Star Trek - Voyager: Die Flucht - Dean Wesley Smith - E-Book
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Beschreibung

Wer bedroht die Voyager?Nachdem sie durch eine Raumverschiebung ans andere Ende der Galaxis geschleudert wurde, befindet sich die Voyager technisch in einem desolaten Zustand. Captain Janeway braucht dringend Ersatzteile, deswegen akzeptiert sie Neelix' Vorschlag, zum Planeten Alcawell zu fliegen. Dort wurde von einer anscheinend verschwundenen Zivilisation ein gigantischer Raumschiff-Friedhof angelegt. Doch als ein Team der Voyager zur Oberfläche des riesigen Schrottplatzes beamt, erwachen einige der Wracks zu geisterhaftem Leben ...

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MOBI

Seitenzahl:286


Die U.S.S. Voyager ist im Delta-Quadranten gestrandet. Von einer Raumverschiebung erfasst, wurde sie ans andere Ende der Galaxis geschleudert. Captain Kathryn Janeway weiß, dass sie und ihre Crew zu weit vom Territorium der Föderation entfernt sind, um jemals wieder nach Hause zurückkehren zu können.

Obendrein befindet sich die Voyager in einem technisch desolaten Zustand: Ihre internen Systeme sind beschädigt, der Warp-Antrieb ist vollständig ausgefallen. Captain Janeway benötigt dringend Ersatzteile, um die notwendigsten Reparaturen durchführen zu können. Deshalb akzeptiert sie Neelix' Rat, zum Planeten Alcawell zu fliegen.

Auf Alcawell wurde von einer anscheinend ausgestorbenen Rasse ein gigantischer Schrottplatz angelegt, ein Friedhof für Raumschiffe. Doch als ein Team der Voyager

DEAN W. SMITH & KRISTINE K. RUSCH

DIE FLUCHT

Star Trek™

Voyager

Für John Ordover,

einen guten Freund und

Kapitel 1

Das Shuttle neigte sich zur Seite und erbebte. Geschickt wahrte Chefingenieur B'Elanna Torres das Gleichgewicht. Mit der einen Hand hielt sie sich an der Konsole fest, die Finger der anderen huschten virtuos über die Kontrollen. Sie justierte und konfigurierte, öffnete und schloss energetische Transferkanäle. Seit der Akademieausbildung hatte die Klingonin nur selten Gelegenheit gefunden, ein Shuttle zu fliegen, doch sie wusste instinktiv, worauf es ankam.

Eigentlich hätte der Einsatz ganz einfach sein sollen. Der größte Asteroid im Sektor enthielt Armalkolit – diese Substanz wurde benötigt, um die oltionischen Schaltkreise eines Warpprozessors zu reparieren. Torres hatte Captain Janeway die Erlaubnis abgerungen, mit einem Shuttle aufzubrechen, um Erz zu holen. Die von den Sensoren ermittelten Daten stellten einen ruhigen, ereignislosen Flug in Aussicht. Doch der Asteroidengürtel erwies sich als ebenso gefährlich wie die Badlands. Wenn sie das vorher gewusst hätte, wäre sie nicht ohne Lieutenant Paris aufgebrochen, den besten Piloten an Bord der Voyager.

Statt dessen saß der vulkanischer Sicherheitsoffizier Tuvok neben ihr am Navigationspult. Falten bildeten kleine Täler in seiner Stirn, und dadurch wölbten sich die Brauen nicht mehr so weit nach oben. Er wirkte ruhig, doch einige Schweißtropfen an den Schläfen deuteten auf Anspannung hin. Mit Paris konnte er es nicht aufnehmen, aber er gab trotzdem einen guten Navigator ab.

So nahe … Die Sensoren der Voyager hatten eine hohe Erzkonzentration festgestellt. Und Torres brauchte das Armalkolit – dringend.

»Ich bezweifle, dass das Shuttle diesen Belastungen noch lange standhalten kann«, sagte Tuvok und schien dabei jede einzelne Silbe zu betonen. Er sprach immer sehr deutlich.

»Ich halte es auch nicht mehr lange aus.« Torres beugte sich ein wenig zur Seite, wodurch sie fast aus dem Gleichgewicht geraten wäre. Sie wünschte sich, dass endlich etwas funktionierte. Irgend etwas. Dauernd fehlte es an Zeit oder den richtigen Geräten; alles schien sich gegen sie verschworen zu haben.

»Bericht«, tönte Captain Janeways Stimme aus dem Lautsprecher der externen Kommunikation. Torres fühlte sich versucht, Haltung anzunehmen – ein Reflex, den sie bis zur ersten Begegnung mit Janeway überwunden geglaubt hatte.

Sie sah zum Bildschirm. Asteroiden umringten das kleine Raumschiff, wie Cardassianer einen hilflosen Bajoraner. Was noch vor wenigen Stunden ein Zeichen der Hoffnung gewesen war, schuf nun immer mehr Ärger.

»Es sind nach wie vor jene Subraumkräfte am Werk, die hier einen Planeten zerrissen und in einen Asteroidenhaufen verwandelt haben«, sagte Torres und versuchte, sich nichts von dem Zorn anmerken zu lassen, der immer heißer in ihr brannte. Sie konnte ihre Empfindungen nicht annähernd so gut verbergen wie Tuvok. Der Vulkanier schien ganz Intellekt und Rationalität zu sein; im Vergleich zu ihm wurde ihr Wesen allein vom Emotionalen bestimmt. »Ohne eine wirkungsvolle Abschirmung besteht die Gefahr, dass unser Shuttle auseinanderbricht.«

»Dreißig Sekunden bis zum Ziel«, sagte Tuvok.

»Ich schlage vor, Sie kehren zum Schiff zurück«, ließ sich Janeway vernehmen. »Wir besorgen uns das Erz auf eine andere Weise.«

»Vielleicht ist dies unsere einzige Chance, Captain.«

Tuvok sah sie an und hob warnend eine Braue. Torres hatte sich noch immer nicht an die strenge Kommandostruktur an Bord eines Starfleet-Schiffes gewöhnt. »Zwanzig Sekunden«, sagte er.

»Die Entscheidung liegt bei Ihnen, B'Elanna. Aber ich möchte nicht zwei Offiziere bei einer eher unwichtigen Mission verlieren.«

B'Elanna setzte zu einer scharfen Antwort an, doch Tuvok griff nach ihrem Arm und schüttelte den Kopf.

Dieser Einsatz schien nur für sie wichtig zu sein. Sie brauchten das Erz dringend, um die Bordsysteme der Voyager zu reparieren. Torres brauchte es. Sie war es, die praktisch rund um die Uhr arbeiten und immerzu irgendwelche Dinge zusammenbasteln musste. Wenn die Kommandantin auf diese Weise beschäftigt gewesen wäre … Dann hätte sie die Mission bestimmt nicht als ›unwichtig‹ bezeichnet.

Das Shuttle schlingerte auch weiterhin in den Subraum-Turbulenzen. Tuvok wahrte einen sicheren Abstand zu den größeren Asteroiden, doch es gelang ihm nicht immer, den kleinen Felsbrocken auszuweichen. Ab und zu prallten welche an die Schilde.

»Nur noch einige wenige Sekunden, Captain …«

Ein oder zwei Sekunden lang trübte sich das Licht in der Raumfähre, und erneut flogen B'Elannas Hände über Schaltflächen. Ein besonders großer Asteroid schob sich ins Zentrum des Bildschirms und schwoll an.

»Wie ist Ihre Situation?«, fragte Janeway.

Die Subraum-Turbulenzen verursachten technische Defekte, die Torres nicht ohne weiteres beheben konnte. Die Folge: Das energetische Niveau sank, auch und gerade bei den Lebenserhaltungssystemen.

»Das Shuttle reagiert nicht mehr zuverlässig auf die Navigationskontrollen«, meldete Tuvok.

B'Elanna fluchte leise. Wenn sie jetzt nicht umkehrten, bekamen sie vielleicht keine Gelegenheit mehr dazu. Das Erz spielte eine große Rolle für sie, zugegeben. Doch es war nicht wichtig genug, um deshalb ein Shuttle zu verlieren.

Und auch noch das Leben.

»Verschwinden wir von hier«, sagte die Klingonin.

Tuvok nickte knapp – er schien zu befürchten, dass er die Kontrolle über das Shuttle verlor, wenn er sich zuviel bewegte. Stumm beugte er sich vor, als könnte er die Raumfähre allein mit Willenskraft steuern. Innerhalb weniger Sekunden brachte er sie auf einen Kurs zurück zum Schiff.

Immer wieder erzitterte sie, und die Turbulenzen schienen jetzt sogar noch schlimmer zu werden. Ein beständiges, an den Nerven zerrendes Heulen drang aus den Kom-Lautsprechern.

Einmal mehr trübte sich das Licht – und erlosch dann ganz. Jähe Dunkelheit veranlasste B'Elanna, die linke Hand zur Faust zu ballen. Mit der rechten drückte sie weiterhin Tasten.

»Zusatzenergie aktiv«, sagte sie. Kurzes Flackern – und dann verdrängte die Notbeleuchtung zumindest einen Teil der Dunkelheit. »Kapazität der Schilde auf zwanzig Prozent gesunken. Wir sollten einen großen Bogen um alle größeren Hindernisse machen.«

»Bei so schwachen Schilden kann auch die Kollision mit einem kleinen Objekt katastrophal sein.« Tuvok sprach in dem ruhigen Tonfall eines geübten Rhetorikers. B'Elanna beschloss, beim nächsten Mal Paris mitzunehmen. Der fühlte sich wenigstens nicht verpflichtet, alle ihre Bemerkungen zu kommentieren.

Sie beugte sich ebenfalls vor, als die Intensität der Subraum-Turbulenzen weiter zunahm. Wie ein Fluss, dachte Torres. Zuerst haben wir uns von der Strömung tragen lassen, und jetzt kämpfen wir dagegen an.

Es knirschte und knackte im Rumpf des Shuttles.

»Captain …«, sagte B'Elanna langsam. »Die Lebenserhaltungssysteme haben kaum mehr Energie, und die strukturellen Belastungen erreichen einen kritischen Wert. Sie sollten einen Traktorstrahl auf uns richten.«

»Erledigt«, erwiderte Janeway.

Tuvok schwitzte jetzt deutlicher als vorher.

Und seine Finger flogen ebenso schnell über die Kontrollen wie B'Elannas.

Das Shuttle schüttelte sich im Wirkungsfeld einer Turbulenz. Eine halbe Sekunde später knallte es.

»Was …«

Das Licht der Notbeleuchtung flackerte mehrmals, und Funken stoben. Nach verbrannten Isolierungen riechende Rauchschwaden trieben umher.

»Wir sind von einem zehn Zentimeter durchmessenden Stein getroffen worden«, stellte Tuvok sachlich fest.

»Kapazität der Schilde bei fünf Prozent.« B'Elanna starrte auf die Displays. Es war problematisch genug gewesen, in den Asteroidengürtel hineinzugelangen; als noch schwieriger erwies es sich nun, ihn zu verlassen. »Ich gebe mir alle Mühe, aber es lässt sich keine zusätzliche Energie in die Deflektoren leiten. Es steht einfach nicht mehr zur Verfügung.«

Wieder erbebte das Shuttle, und kurz darauf knallte es noch einmal, wenn auch nicht so laut wie vorher. B'Elanna schnitt eine Grimasse, als ein roter Indikator auf ihrer Konsole leuchtete. »Ein kleines Leck im Heckbereich. Automatische Sicherheitsisolierung.«

Hinter ihnen glitt das Schott zu.

»Jener Stein durchmaß nur anderthalb Zentimeter«, sagte Tuvok.

Torres atmete tief durch. Manchmal konnte die Ruhe des Vulkaniers ansteckend wirken; sie bemühte sich, einen Teil davon aufzunehmen. »Ich halte die Schilde bei fünf Prozent Kapazität stabil«, verkündete sie leise. »Aber dafür müssen wir auf die Lebenserhaltungssysteme verzichten.«

»B'Elanna, Mr. Tuvok«, ertönte Captain Janeways Stimme. »Wir beamen Sie an Bord, sobald wir den Transferfokus auf Sie richten können.«

Die Raumfähre erzitterte immer heftiger, während aus dem Knacken und Knirschen in der Außenhülle ein regelrechtes Donnern wurde. Tuvok lenkte sie an den größten Brocken im All vorbei, und die Schilde schützten mit fünf Prozent Potenzial vor Staub und Mikrometeoriten.

Wieder kam es zu einer Kollision, die das Shuttle schlingern ließ.

»Noch zwanzig Sekunden«, sagte Janeway.

»Hoffentlich überleben wir solange«, murmelte Torres. Mit dem Ärmel wischte sie sich Schweiß von der Stirn. »Ich deaktiviere das Triebwerk und verwende die Energie für den bugwärtigen Schild.«

»Logisch«, entgegnete Tuvok. »Warten Sie auf mein Zeichen. Ich wähle einen möglichst hindernisfreien Kurs.«

Die Raumfähre kippte ein wenig, und etwas traf ihr Heck. »Jetzt!«

Tasten klickten unter den Fingern der Klingonin, als sie die gesamte Energie in die Schilde leitete. Neben ihr erstarrte Tuvok förmlich – es hatte nun keinen Sinn mehr, die Navigationskontrollen zu bedienen.

»Kapazität der bugwärtigen Deflektoren sechzig Prozent.«

»Das genügt nicht.« Der Vulkanier deutete zum Bildschirm: Ein mehrere Dutzend Meter durchmessender Felsen raste ihnen entgegen.

»Voyager!«, rief B'Elanna. »Zielerfassung der Phaser auf den Asteroiden vor uns. Zerstören Sie das Ding, bevor es uns erwischt!«

»Ortung positiv.« Die Kommandantin klang ebenso ruhig wie Tuvok. Spürte sie nicht die geringste Anspannung?

Im letzten Augenblick spürte sie das Prickeln des beginnenden Transfers. Als die Entmaterialisierung begann, warf sie noch einen schnellen Blick auf den Bildschirm und sah, wie ein Phaserstrahl den großen Felsen traf.

Captain Kathryn Janeway stand mitten auf der Brücke: die Füße auseinander, die Hände auf den Rücken gelegt. Sie beobachtete, wie der Asteroid explodierte. Ein von der Voyager ausgehender Traktorstrahl zog das Shuttle gerade noch rechtzeitig beiseite.

»Beide Offiziere sind an Bord, Captain.« Fähnrich Hoffmans melodische Stimme klang ein wenig blechern aus dem Lautsprecher der internen Kommunikation.

Janeway ließ den angehaltenen Atem entweichen. Eine knappe Sache. So fern der Heimat wurde selbst ein routinemäßiger Einsatz zu einem Risiko. Zwei weniger erfahrene Mitglieder meiner Crew hätten diese Mission sicher nicht überlebt, dachte die Kommandantin.

»Direkter Treffer bei dem Asteroiden«, meldete Fähnrich Harry Kim. Zwar mangelte es ihm noch an Erfahrung, aber er war bereits ein tüchtiger Offizier. »Das Shuttle ist nicht mehr in Gefahr.«

»Gute Arbeit, Fähnrich«, lobte Janeway. Sie drehte sich zu Lieutenant Paris um. »Das gilt auch für Sie. Ein anderer Pilot hätte uns wahrscheinlich nicht so schnell so nahe an den Asteroidengürtel herangebracht. Sie haben einen wichtigen Beitrag für die Rettung von Tuvok und B'Elanna Torres geleistet.«

Paris lächelte, ohne den Blick von den Anzeigen seiner Konsole abzuwenden. »Danke, Captain.«

Janeway verharrte in ihrer steifen Haltung und rang mit einer besonderen Art von Unruhe, die sich immer dann in ihr regte, wenn sie sich erinnerte: Zehntausende von Lichtjahren trennten das Raumschiff Voyager von der Föderation. Nicht zum ersten Mal musste sie bei einem Flug allein zurechtkommen, ohne die Unterstützung eines anderen Schiffes, aber dabei hatte sie immer gewusst: Es erforderte höchstens einen mehrere Tage langen Warptransfer, um die nächste Starbase zu erreichen. Doch die Voyager befand sich im Delta-Quadranten, über den man in der Föderation überhaupt nichts wusste.

Dieser Umstand besorgte sicher auch die anderen, obwohl sie nie darüber sprachen. Der Erste Offizier Chakotay gehörte nicht zu den Leuten, die über solche Dinge viele Worte verloren. Er stand hinter Paris, als hätte er kein Vertrauen zu seinen Fähigkeiten als Pilot. Die beiden Männer kannten sich von früher, und zwischen ihnen kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen – was jedoch nichts daran änderte, dass sie sich gegenseitig respektierten. Es erfüllte Janeway mit Zufriedenheit, dass sie auf die Hilfe solcher Offiziere zurückgreifen konnte. Hier draußen brauchte sie Leute, die aufbegehrten und nicht zögerten, Risiken einzugehen. Der durchschnittliche Starfleet-Offizier musste einige Fähigkeiten erlernen, die für derartige Männer so normal waren wie das Atmen.

Auch der junge Kim bildete einen wichtigen Bestandteil der Brückencrew. Angesichts seiner Unerfahrenheit übernahm er das Verhaltensmuster der Kollegen. Er war intelligent und entschlussfreudig – zwei Eigenschaften, auf die Janeway großen Wert legte.

Die Kommandantin sah sich um. Zwei andere Fähnriche beugten sich über die wissenschaftliche Konsole und werteten Daten aus, die den Asteroidengürtel betrafen. Ein Lieutenant nahm Tuvoks Platz an der Sicherheitsstation ein und wartete auf die Rückkehr des Vulkaniers.

Der Flug zu den Asteroiden hatte an diesem Morgen für etwas Abwechslung gesorgt. Mehr steckte nicht dahinter.

So schien es.

Durch die Shuttle-Mission waren mehrere Probleme deutlich geworden, die Janeways Aufmerksamkeit erforderten.

»Um neun Uhr dreißig erwarte ich die Senioroffiziere im Konferenzzimmer«, sagte die Kommandantin und schritt zum Bereitschaftsraum, um dort Vorbereitungen zu treffen. »Sie haben das Kommando, Chakotay.«

Im Konferenzzimmer dominierte ein metallisches Blaugrau, wie auch im Rest des Schiffes. Der Raum war für Schnelligkeit und Komfort geschaffen, wie alles an Bord der Voyager. Wenn Janeway ihn betrat, gewann sie immer den Eindruck, dass hier selbst sehr wichtige Entscheidungen innerhalb kurzer Zeit getroffen werden konnten.

Ein leises Gespräch verstummte, als sie das Schott passierte. Neelix und Kes saßen auf der anderen Seite des Tisches, fielen sofort durch ihre sehr individuelle Kleidung auf. Sie hatten ihren Nutzen als Reisebegleiter und Gefährten bereits mehrfach unter Beweis gestellt; Janeway bedauerte es nicht, sie mitgenommen zu haben.

Chakotay saß links vom Sessel des Captains. Mit seiner kräftigen Statur wirkte er so robust wie die Voyager. Paris hatte ihm gegenüber Platz genommen und bildete einen auffallenden Kontrast zum Ersten Offizier. Er war weder kräftig gebaut noch robust, sondern schlank, lebendig und gelegentlich auch genial. Sein Wesen zeichnete sich durch eine Tiefe aus, die er unter einem sanften Zynismus verbarg.

Janeways Blick glitt weiter und verharrte bei den Passagieren des Shuttles. Tuvok offenbarte wie immer unerschütterliche Gelassenheit. Seine Präsenz erleichterte die Kommandantin. Er bot ihr einen Halt, den sie dringender brauchte, als ihr selbst lieb war.

Sie benötigte auch B'Elanna Torres. Die Klingonin lächelte – eine Reaktion, die Janeway überraschte. Die Begegnung mit dem Tod mochte dazu geführt haben, dass sie das Leben nun aus einer anderen Perspektive sah.

Janeway sank in den Sessel neben Chakotay.

»Offenbar bekommen wir kein Erz aus dem Asteroidengürtel«, sagte sie ohne Einleitung. »Ich möchte so schnell wie möglich einen Bericht über die Ereignisse und den Status des Shuttles.«

»Sie bekommen ihn innerhalb einer Stunde«, erwiderte Tuvok.

»Captain«, begann B'Elanna, »ich habe Lieutenant Carey beauftragt, die Systeme der Raumfähre zu überprüfen und alle notwendigen Reparaturen vorzunehmen.«

»Gut.« Janeway nickte kurz und beugte sich ein wenig vor. »Die Schwierigkeiten mit dem Asteroidengürtel bieten ein weiteres Beispiel für den Ernst unserer Lage. Uns fehlen Ersatzteile. Die Replikatoren funktionieren alles andere als zuverlässig. Und uns stehen nicht einmal fünfzig Prozent Warppotenzial zur Verfügung. Ist das eine angemessene Beschreibung der Situation?«

Sie sah B'Elanna an, die aus irgendeinem Grund erleichtert wirkte. Hatte sie vielleicht befürchtet, dass nichts gegen die technischen Probleme unternommen wurde?

»Ich kann höchstens noch einen Tag Warpkapazität garantieren, wenn auch weiterhin dringend benötigte Ersatzteile fehlen«, meinte die Klingonin. »Einen Tag – vorausgesetzt natürlich, wir gehen vorsichtig mit dem Triebwerk um. Wenn plötzliche Beschleunigungsmanöver erforderlich werden …« Sie seufzte. »In dem Fall bleiben uns möglicherweise nur zehn Minuten.«

Janeway nickte erneut. »Ich verstehe. Nun, wir sollten …«

»Sie brauchen Austauschkomponenten für Ihr Schiff?«, fragte Neelix. Er schien erst jetzt zu begreifen, worum es ging. »Sie hätten gleich darauf hinweisen sollen, Captain. Ich habe doch versprochen, Ihnen zu helfen, oder?«

»Ja, Neelix.« Janeway versuchte, ihre Erheiterung zu verbergen. »Sie wussten nicht genau, welches Erz wir brauchen, und deshalb …«

»Erz.« Neelix hob die kleine, fleckige Hand und winkte ab. »Ich spreche nicht von Erz. Sie benötigen Ersatzteile für Ihr Schiff, und ich weiß, wo Sie welche bekommen können. Sogar jede Menge.«

Die Blicke aller Anwesenden richteten sich auf ihn, und der kleine Mann schien es zu genießen, im Zentrum der allgemeinen Aufmerksamkeit zu stehen. Kes berührte ihn am Arm und lächelte stolz.

»Bitte fahren Sie fort«, sagte Janeway.

Neelix lachte und drückte Kes' Hand. »Ich bringe Sie nach Alcawell. Wenn Sie mir gestatten, Ihnen die Koordinaten zu geben, Captain …«

»Alcawell?«, wiederholte Paris. Er schaffte es, mit diesem einen Wort gleich mehrere Fragen zu stellen. Und dafür zu sorgen, dass Janeway die Koordinaten erst entgegennehmen würde, wenn er Antworten bekommen hatte.

Die Kommandantin lehnte sich zurück und wartete. Manche Reaktionen der Offiziere waren inzwischen vorhersehbar und auch hilfreich.

Neelix zögerte nicht, das Wort zu ergreifen. »›Alcawell‹ bedeutet soviel wie die Station. Aber es handelt sich dabei nicht etwa um eine Raumstation, sondern um einen Planeten. Bei vielen Völkern in diesem Sektor gilt er als heilig, gewissermaßen als Heimstatt der Götter.« Er schlang den Arm um Kes, erweckte dadurch den Eindruck, als sei sein Vortrag allein für sie bestimmt. »Aber ich bin dort gewesen, und daher weiß ich: Dort wohnen keine Götter. Dort wohnt niemand.«

»Warum sollte jener Ort für uns interessant sein?«, erkundigte sich Janeway.

»Weil es dort alte Schiffe gibt. Viele alte Schiffe.« Neelix lächelte. »Mehr Raumschiffe, als Sie in Ihrem ganzen Leben gesehen haben.«

»Das bezweifle ich«, sagte Paris leise.

Neelix wandte sich ihm zu. »Alcawell war bereits verlassen, als die hier lebenden Völker noch nicht einmal mit der Raumfahrt begonnen hatten. Dort gibt es so viele Schiffe, dass wir bestimmt finden, was Sie brauchen. Wir holen die benötigten Teile einfach aus den Wracks. Oder wir nehmen uns alle notwendigen Metalle, um die betreffenden Komponenten selbst herzustellen.«

Interessant, aber auch gefährlich. Janeway überlegte einige Sekunden lang. »Sie kennen also einen alten Raumhafen mit einigen aufgegebenen Schiffen. Warum hat sie noch nie jemand angerührt?«

Neelix zuckte mit den Schultern. »Wer weiß, ob sie angerührt worden sind oder nicht? Es gibt dort mehr Raumschiffe, als Sie zählen können. Glauben Sie mir: Niemand merkt es, wenn einige Teile fehlen.«

»Wir stehlen nicht«, sagte Chakotay. Die Schärfe in seiner Stimme schien Neelix ein ganzes Stück schrumpfen zu lassen.

Der kleine Fremde dachte nach und schmunzelte dann. »Wenn Sie Alcawell mit eigenen Augen gesehen haben … Dann sprechen Sie bestimmt nicht mehr davon, irgendwelche Dinge zu stehlen. Wir bergen nur etwas.«

»Es kommt allerdings darauf an, ob Sie unter ›Bergung‹ das gleiche verstehen wie wir«, wandte Paris ein.

Neelix ignorierte ihn und richtete einen katzenartigen Blick auf Janeway, deren Gesicht Neugier zeigte.

»Welchem Volk gehörte die Basis?«, fragte Tuvok.

»Ich weiß es nicht«, entgegnete Neelix. »Aber von wem auch immer sie gebaut wurde – die Konstrukteure verschwanden vor vielen Jahrhunderten.«

Der Vulkanier presste die Fingerspitzen aneinander. »Wenn sich dort das Bergen lohnt … Warum sind Sie dann nicht nach Alcawell zurückgekehrt?«

Neelix zog Kes etwas näher, und die junge Frau musterte ihn. Als er auch weiterhin schwieg, nickte sie ihm auffordernd zu.

Er neigte den Kopf ein wenig zur Seite und hob die buschigen Brauen. »Um ganz ehrlich zu sein …« Er seufzte und ließ den Kopf sinken, um seinen Gesichtsausdruck zu verbergen. »Ich glaube, dort spukt es.«

Paris schnaubte abfällig und lehnte sich so zurück, als hätte er mit einer solchen Antwort gerechnet. Tuvok rührte sich nicht, aber subtile Veränderungen in seiner Miene wiesen Janeway auf Skepsis hin.

Nur B'Elanna schien noch immer interessiert zu sein. »Wie dem auch sei: Es gibt dort viele Raumschiffe.«

Neelix sah wieder auf. »Ja.«

»Verlassene Schiffe.«

»Ja.«

Die Klingonin wandte sich an Janeway. »Wenn wir …«

Neelix unterbrach sie. »Captain … Wenn es auf Alcawell nicht mehr Schiffe gibt, als Sie zählen möchten, so können Sie mich bei den Geistern zurücklassen.«

»Und mich ebenfalls«, fügte Kes leise hinzu.

»Danke, Liebste«, sagte Neelix und drückte ihre Hand. »Ist sie nicht wundervoll?«, fragte er die anderen.

Janeway traf eine Entscheidung. Sie konnte es sich nicht leisten, eine gute Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen. »Ich glaube, wir sollten uns Alcawell ansehen. Was meinen Sie, Mr. Tuvok?«

»Ich teile Ihre Ansicht.«

Janeway sah Chakotay an, der stumm nickte.

Zufrieden stand sie auf. »Neelix, geben Sie Lieutenant Paris die Koordinaten von Alcawell. B'Elanna, ich möchte den Planeten so schnell wie möglich erreichen, ohne jedoch weitere Beschädigungen des Warptriebwerks zu riskieren. Was schlagen Sie vor?«

»Warp eins«, erwiderte Torres.

Janeway nickte und richtete den Blick auf Paris. »Bringen Sie uns auf den richtigen Kurs, Mister.«

Paris schob seinen Sessel zurück und bedeutete Neelix, ihm zur Brücke zu folgen.

Als sie gingen, wandte sich Janeway an die übrigen Offiziere. »Ob Bergungsgut oder nicht – wir brauchen die Ersatzteile. Die derzeitige Situation erlaubt uns keinen Stolz.«

Sie lächelte. »Außerdem … Wer hat Angst vor ein paar Geistern?«

Kapitel 2

Captain Janeway saß im Bereitschaftsraum am Schreibtisch, blickte aufs Display eines Datenblocks und las Berichte. Manchmal wünschte sie sich, die Routinearbeit eines Captains einfach über Bord werfen zu können. Allerdings: Jedes Stück Routine verband sie mit der Heimat, und deshalb zögerte sie, sich von solchen Dingen zu trennen. Sie hatte bereits Entscheidungen getroffen, die ihr im Alpha-Quadranten nie in den Sinn gekommen wären.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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