vergessen? Ich bin Lilly Ahlers, wir werden dann wohl zusammenarbeiten.“
„Ah, verstehe. Ich bin Rico Mertens, freut mich, dich kennenzulernen.“
Sie gaben sich etwas steif die Hand. Ricos war kalt, aber sein Händedruck fest. „Mich auch. Warte kurz, ich habe mich etwas ausgebreitet.“ Lilly begann, den zweiten Schreibtisch von Papierstapeln zu befreien. Sie hatten eine sinnvolle Ordnung, sahen von außen allerdings nicht danach aus. Rico verstaute seine Jacke an einem Garderobenhaken, der unmotiviert aus der Wand ragte und stellte seine Tasche auf den Boden. Kein Rucksack, sondern eine Umhängetasche aus hellbraunem Leder. Zumindest sah es aus wie echtes Leder. Aus den Augenwinkeln musterte Lilly ihn noch einmal. Er trug eine dunkelblaue Stoffhose, die eng geschnitten war. Farblich zur Tasche passende Lederschuhe. Dazu ein weißes Hemd mit Kragen, der unter einem schwarzen Pullover hervorlugte. Ziemlich overdressed. Lilly war gespannt, ob das Outfit für ihn normal oder die Variante für den ersten Tag im neuen Job war.
Eine Stunde später war der Schreibtisch leergeräumt, der Computer gestartet und Rico bei allem angemeldet, was er brauchte. Nur die E-Mail-Adresse der Uni würde auf sich warten lassen. Lilly wusste inzwischen, dass er aus Berlin hierher gewechselt war. Zwischendurch war schon das erste Hilfe suchende Studierendenschäfchen aufgetaucht. Als sie wieder zu zweit waren, konnte Lilly ihre Neugier nicht mehr zurückhalten.
„Warum bist du aus Berlin ausgerechnet hierher gewechselt?“
„So bin ich näher an meiner Familie. Nur noch zwei Stunden Fahrt statt sechs.“ Er lächelte kurz in sich hinein, dann sah er wieder zu Lilly. „Aber vor allem passt die Fakultät besser zu der Richtung, in die ich gehen will. Professor Arnold hat mir dazu geraten. Ich war HiWi bei ihr. Sie hat mich Professor Peters empfohlen, das hat ihm wohl als Qualifikation gereicht.“
Lilly hatte kurz große Augen bekommen, sich dann aber schnell um Beherrschung bemüht. Die Professorin war eine anerkannte Koryphäe auf dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie. Vor allem bewunderte Lilly sie als Frau, die sich im akademischen Betrieb behauptete. Sie räusperte sich, weil sie befürchtete, dass ihre Stimme sie sonst verraten könnte. „Ihre Arbeit finde ich spannend. Wie ist sie so?“
„Streng. Regeln und Ordnung sind ihr wichtig. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber alles ist sehr organisiert.“
Darüber entfuhr Lilly ein kurzes Lachen. „Das ist hier anders. Als ich angefangen habe, musste ich erst mal alles sortieren.“
„Ist Professor Peters etwa chaotisch?“ Um Ricos Lippen kräuselten sich Falten, er runzelte die Stirn. Lilly erklärte, dass ihr Chef durchaus ein System habe, es aber von außen nicht sehr verständlich wirkte. Inzwischen wüsste sie, was er wollte und sie ließen sich gegenseitig so arbeiten, wie sie es jeweils am besten fanden. Dann lachte sie und fügte hinzu, dass ihre Vorgänger überhaupt keine Systematik gehabt hätten und sie diese damals hatte aufsetzen müssen.
„Das klingt, als hättest du sehr viel zu tun gehabt.“ Zack, er hatte den Charme wieder angeworfen. Da lag ein mitfühlender Unterton drunter, den Lilly nicht ernst nehmen konnte.
„Wenn du im Laufe der Zeit Vorschläge hast, bin ich jederzeit offen dafür.“
Kurzes Nicken von Rico. „Ich helfe doch immer gern.“
„In welche Forschungsrichtung möchtest du denn gehen?“
„In Berlin haben wir den Einfluss von Lebensereignissen im Rahmen der Persönlichkeitspsychologie untersucht, aber der biologische Faktor, dem ihr hier am Institut nachgeht, interessiert mich viel mehr. Und dann hat Professor Peters ein Projekt zu Onlinetagebuchstudien zum weiblichen Sexualverhalten, das konnte ich mir nicht entgehen lassen.“
Sie gab sich große Mühe, ihr Gesicht nicht völlig entgleiten zu lassen, aber es war schwer. Natürlich hatte er am Ende des Satzes gezwinkert. Um nicht mit den Augen zu rollen, drückte sie kurz die Fingernägel in die Handfläche. Noch während sie überlegte, was sie darauf erwidern könnte, betrat Professor Peters das Büro. „Guten Morgen zusammen.“
„Guten Morgen, Herr Peters. Sie sind ja früh dran heute.“
„Die erste Sitzung wurde leider nicht nach meinen Wünschen terminiert. Außerdem muss ich doch den neuen Kollegen begrüßen.“ Er streckte seine Hand nach Rico aus.
„Guten Tag, ich bin Rico Mertens. Es freut mich sehr, dass ich hier sein kann.“
„Clamor Peters. Wenn Professor Arnold Sie mir empfiehlt, sage ich doch nicht nein. Aber seien Sie sich bewusst, dass die Erwartungen hoch sind. Ich kann nur hoffen, dass meine Kollegin Sie nicht an mich loswerden wollte.“
Lilly grinste hinter dem Rücken ihres Chefs. Sie wäre sich da nicht so sicher. Aber vielleicht arbeitete er besser, als er mit Frauen sprach.
„Natürlich nicht.“
„Hat Frau Ahlers Ihnen schon alles gezeigt?“
„So gut wie“, mischte sich Lilly ein. „Nur auf die Mailadresse der Uni werden wir wie immer eine Weile warten müssen.“
Der Professor seufzte. „Ja, das wird sich wohl niemals ändern. Wir haben normalerweise eine Kernarbeitszeit, aber um diese herum können Sie sich selbst aussuchen, wann Sie arbeiten möchten. Für die ersten Wochen bitte ich Sie, sich an Frau Ahlers anzupassen. Sie wird dann beurteilen, wann Sie das ändern können.“
Ein bisschen schwoll ihr die Brust vor Stolz. Sie dürfte über den Charmeur bestimmen. Ob er nun auch so zuvorkommend zu ihr sein würde? Mit dem Blick auf seine Uhr bewegte sich der Professor zur Tür. „Ich muss los. Dann wollen wir mal sehen, wer von Ihnen mit mir an dem Herbstprojekt arbeiten wird.“
Er wollte schon gehen, da hielt Lilly ihn auf. „Wie bitte? Sie haben Ihr Team noch nicht vollständig gewählt?“ Im kommenden Wintersemester würde es darum gehen, inwiefern sich der Eisprung auf weibliches Begehren und Verhalten auswirken könnte. Es bedeutete viel Arbeit, aber auch die Chance einer Publikation mit ihrem Namen darunter. Außerdem könnte sie darauf im nächsten Jahr ihre Masterarbeit aufbauen.
„Nein, Frau Ahlers. Wenn ich schon die Wahl zwischen zwei HiWis habe, werde ich diese auch treffen. Bis zum Ende des Semesters schaue ich mir Ihre Arbeitsweisen und Ihr Engagement genau an und werde anhand dessen entscheiden. Jetzt muss ich aber wirklich, bis später.“ Damit rauschte er davon. Lilly blieb sprachlos zurück. Das alles hatte er so nebenbei erwähnt, als wäre es keine große Sache. Zählte die ganze Arbeit, die sie bisher hier hineingesteckt hatte, denn überhaupt nichts? Würde er das fair beurteilen? Oder sowieso dem Mann die Stelle geben?
„Wow, davon wusste ich gar nichts.“
Lilly verzichtete auf eine Antwort. Dieses Projekt war mit Sicherheit ein Hauptgrund für seinen Wechsel gewesen. Wenn dieser Kerl hier einfach reinmarschierte und alles kaputt machte…
„Möge der bessere HiWi gewinnen.“ Wieder dieses charmante Grinsen. Jetzt würde sie es ihm am liebsten aus dem Gesicht wischen. Stattdessen nahm sie seine Hand und schlug ein.
„Möge der oder die bessere gewinnen.“
„Sollen wir woanders hingehen?“
An diesem Abend war die Nudelbar noch voller und lauter als sonst. Ihr fiel auf, dass Merle müde aussah. Sie war blass und schien Augenringe überschminkt zu haben.
„Nein, alles gut.“ Merle lächelte zur Bestätigung. Dabei sah sie wie immer sehr niedlich aus. Dieser Eindruck entstand vor allem durch ihre kleine, schmale Nase und dadurch, dass sie nur einen Meter fünfundsechzig groß war, also einen Kopf kleiner als Lilly. Wie eine kleine Schwester in übergroßen Pullovern.
„Okay. Hast du schon bestellt?“ Merle nickte und wie aufs Stichwort kam Linda auf ihren Tisch zugesteuert und stellte Kaffee sowie ein Glas Wasser vor Lilly ab.
„Rigatoni mit Gorgonzola? Oder heute etwas anderes?“
„Verführ mich doch nicht immer zu dieser Soße!“
„Ach komm, weil du dir ja um deine Figur Sorgen machen musst. Wir haben natürlich auch Salat mit nur einem mickrigen Streifen Hühnerbrust, wenn dir das lieber ist.“ Alle drei lachten. Lilly fand ihre Sprüche meist klischeebeladen, musste Linda aber trotzdem einfach mögen. „Schon klar, schon klar. Aber ich nehme heute tatsächlich was anderes. Die Penne mit Curry, bitte.“ Merle bestellte einen Salat mit Couscous.
„Wie war der Beginn des Semesters, Frau studentische Hilfskraft?“
„Ach, frag nicht. Die Schäfchen sind etwas weniger dumm, aber immer noch nervig. Und ich habe jetzt einen Kollegen.“
„Nein, ehrlich? Bist du nicht mehr die Einzige, die den großen Prof versteht?“
Lilly wusste nicht, wieso genau, aber Merle mochte Professor Peters nicht. Sie hatte nie studiert und fand den Personenkult um manche Wissenschaftler merkwürdig. Das war mitunter angebracht, allerdings gehörte Professor Peters nicht zu dieser Sorte. Inzwischen hatte sie es aufgegeben, Merle davon überzeugen zu wollen. Sie schilderte ihre erste Begegnung mit Rico und regte sich erneut darüber auf, dass ihre Beteiligung am Herbstprojekt wackelte. Ihre Freundin schien etwas amüsiert von ihrer Rage zu sein.
„Ich habe ja immer gedacht, dass du irgendwann eine sexy Kollegin bekommst, von der du die Finger nicht lassen kannst.“
Nun schnaubte Lilly. „Mach ich nicht. Weißt du doch.“
„Sind sie an der Uni nicht alle vernünftiger als in der Schule?“
„Haha, im Gegenteil. An der Uni glauben alle, sie hätten’s voll drauf und wären ja so frei und wild. Teilweise sind die dümmer als vorher. Vielleicht wegen der vielen Partys.“
„Auf die du ja nie gehst.“ Merle grinste fies.
„Sie sind heute wieder besonders witzig, liebste Freundin. Mir scheint, du warst auf einer, das würde erklären, warum du so müde aussiehst. Oder gibt es etwas anderes, das dich um den Schlaf bringt?“
„Dasselbe wie immer. Und Jan! Jeden Tag schickt er mir Stellenanzeigen und fragt mich dann abends, ob ich mich direkt beworben habe.“
Lilly nahm über den Tisch hinweg Merles Hand. „Hey, das wird schon. Deine Kündigung gilt doch erst ab April, oder?“
Merle nickte und strich sich Haare hinters Ohr. Abwesend kaute sie an ihrem Daumen herum. „Aber weil ich gekündigt habe, bekomme ich erst nach drei Monaten Arbeitslosengeld.“
Sie traute sich kaum, zu fragen. „Zweifelst du an der Entscheidung?“
„Nein, ich bin so froh, endlich gegangen zu sein. Es geht mir jetzt schon besser und am ersten April wird dieser Scheißladen endgültig keine Macht mehr über mich haben.“
Sie lächelte beruhigt. Monatelang hatte Lilly auf sie eingeredet. Auch die nächste Frage kostete sie Überwindung. „Brauchst du Geld?“ Merles Augen wurden groß und sie hörte auf, an ihrem Finger zu knabbern. Mist, sie hätte nicht fragen dürfen.
„Ich … Nein, ich habe gespart, wir brauchen ja nicht viel. Danke, dass du fragst.“ Als Antwort lächelte Lilly nur. Sie wusste nicht, wie sie weiterreden sollte. Das Schweigen hing zwischen ihnen, erstaunlich unangenehm. Das kannte sie nicht mit Merle. Schnell sagte sie das Erste, das ihr in den Sinn kam. „Soll ich mal an der Uni die Augen offenhalten? Vielleicht suchen sie ja jemand fürs Helpdesk oder so.“
„Lilly, ich bin Kauffrau für Digitalisierungsmanagement. Damit erkläre ich keinen doofen Studis, wie sie ihr Passwort für ihre Mails neu vergeben.“ Einen langen Moment wollte Lilly zurück motzen, wie sie es so oft tat. Doch sie atmete kurz ein und aus, dann erst antwortete sie. „Entschuldige, ich wollte nur helfen.“
„Ich weiß.“ Merle warf die Hände in die Luft und legte danach ihr Gesicht hinein. „Wie Jan, aber all das setzt mich nur unter Druck und den mache ich mir schon alleine.“
„Nicht doch, tut mir leid, ich habe einfach irgendwas gelabert, ohne zu denken. Du hast es drauf und findest wieder was. Nach dem ganzen Stress ist eine Pause sicher auch nicht verkehrt, oder?“
Merle brummelte nur etwas, das Lilly als „Keine Ahnung“ identifizierte. Dann kam ihr tatsächlich eine Idee.
„Erinnerst du dich daran, als Frank vor ein paar Jahren arbeitslos war?“ Merle tauchte auf und nickte, die Stirn vor Verwirrung in Falten. „Er hat sich drei Monate als Auszeit genommen. Statt daheim rumzusitzen, ist er gereist, hat Kurse belegt, Bücher gelesen, sich mit allem beschäftigt, was immer links liegen geblieben ist. Eigentlich wollte er erst danach mit Suchen anfangen, aber der passende Job ist ihm dann wie von selbst über den Weg gelaufen.“
Wieder Schweigen. Merle starrte sie einfach nur an, ihr Gesicht ein Fragezeichen. Also erläuterte Lilly, dass sie das ja nur einen Monat machen könnte, reisen wäre vermutlich nicht drin, aber den Kopf durchpusten und mit neuen Eindrücken füllen ginge auch mit wenig Geld. Es würde den Druck rausnehmen. Nach einem Monat wären die Jobs immer noch da. „Nicht rumsitzen, sondern einen Plan haben, dann kann nicht mal Jan meckern.“
Während sie gesprochen hatte, war ihr Essen gekommen, sodass Merle nun auf ihrem Salat herumkaute. Sie schien nachzudenken. So lange, dass Lilly unsicher wurde. „Ist nur ´ne fixe Idee, wenn du es blöd findest …“
Kopfschütteln unterbrach Lilly. „Ist es gar nicht. Im ersten Moment kam es mir völlig abwegig vor, aber eigentlich ist das genau richtig. Ich habe nach der Kündigung endlich gut geschlafen, doch jetzt wird es schon wieder schlechter, weil ich ständig an die Jobsuche denke. Das einen Monat bewusst nicht zu tun, hört sich toll an. Ob das Jan überzeugt, weiß ich allerdings nicht.“
„Ist doch egal, deine Entscheidung“, nuschelte Lilly um ihre Nudeln herum. Durch die Soße rutschte dabei eine aus ihrem Mund und landete wieder auf dem Teller. Merle lachte und gratulierte ihr zu diesem Kunststück. Sie spannen noch weiter auf der Idee herum, überlegten, was Merle alles mit ihrer Zeit anfangen könnte. Ein, zwei Kurse könnte sie sich schon leisten, Sport wäre mal wieder sinnvoll und ungelesene Bücher stapelten sich auf ihrem Tablet. Als ihre Teller leer waren, hatte sie den Entschluss gefasst. Lilly hoffte sehr, dass sie ihn gegenüber Jan durchhalten würde. Manchmal neigte Merle dazu, sich ihm anzupassen. Sie wirkte zumindest entschlossen.
„Was macht Jan eigentlich so? Ich habe das Gefühl, ich habe ihn ewig nicht gesehen.“
Sie versuchten, zu rekonstruieren, wann sie sich zuletzt zu dritt getroffen hatten. Jan hatte Anfang des Jahres eine Volontariat in einem Verlag angefangen und viel zu tun, alles war neu und aufregend. Außerdem versank er nun beruflich in Büchern, was ihn offenbar noch mehr lesen ließ, als zuvor. Lilly hätte nicht gedacht, dass das möglich wäre. Seit sie ihn kannte, war er die größte Leseratte des Planeten.
„Ich frage ihn mal. Vielleicht gehen wir mal wieder zusammen ins Kino?“
Kurz blickte Lilly auf ihr Handy, löschte die Benachrichtigung und steckte es weg. Merle schien trotzdem gesehen zu haben, wer ihr geschrieben hatte. „Hält Elena ihr Ritual immer noch durch?“ Merle fragte scherzhaft, konnte den ernsten Unterton aber nicht ganz weglassen. Alle paar Monate bekam Lilly eine Nachricht, dass Elena an sie denken würde, dass sie sie vermissen würde. Alle paar Monate ignorierte Lilly die Nachricht. „Jap. Regelmäßig erinnert sie sich an meine Existenz.“
„Du könntest ihre Nummer blockieren, weißt du?“
Lilly stöhnte. „Habe ich doch schon. Sie hat eine neue. Selbst wenn ich sie überall blockieren würde, letztlich würde sie vor meiner Tür stehen. Ich bin nur in den zwei Minuten interessant, in denen sie unglücklich oder einsam ist. Ihre Nachrichten einfach nicht zu beantworten, macht weniger Arbeit und stört mich nicht weiter. Ich bin fertig mit ihr.“ Sie schwiegen. Ihr war klar, dass Merle viel zu dem Thema zu sagen hätte. Sie brachte es immer mal an, weil sie wollte, dass sich Lilly mit all dem beschäftigte, es aufarbeitete. Doch Lilly hatte schon lange entschieden, dass Elena es nicht wert war. Das zwischen ihnen war vorbei, mehr gab es nicht zu sagen.
Es war später Vormittag, langsam schienen die Leute gefrühstückt zu haben und sich in die Stadt zu begeben, denn es kamen immer mehr in den Laden. Die ersten Jugendlichen stromerten herum und stritten sich um die wenigen Konsolen, die man ausprobieren konnte. Das sah Tara zum Glück nur von der Rolltreppe aus, denn die Games waren nicht auf ihrem Stockwerk. Dorthin kehrte sie nun zurück, nachdem sie mehrere HDMI-Kabel nach unten zur Warenabholung gebracht hatte.
Sie wurde zwar von ihren Eltern unterstützt, aber es war ihr wichtig, eigenes Geld zu verdienen. Deshalb arbeitete sie in dem Elektronikmarkt, der allein wegen seiner Größe immer Aushilfen brauchte. Die Stelle zu bekommen, hatte ihr wenig Probleme bereitet. In ihrer Familie war sie meist diejenige gewesen, die sich mit diversen Geräten hatte auseinandersetzen müssen. Sei es den Videorekorder zu programmieren, das Internet wieder zum Laufen zu bringen oder dem Drucker klarzumachen, was er tun sollte. Für ihren Bruder waren diese Alltäglichkeiten unter seinem Niveau gewesen. Als sie nun die Rolltreppe verließ, trat direkt ein Mann auf sie zu. Sie schätzte ihn auf Mitte fünfzig, sein Schnurrbart war gepflegt, Jeans und Hemd weniger.
„Fräulein?“, sprach er sie an und ruinierte damit jegliche Möglichkeit, einen guten ersten Eindruck bei ihr zu machen. Trotzdem bediente sie ihn natürlich freundlich und lösungsorientiert, wie ihr Chef nicht müde wurde, zu betonen.
Danach stand plötzlich Ulf neben ihr und fragte, ob alles in Ordnung sei. Er war ein ruhiger, freundlicher Mittvierziger, der seine Arbeit routiniert machte und immer gern Fragen beantwortete. „Ach, der Typ da vorn hat mir nicht geglaubt, dass ich ihm das richtige Kabel gegeben habe und deshalb noch mal Tom gefragt, der ihm genau dasselbe erzählt hat.“
Ulf seufzte. „Denk immer dran: Diese Männergeneration erledigt sich in einigen Jahren ganz von selbst.“
„Ja, aber bis dahin gehen sie mir noch eine Weile auf die Nerven.“
„Dann habe ich die perfekte Ablenkung für dich. Eine junge Dame, die sich für Kameras interessiert. Ich glaube, eher eine Anfängerin.“ Sie lächelte. Eine schöne Anfängerberatung war jetzt genau das Richtige. In diesem Bereich zweifelte niemand an ihren Kompetenzen. Schon war ihre Laune merklich besser. Auch dafür mochte sie Ulf, sein Humor tat ihr immer wieder gut.
„Na klar, übernehme ich.“ Damit folgte sie ihm zu den ausgestellten Geräten. Dort angekommen, sah sie die Kundin zunächst von hinten. Sie trug eine schwarze Lederjacke und hatte lange rotbraune Haare. Der Anblick kam Tara sehr bekannt vor. Hatte sie ein Déjà-vu? Als Ulf die Frau ansprach, drehte sie sich um und sah erst ihn, dann Tara an. Gerade noch rechtzeitig konnte Tara ihr Gesicht beherrschen, sodass nur ihr Lächeln etwas breiter wurde. Vor ihr stand tatsächlich die Frau mit dem Motorrad, die ihr letztens auf dem Campus zugezwinkert hatte. Tara konnte nicht anders, als kurz den Blick über ihren Körper wandern zu lassen. Ihre Brüste zeichneten sich deutlich unter ihrem Pullover ab und schienen gut zu ihrer sonst schlanken Figur zu passen. Nun fiel ihr auch auf, dass sie leicht zu ihr aufsehen musste. Kurz überlegte Tara, ob sie ihre Begegnung überhaupt erwähnen sollte. Sie wollte sich doch fernhalten von Frauen wie ihr. Während es in ihrem Gehirn arbeitete, stellte Ulf sie als fachkundige Kollegin vor und verschwand daraufhin. Sie beschloss, trotzdem direkt darauf einzugehen. Immerhin konnte ihr Starren der anderen nicht entgangen sein.
„Hi, das ist ja ein lustiger Zufall.“
„Das stimmt. Heute siehst du viel wacher aus.“ Ihr Gegenüber lachte. Tara fiel mit ein. „Ja, ich konnte länger schlafen. Diese erste Vorlesung am Montagmorgen macht mich einfach fertig.“
„Da habe ich Glück, morgens bin ich am produktivsten.“
„Beneidenswert. Also, womit kann ich dir helfen? Suchst du eine Kamera für dich?“ Für einen Moment hatte Tara den Eindruck, dass ihre Kundin fast vergessen hatte, warum sie hier war. Dann schien es ihr wieder einzufallen.
„Ähm, nein. Mein Vater hat bald Geburtstag und seit er ein Smartphone hat, entdeckt er die Begeisterung fürs Fotografieren. Er hatte auch mal eine analoge Kamera vor vielen Jahren, die ist leider kaputtgegangen.“
„Also möchtest du ihn auf ein höheres Level heben mit einer besseren Kamera als der im Smartphone?“
„So in der Art, ja. Ich habe den Eindruck, dass er Spaß daran hat und sich intensiver damit beschäftigen möchte, als nur Schnappschüsse zu machen.“ Tara hörte aufmerksam zu und nickte langsam, sortierte die Informationen und blickte zum Sortiment.
„Hast du eine Obergrenze, wie viel du ausgeben kannst?“
„Nicht so direkt. Ich mache das zusammen mit Freunden und seiner Schwester, von daher geht da schon was.“
Aus den Augenwinkeln nahm Tara wahr, dass ihr Gegenüber sie nicht aus den Augen ließ. Sie schien geradezu auf jede weitere Frage zu warten. Doch hier ging es um ein Verkaufsgespräch, von daher war sie auf das Thema fokussiert. Sie erläuterte die Vorteile einer spiegellosen Systemkamera und empfahl zwei Modelle. Während sie sprach, hob sie eines der Geräte hoch und reichte es ihr. Da die Plastikkette der Diebstahlsicherung nicht besonders lang war, berührten sich dabei sowohl ihre Hände als auch ihre Arme und Schultern. Es fühlte sich an wie ein elektrischer Impuls, aber angenehm. Selbst durch die Lederjacke spürte sie die Wärme der anderen. Sie hielten beide inne und sahen sich an. Es war auf einmal intensiv. Tara war gar nicht klar, wo das hergekommen war. Sie wagte kaum, zu atmen. Der anderen schien es ähnlich zu gehen, denn auch sie machte keine Anstalten, die Kamera komplett in die Hand zu nehmen.
Plötzlich war der Moment vorbei und Tara fing sich wieder, drückte ihr das Gerät endgültig in die Hand. „Schau sie dir doch einfach mal kurz an.“ Das gab Tara die Möglichkeit, sich kurz zu sammeln und sie erneut zu betrachten. Eine Strähne ihres Haares war widerspenstig und hing ihr immer wieder ins Gesicht. In ihr schönes Gesicht. Es wirkte länglich, wegen des markanten Kinns und der hohen Wangenknochen. Ihre Lippen waren eher schmal und ihre Nase dagegen zu groß, passte aber ausgezeichnet zu ihr. Ihre Augen nahmen Tara für einen Moment gefangen. Dieses Blau. Dann fiel ihr auf, dass die Frau sich ihr zugewandt hatte. Klar, sonst hätte sie ihr nicht so direkt in die Augen sehen können. Schnell blinzelte Tara und lächelte entschuldigend. Doch sie schien gar keine Frage überhört zu haben.
„Schaust du was Schönes an?“
„Ja.“ Die Antwort hatte sich selbstständig und unüberlegt aus ihrem Mund bewegt. Sofort wurde Tara verlegen. Die andere hielt den Blick, den erneuten Moment. Tara war fast hypnotisiert. Ohne wegzusehen, fragte sie: „Wie heißt du eigentlich?“
Da löste ihr Gegenüber den Blick, grinste und streckte ihr die Hand entgegen. „Ich bin Lilly.“
„Tara.“ Sie schüttelte die schmale Hand, die einen kräftigen Händedruck hatte. Beide lächelten und schwiegen. Ein angenehmes Schweigen. Was tat sie hier? Sie wollte sich doch nicht mit ihr einlassen und nun hatten sie sich auch noch vorgestellt. Sie musste damit aufhören. Da sah Tara einen Kollegen vorbeigehen. Und erinnerte sich, dass sie hier eigentlich arbeitete. „Äh, okay, was sagst du zu den beiden Kameras?“
Lilly sah skeptisch aus, dann schien sie sich durch Taras Hemd in der Firmenfarbe hellblau ebenfalls zu erinnern. „Ich glaube, die Kategorie passt gut, aber ich sehe keinen großen Unterschied zwischen den beiden.“
„Das kann ich verstehen.“ Tara war jetzt wieder in der Spur. „Die sind sich ziemlich ähnlich. Wenn du keine optische Präferenz hast, würde ich dir diese hier empfehlen. Die ist ein wenig neuer und der Hersteller macht guten Service, mit Tutorials und ausführlicher Anleitung im Internet.“
„Klasse, dann nehme ich die. Wenn es Videos gibt, muss er nicht mich fragen.“ Dabei grinste sie wieder.
„Du bist also auch die erste Anlaufstelle, wenn was nicht funktioniert?“
„Es wurde besser in den letzten Jahren. Scheinbar hat er gelernt, wie man googelt.“ Beide lachten. Sie spürte, dass Lilly ihren Vater eigentlich sehr gern hatte.
„Das muss ich meinen Eltern noch beibringen. Ich freue mich über Erziehungstipps.“ Damit übergab sie Lilly eine Schachtel mit dem richtigen Modell. „Soll ich dir ein paar Taschen zeigen?“
„Nein, danke, die soll er sich dann selbst aussuchen.“
Und schon schwiegen sie wieder. Dieses Mal kam es Tara ein bisschen unangenehm vor. Das eigentliche Verkaufsgespräch war beendet. Sollte Tara sie nach ihrer Nummer fragen? Wäre das unverschämt? Vielleicht war Lilly ja nicht mal lesbisch? Wobei, doch, da war Tara sich ziemlich sicher. Das war auch genau das Problem, sie sollte gar nicht über so was nachdenken.
Während sie sich selbst schalt, wurde ihr die Entscheidung abgenommen. Ein Kunde drängte sich fast zwischen sie, bis er verstand, dass sie noch nicht frei war. Daraufhin nahm er diese typische Haltung ein, bei der er so nah an den beiden stand, um gesehen zu werden, aber gerade weit genug weg, um nicht unhöflich zu wirken. Innerlich wurde Tara hektisch. Es war die optimale Gelegenheit, den eigenen Vorsätzen zu folgen.
„Okay, dann sehen wir uns mal an der Uni, denke ich. Die Kolleginnen an der Kasse verpacken es dir auch als Geschenk.“
Lilly sah kurz verwirrt aus, schien aber schnell wieder ihre ganze Coolness parat zu haben. „Super, danke. Schönen Tag noch.“
„Dir auch.“
Ein letztes Lächeln, dann widmete sich Tara dem nächsten Kunden. Sie hatte den Eindruck, dass Lilly kurz stehen blieb und ihr zusah, doch als sie sich umdrehte, war sie verschwunden.
Sie zog die Handbremse und stoppte den Motor. Endlich angekommen. Sie drehte den Kopf und blickte durch die linke Seitenscheibe. Vor ihr lag ihr Elternhaus. Eingebettet in Grün. Warmes Gelb an der Wand, leuchtendes Blau an den Fensterläden. Fast märchenhaft. Inzwischen beruhigte sie der Anblick. Als Kind hatte Lilly es für ein Schloss hinter Hecken gehalten. Wie bei Dornröschen. Als Jugendliche hatte sie den weiten Weg in die Stadt gehasst. So bald wie möglich hatte sie den Führerschein gemacht.
Auch, um zu entkommen. Nach dem Tod ihrer Mutter war das schöne gelbe Haus düster geworden. Ihr Vater hatte sich in sich selbst zurückgezogen, war wie ein Geist durch die Räume geschwebt. Sie selbst, gerade siebzehn, hatte sich bemüht, den Haushalt zu schmeißen, für sie beide zu kochen, Rechnungen zu bezahlen. Gleichzeitig schleppte sie ihren eigenen Klumpen Trauer mit sich herum. Irgendwann hatte sie aufgegeben, war kaum zu Hause gewesen. Außer, dass ihr die saubere Kleidung ausgegangen war, hatte es nichts geändert. Als ihre Kräfte endgültig am Ende gewesen waren, hatte sie beschlossen, es nicht länger zu verheimlichen. Rief seine Freunde an.
Alle kamen. Alle zeigten ihm, dass seine Tochter noch da war. Danach hatte er sich einen Therapieplatz gesucht. Nach einigen Monaten hatten sie ihr Leben wieder im Griff gehabt. Seitdem waren sie stärker miteinander verbunden als jemals zuvor. Genauso mit dieser Wahlfamilie. Dass sie seit dem Studium zwei Stunden herfahren musste, hatte daran nichts geändert.
Sie war schon gespannt, was er zum Gemeinschaftsgeschenk sagen würde. Tara hatte sie sicher gut beraten. Sie hatte fast geleuchtet, so sehr war sie in ihrem Element gewesen. Ein bisschen sexy in ihrer Begeisterung. Warum hatte Lilly sie nicht nach ihrer Nummer gefragt? Sonst war sie doch auch nicht auf den Mund gefallen. Die Mischung aus Arbeits- und Privatgespräch hatte sich merkwürdig angefühlt. Und trotzdem, irgendwas war da zwischen ihnen. Klein und leise. Mit einem unbewussten Lächeln nahm sie das Paket vom Beifahrersitz und stieg aus. Das kleine rote Auto hatte einst ihrer Mutter gehört. Lilly hielt es in Ehren, auch wenn sie nicht oft fuhr. In der Stadt war das Motorrad praktischer.
„Da bist du ja. Wie war die Fahrt?“
Noch auf dem Weg zur Haustür kam ihr bereits Frank entgegen, einer der besten Freunde ihres Vaters. Seit Längerem züchtete er seine Gesichtsbehaarung. Inzwischen hatte er einen sehr ansehnlichen, mit Grau durchzogenen Vollbart. Seine kleinen Augen verschwanden dadurch fast in seinem Gesicht. Er nahm Lilly zur Begrüßung in den Arm. Wieder einmal stellte sie fest, dass er ihr nur bis zur Schulter reichte.
„Gut, ging richtig schnell. Bis auf dieselbe alte Baustelle.“
Er lachte. „Ja, die ist in zwanzig Jahren wohl immer noch da. Hast du es dabei?“ Den letzten Satz flüsterte er.
„Na klar.“ Sie hielt das Paket hoch. Die Kassiererin hatte es in dickes Papier eingepackt. Eine Schleife aus grober Paketschnur schmückte es.
„Klasse. Dann lass’ uns reingehen, es sind schon alle da.“
Drin wurde sie von der ganzen Meute liebevoll begrüßt. Die bestand hauptsächlich aus Männern mittleren Alters sowie Lillys Tante. Außerdem die einzige Schulfreundin, die noch im Leben ihres Vaters war: Regina. Lilly wurde warm ums Herz. Ihr Vater kam aus der Küche und stellte ein paar Gläser ab.
„Alles Gute zum Geburtstag, Dad!“
Sie fielen sich in die Arme. „Danke, mein Kind.“ Beim Lächeln zeigten sich viele Falten um seine blauen Augen. Doch im Gegensatz zu den meisten seiner Freunde hatte er noch keine grauen Haare. Er war beim Friseur gewesen, der eine Seite etwas länger gelassen hatte, sodass sich eine leichte Welle über seinem Gesicht bildete. Das stand ihm ausgezeichnet. Als Gewohnheitstier hatte er seine Frisur sonst nie großartig verändert.
Es hielten schon alle Sektgläser in der Hand. Ihre Tante reichte Lilly eines. Dann sangen sie. Sehr schief. Ihr Vater stand verlegen herum und freute sich sichtlich. Direkt im Anschluss drückte sie ihm das Geschenk in die Hand. „Das ist von uns allen zusammen.“
„Wow, danke euch.“
„Mensch, Eike, jetzt pack es doch erst mal aus!“ Frank lachte und einige fielen mit ein oder stimmten ihm lautstark zu. Das tat er nur zu gern, wie es aussah. Er studierte das Produktfoto vorn auf der Packung und seine Augen wurden groß. Dann blickte er mit diesen Augen in die Runde. „Das geht nicht. Die war doch sicher total teuer!“
„Dad, sie ist von uns allen. So teuer war sie nicht, mach dir keine Sorgen. Tasche und weitere Objektive musst du dir selbst kaufen, das wird teuer genug.“ Lillys Grinsen wurde breiter und alle lachten. Noch einmal sah er staunend auf die Schachtel. „Ihr seid die Besten!“ Er drückte Lilly an sich und machte dann die Runde. Besonders lange hatte er Regina im Arm. Das überraschte nicht, die beiden standen sich sehr nahe. Als er sie losließ, wirkte es, als nickten sie sich zu. Nun wunderte sich Lilly doch. Was führten die beiden im Schilde?
„Willst du sie nicht ausprobieren?“ Frank schien fast so neugierig wie Eike zu sein.
„Vorher gibt es noch etwas, das ich euch sagen möchte. Wenn schon alle gerade ein Glas zum Anstoßen haben.“ Nun war er richtig aufgeregt, sprach schneller. Lilly konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Eike drehte sich zu Regina. Er nahm ihre Hand. Atmete tief durch.
„Es wird wohl nicht alle überraschen, aber Regina und ich sind ein Paar.“ Er hatte es schnell gesagt. Als hätte er es hinter sich bringen wollen. Lillys Grinsen zerfiel. Komplett überrascht war sie nicht. Dass zwischen den beiden mehr war, hatte sie geahnt. Aber wie lange schon? Warum hatte er ihr nichts erzählt? Es herrschte Stille im Raum. Man schien zu warten. Sie sah sich um. Alle blickten zu ihr. Auch ihr Vater sah sie an. Ein wenig ängstlich.
„Also, das ist …“ Ein kurzer Augenblick, dann entschied sie sich. „Das ist total klasse.“ Dazu lächelte sie. Ja, sie freute sich für ihn. Er hatte es verdient, glücklich zu sein.
„Zum Glück!“ Erleichterung ließ die Herzen von Eike und Regina sichtlich leichter werden. Beide kamen zu Lilly und umarmten sie. Jemand rief einen Toast aus, alle stießen an und tranken.
Nach einem langen und leckeren Essen voller Unterhaltungen und Späße saß Lilly auf der Terrasse hinter dem Haus. Unterhalb war eine Wiese, an die dichter Wald grenzte. Manchmal tauchte in der Dämmerung ein Reh auf. Hier dauerhaft zu wohnen, konnte sie sich nicht mehr vorstellen. Die Stadt war spannender. Vielleicht würde sich das eines Tages ändern. Bis dahin genoss sie es, ab und an hier zu sein. Durchzuatmen.
Sie hatte sich in eine Decke gehüllt und auf einem der gepolsterten Liegestühle Platz genommen. Um sie herum standen weitere Stühle, die eine Feuerschale umringten. Die Wärme des Feuers und der kalte Wind dämpften sich gegenseitig. Niemand außer ihr war hier draußen. Sie konnte ungestört in die Flammen schauen. Die Gedanken schweifen lassen. Vielleicht sollte sie noch mal zu dem Laden gehen und Tara danken. Die Kamera war ein Volltreffer. Seit ihr Vater sie ausgepackt hatte, hatte ihn nur die mangelnde Akkulaufzeit davon abgehalten, Fotos zu machen. Von allem und jedem. Wie ein kleiner Junge mit seinem neuen Spielzeug. Sie mochte es, dass er sich seine Begeisterung erhalten hatte.
„Na, Große?“ Als hätte ihn der Gedanke heraufbeschworen, setzte er sich auf den Liegestuhl neben ihrem. Er trug einen modischen Pullover, den sie noch nicht kannte. Das fiel ihr jetzt erst auf, wo sie ihn in Ruhe ansehen konnte. Scheinbar verbesserte Regina nicht nur seine Frisur, sondern auch seinen Kleiderschrank. Sie sah ihn ernst an. Dann lächelte sie. „Neuer Pulli?“
„Ja, hat mir Regina gekauft.“ Bingo. Lilly richtete den Blick wieder auf das Feuer. Schwieg. Er war dran und das wusste er.
„Ich hatte vorhin das Gefühl, du warst irgendwie sauer.“
„Ein wenig.“
„Auf Regina? Weißt du, ich möchte deine Mum nicht -“
Sofort unterbrach sie ihn. „Ich weiß. Das ist es nicht.“
„Nicht? Was denn dann?“
Sie sah weiterhin ins Feuer. „Wie lange seid ihr schon zusammen?“
„Ein paar Monate. Ich wollte …“ Da schien der Groschen zu fallen. „Ich musste selbst erst sehen, was das wird. Die Gefühle waren schon lange da, aber da ist auch diese ewige Freundschaft. Die wollte ich nicht versauen. Und als wir nach einem Abend mit viel Wein plötzlich knutschend auf dem Sofa lagen, war ich erst mal verwirrt. Bevor ich mir nicht sicher war, wollte ich es niemandem erzählen. Tut mir leid.“
Noch ein paar Sekunden ließ sie ihn zappeln. Schließlich sah sie ihn an und lächelte wieder. „Das ist toll. Ich freue mich für euch. Ich war nur überrumpelt. Wir haben uns in den letzten Jahren alles erzählt und dann erfahre ich so eine große Neuigkeit mit allen anderen.“
„Es tut mir wirklich leid, ich habe nicht mitgedacht.“
„Schon gut. Wir haben es besprochen, jetzt Schwamm drüber.“
„Okay.“ Er grinste breit. „Wenn ich ihr einen Antrag machen will, erfährst du es als Erste. Mit wem soll ich denn sonst einen Ring aussuchen?“
Sie lachten. Sie wusste, dass es ein Scherz war. „Steht das denn zur Debatte?“
„Noch lange nicht. Ich schließe es nicht aus, eines Tages. Allein, damit sie versorgt wäre. Aber davor müssen ein paar Jahre Beziehung sein.“
„Fühlt es sich denn richtig an?“
„Total. Wir kennen uns schon so lange, deshalb ist alles sehr vertraut und trotzdem ganz neu. Da stimmt das Klischee. Es passt, aber wir müssen es nicht überstürzen, das ist alles.“
„Dann ist gut.“
Sie schwiegen und schauten zusammen ins Feuer. Aus dem Wohnzimmer hinter ihnen drangen leise Gespräche nach draußen. Ab und zu lauteres Lachen. Lilly fühlte sich sicher und warm. Alles um sie herum hüllte sie genauso ein wie die reale Decke.
„So von der Seite siehst du aus wie deine Mutter.“ Eike hatte leise gesprochen. Als wollte er den Moment nicht zerstören.
„Wirklich?“
„Ja. Du bist in dem Alter, in dem ich sie damals kennengelernt habe. Allerdings waren ihr Haare heller und anders geschnitten.“
„Und sie trug gern Kleider.“ Lilly kicherte. Dieser Kontrast zwischen ihr und ihrer Mutter hätte kaum größer sein können. Auf jedem Foto war mindestens ein zartes, weißes oder rüschiges Kleidungsstück an ihr zu sehen. So gut wie nie eine Hose.
„Stimmt.“ Eike schmunzelte.
„Was sie wohl von mir halten würde, jetzt?“ Lilly wusste nicht so recht, wo dieser Gedanke hergekommen war. Aber in den letzten Jahren tauchte er immer wieder auf. Nun hatte er es zum ersten Mal aus ihrem Mund geschafft. Ihr Vater rutschte auf seiner Liege nach vorne, näher zu ihr. Legte ihr eine Hand auf den Arm. Sah sie eindringlich an. „Sie wäre stolz auf dich. Sie würde eine so tolle junge Frau in dir sehen, wie ich es tue.“
Nun war sie verlegen. „Ach komm, hör auf. So toll bin ich nicht.“
„Warum denkst du das?“
„Ich trinke zu viel, schlafe mit zu vielen Frauen und fahre zu schnell Motorrad.“ In ihrem Kopf hatte es witzig klingen sollen. Ausgesprochen klang es viel zu ernst.
„Hey.“ Nun setzte er sich zu ihr und zog sie mitsamt der Decke in eine Umarmung. „Dein Alter ist für genau solche Sachen da. Du findest heraus, was zu dir passt und dann ziehst du es durch. Oder änderst es wieder.“
Sie hatte gar nicht so ehrlich sein wollen. Doch nun war sie froh darüber. Ihr Vater hatte immer die richtigen Antworten. „Entscheide ich mich auch irgendwann, gesittet Motorrad zu fahren?“
Er brach in schallendes Gelächter aus. „Nein, niemals. Da kommst du nach mir.“
Eigentlich hatte sie keine Lust. Gemeinsam mit dem gemütlichen Bett versuchte ihr aktuelles Buch, sie zu überreden, einfach zu Hause zu bleiben. Stone Butch Blues war hart, aber sehr gut. Doch sie hatte Luise versprochen, mit zu der Party zu gehen. Sie verbrachte mit ihrer Zimmernachbarin gern Zeit, das war nicht das Problem, nur die vielen anderen Menschen, die sich meist auf Partys tummelten.
Damals, gleich am ersten Tag im Wohnheim, hatten sie sich unterhalten. Luise war blond gelockt und so gut wie immer fröhlich. Ihr Verhältnis war angenehm, denn beide respektierten es, wenn die andere Ruhe zum Lernen brauchte und ab und zu kochten sie miteinander. Und manchmal schleppte Luise sie eben zu Partys von Freunden. Heute Abend in einer großen WG. Wenn die richtige Stimmung sie erwischte, tanzte Tara sehr gern und war ausgelassen, meistens unterhielt sie sich lieber.
Als sie nun vor ihrem Spiegel stand, beschloss sie, den Abend einfach auf sich zukommen zu lassen. Kurz begutachtete sie ihr Outfit. Chucks, eine dunkle, relativ enge Jeans und ein weinrotes ärmelloses Hemd mit Knopfleiste. Dazu nahm sie einen schwarzen Kapuzenpullover für den Nachhauseweg mit. Sie hatte sich ein bisschen geschminkt und die Haare gestylt. Sie waren zum größten Teil nach links gekämmt, sodass die Frisur besonders asymmetrisch aussah. Mit einem kleinen Lächeln nickte sie ihrem Spiegelbild zu, schnappte sich ihre Umhängetasche und verließ das Zimmer, um an die Tür nebenan zu klopfen.
Eine Stunde später betraten sie eine sehr große Wohnung, in der sich bereits viele Leute aufhielten. Sie bevölkerten die Küche und unterhielten sich. Sie standen im Flur in der Schlange fürs Klo. Sie tanzten im größten Zimmer zu lauter Musik. Der Flur war lang und hinter einer Kurve schien es noch weitere Räume zu geben. Lichterketten und kugelförmige Papierlampen schmückten die Wände, gemeinsam mit unzähligen Postkarten. Manche der Karten sahen aus, als hingen sie schon zwanzig Jahre dort. Werbesprüche, Fotos, Urlaubsorte. Bevor sich Tara festlesen konnte, steuerte Luise die Küche an, wo sich beide etwas zu trinken holten.
„Du trinkst nur Cola?“
„Ja, für den Anfang. Vielleicht wird es später noch ein Bier.“ Luise zog eine Augenbraue hoch. In ihrem Becher war eine bunte Mischung aus Saft und Wodka. Tara seufzte.
„Warum muss sich immer die Person rechtfertigen, die nicht trinkt? Ich kann auch so lustig sein und wenn mir heute nicht nach Alkohol ist, dann möchte ich das Recht haben, keinen zu trinken.“
„Hey, sorry, ist ja in Ordnung. So hatte ich es nicht gemeint.“ Luise klang nicht patzig, nur überrascht.
„Ich weiß, aber ich habe dieses Gespräch schon so oft geführt und irgendwann nervt es einfach.“
„Na, dann Prost.“ Sie gingen zwei Zimmer weiter und setzten sich auf ein giftgrünes Sofa, das in einem großen Raum stand. Auf dem Bett lagen zwei andere Leute und unterhielten sich leise. Tara staunte immer wieder, wie großzügig andere Studierende wohnen konnten.
„Was ist dein Plan für heute Abend?“ Sie gab sich Mühe, mit dem Gespräch ihre Verstimmtheit aus der Küche auszugleichen.
„Abschießen will ich mich jedenfalls nicht, falls du darauf hinauswillst. Hauptsächlich möchte ich ganz viel tanzen! Das fehlt mir.“
„Und was genau fehlt dir daran?“
„Na, das Loslassen. Ich kann dann alles aus mir raustanzen. Den Stress im Studium, meine nervigen Eltern, den doofen Typ aus dem Seminar. Mir hilft das total.“
„Was denn für einen Typen? Das hattest du gar nicht erzählt.“
„Ach, es war eigentlich kein großes Ding. Er ist einfach ein Klugscheißer. Ich habe ein Referat gehalten, das ich gut recherchiert hatte und er hat dauernd schwierige Fragen gestellt und sich aufgeführt, als wäre alles falsch, was ich sage. Der Dozent hat ihn dann zum Glück mal zurechtgewiesen, trotzdem beschäftigt mich so was. Da denke ich viel zu lange drüber nach, obwohl ich weiß, dass es mir egal sein sollte.“
„Das kenne ich, geht mir auch oft so. Aber hey, der Dozent hat es immerhin gemerkt. Richtig nervig finde ich es, wenn solche Leute noch gelobt werden.“
„Ja, voll! Vor allem, wenn die einfach nur das Gleiche wiederholen, mit ein bisschen anderen Worten und dann bekommen die wahrscheinlich sogar eine gute Note fürs Mitmachen. Könnte ich mich so drüber aufregen!“
„Eine meiner Professorinnen in Soziologie hat letztens so einen auflaufen lassen, da war die Schadenfreude im Raum praktisch sichtbar.“ Tara grinste. Luise ebenfalls.
„Sehr cool. Wollen wir dann mal tanzen gehen? Mein Becher ist leer.“
Sie wechselten ins Wohnzimmer, wo sie eine Wand aus stickiger Wärme empfing. Luise stürzte sich augenblicklich auf die Tanzfläche und zog Tara mit. Die Musik war nicht direkt nach ihrem Geschmack, aber zum Tanzen war der Techno gut geeignet. Um sie herum lauter fremde Menschen, verbunden durch die Musik und das Tanzen. Und doch waren irgendwie alle für sich. Es fühlte sich merkwürdig und schön an. Sie genoss den Moment, blendete alle anderen im Raum aus, verlor sich ganz in den Beats.
Nach einigen Songs war sie außer Atem. Als der DJ zu Hip-Hop wechselte, war das für Tara der optimale Zeitpunkt für eine Pause. Sie signalisierte Luise, dass sie ein neues Getränk holen würde, verließ die Tanzfläche und nahm sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Mit der Flasche in der Hand folgte sie dem Flur. Dabei blieb sie immer wieder stehen, um sich ein paar der Postkarten anzusehen. Vereinzelt waren Türen geschlossen und das respektierte sie. Außerdem konnte man nie wissen, ob dahinter nicht jemand Sex hatte. Sie blickte jeweils kurz in die Räume mit offen stehenden Türen. Ein bisschen war sie neugierig, wie sich andere Leute eingerichtet hatten.
Einige Zimmer waren bereits zu Pärchen-und-Knutsch-Zonen avanciert. Wie sehr sie alle in ihrer eigenen Blase waren, nichts um sich herum mitbekamen. Bisher hatte sie kein einziges lesbisches oder schwules Paar gesehen. Wobei sie sich bei einem Menschenknäuel nicht ganz sicher war. Die queere Szene der Stadt hatte sie noch nicht erkundet, nur ein bisschen gegoogelt. Sie musste mal Simon danach fragen. Wenn die beiden überhaupt Teil der Szene waren. So wie Tara sie kannte, gehörten sie zu den Langzeitpaaren, die sich von dem ganzen Drama fernhielten und ihr Leben zu zweit genossen.
Ziemlich am Ende des scheinbar unendlichen Flurs war ein Raum leer. Das Fenster ging in den Hof hinaus und stand offen, was eine sanfte Brise hereinließ. Wer auch immer hier wohnte, hatte viele Decken und Kissen auf dem Boden verteilt und Lichterketten aufgehängt. Sie drehte schon wieder um, sah aber dann das Bücherregal an der anderen Wand des Raumes. Schnell verschaffte sie sich einen Überblick. Neben vielen Fachbüchern zu Politikwissenschaften fanden sich Biografien, ein paar Ratgeber, dicke Bildbände. Schon saß sie auf dem Boden, die Flasche neben sich abgestellt und einen davon auf dem Schoß. Sie hatte nicht widerstehen können. Die Landschaftsaufnahmen ließen sie völlig versinken.
„Du gehst also auf Partys, um Bildbände zu klauen?“
Eine weibliche Stimme hinter ihr ließ sie zusammenzucken. Als sie sich umdrehte, stand Lilly in der Tür. Lässig und selbstverständlich. Ihre Haare waren offen, lagen auf ihren Schultern und umrahmten ihr Dekolleté. Das dunkle Oberteil hatte einen Wasserfallkragen und schmiegte sich an ihre Figur. Kurz musste Tara blinzeln, damit sie sicher sein konnte, dass ihre Augen nicht wie im Zeichentrickfilm aus ihren Höhlen sprangen. Lilly lächelte. Tara lächelte zurück.
„Klar, wozu denn sonst?“ Sie wusste nicht, wo diese Schlagfertigkeit herkam, hoffte aber, dass sie noch eine
