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Die Zukunft von Johanna Guggenberger, genannt Hannerl, steht eigentlich schon fest: Mit ihrem Freund Flo wird sie ein Haus in der Nähe des elterlichen Bauernhofs in einem niederbayrischen Dorf beziehen, heiraten und Kinder kriegen. Dass sie erfolgreich ein BWL-Studium abgeschlossen hat, interessiert niemanden. Als sie den kanadischen Bauunternehmer Paul trifft und dieser ihr ein Jobangebot macht, steht sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändert. Gegen alle Erwartungen wagt Hannerl die Reise über den Großen Teich - hinein in eine Welt, die sie gleichermaßen fasziniert und verunsichert. Bayern rückt in immer weitere Ferne - bis ein tragisches Unglück und eine böse Intrige Johannas neugewonnenes Selbstbewusstsein auf eine harte Probe stellen. Jetzt muss sie sich entscheiden: Ist sie Johanna oder Hannerl? Sucht sie die Sicherheit oder das Abenteuer?
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Seitenzahl: 119
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Inhalt
Wo das Leben beginnt
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Impressum
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Wie aus dem bayrischen Mädchen eine Frau von Welt wird
Von Gesine Sonntag
Die Zukunft von Johanna Guggenberger, genannt Hannerl, steht eigentlich schon fest: Mit ihrem Freund Flo wird sie ein Haus in der Nähe des elterlichen Bauernhofs in einem niederbayrischen Dorf beziehen, heiraten und Kinder kriegen. Dass sie erfolgreich ein BWL-Studium abgeschlossen hat, interessiert niemanden.
Als sie den kanadischen Bauunternehmer Paul trifft und dieser ihr ein Jobangebot macht, steht sie plötzlich vor einer Entscheidung, die ihr ganzes Leben verändert. Gegen alle Erwartungen wagt Hannerl die Reise über den Großen Teich – hinein in eine Welt, die sie gleichermaßen fasziniert und verunsichert.
Bayern rückt in immer weitere Ferne – bis ein tragisches Unglück und eine böse Intrige Johannas neugewonnenes Selbstbewusstsein auf eine harte Probe stellen. Jetzt muss sie sich entscheiden: Ist sie Johanna oder Hannerl? Sucht sie die Sicherheit oder das Abenteuer?
Der Duft von frischem Kaffee und dampfendem Rührei lag schwer in der warmen Bauernküche. Die langen Holzbänke knarrten unter dem Gewicht der Familie, während Geschirr klapperte und Stimmen durcheinanderwogten. Es war ein Morgen wie jeder andere im Haus der Guggenbergers – und genau das war das Problem.
Johanna – oder Hannerl, wie sie hier alle nannten – schob sich ein Stück Brezel in den Mund und hörte nur mit halbem Ohr zu, während ihre Mutter über den Hofalltag sprach.
»Der Tierarzt kommt heut Nachmittag, also müssen wir vorher die Rinder zusammentreiben. Und das Gatter am Nordzaun gehört auch noch gemacht.«
»Das machen wir dann am Vormittag«, brummte ihr Vater, der seinen Kaffee mit großen Schlucken trank.
Neben Johanna streckte sich Flo und stand auf. Er trug seine blaue BMW-Arbeitsjacke, die nach Maschinenöl und Metall roch.
»Ich bin dann weg. Komme später direkt zur Baustelle.«
Ihre Mutter drehte sich zu ihm. »Ihr kriegt das mit der Küche schon hin, oder? Der Spediteur kommt bestimmt wieder später als ausgemacht.«
Johanna nickte automatisch. Ja, natürlich.
Die Küche für ihr gemeinsames Haus. Das, was sie seit Monaten renovierten, das, was ihre Zukunft war. Ihr gemeinsames Projekt. Ihr gemeinsames Leben.
Flo beugte sich zu ihr, küsste sie kurz auf den Scheitel. Er roch nach Seife und dem Holz seines Werkzeugkastens. »Ruf mich an, wenn's Probleme gibt.«
»Mhm.«
Er zog seine Jacke über, dann war er weg. Ihre Eltern standen ebenfalls auf, ihr Vater griff nach seiner Kappe. »Komm, Margot.« Ihre Mutter wischte sich die Hände an der Schürze ab, warf Johanna noch einen flüchtigen Blick zu.
»Hannerl, du bist ja jetzt mit der Schule fertig, oder?« Sie lächelte kurz. »Dann hast ja endlich Zeit für die wichtigen Dinge.«
Dann war sie draußen, bevor Johanna überhaupt reagieren konnte.
Mit der Schule fertig.
Johanna sah auf ihre Hände, die immer noch ein Stück Brezel hielten. Drei Jahre Studium. Abschluss mit Bestnoten. Und es war, als hätte sie bloß irgendein Klassenziel erreicht.
Nur die Oma saß noch am Tisch und begann, das Geschirr zusammenzuräumen. »Iss noch was, Kind. Du bist ja schon wieder so dünn.«
»Später, Oma.«
Der Tisch war leer, und zum ersten Mal an diesem Morgen war es still. Die Zeitung lag noch auf dem Tisch, das Papier leicht wellig vom Dampf des Frühstücks. Johanna suchte darin nicht nach Nachrichten. Sie suchte nach Stellenanzeigen.
Sie strich mit der Hand über die Seiten, überflog Überschriften. Nichts.
Aber ein Artikel fiel ihr ins Auge: »Nachhaltiges Bauen: Modellprojekt im Bayerischen Wald abgeschlossen – Tag der offenen Tür für Interessierte.«
Johanna las weiter, ohne den Blick zu heben. Ihre Finger hielten das Papier fester, als es nötig gewesen wäre. Ein Infotag. Ein Projekt, das ganzheitlich auf Nachhaltigkeit setzte – ökologisch, wirtschaftlich, sozial. Wie sie es in ihrem Studiumsschwerpunkt gelernt hatte.
Es war nicht weit entfernt, und sie könnte hinfahren. Aber warum sollte sie? Warum wollte sie?
Johanna faltete die Zeitung langsam zusammen. Draußen hörte sie das Rattern eines Traktors, das dumpfe Bellen eines Hundes. Der Hof lebte und war beständig.
Alles war, wie es immer war.
Und doch war da diese leise Sehnsucht.
♥♥♥
Die Spedition kam, wie erwartet, später als angekündigt. Als die Männer endlich die Pakete in den Flur stellten, war auch Jessica bereits da. Sie saß auf der Fensterbank und schwang die Beine, während Flo sofort das Kommando übernahm – so, wie er es immer tat.
Er packte als Erster aus, sortierte Schrauben und Schienen, nahm das Werkzeug zur Hand und begann mit dem Aufbau.
»Was ist das?« Jessica griff nach der Zeitung, die auf dem Fensterbrett lag, und überflog die Überschrift. »Nachhaltiges Bauen? Echt jetzt?« Sie hob eine Augenbraue. »Hannerl, was interessiert dich denn sowas?«
Flo blickte von seiner Arbeit auf, schnappte sich ebenfalls die Zeitung und überflog den Artikel mit gerunzelter Stirn. »Aha. Öko-Häuser also.« Er schnaubte leise und warf Jessica einen belustigten Blick zu. »Hannerl auf dem Umwelttrip. Hätt ich nicht gedacht.«
»Aber warum?« Jessica schüttelte den Kopf. »Ihr habt doch schon euer eigenes Haus. Was willst du da noch lernen?«
Johanna spürte, wie ihr Puls ein kleines bisschen schneller wurde. »Ich fand's halt interessant.«
Flo legte die Zeitung wieder auf das Fensterbrett, als wäre das Thema damit erledigt. »Aber mach, was du willst. Ich bau dir trotzdem die stabilste Küche, die du je gesehen hast.« Er klopfte ihr leicht auf die Schulter und wandte sich wieder seiner Arbeit zu.
Jessica verschränkte die Arme vor der Brust. »Es ist nur ... na ja, du bist doch nicht der Typ für so was.«
Johanna wollte helfen beim Küche-Aufbauen, aber irgendwie ... fand sie keinen Moment, in dem es gepasst hätte.
»Gib mir den Akkuschrauber«, sagte sie schließlich und streckte die Hand aus.
Flo schüttelte den Kopf. »Warte, ich mach das schnell.«
Es war nicht so, dass er ihr nichts zutraute. Es war einfach bequemer so. Und es war immer schon so gewesen.
Als er einen der schweren Hängeschränke anheben wollte, trat sie einen Schritt vor. »Ich kann mit anpacken.«
»Passt schon.«
Er hob ihn allein an und setzte ihn mit routinierter Leichtigkeit an seinen Platz. Schneller, effizienter – so, wie er es gewohnt war.
Johanna ließ die Hände sinken. Warum bestand sie nicht darauf, mitzuhelfen? Warum ließ sie sich so leicht zur Seite schieben?
Als die Küche schließlich stand und Jessica strahlend in die Hände klatschte, tat Johanna es ihr gleich. Weil es von ihr erwartet wurde.
Doch innerlich ärgerte sie sich. Nicht über Flo, sondern über sich selbst.
♥♥♥
Johanna parkte ihren Wagen auf dem kleinen Schotterplatz am Waldrand. Sie schaltete den Motor aus, blieb aber noch einen Moment sitzen. Das hier war kein Karrieretag. Keine Messe. Nur eine kleine Veranstaltung für Interessierte.
Und doch hatte sie das Gefühl, als würde sie gerade etwas tun, das sie besser nicht tun sollte.
Zwischen den Bäumen schimmerten Holzhäuser mit großen Glasfronten. Winzig, aber perfekt in die Landschaft integriert. Kein Beton, keine Asphaltwege – nur schmale Holzstege, die sich durch das Gelände schlängelten.
Eine Handvoll Leute hatte sich bereits vor dem zentralen Hauptgebäude versammelt, einem offenen Holzpavillon mit Informationsschildern und einer kleinen Bühne. Kein großes Event – eher eine lockere Besichtigung für die, die es wirklich interessierte.
Johanna blieb am Rand stehen und beobachtete die Anwesenden. Ein paar ältere Männer mit kritischen Blicken, ein junges Paar, das leise miteinander sprach, ein Mann mit Kamera, eine Frau in Blazer und mit Notizblock.
»Grüß Gott miteinander!«
Ein freundlicher, aber lauter Ruf ließ alle aufblicken. Ein stämmiger Mann mit graumeliertem Haar – der Bürgermeister, vermutete Johanna – trat auf die kleine Plattform und breitete die Arme aus.
»Ich freu mich, dass Sie alle da sind. Heute dürfen wir Ihnen unser neuestes Tourismusprojekt vorstellen: eine nachhaltige, naturnahe Ferienanlage, die zeigt, dass moderne Bauweise und Umweltschutz kein Widerspruch sind!«
Johanna hörte zu – aber ihr Blick wanderte weiter.
Ein Mann stand ein paar Meter von ihr entfernt, locker die Arme verschränkt, mittleren Alters, schlank, leicht ergrautes Haar. Er trug Jeans und ein einfaches Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. Er wirkte aufmerksam und interessiert.
»Ich übergebe an unsere Tourismusleiterin Frau König, die uns durch die Gebäude führt und Ihnen gleich mehr dazu erzählen wird«, fuhr der Bürgermeister fort. »Und später wird uns noch einer der führenden Köpfe dieses Projekts ein paar Worte sagen – aber das darf er selbst übernehmen.«
Die Gruppe setzte sich in Bewegung. Während die Tourismusleiterin über klimaneutrale Energiekonzepte sprach, fiel Johanna unbewusst in Schritt mit dem Fremden.
»Was meinen Sie? Gefällt es Ihnen?«, fragte er plötzlich.
Johanna überlegte kurz. »Für mich wäre die Frage, ob sich das Konzept auf Dauer rechnet. Es geht ja nicht nur darum, grün zu bauen – sondern so, dass es wirtschaftlich tragfähig bleibt.«
Der Mann lächelte. »Glauben Sie, das ist es nicht?«
»Kommt drauf an.« Sie deutete auf die Holzkonstruktion. »Das hier ist ideal für Feriengäste – aber ob es auch als Wohnkonzept funktioniert, ist eine andere Frage.«
Johanna erinnerte sich, wieviel Freude sie daran hatte, über diese und ähnliche Fragen nachzudenken und kreative Lösungen zu finden. »Wissen Sie, ich habe BWL studiert. Genau das hat mich immer interessiert – wie man Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit verbinden kann. Ich hatte das Thema als Schwerpunkt, aber jetzt nach dem Studium scheint es wenig gefragt zu sein.«
Er lächelte leicht. »Dann sind Sie hier aber dafür genau richtig.«
Er griff in seine Hosentasche und reichte ihr eine Visitenkarte: Walser GreenBuild, Öko-Baukonzepte / Eco Building Concepts, Vancouver, Kanada.
Johanna las den Namen.
Paul Walser, Geschäftsführer.
Sie sah auf. »Sie sind ...?«
Er zwinkerte und streckte ihr seine Hand entgegen. »Paul Walser. Der Kerl, der gleich noch eine Rede halten muss.«
Johanna stammelte erstaunt ihren Namen, während sie seine Hand schüttelte.
Nach der Führung versammelten sich alle im offenen Pavillon. Paul trat auf die kleine Plattform, lehnte sich locker gegen das Pult.
»Ich bin vor vielen Jahren ausgewandert«, begann er. »Kanada hat mich geprägt. Die Mentalität, die Bauweise, die Art, wie wir dort über Nachhaltigkeit denken.«
Er ließ den Blick über die Gruppe wandern.
»Und dieses Projekt hier – das bedeutet mir besonders viel. Weil ich hier geboren bin. Und weil es zeigt, dass auch in Bayern moderne, umweltbewusste Architektur möglich ist.«
Johanna hörte zu – und sie spürte wieder diese leise Unruhe. Die Ahnung, dass es da draußen etwas gab, das größer war als das, was sie kannte.
♥♥♥
Johanna schob die Tür zum Haus auf. Der vertraute Geruch von frischem Holz und Farbe lag in der Luft – ein Duft nach Veränderung, aber auch nach Arbeit, die noch nicht abgeschlossen war. Flo kniete vor einer der neuen Küchenschubladen, den Schraubenzieher in der Hand. Er drehte sich kurz zu ihr um. »Warst aber lang weg.«
»Ja.«
Er zog eine Schraube fest, ruckelte an der Front und nickte zufrieden. »Und? Hat der Öko-Tag Spaß gemacht?« Sein Tonfall war locker, fast beiläufig – und doch schwang etwas mit, das sie nicht greifen konnte. Nicht wirklich Spott, nicht wirklich Boshaftigkeit. Aber ernst gemeint war es auch nicht.
Johanna lehnte sich gegen den Türrahmen, verschränkte die Arme. »Es war interessant.«
Flo richtete sich auf, klopfte sich den Staub von der Jeans und warf ihr einen schrägen Blick zu. »Na ja, was gibt's da groß zu erzählen? Sind doch bloß ein paar Holzhütten im Wald, oder?«
Johanna spürte, wie sich ihr Nacken verspannte. »Nicht nur. Es geht darum, wie nachhaltiges Bauen auch wirtschaftlich funktioniert.«
Flo musterte sie einen Moment, als hätte sie gerade etwas völlig Abwegiges gesagt. »Aha.«
Sie wusste selbst nicht genau, warum sie plötzlich das Bedürfnis hatte, sich zu rechtfertigen. »Der Mann, der das gemacht hat, Paul Walser, hat eine Firma in Kanada. Er baut weltweit nachhaltige Gebäude.«
Flo griff nach einer Wasserflasche, schraubte den Deckel auf und nahm einen Schluck. »Aha. Und? Willst du jetzt nach Kanada auswandern?« Er lachte leise, als wäre der Gedanke völlig absurd. Nicht spöttisch, aber auch nicht so, als hätte er die Frage wirklich gestellt.
Johanna erwiderte sein Lachen nicht.
»Nein«, sagte sie schnell. Zu schnell.
Flo lehnte sich gegen die Arbeitsplatte und sah sie prüfend an. »Ich mein ja nur. Ist halt ein nettes Projekt. Aber was hat das mit dir zu tun?«
Die Frage traf sie unvorbereitet. Was hatte das mit ihr zu tun? Johanna öffnete den Mund, doch die Antwort blieb aus. Weil sie es selbst nicht wusste. »Nichts«, murmelte sie schließlich und drehte sich um.
Flo nahm ihre Antwort ohne weiteres Nachhaken hin, zuckte die Schultern und wandte sich wieder seiner Schraube zu. Für ihn war die Unterhaltung längst beendet.
Für Johanna nicht.
Doch in dieser Nacht, als das Haus still war und nur das schwache Licht ihres Laptops den Raum erhellte, rief sie die Website von Walser GreenBuild auf.
Ihr Herz klopfte schneller, als sie auf die Rubrik »Karriere« klickte.
»Wir suchen Verstärkung für unser Team.«
Einen Moment lang hielt sie inne.
Es war ein einfacher Klick. Eine einzige Entscheidung. Johanna atmete tief durch, setzte die Finger auf die Tastatur – und begann zu schreiben.
♥♥♥
Ein paar Wochen waren vergangen, und Johanna hatte längst aufgehört, an ihre Bewerbung in Kanada zu denken. Inzwischen hatte sie ein Jobangebot in der Nähe angenommen und würde in der nächsten Woche anfangen. Die Küche duftete nach frischem Brot, Butter und einem gemütlichen Abendessen. Draußen färbte sich der Himmel langsam orange, die Geräusche des Hofs wurden ruhiger.
Johanna setzte sich auf die Bank. Die Stimmung war entspannt – es war dieser Moment nach einem langen Tag, an dem man zufrieden zusammensaß.
»Ach, Hannerl, da war noch was für dich.« Ihre Oma stand auf, ging zur Anrichte und griff nach einem kleinen, flachen Paket. »Hat der Postbote heut Mittag gebracht. Liegt schon die ganze Zeit da.«
Johanna nahm es entgegen, ohne nachzudenken. Brauner Karton. Ihr Name in blauer Tinte. Dann sah sie den Absender: Walser GreenBuild.
Ein leiser Schlag gegen ihre Brust.
»Was is'n das?« Flo nahm sich ein Stück Brot.
»Ich weiß nicht.« Aber sie wusste es genau.
Aber ihr Mund fühlte sich trocken an, während sie mit den Fingern über den Rand des Pakets fuhr. Es war schwerer, als sie erwartet hatte.
Ihre Mutter sah kurz auf, aber niemand schenkte dem Päckchen große Beachtung. Warum auch?
»Mach's doch auf«, sagte Flo kauend.
Johanna stand auf. »Ich schau's mir später an.«
Sie spürte seinen Blick, während sie die Küche verließ.
Johanna schloss die Tür hinter sich und ließ sich langsam auf ihr Bett sinken. Zum ersten Mal an diesem Tag war es still. Keine Gespräche, keine Stimmen, nur das leise Ticken der Standuhr im Flur.
