Star Trek - Classic: Das Gesetz des Verrats - Dean Wesley Smith - E-Book
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Beschreibung

Haben Menschen Ehre?Die klingonische Kolonie auf Signi Beta hat keinerlei strategische Bedeutung und dient nur der Landwirtschaft. Fremde greifen sie an und verbrennen Felder, Häuser und Siedler. Der Notruf erreicht die Enterprise, die den Klingonen zu Hilfe eilt. Doch sie können nur wenig gegen die feindliche Übermacht ausrichten. James Kirk und sein Landeteam schaffen es bis zur Planetenoberfläche, wo sie sich mit den Klingonen verbünden. Sie werden in aussichtslose Kämpfe verwickelt - und die Klingonen stellen fest, dass die Menschen weitaus mehr Ehre besitzen, als im Imperium bekannt ist.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:345


Der Planet Signi Beta wurde vom Klingonischen Imperium kolonisiert. Er hat keinerlei strategische Bedeutung, dient nur der Landwirtschaft. Doch dann wird er von einer unbekannten Macht angegriffen. Die Aliens verbrennen die Felder und Häuser der wehrlosen Siedler.

Ein Notruf der Kolonie erreicht die Enterprise. Captain Kirk und seine Crew eilen den Klingonen zu Hilfe, müssen aber entdecken, dass sie gegen die feindliche Übermacht nur wenig ausrichten können. James T. Kirk und sein Landeteam schaffen es bis zur Planetenoberfläche, wo sie sich mit den verfeindeten Klingonen verbünden.

DEAN W. SMITH & KRISTINE K. RUSCH

DAS GESETZ DES VERRATS

Star Trek™

Classic

Tag der Ehre 4

Dieses Buch ist für Jeff, Kelly und Rich.

Prolog

Kerdoch ging mit festen Schritten durch den großen Wohnraum zu seinem Sessel. Er trug dieselben Kleider wie auf den Tag genau vor zwanzig Jahren: durchgescheuerte Arbeitskleidung, die ihm noch immer passte, obwohl sein Leib mit zunehmendem Alter Gewicht angesetzt hatte. Es waren die Kleider eines stolzen klingonischen Bauern, doch vor zwanzig Jahren, an dem besonderen Tag, waren sie auch die Uniform eines Kriegers gewesen.

Die Luft war warm; sie duftete noch nach der riesigen Mahlzeit, die er gerade zu sich genommen hatte. Die Spannung angesichts der Erwartung der wunderbaren Geschichte, die er gleich erzählen würde, erfasste den ganzen Raum und ließ die Augen sämtlicher Anwesenden in einem besonderen Licht leuchten – als käme Kahless persönlich zu Besuch. Kerdoch spürte es. Die Empfindung erfüllte ihn mit Kraft; sie gab seinen müden alten Knochen Kraft. Ein Leben auf den Feldern hatte sie abgenutzt, um die Krieger des Reiches zu nähren. Seine Arbeit erfüllte ihn mit Stolz. Er und seine Familie waren in dieser Region respektiert.

Die siebzehn klingonischen Erwachsenen und einunddreißig Kinder, die den Raum belebten, schwiegen und wagten kaum zu atmen. Sie warteten.

Kerdoch nahm in dem großen Sessel Platz und musterte die Anwesenden. Seine Familie. Seine ganze Familie. Zu seinen Füßen saßen die kleinsten Enkel im Schneidersitz; sie schauten zum Großvater auf. Auch sie warteten auf seine Geschichte. Er wusste es ganz genau.

In seinem Herzen kannte sie jeder. Kerdoch erzählte sie jedes Jahr am gleichen Tag, und er war ihrer nie müde geworden. Auch seine Kinder und Enkel wurden ihr nicht müde, das stand fest. Seiner Ansicht nach war dies ein gutes Zeichen für die Zukunft. Seine Geschichte war wichtig. Sie handelte von einem Tag und einem ehrenvollen Kampf, und kein Klingone sollte ihn je vergessen.

Seinen schwarzen Augen war an diesem besonderen Tag keine Einzelheit entgangen – weder auf den Feldern noch in dem großen Wohnraum. Sein Blick fiel auf seine Enkel und die älteren Kinder, dann blieb er auf seiner Gattin haften, die etwas weiter hinten stand. Sie lächelte. Er erwiderte ihr Lächeln. Auch sie hatte den Tag vor zwanzig Jahren nicht vergessen. An diesem Tag hatte sie befürchtet, ihren Gatten, die Kinder und das eigene Leben zu verlieren. Auch ihr war klar, wie wichtig seine Geschichte war.

Die Spannung im Raum stieg, denn alle wussten, dass die Geschichte über den großen Kampf gleich beginnen würde. Die Spannung, sie erneut zu hören, war für die kleineren Kinder kaum noch erträglich. Viele rutschten nervös hin und her. Kerdoch musste sich zwingen, nicht über ihr Verhalten zu lächeln.

Er holte tief Luft, dann fing er an. Seine tiefe Stimme erfüllte den Raum, als er sich und die versammelte Familie in die Zeit vor zwanzig Jahren zurückführte, an den Tag, an dem die Schlacht geschlagen worden war.

Kapitel 1

Kerdoch knurrte leicht, richtete sich auf und reckte die angespannten Rückenmuskeln. Er war nun seit fast dreißig Jahren Bauer, und mit jedem Jahr wurde sein Körper etwas steifer. Aber er war gern bereit, diesen Preis zu zahlen.

Sein Blick fiel auf seine Arbeit. Das TIqKa SuD-Feld breitete sich wie ein ruhiges Meer vor ihm aus. Blaugrüne Halme wehten unter der Berührung eines unsichtbaren Windes wie sanfte Wogen hin und her. Jeder Getreidehalm strotzte vor Gesundheit.

Am Horizont hatte sich K'Tuj, die größere der beiden gelben Sonnen, hinter den Horizont verzogen. Nun beschien nur noch das mattgelbe Licht K'Machs seine Arbeit. Schon kehrte die Kühle in die Luft zurück und vertrieb die große Hitze des Tages. Kerdoch wusste, dass die Kälte sich innerhalb einer Stunde melden würde. Dann brach die kurze Nacht an. Hinter ihm, in der Ortschaft würden bald die Laternen und in den Kuppelhäusern die Feuer angehen.

Er und die anderen Kolonisten lebten nun seit fünf Jahren auf diesem Planeten. Sie hatten ihn QI'Tu getauft: Paradies. Ihm gefielen zwar viele Dinge an seiner neuen Heimat, aber am liebsten mochte er die Abende am Feuer. Dann hielten das Bier und die Flammen die Kälte ab und taten seinen ermüdeten Muskeln wohl.

Er drehte sich langsam um und betrachtete sein Feld und seine Arbeit. Zwischen dem blaugrünen Getreide war kein einziger schwarzer Qut-Unkrautstängel zu erblicken. Er hatte den täglichen Kampf erneut siegreich bestanden. Einen Moment lang erfüllte ihn der Stolz eines gut geführten Kampfes. Er hatte nichts dagegen.

Als die zweite Sonne den Horizont berührte, dachte er an die Aufgaben des nächsten Tages, den Kampf um die anstehende Ernte. Die Ernährung des Reiches war eine immerwährende Schlacht, die jeden Tag geschlagen werden musste, damit man den Krieg nicht verlor. Kerdoch war stolz auf seine Stellung im Reich. Er wurde aufgrund seiner Arbeit und des Ertrags seiner Felder im ganzen Sektor respektiert. Er genoss diesen Respekt; er hatte die Absicht, den Ertrag noch zu steigern.

Er schritt zwischen den Gewächsen her, ohne einen Stängel abzubrechen, erreichte die freie Stelle zwischen den Feldern, bog ab und machte sich über einen unbefestigten Weg zwischen zwei niedrigen Gräben auf den Heimweg. Seine Familie wartete sicher schon auf ihn. Das Essen war fertig, das Feuer knisterte und knackte, als stünde ein Fest an. Das Fest der täglichen Schlacht, die er wieder einmal gewonnen hatte.

Plötzlich wurden seine Gedanken an die Familie und die Aufgaben des nächsten Tages vom sengenden Geräusch zweier über ihm dahinjagenden Flugmaschinen unterbrochen. Sie flogen niedrig, kaum mehr als zehn Mannshöhen. Er konnte zwar nicht erkennen, welchem Typ sie angehörten, aber sie sahen nicht aus, als seien sie klingonischer Herkunft. Sie waren flach und diamantenförmig und ähnelten keiner Maschine seines Volkes, die er je gesehen hatte.

Der heftige Wind, den sie erzeugten, ließ Kerdoch wanken und straucheln. Dann fand er das Gleichgewicht wieder. Rings um ihn her bog sich das Getreide, als würde es von einer riesigen unsichtbaren Hand bewegt.

In den fünf Jahren, die er auf seinem Land und auf diesem Planeten verbracht hatte, hatte er nie Flugmaschinen über die Felder fliegen sehen, weder in großer, noch in niedriger Höhe. Und noch nie mit dieser Geschwindigkeit. Zweifellos fügte diese närrische Handlung seinem Getreide Schaden zu. Er wollte dafür sorgen, dass man die Verantwortlichen zur Rechenschaft zog.

Kerdoch schaute sich im abnehmenden Licht um, um zu sehen, ob er irgendwelche Schäden erblickte. Aber es war zu dunkel. Die Kälte der Nacht setzte schon ein. Er musste wohl bis morgen mit der Bewertung warten.

Im schwachen Licht erspähte Kerdoch die beiden Maschinen, als sie über dem leuchtenden Rot des Sonnenuntergangs eine hohe, sehr enge Kurve beschrieben; dann rasten sie wieder auf ihn zu. Auch diesmal flogen sie sehr niedrig und waren so schnell wie zwei himmlische Silberpfeile.

Er blieb stehen. Er war zu erschreckt, um sich zu bewegen.

Sein Geist bemühte sich, in dem, was er sah, einen Sinn zu erkennen.

Die Maschinen wirkten, als flögen sie einen Angriff.

In seiner Jugend auf dem Planeten T'Klar hatte Kerdoch derlei Anflüge während einer großen Schlacht gesehen. Seine Mutter war bei einem solchen Angriff umgekommen. Der Pilot war zu feige gewesen, seinen Opfern ins Auge zu schauen. Kerdoch hatte überlebt und den Piloten zwei Jahre später sterben sehen. Damals hatte die Rache gut geschmeckt.

Breite rote Strahlen schossen aus dem Bug der beiden schlanken Maschinen und schnitten einen breiten Streifen aus rotblauem Feuer in das Getreide.

Sie flogen tatsächlich einen Angriff!

Und sie rasten genau auf ihn zu.

Kerdoch warf sich instinktiv auf die rechte Wegseite und tauchte in dem niedrigen Graben unter. Er ging davon aus, dass die schwere Arbeitskleidung seinen Körper schützte, und er hob die Arme, um seinen Kopf zu bedecken.

Fast im gleichen Augenblick waren die Maschinen über ihm. Dann waren sie vorbei.

Die Erschütterungen des Vorbeiflugs drückten Kerdoch in den Graben und sein Gesicht, um ihn noch mehr zu erniedrigen, in den Dreck. Dafür würden sie bezahlen!

Bevor er sich bewegen konnte, um in eine aufrechte Position zu gelangen, spürte er ein starkes Brennen an der Schulter und am Rücken. Er brannte! Ihre Feuerwaffen hatten ihn in Brand gesteckt!

Kerdoch rollte sich herum, wälzte sich so fest und schnell wie möglich am Grabenboden, um die Flammen an seinen Kleidern von der Kühle der Erde ersticken zu lassen. Wie oft hatte er den kalten Boden verflucht, weil er sich übel auf seine Gelenke auswirkte, doch nun war er ihm dankbar.

Als er sicher war, dass das Feuer an seinem Rücken nicht mehr brannte, stand er auf und ignorierte seine Schmerzen.

Fünfzig Schritte weit – auf beiden Seiten – bestand sein Getreide nur noch aus rauchender Asche, die am Rand des Vernichtungsstreifens von flackernden kleinen Feuern beleuchtet wurde. In der Ferne sah er durch den Rauch die beiden Maschinen, die ihren Vernichtungsfeldzug nun über den Feldern seines Nachbarn betrieben.

Wer waren sie?

Warum verbrannten sie die Ernte? Die Nahrung des Reiches?

Ihre Tat hatte doch überhaupt keinen Sinn.

Hinter ihm, aus der Richtung seines Hauses und dem Zentrum der Ortschaft, waren laute Explosionen hörbar.

Kerdoch fuhr herum. Flammen schossen zum Himmel hoch, denn nun griffen noch mehr der fremden Flugmaschinen an.

Seine Familie und sein Haus befanden sich in der Nähe des Koloniezentrums. Kerdoch lief auf der Stelle los, um seine Angehörigen zu retten.

Und um es jenen heimzuzahlen, die für alles verantwortlich waren.

Captain James T. Kirk verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich an die Wand des winzigen Büros. Es gehörte Commander Bracker, dem Leiter der Sternbasis 11 – eine der kleinsten, die er je betreten hatte. Das Büro war kaum groß genug, um zwei Personen aufzunehmen, deswegen empfanden es auch die vier restlichen Anwesenden als reichlich eng. Und die Enge trug nicht dazu bei, Kirks Laune zu verbessern.

Er warf einen Blick über den Schreibtisch hinweg auf das lächelnde Gesicht seines Freundes Kelly Bogle von der U.S.S. Farragut. Bogle stand hinter Bracker, und es gelang ihm, sich in dem engen Raum zum Mittelpunkt der Beachtung zu machen. Er war vor ihm eingetreten und besetzte nun den Platz, den Kirk sonst eingenommen hätte. Den Platz, den er gehabt hatte, als sie beide auf der Sternbasis angekommen waren.

Bogles Platz war auch ein Symbol für seinen gerade erfolgten Sieg über Kirk. Kirk dehnte seine Schultern, doch er konnte die Spannung darin nicht lindern. Er hatte verloren! Und das konnte er nicht ausstehen, nicht mal bei einem freundschaftlichen Fangt-den-Dieb-Spiel. Am schlimmsten jedoch war es, gegen Kelly Bogle zu verlieren, seinen Freund und ehemaligen Mannschaftskameraden von der Farragut. Das machte ihn noch saurer.

Captain Bogle maß zwar nur acht Zentimeter mehr, aber Kirk war der Unterschied immer viel größer erschienen. Es gelang Bogle immer wieder, so aufrecht daherzugehen, dass er auch dann wie der größte Mann im Raum wirkte, wenn er es nicht war. Sein brünettes Haar war stets perfekt frisiert. Kirk wusste auch, dass seine aufrechte Haltung und seine perfekte Frisur bestens zu den Methoden passten, mit denen Bogle sein Schiff kommandierte. Bei ihm lief alles exakt nach Vorschrift. Doch bei einem Kampf konnte Kirk sich kein besseres Schiff, keine bessere Mannschaft und keinen besseren Captain an seiner Seite vorstellen.

Er mochte Kelly Bogle auch deswegen, weil er zu den wenigen Menschen gehörte, die ihn unterkriegen konnten. Klar, nur selten. Aber Bogle schaffte es auch, wenn er sich nach den Vorschriften richtete.

Neben der Tür standen zwei rotuniformierte Angehörige der Farragut-Mannschaft. Zwischen ihnen befand sich ein winziger, kindlich aussehender, äußerst dünner Humanoide. Der Gefangene trug möglicherweise gestohlene Standardkinderkleidung einer Sternbasis und eine kleine Mütze mit einem Enten-Aufnäher. Er war zwar der erste Liv, den Kirk je gesehen hatte, aber er hatte von diesem Volk in den letzten Jahren viel gehört. Angeblich waren die Liv ein Volk von Dieben. Spock behauptete freilich, es sei unlogisch, dass sich ein ganzes Volk diesem Beruf verschrieben haben könne. Ob logisch oder nicht: Die Liv klauten auf allen Planeten, Sternbasen und Schiffen, auf denen man sie antraf.

Sie waren hellhäutig und wirkten auf den ersten Blick wie Menschenkinder. Sie hatten eine rosige Haut, hellblaue Augen und keine Körperbehaarung. Der größte Liv hätte Kirk vermutlich nicht mal bis zum Kinn gereicht, aber der nun vor ihnen stehende war klein: Er reichte ihm gerade bis zur Taille.

Man kannte die Liv als ›Kindervolk‹, ›Liv-Gören‹, ›Nervensägen‹ und unter einem Dutzend anderer Namen. Sie waren in eigenen kleinen Schiffen oder als blinde Passagiere auf anderen unterwegs und verfügten über das unheimliche Talent, sich an Orten zu verstecken, die eigentlich gar kein Versteck boten. Und sie wirkten so lieb und kindlich, dass arglose Erwachsene aller Spezies sie normalerweise bei sich aufnahmen – bis sie ihren letzten Nagel stahlen.

»Sieht so aus«, sagte Commander Bracker nervös, »als wäre die Lage nun klar.«

Kirk funkelte Bracker an. Er war ein stämmiger Mann mit rotem Haar, der sich zwischen den beiden Raumschiff-Captains sichtlich unwohl fühlte. Man sah ihm an, dass er im Moment eigentlich lieber irgendwo anders gewesen wäre. Aber er war an seinem Unbehagen selbst schuld. Er hatte eine Nachricht an die in der Nähe befindliche Enterprise geschickt und sie gebeten, ihn bei der Aufklärung mehrerer Diebstähle in der Basis zu unterstützen. Kirk hatte dies für ein gutes Alibi gehalten, seiner Mannschaft ein paar Tage Urlaub zu gewähren. Er hatte sich einverstanden erklärt. Doch zehn Minuten vor dem Eintreffen der Enterprise in der Sternbasis hatte unerwartet die Farragut dort angelegt, um Reparaturen vorzunehmen.

Der ›Fangt-den-Dieb‹-Wettstreit war am ersten Abend in einer Bar ausgerufen worden – aufgrund einer freundlichen Wette beider Mannschaften. Einige Leute von der Farragut hatten behauptet, die Enterprise-Truppe könne nicht mal einen Elefanten fangen. Kirks Leute hatten Protest dagegen erhoben. Und soweit er wusste, sogar mit ziemlich lauter Stimme.

In der Offiziersmesse war die Auseinandersetzung zwischen Kirk und Bogle sogar noch lauter geworden. Dann hatten die beiden Captains gelacht, eine freundliche Wette abgeschlossen und sich gegenseitig einen ausgegeben.

Nach dem Leeren der Gläser waren beide eilig zu ihrer Mannschaft zurückgekehrt und hatten den Urlaub abgesagt, bis die Diebstähle geklärt waren.

Beide Mannschaften hatten einen ganzen Tag gebraucht, um die kleine Station zu durchsuchen und den Liv zu schnappen. Er hatte sich in einem Spind im Hauptgang und seine Beute an einem Dutzend Orte in der ganzen Station versteckt.

Captain Bogle lächelte den Bordwachen zu. »Bringen Sie den Gefangenen in den Stationsknast.«

Dann drehte er sich zu Kirk um. »Tja, Jim, ich stehe für dein Freibier zur Verfügung, sobald du fertig bist.« Obwohl er sich darum bemühte, gelang es ihm nicht, ein triumphierendes Grinsen zu verbergen.

Er bemühte sich wohl nicht genug.

Kirk schüttelte den Kopf. Das Spielchen hatte zwar Spaß gemacht, aber irgendwie ging es schließlich auch um den Stolz und die Ehre seiner Mannschaft. Es ärgerte ihn, dass seine Leute verloren hatten.

Warum sie verloren hatten, wusste er noch nicht. Er kannte Bogle zwar zu gut, um ihm irgendwelche schrägen Züge zu unterstellen, aber er fühlte sich dennoch unbehaglich – und irgendwie auch verantwortlich. Er hatte die Spinde persönlich untersuchen wollen, aber er war abgelenkt worden – durch ein Gespräch mit einem weiblichen Unteroffizier in der Bar.

Und sie war die Ablenkung wert gewesen.

Sie war es allerdings nicht wert gewesen, eine Wette zu verlieren.

Es nervte ihn, wenn er verlor, aber er konnte sich die Schuld nur selbst in die Schuhe schieben. Außerdem war die Wette eine gute Ablenkung vom letzten Monat gewesen, in dem sie nichts als dröge Routine erlebt hatten. Der Raumsektor, in dem sie sich aufhielten, bot nichts Neues, nicht mal ein interessantes Trümmerfeld oder einen ungewöhnlichen Mond.

Kirk lächelte Bogle an, und zwar irgendwie schräg. Bogle hatte die Wette zwar gewonnen, aber die nächste würde er verlieren.

»Ich könnte jetzt ein Glas vertragen«, sagte Kirk. »Gehst du mit?« Und er deutete mit einer weitschweifigen Geste auf die Tür.

Bogle lachte. »Aber gern.«

Die beiden Männer nickten dem erleichtert dreinblickenden Stationskommandanten zu, dann wandten sie sich um und gingen nebeneinander zur Tür.

Kirk mochte Bogle. Auch wenn er den Dieb nicht erwischt hatte, es machte ihm Spaß, mit seinem Freund einen zu heben. Es war genau das, was Dr. McCoy ihm und dem Rest der Mannschaft verordnet hatte.

Bevor die beiden Captains zwei Schritte gemacht hatten, meldeten sich ihre Kommunikatoren gleichzeitig.

Kirk hatte den seinen als erster in der Hand und geöffnet, und er fragte sich auf der Stelle, welcher Grund dazu führte, dass ihre Schiffe sich gleichzeitig bei ihnen meldeten. »Hier ist Kirk«, sagte er.

Bogle, neben ihm, wandte ihm den Rücken zu und sagte in einem dermaßen ernsten Tonfall »Bogle«, dass Kirk ihm einen Blick zuwarf.

»Captain«, meldete sich Spocks Stimme laut und deutlich über den Kommunikator, »wir haben einen Notruf vom Landwirtschaftsplaneten Signi Beta empfangen. Er wird angegriffen und bittet um die Unterstützung eines jeden Schiffes, das den Notruf empfängt.«

Signi Beta war die Föderationsbezeichnung für den klingonischen Planeten QI'Tu. Schon die Nennung seines Namens brachte Kirk auf die Palme: Die Föderationsbauern hatten ihn nach einem ehrlichen Wettbewerb an die Klingonen verloren.

Etwas an die Klingonen zu verlieren, ärgerte Kirk mehr als jede verlorene Wette gegen Bogle.

Es gab jedoch keinen Streit um diese Welt. Wer also sollte sie angreifen?

Er hörte, dass Bogle die gleiche Nachricht empfing.

»Mr. Spock«, sagte Kirk, »geben Sie der Mannschaft bekannt, dass der Urlaub gestrichen ist. Holen Sie auf der Stelle alle Mann an Bord zurück. Setzen Sie Kurs auf Signi Beta. Auf mein Zeichen hin beamen Sie mich an Bord.«

»Aye, Captain«, sagte Spock.

Kirk klappte den Kommunikator fast im gleichen Moment zu wie Bogle. Die beiden Captains drehten sich um und schauten sich an. Keiner dachte nun noch an die verlorene Wette und den Drink an der Bar. Sie waren nun beide effektiv funktionierende Kommandanten der Flotte und hatten das gleiche Problem.

»Wie lange brauchst du, um startklar zu sein?«, fragte Kirk. Er wusste, dass die Farragut bei einer Begegnung mit einer Subraum-Anomalie Schäden davongetragen hatte. Man musste die Warptriebwerke reparieren und die Waffen- und Schutzschirmsysteme überholen.

»Die Basismannschaft sagt zwar, wir müssen mindestens zwanzig Stunden angedockt bleiben«, sagte Bogle, »aber wie ich unseren Ingenieur Projeff kenne, sind wir in fünfzehn Stunden hier weg.«

Kirk grinste. Projeff gehörte zu den wenigen Ingenieuren, die sogar Scotty nervös machen konnten. »Ich halte dich über alles auf dem laufenden, was wir eventuell finden.«

»Viel Glück«, sagte Bogle, ohne Kirk aus den Augen zu lassen.

»Danke«, sagte Kirk, der wusste, dass Bogle ihm damit noch viel mehr sagte. Sie kommandierten ihre Schiffe zwar auf sehr unterschiedliche Weise, aber sie respektierten einander. Kirk streckte die Hand aus, und Bogle schüttelte sie. »Das Besäufnis muss also warten.«

Bogle lächelte. »Hab nichts dagegen, bei dir einen Drink gutzuhaben. Pass bloß auf, dass du nicht abkratzt – damit du ihn mir irgendwann spendieren kannst.«

»Ach, den kriegst du schon«, sagte Kirk lachend. »Oder auch zwei.« Er schnippte seinen Kommunikator auf. »Enterprise – einen Mann an Bord beamen.«

Eine Minute später raste die Enterprise mit Warp fünf Signi Beta und dem Rand des klingonischen Reiches entgegen.

»Nörgelnse bloß nich rum, Doktor«, sagte Chefingenieur Montgomery Scott, als er auf dem Rand der Medopritsche saß und seinen rechten Arm umfasste. Dr. McCoy stand neben ihm und hielt stirnrunzelnd einen Tricorder in der Hand. »Ich wäre ja eher gekommen, aber ich musste noch ein Projekt beenden.«

»Ist Ihnen überhaupt klar, wie verschmutzt die Wunde ist, Scotty?«, fauchte McCoy. »Hätten Sie noch länger gewartet, wäre sie vielleicht infiziert worden. Ich hätte sie zwar auch dann noch behandeln können, aber es hätte viel länger gedauert.«

»Ach, Zeit …«, sagte Scotty. »Darum geht's doch immer, was, Doktor? – Wir sind in den klingonischen Machtbereich unterwegs, und hier sieht's aus wie im Saustall. Ich muss wieder in den Maschinenraum und alles klarmachen, bevor wir den Planeten erreichen.«

»Lassen Sie mich erst meine Arbeit beenden«, sagte McCoy. »Und erzählen Sie mir, wie so was bei einem Ausflug auf eine Sternbasis passieren konnte.«

»Tja, nun, eigentlich hab ich mir den Schnitt gar nicht auf der Basis zugezogen.«

»Wunde«, sagte McCoy. »Für einen Schnitt ist diese Verletzung zu groß.«

Scotty zuckte die Achseln, schaute seinen Arm jedoch nicht an. Der Ärmel seiner Uniform war zerrissen, und die darunter befindliche Haut war bis auf den Knochen abgeschält.

»Wollen Sie damit sagen, es ist an Bord passiert?«, fragte McCoy.

»Nein, eigentlich nicht«, sagte Scotty.

»Muss man Ihnen denn jedes Wort aus der Nase ziehen? Haben Sie Angst, ich könnte es dem Captain melden?«

»Wir haben nichts Unrechtes getan«, sagte Scotty mit aller Würde, die er aufbringen konnte.

»Wir?«, fragte McCoy.

»Aye, Doc«, sagte Scotty. »Projeff und ich.«

»Projeff?«, fragte McCoy. »Der Ingenieur von der Farragut?«

»Genau der«, sagte Scotty. »Wir haben eine kleine Wette abgeschlossen.«

»Eine Wette«, sagte McCoy. »Ich nehme an, sie hatte mit den Diebstählen nichts zu tun?«

»Nee. Das geht nur die Leute von der Sicherheit an. Und den Captain.« Scotty grinste breit und auf schelmische Weise. Dies hatte ihn bei mehr als einem Landeurlaub in Schwierigkeiten gebracht. »Es ging um die Mädels.«

»Die Schiffe? Was ist denn mit denen?« McCoy hatte die Wunde nun gereinigt und sterilisierte sie.

»Projeff behauptet, er hätte 'ne Methode entdeckt, mit der man die Energie der Hydroponik dazu nutzen kann, den Sauerstoffgehalt der Umweltsteuerung anzureichern.«

»Wir brauchen aber gar nicht mehr Sauerstoff.«

»Hab ich auch nicht gesagt. Aber angenommen, die Enterprise säße in der Klemme und wir hätten Probleme mit der Umweltsteuerung. Dann könnten wir …«

Scotty verfiel in eine Erklärung, die so technisch war, dass McCoy, dessen ganzer Stolz darin bestand, die meisten naturwissenschaftlichen Dinge zu verstehen – speziell dann, wenn es, wie bei Sauerstoff, um die Grundlagen ging –, kein Wort verstand.

»Sie haben es also ausprobiert?«

»Herrjeh, nein«, sagte Scotty. »Wir haben Modelle gebaut. Das Umweltsystem der Farragut gehört zu den grauenhaftesten, die mir je untergekommen sind. Ein Haufen Schrott, der dringend ersetzt werden müsste, wenn Sie mich fragen. Es wäre Projeff gegenüber ungerecht, einen Versuch zu machen, diesen Schrotthaufen zu modifizieren.«

»Sie haben also Computermodelle gebaut.«

»Eigentlich haben wir ein paar Ersatzteile der Basis für kleine Modelle eingesetzt. Ich hab nach Projeffs Vorschlägen einige Modifikationen vorgenommen. Wir wollten mal sehen, wer sein Modell schneller zum Laufen bringen kann.«

»Ich verstehe aber nicht, warum Sie dazu die Enterprise auseinandernehmen mussten.«

»Hab ich nich, Doktor«, sagte Scotty. »Ich hab Projeff nur 'n paar Finessen unseres Umweltsystems gezeigt, damit er das der Farragut frisieren kann.«

»Ach so«, sagte McCoy, obwohl er nichts verstand. »Ich verstehe aber trotzdem nicht, wie Sie sich beim Modellbauen verletzt haben.«

»Ich hab den Arm in eine Miniatur-Jeffriesröhre gesteckt«, sagte Scotty. Er errötete. »Um die Verkabelung einzupassen. Und dabei hab ich mich eingeklemmt.«

»Und warum hat Ihnen niemand geholfen?«

»Was? Damit Projeff meine peinliche Lage sieht? Nee, Sir! Montgomery Scott löst seine technischen Probleme selbst, darauf können Sie sich verlassen.«

McCoy schüttelte den Kopf. »Beim nächsten Mal holen Sie jemandem von medizinischen Stab, der Ihnen da raushilft«, sagte er.

»Es gibt kein nächstes Mal«, sagte Scotty. Er warf einen Blick auf seinen Arm. Von dem Schnitt war nichts mehr zu sehen. McCoys Behandlung hatte mal wieder funktioniert. »Wir nähern uns dem Rand des klingonischen Machtbereichs. Da haben wir keine Zeit mehr für Modellbau und dergleichen.«

»Was Sie aber nicht davon abhalten wird, Modelle zu bauen, was, Mr. Scott?«

Scotty grinste. »Wenn ich Zeit hab, Modelle zu bauen«, sagte er, »ist mit der Welt alles in Ordnung.« Bevor McCoy ihm sagen konnte, er solle den Arm in den nächsten Stunden ruhig halten, glitt Scotty von der Pritsche herunter und eilte in Richtung Maschinenraum.

McCoy wandte sich seufzend seinem Schreibtisch zu. Er bezweifelte, dass die Welt je in Ordnung kam. Der Captain hatte ihn gebeten, eine Liste der medizinischen Bestände anzulegen und für den Fall, dass es nötig sein sollte, Nachschub aus dem Lager anzufordern.

Und das tat Jim nur, wenn er mit Ärger rechnete.

Kapitel 2

Als Kerdoch das Zentrum der Kolonie erreichte, hatten sich die angreifenden Maschinen verzogen. Die meisten Kuppelbauten waren beschädigt. Die Luft war von Flammen und Rauch erfüllt. Das gerade erst errichtete Holzgebäude der Kolonie das Gemeinschaftshaus und die Taverne war völlig vernichtet. Kerdoch sah eine Reihe lebloser Körper zwischen den qualmenden Balkenhaufen und Möbeln liegen, doch keiner bedurfte mehr seiner Hilfe.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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