Tatort: Weltraum - Erik Schreiber - E-Book

Tatort: Weltraum E-Book

Erik Schreiber

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Beschreibung

Science Fiction Krimi Kurzgeschichten. Humorvoll und ernst, kurz und bündig, immer wieder für Überraschungen gut. Jede Erzählung steht für sich allein, baut aber manchmal auf vorherigen Erzählungen auf, führt dies überraschend fort. Ebenfalls von Erik Schreiber erschien Das Schwalbennest, eine mysteriöse Fantasy-Erzählung.

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Auf Station

Der neue Stern

Was wir wohl finden werden?

Letzte Hoffnung

Kinderreichtum

Gut geplant ist gut gemordet

Der reichste Mann des Planeten

Allergie

Abreise

Ein unglückliches Zusammentreffen

e-book 001 Tatort: Weltraum

Neu-Auflage der im Wunderwald erschienenKurzgeschichtensammlung© Saphir im Stahl 01.07.2013Verlag Erik SchreiberAn der Laut 1464404 Bickenbachwww.saphir-im-stahl.deTitelbild: Crossvalley SmithISBN: 978-3-943948-10-3

Weltraumgeschichten gibt es wie Sterne am Himmel. Meine Geschichten sind da nur wenige unter vielen. Ich will die Zukunftsgeschichten nicht neu erfinden, sondern nur meine Gedanken aufs Papier bringen. Wenn diese Geschichten außer mir noch mehr Menschen erfreuen, ist das für mich schon Lohn genug.

Wie jeder, der gern erzählt, schaffe ich mir eine eigene Welt. Es gilt Sternensysteme, die niemand kennt, mit Leben zu füllen. Menschen und Nicht-Menschen wollen beschrieben und ihr Leben erzählt werden. Die Phantasie eines Autors kennt keine Grenzen, vor allem wenn es darum geht, die Sonnen mit Planeten zu bestücken und möglichst viel Leben zwischen den Planeten zu entfalten.

Ich habe eine Mischung aus Abenteuer-SF und SF-Krimi anzubieten. Die Erzählungen berichten in vielen Fällen von einem Herrn Namens S’ahmir, einem Bediensteten des BürgerDienstes. Der BürgerDienst ist von der Straßenreinigung bis hin zum Ordnungsdienst zuständig. Und natürlich für die geheimdienstliche Tätigkeit. S’ahmir zählt zu den Geheimdienstlern, ohne sich selbst zu ernst zu nehmen oder gar zu einem James Bond des Weltalls zu werden.

Ich hoffe, mit dieser Neuauflage ein wenig Abwechslung in den grauen Alltag der Leserinnen und Leser zu bringen. Viel Spaß wünsche ich.

Erik Schreiber

Auf Station

Alles lief wie geschmiert. So schien es zumindest für den Anfang. Es begann damit, dass ich auf die Station kam, weil ich in den Orbiter umsteigen wollte, der mich auf den Planeten Llamar bringen sollte. Eigentlich wollte ich Urlaub machen. Seit zwei Jahren war ich für den BürgerDienst unterwegs gewesen und hatte es geschafft, die Infiltration durch zwei Agenten der Sternenlicht-Vereinigung zu verhindern. Mein Urlaub sollte mich für einen Monat auf den Planeten Llamar führen, weil ich mir nicht nur die Wälder mit den Riesenbäumen genauer ansehen wollte, auch die weibliche Bevölkerung des Planeten sollte reizend sein. Vor allem deshalb, weil auf dem Planeten damals viermal so viele Frauen geboren wurden als Männer.

Die Station selbst erwies sich bereits als „Sündenbabel“ und lockte den Reisenden das erste und manchmal zugleich letzte Geld aus den Taschen. Die obligatorischen drei Tage Quarantäne zeigten sich von ihrer angenehmsten Seite. In knapp drei Stunden würde ich die Station verlassen können und zum Planeten fliegen.

Während ich in der Videokabine mit dem Empfang meines Hotels sprach, um meine Ankunft zu klären, wurde ich ziemlich rüde unterbrochen.

„Guten Tag, Bürger S’ahmir“, sprach mich Crog’nir an. Der Tag hätte so schön enden können. Mit Sonnenuntergang auf der Planetenoberfläche, einem sanften Getränk und ein bis zwei hübschen Mädchen. „Ich habe einen Auftrag für Sie.“

Ich war nicht besonders begeistert, meinen ranghöheren Außendienstkollegen zu treffen. Erst recht nicht hier. In meiner bekannt freundlichen Art erkundigte ich mich, was er denn von mir wolle.

„Was willst du denn von mir? Ich bin in drei Stunden mit meiner Quarantäne durch und fliege in mein Hotel. Ich habe Urlaub.“ Dabei betonte ich besonders das Wort Urlaub und bemerkte, wie sich Crog’nirs Stirn reichlich in Falten legte.

„Oh nein, Sie haben eine Verabredung mit mir“, antwortete er, „und es liegt an Ihnen, ob Sie Ihren Orbiter rechtzeitig erreichen.“

Mit einem, wie ich hoffte, entwaffnenden Lächeln und einer wegwerfenden Handbewegung wiederholte ich nur: „Ich habe Urlaub, mein Freund.“ Er lächelte ebenso freundlich zurück, und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, in einen Pistolenlauf zu sehen. „Alarmstufe drei.“

Mir klappte die Kinnlade tiefer und ich zerdrückte einen Fluch zwischen den Zähnen, den selbst die vorbeieilende Llamarerin rot werden ließ. Einfach süß, der Rotton ihrer Bronzehaut.

Damit war mein Urlaub gestrichen, die Farbe konnte ich mir noch aussuchen. Einfach so. „Blödsinn, nimm dir einfach einen anderen vom BürgerDienst, das klappt schon.“

„Mag sein“, sagte er, „aber es geht um deine Freunde, die Eunuchen von Tremere.

Nun, damit war mir der Urlaub gänzlich verhagelt. Mit den Theokratischen Eunuchen von Tremere war nicht zu spaßen. In ihrer Verblendung waren Frauen nur eine genetische Fehlkonstruktion. Zugleich ließen sie sich selbst kastrieren, um der Fleischeslust zu entsagen. Aber was wollten die Eunuchen dann hier?Crog’nir schien meine Frage zu ahnen. Oder sie war mir mit Laserstrahlen ins Gesicht geschrieben?

„Wir vom BürgerDienst hegen den Verdacht, dass die Eunuchen Konstruktionspläne für einen Langstreckentransporter und einen neuen Sternenantrieb schmuggeln. Allerdings können wir es nicht beweisen. Und wenn wir die drei ohne Beweise verhaften würden, hätten wir größte diplomatischen Verwicklungen zu erwarten.“

Während er mir die ersten Informationen gab, führte er mich zur Weltraumbar am Dock. „Die Männer warten gerade auf ihren Diplomatengleiter. Sind sie erst auf Llamar, können wir die ganze Aktion vergessen. Dort gibt es viel zu viele Möglichkeiten der Übergabe des Schmuggelgutes. In zwei Stunden wird der Gleiter erwartet. Also machen Sie das Beste aus Ihrer Situation.“

Ich tippte meine Bestellung am Monitor ein und erhielt gleich darauf meinen Fruchtsaft, den ich jedoch nicht trinken konnte. Crog’nir sagte nur ein „Danke“ und trank das Glas bis auf den letzten Rest in einem Zug aus. Den zweiten Fruchtsaft konnte ich mir schneller sichern, als er zugriff. Ich nuckelte am Strohhalm und sah mich ein wenig um.

„Warum machst du es eigentlich nicht selbst? Du bist doch der ranghöhere Offizier von uns beiden. Da sollte man annehmen - mehr Erfahrung, mehr Einfühlungsvermögen …“

Er ließ mich gar nicht erst ausreden.

„Das ist genau der Punkt. Ich bin derjenige, der die Befehle erteilt, und Sie arbeiten.“ Sein kritischer Blick glitt zwischen dem Strohhalm und meinem Gesicht hin und her.

„Es gibt etwas, das ich Ihnen noch als Hinweis geben kann: Einer der drei Männer, auf die Sie angesetzt sind, ist kein Eunuch. Er reist nur der Tarnung wegen mit den beiden anderen. Sie sind praktisch seine Tarnung. Übrigens, sie sitzen direkt hinter Ihnen an dem kleinen Tisch.“

Crog’nir traf Anstalten zu gehen. Oder das, was man so bezeichnet. Ich würde eher sagen, er wuchtete sein Gewicht Schritt für Schritt in eine Richtung. Es war schon verständlich, warum er nur im Weltraum mit seiner reduzierten Schwerkraft anzu-treffen war. Auf einem Planeten mit mehr Schwerkraft als die üblichen 0,3 g einer Station würde er vom eigenen Gewicht in den Planetenboden gedrückt.

Ich machte mir so meine Gedanken, während ich verfolgte, wie der Dicke fast in der Schleuse stecken blieb und einen Stau im Gang hervorrief. Ich nahm mein Glas und schlenderte durch die Bar. Vor einem der Sicherheitsfenster drehte sich die blaugrüne Kugel des Planeten Llamar. Ein paar Gleiter und Satelliten bewegten sich in der Leere, und weit am Horizont hob sich das Sonnensegel eines System-seglers, auf dem Weg zu Llamars Schwesterplaneten Sinuid.

Ich ließ mich in der Nähe auf einem Sofa nieder und grüßte die drei Männer in ihrer Landessprache, denn ich hatte drei Jahren auf ihrem Planeten verbracht. Es war eine gar unlustige Zeit. Zum Lachen musste man meist in den Keller gehen, denn das galt als anstößig. Während ich da saß, überlegte ich mir, wie ich ein Gespräch beginnen könnte, wurde meiner weiteren nutzlosen Gedanken jedoch schnell enthoben. Der Ältere von den Dreien, erkennbar an seinem schütteren Haarkranz um den Kopf, fragte mich, wie es denn kam, dass ich so gut seine Heimatsprache beherrschte.

Ich war sichtlich irritiert. Galt es doch als unhöflich, fremde Leute anzusprechen, gerade bei den Eunuchen. Vielleicht war er ja der Schmuggler? Ich würde ihn in jedem Fall im Auge behalten. Wir unterhielten uns angeregt, doch ich kam zu keinem Entschluss. Wie sollte ich nur herausfinden, wer von den Dreien kein Eunuch ist? Dabei hätten die drei Brüder sein können, nur in verschiedenen Altersstufen.

Da die Eunuchen sehr höflich sind, lassen sie jeden aussprechen und unterbrechen ihn nicht. Aus diesem Grund hörten sie natürlich auch sehr aufmerksam zu. Mir gingen langsam die unverfänglichen Themen aus. Worüber sollte ich mit ihnen sprechen? Sie hatten viel zu viele Tabus. Das Wetter und die Politik hatte ich bereits abgehakt. Und Sex oder so kam gar nicht in Frage. Das war absolut tödlich.

Ich unternahm noch mehrmals, ohne den gewünschten Erfolg zu erzielen, den Versuch, das Gespräch aufzunehmen. Der getarnte Schmuggler hatte entweder gut trainiert oder besaß ein natürliches Talent, sich als Eunuch zu tarnen. Und entweder gehörten die beiden anderen dazu, um eine bessere Tarnung aufrecht zu erhalten oder sie hatten wirklich keine Ahnung. Der Schwindler hingegen musste wissen, dass ich ihn suchte und amüsierte sich köstlich.

Gedankenverloren sah ich auf meine Uhr, die inzwischen auf die Ortszeit des Planeten abgestimmt war. In knapp einer Stunde würde der Gleiter mit den drei Eunuchen starten, wenn ich nicht bald eine rettende Idee hatte, um den Schwindler zu entlarven. Warum musste die Zeit nur so schnell vergehen?

Ich starrte die drei Männer an. Wie sollte ich den Schmuggler nur erkennen? Mein Blick schweifte ab, wie meine Gedanken. Nur mit halben Ohr hörte ich dem jüngeren Mann zu. Meine Blicke folgten dem katzenhaften Gang einer Llamarerin. Die bronzene Haut hinterließ eine Menge angenehmer Lichtreflexe und Empfindungen bei mir.

„Eine Augenweide“, brummte ich, ganz von diesem Anblick gefangen. Und dann fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, natürlich, das war es. Ich musste nur noch reden, von Sex und Frauen. Die Eunuchen würden mir zuhören. Zuhören müssen.

„Meine Herren, sehen Sie dort dieses bezaubernde Geschöpf? Die junge Frau mit ihren langen Beinen und dem knappen Höschen, unter dem die Po-Backen so sexy hervorblitzen …“

Ich erzählte und erzählte, beschrieb diese Frau und weitere Frauen, die ich mir in Gedanken ausmalte. Liebevoll und ausführlich. Meine drei Zuhörer sahen mich mit versteinerten Mienen an, unterbrachen mich jedoch nicht. Ich bemühte mich, alles so zu schildern, dass ich möglichst gegen jedes Tabu der Eunuchen verstieß. Sie würden sich an jedes meiner Worte erinnern. Ich sprach auf sie ein, bis die Durchsage kam, dass der Diplomatengleiter in wenigen Minuten starten würde. Die Eunuchen standen fast gleichzeitig auf. Verbeugten sich kurz und wandten sich zum Ausgang. Als der Mittlere der drei an mir vorbei wollte, stand ich ebenfalls auf und legte ihm die Hand auf die Schulter.

„Sie bleiben bitte hier“, sagte ich zu ihm. Und meine bereitgehaltenen Handschellen schlossen sich gedankenschnell um seine Handgelenke.

Der Mann kämpfte wie ein gambrischer Waldteufel und wollte unbedingt den Gleiter erreichen. Im diplomatischen Gleiter unterstand er nicht der Gerichtsbarkeit des BürgerDienstes. Bei der Durchsuchung fanden wir die geschmuggelten Daten im Ring auf einem Datenkristall. Die Daten waren als Schmuckstein getarnt und wären fast nicht aufgefallen.

Wenig später kam Crog’nir auf mich zu und klopfte mir auf die Schulter.

„Bürger S’ahmir, meine Hochachtung. Wie haben Sie das nur geschafft?“

Ich gestattete mir ein kurzes Grinsen. „Sie sagten doch, dass einer von ihnen seine Eunuchen-Mitgliedschaft nur vortäuscht. Und deshalb habe ich ihnen eine frivole Geschichte nach der anderen erzählt. Die beiden Anderen blieben ganz ruhig, die interessierte gar nicht, was ich zu erzählen hatte. Aber der da“, ich deutete auf den Mann, der gerade von zwei anderen Mitarbeitern des BürgerDienstes abgeführt wurde, „der da reagierte. Sein Atem wurde schneller, Schweiß perlte von seiner Stirn und unter seiner Kutte schien sich etwas zu bewegen. Und bei Eunuchen bewegt sich da gar nichts.“

Ich stand inzwischen an einem der Fenster der Station. Seit einer halben Stunde war Crog’nir verschwunden. ich würde gleich mit dem Orbiter zum Planeten hinabfliegen. Mein Urlaub wartete auf mich.

Der neue Stern

Kadir N’telb hörte sie ganz deutlich. Die erregten Worte schossen förmlich aus dem Lautsprecher seines Empfängers.

„N’telb! Sie können nicht fliehen. Wir kreuzen Ihren Kurs in zwei Stunden. Jeder Widerstand wird mit Waffengewalt gebrochen!“

Kadir N’telb lächelte und gab keine Antwort. Er hatte keine Waffen und er brauchte nicht zu kämpfen. In weniger als einer halben Stunde würde sein Schiff zum Sprung durch den Hyperraum ansetzen. Niemand würde ihn jemals wiederfinden. Er hatte fast fünf Kilogramm Posur-3a bei sich, das für die Konstruktion und Schaltungen künstlicher Intelligenz von Tausenden von Robotern genügte und auf jedem Planeten des Ksh’K'ihr Empire hundert Millionen Kredits wert war, ohne dass er die Herkunft zu erklären brauchte.

Der alte Ksh’tar hatte alles geplant. Er hatte mehr als zwei Jahre darüber nachgedacht. Das war sein Lebenswerk.

„Es handelt sich um die Flucht danach“, hatte er gemeint. „Deshalb brauche ich Sie, junger Mann. Sie können ein Raumschiff steuern; ich kann es nicht.“

„Eine Flucht ins All ist zwecklos, Brak Ksh’tar, “ sagte Kadir N’telb. „Dort erwischen sie uns in kürzester Zeit.“

„Nein“, antwortete Ksh’tar grinsend, „nicht, wenn wir den Sprung machen. Nicht, wenn wir durch den Hyperraum fliegen und erst einige Lichtjahre weit entfernt wieder auftauchen.“

„Die Vorbereitungen zum Sprung dauern eine halbe Stunde, und selbst wenn wir dazu Zeit hätten, würde der BürgerDienst alle Sternensysteme alarmieren.“

Der Alte legte ihm eine Hand auf den Arm. „Nicht alle Sternensysteme; nur das Dutzend in unserer Nähe. Die Galaxis ist groß und die Kolonisten der letzten Jahrzehnte haben kaum noch Verbindung zueinander.“

Er sprach aufgeregt weiter und rief Kadir N’telb die Tatsachen ins Gedächtnis zurück. Die Galaxis erinnerte jetzt an die Oberfläche des Heimatplaneten der Ksh’K’ihr Nol’tray.

„Wenn wir irgendeine Sprungeinstellung wählen“, sagte Ksh’tar, „tauchen wir irgendwo aus dem Hyperraum auf, vielleicht sogar fünfzigtausend Lichtjahre entfernt. Und die BürgerDienstler hat keine Chance, uns zu finden, denn wir sind nicht mehr als ein Kieselstein in einem Meteoritenschwarm.“

Kadir N’telb schüttelte den Kopf. „Aber wir finden uns ebenfalls nicht zurecht. Wir wüssten nicht einmal, wo der nächste bewohnte Planet liegt.“

Ksh’tar sah sich misstrauisch um. Sie waren allein, aber er senkte seine Stimme trotzdem zu einem Flüstern. „Ich habe dreißig Jahre lang Informationen über sämtliche bewohnbare Planeten der Galaxis gesammelt. Ich habe unzählige alte Berichte ausgewertet. Ich bin Tausende von Lichtjahren weit gereist, weiter als jeder Raumpilot. Und die Koordinaten jedes bewohnbaren Planeten stecken jetzt im Informationsspeicher des besten Computers der Galaxis.“

Kadir N’telb zog die Augenbrauen hoch. „Ich konstruiere Computer und habe selbstverständlich das beste Material zur Verfügung “, fuhr Ksh’tar fort.

„Ich habe dem Computer außerdem die Position jedes leuchtenden Sterns der Galaxis, aller Sterne der Spektraltypen F, B und A sowie der Größenklasse Eins bis Drei eingegeben. Sobald wir den Sprung gemacht haben, sucht der Computer den Himmel ab und vergleicht das aufgenommene Bild mit einer Karte der Galaxis. Sobald er eine Übereinstimmung festgestellt hat, was früher oder später der Fall sein muss, errechnet er die Position unseres Schiffes und steuert automatisch den nächsten bewohnten Planeten an.“

„Klingt reichlich kompliziert“, warf Kadir N’telb misstrauisch ein. „Aber es klappt bestimmt“, versicherte ihm der Alte. „Hören Sie, ich kann vielleicht noch zehn Jahre als Millionär leben. Aber Sie sind jung; Sie können länger Millionär sein.“

„Wer irgendwohin springt, kann in einem Stern Ianden“, gab Kadir N’telb zu bedenken.

„Die Aussichten dafür stehen eins zu Hundertmillionen, N’telb. Wir könnten auch so weit von leuchtenden Sternen entfernt sein, dass der Computer keine Entsprechung findet. Wir könnten nur zwei oder drei Lichtjahre weit springen und den BürgerDienst weiterhin auf den Fersen haben. Aber die Chancen dafür sind noch geringer. Wenn Sie sich Sorgen machen wollen, denken Sie lieber daran, dass ich beim Start an einem Herzschlag sterben könnte. Die Aussichten dafür sind wesentlich größer.“

„Richtig, Brak Ksh’tar“, stimmte Kadir N’telb zu. „Sie sind älter als ich.“

Der Alte zuckte nur mit den Schultern. „Das spielt keine Rolle. Der Computer macht alles automatisch.“

Kadir N’telbni erinnerte sich daran. Als das Schiff wenig später startbereit war und Ksh’tar mit dem Posur-3a in seinem Koffer um Mitternacht erschien, nahm Kadir N’telb ihm die Tasche mit der linken Hand ab, während er ihn mit seiner Rechten niederschlug. Wen kümmerte das schon? Sie würden ihn nie erwischen.

Nun wurde er verfolgt, doch der Sprung stand unmittelbar bevor. Jeder erfahrene Pilot kannte das seltsame Gefühl beim Durchgang durch den Hyperraum, bis das Schiff in einen anderen Teil der Galaxis wieder auftauchte. Jetzt war es soweit …

Kadir N’telb lächelte zufrieden. Er lebte noch. Kein Stern war zu nahe, aber Tausende von Sternen waren nahe genug. Er hatte anscheinend einen großen Sprung gemacht, denn er erkannte keines der Sternbilder. Der Computer war bereits damit beschäftigt, die vielen Lichtpunkte mit seiner Karte zu vergleichen. Es würde nicht lange dauern. Kadir N’telb lehnte sich zurück und beobachtete die vielen Sterne, während das Schiff langsam rotierte. Ein heller Stern kam in Sicht, ein außergewöhnlich heller Stern. Der Computer würde ihn als Fixpunkt annehmen und die nähere Umgebung mit seinen Informationen vergleichen.

Wieder der Gedanke: Es konnte nicht mehr lange dauern.

Aber Kadir N’telb hatte sich geirrt Minuten vergingen und wurden zu einer Stunde. Der Computer summte weiter, die Sternenkarte mit dem Programm rotierte.

Kadir N’telb runzelte die Stirn. Warum hatte der Computer noch keine Übereinstimmung festgestellt? Er besaß doch genügend Informationen! Ksh’tar hatte ihm das Ergebnis jahrzehntelanger Arbeit gezeigt; er hatte bestimmt keinen Stern ausgelassen oder an falscher Stelle registriert. Natürlich wurden Sterne geboren, bewegten sich durchs All und starben, aber derartige Veränderungen dauerten unvorstellbar lange. Selbst in einer Million Jahren konnte die Veränderung nicht …

Kadir N’telb erschrak.

Nein! Das war unmöglich!

Die Chancen dafür waren geringer als für eine Landung im Inneren eines Sterns. Er wartete, bis der helle Lichtpunkt wieder sichtbar wurde, und stellte dann mit zitternden Händen sein Teleskop ein. Bei höchster Vergrößerung war um den hellen Mittelpunkt deutlich die in Bewegung geratene Gaswolke zu sehen, die alles über die Eigenschaften dieses Sterns aussagte.

Eine Nova!

Der Stern hatte sich vielleicht erst in den letzten Wochen aus einem schwachleuchtenden Zwerg in einen weißglühenden Riesen verwandelt. Zuvor war er unbedeutend genug gewesen, um völlig ignoriert zu werden, aber jetzt musste er jedenfalls berücksichtigt werden.

Und diese Nova, die im Weltraum existierte, war nicht im Informationsspeicher des Computers registriert. Die Nova war noch kein heller Stern gewesen, als Ksh’tar seine Informationen zusammengetragen hatte.

„Die Nova ist unwichtig!“, brüllte Kadir N’telb den Computer an, der sich jedoch unbeeindruckt zeigte. „Sie geht dich nichts an!“

Aber er sprach mit einer automatisch funktionierenden Maschine, die diesen hellen Lichtpunkt mit ihren Informationen vergleichen, ihn nicht finden und trotzdem weitersuchen würde, bis ihr Energievorrat erschöpft war. Der Sauerstoffvorrat würde früher zur Neige gehen. Kadir N’telb würde eher an Altersschwäche sterben.

Er hockte hilflos in seinem Sessel, beobachtete die Sterne, während das Schiff langsam rotierte, und begann auf den Tod zu warten.

Hätte er jetzt bloß Brak Ksh’tar dabei.

Was wir wohl finden werden?

„Was wir wohl finden werden …“

Seit wir aufgebrochen waren, sinnierte Mic’ahele zum wiederholten Mal darüber.

„Vielleicht nichts“, erwiderte ich genauso wie jedes Mal davor. „Es ist schließlich nur eine Legende. Gib dich keinen zu großen Hoffnungen hin.