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Der Umfang dieses Ebook entspricht 131 Taschenbuchseiten.
Sieben sehr persönliche Schilderungen in Sachen Liebe und Sex – erregend, voller Romantik und mit einem kräftigen Schuss Humor.
Sechs Frauen und ein Mann haben hier ihr schönstes erotisches Abenteuer zu Papier gebracht: Die Karrierefrau zum Beispiel, die im Taxi ihrem Traummann begegnet und es nicht wahrhaben will; der Schachchampion und Krimiautor, der sich längst fertig wähnte mit der Frauenwelt; die Ärztin, die kurz vor der Heirat mit einem Rechtsanwalt steht und von einem „Schokoladenengel“ umworben wird; oder die Mutter, die den Freund ihrer Tochter begehrt – in diesem Buch bekennen sie, wie sie von einer Sturmflut aus Lust und Gefühlen überwältigt wurden.
Unter verschiedenen Pseudonymen schreibt Dora Tauer seit vielen Jahren Belletristik – Fantasy, Krimis, Liebesgeschichten und historische Romane.
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Veröffentlichungsjahr: 2018
Ein CassiopeiaPress E-Book
© by Author
© 2015 der Digitalausgabe by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen
www.AlfredBekker.de
Der Umfang dieses Ebook entspricht 131 Taschenbuchseiten.
Sieben sehr persönliche Schilderungen in Sachen Liebe und Sex – erregend, voller Romantik und mit einem kräftigen Schuss Humor.
Sechs Frauen und ein Mann haben hier ihr schönstes erotisches Abenteuer zu Papier gebracht: Die Karrierefrau zum Beispiel, die im Taxi ihrem Traummann begegnet und es nicht wahrhaben will; der Schachchampion und Krimiautor, der sich längst fertig wähnte mit der Frauenwelt; die Ärztin, die kurz vor der Heirat mit einem Rechtsanwalt steht und von einem „Schokoladenengel“ umworben wird; oder die Mutter, die den Freund ihrer Tochter begehrt – in diesem Buch bekennen sie, wie sie von einer Sturmflut aus Lust und Gefühlen überwältigt wurden.
Unter verschiedenen Pseudonymen schreibt Dora Tauer seit vielen Jahren Belletristik – Fantasy, Krimis, Liebesgeschichten und historische Romane.
Meinem ungezähmten Honigpanther,
der mich in die Wildnis der Liebe
und zu den Gipfeln der Lust entführte,
in tiefer Dankbarkeit
Dieses Ebook enthält folgende Erzählungen:
Der erste Mosaikstein...
Sturmflut
Taxifahrt
Schokoladenengel
Loser & Champion
Stuhlassistenz
Doppelspiel
Schneemann
... zu dieser Textsammlung ergab sich vor nun annähernd zwanzig Jahren aus meiner Arbeit in der Paarberatung: Ich forderte eine Klientin auf, sich an ihr wichtigstes erotisches Erlebnis zu erinnern und es aufzuschreiben. Eine spontane Idee, die nichts anderes bezwecken sollte, als durch Erinnerungsarbeit die Lust am Sex wieder zu entdecken.
Das gelang damals, und nicht wenige Klienten meiner Praxis haben sich seitdem schriftlich zu ihrer unvergesslichsten sexuellen Erfahrungen bekannt.
Aus meinem Fundus habe ich eine Handvoll Texte ausgewählt und die AutorInnen um Erlaubnis gebeten, ihre Erfahrungsberichte und Notizen in eine leicht und schön zu lesende Form bringen und in diesem Buch veröffentlichen zu dürfen. Bei der Überarbeitung habe ich mich bemüht, den persönlichen Stil der, bzw. des Betreffenden zu bewahren.
Selbstverständlich heißen sämtliche ErzählerInnen in Wirklichkeit anders, als ich sie in diesem Buch genannt habe.
Naturgemäß – und wenn man von weinseligen Herrenrunden absieht – berichten Männer weniger gern von ihren erotischen Erfahrungen als Frauen. Vielleicht, weil sie verschlossener sind, vielleicht, weil sie nicht so viele Worte für Gefühle haben, wie wir Frauen. Unter den etwa siebzig Erfahrungsberichten meiner Sammlung fand ich nur neun, die von Männern verfasst wurden. Und nur einer war bereit, mir die Veröffentlichung seiner wichtigsten erotischen Erfahrung zu gestatten.
Die erste Hälfte des Buchtitels verdanke ich einer Klientin, die ich in ihrer Erzählung „Uta“ getauft habe. Sturmflut – so nannte sie ihre Geschichte über ein Alltagsereignis, das sich ganz unverhofft zu einer wundervollen „Feiertagserfahrung“ entwickelte. Die Metapher der Sturmflut veranschaulicht treffend, was den meisten Menschen widerfahren ist, die in diesem Buch zu Wort kommen: ein unerwarteter Ausbruch von Leidenschaft und Lust. Ein Ausbruch, der wie eine unwiderstehliche Flutwelle sämtliche Dämme hinwegzuspülen vermag, die „gute“ Erziehung, persönliche Wertvorstellungen und gesellschaftliche Konventionen während langer Jahre in unseren Köpfen errichtet haben.
Möge diese kleine Sammlung erotischer Bekenntnisse meinen LeserInnen Spaß machen – und, wenn nötig, neuen Mut, die schönste Gabe zu gebrauchen, die uns das Leben geschenkt hat: Die Liebeslust in ihrer ganzen Körperlichkeit.
Zwei Wochen Kroatien, zwei Wochen Streit. Wir stritten während der Heimfahrt, wir stritten sogar noch, als wir das Haus betraten. Zuletzt gerieten wir uns wegen unseres nächsten Urlaubsziels in die Haare: Mich zog es nach Moskau.
„’Moskau’!“, empörte sich Bert. „In Moskau rauben dich irgendwelche Jugendgangs aus! Wenn du Glück hast!“ Er zerrte den Trolley und die Reisetasche ins Haus hinein. „Mit ein bisschen weniger Glück vergewaltigt dich ein durchgeknallter Tschetschenien-Veteran!“ Bert zog Trolley und Tasche an den Briefkästen vorbei. Ein Mann stand dort und sah seine Post durch. „Kann man auch noch überleben, sicher, doch mit ein bisschen Pech schneiden dir Terroristen aus dem Kaukasus die Kehle durch!“ Ich hatte den Mann nie zuvor gesehen. „Wenn du richtig Pech hast, entführen sie dich vorher noch und schneiden dir die Kehle erst durch, wenn sie genug von dir haben!“ Bert würdigte ihn keines Blickes. „Wer will schon nach Moskau!“
„Ich!“, sagte ich. „Ich fahre im nächsten Frühjahr nach Moskau!“ Der Mann war groß, hager, blond und stoppelbärtig. Höchstens vierzig Jahre alt, eher jünger. Seine blauen Augen musterten mich unter hochgezogenen Brauen; er lächelte mich an. Ich blieb bei ihm stehen – ich musste bei ihm stehen bleiben – und lächelte zurück. „Hallo. Neu hier?“
„Ohne mich“, erklärte Bert. Trolley und Reisetasche in den Fäusten stieg er schon die Treppe hinauf. „’Moskau’ – kommt gar nicht in Frage ...!“
„Ja.“ Der Mann nickte freundlich. „Vor einer Woche eingezogen.“ Mehr sagte er nicht. Schade – seine Stimme klang ein wenig wie die von Tom Waits; rau und tief und verrucht. Sie ging mir durch und durch; ich hätte ihr gern noch länger gelauscht.
An dieser Stimme entzündete sich sofort meine Fantasie: Der Mann vor dem offenen Briefkasten lebte gewöhnlich in der Wildnis, stellte ich mir vor; der Mann hat eine Menge Abenteuer erlebt; der Mann fotografierte Tiger am Amur, Krokodile am Nil, Orang-Utans auf Sumatra.
„Ich fliege nächstes Jahr nach Los Angeles!“ Bert stapfte bereits über die Treppe zum ersten Obergeschoss.
Ich würde gern ein paar seiner Abenteuer hören, dachte ich, schade.
„Oder nach Florida!“ Bert hatte den Augenblick des Lächelns zwischen mir und dem neuen Hausgenossen gar nicht wahrgenommen. Merkte er überhaupt, dass ich ihm noch immer nicht folgte?
„Wenn du’s bezahlen kannst?“ Ich lächelte und nickte dem Mann vor seinem geöffneten Postkasten noch einmal zu – wahrscheinlich hatte mein Lächeln in diesem Moment einen genervten Zug – und wollte mich schon abwenden, da streckte er mir seine Rechte entgegen. Ich stellte meine Tasche ab und griff zu.
Warm und stark fühlte sie sich an, diese Männerhand, und ihre Wärme strömte mir durch den Arm und in meinen ganzen Körper hinein. Ich wollte ihm meinen Namen nennen, brachte aber kein Wort über die Lippen. Oben fluchte Bert vor sich hin, weil er mal wieder den Wohnungsschlüssel nicht fand.
Auch der blonde Mann nannte seinen Namen nicht, ließ aber auch meine Hand nicht los. Er spähte nach oben, wo Bert mit dem Schlüsselbund klirrte, klappte seinen Briefkasten zu und deutete mit der Linken auf den Namenszug daran. H. Bär las ich. Sein Finger fuhr über die Namen an den anderen Briefkästen und hielt über meinem Namen an: Uta Bach. Fragend zog er die blonden Brauen über seinen blauen Augen hoch.
„Wo bleibst du denn?“ Berts genervte Stimme aus dem ersten Stock; endlich hatte er die Wohnungstür aufgeschlossen.
Ich sah dem Mann namens H. Bär ins stoppelbärtige Gesicht und nickte. Ganz schüchtern fühlte ich mich auf einmal; das ist sonst nicht meine Art. Unter meinem Zwerchfell schien ein großer Vogel mit den Flügeln zu schlagen.
Der Mann gab meine Hand frei, ich drehte mich um. Schnell weg! Schnell zu Bert und zu meiner Wohnung im zweiten Stock hinauf.
*
Zu meiner Wohnung, jawohl!
Seit zwei Jahren erst wohnte Bert bei mir; Jura im sechzehnten Semester, vielleicht auch im achtzehnten. Ich glaube, er wusste es selbst nicht mehr genau.
Sein Beitrag zum gemeinsamen Haushaltsbudget war ein Witz. Ich sorgte für das Geld – damals arbeitete ich als Krankenschwester auf einer Säuglingsstation – ich kochte jeden zweiten Tag, machte die gemeinsame Wäsche und verschaffte dem Herrn Anwalt in spe den Sex, den er brauchte.
„Selber Schuld, Uta“, pflegte meine Mutter zu sagen, wenn ich mal wieder jammerte. Recht hatte sie.
Der neue Hausbewohner ging mir nicht aus dem Sinn – seine Stimme, sein Gesicht, seine Hände; ich träumte sogar von ihm.
In den Tagen nach dem Urlaub blieb ich manchmal bei den Briefkästen stehen und betrachtete seinen Namen, wie man eine rätselhafte Songzeile wieder und wieder betrachtet; dabei bestand er nur aus vier Buchstaben – H. Bär. Wie er wohl mit Vornamen hieß? Hanno? Humphrey? Hagen?
Hoffentlich nicht Heiko, so hatte Berts Vorgänger geheißen.
In meiner Fantasie malte ich mir aus, was für ein Leben der neue Hausgenosse führte, was er arbeitete.
Bestimmt ein Journalist oder ein Reiseschriftsteller; oder ein Fotograf? Ob er in einer festen Beziehung lebte? Aufmerksamer als sonst achtete ich auf die Leute, die in unserem Stadthaus ein und aus gingen. Eine fremde Frau fiel mir nicht auf.
Ich fand heraus, dass er die Mansardenwohnung unter dem Dach bewohnte. Wenn ich nun einfach an seiner Tür klingelte, um nach Zucker, Briefmarken oder Zahnstochern zu fragen? Was auch immer – irgendwann würde ich es ja zurückbringen müssen und dann, dann würde er mich zum Kaffee einladen.
Warum eigentlich nicht?
Und warum lud nicht einfach ich ihn zum Kaffee ein? Na klar – so würde ich es machen! Und einen Zuckerkuchen backen! Auf die naheliegendsten Ideen kommt man meistens zuletzt, dabei sind es in der Regel die besten. Ich begann also, eine Einladung zu schreiben. Nach dem siebten Versuch gab ich es auf.
Ich lieh mir keinen Zucker aus, ich lud ihn nicht zum Kaffee ein, backte auch keinen Kuchen. Nichts tat ich. Die verdammte Schüchternheit! Ich traute mich einfach nicht.
Die Wochen nach dem Urlaub verschanzte Bert sich in seinem Zimmer hinter seinem Schreibtisch. Eine Prüfung stand an. Die dreiundsiebzigste oder so. Und ich pflegte meine Säuglinge und lernte Russisch. Nächstes Jahr nach Moskau, das war klar. Wenn der Herr Anwalt in spe partout nicht mitkommen wollte, dann eben ohne ihn. Eigentlich war auch das schon klar.
Manchmal, wenn ich Schritte im Treppenhaus hörte, klopfte mein Herz. Dann lief ich zu den Postkästen hinunter oder tat, als hätte ich etwas im Keller zu erledigen.
Verrückt.
Doch ich sah ihn selten, leider – dieser Abenteurer schien ein sehr unregelmäßiges Leben zu führen. Und wie sollte er auch ein regelmäßiges Leben führen als Reiseschriftsteller oder als Fotograf am Nil oder am Amur?
Wenn wir uns dennoch zufällig begegneten, vor dem Haus oder im Supermarkt nebenan, blieb er jedes Mal bei mir stehen, lächelte und sagte irgendetwas Nettes. Ich selbst gab mich einsilbig – vor lauter Nervosität.
Kein Wunder, lud er mich nicht zum Kaffee ein.
Manchmal – beim Babywickeln auf der Säuglingsstation, oder über meinen Russischlektionen – spürte ich seine Hände auf meiner Haut. Und woran dachte ich, wenn Bert und ich aus purer Gewohnheit doch einmal mit einander ins Bett gingen?
An H-Punkt Bär, ganz genau.
An seine blauen Augen und seine starken Hände, wenn ich auf Bert ritt und er meine Brüste festhielt; an seine raue Stimme und seine stoppelbärtigen Wangen, wenn ich mich unter Bert in den Leintüchern räkelte.
Kein Zweifel: Es hatte mich erwischt.
Richtig erwischt.
Bert zog aus, als ich ihn nicht mehr in mein Bett ließ. Ich war überrascht, wie sehr es mich erleichterte.
*
Nicht lange danach klingelte eines Nachmittags das Telefon. Ich saß mit meinem Russisch-Buch auf dem Balkon, und in der Küche rumpelte meine alte Waschmaschine. Ich lief in die Diele zum Telefontisch – und trat in eine Wasserlache.
Ein breites Rinnsal floss aus der Küche.
„Mist!“
Die Küche stand schon halb unter Wasser. Ich tastete die Rückseite der Waschmaschine ab. Der Zulaufschlauch war undicht. Berts Stimme quäkte vom Anrufbeantworter. Das passte!
Schnell zur Spüle und den Hahn für den Wasserzulauf abdrehen! Hektisch schraubte ich daran herum, schraubte und schraubte – doch der verdammte Zulaufhahn ließ sich nicht mehr schließen.
„Überdreht! Scheiße!“
Zum Telefon und die Nummer des nächstbesten Klempners gewählt. „Schnell!“ Ich glaube, ich schrie in den Hörer. „Meine Küche steht unter Wasser!“
Zwei, drei Stunden könne es schon dauern, nuschelte eine gelangweilte Männerstimme, und ich solle einfach den Haupthahn unter der Spüle abdrehen.
Ich legte auf. „Idiot!“
Das Wasser hatte schon die Schwelle der Wohnungstür erreicht. Schimpfend rollte ich ein Saunatuch zusammen, riss die Tür auf und legte die breite Stoffrolle zwischen Türschwelle und Fußabtreter. Unten im Treppenhaus hörte ich Schritte.
Zurück in die Küche und zur Spüle. Einfach den Haupthahn abdrehen also, na gut ...
Ich ging in die Hocke, riss die beiden Türen unter der Spüle auf, starrte in ein Dickicht aus Spraydosen, Putzmittelbehältern, Schläuchen, Töpfen und leeren Weinflaschen – der verdammte Haupthahn war nirgends zu sehen.
„Und das am freien Tag!“ Ich knickte den Zulaufschlauch ab und verfluchte alle Klempner dieser Welt.
„Brauchen Sie Hilfe?“ Ein Mann stand auf einmal im Türrahmen der Küche. Nicht der Klempner – H-Punkt Bär.
Ich traute meinen Augen kaum, mein Herz geriet ins Stolpern.
Er trug einen grauen Jogginganzug mit dunklen Schweißflecken auf der Brust und unter den Achseln. Schweißperlen glänzten auf seiner Stirn. „Himmel!“, rief er und lachte. „Kleine Sturmflut, oder was?“
Gott, diese Stimme! Diese tiefe und raue Männerstimme! Ich glaube, ich starrte ihn an wie eine Erscheinung.
„Der Zulaufhahn ist überdreht.“ Endlich wollten mir die Worte über die Lippen. „Und der Schlauch leckt.“ Beides erschien mir auf einmal vollkommen gleichgültig. Meine Wut war wie weggeblasen, mein Herz schlug höher.
„Ich hole meinen Werkzeugkasten.“ Er drehte sich um und lief hinauf in seine Wohnung. Gott, war ich aufgeregt!
Tapfer hielt ich den geknickten Zulaufschlauch fest und wartete. Das Herz klopfte mir im Hals, und ich beglückwünschte mich zu meiner alten Waschmaschine mit ihrem porösen Schlauch.