Strandkorb - Ben Vart - E-Book

Strandkorb E-Book

Ben Vart

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Beschreibung

Inka braucht Ruhe. Sie entschließt sich, zum Ausspannen einige Tage an die Ostsee zu fahren. Ein Entschluss, den sie schnell bereut, als sie an den überlaufenen Strand kommt, die schreienden Kinder hört und die genervten Eltern sieht. Dann kommt auch noch Frédéric, der sie auf die dämlichste Art und Weise, die einer Frau passieren kann, anbaggert. Inka will einfach nur ihre Ruhe. Aber dann kommen die Delphine und tanzen für sie . . .

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Seitenzahl: 26

Veröffentlichungsjahr: 2018

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©Ben Vart

Buchsweg 6

73547 Lorch

Text erschienen 2017

e-Mail: [email protected]

Titelbild: pixabay.com/ fradellafra

Lektorat und Korrektorat: orzi.eu

Das Wasser erfrischte sie. Es kühlte angenehm und hinterließ eine Gänsehaut auf ihrem Körper. Er war wieder lebendig. Sie war wieder lebendig.

Es war bescheuert, aber mitten in der Hochsaison war sie an die Ostsee gefahren. Hier, wo sich die Menschen gegenseitig auf die Füße traten, wo man für den Strand Eintritt bezahlen musste, aber weder dem Baulärm noch der dämlichen Animation entfliehen konnte. Ausgerechnet hier wollten sie 2,50 Euro pro Tag, damit man sich in den Sand legen durfte. Okay, der war gepflegt und sauber. Trotzdem. Sie empfand einen Strand noch immer als gemeinsames Eigentum aller. Und während sie darüber sinnierte, verschwanden schon die Münzen im Schlitz, und der Automat gebar einen Papierstreifen als Eintrittskarte.

Sie wanderte durch den feinen, warmen Sand, der sich wie Hefeteig zwischen ihren Zehen durchdrückte. Es war ein angenehmes Gefühl. Etwas rau und kratzig. Fast wie die Wangen eines Mannes, der sich einen Tag nicht rasiert hatte.

Die Strandkörbe standen wie mit dem Lineal hingestellt. In drei Reihen. Wobei die hinteren Reihen immer zwischen zwei davor stehenden Körben platziert waren, damit jeder Strandkorbinsasse freien Blick auf die See hatte.

Eine riesige Fähre der Stena Line mit Ziel irgendwo in Skandinavien schob sich in ihr Blickfeld. Auf Deck standen winzig wirkende Menschen, die auf die ihnen winzig erscheinenden Menschen am Strand herabsahen. Einige winkten, andere starrten zurück zum Hafen, den sie wenige Minuten zuvor verlassen hatten.

Ihr Blick entfernte sich von der Fähre und richtete sich wieder auf die Strandkörbe. Dort drüben, einige Meter entfernt, sah sie einen, der günstig stand und unbesetzt schien. An den Seiten war auf das Korbgeflecht schwarz die Nummer 69 aufgepinselt. Sie ließ sich hineinfallen. Der gehörte jetzt ihr. Laut schnaufend stieß sie die Luft aus. Von der Fähre sah sie nur das Heck und die davon ausgehende weiße Schaumspur, die ihren Weg durchs Wasser markierte.

Inka zog die Handtücher aus der Tasche. Dabei fiel ihr Buch in den Sand. Als sie sich bückte, um es aufzuheben, registrierte sie zum ersten Mal diesen Schrei. Hell, kreischend ertönte er über ihr. Ein zweiter folgte. In der Luft drehten die Möwen Pirouetten, stritten sich dabei und schimpften lautstark und grell.

Sie schüttelte den Sand aus dem Buch. Ihr Lesezeichen war ebenfalls herausgefallen. Sie wusste, sie war irgendwo am Ende des ersten Drittels. Und dort schob sie das Bild des Leuchtturms, das als Lesezeichen diente, zwischen die Seiten.

Die Sonne schien kräftig, aber die leichte Brise von der See kühlte gleichzeitig. Inka zog das Fußteil aus dem Strandkorb, legte die Beine hoch und schloss die Augen.

Ein Schatten fiel auf ihr Gesicht. Vor ihr stand ein älterer Mann. Er war nicht sehr groß. Etwa einen Meter siebzig. Vielleicht auch ein zwei Zentimeter länger. Und hatte einen kleinen Bauch, über dem ein Hawaiihemd flatterte, ein rundes Gesicht mit freundlichen Knopfaugen und einen fast kahlen Kopf. Noch keine Glatze. Aber weit war es bis dahin auch nicht mehr.