Silvia-Gold 102 - Liebesroman - Mara Merlin - E-Book

Silvia-Gold 102 - Liebesroman E-Book

Mara Merlin

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Beschreibung

Der Mann nur als Mittel zum Zweck - eigentlich nichts Ungewöhnliches im Clan der Rodenhagen-Frauen, denn dort haben bis dahin eigentlich alle Männer nur ein Gastspiel gegeben. Deswegen denkt sich die selbstbewusste Anja Rodenhagen auch nichts weiter dabei, als sie sich einen Mann sucht, der zwar - ohne es zu wissen - der Vater ihres Babys sein soll, aber auch nur das und nichts weiter. Da kommt ihr Ben gerade recht: Sympathisch, intelligent und gut aussehend hält sie ihn für den idealen Kandidaten. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Anja wird schwanger und verabschiedet sich von ihrem Lover - sauber und endgültig. Doch dann kommt alles ganz anders als geplant ...

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Seitenzahl: 114

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Inhalt

Cover

Impressum

Bye-bye, Supermann!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2020 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Liderina / shutterstock

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-9334-7

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Bye-bye, Supermann!

Anja spielt ein gefährliches Spiel mit Ben

Von Mara Merlin

Der Mann nur als Mittel zum Zweck – eigentlich nichts Ungewöhnliches im Clan der Rodenhagen-Frauen, denn dort haben bis dahin eigentlich alle Männer nur ein Gastspiel gegeben. Deswegen denkt sich die selbstbewusste Anja Rodenhagen auch nichts weiter dabei, als sie sich einen Mann sucht, der zwar – ohne es zu wissen – der Vater ihres Babys sein soll, aber auch nur das und nichts weiter. Da kommt ihr Ben gerade recht: Sympathisch, intelligent und gut aussehend hält sie ihn für den idealen Kandidaten. Und die Rechnung scheint aufzugehen: Anja wird schwanger und verabschiedet sich von ihrem Lover – sauber und endgültig. Doch dann kommt alles ganz anders als geplant …

Hermine Rodenhagen sah ihre Enkelin prüfend an.

„Und was ist mit diesem Markus, Anja? Ihr habt euch doch ziemlich gut verstanden – jedenfalls hatten wir alle den Eindruck.“

„Das ist bereits Geschichte, Omi“, lachte Anja. „Ich bin schon längst wieder Single. Das mit Markus war nett, aber mehr auch nicht.“

„So, so“, erwiderte Hermine nachdenklich. „Mir scheint, du bist eine echte Rodenhagen.“

„Hast du etwa je daran gezweifelt?“ Anja angelte quer über den Tisch nach einem weiteren Kartoffelkloß. „Schmeckt klasse, deine Ente, Omi. So was Gutes gibt es in der Mensa nicht.“

„Das wäre ja auch noch schöner“, antwortete Hermine streng, aber ihre dunklen Augen lächelten amüsiert.

Hermine Rodenhagen war grauhaarig, und sie hatte ein feingeschnittenes Gesicht, das von den großen Augen dominiert wurde. Sie war klein und zierlich und hielt sich sehr aufrecht, ihre fast siebzig Jahre sah man ihr nicht an. Sie war die ungekrönte Königin der Familie.

„Lehrjahre sind keine Herrenjahre, das sagte jedenfalls mein Vater immer. Und in diesem Punkt hatte er recht.“

Anja grinste. Sonst wurde nämlich Omis Vater, genau wie alle anderen Männer der Familie, höchst selten zitiert.

Die Rodenhagens – das waren Frauen. Eingefleischte Single-Frauen waren sie, allesamt. Zwar hatte es jede von ihnen mit einem Mann oder auch mit mehreren von ihnen versucht, aber über kurz oder lang hatten sie es wieder aufgegeben und waren zu ihrem Single-Dasein zurückgekehrt. Und alle waren sie bei ihrem Namen geblieben – beziehungsweise hatten ihn wieder angenommen, wenn sie zwischendurch einmal anders geheißen hatten.

Anja kannte keine andere Familie, in der es so zuging wie in ihrer und in der es so viele Frauen gab. Ihre Freundinnen waren jedes Mal völlig verblüfft, wenn sie sie einmal mit zu einem Familientreffen nahm – und die wurden regelmäßig veranstaltet. Die Rodenhagen-Frauen gluckten oft zusammen, und es ging immer äußerst lustig zu.

Anjas Großmutter Hermine hatte sich, nachdem sie fünf Töchter geboren hatte, von ihrem Mann scheiden lassen. Für die damalige Zeit war das, hatte Anja gehört, eine ziemliche Unerhörtheit gewesen.

Hermine war allein geblieben, hatte sich mit ihren Töchtern tapfer und unerschrocken durchs Leben geschlagen – und die Töchter hatten es ihr alle nachgemacht.

Drei waren geschieden, zu ihnen gehörte Anjas Mutter, und zwei waren von vornherein unverheiratet geblieben, hatten aber dennoch Kinder bekommen – Töchter natürlich.

Anja hatte keine Geschwister, dafür aber sieben Cousinen. Die einzigen männlichen Mitglieder der Familie waren derzeit die beiden Söhne ihrer Lieblingstante Ursula: Philipp und Jonas.

Die beiden hatten normalerweise nichts zu lachen, wenn sie mit all den Frauen der Rodenhagens zusammen waren, aber sie entwickelten sich zur allgemeinen Zufriedenheit.

Auf Philipp musste man freilich ein Auge haben, er war jetzt fünfzehn und kam in die Pubertät – bei Jungen bekanntlich ein besonders grässliches Alter. Jonas war erst zehn, hatte aber seine „weiblichen Anteile“, wie seine Mutter gelegentlich zufrieden feststellte, hervorragend ausgebildet.

Anja taten die beiden manchmal leid, aber sie hütete sich, das laut zu sagen. Mit Männern hatte man kein Mitleid in ihrer Familie, auch wenn sie noch Jungen waren. Sie hatten einfach von vornherein schon so viele Vorteile im Leben, dass man über sie nicht länger nachdenken musste.

Trotzdem machte sich Anja gelegentlich Gedanken, wie die beiden sich unter den vielen Frauen vorkommen mochten. Sie selber, das stand für sie fest, hätte sich äußerst unbehaglich gefühlt.

„Und einen neuen Freund hast du noch nicht?“ Ihre Oma wollte offenbar das Thema noch nicht wechseln.

Anja wunderte sich darüber – Männer waren schließlich kein Thema, jedenfalls waren sie bisher keins gewesen.

Sie schüttelte energisch den Kopf mit den kurzen dunklen Locken.

Anja hatte ein richtiges Lausbubengesicht. Sie war nicht eigentlich hübsch, aber durch ihre Lebhaftigkeit und ihr fröhliches Lachen wirkte sie außerordentlich anziehend. Sie hatte große dunkle Augen, die das Gesicht beherrschten, und einen Mund, dessen Oberlippe zu ihrem besonderen Ärger zu üppig ausgefallen war. Dabei fanden andere gerade das besonders reizvoll.

„Ich konnte die ganze Zeit keinen Freund gebrauchen, Omi“, antwortete sie und säbelte hingebungsvoll ein weiteres saftiges Stück Entenfleisch von ihrer Keule. „Jetzt ist das was anderes – ich hab die Zwischenprüfung hinter mir und will jetzt mal ein bisschen kürzertreten. Schließlich soll das Leben ja nicht nur aus Schufterei bestehen, oder?“

Hermine Rodenhagen nickte, während sie ihre Enkelin beobachtete.

Anja war ihr besonders ans Herz gewachsen, sie war ihr selbst so ähnlich. Viele ihrer eigenen Gedanken und Eigenschaften erkannte sie in Anja wieder, aber sie behielt diese Erkenntnis für sich. Wenn sie stimmte, dann würde sich Anja noch oft genug selbst im Wege sein, und sie hoffte, dass sie „dem Kind“ dann mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte.

Auf Anjas Mutter Franziska konnte man in dieser Hinsicht nicht bauen. Sie war schusselig und benahm sich noch heute, mit ihren achtundvierzig Jahren, gelegentlich wie ein kleines Mädchen, das nicht bekommen hat, was es eigentlich verdient. Außerdem neigte sie dazu, in Tränen auszubrechen – und das war Hermine ein Gräuel.

Ein Glück, dass Anja in dieser Hinsicht keinerlei Ähnlichkeit mit ihrer Mutter hatte. Dafür hatte sie aber Franziskas gutes Herz und ihre Hilfsbereitschaft geerbt, und darüber war Hermine froh.

Anja war eine großartige junge Frau, sie würde ihren Weg machen, auch wenn sie mit Sicherheit noch einige Umwege vor sich hatte.

„Und was heißt das?“, erkundigte sie sich nun weiter. „Dass du jetzt wieder Ausschau nach jungen Männern hältst?“

Anja ließ ihre Entenkeule, deren Knochen sie gerade abnagte, langsam sinken.

„Sag mal, Omi, was ist denn heute los? Das kenne ich ja gar nicht von dir, dass du dauernd über Männer redest!“

„Abwechslung ist das halbe Leben“, antwortete Hermine leichthin. „Und ich lehne Männer ja nicht grundsätzlich ab – für manches braucht man sie sogar unbedingt, wie du weißt.“

Wieder zeigte Anja ihr Lausbuben-Grinsen.

„Ich hab auch schon überlegt, ob ich nicht am besten jetzt ein Kind kriegen sollte“, berichtete sie unbekümmert. „Die Zeit wäre irgendwie so günstig, nicht? Jetzt hab ich nicht so viel Stress, im richtigen Alter bin ich auch – und bis ich Examen mache, geht das Kleine schon in den Kindergarten. Spricht wirklich ziemlich viel dafür, finde ich. Was meinst du?“

So hatte Hermine ihre Bemerkung eigentlich nicht gemeint. Sie schwieg, um zu überlegen, wie sie den Eindruck, der bei Anja offenbar entstanden war, am besten korrigieren sollte. Aber ihre Enkelin begeisterte sich so für das Thema, dass sie es bereits weiter ausspann, ohne ihrer Großmutter Zeit zu lassen, ihre Frage zu beantworten.

„Das hieße natürlich, dass ich die nächsten zwei Semester ranklotze und mich erst danach ein bisschen ausruhe, wenn das Kind da ist, meine ich. Je länger ich mir das überlege, Omi, desto besser gefällt mir die Idee.“

„Hast du nicht eine Kleinigkeit vergessen?“, fragte Hermine trocken.

Sie konnte sich ein Lächeln über Anjas plötzliche Begeisterung nicht verkneifen. Das war wirklich typisch für sie: Plötzlich fand sie Gefallen an einer Idee, und je länger sie darüber nachdachte, desto verlockender erschien sie ihr. Das böse Erwachen kam meist später – manchmal noch rechtzeitig, um größere Katastrophen zu verhindern, manchmal war es aber auch zu spät, und dann war der Jammer groß.

In diesem Fall war für Hermine klar, dass sie ihre Enkelin möglichst schnell wieder von dem Gedanken, in naher Zukunft Mutter zu werden, abbringen musste.

„Was denn vergessen?“, fragte Anja erstaunt und tauchte für einen kurzen Moment aus ihren Tagträumen auf.

„Den Mann, den du dazu brauchst“, sagte Hermine im selben trockenen Ton wie zuvor.

Anja stutzte kurz, dann lachte sie amüsiert.

„Na, das ist doch wirklich das geringste Problem, Omi. Männer gibt es ja nun genug, und Männer, die froh sind, wenn eine Frau sie ranläßt, gibt es erst recht. Das weißt du doch ganz genau!“

Hermine verzichtete darauf, ihre Enkelin wegen ihrer flapsigen Art, sich auszudrücken, zurechtzuweisen. Es ging um Wichtigeres.

„Red keinen Unsinn, Anja“, mahnte sie jetzt unerwartet streng. „Man setzt ein Kind nicht in die Welt, nur weil der Zeitpunkt gerade günstig wäre. Ein Kind ist immer auch das Ergebnis der Liebe zwischen zwei Menschen, vielleicht solltest du dir das einmal klarmachen.“

Anja schwieg verblüfft. Dann fragte sie mit unsicherer Stimme: „Aber in unserer Familie klappt das ja nicht, Omi, oder? Das mit der Liebe zwischen zwei Menschen, meine ich. Wäre es da nicht besser, von vornherein darauf zu verzichten und einfach nur ein Kind zu kriegen? Männer stören dabei ja sowieso nur – das habt ihr doch alle bewiesen: du und Mami und Tante Ursula und …“

„Anja, Anja“, seufzte ihre Großmutter. „Ich glaube, du musst noch sehr viel lernen.“

„Will ich ja auch, Omi“, antwortete Anja friedlich. Sie erhob sich halb, beugte sich zu Hermine hinüber und gab ihr mit einem lauten Schmatzen einen dicken Kuss auf die Wange. „Und von dir lerne ich am allerliebsten. Du könntest mir, zum Beispiel, mal verraten, wie du diese Wahnsinnsente hingekriegt hast!“

Hermine lächelte – zutiefst erleichtert darüber, dass Anja endlich aufgehört hatte, ihre Schnapsidee weiter auszuschmücken.

♥♥♥

Ben Wülfing verrenkte sich fast den Hals, aber er konnte die niedliche Kommilitonin mit dem frechen Gesicht und den aufgeworfenen Lippen nirgends entdecken. Darüber war er sehr enttäuscht, denn die Vorlesung war geradezu sträflich langweilig, und eigentlich ging er nur deshalb noch hin, weil er die junge Frau, die ihn so beeindruckte, dann ungehindert beobachten konnte.

In ihrem lebhaften Gesicht spiegelte sich ihre Meinung über das, was gerade vorgetragen wurde, immer sehr deutlich wider, und es machte ihm großen Spaß, ihre Reaktionen zu verfolgen.

Wenn sie mit dem Gehörten nicht einverstanden war, kräuselte sich ihre Nase, und ihr Mund stülpte sich in stummer Empörung nach vorn. Manchmal platzte sie auch mit einem Zwischenruf heraus, der in der Regel in ihrer unmittelbaren Umgebung für Gelächter sorgte.

Sie saß meistens vorn in der zweiten oder dritten Reihe, und die Professoren schienen sie zu kennen – Ben wunderte sich nicht darüber. Sie musste einem einfach auffallen!

Sie war ganz anders als die anderen, das gefiel ihm so an ihr: keine glatte Schönheit, wie seine Freunde sie meistens bevorzugten, sondern eine attraktive Frau mit einem eigenen Kopf und sehr viel Temperament.

Dichte dunkle Locken hatte sie und sehr schöne dunkle Augen. Sie ließ sich von niemandem etwas gefallen, auch von den Professoren nicht, das imponierte ihm ganz besonders. Selten sah man sie allein, meistens war sie von mehreren Studenten umgeben, die sie offenbar alle bewunderten.

Ben hatte sich extra ihretwegen nach vorn in die zweite Reihe gesetzt, obwohl er sich weiter hinten in der Regel wohler und sicherer fühlte. Aber schließlich konnte er ja mal einen Versuch machen, dem Schicksal ein bisschen auf die Sprünge zu helfen.

Und er hatte es sogar fertiggebracht, dass neben ihm ein Platz freigeblieben war. Allerdings saß er in der Mitte der Reihe, und da der Professor bereits den Hörsaal betreten hatte, konnte er sich leicht ausrechnen, dass der Platz frei bleiben würde.

Na ja, dann hatte er eben Pech gehabt. Abhauen konnte er jetzt jedenfalls auch nicht mehr, ohne aufzufallen. Er würde also den Langweiler eine Dreiviertelstunde ertragen müssen, ohne seine Kommilitonin beobachten zu können.

Missmutig sah Ben in seinen Notizen nach, womit der Professor beim letzten Mal geendet hatte. Die Etrusker, richtig. Irgendwie hatte er sich sein Geschichtsstudium ganz anders vorgestellt. In der Schule hatte er von Geschichte gar nicht genug bekommen können, aber an der Uni brachten sie es fertig, ihm alles zu verleiden, was er an seinem Fach eigentlich liebte.

Er wollte Historiker werden und dicke Bücher über vergangene Epochen schreiben – auf keinen Fall würde er als Geschichtslehrer an die Schule gehen. Jedenfalls hatte er sich das vorgenommen, als er sein Studium begonnen hatte, aber mittlerweile war er nicht mehr so sicher.

Sein Geschichtslehrer war es schließlich gewesen, der ihn für dieses Fach begeistert hatte, während der trockene Wissenschaftler vorn auf dem Podium genau das Gegenteil bewirkte.

Wie scheintot, dachte Ben, den interessiert Geschichte gar nicht wirklich, und wir interessieren ihn auch nicht. Ich frage mich, warum er sich überhaupt da hinstellt und uns seine langweiligen Erkenntnisse vorträgt.

Ob die mit den dunklen Locken Lehrerin werden wollte? Sie konnte bestimmt gut mit Kindern und Jugendlichen umgehen, sie wirkte ja selbst noch fast wie ein Teenager. Jedenfalls hatte sie einen scharfen Verstand.

Er besuchte außer dieser Vorlesung noch zwei Seminare, an denen sie auch teilnahm, und wenn sie sich zu Wort meldete, dann gab sie oft unkonventionelle, aber immer sehr geistreiche Überlegungen von sich.

Er meinte verstanden zu haben, dass sie Anja hieß, aber das half ihm auch nicht weiter. Er hatte es bisher noch nicht einmal fertiggebracht, auch nur einen Satz mit ihr zu wechseln. Er war einfach nicht draufgängerisch genug. Er sah zwar gut aus, und es gab auch genügend Mädchen, die sich für ihn ganz offen interessierten, aber er hatte schon immer seinen eigenen Kopf gehabt.