Tage, die aus dem Kalender fallen - Hinrich Matthiesen - E-Book

Tage, die aus dem Kalender fallen E-Book

Hinrich Matthiesen

4,8

Beschreibung

Thomas Weppler, Wachsoldat an der deutsch-deutschen Grenze, hat es unterlassen, auf einen Flüchtenden zu schießen. Er wird angeklagt und während des Verfahrens erinnert er sich an die schicksalhaften Apriltage 1945 an der Ostsee, als seine Geliebte zusammengeschossen wurde. Ein Ereignis, das ihn für immer prägte. Ein beeindruckendes Buch über ein deutsches Schicksal zu Zeiten des geteilten Landes und ein bewegender Appell an die Menschlichkeit. 'Matthiesen ist für seine genauen Recherchen bekannt. Seine Bücher weichen nicht einfach in exotische Abenteuer aus, sondern befassen sich immer wieder mit deutscher Vergangenheit und Gegenwart. Unterhaltsam sind sie allemal. ' FAZ-Magazin Der Roman erscheint im Rahmen der Hinrich Matthiesen- Werkausgabe seiner Romane in 31 Bänden.

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Hinrich Matthiesen

 

Jahrgang 1928, auf Sylt geboren, wuchs in Lübeck auf. Die Wehrmacht holte ihn von der Schulbank. Zurück aus der Kriegsgefangenschaft, studierte er und wurde Lehrer, viele Jahre davon an deutschen Auslandsschulen in Chile und Mexico. Hier entdeckte er das Schreiben für sich.

1969 erschien sein erster Roman:MINOU. Dreißig Romane und einige Erzählungen folgten. Die Kritik bescheinigte seinem Werk die glückliche Mischung aus Engagement, Glaubwürdigkeit, Spannung und virtuosem Umgang mit der Sprache. Die Leser belohnten ihn mit hohen Auflagen.

Immer stehen im Mittelpunkt seiner Romane menschliche Schicksale, Menschen in außergewöhnlichen Situationen. Hinrich Matthiesen starb im Juli 2009 auf Sylt, wo er sich Mitte der 1970er Jahre als freier Schriftsteller niedergelassen hatte.

 

»Zum literarischen Markenzeichen wurde der Name Matthiesen nicht zuletzt durch die Kunst, in eine pralle Handlung Aussagen zu verweben, die außer dem aktuellen stets auch einen davon unabhängigen Bezug haben. Gedankliche Strenge, sprachliche Disziplin und ein offensichtlich unauslotbarer  verbaler Fundus lassen Matthiesen zu einem Kompositeur in Prosa werden.«

Deutsche Tagespost

 

»Matthiesen ist zu beneiden um seine Fähigkeiten: Kompositionstalent, menschliche Einfühlung, scharfe Beobachtungsgabe – und vor allem um seinen Stil«

Deutsche Welle

 

»Matthiesen ist für seine genauen Recherchen bekannt. Seine Bücher weichen nicht einfach in exotische Abenteuer aus, sondern befassen sich immer wieder mit deutscher Vergangenheit und Gegenwart. Unterhaltsam sind sie allemal.«

FAZ-Magazin

Werkausgabe Romane Band 3

Herausgegeben von Svendine von Loessl

 

 

 

Der Roman

 

Thomas Weppler, Wachsoldat an der deutsch-deutschen Grenze, hat es unterlassen, auf einen Flüchtenden zu schießen. Er wird angeklagt und während des Verfahrens erinnert er sich an die schicksalhaften Apriltage 1945 an der Ostsee, als seine Geliebte zusammengeschossen wurde. Ein Ereignis, das ihn für immer prägte.

Ein beeindruckendes Buch über ein deutsches Schicksal zu Zeiten des geteilten Landes und ein bewegender Appell an die Menschlichkeit.

 

 

Titelverzeichnis der Werkausgabe in 31 Bänden am Ende des Buches.

 

HinrichMatthiesen

Tage,

die aus dem

Kalender fallen

Roman

 

::::

 

BsB

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Werkausgabe Romane

Herausgegeben von Svendine von Loessl

Band 3

Alle Rechte vorbehalten

1.

Die beiden Männer standen seit Mitternacht auf dem Turm. Es war kurz nach eins, und Thomas Weppler, der ältere der beiden, war müde. Aber er hörte sich geduldig an, was der jüngere, der kaum zwanzig Jahre alt war, ihm zu erzählen hatte. Es war Neumond, und die beiden sahen von der Landschaft immer nur die kleinen Stücke vor sich, die die gleißenden Arme der Scheinwerfer aus dem Dunkel herausgriffen, und auch das nur für Sekundenbruchteile. Es reichte nicht einmal, dass Bäume und Büsche Konturen gewannen, aber die Männer kannten jeden Baum und jeden Busch, sie hatten sie hundertmal bei Tage gesehen.

»Ich gehe nachher zu ihr«, sagte Bernd Vossen. »Sie wartet auf mich. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man weiß, dass eine wartet.«

»Gewiss«, antwortete Thomas Weppler. »Man denkt immer dran. Man malt sich aus, wie es sein wird, und dann ist es nicht so schwer, hier herumzustehen. Man denkt an nachher wie an einen Lohn, obwohl das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.«

»Du hast recht. Ein Lohn. Und eigentlich hat sie doch etwas mit meinem Dienst zu tun, denn wenn ich nicht hierher abkommandiert worden wäre, hätte ich sie nicht kennengelernt. Sie arbeitet in der Landwirtschaft, da hinten.«

Vossen wies mit dem Daumen über die Schulter, aber Weppler sah die Bewegung nicht, er fragte: »Wie weit?«

»Acht Kilometer.«

»Da hast du noch einen weiten Weg heute Nacht.«

»Das macht nichts. Sie hat auch immer etwas zu essen, wenn ich komme.«

»Wie sieht sie aus?«

»Sie ist blond und trägt ihr Haar meistens in einem Knoten, und obenherum ist sie gut ausgewuchtet. Das ist wichtig für mich, ich nehme immer gern ein volles Pfund in die Hand, am liebsten zwei Pfunde auf einmal. Ich weiß nicht, wie du darüber denkst. Du bist doppelt so alt wie ich, und mit Vierzig denkt man darüber vielleicht anders.«

»Natürlich. Pfunde. Das gehört dazu. Aber für mich ist wichtig, was dahinter sitzt, und wenn das in Ordnung ist, können es von mir aus auch halbe Pfunde sein.« Weppler wandte sich zur Seite. Er starrte ins Dunkel, gähnte und rückte den Karabiner zurecht, den er rechts geschultert hatte. Er zog den Riemen straff und spürte den leichten Druck auf dem Rücken. Es geschah oft, dass er sich den harten Gewehrlauf gegen das Schulterblatt presste, indem er die Hand mit dem Riemen nach vorn schob. Er tat es gedankenlos, so wie andere mit der Zunge ihre kranken Zähne abtasten, ohne wirklich prüfen zu wollen, ob die Löcher noch da sind; eine Angewohnheit ohne Belang. So war Weppler das Loch unter seinem rechten Schulterblatt schon zur Gewohnheit geworden. Er nahm es kaum noch wahr, dass der Karabiner nicht durchgehend anlag am Rücken, sondern nur oben ein Stück und unten ein Stück. Dazwischen, etwa auf einer Handbreite, lag er nicht an, weil nichts da war. Da war seine Wunde. Sie war tief, geformt wie ein Trichter. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt, und im Laufe dieser Zeit war eine Handvoll Mädchen erschrocken gewesen beim Anblick der bläulich glänzenden Narbe. Eine Handvoll, mehr nicht in fünfundzwanzig Jahren. Bei keiner von ihnen hatte die an seiner Seite verbrachte Zeit ausgereicht, sich an das abstoßende Bild zu gewöhnen, zu dem noch ein Pendant gehörte, das vorn saß, auf der Brust, und das kleiner war, obwohl es am Anfang furchtbarer ausgesehen hatte als die Rückenwunde, aber es war besser vernäht worden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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