Sternenschweif, 18, Sommerzauber - Linda Chapman - E-Book

Sternenschweif, 18, Sommerzauber E-Book

Linda Chapman

4,8
4,99 €

Beschreibung

Laura freut sich riesig: Ihre Cousine Hannah kommt zu Besuch! Doch Hannah tuschelt ständig mit Lauras Mutter – Laura fühlt sich ausgeschlossen. Wie gut, dass es Sternenschweif und ihre Freundinnen gibt. Mit ihnen kann Laura viel Zeit verbringen und sich von ihrer Eifersucht ablenken. Doch eines Abends braucht Lauras Mutter dringend ihre Hilfe. Aber wo ist Laura ...? Eine spannende und magische Geschichte mit viel Platz zum Träumen!

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Seitenzahl: 64

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Linda Chapman

Sternenschweif

Sommerzauber

KOSMOS

Umschlaggestaltung: Atelier Reichert, Stuttgart

unter Verwendung einer Illustration von Silvia Christoph, Berlin

Textillustrationen: © Biz Hull

Sternenschweif – Sommerzauber, erzählt von Ina Brandt

Based on characters created by Working Partners Ltd.

© Working Partners Ltd., 2008

Unser gesamtes lieferbares Programm und viele

weitere Informationen zu unseren Büchern,

Spielen, Experimentierkästen, DVDs, Autoren und

Aktivitäten findest du unter kosmos.de

© 2013, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, Stuttgart

Alle Rechte vorbehalten

ISBN 978-3-440-13956-1

eBook-Konvertierung: le-tex publishing services GmbH, Leipzig

1

Laura kaute auf ihrem Stift herum und schaute aus dem Fenster. Auf dem Schulhof blies der Wind sanft durch die Blätter des alten Kastanienbaums. Die Sonne stand hoch am hellblauen Himmel. Es würde wieder ein ziemlich warmer Tag werden. Letztes Jahr war es im Juli nicht so schön gewesen. Laura versuchte sich zu konzentrieren. Sie mussten einen Aufsatz über ihre Ferienpläne verfassen. Doch Laura wusste nicht, worüber sie schreiben sollte. In sechs Wochen würde sie ein Geschwisterchen bekommen. Ihre Familie würde also nicht wegfahren. Außerdem verbrachte Laura sowieso am liebsten jede freie Minute mit ihrem Pony Sternenschweif. Wie gut, dass morgen die Ferien begannen. Dann hatten sie endlich ganz viel Zeit füreinander. Sie könnten stundenlang miteinander reden oder nachts gemeinsam in den funkelnden Sternenhimmel fliegen.

Ja, ihr Pony war kein gewöhnliches Pony. Mithilfe eines Zauberspruchs konnte Laura es nämlich in ein Einhorn verwandeln! Dabei durfte sie allerdings niemand beobachten, denn nur diejenigen, die selbst ein Einhorn besaßen, durften es in seiner wahren Gestalt erblicken. Deswegen konnten sie auch nur nachts gemeinsam fliegen.

„Laura, bist du schon fertig?“, riss sie die Stimme der Lehrerin aus ihren Gedanken.

„Äh, nein, noch nicht“, stotterte Laura. Sie starrte angestrengt auf ihr Aufsatzheft. Wenn der letzte Schultag doch nur vorüber wäre. Morgen würde sie ihre Cousine Hannah vom Zug abholen. Sie wollte einen Teil der Ferien bei ihnen verbringen. Ihr letzter Besuch lag schon eine Weile zurück. Damals hatte sich Hannah allerdings anfangs nur für Nagellack und Mädchenmagazine interessiert und nicht im Geringsten für Pferde. Dabei war sie früher eine sehr gute Reiterin gewesen. Dank Sternenschweifs Hilfe hatte sie den Spaß am Reiten aber glücklicherweise wiederentdeckt. Laura hatte damals Birdie für Hannah ausgeliehen. Er war ein ziemlich lebhaftes Pony von Mrs Wakefields Reiterhof. Mrs Wakefield war die Mutter von Lauras Freundin Grace. Hannah und Birdie hatten sich richtig gut verstanden, und morgen früh würde Laura Birdie für Hannah wieder abholen. Sie freute sich schon so auf ihren ersten gemeinsamen Ausritt. Sie könnten ein Picknick am Fluss machen, sich in die Wiese legen und die Pferde grasen lassen oder gemeinsam ein paar Würstchen grillen. Das war’s! Sie würde einfach darüber schreiben, was sie alles mit Hannah unternehmen wollte. Laura war froh, endlich ein Thema für ihren Aufsatz gefunden zu haben.

Nun flog ihr Stift nur so übers Papier. Als die Schulglocke läutete, hatte sie vier Seiten vollgeschrieben. Die Lehrerin sammelte die Hefte ein und wünschte allen schöne Ferien. Laura stürmte nach draußen, wo ihre Mutter im Auto auf sie wartete.

„Hallo, mein Schatz“, begrüßte sie sie. „Na, wie war der letzte Schultag?“

Laura schlüpfte auf den Rücksitz und verstaute ihre Schultasche neben sich.

„Ich dachte, er nimmt überhaupt kein Ende. Wir mussten auch noch einen Aufsatz über unsere Ferienpläne schreiben.“

„Das ist ja interessant“, sagte ihre Mutter schmunzelnd und fuhr los. „Hast du denn irgendwelche anderen Pläne, als jede freie Minute mit Sternenschweif zu verbringen?“

„Nein, habe ich nicht“, erwiderte Laura mit einem Grinsen. „Aber ich freue mich, wenn Hannah morgen kommt. Gleich am Nachmittag will ich mit ihr ausreiten.“

„Jetzt warte erst einmal ab, ob Hannah nicht müde ist“, meinte ihre Mutter. „Sie muss ja für die Reise sehr früh aufstehen.“

„Ach, ich bin sicher, wenn sie Birdie sieht, dann ist sie sofort putzmunter.“

Laura blickte aus dem Fenster. Da vorne kam Mrs Fontanas Buchladen. Hier hatte sie so viele schöne Stunden verbracht. In letzter Zeit war sie allerdings nicht mehr oft dort gewesen. Vor ein paar Monaten war Mrs Fontana nämlich gestorben, und ihre Nichte Catherine hatte den Laden übernommen. Für Laura war Mrs Fontanas Tod ein schwerer Schlag gewesen. Die alte Dame hatte ihr geholfen herauszufinden, dass Sternenschweif ein Einhorn war. Schließlich hatte sie selbst einmal ein Einhorn besessen. Laura hatte immer mit allen Fragen zu ihr kommen können, und Mrs Fontana hatte stets einen guten Rat für sie gehabt. Laura vermisste sie sehr, obwohl sie wusste, dass Mrs Fontana nun von Arkadia aus über sie wachte. Arkadia war das Land, aus dem alle Einhörner kamen und zu dem sie eines Tages auch wieder zurückkehrten.

„Stopp!“, rief Laura plötzlich. „Bitte halte kurz beim Buchladen.“

Ihre Mutter steuerte die nächste Parklücke an. „Was ist denn?“, fragte sie mit einem Blick in den Rückspiegel.

„Hast du das Schild nicht gesehen?“, fragte Laura aufgeregt. „Da steht, dass der Buchladen zu verkaufen ist.“

Sie stieg aus und ging zum Schaufenster. Auf dem Schild stand: „Wegen Geschäftsaufgabe zu verkaufen. Interessenten bitte unter folgender Telefonnummer melden ...“

Laura starrte auf die Zeilen und konnte es nicht glauben.

„Hast du das gewusst?“, wollte sie von ihrer Mutter wissen.

„Ich habe so etwas gehört, dachte aber nicht, dass es so schnell gehen würde“, erwiderte ihre Mutter ausweichend.

„Warum hast du mir nichts davon gesagt?“, rief Laura aufgebracht. „Ich hatte ja keine Ahnung. Ich wusste nur, dass Mrs Fontanas Nichte nach der Übernahme des Ladens einige Schwierigkeiten hatte. Aber ich dachte, dass es dann besser ging.“

„Anscheinend nicht“, antwortete ihre Mutter traurig. „Ich weiß, ich hätte es dir sagen müssen, aber ich wusste einfach nicht wie.“

Laura vergrub die Hände in den Taschen ihrer Shorts und ging zum Auto zurück.

Auf der Heimfahrt war sie ziemlich schweigsam. Ihre Mutter fragte sie dies und das, aber Laura gab nur einsilbige Antworten. Schließlich schwiegen sie. Laura konnte es nicht fassen, dass es den Buchladen nicht mehr gab. So viel Zeit hatte sie dort verbracht und in irgendwelchen Pferdebüchern geschmökert. Dabei hatte ihr Mrs Fontanas Terrier Walter meistens Gesellschaft geleistet. Am Anfang des Jahres, als im Laden immer noch so viel los war, hatte Laura Walter einige Male spazieren geführt. Was würde denn nun mit ihm geschehen? Würde Catherine ihn mitnehmen?

Kaum waren sie daheim angekommen, lief Laura zu Sternenschweif. Er blickte ihr vom Koppelzaun entgegen.

„Können wir zur geheimen Lichtung reiten?“, fragte sie ihn. „Ich muss mit dir reden!“

Sternenschweif warf ihr einen erstaunten Blick zu und folgte ihr in den Stall. Dort holte Laura Sattel und Zaumzeug, und kurze Zeit später ritten sie los.

Als sie bei der geheimen Lichtung angekommen waren, sprach Laura den Verwandlungszauber:

Silberstern, Silberstern,

hoch am Himmel, bist so fern.

Funkelst hell und voller Macht,

brichst den Bann noch heute Nacht.

Lass dies Pony grau und klein

endlich doch ein Einhorn sein.

Ein violetter Blitz flammte auf, und Sternenschweif stand als Einhorn vor ihr.

„Was ist passiert?“, war seine erste Frage.

„Mrs Fontanas Buchladen wird verkauft“, platzte Laura heraus. Sie setzte sich auf ihren Lieblingsbaumstamm und stützte den Kopf in die Hände. „Ich kann es einfach nicht fassen. So oft bin ich dort gewesen. Immer lag dieser besondere Duft nach schwarzen Johannisbeeren in der Luft. Auch bei meinem letzten Besuch hatte ich das Gefühl, Mrs Fontana kommt gleich hinten aus dem Lager.“

„Das tut mir leid zu hören“, sagte Sternenschweif mitfühlend. Er berührte mit seinen weichen Nüstern sanft ihren Arm. „Wenn der Laden jetzt verkauft wird, ist das dann für dich, als ob ein Teil von ihr noch einmal sterben würde?“, fragte er leise.

Laura nickte. Sie hatte einen dicken Kloß im Hals.