Sternenschweif, 12, Mondscheinzauber - Chapman Linda - E-Book

Sternenschweif, 12, Mondscheinzauber E-Book

Linda Chapman

4,8
4,99 €

Beschreibung

Laura und Sternenschweif können es kaum erwarten: Nachtwinds erster Geburtstag rückt näher. Nun werden sie endlich erfahren, ob das süße Fohlen mit den großen dunklen Augen magische Fähigkeiten besitzt. Wird sich Lauras Ahnung bewahrheiten, dass Nachtwind wie Sternenschweif ein Einhorn ist? Dann stünde zauberhaften nächtlichen Abenteuern nichts mehr im Wege ...! Eine spannende und magische Geschichte mit viel Platz zum Träumen!

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Seitenzahl: 60

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Linda Chapman

Sternenschweif

Mondscheinzauber

KOSMOS

Für Victoria Holmes

1

Seit fast einer Stunde wartete Laura mit ihrem Einhorn Sternenschweif in dem Wäldchen hinter dem Reiterhof, der den Eltern ihrer Freundin Grace gehörte. Die Sonne war gerade untergegangen. Allmählich wurde es dunkel. Auf der nahe gelegenen Weide grasten friedlich vier Ponys. Ein Fohlen mit nachtgrauem Fell und strubbeliger Mähne trottete hinter ihnen her. Grace hatte Nachtwind gleich nach seiner Geburt geschenkt bekommen. Seinetwegen waren Laura und Sternenschweif hergekommen.

„Heute Nacht werden wir endlich erfahren, ob Nachtwind wirklich ein Einhorn ist!“, flüsterte Laura aufgeregt.

Seit sie ihn kurz nach seiner Geburt vor fast einem Jahr zum ersten Mal gesehen hatte, glaubte sie fest daran, dass Nachtwind ein Einhorn war.

Sternenschweif nickte. Das Sternenlicht fing sich in seinem silbernen Horn. Meistens sah er wie ein ganz normales graues Pony aus. Doch Laura kannte sein Geheimnis. Immer wenn sie die Zauberworte sprach, verwandelte sich Sternenschweif in ein wunderschönes Einhorn mit magischen Kräften. Inzwischen wusste sie, dass es überall auf der Welt Ponys gab, die in Wahrheit Einhörner waren. Sie wünschte sich so sehr, dass Nachtwind dazu gehörte!

„Wenn Nachtwind ein Einhorn ist“, erklärte Sternenschweif, „wird heute Nacht ein Einhorn-Ältester erscheinen.“ Obwohl seine Lippen sich nicht bewegten, hörte Laura seine Stimme klar und deutlich in ihrem Kopf. „Einhörner, die auf der Erde zur Welt kommen, werden an ihrem ersten Geburtstag stets von einem Ältesten besucht. Er sagt ihnen, dass sie in Wahrheit keine Ponys, sondern Einhörner sind.“

Die Ältesten lenkten die Geschicke von Arkadia, der Heimat der Einhörner. Mit Hilfe eines Zauberspiegels konnten sie die Einhörner auf der Erde beobachten und über sie wachen. Diese Einhörner mussten ein mutiges und gutherziges Kind finden, das an Magie glaubte und ihr Geheimnis entdeckte. Ihre gemeinsame Aufgabe war es, Menschen und Tieren zu helfen.

„Meinst du, der Älteste wird Nachtwind in ein Einhorn verwandeln?“ Laura konnte vor Aufregung kaum still stehen.

Sternenschweif schüttelte den Kopf. „Nachtwind muss warten, bis er seinen Einhorn-Freund gefunden hat. Erst dann kann er sich das erste Mal verwandeln.“

Plötzlich begann Sternenschweifs Horn zu glühen. Das tat es immer, wenn er sein magisches Gehör einsetzte. „Da kommt jemand“, flüsterte er. „Ich höre Schritte.“

Sie zogen sich tiefer in den Schatten der Bäume zurück. Ein blondes Mädchen eilte zur Koppel. „Grace“, wisperte Laura.

Beim Anblick seiner Besitzerin wieherte Nachtwind erfreut. „Na, mein Süßer!“ Grace streckte ihm eine Möhre entgegen. „Ich musste dich vorm Schlafengehen einfach noch mal sehen! Ist es nicht unglaublich, dass heute schon dein erster Geburtstag ist? In zwei Jahren kann ich anfangen, dich zu reiten. Darauf freue ich mich jetzt schon!“ Sie drückte Nachtwind an sich.

„Ich hab dich so lieb“, murmelte sie und gab ihm einen Kuss auf seine weiche Nase. „Alles Gute zum Geburtstag!“

Dann wandte sie sich zum Gehen, drehte sich jedoch noch einmal um und winkte Nachtwind zu. „Schlaf schön!“

Laura sah ihr nach. Es wäre einfach wunderbar, wenn Nachtwind tatsächlich ein Einhorn wäre und Grace sein Geheimnis entdeckte! Dann hätte sie endlich eine Freundin, mit der sie gemeinsam magische Abenteuer erleben könnte. Bis jetzt kannten nur zwei Menschen Sternenschweifs Geheimnis: Ihr Freund Michael, der in der Stadt lebte und selbst ein Einhorn namens Mondschein besaß. Und natürlich Mrs Fontana, der die kleine Buchhandlung in der Stadt gehörte. Sie war es gewesen, die Laura von den Einhörnern erzählt und ihr das uralte Buch mit dem Verwandlungszauber geschenkt hatte.

„Ich wünsche es mir so sehr!“ Seufzend lehnte Laura ihren Kopf an Sternenschweifs warmen Hals. Schweigend beobachteten sie, wie die Ponys sich schlafen legten. Laura fragte sich, wie lange sie wohl noch warten mussten. Sie wollte gerade herzhaft gähnen, als plötzlich Sternenschweifs Kopf in die Höhe schoss.

„Laura! Sieh nur!“

Laura blickte nach oben. Ein weißer Schatten zog über den nächtlichen Himmel. „Ein Ältester!“, keuchte Laura aufgeregt, während das Einhorn sich rasch der Weide näherte. Die vier älteren Ponys schnaubten nervös und trotteten an den Rand der Weide. Nachtwind jedoch rührte sich nicht von der Stelle, sondern betrachtete den nächtlichen Besucher mit weit aufgerissenen Augen.

Das Einhorn landete auf dem Boden und reckte stolz den Kopf. Dann trabte es auf Nachtwind zu, seine lange silberne Mähne und sein Schweif wehten dabei im Wind.

„Das ist Sidra“, flüsterte Sternenschweif. Die Älteste hatte ihn auch schon besucht. Sie wieherte gebieterisch.

Mit klopfendem Herzen beobachtete Laura, wie Nachtwind Sidra furchtlos entgegenkam. Sie war so stolz auf ihn!

Als die Älteste und das kleine Fohlen dicht voreinander standen, berührten sie ihre Nasen zur Begrüßung. Einen Augenblick später wirbelte Nachtwind herum und machte ein paar Luftsprünge.

„Er ist ein Einhorn!“ Laura hörte die Freude in Sternenschweifs Stimme. „Sidra hat es ihm gerade gesagt.“

Das Fohlen wieherte laut und triumphierend, als ob es sagen wollte: „Seht her, seht mich alle an!“ Als die anderen Ponys ihn verwundert anstarrten, bäumte er sich auf und schlug mit den Vorderhufen in die Luft.

Sidras Augen funkelten belustigt. Hoheitsvoll reckte sie ihren Kopf und schüttelte ihre seidige Mähne. Sofort tat Nachtwind es ihr nach. Doch mit seiner kurzen Stoppelmähne und den staksigen Beinen sah er längst nicht so eindrucksvoll aus.

Kraftvoll stieß sich die Älteste ab und galoppierte nach oben Richtung Himmel. Nachtwind lief, so schnell er konnte, unter ihr her, bis das Gatter ihn stoppte. Unwillig stampfte er mit den Hufen auf. Er wollte auch fliegen!

Sidra drehte noch eine Runde über der Koppel, dann verschwand sie zwischen den Sternen.

Überglücklich fiel Laura Sternenschweif um den Hals. Es stimmte! Nachtwind war tatsächlich ein Einhorn!

„Hoffentlich entdeckt Grace bald sein Geheimnis! Dann kann sie ihn verwandeln!“

„Ich wünschte, wir könnten ihr den Zauberspruch verraten“, sagte Sternenschweif.

„Leider dürfen wir das nicht“, erinnerte Laura ihn seufzend. „Einhorn-Freunde müssen ganz fest an Magie glauben und das Geheimnis selbst herausfinden. Wenn wir Grace den Spruch verrieten, würde er nicht wirken.“

„Ich weiß. Aber eine kleine Hilfestellung ist nicht verboten. Wir könnten Grace erzählen, dass es tatsächlich Einhörner gibt. Auch wenn wir ihr nicht sagen dürfen, dass Nachtwind eines ist.“

Laura nickte. Kurz nachdem Sternenschweif von ihren Eltern auf einer Auktion gekauft worden war, hatte Mrs Fontana ihr die ersten Hinweise gegeben. „Wir werden alles tun, um ihr zu helfen“, beschloss Laura. „Aber jetzt sollten wir nach Hause fliegen.“

Während sie über den Baumwipfeln dahinschossen, blies der Wind Lauras Haare zurück. „Schneller, Sternenschweif, schneller!“, jauchzte sie.

Sternenschweifs Galoppsprünge wurden länger, die Sterne zogen rasch an ihnen vorbei. Laura klammerte sich fester an seine Mähne und lachte laut auf. Ein Einhorn zu haben war das Schönste auf der ganzen Welt!

2

Als Laura am nächsten Morgen erwachte, hatte sie das Gefühl, einen Schwarm Schmetterlinge im Bauch zu haben. Schwungvoll sprang sie aus dem Bett und riss die Vorhänge auf. Es war der erste Tag der Ferien, Nachtwind war ein Einhorn und sie würden Grace helfen, sein Geheimnis zu entdecken! Das Leben konnte nicht schöner sein!

Sie blickte zu Sternenschweifs Koppel. Er wartete bereits am Gatter auf sie. Der Himmel war grau und es regnete wieder. Doch das konnte Lauras Freude nicht dämpfen. Nachtwind war ein Einhorn! Rasch zog sie sich an und stürmte die Treppe hinunter. Ihre Mutter machte gerade Frühstück.

„Na, du hast ja gute Laune!“

„Und ob ich die habe!“