Silvia-Gold 256 - Tessa Philipp - E-Book

Silvia-Gold 256 E-Book

Tessa Philipp

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Beschreibung

Ein vertauschter Koffer führt zwei junge Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den gut aussehenden, erfolgreichen Top-Manager Maximilian aus München und die sensible, warmherzige Lehrerin Lena aus Frankfurt. Wider jede Vernunft verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander und verbringen leidenschaftliche, berauschende Wochen und Monate zusammen. Selbst als die harte Realität sie einholt und das Pendeln zwischen den Metropolen für beide zunehmend anstrengend wird, halten sie verzweifelt aneinander fest. Denn für Max ist Lena all das, wonach er sich immer gesehnt hat: Liebe, Wärme und Geborgenheit. Und Lena liebt Maximilian mehr als ihr Leben ... Doch es gibt einen Menschen, dem ihr Glück ein steter Dorn im Auge ist und der längst eine gemeine Intrige gesponnen hat, um es zu zerstören. Langsam, Tropfen für Tropfen, träufelt er Misstrauen und Zweifel in ihre ahnungslosen Herzen ...

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Seitenzahl: 133

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Inhalt

Cover

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Der vertauschte Koffer

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Impressum

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Inhaltsverzeichnis

Inhaltsbeginn

Impressum

Der vertauschte Koffer

Wie das Schicksal zwei einsame Menschen zusammenführt

Von Tessa Philipp

  

Ein vertauschter Koffer führt zwei junge Menschen zusammen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: den gut aussehenden, erfolgreichen Top-Manager Maximilian aus München und die sensible, warmherzige Lehrerin Lena aus Frankfurt. Wider jede Vernunft verlieben sich die beiden Hals über Kopf ineinander und verbringen leidenschaftliche, berauschende Wochen und Monate zusammen. Selbst als die harte Realität sie einholt und das Pendeln zwischen den Metropolen für beide zunehmend anstrengend wird, halten sie verzweifelt aneinander fest. Denn für Max ist Lena all das, wonach er sich immer gesehnt hat: Liebe, Wärme und Geborgenheit. Und Lena liebt Maximilian mehr als ihr Leben ...

Doch es gibt einen Menschen, dem ihr Glück ein steter Dorn im Auge ist und der längst eine gemeine Intrige gesponnen hat, um es zu zerstören. Langsam, Tropfen für Tropfen, träufelt er Misstrauen und Zweifel in ihre ahnungslosen Herzen ...

»Lena, du fährst! Punkt!«, murmelte sie vor sich hin und lächelte dabei.

Sie lag in ihrem Bett und lauschte den Geräuschen des erwachenden Frankfurter Stadtteils Sachsenhausen. Irgendwo bellte ein Hund, eine Autotür fiel ins Schloss, und aus der Wohnung unter ihr hörte sie ihre Nachbarin auf dem Balkon sprechen.

Vor drei Jahren hatte sie ihren Studienfreund Thomas, der in München lebte, zuletzt gesehen. Das war auf seiner Hochzeit mit Sandra gewesen, bei der Lena ein hellrosa Kleid getragen und seine Trauzeugin gewesen war. Ein Jahr später war dann die kleine Clara zur Welt gekommen.

Seitdem hatten sie oft telefoniert und sich Nachrichten geschrieben, aber sich nie getroffen. Immer war etwas dazwischengekommen. Bis jetzt.

Lena schwang die Beine aus dem Bett. Ihre nackten Füße berührten die alten Holzdielen, die manchmal leise knarrten. Das Septemberlicht fiel durch die hohen Altbaufenster und tauchte ihre gemütliche Drei-Zimmer-Wohnung in einen honigfarbenen Schimmer. Überall standen Bücher: in den Regalen, auf dem Fensterbrett, neben ihrem alten Sessel, einem Flohmarktfund aus den Siebzigerjahren, den sie mit samtigem Velours neu gepolstert hatte.

»Was ziehe ich bloß an?«, fragte sie sich laut und öffnete den Kleiderschrank, den sie auf einem Trödelmarkt entdeckt und weiß lackiert hatte. Schließlich entschied sie sich für ihre Lieblingsjeans, einen kuscheligen dunkelgrünen Pullover und ihre bequemen Stiefeletten.

Während sie sich ankleidete, dachte sie an Thomas. Schon im Studium war er der Kumpel gewesen, der stets die Ruhe bewahrte. Wenn sie wieder einmal zu idealistisch gewesen war und den Boden unter den Füßen verloren hatte, hatte er sie zurück in die Realität gebracht. Auch ihre Wohnung zeugte von ihrer zuweilen träumerischen Art.

Da waren Erinnerungen, die ihr viel bedeuteten, wie die gehäkelten Deckchen der Großmutter, der Kirschholz-Schreibtisch vom Urgroßvater, ihre selbst gemachten Wandbehänge, auf die sie so stolz war.

Sie ging in die kleine Küche. Auf der Fensterbank standen Basilikum, Rosmarin, Thymian und eine kleine Minzpflanze für erfrischende Getränke. Ein alter Holztisch diente als Arbeitsfläche. An der Wand hatte sie mehrere Regale angebracht.

Kurz darauf erfüllte das vertraute Geräusch der Kaffeemaschine den Raum, während sie ihren schwarzen Luxus-Rollkoffer mit den charakteristischen Rillen aus der Abstellkammer holte. Ein Geschenk ihrer Eltern zum dreißigsten Geburtstag – viel zu teuer für ihr Lehrergehalt, aber wunderschön, unverwüstlich und sehr praktisch.

»So, mein Lieber«, sprach sie den Koffer an und stellte ihn aufs Bett. »Wir fahren heute nach München.«

Sorgfältig faltete sie ihre Sachen zusammen. Zwei Pullover, eine zusätzliche Jeans, Unterwäsche, das T-Shirt mit den kleinen Eulen darauf, das ihr ihre Schüler im vergangenen Jahr zu Weihnachten geschenkt hatten. Dann zögerte sie einen Moment und holte ihr dunkelrotes Kleid aus dem Schrank. Das einzige wirklich elegante Stück, das sie besaß. Sandra hatte am Telefon erwähnt, dass sie gerne ins Theater gehen würden. Lena wollte für alle Fälle gerüstet sein. Dazu die Kulturtasche und ihr aktuelles Buch: ein Roman über eine Frau, die in Irland eine Buchhandlung eröffnete.

Manchmal träumte Lena selbst von einem eigenen kleinen Laden, in dem sie Menschen mit guten Geschichten zusammenbringen könnte.

»Träum weiter, Lena«, sagte sie zu sich selbst, aber nicht ohne Humor. Als Grundschullehrerin verdiente sie nicht genug, um nebenher ein eigenes Geschäft zu eröffnen und Angestellte zu bezahlen. Daher würde das ein Traum bleiben.

Sie ging zum Fenster und schaute hinunter auf die kleine Gasse. Ein älterer Mann führte seinen Dackel spazieren, eine Frau in Laufkleidung joggte vorbei, und die Bäckerei gegenüber war bereits gut besucht.

Ihre vertraute Welt.

Manchmal fragte sie sich, ob sie zu sehr in ihrem Trott gefangen war. Mit dreißig hatte sie eine langwierige Beziehung hinter sich, die sehr belastend gewesen war. Jetzt lebte sie allein und führte ein ruhiges, vorhersagbares Leben. Aber es war gut so, wie es war. Sie liebte ihre Arbeit, hatte wunderbare Freunde und stapelweise ungelesene Bücher.

Der Kaffeeduft holte sie aus ihren Gedanken zurück. Sie goss sich eine Tasse ein und trank ihn schwarz, so wie sie es mochte. Dabei prüfte sie noch einmal ihre Zugverbindung auf dem Handy. Der ICE nach München fuhr gegen Mittag, sie würde nach vier Uhr dort sein. Thomas würde sie am Hauptbahnhof abholen, wie er ihr geschrieben hatte. Sie freute sich darauf, ihn zu sehen, und war natürlich auch gespannt auf die kleine Clara.

Zurück im Schlafzimmer packte sie die letzten Sachen in den Koffer. Ihre Geldbörse, das Ladekabel für das Handy. Und schließlich das Geschenk für Thomas und Sandra: eine Flasche guten Rotwein aus dem Rheingau und selbst gemachte Plätzchen, die sie vor zwei Tagen abends gebacken hatte.

Als sie den Koffer schloss, verspürte sie einen kleinen Anflug von Aufregung. Es war schön, mal wieder zu verreisen, auch wenn es nur für ein Wochenende war. Vielleicht würden Thomas und Sandra ihr München zeigen, vielleicht würden sie über alte Zeiten reden und über ihre Träume. Sandra hatte am Telefon so warm und herzlich geklungen.

Lena war gespannt darauf, sie endlich richtig kennenzulernen, denn bei der Hochzeit war das bei den vielen Gästen und in all den Feierlichkeiten nicht wirklich möglich gewesen.

Sie stellte den Koffer neben die Wohnungstür, spülte das Kaffeegeschirr ab und warf einen letzten Blick in den antiken Spiegel mit dem vergoldeten Rahmen. Ihre kastanienbraunen, schulterlangen Haare hatte sie zu einem Pferdeschwanz gebunden, ein paar Strähnen fielen ihr ins Gesicht. Nicht perfekt, aber genauso, wie sie war.

»Na dann, München«, sagte sie zu ihrem Spiegelbild, prüfte die Wimperntusche rund um ihre bernsteinfarbenen Augen und lächelte. »Mal sehen, was du für mich bereithältst.«

Eine Stunde später verließ sie mit ihrem schwarzen Rollkoffer die Wohnung. Wie immer hatte sie zuvor die Zahlenkombination eingestellt und das Schloss aktiviert.

Sie ahnte nicht, dass dieser Koffer ihr Leben für immer verändern würde.

♥♥♥

Der ICE fuhr sanft in den Münchner Hauptbahnhof ein.

Lena spürte das vertraute Kribbeln der Vorfreude. Durch das Zugfenster sah sie die imposante Stahlkonstruktion der Bahnhofshalle. Menschen mit Gepäck eilten umher, Geschäftsleute telefonierten, Touristen starrten auf ihre Handys.

»Endstation München Hauptbahnhof! Bitte alle aussteigen!«, tönte es aus den Lautsprechern.

Lena erhob sich von ihrem Platz am Fenster und streckte sich. Die vierstündige Fahrt hatte sie mit Lesen verbracht, unterbrochen nur von den Blicken auf die bayerische Landschaft, die draußen vorbeigezogen war. Jetzt war sie endlich da.

Sie griff nach ihrer Handtasche und dem Koffer im Gepäckfach über ihrem Sitz. Der Gang füllte sich mit Menschen. Lena reihte sich gelassen in die Schlange der Aussteigenden ein.

Ein Mann in feinem Zwirn bahnte sich nervös seinen Weg an ihr vorbei. »Entschuldigung«, sagte er knapp, ohne sie wirklich anzusehen.

Lena zuckte mit den Schultern und trat auf den Bahnsteig. Sie zog ihren Koffer hinter sich her und orientierte sich. Thomas hatte geschrieben, er würde sie am Info-Point erwarten.

Als sie dort ankam, war er jedoch nicht da. Vor einer elektronischen Anzeigetafel mit Abfahrtszeiten standen Menschen und blickten auf ihre Smartphones.

Lena holte ebenfalls ihr Handy hervor. Eine Nachricht von Thomas.

Bin etwas im Stau, dauert noch etwa zehn Minuten. Warte einfach am Info-Point. Freue mich riesig! Thomas

Lena lächelte und tippte zurück: Bin da. Lass dir Zeit. LG Lena

Sie stellte ihren Koffer neben sich und beobachtete das bunte Treiben um sie herum. Direkt neben ihr stand der elegante Mann von vorhin: derjenige, der sich im Zug so hastig an ihr vorbeigedrängt hatte. Er telefonierte leise, aber bestimmt und wirkte wie jemand, der es gewohnt war, dass andere auf ihn hörten. Sein makelloser dunkler Anzug unterstrich seine gepflegte Erscheinung.

Sein Rollkoffer stand direkt neben ihrem. Was für ein Zufall! Beide waren identische schwarze Hartschalenkoffer derselben Marke.

»Das Meeting ist auf den nächsten Montag verschoben«, sagte er gerade. »Ja, ich habe alle Unterlagen dabei. Die Präsentation läuft über meinen Laptop.«

Eine Durchsage unterbrach ihre Beobachtungen: »Achtung, ein Koffer wurde am Gleis dreiundzwanzig vergessen. Der Besitzer wird gebeten, sich bei der Bundespolizei zu melden.«

Das kam davon, wenn man in der Reisehektik nicht aufpasste, dachte Lena. Ihr war das zum Glück noch nie passiert. Sie warf einen Blick auf ihren eigenen Koffer, um sicherzugehen, dass er noch da war. Der schwarze Rollkoffer stand ordentlich an ihrer Seite, genau dort, wo sie ihn hingestellt hatte.

Der Mann neben ihr beendete sein Telefonat und blickte auf seine schwere Armbanduhr. Er wirkte ungeduldig und schaute sich suchend um, als sein Smartphone erneut klingelte.

»Winterfeld ...« Er nahm das Gespräch an, und Lena konnte nicht umhin mitzuhören. »Wann ist das passiert? Seit einer Stunde? Warum erfahre ich das erst jetzt?« Seine Hand umklammerte das Handy so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

Er hockte sich hastig neben seinen Koffer und tippte die Zahlenkombination ein. Das Schloss schnappte auf. Mit einer Hand durchwühlte er den Inhalt, während er weiter telefonierte.

»Alle Server? Ja, verdammt noch mal, das sind die Merger-Dokumente! Die kompletten Kaufverträge!« Er zog eine Mappe heraus und blätterte hektisch darin. »Rufen Sie sofort die IT-Security an. Ich will wissen, ob es Industriespionage war oder ein technisches Versagen.«

Das Gespräch dauerte weitere quälende Minuten. Der Mann blieb neben seinem offenen Koffer stehen und wippte ungeduldig von einem Fuß auf den anderen. Offenbar hatte er völlig vergessen, wo er war. »Sperren Sie alle Accounts. Sofort!«

Währenddessen schoben sich immer mehr Passanten an den Koffern vorbei. Ein älteres Ehepaar mit schwerem Gepäck drängte sich durch. Die Frau stieß versehentlich gegen Lenas Rollkoffer, der ein Stück zur Seite rutschte. Ihr Mann zog sein eigenes Gepäckstück nach, der wiederum gegen Winterfelds noch geöffneten Koffer prallte.

Als der Mann endlich das Gespräch beendete, war er so aufgewühlt, dass er offenbar nur noch wegwollte. Er warf die Mappe hastig zurück in den Rollkoffer und klappte ihn zu. Das Zahlenschloss zu aktivieren vergaß er völlig, weil das Handy schon wieder klingelte. Nach einem weiteren Telefonat griff er in blinder Hast nach dem schwarzen Koffer, der ihm am nächsten stand. Zu viel stand auf dem Spiel. Er musste sofort ins Büro.

»Lena! Lena!«

Sie drehte sich um und sah Thomas durch die Menschenmenge auf sich zukommen. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung vor Freude. Er sah genauso aus wie früher. Vielleicht etwas weniger Haare und ein paar Lachfältchen mehr, aber mit demselben warmen Ausdruck in den Augen.

»Thomas!« Sie winkte ihm zu.

»Du siehst fantastisch aus!«, sagte er, als er sie erreichte, und zog sie in eine herzliche Umarmung.

»Du auch«, entgegnete Lena. »Ich kann gar nicht glauben, dass es wirklich drei Jahre her ist, dass wir uns zuletzt getroffen haben. Du hast dich überhaupt nicht verändert!«

»Das sagst du nur aus Höflichkeit.« Thomas grinste und musterte sie von Kopf bis Fuß. »Aber du schaust wirklich toll aus. Das Leben in Frankfurt scheint dir zu bekommen.«

»Danke! Und wie geht es Sandra? Ist sie sehr aufgeregt wegen meines Besuchs?«

»Ein wenig. Sie hat gekocht und gebacken.« Thomas griff nach ihrem Koffer. »Aber vor allem macht sie sich Sorgen um Clara. Sie ist seit gestern krank.«

»Oh, das tut mir leid. Etwas Ernstes?«

»Sie hat etwas Fieber. Sandra ist ein bisschen nervös.«

»Das kann ich gut verstehen. Wir hätten unser Treffen verschieben können, Thomas.«

»Nein, das wollten wir nicht, nicht schon wieder.« Er deutete zum Ausgang. »Komm, lass uns hier rausgehen. Sandra wartet zu Hause mit Kaffee und Kuchen. Sie freut sich sehr, dich wiederzusehen.«

Sie verließen gemeinsam den Bahnhof, während hinter ihnen das Treiben weiterging.

♥♥♥

Der Feierabendverkehr war dichter als erwartet. Als sie schließlich vor dem Reihenhaus in Pasing hielten, konnte Lena bereits Sandra am Fenster stehen sehen.

»Und das ist unser kleines Reich«, sagte Thomas stolz, als er die Haustür öffnete.

Lena trat über die Schwelle und wurde von dem Duft von frisch gebackenem Kuchen und Kaffee empfangen.

»Lena!« Eine zierliche Frau mit roten Locken kam aus der Küche gestürmt und strahlte sie an. »Endlich sehen wir uns wieder. Es hat viel zu lange gedauert.«

Sandra umarmte Lena herzlich, als wären sie alte Freundinnen, und Lena erwiderte die Umarmung sofort. »Thomas hat wirklich Glück mit dir.«

»Das sage ich ihm auch immer.« Sandra zwinkerte ihrem Mann verschmitzt zu. »Bitte, komm rein.«

Das Haus war gemütlich eingerichtet: rustikale Holzmöbel, bunte Kissen auf dem Sofa und Familienfotos an den Wänden.

»Das Gästezimmer ist oben«, fuhr Sandra fort. »Willst du dich kurz frisch machen, und dann trinken wir Kaffee? Ich habe einen Bienenstich gebacken.«

»Oh, lecker! Hoffentlich hast du dir nicht zu viel Arbeit meinetwegen gemacht. Thomas hat mir erzählt, dass es Clara nicht gut geht.«

Sandra winkte ab. »Nein, keine Sorge. Ich war heute Morgen mit Clara beim Arzt. Er meinte, es sei nur eine leichte Erkältung, und hat Fiebersaft verschrieben. Und Backen ist meine Leidenschaft.«

Thomas trug ihren Koffer die Holztreppe hinauf. Das Gästezimmer war klein, aber liebevoll eingerichtet, mit einer kleinen Vase frischer Blumen auf dem Nachttisch. Er stellte den Koffer auf den Tisch.

»Danke, Thomas.«

Lena drehte am Zahlenschloss, aber es reagierte nicht wie gewöhnlich. Schließlich versuchte sie, den Koffer einfach zu öffnen. Das gelang sofort. Sie erstarrte. »Was zum Teufel ist das?«

Statt ihrer vertrauten Jeans und der Pullover lagen da drei makellose Anzüge in Dunkelblau und Anthrazit, perfekt gefaltet und offensichtlich sehr teuer. Dazwischen ein silberner Laptop, eine Powerbank mit Ladekabel, ein Tablet, dazu mehrere Schnellhefter, Folien und andere Geschäftsunterlagen.

Sie hob vorsichtig einen der schmalen Ordner heraus. Vertraulich – Projekt Sonnenpark, stand in schwarzen Buchstaben darauf.

»Was ist los, Lena?«, erkundigte sich Thomas.

»Das ist nicht mein Koffer«, flüsterte sie und sank auf die Bettkante. »Wessen Koffer ist das? Und wo ist meiner?«

Sie durchsuchte die Innentaschen und fand eine elegante Visitenkarte: Dr. Maximilian Winterfeld, Winterfeld & Partner, Unternehmensberatung, Maximilianstraße 42, 80538 München.

»O Gott«, murmelte sie und reichte Thomas die Karte. »Ein Geschäftsmann. Ein sehr erfolgreicher dazu, wenn ich mir die teuren Anzüge ansehe.«

»Winterfeld?« Thomas pfiff durch die Zähne. »Die spielen in einer Liga für sich. Sehr exklusiv und sündhaft teuer.«

»So sah er auch aus«, murmelte Lena.

»Am besten, du rufst ihn gleich an. Bestimmt vermisst er seinen Koffer schon schmerzlich.«

»Alles okay da oben?«, rief Sandra. »Ihr seid so still!«

»Wir kommen gleich!«, gab Thomas zurück.

Mit zitternden Fingern griff Lena nach ihrem Handy und wählte die Nummer von der Visitenkarte.

Es klingelte. Einmal. Zweimal.

»Winterfeld.« Die Stimme war kühl und klang wenig geduldig.

»Äh ... hallo. Hier ist Lena Richter. Ich glaube ... also, ich bin mir ziemlich sicher, dass ich Ihren Koffer habe, Herr Dr. Winterfeld.«

Pause. Eine sehr lange Pause.

»Lena, Thomas!«, rief Sandra von unten.

»Gleich!«, erwiderte Thomas und ging zur Tür. »Ich gehe runter und erkläre ihr, was los ist«, flüsterte er Lena zu.

»Meinen Koffer ...?«, wiederholte die Stimme am anderen Ende der Verbindung langsam. »Und woher wollen Sie das wissen?«

»Nun ja, der schwarze Rollkoffer hier bei mir ließ sich problemlos öffnen. Er war nicht wie meiner mit dem Zahlenschloss gesperrt. Darin sind ... äh ... sehr hochpreisige Anzüge. Ein Laptop. Geschäftsunterlagen. Außerdem habe ich Ihre Visitenkarte gefunden.«

Wieder Stille. Dann hörte sie ein unterdrücktes Fluchen. »Wo sind Sie?«, fragte er scharf.

»Bei Freunden in München. Hören Sie, es tut mir wirklich leid. Das war ein Versehen am Bahnhof. Mein Koffer sieht Ihrem zum Verwechseln ähnlich. Dasselbe Modell.«