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Die erfolgreiche Dressurreiterin Margit Schlumberger hat es bisher ausgesprochen leicht gehabt im Leben. Erfolg, Bewunderung und Anerkennung sind für sie ganz normal. Auch die Liebe des Arztes Dr. Lutz Büchler, der ihretwegen sogar seine eigenen Zukunftspläne selbstlos zurückstellt, hält sie für selbstverständlich. Doch dann kommt der Tag, an dem das Schicksal Margit einen heftigen Schlag versetzt. Sie muss begreifen, dass lieben auch geben heißt, dass sie Lutz' Liebe verlieren wird, wenn sie sich nicht ändert.
Oder ist es für Margits Erkenntnis bereits zu spät?
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Seitenzahl: 101
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
In deinen Armen geborgen sein
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: iStockphoto / Georgijevic
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4266-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
In deinen Armen geborgen sein
Ergreifender Roman um die Wandlung einer stolzen Frau
Von Claudia Donath
Die erfolgreiche Dressurreiterin Margit Schlumberger hat es bisher ausgesprochen leicht gehabt im Leben. Erfolg, Bewunderung und Anerkennung sind für sie ganz normal. Auch die Liebe des Arztes Dr. Lutz Büchler, der ihretwegen sogar seine eigenen Zukunftspläne selbstlos zurückstellt, hält sie für selbstverständlich. Doch dann kommt der Tag, an dem das Schicksal Margit einen heftigen Schlag versetzt. Sie muss begreifen, dass lieben auch geben heißt, dass sie Lutz’ Liebe verlieren wird, wenn sie sich nicht ändert.
Oder ist es für Margits Erkenntnis bereits zu spät?
»Salamander steht zum Verkauf!«
Margit blieb wie angewurzelt stehen. Warte doch, wollte sie dem Stalljungen Fritz hinterherrufen. Aber Fritz war längst wieder in der Stallgasse verschwunden. Nur so im Vorbeigehen hatte er ihr den Satz hingeschleudert. Ohne den Kopf zu bewegen, ohne jeden Blickkontakt.
Fritz war erst siebzehn, aber er hörte die Flöhe husten und das Gras wachsen. Er gehörte trotz seiner Jugend zu den Eingeweihten der Branche, wusste, welches Pferd lahmte oder nicht so richtig in Form war. Er hatte die Konkurrenz stets im Blick, und wenn er jemandem einen Tipp gab, so wie eben Margit Schlumberger, dann musste er Margit sehr mögen.
Natürlich erwartete er für seine Geheimtipps auch Anerkennung. Am liebsten in klingender Münze, wobei er knisternde Scheine nicht verabscheute.
Margit rannte hinter ihm her. Sie suchte ihn in allen Boxen, bis sie ihn schließlich in der Futterkammer fand. Fritz blickte nicht einmal hoch, als Margit hereinkam. Er maß den Hafer ab, den er den Pferden bringen wollte, und tat so, als ob er Margit nicht bemerkte.
»Fritz«, sagte Margit ungeduldig.
Er ließ sich bei seiner Arbeit nicht stören, warf Margit nur einen kurzen Blick zu, wobei seine Augen und seine Mundwinkel die Andeutung eines Lächelns zeigten.
Er hatte eine Schwäche für Margit, was er aber zu verbergen suchte. Er wusste, dass er bei ihr chancenlos war. Margit war sieben Jahre älter als er, außerdem verlobt. Aber deswegen blieb sie doch das attraktivste Mädchen, mit dem er je in Kontakt gekommen war.
»Fritz, jetzt red doch endlich! Was ist los mit Salamander?«
»Er soll verkauft werden.«
»Das hast du mir ja eben zugeflüstert«, sagte Margit ungeduldig. »Was weißt du noch?«
»Nicht viel. Der Willebrodt hat finanzielle Schwierigkeiten. Deshalb muss er Salamander abstoßen.«
Margit atmete tief durch. Rechtsanwalt Dr. René Willebrodt, auf den Turnierplätzen »der schöne René« genannt, betrieb in Hamburg eine angesehene Anwaltskanzlei. In gewissen Kreisen munkelte man seit einiger Zeit, dass er sich finanziell etwas übernommen hätte.
Von jedem anderen hätte Fritz für seine Information ein entsprechendes Entgelt und bei Zustandekommen des Geschäfts eine Provision verlangt. Nicht so bei Margit. Von ihr hätte er nicht einmal eine Tafel Schokolade angenommen.
»Wer weiß das noch? Hast du schon mit jemanden geredet?«
Fritz schüttelte den Kopf. »Weiß keiner, und geredet habe ich auch nicht.«
Obwohl Fritz für Margit durchs Feuer gegangen wäre, wenn sie es von ihm verlangt hätte, ließ er sich jedes Wort einzeln aus der Nase ziehen. Margit hielt ihn für etwas mundfaul. Aber es war ein Irrtum. Nur ihr gegenüber hatte er gewisse Hemmungen, sonst war er eher vorlaut und schwang mächtig große Reden bei den Pferdepflegern.
»Weißt du wenigstens, was Willebrodt verlangt?«
»Vierhundert. Aber der Preis kann steigen, wenn die Sache erst mal bekannt wird. Der Willebrodt kommt um halb elf zum Trainieren her.«
Vierhundert, das bedeutete vierhunderttausend. Ein stolzer Preis für den achtjährigen Wallach, der allerdings im letzten Jahr unter seinem Besitzer auch international toll herausgekommen war.
Margit war wie elektrisiert. Sie besaß als anerkannt beste Dressurreiterin ihres Klubs kein vergleichbares Pferd. Mit Salamander, das wusste sie, war sie kaum zu schlagen. Mit Salamander konnte sie sogar bei den Weltmeisterschaften dabei sein.
Sie legte den Arm um die Schultern des jungen Pferdepflegers und drückte ihn kurz an sich. Dass Fritz zitterte, bemerkte sie nicht.
»Du bist ein Schatz. Versprich mir, dass niemand etwas von dir erfährt.«
»Ist doch Ehrensache«, quetschte er mühsam hervor und wagte sich nicht zu rühren.
Sie ließ ihn los und fragte: »Hast du meinen Vater gesehen?«
»Ist drüben im Springparcours mit Ihrem Kleeblatt.«
Kleeblatt war ein Wallach, ein sehr exakt gehender Holsteiner, dem leider das Temperament fehlte, um bei den Wertungen ganz nach vorn zu kommen. Er war auch schon ein älterer Herr mit seinen achtzehn Jahren, der unter Margit Schlumberger recht erfolgreich gewesen war.
Aber er war kein Pferd von der Klasse Salamanders. Margit musste ihn unbedingt haben, auch wenn sie keine Ahnung hatte, woher sie den Kaufpreis nehmen sollte.
Ihr Vater, Helmuth Schlumberger, der auch ihr Trainer war, betrieb ein Architekturbüro. Seit vier Jahren war er von Margits Mutter geschieden. Sein Lebensstil war aufwendig, er würde seiner Tochter nur einen winzigen Teil des Kaufpreises zur Verfügung stellen können.
Ihre Mutter brauchte Margit nicht zu fragen. Die Ehe war nicht zuletzt an der Leidenschaft Helmuth Schlumbergers zum Pferdesport gescheitert. Sein Leben waren die Pferde. Wegen der Pferde vernachlässigte er auch mal seinen Beruf. Und Helmuth Schlumberger war ehrgeizig. Er wollte seine Tochter unbedingt noch ganz oben auf das Treppchen bringen. Für Margit hatte er immer Zeit, und im Laufe der Jahre hatte er seinen Ehrgeiz auf sie übertragen.
Und da war noch die große Konkurrentin von Margit. Silke Sanders. Sie hatte gerade das Abitur gemacht und war riesig im Kommen.
Silke Sanders war ausgezeichnet beritten. Im Stall Ihres Vaters – sie war die Einzige im Klub, die ihre Pferde im eigenen Stall untergebracht hatte – standen eine erstklassige siebenjährige Stute und ein sechsjähriger Wallach.
Ihr Vater war reich, sehr reich sogar. Thorsten Sanders entstammte einer alten Hamburger Familie, und er besaß auch eines der ältesten und größten Handelshäuser der Hansestadt.
Wie ein Wirbelwind hatte sich Silke im letzten Vierteljahr die Turnierplätze erobert und erste und zweite Plätze eingesammelt. Wenn sie Salamander auch noch bekäme, wäre sie künftig kaum zu schlagen.
Fritz Garstedt verschwand in den Boxen. Margit lief hinüber zum Parcours.
Kleeblatt hob den Kopf, als Margit näher herankam, und machte prompt den Fehler.
»Du sollst aufpassen, mein Alter«, hörte sie ihren Vater schimpfen, der die Passage sofort wiederholte.
Diesmal ging Kleeblatt fehlerfrei.
»Lass ihn laufen!«, rief Margit ihrem Vater zu. »Ich habe etwas Wichtiges mit dir zu besprechen.«
Helmuth Schlumberger runzelte unwillig die Stirn. Er ließ sich nicht gern stören, wenn er bei der Arbeit war.
»Muss das sein?«, knurrte er auch prompt. »Der Alte ist heute wieder mal so faul, dass ich ihm tüchtig Beine machen muss.«
Der Wallach kam angetrabt und rieb den Kopf an Margits Schulter. Man konnte den Eindruck haben, dass er die Konkurrenz im Nacken spürte, noch ehe Salamander neben ihm aufgetaucht war.
Margit tätschelte seinen Hals.
»Ist ja schon gut, mein Guter. Du musst dich mehr anstrengen, sonst wirst du ausgemustert.«
Er wieherte laut, als ob er die Drohung verstanden hätte.
»Was willst du damit sagen, er wird ausgemustert?«
»Salamander wird verkauft. Ich weiß es aus ganz sicherer Quelle.«
»Von Fritz«, vermutete ihr Vater sofort.
»Ja, stimmt. Ist das keine gute Nachrichtenquelle?«
Ihr Vater blickte sich nach allen Seiten um, als ob er Angst hätte, dass man ihn reden hören könnte.
»Das ist ja ein echter Knüller. Wir müssen ihn haben. Mit Salamander sind wir unschlagbar. Dagegen kommt der Sanders nicht an. Und die Silke auch nicht. Mit Salamander fährst du im nächsten Jahr mit Sicherheit zur Weltmeisterschaft.«
»Und womit sollen wir ihn bezahlen?«
»Weißt du, was er kostet?«
»Fritz sagt was von vierhunderttausend. Aber wenn die Sache publik wird, kann er auch mehr kosten.«
»Wow! So viel haben wir nicht. Ich könnte auf die Schnelle höchstens hunderttausend aus dem Geschäft rausziehen. Und deine Mutter brauchen wir nicht erst zu fragen. Für ein Pferd macht sie keinen Euro locker. Obwohl sie es könnte.«
»Ich habe nicht an Mutter gedacht«, erwiderte Margit. »Aber ich wüsste ein paar Quellen, die ich anbohren könnte.«
»Meinst du Lutz?«
Dr. Lutz Büchler war Margits Verlobter. Er arbeitete zurzeit als Oberarzt im Altonaer Krankenhaus.
»Ich könnte es mir vorstellen.« Sie nickte.
»Der Willebrodt kommt um halb elf zum Training. Weiß ich auch von Fritz. Ich möchte die Gelegenheit nutzen und mich ein bisschen vortasten. Ich könnte mir nämlich sehr gut vorstellen, dass Willebrodt daran interessiert ist, dass nicht bekannt wird, dass er sich in Zahlungsschwierigkeiten befindet.«
»Glaub ich nicht. Willebrodt hat Geld und außerdem einen Haufen Beziehungen.«
»Aber Fritz sagt etwas anderes. Er hat sich übernommen.«
»Seit wann versteht denn Fritz etwas von Geschäften?«
»Weiß ich nicht. Aber bisher haben seine Informationen immer gestimmt. Wie er das macht, ist mir schleierhaft. Aber gewisse Leute, die einen Narren an ihm gefressen haben, verhalten sich ihm gegenüber sehr offenherzig.«
»Weißt du übrigens, dass Fritz in dich verliebt ist?«, fragte ihr Vater dazwischen.
Margits Augen blitzten kurz auf. Auch wenn Fritz nur ein Pferdepfleger war, schien es ihr gut zu tun, in ihm einen Verehrer zu haben.
»Glaub ich nicht«, erwiderte sie wahrheitswidrig. »Altersmäßig würde er viel besser zu Silke passen. Die kann er anhimmeln und …«
»Bitte, Margit«, unterbrach sie ihr Vater. »So was solltest du nicht sagen. Silke ist ein sehr nettes Mädchen, auch wenn es uns nicht passt, dass sie zu einer ernsthaften Konkurrentin aufgestiegen ist.«
»Du kannst sie ja trainieren, Papa. Ihr zwei würdet bestimmt die Weltmeisterschaft schaffen.«
»Willst du mit mir streiten?«
»Nein, aber ich muss Salamander haben. Wenn ich ihn nicht bekomme, kann ich mich auf drittklassigen Turnieren herumtreiben.«
»Kleeblatt ist nicht drittklassig«, erwiderte ihr Vater streng. »Er ist manchmal ein bisschen faul.«
»Und es fehlt ihm an Temperament.«
»Das er durch Zuverlässigkeit wettmacht. Und er liebt dich, Margit. Vergiss das nicht. Man kann ein Tier, mit dem man so lange zusammen gewesen ist und mit dem man große Erfolge errungen hat, nicht so einfach abservieren. Er spürt das. Er hat dich vorhin beschmust und um deine Aufmerksamkeit gebeten.«
»Aber er ist achtzehn.«
»Ein immer noch recht gutes Alter für ein Dressurpferd. Manche Übungen absolviert er im Schlaf.«
»Und er nickt dabei ein. Das gibt immer wieder Punktabzüge der Richter.«
»Dann musst du ihn eben am Einschlafen hindern.«
Ihre Augen schlossen Blitze. »Willst du damit sagen, dass ich ihn nicht genug an der Hand habe?«
Helmuth Schlumberger legte den Arm um seine Tochter.
»Margit, warum regst du dich so auf? Wir werden alles tun, um Salamander zu bekommen. Geh jetzt rüber zu Willebrodt, er ist ein ausgekochter Anwalt. Und wenn er die Augenlider herunterklappt, wird er ausgesprochen gefährlich.«
»Er ist ein Mann wie jeder andere, Papa. Ich verstehe mich recht gut mit ihm, auch wenn er sich für unwiderstehlich hält und mir damit gehörig auf die Nerven geht.«
»Willst du damit sagen, dass er dir Avancen macht?«
»Kann sein. Ich habe nicht darauf geachtet. Jedenfalls ist er ein schrecklicher Weiberheld und sehr überzeugt von sich.«
Helmuth Schlumberger ging nachdenklich zu Kleeblatt zurück. Ein dummer Name für einen Wallach, ging es ihm durch den Kopf. Was würde aus ihm werden, wenn Margit tatsächlich Salamander bekäme? Würde der »Alte«, wie er ihn immer nannte, ins zweite Glied geschoben werden?
Zwei Pferde konnten sie sich nicht leisten. Der Gedanke, den »Alten« verkaufen zu müssen, bereitete ihm Unbehagen. Bevor er die Arbeit mit ihm fortsetzte, bekam Kleeblatt, ganz gegen die Regel, zwei besonders große Karotten. Dabei flüsterte ihm Helmuth Schlumberger ins Ohr: »Es ist aber noch nicht Feierabend. Wir müssen noch was tun.«
Kleeblatt scharrte mit den Vorderhufen und war bei der sich anschließenden Arbeit so konzentriert, dass sich sein Trainer gar nicht genug wundern konnte.
***
»Herr Doktor Büchler! Bitte ans Telefon. Herr Doktor Büchler, bitte! Ein Anruf für Sie in der Zentrale.«
Lutz mochte es nicht, wenn er bei der Abendvisite angerufen wurde.
»Ja, was ist denn?«, knurrte er ziemlich ungehalten ins Telefon.
