Familie mit Herz 171 - Tessa Philipp - E-Book

Familie mit Herz 171 E-Book

Tessa Philipp

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Beschreibung

"I’m sorry to say this but your husband’s airplane crashed." - "Es tut mir sehr leid, aber das Flugzeug ihres Mannes ist abgestürzt." Ein Satz, der das Leben von Kristina Stahl und ihren Kindern Mark und Ellie von einer Sekunde auf die andere komplett ändert. Raimund Stahl, Ehemann, Vater und bekannter Tierforscher, ist im Dschungel Costa Ricas verschollen, niemand weiß, ob er noch lebt. Was folgt, ist eine nervenzerreißende Zeit voller Ungewissheit und großen Veränderungen - denn ohne Raimunds Gehalt kann Kristina ihr bisheriges Zuhause, eine großzügige Villa nicht halten. Dazu kommt, dass sie ausgerechnet jetzt auch noch ihren Job als Tierarzthelferin verliert. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird Kristina, dass sie ihr Leben ohne Raimund organisieren muss. Da kommt das Stellenangebot eines Tiergnadenhofs für eine Hilfskraft gerade recht. Auch eine günstige Wohnung gehört dazu, in der sie mit Mark und Ellie unterkommen kann. So langsam fassen die drei wieder Fuß, als nach mehr als einem halben Jahr erneut eine Nachricht eintrifft ...

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Seitenzahl: 131

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhalt

Cover

Kommt Papa wieder?

Vorschau

Impressum

Kommt Papa wieder?

Zwei Kinder bangen um ihren verschollenen Vater

Von Tessa Philipp

»I'm sorry to say this but your husband's airplane crashed.« – »Es tut mir sehr leid, aber das Flugzeug Ihres Mannes ist abgestürzt.« Ein Satz, der das Leben von Kristina Stahl und ihren Kindern Mark und Ellie von einer Sekunde auf die andere komplett ändert. Raimund Stahl, Ehemann, Vater und bekannter Tierforscher, ist im Dschungel Costa Ricas verschollen, niemand weiß, ob er noch lebt. Was folgt, ist eine nervenzerreißende Zeit voller Ungewissheit und großen Veränderungen – denn ohne Raimunds Gehalt kann Kristina ihr bisheriges Zuhause, eine großzügige Villa nicht halten. Dazu kommt, dass sie ausgerechnet jetzt auch noch ihren Job als Tierarzthelferin verliert. Je mehr Zeit vergeht, desto klarer wird Kristina, dass sie ihr Leben ohne Raimund organisieren muss. Da kommt das Stellenangebot eines Tiergnadenhofs für eine Hilfskraft gerade recht. Auch eine günstige Wohnung gehört dazu, in der sie mit Mark und Ellie unterkommen kann. So langsam fassen die drei wieder Fuß, als nach mehr als einem halben Jahr erneut eine Nachricht eintrifft ...

Raimund Stahl saß am Steuer des großen Elektro-SUVs und fuhr konzentriert in das weitläufige Parkhaus hinein. Nach einigem Suchen fand er einen Stellplatz, in den auch das breite Auto gut hineinpasste.

Kurz darauf stieg der zweiundvierzigjährige hochgewachsene Mann aus und ging um das Fahrzeug herum. Er trug ein dunkles T-Shirt, eine bequeme Hose und feste Wanderschuhe mit Socken. Sein kurz geschnittenes hellbraunes Haar zeigte bereits einige graue Strähnen, was seiner Erscheinung einen gewissen Charme und Autorität verlieh.

»Wie lange fliegst du, Dad?«, fragte Mark, der ihm gefolgt war.

»Vierzehn Flugstunden bis San José. Das hört sich länger an, als es ist. Meistens schlafe ich sowieso die Hälfte der Zeit. Den Rest verbringe ich mit Lesen oder schaue mir einen Film an, wenn mich einer interessiert. Ganz zu schweigen von den Essenszeiten an Bord.«

Raimund öffnete die Heckklappe und holte einen großen kakifarbenen Rucksack mit einer aufgeschnallten Isomatte und zwei große dunkelgrüne Reisetaschen heraus.

»Cool.«

Mark schaute seinen Vater bewundernd an. Jedes Mal, wenn dieser von einer Expedition zurückkam, sah er sich stundenlang die Fotos und Videos an, die Raimund im Dschungel gemacht hatte. Längst hatte er ihm auch das Versprechen abgerungen, ihn begleiten zu dürfen, wenn er einmal groß sein würde. Seitdem wünschte sich Mark nichts sehnlicher, als endlich »groß« zu werden.

Zumindest von der Statur her hatte der Dreizehnjährige seinen Vater bald erreicht. Er war genauso schlank und langbeinig, im Moment aber noch fünfzehn Zentimeter kleiner.

»Komm, Mäuschen. Wir sind da«, sagte Kristina und half ihrer fünfjährigen Tochter Ellie aus dem Wagen.

Doch kaum war sie draußen, fragte Ellie: »Mama, kann ich Josi mitnehmen?«

»Ja, wenn du willst. Wo ist sie denn?«

»Im Auto. Auf dem Sitz. Josi möchte sich auch von Papa verabschieden«, erklärte der Blondschopf mit der süßen Stupsnase.

»Ja, natürlich. Du hast recht.«

Kristina öffnete erneut die Tür, griff nach der handgemachten dunkelhaarigen Stoffpuppe auf dem Rücksitz und reichte sie ihrer Tochter.

Raimund hatte sie ihr von seinem letzten Besuch in Costa Rica mitgebracht. Seitdem war sie Ellies ständige Begleiterin. Schon vor ein paar Tagen hatte die Kleine ihrem Papa das Versprechen abgenommen, ihr noch eine »Josi« mitzubringen, damit die andere nicht allein sei.

»Da drüben sind die Gepäckwagen«, wies Kristina ihren Mann darauf hin.

Sie kannte den Ablauf. Es war nicht das erste Mal, dass Raimund an einer Dschungelexpedition teilnahm.

Ihr Mann war Professor an der veterinärmedizinischen Fakultät der hiesigen Universität und hatte sich auf »Wildtiermedizin« spezialisiert. Der Dschungel Costa Ricas bot hervorragende Bedingungen für diesen Forschungsschwerpunkt. Die notwendigen Gelder für Reise, Unterkunft, Verpflegung, Ausrüstung und Forschungsmaterial wurden aus Mitteln der Universität und durch Spenden Dritter aufgebracht.

Vor allem die Affen, insbesondere die Kapuzineraffen, interessierten Raimund und seine Studenten, die ihn abwechselnd begleiteten.

Es gab eine Affenauffangstation, die sich auf die Rettung und Rehabilitation der Tiere spezialisiert hatte. Mit der Hilfe von Wildhütern fingen sie die Tiere ein, identifizierten und kennzeichneten sie, behandelten Krankheiten wie Parasitenbefall oder Zahnprobleme. So konnten sie im Laufe der Zeit Veränderungen im Verhalten und im Gesundheitszustand der Affen feststellen.

»Ich hole einen«, erklärte Raimund und machte sich mit federnden Schritten auf den Weg.

Durch regelmäßiges Joggen und Schwimmen hielt er sich fit und hatte seine sportliche Figur bewahrt. Manchmal war er des trockenen Professorenalltags etwas überdrüssig. Aber er hatte die Fähigkeit, junge Menschen zu motivieren und auszubilden, und er war ein engagierter Pädagoge, der seine Studenten gerne ermutigte, ihr volles Potenzial auszuschöpfen.

Kurz darauf lud der Professor sein Gepäck auf. Auch heute hatte Kristina wieder diesen besonderen Blick in seinen hellblauen Augen gesehen – wach und aufmerksam, aber auch erwartungsvoll. So war er immer, wenn er auf Tour ging. Er liebte die Wildnis.

Kristina schüttelte ihr langes braunes Haar aus dem Nacken und griff nach Ellies Hand. Mit der anderen hielt ihre Tochter die geliebte Josi fest umklammert. Sie gingen auf Raimund und Mark zu, die inzwischen am Aufzug auf sie warteten. Gemeinsam fuhren sie ins Erdgeschoss und machten sich auf den Weg zum Abflugterminal.

Der Familienvater gab sein Gepäck auf. Inzwischen waren auch zwei seiner Studenten eingetroffen, die ihn während der Semesterferien auf dieser Reise begleiten würden.

Dass er nicht allein unterwegs war, beruhigte Kristina, auch wenn sie wusste, wie gewissenhaft und verantwortungsvoll Raimund seine Reisen immer plante und durchführte und nichts dem Zufall überließ. Alles war akribisch vorbereitet und dokumentiert. Er arbeitete mit lokalen Institutionen, Naturschutzorganisationen und Forschungseinrichtungen in Costa Rica zusammen. Nur so erhielt er die Erlaubnis, die Dschungelgebiete zu betreten. Während der Expeditionen stand er in ständigem Kontakt mit den Basisstationen. Er hatte ein Satellitentelefon dabei, mit dem er sich immer wieder meldete und seine Position durchgab.

»Das Boarding hat schon begonnen. Am besten, wir gehen auch gleich«, sagte Raimund zu den Studenten, zog seinen Reisepass und die Bordkarte aus der Tasche.

Die beiden nickten und gingen zur Passkontrolle.

»So, und ihr drei ...«, wandte sich Raimund an seine Familie, »... passt gut aufeinander auf. Kann ich mich auf dich verlassen, Mark?«, fragte er seinen Sohn mit gespielt strenger Miene.

»Klar, Dad. Mach's gut und schick ein paar coole Fotos.«

»Darauf kannst du dich verlassen.« Raimund drückte seinen Großen fest an sich und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter. Dann hob er Ellie hoch und sagte: »Sei lieb zu Mama, Mäuschen.«

»Hm.« Ellie nickte und hielt ihm die Puppe hin. »Josi möchte sich auch von dir verabschieden, Papa.«

»Natürlich. Tschüss, Josi.« Raimund griff nach der kleinen Hand der Puppe und schüttelte sie. Dann drückte er seiner »Prinzessin« ein paar liebevolle Küsschen auf die Wange und strich ihr über das blonde Haar, bevor er sie wieder auf den Boden setzte. Schließlich war Kristina an der Reihe. »Mein Schatz, wie immer musst du hier die Stellung halten. Aber vielleicht möchtest du in der Zwischenzeit ein paar Tage mit den Kindern verreisen?«, schlug er ihr vor und blickte tief in ihre warmen, hellbraunen Augen, die er so liebte.

»Ja, vielleicht. Mal sehen, wie das Wetter wird«, gab seine Frau vage zurück.

Raimund nahm sie in die Arme und küsste sie mit leicht geschlossenen Augen genüsslich auf die Lippen.

»Ich liebe dich, Krissi. Bleib so, wie du bist und warte auf mich«, flüsterte er.

Er fand, dass sie umwerfend aussah, und er liebte ihre warmherzige, geduldige Art. Sie hatte immer ein offenes Ohr für ihre Familie und Freunde und konnte sich gut in andere hineinversetzen.

»Ach, Raimund. Ich wünschte, die Zeit würde ganz schnell vergehen. Du fehlst uns jetzt schon. Pass gut auf dich auf. Der Dschungel ist kein Zuckerschlecken.«

Kristina wusste, wovon sie sprach.

Als Ellie noch nicht geboren war, war sie zweimal mit Raimund nach Costa Rica geflogen. Mark war bei ihrer Mutter geblieben, während sie ihren Mann durch den Dschungel begleitet hatte.

Eine Traumwelt aus den dumpfen Rufen der Brüllaffen, dem Krächzen der Tukane, dem Zirpen der Zikaden und den Kolibris, die durch die Luft propellerten, hatte sich ihr eröffnet. Während der Dschungel noch vor Feuchtigkeit dampfte, waren Leguane, Nasenbären und Gürteltiere erwacht. Es war ein einmaliges Erlebnis für sie gewesen. Anschließend hatte sie sich einen Badeurlaub an einem wunderschönen Küstenstreifen mit karibischen Sandstränden gegönnt. Währenddessen war Raimund mit einem Forscherteam in die Tiefen des Urwalds aufgebrochen.

Raimund nickte. »Mach dir keine Sorgen, Kristina, wenn ich mich mal ein paar Tage nicht melde. Du weißt ja, wie es dort ist.«

»Bis bald, mein Liebster.«

»Mach's gut, Kristina«, sagte er mit belegter Stimme.

Der Abschied von seiner Familie war ihm nie leichtgefallen. Doch in seiner Brust wohnten zwei Seelen: Die eine schlug für die Familie, die andere für die Forschung. Beiden gerecht zu werden, war schwierig. Im Grunde war das nur möglich, wenn man eine so starke und flexible Frau wie Kristina an seiner Seite hatte. Ohne sie hätte er den Spagat zwischen Beruf, Karriere, Forschung und Familie nicht meistern können.

Ein letzter Kuss, ein letztes Winken, dann verschwand der Familienvater hinter der Absperrung.

Kristina schluckte die Tränen hinunter und wandte sich den Kindern zu.

»Kommt, wir fahren zurück.«

♥♥♥

Anderthalb Stunden später erreichten sie die große Holzvilla, die nach den Prinzipien der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes gebaut worden war.

Das Gebäude lag leicht am Hang, nutzte Solarenergie und heizte mit Tiefenwärme. Regenwasser wurde für die Bewässerung und die Toilettenspülung gesammelt und wiederverwendet. Ein Gründach verbesserte die Isolierung des Hauses und bot Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Energieeffiziente Geräte und Beleuchtungssysteme minimierten den Stromverbrauch. Das galt auch für den Schwimmkanal mit Gegenstromanlage, der etwas versteckt im ökologisch gestalteten Garten lag. Wenn es das Wetter zuließ, zog Raimund hier jeden Morgen seine Bahnen. Auch Kristina und Mark schwammen gerne darin. Daneben lag ein flaches Kinderbecken für Ellie und ihre Freundinnen.

Kristina war das hochmoderne Anwesen schon in der Planungsphase viel zu groß und zu teuer gewesen.

»So viel Platz und Luxus brauchen wir nicht«, hatte sie mehrmals eingewandt, ohne bei ihrem Mann Gehör zu finden.

Aber so war Raimund eben. Er strebte immer nach dem Besten und Größten – beruflich und privat. Er wollte seine Familie verwöhnen. Natürlich gehörten sie zur Oberschicht der Stadt.

Vielleicht lag es daran, dass Raimund selbst aus einer einflussreichen Arztfamilie stammte. Auch wenn Vater und Großvater der Humanmedizin den Vorzug gegeben hatten, war Raimund aber unbeirrt seinen Weg als Veterinärmediziner gegangen.

Er war Kristina damals in der Mensa aufgefallen und musste ihre Blicke wohl gespürt haben. Am nächsten Tag lud er sie zu Wiener Würstchen mit Kartoffelsalat ein. Sie verliebten sich schon bald ineinander. Es war wichtig für ihn, dass Kristina, die ebenfalls Tiermedizin studierte, allerdings in einem niedrigeren Semester, seine Interessen teilte. Sie diskutierten und lernten oft nächtelang.

Nach einem Jahr wurde Kristina unerwartet schwanger. Eine Abtreibung kam für beide nicht infrage. So setzte sie ihr Studium zunächst fort, während ihr Kind von ihrer verwitweten Mutter betreut wurde. Doch als diese später schwer erkrankte, brach Kristina schweren Herzens ihr Studium ab und kümmerte sich um Mutter und Kind.

Währenddessen glänzte Raimund mit Bestnoten und machte an der Universität auf sich aufmerksam. Schon damals unternahm er Forschungsreisen. Dass sich Kristina so fürsorglich um ihr gemeinsames Kind kümmerte und dafür auf ihre Karriere verzichtete, dankte er ihr mit seiner bedingungslosen Liebe.

Nur seine Mutter Gerta Stahl war von Anfang an mit ihr nicht einverstanden gewesen. Sie hatte eine andere, ihrer Meinung nach passendere Partie für Raimund im Sinn gehabt. Doch nach und nach erkannte Gerta, wie glücklich ihr Sohn mit Kristina und den Kindern war. Trotzdem blieb das Verhältnis zur Schwiegertochter angespannt.

Eine Zeit lang hätte Raimund gerne noch ein drittes Kind gehabt. Aber Kristina hatte mit der Familienplanung längst abgeschlossen. So konzentrierte er sich auf Mark und hoffte, dass der Junge einmal in seine Fußstapfen treten würde.

Doch Kristina bremste seinen Ehrgeiz mit den Worten: »Lass ihn erst einmal erwachsen werden und seine Talente entwickeln.«

Raimund ließ ihren Einwand jedoch nicht gelten und entgegnete: »Man kann Kinder auch spielerisch zum Glück führen, indem man ihr Interesse für etwas weckt und ihnen einen Beruf vorschlägt, mit dem sie zufrieden und finanziell abgesichert leben können. Es ist kein Nachteil, wenn sie das erst später erkennen.«

Von da an verstand sie, wie zielstrebig er den Jungen erzog. Seine Liebe zu ihm blieb davon unberührt.

Vor dem Haus stand ein rotes Auto. Margot war schon da – Gertas ehemalige Haushaltshilfe und Köchin, die sie seit dem Tod ihres Mannes nicht mehr brauchte, weil sie noch eine andere hatte. Margot half Kristina hin und wieder aus und betreute dabei auch Mark und Ellie – vor allem an Tagen wie heute, wenn Kristina abends länger in der Tierarztpraxis arbeiten musste.

Kristina fuhr in die Garage und stieg zusammen mit den Kindern aus. Auf dem Weg zum Haus klingelte plötzlich ihr Handy.

Ihre Schwester Evelin war dran: »Hallo Krissi, ist Raimund schon weg?«

»Ja, wir kommen gerade vom Flughafen.«

»Sag mal, wie wäre es, wenn wir ein paar Tage zusammen wegfahren? Ich glaube, wir brauchen alle mal eine Auszeit. Das letzte Schuljahr war ganz schön anstrengend für Daniel. Was hältst du davon, wenn wir noch einmal an den Brönner See fahren und uns zwei Ferienwohnungen mieten?«

Dort waren sie schon öfter zusammen gewesen. Evelins Kinder Paula und Daniel, sechs und vierzehn Jahre alt, verstanden sich gut mit Kristinas Kindern.

Kristina lachte und antwortete: »Bevor Raimund weggeflogen ist, hat er mir das Gleiche vorgeschlagen. Ich könnte auch gut ein paar Tage Urlaub vertragen. Raimunds Reisevorbereitungen sind immer stressig. Kannst du mal nachfragen, ob für uns was frei ist? Ich muss jetzt in die Praxis.«

»Mache ich, Krissi. Ich schreib' dir aufs Handy.«

»Gut. Bis später.«

Kristina schloss das Haus auf und sagte zu den Kindern, die ihr mit Margot im Schlepptau folgten: »Habt ihr Lust, mit Evelin und den Kindern ein paar Tage an den Brönner See zu fahren?«

»Oh, cool. Dann kann ich mit Daniel Tischtennis spielen«, freute sich Mark.

An der Badestelle am See gab es mehrere fest eingerichtete Platten.

»Und Paula kann mir ihre neue Puppe zeigen«, murmelte Ellie, während Mark bei ihren Worten genervt das Gesicht verzog.

Man spürte genau, was er dachte: Sie war eben noch klein. Sehr klein. Und Mädchen waren sowieso anders. Am besten ignorierte man sie.

♥♥♥

Zwei Stunden später betrat Kristina die Tierarztpraxis von Dr. Walter. Seit vielen Jahren arbeitete sie hier in Teilzeit. Als sie nach dem Abitur nicht gleich einen Studienplatz für Tiermedizin bekommen hatte, hatte sie bei ihm eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten gemacht und erst danach mit dem Studium begonnen.

Jahre später, als ihre Mutter gestorben war, Mark zur Schule ging und Margot gelegentlich aushalf, nahm sie mit Raimunds Einverständnis den Kontakt zu Dr. Walter wieder auf.

Als sie ihn um eine Teilzeitstelle bat, konnte sie sofort bei ihm anfangen. Er schätzte ihr erworbenes Fachwissen und forderte sie auf, ihm bei schwierigen Behandlungen oder Operationen zu assistieren. Manchmal behandelte Dr. Walter sie wie eine Kollegin.

Als sie heute etwas abgehetzt ankam, war das Wartezimmer brechend voll, und einige der Leute waren ziemlich verärgert, weil es so lange dauerte.

Kristina blickte in den Operationssaal, wo Dr. Walter gerade dabei war, einen Hund zu narkotisieren.

»Er hat einen Darmverschluss und muss sofort operiert werden«, erklärte er, als er Kristina vor der Tür sah. »Bitte informieren Sie die Wartenden und assistieren Sie mir dann.«

Kristina betrat das Wartezimmer und ließ ihren Blick über die genervten Gesichter gleiten.

»Es tut uns sehr leid, dass Sie warten müssen. Aber Dr. Walter ist gerade in einer Notoperation. Es wird eine Weile dauern, bis wir weitermachen können. Bitte haben Sie dafür Verständnis. Wenn Sie nicht so lange bleiben können, dann haben Sie die Möglichkeit, einen neuen Termin zu vereinbaren oder später wiederzukommen.«

Ein Mann stand auf. »Okay. Das ist wenigstens ein Wort. Aber so lange kann ich nicht warten«, sagte er, schnappte sich den Käfig mit seiner Katze und ging.