Sinnliche Fantasien - Hari Patz - E-Book

Sinnliche Fantasien E-Book

Hari Patz

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Beschreibung

Es ist die eine Sache, die alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, Rasse oder Nation, miteinander gemeinsam haben: Erotik, Sex, Sinnlichkeit und Verführung. Für die einen ist es die schönste Sache der Welt, für manche nur Mittel zum Zweck und für wieder andere eine ständige Bedrohung ihres Seelenheils. Gleichgültig ist sie nur den Allerwenigsten. Dabei sind die Möglichkeiten, sie auszuleben fast unbegrenzt. Mancherorts wurde sie gar zur Kunst erhoben oder auch religiös eingebunden. Für uns ist es die schönste Sache, die zwei Menschen miteinander teilen können. Oder auch mit mehreren. Das kann reine Lust sein, die man sich gegenseitig schenkt, oder auch ein beglückender Gefühlsaustausch, der eine bestehende Verbindung bestärkt. Die Vielzahl der möglichen Konstellationen und ausgeübten Spielarten waren eine wahre Fundgrube für uns als Autoren. Wir wünschen viel Spaß und Inspiration beim Lesen unserer Geschichten.

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Seitenzahl: 188

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Sinnliche Fantasien

Erotische Geschichten für sie und ihn Hari Patz und Francis Maroni

Impressum © 2026 alle Rechte verbleiben bei den jeweiligen Autoren Coverdesign von: Hari Patz Illustrationen von: Hari Patz mit KI Druck und Distribution im Auftrag des Autors: tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: Hans-Jürgen Patz, Landsberger Allee 210, 10367 Berlin - Lichtenberg, Germany. Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Inhaltsverzeichnis

Kamasutra

Hari Patz

Liebe ist nur ein Wort

Hari Patz

Funkensprühen

Francis Maroni

Nachtschicht

Hari Patz

Nur ein Traum?

Francis Maroni

Reeperbahn-Blues

Hari Patz

Flirthotline

Francis Maroni

Morgens halb Fünf in Brasilien

Hari Patz

Eine heiße Fahrt

Francis Maroni

French Connection

Hari Patz

Die Pyjama-Party

Francis Maroni

Lustwandeln in Recife

Hari Patz

Renate – sie lebe hoch!

Francis Maroni

Rendezvous im All

Hari Patz

Weihnachten

eiskalt und prickelnd heiß

Francis Maroni

Weihnachten

eiskalt und prickelnd heiß II

Francis Maroni

Eiskalt erwischt

Hari Patz

Eiskalt erwischt II

Hari Patz

Vorspiel

Es ist die eine Sache, die alle Menschen, egal welcher Hautfarbe, Rasse oder Nation, miteinander gemeinsam haben: Erotik, Sex, Sinnlichkeit und Verführung. Für die einen ist es die schönste Sache der Welt, für manche nur Mittel zum Zweck und für wieder andere eine ständige Bedrohung ihres Seelenheils. Gleichgültig ist sie nur den Allerwenigsten. Dabei sind die Möglichkeiten, sie auszuleben fast unbegrenzt. Mancherorts wurde sie gar zur Kunst erhoben oder auch religiös eingebunden.

Für uns ist es die schönste Sache, die zwei Menschen miteinander teilen können. Oder auch mit mehreren. Das kann reine Lust sein, die man sich gegenseitig schenkt, oder auch ein beglückender Gefühlsaustausch, der eine bestehende Verbindung bestärkt. Die Vielzahl der möglichen Konstellationen und ausgeübten Spielarten waren eine wahre Fundgrube für uns als Autoren. Wir wünschen viel Spaß und Inspiration beim Lesen unserer Geschichten.

KamasutraHari Patz

Der Tag neigt sich im goldenen Licht seinem Ende zu. Shanti und Govindas baden ihre entblößten Körper in seinen warmen Strahlen. Sie haben diese stille Stunde zwischen Tag und Nacht erwählt, um die Verse des Verlangens in seiner ganzen Tiefe zu erkunden. Am Ufer des murmelnden Baches haben sie Tücher ausgebreitet, auf denen sie nun ruhen. In tiefer Meditation versunken sitzen sie sich im Lotussitz gegenüber. Wenn man sich den Göttern nähern will, muss der Geist rein sein.

Shanti öffnet die Augen und schaut ihren Geliebten mit bewundernden Blicken an. Der Anblick seiner graziösen Gestalt lässt sie erschauern. Ebenso wie sein aufrecht ragender Lingam, der bereits in seiner vollen Pracht erwacht ist. Ihr langes schwarzes Haar umschmeichelt ihre Schultern, als sie sich vorbeugt, um ihn andächtig zu begrüßen. Govindas öffnet nun ebenso seine Augen, richtet den Oberkörper auf und streckt seiner Geliebten einladend die Arme entgegen. Dem folgt sie mir großer Bereitschaft. Heute wollen sie die YapYum-Position erforschen. Shanti hebt ihr Becken über seinen Lingam und senkt ihre Yoni langsam darauf nieder, bis seine gesamte Herrlichkeit tief von ihr aufgenommen wurde. Die Beine hinter seinem Rücken verschränkend sitzen sie so aufrecht, in tiefer Liebe einander zugewandt. Shanti schließt die Augen und lehnt sich gegen seine breite Brust. Bewegungslos verharren sie, geben sich ganz diesem tiefen, alles durchdringenden Gefühl hin. Sich auf ihren Atem konzentrierend, wird das Bedürfnis, sich ineinander zu bewegen, aufgelöst. Shanti spürt, wie die Kundalini in ihr erwacht. Chakra für Chakra steigt sie immer höher. Govindas erzeugt mit seiner Stimme einen tiefen Laut, der an Intensität zunimmt. Er durchzieht ihre beiden Körper, synchronisiert ihre Schwingungen. Dieses Einssein führt sie zur höchsten Ekstase.

Der Himmel öffnete sich über ihnen und sie sind wahrhaft den Göttern nah. Shanti sieht ein strahlendes Licht vor ihrem geistigen Auge, die Kundalini steigt hoch über ihren Kopf hinaus, um dann in Wellen auf sie niederzusinken. In Demut dankt sie den Göttern für dieses Geschenk.

Govindas erlebt, wie sich sein Samen in seiner Geliebten ergießt. Fest drückt er sie an sich, will ihr so nah sein, wie es nur möglich ist. In tiefer Harmonie und Eintracht verharren sie so.

Die letzten Strahlen der Sonne verglühen am Horizont, als sie sich voneinander lösen. In Dankbarkeit und Respekt verneigen sie sich voreinander. Sie legen ihre Kleidung an, um dann Hand in Hand zu ihrem Dorf zurückzukehren.

***

Liebe ist nur ein WortHari Patz

Die Tage und Nächte verbringen wir jetzt gemeinsam. Wir schlafen meistens auf der Terrasse, in ihrem Zimmer ist es zu heiß und zu stickig. Es ist schöner, nachts unter einem funkelnden Himmelszelt einzuschlafen. Kurz vor dem Einschlafen entzündet sich noch einmal die Flamme der Leidenschaft zwischen uns. Da erleben wir, wie schnell sich so eine Flamme ausbreiten kann. Samadhi äußert ihre Leidenschaftlichkeit sehr intensiv und meistens auch lautstark. Gerade bumse ich sie doggystyle und sie schreit ihre Lust heraus. Wir sind erst seit einigen Minuten beschäftigt, als wir auf einmal erst aus dem einen, dann aus einem anderen Zimmer, ganz ähnlich klingende Laute vernehmen. Nach einiger Zeit hören wir es auch noch aus einer dritten Richtung. Wir müssen lachen und freuen uns darüber. Krishna, der Gott der Liebe, feiert heute Nacht ein großes Fest und tanzt leidenschaftlich dazu. Es kann gar nicht anders sein.

Ich sitze mit Samadhi beim Mittagessen im Lakshmis, als auf einmal Carmen hereinkommt. Sie sieht mich und steuert gleich strahlend auf mich zu. „Hey Hari, mein Liebling! Wie schön, dass ich dich noch antreffe, ich habe es so sehr gehofft.“ Sie beugt sich zu mir und verpasst mir einen dicken Schmatzer, bevor ich auch nur ein Wort erwidern kann. Als ich wieder Luft bekomme, sage ich: „Hi Carmen, schön dich zu sehen. Kommst du gerade aus Bombay?“ Sie setzt sich zu uns. „Ja Mann, das war mal wieder eine höllische Fahrt. Wir hatten die übliche Reifenpanne, das ist normal, das kennt man. Sie fahren halt die Reifen, bis sie platzen. Heute kamen auch noch zwei Motorschäden dazu. Wir haben mehr Zeit gestanden, als wir gefahren sind. Acht Stunden habe ich gebraucht!“ „Oh wow, das ist wirklich übel. Acht Stunden für nicht mal zweihundert Kilometer, ist selbst für Indien nicht normal. Obwohl, ich habe einmal zwölf Stunden mit der Bahn gebraucht“, übertrumpfe ich sie im Spiel um die übelsten Pannen. Das ist eine beliebte Beschäftigung unter Westlern hier in Indien. Jeder erzählt von seinen schlimmsten Pannen und Missgeschicken und ein anderer versucht, ihn zu übertrumpfen. Da habe ich schon die kuriosesten Geschichten gehört.

Samadhi hat wie zufällig meine Hand ergriffen, die auf dem Tisch liegt. Ich vermute, dass ihre feinen weiblichen Antennen die potenzielle Konkurrentin erspürt haben. Beruhigend drücke ich ihre Hand und lächle ihr zu. Carmen, die wahrscheinlich über ebensolche Antennen verfügt, ist der kurze Austausch nicht entgangen. „Seid ihr zwei zusammen?“, fragt sie dann auch ganz nonchalant. Samadhi und ich schauen uns an, sie lächelt nur. „Das wurde noch nicht so definiert, wir kennen uns erst seit ein paar Tagen. Aber wünschen würde ich es mir.“ Ich schicke ein liebevolles Lächeln in Samadhis Richtung und drücke kurz ihre Hand. Sie drückt und lächelt zurück. „Na, ihr beiden seht doch schon ganz glücklich zusammen aus. Ich wünsche euch das Beste.“ An Samadhi gewandt, sagt sie noch: „Pass gut auf ihn auf, er ist es wert.“ Dann wendet sie sich wieder zu mir und sagt: „Aber Hari, jetzt mal zum Geschäftlichen. Ich habe dir in Goa versprochen, dass ich dir etwas für deine Arbeit gebe. Weißt du übrigens, dass die Busfahrt hierher, die Erste war, bei der mir nicht die Beine eingeschlafen sind? Du bist ein echter Künstler, ich bin dir ewig zu Dank verpflichtet. Nimm dies als kleine Anerkennung.“ Dabei greift sie in ihre Tasche und holt einige Geldscheine hervor, die sie vor mich hinlegt. Es sind fünfhundert Rupien! „Hey Carmen, das ist aber viel Geld.“ „Nah, ist es nicht, grade mal fünfzig Dollar. Ich hätte dir so gerne noch viel mehr gegeben, aber meine Kasse ist fast leer, ich muss zurück in die USA. Nächste Woche geht mein Flug.“ „Ich danke dir vielmals, das hilft mir wirklich sehr in meiner jetzigen Situation. Das kommt völlig unerwartet.“ „Ich freue mich, wenn ich dir helfen kann. Schließlich hast du mir auch sehr geholfen. Und nicht nur das ...“, sagt sie mit einer Dehnung. „Du, ich muss jetzt aber los, Freunde von mir warten. Falls wir uns nicht mehr sehen sollten, gib mir wenigstens einen Abschiedskuss.“

Ich stehe auf und umarme sie. Das weiß sie auszunutzen und brennt mir einen Kuss auf, der deutlich signalisiert, dass sie gerne noch viel mehr von mir gehabt hätte. Sie dreht sich zu Samadhi um und sagt zu ihr schweratmend: „Puh, ich beneide dich!“ Mit einem lauten Lachen dreht sie ab und geht hinaus. Was für eine herrliche Frau! Mit einem Grinsen setze ich mich wieder. „Ist sie eine verflossene Liebe von dir?“, fragt Samadhi mich gleich. Ich muss aus mehreren Gründen lachen. „Nein, das ist sie nicht, jedoch eine sehr sympathische Bekanntschaft. Ich habe ihre Wirbelsäule behandelt, zuletzt in Goa. Sie ist in Ordnung, ich mag sie gut leiden.“ Die Erwähnung von Goa, ermöglicht uns einen Themenwechsel. Samadhi will dort unbedingt noch hin und möchte mehr darüber wissen.

Am Abend besprechen wir unsere weiteren Pläne. Als sie hört, dass ich über Land zurück nach Deutschland will, ist sie sehr daran interessiert. Sie wollte furchtbar gerne nach Afghanistan, würde sich das allein als Frau aber nicht trauen. Bevor sie nach England zurückreist, will sie auf jeden Fall erst noch nach Goa. „Dort möchte ich aber allein hin, bitte versteh das. Seit ich nach Indien kam, bin ich immer in irgendjemandes Gesellschaft gewesen. Ich will einfach eine Zeit für mich ganz allein haben und das am liebsten in Goa am Strand. Es ist so viel passiert in letzter Zeit, auch mit dir. Ich muss mich sortieren und schauen, wie sich mein Leben dadurch verändert hat. Was ich weiterhin mache, wie ich leben will.“ „Das ist völlig in Ordnung mit mir. Du musst dich für nichts entschuldigen. Glaub mir, ich weiß den Charme der Einsamkeit zu schätzen. Ich brauche sie auch immer wieder. Für mich ist Goa immer sehr inspirierend gewesen. Ich hatte dort einige wunderbare Gedanken. Ein Rätsel, dass ich nicht davongeflogen bin. Vielleicht bekommst du ja auch ein paar davon.“ Sie schaut mich verwirrt an. „Peter Pan“, erkläre ich. „Ach so! Oh ja, das täte mir gefallen. Vielleicht braucht es die wunderbaren Gedanken von zweien, um fliegen zu können. Dann könnten wir zusammen fliegen.“ „Das ist auf jeden Fall schon mal ein wunderbarer Gedanke!“ Das müssen wir ausführlich mit einem Kuss bekräftigen.

Nachdem wir damit fertig sind, sage ich zu ihr: „Mir bleibt ja nicht mehr viel Zeit. In gut einer Woche läuft mein Visum ab. Goa liegt also sowieso in der falschen Richtung für mich. Ich werde erst mit einem Freund zusammen nach Kathmandu fahren und von dort aus zurück nach Deutschland.“ Ich erzähle ihr von dem Angebot, das mir Pradeep gemacht hat. Darauf sagt sie: „Kathmandu würde mich ja auch interessieren, ich habe schon so viel davon gehört. Es muss beeindruckend sein, und dann diese Berge. Wie lange wolltest du dortbleiben?“ „Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Etwa ein bis zwei Wochen, länger sicher nicht.“

Sie denkt nach. Das erkenne ich daran, wie sie die Stirn und die Nase kraus zieht, das ist total süß. Schließlich sagt sie: „Wenn du also in einer Woche losfährst und zwei Wochen bleiben willst, macht das drei Wochen. Was hältst du davon, wenn ich erst nach Goa fahre und wir uns dann in Kathmandu treffen? Wir könnten dann gemeinsam über Land nach Europa fahren und ich lerne Afghanistan und all die anderen Länder kennen.“ Ich kann sie nur begeistert anstrahlen. „Das wäre absolut super, ein Traum. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“ Sie legt mir eine Hand auf die Brust. „Ich kann es aber nicht versprechen. Es ist nur eine Möglichkeit. Wie gesagt, ich muss mich und meine Gefühle erst noch sortieren. Lass uns folgende Abmachung treffen: Wenn ich nicht bis zum fünfzehnten März in Kathmandu bin, fährst du ohne mich weiter.“ „Das wird dann eine spannende Zeit für mich. Da bleibt mir nur zu hoffen, dass sich deine Gefühle für mich entscheiden. Ich wäre furchtbar traurig, wenn ich einsam und allein durch die kalten Lande wandern müsste. Niemand da, der mich wärmt und lieb hat.“ Wie ein Hund schmiege ich mich an sie und probiere meinen treuesten Dackelblick, immerhin muss sie lachen.

Übermorgen fährt Samadhi nach Bombay und von dort mit dem Schiff weiter nach Goa. Sie möchte auch ein Telefongespräch nach Hause führen und hören, ab alles in Ordnung ist. Seit über zwei Monaten ist sie bereits in Indien und hatte seitdem keinen Kontakt zu ihrer Heimat. Da sie Bombay nicht kennt und nicht weiß, wo sie dort hinmuss, entschließe ich mich spontan, sie zu begleiten. So haben wir noch einen letzten gemeinsamen Tag und eine Nacht in Bombay. Morgen früh wollen wir den ersten Zug nehmen.

Wir wühlen uns durch die Menschenmassen vor der Victoria-Station und finden ein freies Taxi. Der Nachmittagsverkehr ist gerade auf seinem Höhepunkt, es herrscht das pure Chaos auf den Straßen. Der Lärm macht jedes Gespräch unmöglich. Warme Luft und Abgase, durchmischt mit den unterschiedlichsten Geruchsnoten, wehen zum Fenster herein. Unser Fahrer flucht lautstark über jedes Fahrzeug, das vor ihm fährt. Zwischendurch singt er und alle Augenblicke spuckt er einen Strahl roten Betelnusssaft zum Fenster hinaus. Namasté! Willkommen in Bombay!

Ich buche ein Doppelzimmer im Hotel Rex. Wir haben Glück, dass gerade eins frei geworden ist. Nachdem wir uns geduscht haben, legen wir uns für einen Augenblick aufs Bett. Wir mussten heute schon sehr früh aufstehen. Nur um zu erleben, dass ein Zug völlig ausfiel, und der Nächste hatte fast zwei Stunden Verspätung. So wurde es mal wieder eine lange Reise für eine kurze Strecke. Es gibt kaum noch Tageslicht, als wir erwachen. Gleich ist es ganz dunkel, das geht hier sehr schnell.

Mein Magen meldet sich laut und vernehmlich, es gab heute noch nicht viel zu essen. Wir beschließen, zu einem Chinesen zu gehen. Ich kenne ein gutes Restaurant in der Nähe, das „Mandarin Palace.“ Ich glaube allerdings, dass mindestens jedes zweite China-Restaurant in Indien Mandarin-Irgendwas heißt. Als wir eintreten, werden wir von einem Kellner zu einem Tisch geführt, der für zwei Personen eingedeckt ist. Es ist ein länglicher, schmaler Saal. Sehr üppig mit der üblichen China-Dekoration ausgestattet. Wir fangen mit etwas Kleinem an, Wan-Tan Suppe.

Während wir darauf warten, schaue ich mir dieses bezaubernde Bild von einer Frau an, das sich mir gegenüber darbietet. Sie hat ihre schwarzen Haare frisch gewaschen und geföhnt. Locker und luftig umfließen sie ihr Gesicht, hell schimmern darin die vereinzelten Silberfäden. Aus ihrem sonnengebräunten Gesicht leuchten die Augen wie zwei unergründliche Seen, in denen man versinken möchte. Ihr naturroter Mund lächelt sanft. Der offene Kragen ihrer weinroten Hemdbluse betont ihren schlanken Hals. Sie ist ein herrlicher Anblick. Daran kann ich mich einfach nicht sattsehen. Ich bin bis über beide Ohren verliebt in diese Frau!

Da wir beide noch etwas schläfrig sind, bestelle ich uns einen Gunpowder-Tee, der sollte uns wach machen. Die Wan-Tan-Suppe wird serviert, sie ist ausgesprochen lecker. „Ich bin froh, dass ich noch eine Kabine auf dem Schiff buchen konnte. Ich weiß nicht, ob mir die Fahrt an Deck so gut gefallen würde. Es soll ja eine angenehme Fahrt werden.“ „Es ist zwar deutlich teurer, trotzdem hätte ich es dir empfohlen. Es kann zwar auch an Deck ganz lustig sein, aber das weiß man vorher nicht. Als alleinreisende Frau bist du weder vor Übergriffen noch vor Diebstählen sicher. Eine Kabine ist da sicherer, die kannst du verriegeln. Es ist leider so, es passieren auch hässliche Dinge in Indien.“ „Bisher bin ich davon verschont worden, vielleicht hatte ich einfach nur Glück.“ „Och, dagegen ist nichts zu sagen. Glück zu haben, ist eine feine Sache. Jetzt hast du sogar das Glück, Goa kennenzulernen.“ „So wie du davon schwärmst, bin ich schon voll gespannter Erwartung.“ „Es ist ein fantastischer Ort. Ich bedauere, dass ich nicht die Gelegenheit habe, es dir zu zeigen. Du musst auf jeden Fall Lilly und Carlos von mir grüßen. Und natürlich Diego, falls du ihn triffst, knuddel ihn ganz lieb von mir.“ „Von Lilly und ihrem Mann hast du mir erzählt, aber wer ist Diego? Ob ich ihn wohl knuddeln mag? Ich knuddel ja nicht jeden.“ „Ach, ich glaube Diego schon. Wenn du ihn ein wenig hinter den Ohren kraulst, und ihm sagst, dass du von mir kommst, ist er bestimmt gleich dein Freund und leckt dir die Hand.“ „Ist das in Goa so üblich?“ „Nicht bei Allen, nur bei den ganz treuen und wirklich guten Freunden.“ Samadhi schaut mich zweifelnd an und zieht die Nase kraus. „Wer ist dieser Freund?“ Sie sieht dabei so süß aus - ich könnte platzen vor Freude und Liebe. Lachend erzähle ich ihr die Geschichte von Diego. Erst sehe ich, wie sich eine Träne in ihren Augenwinkel schleicht, dann beugt sie sich über den Tisch und gibt mir einen Kuss. „Ich werde ganz bestimmt sein Fell kraulen, wenn er mich lässt. Verlass dich drauf.“

Wir bestellen das Essen, sie nimmt die Ente Shanghai und ich die Großgarnelen. Während wir darauf warten, horche ich sie ein wenig aus. Ich weiß noch so wenig von ihr. So erfahre ich, dass sie dreißig Jahre alt und gebürtige Londonerin ist, aber jetzt in Schottland, in Edinburgh lebt. Von Beruf ist sie Lehrerin für Englisch und Geschichte, hat sich aber für ein Jahr beurlauben lassen. Es ist ihre erste größere Reise. Sie interessiert sich sehr für den Orient, musste aber feststellen, dass sie den als alleinreisende Frau nur unter großer Gefahr besuchen kann. „Ich bin nun wirklich keine Feministin, aber wenn ich sehe, unter welchen Bedingungen die Frauen in diesen muslimischen Gesellschaften leben müssen, ich finde, dass grauenhaft.“ „Ich gebe dir recht, dass es grauenhaft sein muss, eingesperrt und bevormundet zu werden. Nur, was die muslimischen Gesellschaften angeht, bin ich etwas zurückhaltender. Es steckt meist eine einseitige Betrachtungsweise dahinter. Für mich ist es mehr eine zeitgeschichtliche Verwerfung, denn eine religiöse.“ „Wie meinst du das? Das musst du mir näher erklären.“ „Nun, für mich erklärt sich der Unterschied einerseits in den religiösen Gebräuchen, andererseits durch die unterschiedliche Entwicklung in den Wissenschaften. Wenn du einmal betrachtest, mit welcher Inbrunst und Hingabe der gläubige Moslem seine Religion lebt und das mit dem heutigen Christentum vergleichst, wird klar, welche Gesellschaft stärker durch die Religion beeinflusst wird. Es wird gerne vergessen, dass sich Christentum und Islam aus den gleichen Wurzeln entwickelt haben. Der Islam wird heutzutage oft als rückständige Religion kritisiert, dabei wird vergessen, dass der Vorsprung der westlichen Moderne noch nicht besonders alt ist. Die Kritiker, die so gerne die Sure aus dem Koran zitieren, in der steht: Tötet die Ungläubigen ... missachten dabei die Tatsache, dass auch die Christen ihre Ungläubigen hatten, und in Teilen immer noch haben. Sie nennen sie Heiden. Es ist noch nicht so furchtbar lange her, dass man als Heide gerne auf einen Scheiterhaufen gestellt wurde. Wenn du heute in so kleine abgeschiedene christliche Gemeinden kommst, egal ob in Deutschland, Italien, Frankreich, USA oder sonst wo, kann man schnell den Eindruck gewinnen, dass dort die Zeit stehen geblieben ist. Die Trennung zwischen Staat und Kirche erfolgte in Deutschland erst 1920. Viele Freiheiten, die in unserer modernen Welt heute als ganz selbstverständlich angesehen werden, gibt es so erst seit wenigen Jahrzehnten. Noch im frühen 20. Jahrhundert konntest du als Frau allein auch nicht ungefährdet durch die Welt reisen. In den USA dürfen Frauen erst seit ungefähr vierzig Jahren Verträge abschliessen und ein eigenes Bankkonto haben. Noch heute ist es dort üblich, die Ehefrau beim Namen des Mannes zu nennen. So heißt es da Miss Albert Miller. Eine Frau ohne Mann hatte nichts zu sagen. Es gibt noch massenweise Vergleichbares. Die islamische Welt war einmal führend in den Wissenschaften, dann wurde sie überrundet, als sich die modernen Wissenschaften in Europa schneller entwickelten und im Weiteren die Technisierung und Industrialisierung erfolgte. Die islamische Welt war davon abgeschnitten und konnte sich nicht im gleichen Tempo weiterentwickeln. Vielleicht brauchen sie nur mehr Zeit für grundlegende Veränderungen.“

Samadhi hat meinem spontanen Vortrag interessiert gelauscht. „Woher weißt du das alles? Das meiste davon wusste ich schon, aber ich habe Geschichte studiert, und du?“ „Ich habe mich schon immer für Geschichte interessiert und ich habe sehr viel gelesen.“ „Du bist ein erstaunlicher Mann.“ „Mag sein, dafür bist du viel schöner. Ich finde dich heute Abend mal wieder so richtig zum Anbeißen.“ „Chauvinist!“, sagt sie mit einem Lächeln und wirft mir ein Küsschen zu. „Was hältst du von Nachtisch?“ Wir bestellen noch Eis und gebackene Bananen und Pflaumenwein. Es soll ja ein würdiges Abschiedsessen sein. In den hinteren Tischreihen wurden schon die Stühle hochgestellt, wir sind die letzten Gäste, also bitten​ wir um die Rechnung. Wir wollten wohl beide unsere gemeinsame Zeit möglichst lange ausdehnen. Es war ein wunderbarer Abend und er ist noch nicht zu Ende ...

Wieder im Hotel zeigt mir Samadhi, dass es sich lohnt, auf sie zu warten. Ihre Lippen und ihre Zunge sind überall auf meinen Körper, meine Zehen rollen sich ein. Sie schleckt an meinem Lustspender herum, bis er fast zu platzen droht, dann besteigt sie mich und schiebt ihn mit einer gleitenden Bewegung in sich hinein. Ihr Kopf ruht auf meiner Brust und ich kann ihren bezaubernden Duft riechen. Sie hat mir versichert, dass sie kein Parfum benutzt. Es gäbe keins, was besser riecht als ihr Natürliches. Ihr Becken leicht hoch und runter bewegend verpasst sie mir erneut einen herrlichen Orgasmus. Dann bin ich dran. Unsere Abschiedsfeier zieht sich noch lange hin.

Nach einer langen, zärtlichen Liebesnacht machen wir uns müde, aber glücklich, auf den Weg zur Anlegestelle. Es herrscht großer Andrang beim Schiff. Es gibt viel Gedränge und Geschrei. Mir bleibt nicht viel Zeit, um mich von Samadhi zu verabschieden. Ich nehme sie in den Arm und gebe ihr einen langen Kuss. „Du weißt, wie sehr ich mir wünsche, dass du zu mir nach Kathmandu kommst. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als mit dir gemeinsam Afghanistan zu erkunden. Ich werde voll Sehnsucht auf dich warten.“ Statt einer Antwort gibt sie mir jetzt einen langen Kuss. Ein letztes Winken, dann steigt sie die Gangway hoch.

Während ich in dem ratternden, überfüllten Zug zurück nach Poona sitze, überkommt mich ein Gefühl von Einsamkeit. Diesmal hat es mich schwer erwischt. Vielen Dank, Cupido! Getroffen und versenkt! Ich hole mein Notizbuch hervor und beginne zu schreiben:

Liebe ist nur ein Wort ! Du fragst mich, ob ich dich liebe? Ich weiß nur, dass es keinen Menschen gibt,