Silvia-Gold 230 - Tessa Philipp - E-Book

Silvia-Gold 230 E-Book

Tessa Philipp

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Beschreibung

Sophie Bauer hält nichts mehr in ihrer bayerischen Heimat. Ihre langjährige Beziehung ist gescheitert, und ihr Bruder macht ihr die Stelle in der Tierarztpraxis ihres Vaters streitig. Die junge Tierärztin will ausbrechen und wagt das Abenteuer ihres Lebens: Sie geht als Cowgirl nach Australien, auf eine Farm im Herzen des Outbacks! Ihr Chef, der junge Farmer Mark McGregor, hilft ihr, sich den Herausforderungen der ungezähmten Natur Australiens zu stellen - und ist dabei so undurchschaubar und wild wie die Landschaft selbst. Er weckt in Sophie Gefühle, die sie längst verloren glaubte. Doch Marks Herz ist nicht frei: Die starke, unabhängige Liz, die als Verwalterin auf der Farm arbeitet, scheint ihren festen Platz an seiner Seite zu haben. Wird Sophie in der australischen Wildnis trotzdem die innere Stärke finden, nach der sie so lange gesucht hat? Und wird sie es wagen, für ihr Glück zu kämpfen - auch wenn das bedeutet, gegen eine Frau anzutreten, die längst zum vertrauten Kern der Familie McGregor gehört?


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Seitenzahl: 136

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Als Cowgirl nach Australien

Vorschau

Impressum

Als Cowgirl nach Australien

Eine junge Tierärztin findet im Outback die große Liebe

Von Tessa Philipp

Sophie Bauer hält nichts mehr in ihrer bayerischen Heimat. Ihre langjährige Beziehung ist gescheitert, und ihr Bruder macht ihr die Stelle in der Tierarztpraxis ihres Vaters streitig. Die junge Tierärztin will ausbrechen und wagt das Abenteuer ihres Lebens: Sie geht als Cowgirl nach Australien, auf eine Farm im Herzen des Outback!

Ihr Chef, der junge Farmer Mark McGregor, hilft ihr, sich den Herausforderungen der ungezähmten Natur Australiens zu stellen – und ist dabei so undurchschaubar und wild wie die Landschaft selbst. Er weckt in Sophie Gefühle, die sie längst verloren glaubte.

Doch Marks Herz ist nicht frei: Die starke, unabhängige Liz von der Nachbarfarm, scheint ihren festen Platz an seiner Seite zu haben. Wird Sophie in der australischen Wildnis trotzdem die innere Stärke finden, nach der sie so lange gesucht hat? Und wird sie es wagen, für ihr Glück zu kämpfen – auch wenn das bedeutet, gegen eine Frau anzutreten, die längst zum vertrauten Kern der Familie McGregor gehört?

Die Mittagssonne schien warm auf den Vorplatz der tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität in München-Oberschleißheim. Sophie Bauer und ihre Freundin Vanessa verließen das Gebäude mit einem breiten Lächeln.

»Ich kann es kaum glauben, Vanessa. Wir haben es wirklich geschafft!«, rief Sophie überglücklich und sprang vor Freude in die Luft. Ihr kräftiges, brünettes Haar, das sie heute zu einem dicken Zopf geflochten hatte, wippte bei jeder Bewegung.

Vanessa strahlte zurück und nickte. »Ja, nach all den Jahren harter Arbeit haben wir endlich alle Staatsexamen bestanden. Jetzt können wir die Approbation beantragen ...«

»... und dann sind wir offiziell Tierärztinnen«, ergänzte Sophie, während sie gemeinsam zur S-Bahn-Station schlenderten. »All die Prüfungen, das viele Lernen, die anstrengenden Praxistage und die schlaflosen Nächte – es ist endlich vorbei. Und es hat sich gelohnt.« Sie holte tief Luft und warf einen letzten, nachdenklichen Blick auf das Gebäude hinter sich. »Irgendwie werde ich diesen Ort vermissen«, sagte sie leise, während ein zufriedenes Lächeln ihre Lippen umspielte. »Aber ich freue mich auf das, was jetzt kommt.«

»Wenigstens weißt du schon, wie es weitergeht. Dein Vater wartet in seiner Praxis bestimmt sehnsüchtig auf dich«, bemerkte Vanessa mit einem leichten Anflug von Neid in der Stimme. Dennoch freute sie sich von Herzen für ihre Freundin und gönnte ihr das Glück.

Sophie ging nicht direkt darauf ein, sondern erwiderte nur: »Ja, ich bin wirklich froh. Papa hat mir angeboten, später seine Praxis zu übernehmen, nachdem mein Bruder mit seiner Frau nach Berlin gezogen ist, um dort eine eigene Praxis zu eröffnen. Es war schon immer mein Traum, das Lebenswerk meines Vaters weiterzuführen.«

»Das glaube ich dir. Dein Vater ist wirklich ein sehr guter Tierarzt, und überhaupt sind deine Eltern sehr nett.«

Vanessa erinnerte sich gerne an die vielen Male, als sie bei Sophies Familie übernachtet hatte, um zusammen zu lernen. Sophies Vater hatte die beiden angehenden Tierärztinnen immer mit Rat und Tat unterstützt.

Die Familie lebte in einer kleinen Gemeinde nahe Ingolstadt, in einem schönen Einfamilienhaus mit einem geräumigen Anbau, in dem sich die Kleintierpraxis befand.

Dr. med. vet. Arnold Bauer, Sophies Vater, war in der Region bekannt für sein umfangreiches Fachwissen, seine gewissenhafte Behandlung und seinen einfühlsamen Umgang mit den Tieren. Die Praxis war immer gut besucht und die Wartezeiten oft lang. Doch die Menschen in der Umgebung vertrauten ihm, denn er gab nicht nur ihren Tieren Hoffnung, sondern auch den Besitzern, wenn ihre Lieblinge krank oder verletzt waren.

»Hast du dein Zimmer schon gekündigt?«, fragte Vanessa.

»Ja, das habe ich längst erledigt. Meine Nachmieterin übernimmt sogar meine Regale und die Gardinen. Du weißt ja, wie begehrt die Einzelzimmer sind.« Sophie hatte in einem Studentenwohnheim im Münchner Norden gewohnt, wo es lange Wartelisten gab. »Und bei dir?«, fragte sie neugierig.

»Ich fange in der Kleintierpraxis an, in der ich mein Praktikum gemacht habe. Zunächst nur in Teilzeit. Mal sehen, wie es sich entwickelt und welche Chancen sich noch ergeben.« Vanessa zögerte kurz, bevor sie vorsichtig fragte: »Und du und Sebastian? Zieht ihr jetzt zusammen?«

Sie wusste, dass dieses Thema immer wieder Spannungen zwischen Sophie und ihrem Freund Sebastian verursacht hatte. Er war Informatiker und lebte in Ingolstadt in einer kleinen Wohnung. Während des Studiums hatte Sophie meist nur die Wochenenden bei ihm verbracht, außer in den Prüfungsphasen, in denen sie häufiger in München blieb, um zu lernen.

Sophie seufzte leise. »Ich hoffe, er gewöhnt sich an das Landleben. Wenn ich in der Praxis meines Vaters arbeite, kann ich nicht in der Stadt wohnen. Ich muss vor Ort sein. Die Sprechstunden dauern oft länger, und ich werde natürlich auch den Notdienst übernehmen. Aber Sebastian weiß das und hat mir versprochen, dass wir zusammen eine schöne Wohnung in der Nähe der Praxis suchen. Zum Glück kann er inzwischen zwei bis drei Tage die Woche im Homeoffice arbeiten. Da sollte der längere Fahrtweg in die Stadt kein Problem mehr sein.«

Vanessa grinste und sagte: »Also, bei dir läuft's privat und beruflich wirklich rund. Da kann man ja direkt neidisch werden, Sophie.« Sie zwinkerte ihr zu. »Und wenn du mal eine gute Tierärztin brauchst, weißt du ja, wen du anrufen kannst.«

Sophie lachte. »Sobald bei uns ein bisschen Ruhe einkehrt, bist du herzlich eingeladen, uns zu besuchen. Dann können wir uns austauschen.« Sie zögerte kurz, bevor sie hinzufügte: »Vielleicht verloben Sebastian und ich uns ja bald. Es wäre wirklich an der Zeit.«

Vanessa hob überrascht die Augenbrauen. »Das wünsche ich dir, Sophie. Wie lange seid ihr eigentlich schon zusammen?«

»Fünf Jahre«, antwortete Sophie mit einem nachdenklichen Lächeln. »Wir haben uns auf einer Studentenparty in München kennengelernt. Sebastian hat an der Technischen Universität in Garching studiert. Nach seinem ausgezeichneten Master-Abschluss bekam er einen tollen Job in Ingolstadt. Geografisch passt es also und menschlich sowieso.«

Vanessa nickte zustimmend. »Das glaube ich dir. Sonst wärt ihr ja nicht schon so lange zusammen.«

»Genau.«

Sophie dachte kurz darüber nach, dass Sebastian manchmal sehr rational und karriereorientiert war. Aber war das nicht ganz normal in ihrem Alter, wenn man im Leben etwas erreichen wollte?

Er stand oft unter großem Druck. Sie hatte immer Verständnis dafür gezeigt, so wie er sie bei ihren Prüfungen unterstützt hatte. Und wenn sie sich mal ein Wochenende nicht gesehen hatten, war das für beide kein Problem gewesen.

Trotzdem träumte Sophie davon, bald jeden Tag neben ihm einschlafen und aufwachen zu können. Sie war sich sicher, dass sie es schaffen würden, ihre unterschiedlichen Berufe gut miteinander zu vereinbaren. Schließlich waren sie vernünftige, junge Leute mit klaren Zielen. Sie würden einen Weg finden, ihr Leben gemeinsam zu meistern, auch wenn Sebastian ihre Liebe zu Tieren nicht immer ganz nachvollziehen konnte.

Die S-Bahn fuhr ein.

»Also, wir telefonieren«, rief Sophie fröhlich, als sie einstieg, während Vanessa auf ihren Zug in die andere Richtung wartete.

An der Station Studentenstadt sprang Sophie schwungvoll aus der Bahn. Die Sonne strahlte vom Himmel, und die Vögel zwitscherten. Nichts konnte ihre gute Laune trüben. Sie hatte es geschafft! Die Prüfungen waren vorbei, bestanden, und sie fühlte sich, als hätte sie die ganze Welt erobert. Der Gedanke daran, wie stolz ihre Eltern auf sie sein würden, ließ ein freudiges Kribbeln in ihrem Inneren aufsteigen. Heute war einfach ein perfekter Tag!

In den nächsten Stunden wollte sie ihre restlichen Sachen packen und sich mit ein paar Flaschen Sekt und Wein gebührend von ihren Mitbewohnern verabschieden. Es war Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. Sie wollte diesen Übergang feiern.

Am nächsten Morgen würde Sebastian kommen, um sie und ihr Gepäck nach Hause zu ihren Eltern zu bringen. Dort würde Sophie erst einmal bleiben, bis sie und Sebastian eine gemeinsame Wohnung in der Nähe der Tierarztpraxis gefunden hätten.

Sie freute sich auf diese Übergangszeit. Es würde ihr die Gelegenheit geben, wieder mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und sich ganz in Ruhe auf ihre neue Rolle in der Praxis ihres Vaters vorzubereiten.

♥♥♥

Ein leichter Wind wehte über das Anwesen, als Dr. Michael Bauer nach sechs Jahren Abwesenheit die Klingel neben der schweren Holztür seines Elternhauses drückte.

Während er wartete, dass sich die Tür öffnete, ließ er seinen Blick über den vertrauten Garten und das Gebäude schweifen. Viel hatte sich hier nicht verändert.

Sein erster Gedanke galt seiner Mutter. Er wollte sie unbedingt zuerst begrüßen, denn sein Vater war an diesem Freitagnachmittag noch in der Praxis. Schon auf dem Weg hierher hatte er die vielen Autos vor dem Gebäude gesehen. Die Praxis war wie immer gut besucht. Und mit seiner Mutter kam er ohnehin immer besser zurecht.

Als sich die Eingangstür öffnete, strömte ihm der vertraute Duft von frischem Kaffee entgegen. Für einen kurzen Augenblick fühlte er sich wie ein Kind, das gerade aus der Schule nach Hause gekommen war. Doch dieser Moment der Geborgenheit verflog schnell.

Claudia Bauer schlug die Hand vor den Mund und rief: »Michael ... bist du es wirklich?«

Ihre Stimme zitterte leicht, während sie ihren Sohn in die Arme schloss. Sie hielt ihn fest, als hätte sie Angst, er könnte gleich wieder verschwinden. Dann trat sie einen Schritt zurück, um ihn eingehender zu betrachten.

Sein markantes Gesicht mit den ausgeprägten Wangenknochen wirkte nachdenklich und erschöpft. Das kurze dunkelbraune Haar war wie immer leicht zerzaust. Aber der Dreitagebart, den er jetzt trug, war neu.

»Du siehst müde aus. Komm rein«, sagte sie schnell und öffnete die Tür weiter. Während sie ihm einen prüfenden Blick zuwarf, sah sie kurz nach draußen, als er die Schwelle überschritt. »Ist Judith nicht mitgekommen?«

Michaels Miene verhärtete sich kaum merklich. »Nein.« Er schüttelte den Kopf, während er die Tür hinter sich schloss.

»Möchtest du einen Kaffee? Papa kommt gleich. Er macht seine übliche zehnminütige Pause, bevor er bis zum Abend weiterarbeitet. Du weißt ja, wie es hier läuft. Es hat sich nichts geändert, außer dass er jetzt noch mehr zu tun hat als früher. Aber bald bekommt er Unterstützung. Morgen kommt Sophie. Sie wird in Zukunft mit ihm in der Praxis arbeiten. Die beiden freuen sich schon sehr darauf.«

»Hm«, murmelte Michael, während er seinen Blick durch den Raum gleiten ließ.

Auch hier war alles fast unverändert. Das alte Ledersofa stand noch immer an der gleichen Stelle, flankiert von den beiden schweren Sesseln. Nur der Fernseher war größer geworden.

Diese vertraute Umgebung, in der alles so blieb, wie es immer gewesen war, fühlte sich einerseits beruhigend an, aber es verstärkte auch die Distanz, die Michael innerlich spürte.

Seine Schwester Sophie also, dachte er. Klar, alle waren begeistert, dass sie in die Praxis einsteigen würde. Es war wie gemacht für sie. Trotzdem verspürte er einen kleinen Stich bei dem Gedanken, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte. Das Leben zu Hause war einfach weitergegangen, während er woanders sein eigenes Ding durchgezogen hatte.

»Bitte setz dich doch.«

Claudia wies auf den Kaffeetisch, der für zwei Personen vorbereitet war. Hastig fügte sie ein drittes Gedeck hinzu.

In diesem Moment trat Dr. Arnold Bauer ins Zimmer. Er blieb stehen und musterte seinen Sohn über den Rand seiner Brille hinweg.

»Ein Berliner Autokennzeichen – das kannst nur du sein. Schön, dich zu sehen, Michael.« Seine Stimme war ruhig, doch dann fügte er hinzu: »Du hast dir viel Zeit gelassen mit diesem Besuch.«

Seine Miene blieb undurchdringlich, aber Michael entging nicht die Enttäuschung in den Augen seines Vaters.

Er hatte ihm nie ganz verziehen, dass er vor sechs Jahren die Familie verlassen und in Berlin ein neues Leben begonnen hatte. Seitdem hatten sie sich nicht mehr persönlich getroffen, nur ab und zu telefoniert.

Inzwischen war die Distanz zwischen ihnen fast unüberwindbar geworden. Michael spürte die Last dieser Jahre in der Luft hängen. Er wusste, dass dies der Anfang zu einem langen, unausweichlichen Gespräch war.

»Ja, ich ...« Die Worte blieben ihm fast in der Kehle stecken.

Claudia merkte sofort, wie angespannt die Stimmung war, und wollte die Lage auflockern. Mit einem Lächeln fragte sie:

»Michael, wie wär's mit einem Stück frisch gebackenem Apfelkuchen?« Dabei griff sie zur Kaffeekanne und begann, die Tassen zu füllen.

»Ja, gerne, Mama.«

Arnold setzte sich Michael gegenüber und goss etwas Sahne in den Kaffee, ohne den Blick von ihm abzuwenden.

»Also, dann erzähl mal, was los ist, mein Sohn.«

Michael ärgerte sich. Sein Vater durchschaute ihn immer noch mit erschreckender Präzision. Er holte tief Luft, bevor er weiter sprach.

»Es läuft nicht gut in Berlin.« Die Worte kamen nur langsam über seine Lippen. Er wusste, dass das, was er gleich sagen würde, alles veränderte. Aber es gab keinen anderen Weg, als es auszusprechen. »Judith hat mich verlassen. Ich möchte zurückkommen, Mama, Papa, und in der Praxis arbeiten. So, wie du es dir immer gewünscht hast«, erklärte Michael und richtete seinen Blick auf seinen Vater.

Mit seinen Worten schien er die ohnehin schon angespannte Atmosphäre noch weiter zu verdichten.

Arnold starrte ihn an, als hätte er nicht richtig gehört, während Claudia stumm blieb, die Hände nervös im Schoß gefaltet.

»Aber du hattest doch mit Judith eine eigene Praxis in Berlin, Michael. Warum jetzt?«, fragte Arnold, die Stirn in Falten gelegt.

Michael wich dem durchdringenden Blick seines Vaters aus. »Unsere Ehe ist gescheitert. Ich möchte einen Neuanfang wagen. Hier, bei euch. Hier ist mein Zuhause. In Berlin habe ich mich nie richtig wohlgefühlt.«

»Einen Neuanfang ...?« Arnold lachte bitter. »Und du denkst, du kannst einfach wieder hier auftauchen, als wäre nichts passiert?«

Claudia räusperte sich nervös, unsicher, ob sie eingreifen sollte, aber sie wusste, dass es keinen Sinn hatte, sich jetzt einzumischen. Das war eine Angelegenheit zwischen Vater und Sohn. Die Spannungen, die sich all die Jahre angestaut hatten, waren nun auf dem Höhepunkt.

»Michael«, fuhr Arnold fort, seine Stimme leiser, aber schärfer. »Du hast uns verlassen. Du hast dich für ein Leben weit weg entschieden. Jetzt, wo es nicht so läuft, wie du es dir vorgestellt hast, willst du einfach zurückkehren, als ob nichts gewesen wäre?«

Michael spürte, wie der Druck in seiner Brust zunahm. Er hatte gewusst, dass es schwer werden würde, aber die kalte Abweisung seines Vaters traf ihn tiefer, als er erwartet hatte.

»Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe. Aber ich will es wiedergutmachen. Ich will Teil dieser Familie sein, Teil der Praxis. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt.«

Arnold sah ihn lange an. »Das ist nicht so einfach«, sagte er schließlich. »Nicht nach allem, was passiert ist.« Arnolds Gesicht verhärtete sich. »Und was ist mit Judith? Sie ist deine Frau. Ihr habt euch geliebt, ihr hattet große Pläne. So etwas gibt man nicht einfach auf. In jeder Ehe gibt es Schwierigkeiten. Vielleicht solltet ihr noch einmal in Ruhe miteinander reden, Michael.« Seine Stimme klang aufmunternd, fast wie ein Appell an die Vernunft.

Doch Michael schüttelte entschieden den Kopf. »Das kannst du vergessen. Es gibt kein Zurück. Es ist vorbei. Judith hat bereits eine befreundete Tierärztin in die Praxis geholt.«

»Mein Gott, Michael!«, rief seine Mutter entsetzt. »Was ist denn zwischen euch vorgefallen?«

Michael senkte den Kopf, als er die bittere Realität aussprach.

»Judith hat einen anderen. Sie will jetzt strikt zwischen Privatleben und Beruf trennen. Aber eigentlich war sie es, die ihr eigenes Geld gespart und meins für den Aufbau der Praxis genutzt hat. Die Praxis läuft auf ihren Namen. Judith hat mich ausgenutzt und steht finanziell jetzt viel besser da als ich. Ich habe nichts mehr. Die letzten sechs Jahre waren für mich komplett umsonst.«

Claudia atmete scharf ein, während Arnold stumm blieb. Er starrte ihn lange an, ohne zu blinzeln, als müsste er die Wirklichkeit erst begreifen.

»Nichts mehr ...?«, wiederholte Arnold mit scharfer Stimme. »Das kannst du doch nicht einfach so hinnehmen!«

»Judith muss dir das Geld zurückgeben, das du in ihre Praxis gesteckt hast!«, warf Claudia empört ein.

»Das regeln die Anwälte«, antwortete Michael knapp.

Arnold biss in ein Stück Kuchen, kaute bedächtig und spülte es mit einem Schluck Kaffee hinunter.

Dann sagte er: »Die Praxis ist kein Spielzeug, das man einmal will und dann wieder nicht. Du musst beweisen, dass du es ernst meinst.«

»Ich meine es ernst«, antwortete Michael.

Arnold beobachtete seinen Sohn aufmerksam. Er hatte längst erkannt, dass Michael ein verunsicherter Mann war, der nach Halt suchte, auch wenn er es nicht offen zeigte. Trotzdem durfte er das nicht einfach ignorieren.