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Schicksalsreise ins Paradies
Roman um eine fast verlorene Liebe
Von Tessa Philipp
Eine Luxusjacht allein in der Weite des Pazifiks, ausgeliefert einem Zyklon, der sie zum Spielball seiner teuflisch kreischenden Sturmböen und haushohen Wasserberge macht. Verzweifelt bemüht sich Georg Waldenheim, Maureens und sein Leben diesen Urgewalten abzutrotzen - doch vergebens.
Nur Maureen kann von dem Perlenhändler Jacques Deforge gerettet werden. Er ist fasziniert von ihrer kühlen Schönheit und bietet ihr, als sie das Krankenhaus verlassen kann, seinen Schutz und seine Villa auf den Tonga-Inseln an.
Ein Paradies tut sich für Maureen auf, doch ihre Trauer um Georg legt über alles einen dunklen Schleier. Da hat sie eines Tages eine verwirrende Begegnung ...
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Seitenzahl: 105
Veröffentlichungsjahr: 2019
Cover
Impressum
Schicksalsreise ins Paradies
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: franckreporter / iStockphoto
eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar
ISBN 9-783-7325-8374-4
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
www.bastei.de
Schicksalsreise ins Paradies
Roman um eine fast verlorene Liebe
Von Tessa Philipp
Eine Luxusjacht allein in der Weite des Pazifiks, ausgeliefert einem Zyklon, der sie zum Spielball seiner teuflisch kreischenden Sturmböen und haushohen Wasserberge macht. Verzweifelt bemüht sich Georg Waldenheim, Maureens und sein Leben diesen Urgewalten abzutrotzen – doch vergebens.
Nur Maureen kann von dem Perlenhändler Jacques Deforge gerettet werden. Er ist fasziniert von ihrer kühlen Schönheit und bietet ihr, als sie das Krankenhaus verlassen kann, seinen Schutz und seine Villa auf den Tonga-Inseln an.
Ein Paradies tut sich für Maureen auf, doch ihre Trauer um Georg legt über alles einen dunklen Schleier. Da hat sie eines Tages eine verwirrende Begegnung …
»Georg, ich danke dir, dass du gekommen bist.«
Ingmar Schulte eilte seinem alten Freund mit ausgebreiteten Armen entgegen.
Auf den ersten Blick war an der Begrüßung nichts Besonderes. Doch wer die beiden Männer kannte, spürte, wie aufgesetzt und beinahe verkrampft die Herzlichkeit heute war.
»Bitte, komm herein«, forderte Ingmar und wies auf den großen Konferenzraum, der mit allen technischen Raffinessen ausgestattet war. »Meine Herren, ich darf Ihnen Georg Waldenheim vorstellen, den Inhaber der Waldenheim GmbH«, wandte sich Schulte an die zehn anderen Herren, die sich um den hochglanzpolierten Mahagonitisch gruppiert hatten.
Jetzt erhoben sie sich alle höflich und schüttelten Waldenheim respektvoll die Hand. Doch ihre Gesichter waren ernst, und die Blicke, die Waldenheim streiften, forschend.
Es lag etwas in der Luft. Das wussten sie alle, und vor allem Georg Waldenheim wusste es.
»Kaffee, Tee …?«
»Tee, bitte«, entgegnete Georg Waldenheim mit klarer Stimme.
Er war vierundfünfzig Jahre alt und hatte vor zehn Jahren das Kaffeetrinken aufgegeben, nachdem er öfters ein unangenehmes Ziehen in der Herzgegend verspürt hatte. Seitdem ging es ihm tatsächlich besser.
Die Sekretärin brachte sogleich den Tee, und Ingmar Schulte begann: »Nun, wir wissen alle, um was es geht. Deshalb möchte ich auch nicht lange um den heißen Brei herumreden. Unser Konzern bezieht seit zwanzig Jahren technische Schaltelemente von der Waldenheim GmbH. Es war eine fruchtbare und ergiebige Zusammenarbeit für beide Seiten, die sich wohl auch darauf gründete, dass Georg und mich eine langjährige Freundschaft verbindet, die praktisch schon in der Universität begann.« Er räusperte sich. »Auch heute ist das noch so. Dabei sind wir nicht immer einer Meinung, aber vielleicht macht es das ja gerade so spannend. Doch nun stehen wir vor einer schwierigen Aufgabe, die wir mit dir, Georg, gemeinsam lösen wollen.«
Georg Waldenheim hatte sich entspannt in den braunen Lederstuhl zurückgelehnt. Sein leicht gebräuntes Gesicht, zu dem die grau melierten, sorgfältig geschnittenen Haare einen interessanten Kontrast bildeten, zeigte keine Regung.
Was Schulte sagte, stimmte. Sie kannten sich wirklich schon eine halbe Ewigkeit. Man hatte sich in rauen Zeiten gegenseitig den Rücken gestärkt, gemeinsam Seite an Seite gekämpft. Waldenheim als Inhaber seiner voll automatisierten Bauteilefertigung und Schulte als Chief Executive Officer eines amerikanischen Konzerns, der in Europa und vor allem in Deutschland im Hightech-Bereich einen riesigen Laden aufgebaut hatte.
»Herr Waldenheim«, sagte einer der Herren, der wohl um die Ende dreißig sein musste und etwas forsch wirkte. »Machen wir’s kurz: Sie sind zu teuer. Der Konzern hat in den letzten zwei Jahren noch ein Auge zugedrückt. Sie wissen das, und wir wissen das auch. Jetzt können wir diese Tatsache jedoch nicht länger ignorieren. Um es klar zu sagen, die Konkurrenz fertigt für genau die Hälfte Ihres Preises.«
Pah!, dachte Waldenheim. Diese Halunken! Er hatte schon die ganze Zeit überlegt, wie weit die anderen wohl runtergehen würden. Aber so weit …! Nein, da konnte er nicht mehr mithalten.
»Solche Preise können Sie nur in Fernost erzielen«, erwiderte Waldenheim.
»Und wenn es so wäre, dann wäre das kein Problem für uns«, wurde ihm entgegnet.
»Und die hohen Ausschussquoten, die langen Transportwege, Schwierigkeiten bei der Umstellung der Produktion, politische Instabilität – macht das der niedrigere Preis alles wett?«
Georg Waldenheim hatte sich in Fahrt geredet. Er spürte, jetzt ging’s ums Ganze. Und wieder einmal ärgerte er sich darüber, dass die Asiaten immer mehr deutschen Firmen das Geschäft wegnahmen.
»Ja«, ertönte es ihm klar und deutlich entgegen.
Das kam wie ein Peitschenhieb. Das war das Aus, das Ende für die Waldenheim GmbH.
Aus den Augenwinkeln heraus sah Georg, wie sein Freund Ingmar auf den Boden blickte. Waldenheim wusste, auch für ihn war es nicht einfach. Als Chef war er verantwortlich dafür, Profit zu machen. Doch als Georgs Freund fand er abscheulich, was hier ablief.
Waldenheim wusste das, doch er war Geschäftsmann genug, um zu erkennen, dass Ingmar ihm diesmal nicht helfen konnte. Diesmal mussten sie beide Farbe bekennen. Und das bedeutete das Ende ihrer Zusammenarbeit und der Beginn einer sehr schweren Zeit für die Waldenheim GmbH.
Man teilte noch eine Menge Papier aus, erklärte und legte dar – doch es blieb dabei: Georg Waldenheim war raus aus dem Geschäft.
»Es tut mir leid, Georg«, sagte Ingmar zerknirscht nach einer Stunde, als die Besprechung zu Ende war. »Ich weiß, was das für dich bedeutet. Aber du erinnerst dich, ich habe dir schon vor ein paar Jahren geraten, die Produktion zu verlagern. Nach Rumänien, zum Beispiel, wo man erheblich billiger produzieren kann als in Deutschland. Die Konkurrenz macht’s auch so.«
»Ich weiß, Ingmar, ich weiß. Erst nach Rumänien und dann nach Fernost. Nein, danke. Das ist nichts für mich. Vielleicht bin ich dafür wirklich schon zu alt. Trotzdem danke ich dir für alles, was du in all den Jahren für mich getan hast. Dich trifft keine Schuld. Also, bitte, mach dir meinetwegen keine Gedanken. Übrigens, etwas ganz anderes: Du und Reni – ihr kommt doch am 25. Juli?«
Da wurde er fünfundfünfzig. Und das wollten Maureen und er groß feiern.
»Wir kommen gerne, Georg.« Ingmar klopfte ihm auf die Schulter. »Überschlaf inzwischen alles noch einmal. Nur nichts überstürzen. Nur keine voreiligen Entschlüsse. Vielleicht fällt mir ja in der Zwischenzeit noch eine andere Lösung ein. Aber versprechen kann ich freilich nichts.«
»Mach’s gut, Ingmar.«
Die beiden Männer schüttelten sich die Hände. Dann verließ Georg die holzgetäfelten Räume und fuhr mit dem Aufzug nach unten in die Tiefgarage.
♥♥♥
Doch er fuhr nicht gleich nach Hause. Er machte einen Umweg, lenkte den Wagen in Richtung Park.
Da stoppte er und stieg aus. Tief sog er die frische Waldluft auf. Hier war noch so etwas wie Natur vorhanden. Es tat gut, das zu spüren. Er fühlte, wie sich mit dem tiefen Einatmen allmählich auch seine Gedanken beruhigten.
Er ließ den Blick schweifen. Vor ihm lag der Waldsee, ein beliebtes Ausflugsziel der Städter. Enten und Schwäne zogen ihre Kreise. Mütter schoben Kinderwagen durch die Junisonne, und auf einer Bank machte ein Rentner ein Nickerchen.
Ungläubig schüttelte Georg den Kopf. Was er soeben erlebt hatte, passte nicht in diese Idylle hier. Man hatte ihn nach zwanzig Jahren abserviert. Aber war er nicht selbst schuld daran?
Warum hatte er sich nicht umgestellt, wie es ihm Ingmar tatsächlich schon vor fünf Jahren dringend geraten hatte?
Georg zog sein Sakko aus. Allmählich wurde es warm. Er hing es sich über die Schulter und krempelte die Ärmel des Oberhemdes hoch.
Er brauchte eine Lösung. Doch wie sollte die aussehen? Noch war die Waldenheim GmbH ein gesundes Unternehmen. Aber wenn die Aufträge des Konzerns ausblieben, würden sie bald in die roten Zahlen rutschen. Er musste handeln. Und zwar so schnell wie möglich.
Vor ihm ging ein junges Pärchen mit Kind. Sie diskutierten lautstark. Zwangsläufig bekam Georg Bruchstücke ihrer Unterhaltung mit. Er hörte, wie die Frau sagte: »Wenn wir uns den Wagen nicht mehr leisten können, dann verkaufen wir ihn eben.«
Das war der Augenblick, wo es bei ihm »Klick!«, machte. Genau, das war’s. Das konnte auch seine Lösung sein. Er würde versuchen, die Waldenheim GmbH zu verkaufen.
Corinna, seine Tochter aus erster Ehe, studierte Kunstgeschichte und war ohnehin nicht daran interessiert, die Firmennachfolge anzutreten. Warum also sollte er sich weiter diesem harten Wettbewerb stellen?
Er hatte lang genug hart gearbeitet. Was sprach dagegen, dass er sich jetzt, mit bald fünfundfünfzig, das Leben etwas schöner machte?
Zusammen mit Maureen, seiner jungen Frau, die er über alles liebte.
♥♥♥
»Maureen, du wirkst so bedrückt. Bist du unglücklich?« Gabi Wenzel betrachtete ihre Freundin ehrlich besorgt.
»Nein, Gabi. Es ist mehr – na ja, ich würde es nachdenklich nennen. Weißt du, wenn man über dreißig ist, dann kommt man zuweilen schon ins Grübeln.«
Tatsache war, dass sie sich plötzlich uralt fühlte und manchmal das Gefühl hatte, als ob das Leben an ihr vorbeirauschte. War das der Preis, den man zahlte, wenn man einen wesentlich älteren Mann heiratete? So, wie sie es getan hatte. Georg war über zwanzig Jahre älter als sie.
»Aber ich bitte dich, Maureen! Was soll denn da Georg sagen?«, meinte Gabi dann auch prompt.
»Georg hat die Firma. Das Unternehmen ist sein Ein und Alles. Ich dagegen sitze hier in diesem goldenen Käfig, aus dem ich nicht herauskomme.«
»Seltsam«, sinnierte Gabi, »dass die Menschen nie zufrieden sein können. Ich möchte wetten, dass die meisten Frauen dich sehr beneiden. Diese Villa ist eine Wucht, dein Bankkonto stets gut gefüllt, und deine Garderobe stammt von anerkannten Designern. Was willst du eigentlich noch?«
»Du hast ja recht, Gabi. Ich muss mir diese Unzufriedenheit abgewöhnen. Vielleicht kommt sie auch daher, weil mir selbst die Erfolgserlebnisse fehlen. Sicherlich – ich male, aber wenn ich wirklich Erfolg haben will, dann müsste ich mich mit aller Kraft nur darauf konzentrieren. Verstehst du, was ich meine? Und davon will Georg nichts wissen. Er meint, sein Geld reicht für uns. Es ist nicht nötig, dass ich mich so reinhänge. Das stimmt ja auch. Nur: Es ist keine Frage des Geldes. Ich will wenigstens ein einziges Mal selbst etwas schaffen, auf das ich stolz sein kann. Doch wenn ich wirklich Karriere machen will, dann dürfte ich auf die Partnerschaft keine Rücksicht nehmen. Aber da ist Georg! Also schließe ich Kompromisse, und alles läuft so weiter wie bisher. Ich male ein bisschen, und ein bisschen reicht nicht für den großen Durchbruch.«
»Aber du kennst das Sprichwort: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn du kontinuierlich malst, wirst du mit der Zeit auch Fortschritte machen. Und bezüglich deiner Erfolgserlebnisse: Also, da darfst du auf keinen Fall deine Tätigkeit für Helft den Kindern dieser Welt vergessen. Für die hast du schon über eine halbe Million Euro gesammelt!«
Maureen gehörte dem Vorstand dieser wohltätigen Organisation an.
»Ja, das stimmt. Aber hauptsächlich unter Georgs Geschäftsfreunden und Bekannten. Und die konnten alle ihre Spenden prima von der Steuer absetzen. Und Georg natürlich auch.«
Gabi sah die Freundin prüfend an und bemerkte: »Du scheinst wirklich ziemlich unzufrieden zu sein. Liebst du Georg nicht mehr?«
»Doch. Natürlich. Aber bei ihm dreht sich immer alles um die Firma. Manchmal überlege ich wirklich, was Georg wohl tun würde, wenn es die Firma nicht gäbe.«
Gabi lachte laut auf und nickte dann. »Das kann ich mir bei deinem Mann, ehrlich gesagt, auch nicht vorstellen.«
»Übrigens«, bemerkte Maureen schnell, die ihre Probleme nicht weiter mit Gabi diskutieren wollte, »gestern habe ich im Keller gekramt und mein altes Fotoalbum gefunden.« Sie griff nach dem Buch, das auf der Anrichte lag, und schlug die erste Seite auf. »Kennst du die?«, fragte sie die Freundin.
Das erste Bild zeigte Gabi als fünfzehnjährigen Teenager.
»Und ob! Himmel, war ich da pummelig.«
Sie blätterten weiter. Bei den alten Klassenfotos fielen ihnen ein paar Anekdoten aus vergangenen Tagen ein. Bis schließlich, weiter hinten im Album, das Bild eines blonden Mannes auftauchte, dem die Lebensfreude nur so aus den blauen Augen sprühte.
Maureens Blick heftete sich an das Foto. Ein wehmütiges Gefühl durchzog ihr Herz. Erinnerungen wurden plötzlich wieder lebendig.
In diese Stimmung hinein fragte Gabi: »Hast du von Thomas mal wieder etwas gehört?«
»Nein.«
Maureens Antwort kam etwas gepresst. Dabei lag die Zeit mit ihm beinahe zehn Jahre zurück. Dennoch hatte ihr dieser Mann einmal alles bedeutet. Mit ihm hatte sie den einmaligen Zauber der ersten großen Liebe erlebt und war unendlich glücklich gewesen.
Dabei war Thomas Fuchs viel als Journalist im Ausland unterwegs gewesen. Aus Krisengebieten hatte er aufrüttelnde Reportagen über Bürgerkriege, Naturkatastrophen und politische Querelen gebracht.
Es gab Zeiten, da war sie viel allein gewesen. Doch das hatte sie ihm damals nicht übelgenommen. Stattdessen war sie stolz auf ihn gewesen und hatte, wenn er wieder zurück war, stets aufmerksam seinen ergreifenden Berichten gelauscht und das Zusammensein mit ihm nur umso intensiver genossen.
