Tango wider Willen - Nicola Cameron - E-Book

Tango wider Willen E-Book

Nicola Cameron

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Beschreibung

Rory MacLellan alias der Highlander ist der erfolgreichste interstellare Kunsträuber der bekannten Welten. Dummerweise besitzt er allerdings auch ein Gewissen. Als er bei seinem letzten Job auf einen lebensmüden Museumsangestellten trifft, bleibt ihm daher keine andere Wahl, als den Mann bewusstlos zu machen und vor dem sicheren Tod zu retten. Dr. Dmitri Grigoryev war ein aufstrebender Exo-Archäologe, bis eine katastrophale Ausgrabung seine Karriere ruinierte. Hungrig, pleite und verzweifelt ist das Letzte, was er erwartet, dass ein verwegener Dieb daherkommt, ihm das Leben rettet und ihm so seinen Selbstmord vermasselt. Als ihnen die interstellare Polizei auf den Fersen ist, tun sich Rory und Dmitri widerwillig zusammen, um einen gigantischen Kunstraub durchzuziehen. Aber wird die zwischen ihnen brodelnde gegenseitige Anziehung ihnen dabei im Weg stehen oder sie noch enger zusammenschweißen? Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt. Länge: rund 70.200 Wörter

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

ÜBER NICOLA CAMERON

LESEPROBE:

Tango wider Willen

Rory MacLellan alias der Highlander ist der erfolgreichste interstellare Kunsträuber der bekannten Welten. Dummerweise besitzt er allerdings auch ein Gewissen. Als er bei seinem letzten Job auf einen lebensmüden Museumsangestellten trifft, bleibt ihm daher keine andere Wahl, als den Mann bewusstlos zu machen und vor dem sicheren Tod zu retten.

Dr. Dmitri Grigoryev war ein aufstrebender Exo-Archäologe, bis eine katastrophale Ausgrabung seine Karriere ruinierte. Hungrig, pleite und verzweifelt ist das Letzte, was er erwartet, dass ein verwegener Dieb daherkommt, ihm das Leben rettet und ihm so seinen Selbstmord vermasselt.

Als ihnen die interstellare Polizei auf den Fersen ist, tun sich Rory und Dmitri widerwillig zusammen, um einen gigantischen Kunstraub durchzuziehen. Aber wird die zwischen ihnen brodelnde gegenseitige Anziehung ihnen dabei im Weg stehen oder sie noch enger zusammenschweißen?

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene mit explizitem Inhalt.

Länge: rund 70.200 Wörter

NICOLA CAMERON

Tango wider Willen

Ein homoerotischer Liebesroman für Erwachsene

ME AND THE MUSE PUBLISHING

www.meandthemuse.com

Copyright © der englischen Originalausgabe „Stealing Dmitri (Two to Tango)“: Nicola Cameron

Copyright © der deutschsprachigen Ausgabe und veröffentlicht von:

Me and the Muse Publishing – Sage Marlowe

Hohenstaufenring 62, 50674 Köln, 2019

Copyright © Cover Design: Sinfully Sweet Designs

URHEBERRECHTLICH GESCHÜTZT:

Dieses Buch darf ohne vorherige eindeutige schriftliche Zustimmung des Urheberrechtsinhabers in keinerlei Form, weder ganz noch auszugsweise, vervielfältigt und / oder vertrieben werden. Dies beinhaltet auch die elektronische und fotografische Vervielfältigung sowie zukünftig entwickelte Methoden. Ebenso ist die kostenlose Weitergabe dieses Buches, beispielsweise über sogenannte File-Sharing Sites ausdrücklich untersagt.

Mit dem Erwerb eines E-Books erhält der Käufer die Lizenz zur persönlichen Nutzung, ist jedoch nicht zur Weitergabe des Inhaltes an Dritte, weder gegen Entgelt noch kostenlos, berechtigt.

Alle in diesem Buch vorkommenden Personen und Handlungen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit zu realen, lebenden oder verstorbenen Personen ist rein zufällig. Sofern Namen real existierender Personen, Orte und Marken verwendet werden, geschieht dies in einem rein fiktiven Zusammenhang.

Bitte beachten:

Einige unserer Titel enthalten Hinweise auf und Beschreibungen sexueller Handlungen, die möglicherweise eine Gefährdung körperlicher und geistiger Gesundheit darstellen können. Mit der Beschreibung solcher Praktiken erheben wir keinen Anspruch auf deren tatsächliche Durchführbarkeit und übernehmen keine Verantwortung für etwaige Verletzungen oder Schäden, die bei der Nachstellung solcher oder vergleichbarer Handlungen entstehen. Generell raten wir unseren Lesern davon ab, potenziell gefährliche Sexualpraktiken ohne entsprechende Sicherheitsvorkehrungen und Anleitung durch Personen mit ausreichender Sachkenntnis durchzuführen.

Kapitel 1

Rory MacLellan liebte diesen Teil eines Raubzugs.

Grinsend bewegte er sich durch den Zugangskorridor auf sein Zielobjekt zu. Das gesamte Gebäude war dunkel, abgesehen von der Notfallbeleuchtung über den Ausgängen – Lichter, die normalerweise konstant weiß leuchteten, jetzt gerade aber rot blinkten. Die Nachtsichtfunktion in seinem Head-up-Display, kurz: HUD, filterte die Gefahrenbotschaft heraus, indem es die Warnlichter in hübsche, funkelnde Sterne verwandelte.

Mithilfe des Chronometers im HUD behielt er die Zeit im Auge. In weniger als zwanzig Minuten würden sich überall im Novyy Vladivostoker Museum für Kunst und Geschichte luftdichte Feuerschutztüren schließen. Danach würde aus sämtlichen Räumen die Luft herausgesaugt und durch ein gasförmiges Sterilisiermittel ersetzt, um Ungeziefer und Bakterien zu vernichten, die den Artefakten schaden könnten. Die Tatsache, dass dieses Gas auch für Menschen tödlich war, garantierte, dass sich niemand im Gebäude aufhielt. Und das war für ihn die perfekte Gelegenheit.

Die Museumsbosse hätten sich keinen besseren Zeitpunkt für die jährliche Sterilisierung aussuchen können. Ihre neueste Ausstellung „Andere Welten – andere Götter“ würde in zwei Tagen eröffnet werden, und die Hauptattraktion war ein faustgroßer Klumpen von einem geschliffenen Opal, bekannt als das Auge der Mutter. Das Juwel war ein Heiligtum der Xituaen, einer außerirdischen Rasse. Ein unternehmungslustiger Exo-Archäologe hatte es angeblich in einem verlassenen Tempel gefunden und dann an einen Antiquitätensammler verkauft, trotz der Proteste der Xituaen. Besagter Sammler war außerdem einer der angesehensten Mäzene des Museums, daher die Leihgabe für die Ausstellung.

Die Angewohnheit des derzeitigen Besitzers, beharrliche Fragen nach der Herkunft gewisser Gegenstände zu ignorieren, war Rory genauso bekannt wie die wahre Geschichte hinter dem Verschwinden des Auges. Dass er bei diesem Raub ein Juwel stehlen würde, das sowieso gestohlen war, macht Rory nur noch mehr Spaß. Wie hieß es doch so schön: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu.

Die kniffeligen Teile hatte er bereits erledigt: ein paar unterbezahlte Orbitalbeamte für die Landeerlaubnis bestechen, seinen getarnten Gleiter auf dem Museumsdach parken und mittels einer Wurm-App eine Lücke im Sicherheitssystem des Museums öffnen. Die eigentliche Einbruchsaktion würde deutlich einfacher sein. Und deutlich mehr Spaß machen. Ein mimetischer Ganzkörperanzug mit Helm, der jedes hinter ihm befindliche Muster annahm und sämtliche Körperwärme in die Schuhsohlen lenkte, machte Rory sowohl für Standard- als auch Infrarotkameras unsichtbar. Und alles, was er zum Safeknacken und den damit verbundenen Aktivitäten benötigte, steckte sicher verwahrt in seinen Stiefelschäften.

Nun musste er nur noch zur Museumswerkstatt gehen, das elektronische Schloss aufbrechen, den dort befindlichen Safe knacken, sich das Auge der Mutter schnappen und wieder verschwinden, bevor die Sterilisierung begann. Kinderleicht.

Er grinste immer noch, als er die Werkstatttür erreichte und einen kleinen, schwarzen Zylinder mit einem gummiartigen, grauen Ende aus seinem rechten Stiefel zog. Er drückte das Gummiende gegen das Schloss und wartete, bis das Smart-Gel den elektronischen Code ausgetüftelt hatte.

Ein lautes Klicken signalisierte das Entriegeln der Tür. Er schob sie auf und schlüpfte durch den Spalt. Ein plötzliches Aufleuchten ließ ihn zusammenzucken, bevor seine Gesichtsabdeckung reagierte und das unerwartete Licht einer Arbeitslampe kompensierte.

Gottverdammt, Leute, macht eure verfluchten Lampen aus, bevor ihr nach Hause geht. Er versuchte, das weiße Nachglühen aus seinem Gesichtsfeld zu blinzeln. „Molly, wo steht der Safe?“

„Kommt sofort, Sir.“ Das HUD blendete eine grafische Darstellung der Werkstatt in gelben Linien ein. Ein leuchtend roter Umriss in der hintersten linken Ecke zeigte den Standort des Safes an. „Darf ich daran erinnern, dass Ihnen für Ihre Beschlagnahme noch achtzehn Minuten bleiben, bevor die Sterilisierung beginnt?“

„Ich weiß.“ Der Countdown in der unteren linken Ecke des HUD ließ sich nicht ignorieren. Keine Zeit zu warten, bis sich seine Augen wieder erholten. Immer noch blinzelnd schlich er zum Safe hinüber.

„Ihr Anzug wird Sie vor dem Gas schützen, aber sämtliche Ausgänge werden sich automatisch versiegeln, und ich werde nicht mehr in der Lage sein, die Ausstiegsluke im Dach zu öffnen.“

„Ich weiß.“ Er zog einen kleinen, elektronischen Codebrecher aus seinem anderen Stiefel und schloss ihn an das Tastenfeld des Safes an. Der Apparat ging in Aktion.

„Sie werden da wie auf dem Präsentierteller sitzen, wenn die Museums-Security morgen zurückkommt.“

„Molly, hör auf, mir zu erzählen, was alles schiefgehen kann.“

Ein Moment gesegneter Stille. „Tut mir leid, Sir.“

Der Codebrecher leuchtete grün auf, und die Schließriegel des Safes schnappten auf. Rory schüttelte den Kopf. Die künstliche Intelligenz seines Schiffes gehörte zum Besten, was es in dem Geschäft gab und war so etwas wie sein bester Freund, aber manchmal ging sie ihm echt auf die Nüsse. „Ich mach’ jetzt den Safe auf.“

* * * *

Dr. Dmitri Grigoryev saß an seinem Arbeitsplatz und ignorierte die Kopfschmerzen und das schmerzhafte Knurren in seiner Körpermitte. Er hatte gehofft, dass einige seiner Kollegen vielleicht etwas zu essen im Aufenthaltsraum gelassen hätten. Er wäre sogar mit einer Tüte Chips oder einem alten Sandwich zufrieden gewesen. Aber sie hatten wegen der Sterilisierung alles leergeräumt.

Dann würde er eben hungrig sein. Zumindest nicht mehr für lange. Danach liegt es in Gottes Hand. Vorausgesetzt, dass, welche Gottheit auch immer oder überhaupt existierte, mit jemandem wie ihm Erbarmen hatte.

Er überprüfte noch einmal seinen Arbeitsplatz, aber da gab es nichts mehr aufzuräumen. Jedes Werkzeug war an seinem Platz und bereit für die nächste Arbeitsbiene, die hier sitzen und der mühevollen Aufgabe nachgehen würde, außerirdische Antiquitäten zu reinigen und zu restaurieren. Seinen Spind hatte er bereits leergeräumt, und seine Selbstmorderklärung war im Computersystem gespeichert, sodass sie morgen früh um sechs an den Museumsdirektor geschickt werden würde. Lange, nachdem das Gas sein Werk getan hatte.

Natürlich würde es eine Untersuchung geben, um herauszufinden, wie er in das Gebäude gelangen konnte. Die Securityleute hatten das komplette Gebäude durchkämmt, um sicherzugehen, dass nicht irgendwelche Nachzügler versehentlich eingeschlossen wurden. Zu seinem Glück hatte ihm ein nachlässiger (und zugegebenermaßen nicht gerade heller) Wachmann irgendwann mal gezeigt, wie man reinkam, ohne dass der Alarm losging. „Ich bin es leid, euch jedes Mal zu retten, wenn ihr euch selbst ausgesperrt habt“, hatte der Wachmann schmunzelnd gesagt. „Lass dich nächstes Mal einfach selbst wieder rein, okay?“

Natürlich hatte er eine kleine Gegenleistung für den Türcode verlangt. Dmitri hatte seinen Selbstekel heruntergeschluckt und es einfach getan. Verglichen mit den letzten drei Jahren machte ein schneller Fick in der Ladezone jetzt auch nichts mehr, hatte er sich selbst gesagt. Und der Wachmann hatte hinterher sogar ein Sandwich mit ihm geteilt. Manchmal fand er es sogar schade, dass der Mann kurz darauf geheiratet und das Museum verlassen hatte. Gott wusste, dass er das kostenlose Essen hätte gebrauchen können.

Er fragte sich abwesend, ob er sonst noch jemanden von seinem bevorstehenden Tod in Kenntnis setzen sollte. Seine Familie … nein. Für die war er ohnehin schon tot. Und er hatte keine wirklichen Freunde. Er spielte mit dem Gedanken, eine Kopie seines Abschiedsbriefes an Joss und Helene zu schicken, entschied sich aber dagegen. Sie würden nur erleichtert darüber sein, dass er tot war. Und das Letzte, von dem er wollte, dass sie es fühlten, war Erleichterung.

Etwas lief feucht an seiner Wange herunter. Er brauchte einen Moment, um zu begreifen, dass er weinte. Das machte keinen Sinn. Er fühlte sich innerlich völlig taub, warum sollte er also weinen?

Er wischte sich mit dem Ärmel über die Augen. Der billige Stoff seines Overalls verteilte das Wasser eher als es aufzusaugen. Sein Magen wählte diesen Augenblick, um nochmals heftig zu rumpeln und erinnerte ihn daran, dass er seit gestern nichts mehr gegessen hatte.

Es spielte keine Rolle. Noch ein paar Minuten, dann würde er sich um nichts mehr Sorgen machen müssen. Er holte tief Luft und versuchte sich vorzustellen, wie es sich anfühlen mochte, wenn das brennende Gas in seine Lungen strömte. Würde es sich anfühlen wie Ertrinken oder so, als würde man Feuer einatmen? Und wie lange würde es dauern, bis er starb?

Er war so sehr mit Gedanken an seinen bevorstehenden Tod beschäftigt, dass er das leise Geräusch hinter sich erst gar nicht bemerkte. Dann hörte er einen zweiten Laut, ein metallisches Schnappen.

Er drehte sich in seinem Stuhl herum und starrte an die billigen Trennwände zwischen den Arbeitstischen und den Reinigungsbereichen für größere Objekte und dem Werkstatttresor, einem ansehnlichen, begehbaren Safe, der ganz hinten in der Ecke stand. Der Tresor wurde benutzt, wenn sehr seltene Gegenstände zur Restauration herkamen oder für Ausstellungen vorbereitet wurden.

War da nicht gerade etwas für die kommende Ausstellung drin? Das Auge von irgendwas? Er hatte an diesem Morgen über die Schulter des Ausstellungsmanagers einen Blick darauf erhascht: ein riesiger, geschliffener Opal, der im Licht der Neonröhren an der Decke in allen Farben des Regenbogens geleuchtet hatte. Er hatte sich sogar kurz dem Tagtraum hingegeben, ihn zu stehlen und einen Hehler zu finden, der ihm genug Kredits dafür gab, um den Planeten verlassen zu können und zum Äußeren Ring zu fliehen. Bei meinem Glück würden mich die Bullen einholen, bevor ich auch nur einen Fuß auf ein Schiff setze.

Und dann der bittere Nachsatz: Aber wenigstens wäre Papa stolz auf mich.

Ein weiteres metallisches Geräusch. Stirnrunzelnd erhob er sich, ging zu den Trennwänden und sah um die Ecke. Die Reinigungsbereiche waren schlecht beleuchtet, und seine Augen waren noch an das Licht seiner Arbeitslampe angepasst.

Aber die Tresortür konnte er gut genug sehen, um festzustellen, dass sie geschlossen war.

Idiot. Offenbar hatte er sich nur etwas eingebildet. Wahrscheinlich kam das vom Hunger und der leichten Benommenheit. Er wandte sich um, um an seinen Arbeitstisch zurückzukehren.

Dann aber drehte er sich wieder zurück. Dort an der hinteren Wand hatte sich etwas bewegt. Ein undeutlicher Umriss, fast so wie das Schwirren der Luft an einem heißen Tag.

Ein menschlicher Umriss.

Er erinnerte sich an den Sicherheitslehrgang von seinem ersten Tag im Museum, und dass Kunsträuber sich mimetischer Technologien bedienten, um in Gebäude einzubrechen und Artefakte zu entfernen. Natürlich würde ein Dieb die Zeit unmittelbar vor einer Sterilisierung nutzen, um etwas zu stehlen.

Eine Welle adrenalingesättigter Empörung durchflutete ihn, und seine akademische Ausbildung bäumte sich mit einem Keuchen noch ein letztes Mal auf. Du gieriger Mistkerl. Konntest du mich nicht in Frieden sterben lassen?

Er ballte seine Hände zu Fäusten. Na gut. Wenn er schon an diesem elenden Ort sterben würde, dann konnte er wenigstens noch eine diebische Ehrenwache mit sich nehmen.

* * * *

Rory wog den großen Opal bewundernd in der Hand, bevor er ihn in die mimetische Tasche an seiner Hüfte gleiten ließ. Es war wirklich ein schönes Stück, selbst durch den Nachtsichtmodus betrachtet, was das Spiel der regenbogenfarbenen Lichter in dem Stein dämpfte. Mit etwas Glück, überlegte er vergnügt, hatte der zwielichtige Besitzer einen Wucherpreis dafür bezahlt und würde vor der Versicherungsfirma blank ziehen müssen, um den Verlust auszugleichen.

Er schloss den Safe und wollte gerade gehen, als ein heiseres Gebrüll ihn erschreckte. Er drehte sich um, und sein Helm brauchte kostbare Millisekunden, um sich dem verdammten Licht anzupassen.

Dann sah er einen Mann auf sich zustürmen. Was zum Henker?

Dank antrainierter Reflexe konnte er zur Seite springen und den Angreifer mit einem ausgestreckten Bein zu Fall bringen. Der Mann ging unter kehligem Geschrei und in einem propellerartigen Durcheinander zu Boden.

Ich hab’ für sowas keine Zeit. Er zog eine Dose Betäubungsspray aus seinem Stiefel und besprühte das Gesicht seines Angreifers. Die Augenlider des Mannes flatterten und schlossen sich, dann sackte er bewusstlos zusammen.

Rory fluchte vor sich hin, als er die hässliche, grüne Arbeitsmontur des Museumspersonals erkannte. Das Gebäude sollte menschenleer sein, verdammt! Will dieser Idiot etwa sterben?

Er griff nach dem Hinterkopf des Mannes, hob sein Gesicht an und sog anerkennend den Atem ein. Nun seht euch das an. Der Idiot ist hinreißend. Warum muss er nur so hinreißend sein?

Selbst in bewusstlosem Zustand und leicht sabbernd war sein Angreifer unbestreitbar gutaussehend, mit hohen Wangenknochen, einem markanten Kiefer und sündhaft vollen, küssbaren Lippen. Ein leichter Siebzehn-Uhr-Bartschatten begann sich auf der blassen Haut abzuzeichnen, und der Schopf dunkler Haare in Rorys Faust fühlte sich seidenweich an. Vorsichtig hob er mit dem Daumen ein Augenlid an und überprüfte die Pupillen. Die Iris darum herum schien blau zu sein, aber das war schwer zu sagen bei Nachtsicht. Dunkles Haar, blaue Augen. Meine Lieblingskombination. Mist, Mist, Mist.

„Sieben Minuten, Sir.“

„Gottverdammt!“ Für den Weg zurück zum Dach würde er mindestens fünf Minuten brauchen, und Mister Hinreißend hier würde aus eigener Kraft für die nächste halbe Stunde nirgendwohin gehen. Ich mag ein Dieb sein, aber ich will verdammt sein, wenn ich mir einen Mord zuschulden kommen lasse.

Mit einem Grunzen beugte Rory sich herunter und warf sich den Kerl wie ein Feuerwehrmann über die Schulter. „Rückweg, Molly.“

„Ja, Sir.“ Im HUD leuchteten eine Reihe animierter Pfeile auf. Unter dem Gewicht auf seiner Schulter taumelnd folgte er ihnen.

„Sir, Ihr Gewicht entschleunigt Sie. Dürfte ich vorschlagen –“

„Nein, darfst du nicht“, knurrte er.

Unter seinem Ganzkörperanzug sammelte sich Schweiß, und seine Muskeln schworen ihm schon jetzt Vergeltung für das ungewohnte Workout. Er biss die Zähne zusammen und stieg zwei Treppen hinauf. Als er in den Wartungsraum platzte, der zum Dach führte, schrien seine Oberschenkelmuskeln geradezu.

„Falls Sie es sich zur Gewohnheit machen wollen, Ihren Rückzug während einer Beschlagnahme mit Personen zu belasten“, sagte die KI, „dürfte ich dann vorschlagen, dass Sie das Pensum Ihrer körperlichen Trainingseinheiten erhöhen? Ihre Herzschlagrate ist inakzeptabel hoch.“

„Nicht … belasten mit …“, keuchte Rory und kämpfte sich die schräge Leiter nach oben, bis er in der getarnten Röhre stand, die mit seinem Gleiter verbunden war. Er schloss die Dachluke mit einem Tritt, dann stolperte er in die hintere Luftschleuse seines Schiffes. „Retten. Fertigmachen zum Start.“

Rory dachte noch darüber nach, wo er Mister Hinreißend sicher abladen konnte, als auch schon die Röhre mit einem saugenden Geräusch eingezogen wurde. Im nächsten Moment schloss sich die Luftschleuse und führte den Schaltzyklus durch. Er drehte sich um und sah, wie im Cockpit sämtliche Startanzeiger aufleuchteten. „Verdammt, Molly, Ich sagte fertigmachen, nicht schon starten“, bellte er. „Ich muss noch diesen Kerl irgendwo abladen.“

„Keine Option, Sir“, sagte die KI. „Ich fürchte, die Orbitalbeamten, die Sie bestochen haben, sind nicht bestochen geblieben. Ich lokalisiere drei örtliche Polizeishuttles, die auf dem Weg zu unserer Position sind.“

„Oh, Scheiße.“ Rory stolperte unbeholfen vorwärts und lud den Mann auf dem Passagiersitz ab, dann fiel er selbst in den Pilotensitz und ließ die Sicherheitsgurte sich um seinen Körper schließen. Kein Mord, nur Kidnapping. Klar, das wird ein Spaß.

Aber es war immer noch besser als den Idioten im Museum zurückzulassen, wo er ersticken würde. „Lass ihn fest angeschnallt, Mol“, befahl er. „Und bring uns in die Luft.“

„Ja, Sir.“

* * * *

Das Erste, was Dmitri auffiel, als er das Bewusstsein wiedererlangte, war der eklige Geschmack in seinem Mund. Er schmatzte ein paarmal versuchshalber und verzog das Gesicht über die Schicht klebrigen Zeugs, die seine Zähne und seine Zunge bedeckte.

„Trockener Mund vom Spray“, sagte eine Tenorstimme. „Das hier wird helfen.“

Etwas Kühles und Rundes berührte seine Lippen, und dann schmeckte er Wasser. Er trank gierig und ließ etwas von dem Wasser aus den Mundwinkeln und über sein Kinn laufen.

Der Tenor kicherte. „Langsam, Doc. Es gibt noch mehr da, wo das herkommt.“

Wer ist das? Er öffnete seine Augen und sah einen hellen Schleier mit einem dunklen Umriss in der Mitte. „Kann nichts sehen“, krächzte er.

„Versuch, ein paarmal zu blinzeln.“

Das tat er. Der Schleier löste sich und verwandelte sich in etwas, das wie eine kleine Krankenstation auf einem Schiff aussah. Der dunkle Umriss entpuppte sich als eine Person, die neben seinem Bett stand.

Er blinzelte erneut, dieses Mal ungläubig. Der umwerfendste Mann, den er seit langem gesehen hatte, lächelte auf ihn herab. Funkelnde, graue Augen, ein aberwitzig sinnlicher Mund und ein Grübchenkinn, darüber ein perfekt zerzauster Schopf dunkelbrauner Haare. Bozhe moi. Wenn er hier der Arzt ist, dann sollte ich öfter krank werden.

Nur dass der Arzt nicht wie ein Arzt gekleidet war. Stattdessen trug er ein tailliertes, dunkelblaues T-Shirt über einem Oberkörper, den man in der Skulpturen-Abteilung des Museums hätte ausstellen können.

Dmitri warf einen Blick nach weiter unten. Und … einen Kilt?

Der Nicht-Arzt lächelte breiter und sah an sich selbst herab. „Ich weiß, das ist nicht die übliche Schiffsuniform, aber es ist bequem. Und es ist der Tartan meines Clans“, sagte er in gedehnter Standardsprache. „Also, wie fühlst du dich?“

Wie aufgebrühte Scheiße. Dmitri betrachte das – ja, es war ein medizinisches Bett, und das Kopfteil war aufgerichtet. Aus einem transparenten Schlauch an der Seite, der in seinem Arm steckte, wurde etwas in seine Venen gedrückt. „Was ist das?“

„Glukose-Tropf. Ich hatte mir Sorgen gemacht, als du nach dreißig Minuten immer noch nicht von dem Betäubungsgas runter warst. Stellte sich heraus, dass dein Blutzucker im Keller war. Wann hast du zuletzt etwas gegessen?“

Weitere Erinnerungen brachen an die Oberfläche und schulterten die Frage zur Seite. Die Gestalt, die er in der Werkstatt gesehen hatte. Zu Fall gebracht worden zu sein. Dann die plötzliche Wolke aus etwas Ätzendem und Medizinischem. „Warte. Du bist ins Museum eingebrochen?“

„Ja“, sagte der Mann gut gelaunt. „Tut mir leid, dass ich dich eingesprüht habe, aber in Anbetracht der Tatsache, dass der ganze Laden jeden Augenblick sterilisiert werden würde, hatte ich keine Zeit, um mit dir zu kämpfen. Was zum Henker hast du überhaupt da gemacht?“

Dmitri leckte sich über die Lippen und versuchte, ein bisschen Speichel zusammenzubekommen. „Geht dich nichts an. Was hast du da gemacht?“

Der Mann grinste ihn nur an und hielt ihm erneut das Glas hin, sodass er einen Schluck nehmen konnte. „Hab’ was gestohlen. Und dir nebenbei das Leben gerettet. Du musst mir jetzt nicht danken oder so.“

Dmitri verschluckte sich beinahe an dem Wasser. Ein Dieb. Ich wurde von einem Dieb gerettet. Oh, das ist einfach nur super. „Gut. Werde ich nicht“, sagte er schließlich, nachdem er geschluckt hatte.

„Hm.“ Der Mann verengte die Augen. „Der Countdown war bei T minus sieben Minuten, als ich auf dich gestoßen bin. In dieser kurzen Zeit hättest du es auf keinen Fall noch runter bis ins Parterre und nach draußen geschafft. Aber ich fange an zu glauben, dass das auch gar nicht dein Plan war, stimmt’s?“

Dmitri fühlte, wie sein Gesicht heiß wurde. „Du weißt nicht das Geringste darüber“, murmelte er und versuchte, die Arme vor der Brust zu kreuzen, zuckte aber zusammen, als er an dem intravenösen Schlauch hängenblieb.

Der Dieb hob eine Schulter. „Kann schon sein. Aber ich weiß ein bisschen was über dich, Dr. Dmitri Grigoryev. Ich hab’ Molly deinen Chip scannen lassen, bevor wir auf Warpgeschwindigkeit gegangen sind. Du bist 35, Single, Gelb-Status, und du hast drei Abschlüsse von der Ganymed-Universität. Bis vor drei Jahren warst du Privatdozent für Geschichte, mit einer zusätzlichen Spezialisierung auf Exo-Archäologie.“

Vor drei Jahren. Dmitri verdrängte den Schlag in den Magen, die Schuldgefühle und den Zorn. Ein Strudel von Erinnerungen erfasste ihn: Die glitzernde Dampfwolke, die Schreie der Verwundeten und Sterbenden durch ihre Kommunikationsgeräte. Und dann die schreckliche, schreckliche Stille. „Ich nehme an, dann weißt du auch, warum ich da nicht mehr bin?“, fragte er mit rauer Stimme.

„Ja“, sagte der Dieb und klang dabei seltsam mitfühlend. „Die van der Waals-Ausgrabung auf P. Centauri III. Sieh mal, ich kenne deinen früheren Boss, zumindest von seinem Ruf her. Wenn es dir irgendwie ein Trost ist, du bist nicht der erste Mensch, der für ihre Fehler über die Klinge springen musste.“

Dmitri starrte auf die Schaumzellendecke, die über ihn gebreitet war. Wäre schön gewesen, das drei Jahre früher gewusst zu haben. Jetzt ist es natürlich zu spät.

„Na gut“, sagte der Dieb, so als hätte er geantwortet. „Aber das war vor drei Jahren. Was ich nicht verstehe, ist, warum du heute Abend Selbstmord begehen wolltest?“

Warum nicht antworten? Es war nicht so, als wäre noch irgendwas von seinem Stolz übrig. „Das Museum wollte mich entlassen“, sagte er. „Ich konnte nirgendwo einen neuen Job kriegen, und mein Geld war weg. Mich im Museum umzubringen, erschien mir … angemessen, nehme ich an. Wenigstens würden mich die Scheißkerle so in Erinnerung behalten.“

Der Dieb schürzte die Lippen. „Es wäre mit Sicherheit ein Statement gewesen. Natürlich wärst du dann nicht mehr da gewesen, um die Wirkung zu genießen, was irgendwie immer das Problem ist bei Selbstmord.“ Er kreuzte die Arme vor der breiten Brust und runzelte die Stirn. „Jedenfalls würde ich es begrüßen, wenn du keine Selbstmordversuche unternimmst, solange du an Bord bist. Wir werden noch weitere vier Tage auf Warp bleiben, und ich möchte dich wirklich nicht in den Kühlschrank stopfen, wenn ich nicht muss.“

„Wir werden – warte, was?“ Er fühlte die leichten Vibrationen durch das Bett, und die Atemluft hatte dieses konservierte Aroma, das sie vom Filtern und Wiederfiltern bekam. „Warp? Ich bin auf einem Schiff? Warum?“

„Weil ich keine Zeit hatte, dich irgendwo sicher abzusetzen, dank einiger hinterhältiger Grenzwachen, die die Gegenleistung für ihr Schmiergeld nicht bis zum Schluss erbracht haben. Ich musste mit dir an Bord abheben.“

Dmitri starrte ihn mit offenem Mund an. „Und jetzt entführst du mich also?“

Der Dieb vollführte eine schaukelnde Geste. „Hm, Entführung, Rettung, was auch immer. Betrachte dich als meinen Gast. Versuch nur nicht, an Molly rumzuspielen – das würde ihr gar nicht gefallen.“ Er sah auf den Monitor am anderen Ende des kleinen Raumes. „Wie auch immer, ich muss jetzt auf die Brücke. Warum versuchst du nicht, noch etwas zu schlafen? Nach gestern Nacht kannst du wahrscheinlich noch etwas Ruhe gebrauchen.“ Er wandte sich zum Gehen.

„Warte!“

Der Dieb blieb stehen. „Ja?“

Er versuchte, die tausend Fragen in seinem Kopf zu ordnen. „Wer bist du?“, stieß er hervor. „Und wohin fliegen wir? Was hast du mit mir vor? Und wer ist Molly?“

Die Miene des Diebes erhellte sich, und in seine Augen schlich sich ein entschieden alarmierendes Funkeln. „Du kannst mich Rory nennen. Wir fliegen zu meinem nächsten Ziel. Ich habe keine Ahnung, aber wir werden uns was überlegen. Und Molly“ – er deutete auf die Wände ringsum – „ist mein Schiff. Und meine Kopilotin und beste Freundin. Sie kann dir alles Weitere erklären, das du wissen musst.“

Und dann verließ der Dieb – Rory – mit einem Zwinkern und grinsend den Raum. Dmitri sackte zurück auf das Bett und starrte die Rohre an, die über ihm an der weißen Decke entlangliefen. Keine Gurte oder Fesseln, nicht mal eine provisorische Zelle. Offenbar war er von einem Verrückten gekidnappt worden.

Er räusperte sich. „Äh … Molly?“

„Ja, Dr. Grigoryev?“, sagte eine sanfte Sopranstimme.

Die Stimme kam aus den Lautsprechern, die in die Decke eingelassen waren. Nun, sie ist immerhin die Schiffs-KI. „Äh, hallo. Ähm … wohin fliegen wir?“

„Zum Raumfahrtzentrum auf Sagan, für Versorgungsnachschub.“

Er verdaute kurz die Information. „Und Rorys Nachname ist …?“

„MacLellan. In Anbetracht Ihrer beruflichen Laufbahn kennen Sie ihn jedoch möglicherweise besser unter seinem professionellen Titel: der Highlander.“

Dmitri machte große Augen. Jeder in der Kunst- und Antiquitätenwelt kannte – und fürchtete – diesen Namen. „Bozhe moi! Das ist der Highlander?“

„In der Tat, Doktor. Obwohl ich anregen möchte, dass Sie Ihre Reaktion ein wenig zügeln, wenn Sie es ihm gegenüber erwähnen. Er hat jetzt schon ein ziemliches Ego-Problem.“

Das überraschte ihn nicht im Geringsten. Er blinzelte und betrachtete den intravenösen Zugang in seinem Arm. „Muss das noch drinbleiben?“

„Ich würde es empfehlen, vielleicht noch ein, zwei Stunden. Ihr Blutzucker war gefährlich niedrig und Sie zeigten Symptome von Unterernährung. Wenn ich so frei sein darf, Sirs Vorschlag, noch ein wenig zu schlafen, ist medizinisch begründet. Ich kann Ihnen versichern, dass Sie hier sicher sind.“

Nicht, dass er einer künstlichen Intelligenz, die jemandem wie dem Highlander gehörte, sonderlich traute. Aber er konnte im Augenblick sowieso nichts tun. Die nächsten paar Tage würden sie im Warp sein, aus dem normalen Weltraum ausgesperrt, bis der Sprung endete. Und selbst wenn er sich damit überhaupt gut genug auskennen würde, um etwas zu unternehmen, bezweifelte er, dass er jemanden wie Rory MacLellan überwältigen und das Schiff übernehmen konnte.

Seine Augenlider fühlten sich plötzlich schwer an, und er blinzelte heftig. Eine dicke Schicht Baumwolle legte sich über seine Gedanken. Er fühlte, wie ihn der Schlaf übermannte. „Molly, gibst du mir irgendwelche Schlafmittel?“

„Entspannen Sie sich einfach, Doktor. Sie werden sich viel besser fühlen, wenn Sie aufwachen.“

„Aber ich muss wissen …“ Wann würde MacLellan ihn gehen lassen? Wie sollte er wieder nach Hause kommen?

Bevor er noch etwas sagen konnte, hüllte ihn Dunkelheit ein.

* * * *

„Dr. Grigoryev schläft jetzt, Sir.“

„Danke, Molly.“ Rory studierte eine schematische Darstellung auf dem Monitor vor dem Pilotensitz. Er studierte Ausgänge und Punkte, die als Ausgang benutzt werden konnten, falls nötig. Ob es ihm gefiel oder nicht, der nächste Job würde kniffelig werden. „Gab’s Probleme?“

„Er ist mitten in einer Frage eingeschlafen. Ich habe den Verdacht, dass Sie mit ihm alle Hände voll zu tun bekommen werden, Sir.“

„Das macht nichts. Es war sowieso irgendwie zu ruhig hier. Außerdem mag ich die draufgängerischen Typen.“ Er grinste. „Und schnuckelig ist er auch.“

Die KI gab einen Laut von sich, der nicht ganz ein angewidertes Seufzen war. „Wenn Sie es sagen, Sir. Ich habe seine geschlechtliche Ausrichtung durchaus bemerkt.“

„Ich auch. Ein natürlicher Gelber. Die sind selten.“ Rorys Grinsen erlosch. „Erklärt auch, wie er an die van der Waals geraten ist. Wie ich die beiden kenne, haben sie sich auf ihn gestürzt, sobald sie es herausfanden.“

„Jungchen?“, schnarrte eine raue Stimme vom Eingang der Brücke. Ein gedämpftes Gurgelgeräusch untermalte die Worte. „Warum, bei allen verfluchten Höllen, sind wir aus’m Orbit gezischt wie’n Presbyterianer sonntags in’n Pub?“

Rory winkte entschuldigend zu der kleinen, plumpen Gestalt hinüber, die auf die Brücke gewatschelt kam. „Ich kann nichts dafür, Phaalan. Die geschmierten Bullen haben uns verarscht.“

Eine Reihe schwarzer Augen blickte ihn finster an. „Hätt’ ich dir gleich sagen könn’n. Scheißkolonisten“, grollte Phaalan.

Als Angehöriger einer als Aaiph bekannten, vegetativen Alienrasse ähnelte sein Schiffstechniker einer wandelnden, immergrünen Pflanze mit grünlich-braunen Tentakeln. Diese Tentakeln mit ihren fransigen, drahtähnlichen Spitzen, die feinste elektronische Arbeiten verrichten konnten, machten das Volk der Aaiph zu den besten Technikern in der Föderation der Bekannten Welten. Ihre berühmt-berüchtigte schlechte Laune allerdings war der Grund, warum sie nur von den sehr Duldsamen oder den sehr Verzweifelten angeheuert wurden. „Und was is’ mit’m Gleiter?“

„Hat ein paar Treffer abgekriegt. Sorry.“

„Schwachköpfiger Keimling. Schätze, ich kümmer’ mich dann besser ma’ drum. Versuch, dich nich’ mit der AKVP anzulegen, solang’ ich da unten bin, aye?“ Der Techniker stapfte grummelnd davon.

Rory unterdrückte ein Grinsen. Er konnte sich glücklich schätzen, dass Phaalan nicht nur zugestimmt hatte, auf der Molly Girl zu arbeiten, sondern auch, sein Übersetzungsmodul mit einem Edinburgh-Akzent programmieren zu lassen. Naja, jedes gute Raumschiff verdient einen schottischen Techniker.

Er wandte seine Aufmerksamkeit wieder Molly zu. „Jedenfalls, wegen dem Doktor … meinst du, ich hätte bei ihm eine Chance?“

„Wenn er in seinem Schädel auch nur ein funktionierendes Neuron hat oder einen Rest Selbsterhaltungstrieb besitzt, dann nicht“, sagte Molly. „Aber da er versucht hat, sich mit Sterilisiergas umzubringen, muss ich annehmen, dass weder das eine noch das andere vorhanden ist, also ja, versuchen Sie Ihr Glück.“

Rory grinste. „Was haben seine biometrischen Daten gesagt?“

Noch ein Nicht-Seufzer. „Seine Atem- und Herzfrequenzen stiegen, als er Sie sah, der Blutfluss zu den erogenen Zonen ebenfalls, und seine Pupillen erweiterten sich. Aufgrund dieser Reaktionen darf man annehmen, dass er Sie zumindest leicht sexuell attraktiv fand. Wenn Sie Ihre üblichen Verführungstechniken anwenden, besteht laut meinen Berechnungen eine Wahrscheinlichkeit von 82 Prozent, dass Sie zum Zeitpunkt unseres Sprungs aus dem Warp mit Dr. Grigoryev Sex haben werden. Angelegentlich dessen erlauben Sie mir, darauf hinzuweisen, dass wir einen Zeitplan haben und eine Verführung unserem nächsten Job lediglich unnötige Komplikationen hinzufügen würde.“

Es kam nur selten vor, dass er Molly einen Schritt voraus war, und er genoss diese Momente. „Hast du dir die Mühe gemacht, den Lebenslauf des guten Doktors zu lesen?“

Eine Pause von einer Mikrosekunde. „Oh, ich verstehe. Das ändert natürlich einiges. War das Teil Ihres Plans, Sir?“

„Nein, aber warum sollte ich einen glücklichen Zufall nicht ausnutzen, wenn er in meinem Schoß landet? Oder über meiner Schulter, wenn das der Fall ist. Wie lange wird er noch ausgeknipst sein?“

„Ich habe ihm ausreichend Schlafmittel verabreicht, um ihn für drei Stunden bewusstlos zu machen. Länger wollte ich ihn angesichts seines medizinischen Zustandes nicht sedieren.“

„Verstanden.“ Rory erinnerte sich daran, die Rippen des Mannes gefühlt zu haben, als er ihn auf das Medi-Bett gelegt hatte. Du hast zu lange gehungert, Doc. Wir müssen dich etwas aufpäppeln, damit du wieder rund und gesund wirst. „Wenn ich mich korrekt erinnere, dann wurde Ganymed hauptsächlich mit Völkern von westlich des Baltikums besiedelt, richtig?“

„Ja. Einige Finnen und Schweden entschieden sich ebenfalls für die Emigration, aber der größte Teil der ganymedischen Bevölkerung sind Nachkommen von Osteuropäern, die wegen des steigenden Meeresspiegels im zweiundzwanzigsten Jahrhundert umgesiedelt wurden.“

„Alles klar. Überprüf mal, ob der Autokoch irgendwelche Rezepte aus der Region im Speicher hat, und wenn wir auf Sagan sind, besorg auch alles andere, was dem Doc schmecken wird.“

„Ja, Sir“, sagte Molly. „Dürfte ich noch einen Vorschlag machen? Es könnte sich als klug erweisen, für die Dauer von Dr. Grigoryevs Aufenthalt an Bord eine Peripherie-Einheit zu extrudieren, die Ihnen bei seiner Versorgung assistieren kann.“

Rory schnitt eine Grimasse. „Molly, er muss mindestens zehn Kilo unter seinem Normalgewicht sein, und er ist erschöpft. Denkst du nicht, dass ich mit ihm klar komme?“

„Ich hatte dabei eher an das Wohl des Doktors gedacht, Sir“, sagte Molly trocken. „Sie können ziemlich … überwältigend sein.“

Er zuckte zusammen. „Da ist was dran. Okay, bastel’ eine Peri-Einheit zusammen, irgendwas angemessen Unbedrohliches.“

„Ich werde eine Nummer drei nehmen. Sie sollte einsatzbereit sein, wenn der Doktor aufwacht. Ich werde Sie dann jetzt in Ruhe arbeiten lassen, Sir.“

„Super.“

Kapitel 2

Dmitri starrte auf die reichhaltige, dunkelbraune Flüssigkeit in der Schüssel, garniert mit einem cremigen, weißen Klecks in der Mitte. Der Duft war unverwechselbar, und sein Magen gab ein peinliches Rumpeln von sich.

„Du hast … Borschtsch gemacht?“, sagte er. „Für mich?“

MacLellan lehnte am Kombüsentresen und versuchte vergeblich, bescheiden auszusehen. „Japp. Obwohl es wahrscheinlich nicht ganz so ist, wie du es gewohnt bist. Wir mussten uns mit Sour Cream aus der Konserve behelfen, und die Rote Bete ist wiederaufbereitet.“ Er sah einen Moment lang verwirrt aus. „Ich hatte keine Ahnung, dass wir sowas überhaupt an Bord hatten. Ich fürchte, uns fehlen zurzeit noch die Zutaten für Roggenbrot. Aber nach Mollys Aussage enthält Borschtsch alle Vitamine und Mineralstoffe, die du brauchst.“ Er nickte mit dem Kinn zur Schüssel. „Nur zu, hau rein.“

Dmitris Magen knurrte erneut, dieses Mal noch lauter. Er fummelte mit dem Löffel, dann tauchte er ihn schließlich in die Suppe und nahm einen Mundvoll. Der volle, pikante Geschmack von Schweinefleischbrühe, Roter Bete und Kartoffeln rollte über seine Zunge, und er stöhnte leise. Es war nicht das Borschtsch, an das er sich aus seiner Kindheit erinnerte, aber es übertraf um Längen alles, was er in den letzten paar Monaten gegessen hatte.

Er bemerkte, dass MacLellan ihn beobachtete, und fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, um hängengebliebene Tropfen aufzulecken. „Es ist gut. Danke.“

Der Dieb strahlte über das Lob. „Gern geschehen. Ich hatte vorhin auch etwas davon – ist leckeres Zeug. Ich weiß nicht, warum ich nicht schon früher osteuropäische Küche probiert habe.“ Er grinste. „Also, abgesehen von Wodka.“

„Ich würde Wodka nicht unbedingt zur Küche rechnen“, sagte Dmitri zwischen zwei Löffeln. „Eher zu Narkosemitteln.“

Nur zu bald kratzte er die Reste vom Boden der Schüssel. Bevor er fragen konnte, ob noch mehr da war, schnappte MacLellan sich die Schüssel und ging zum Kochfeld hinüber, wo ein rutschsicher befestigter Topf köchelte. Er füllte die Schüssel erneut, ließ einen Löffel Sour Cream hineinfallen und brachte sie zu Dmitri zurück. „Iss. Der Auto-Doc sagt, du brauchst die Kalorien.“

Dmitri konnte den Anflug von Mitleid in der Stimme des anderen Mannes hören. Plötzlich schmeckte die Suppe nicht mehr ganz so gut. Aber er zwang sich trotzdem, die Schüssel leerzuessen.

„Ich stelle den Rest in den Kühler. Du kannst dir was warm machen, wenn du später noch mehr Hunger hast.“ MacLellan nahm die Schüssel wieder an sich und machte sich daran, ein bisschen sauberzumachen. „Oh, und nur, damit du es weißt, du kannst jederzeit hier reinkommen und dich bedienen. Egal, was du willst. Ich achte immer darauf, dass wir mehr als reichlich Grundnahrungsmittel an Bord haben. Wenn du irgendwas nicht findest, dann frag Molly, und sie wird dir sagen, ob wir es haben.“

„Ich … okay, danke.“ Dmitri leckte sich noch einmal über die Lippen und schmeckte den Borschtsch. So viel Mühe. Nur, um eine Suppe zu machen. Damit er sich wie zu Hause fühlte.

Das ergab keinen Sinn. „Warum?“, fragte er.

MacLellan erstarrte mit dem Wischtuch in der Hand. „Warum was?“

„Warum bist du so nett zu mir? Das alles“, sagte er und wedelte mit der Hand in Richtung der Kombüsenwände, „mir Essen zu kochen. Mich nicht einzusperren. Warum?“

Der Dieb sah ihn erstaunt an. „Wäre es dir lieber, ich würde dich einsperren und verhungern lassen?“

„Naja, nicht verhungern lassen. Aber mich einzusperren, würde Sinn machen.“

„Nicht wirklich.“ MacLellan lehnte sich gegen den Tresen und verschränkte die Arme vor seiner breiten Brust. „Um ehrlich zu sein, Doc, stellst du nicht gerade eine Bedrohung dar.“

Dmitris Nackenhaare sträubten sich. „Was?“

„Versteh das nicht falsch, aber im Moment könntest du dich nicht mal aus einer Papiertüte herauskämpfen, geschweige denn mich überwältigen.“ MacLellan nickte zu dem silbrigen Kontrollfeld, das an der Kombüsenwand befestigt war. „Und selbst, wenn du es schaffen würdest – Molly hat eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Feinde auszuschalten. Außerdem ist sie vollkommen in der Lage, dieses Schiff selbsttätig zu steuern. Und zum guten Schluss sind wir immer noch für die nächsten vier Tage im Warp. Und wenn du auch nur das Geringste über Raumsprünge weißt, dann ist dir klar, dass wir das Schiff nicht herumreißen können, bevor der Sprung beendet ist. Außer, du willst dich umbringen, indem du das komplette Schiff schrottest.“

Dmitri starrte ihn finster an. „Ich war bereit, mich im Museum umzubringen, falls du dich erinnerst.“

MacLellan neigte den Kopf zur Seite und verengte die grauen Augen. „Selbstmord ist eine Geschichte. Aber du kommst mir nicht vor wie jemand, der unschuldige Dritte mit in den Tod reißen würde.“

„Ich bezweifele stark, dass du unschuldig bist.“

Der Dieb lachte. „Da hast du wohl recht. Aber Molly würde keiner Fliege was zuleide tun, und Phaalan ist so rein wie an dem Tag, als er … naja, gekeimt ist, schätze ich.“

„Rein?“, meldete sich eine kratzige Stimme. „Du has’ wohl die Nacht in der Freudenhölle auf Onyx Prime vergessen, Jungchen. Ha’m da schon ’n paar Pollen verteilt.“

Etwas, das wie ein Gebüsch aussah, kam in die Kombüse gewatschelt und trug eine flache Pfanne in einem Set schlanker, aber kräftig aussehender Tentakeln. „Verdammt trock’ne Luft. Ich sach dir immer wieder, Jungchen, du brauchs’ ’n anständigen Luftbefeuchter“, sagte das Gebüsch.

„Bei der nächsten Überholung, Phaalan. Versprochen.“ MacLellan zog einen ausfahrbaren Sprühschlauch aus der Spüleinheit und füllte damit die Pfanne bis zur Hälfte mit Wasser. „Reicht das?“

„Muss, Jungchen.“ Mit einem Grunzen ließ sich das Alien in der Pfanne nieder und wackelte ein bisschen hin und her, bis all seine unteren Zweige unter Wasser lagen. „Ahhhh, das is’ herrlich.“

MacLellan lehnte sich wieder an den Tresen. „Doc, das ist mein Bordtechniker Phaalan. Wie du sehen kannst, ist er ein Aaiph. Phaalan, das ist Dr. Grigoryev. Er reist mit uns nach Sagan.“

„Aye?“ Vier glänzende, schwarze Kugeln, die in einem Bogen dort angeordnet waren, wo bei einem Menschen das Gesicht gewesen wäre, richteten sich auf Dmitri. „Wusste nich’, dass wir neuerdings Passagiere mitnehm’n.“

„Weniger mitnehmen“, sagte Dmitri säuerlich. „Mehr kidnappen.“

„Oh? Biste reich oder was?“ Phaalan drehte sich in seiner Pfanne und wackelte noch ein bisschen. „Gut. Mit’m Lösegeld können wir ’n Befeuchter kaufen.“

„Wir kidnappen ihn nicht und verlangen auch kein Lösegeld“, unterbrach MacLellan. „Ich habe ihn im Museum sozusagen gerettet und davor bewahrt, etwas wirklich Dummes zu tun. Wenn wir nach Sagan kommen, schicken wir ihn wieder nach Hause.“

Dmitri blinzelte. „Im Ernst?“

Der Dieb hatte die Nerven, entrüstet auszusehen. „Aber sicher. Vorausgesetzt, du machst nicht irgendwelchen Blödsinn, solange du an Bord bist. Wenn du dich benimmst, dann setze ich dich in ein Shuttle zurück nach Novyy Vladivostok, sobald wir unser Ziel erreicht haben. Abgemacht?“

Er streckte eine große Hand aus. Dmitri starrte sie an. „Lebend und in einem Stück?“

Phaalan ließ ein lautes Schnauben hören. „Oh, er hat dich durchschaut, Jungchen! Bis’ ja so ’n brutaler Typ.“

„Mach halblang, Phaalan.“ MacLellans Lächeln erstarb. „Ja, lebend und in einem Stück, Doc. Ich bin ein Dieb, kein Mörder. Sonst hätte ich dich auch im Museum lassen können.“

Die Antwort trieb Dmitri die Röte ins Gesicht. Aber er verdiente das. Er hatte Mörder gekannt, und MacLellan fiel nicht mal in die Nähe dieser grausamen Kategorie Mensch.

„Fein. Ich werde mich benehmen, und wenn wir nach Sagan kommen, schickst du mich nach Hause.“ Vorsichtig ergriff er MacLellans angebotene Hand.

Sie war warm und fühlte sich gut an. In ihrem Griff lag eine sorgfältig zurückgehaltene Kraft, die die seltsame Wirkung hatte, dass er sich behaglich fühlte anstatt bedroht. Unwillkürlich hob er den Blick, ließ ihn an dem muskulösen Arm entlang aufwärtsgleiten, über die Schulter und schließlich zu MacLellans attraktivem Gesicht. Ein wohliger Schauer entflammte seine Nervenenden und erweckte ein sexuelles Verlangen, das er seit P. Centauri vehement unterdrückt hatte.

Nein. Auf keinen verdammten Fall verguckst du dich in jemanden wie ihn. Das ist einfach nur idiotisch. Außerdem kennst du ja nicht mal seine Orientierung.

Obwohl die Art und Weise, wie MacLellan noch immer seine Hand hielt und ihn anlächelte, ein ziemlich deutlicher Hinweis war. „Also“, murmelte er, löste widerwillig seine Hand und stand auf. „Wo soll ich jetzt hingehen?“

MacLellan dachte einen Augenblick nach. „Mol, führ ihn bitte zur Gästekabine.“

„Selbstverständlich. Doktor, wenn Sie mir bitte folgen würden?“

Die Stimme kam nicht aus den Bordlautsprechern. Dmitri drehte sich um und sah eine zierliche, schlanke Frau in einem grauen Schiffsoverall in der Kombüsentür stehen. Sie war eher niedlich als schön, mit cremeweißer Haut und langen, braunen Haaren, die zu einem schlichten Pferdeschwanz gebunden waren. Ihre großen, dunklen Augen blickten freundlich.

„Hallo, Dr. Grigoryev“, sagte sie lächelnd. „Und ja, ich bin Molly. Dies ist eine extrudierte Androiden-Periphäreinheit. Sir war der Ansicht, dass Sie sich mit einer humanoiden Form vielleicht wohler fühlen würden, anstatt ständig mit der Decke zu reden.

---ENDE DER LESEPROBE---