Terrorismus - Walter Leonhardt - E-Book

Terrorismus E-Book

Walter Leonhardt

0,0

Beschreibung

In Akira Kurosawas Filmklassiker „Die Sieben Samurai“ heißt es: „Die Bauern sind sehr kindisch. Sie machen sich ewig Sorgen über dies und das. Einmal klagen sie über Trockenheit, dann über zu viel Regen. Sie fürchten Hagel und Frost. Sie leben ständig in Angst. Immer gegen sie mit Sorgen schlafen und stehen mit Sorgen auf. Heute war es auch nicht anders. Sie haben Angst vor euch gehabt. Das ist alles!“ Der Samurai antwortet darauf: „Ich verstehe das nicht!“ Mit Terrorismus verhält es sich genauso: Die Menschen sind sehr kindisch, machen sich ewig Sorgen und leben ständig in Angst. Immer gehen sie mit Sorgen schlafen und stehen mit Sorgen auf. Damit Du in Zukunft weniger Bauer und mehr Samurai bist, wurde dieses Buch über Terrorismus geschrieben. Es enthält alles, was Du wissen musst, damit Deine Angst durch Wissen und Verstehen ersetzt wird.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 104

Veröffentlichungsjahr: 2016

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Über das Buch

In Akira Kurosawas Filmklassiker „Die Sieben Samurai“ heißt es:

„Die Bauern sind sehr kindisch. Sie machen sich ewig Sorgen über dies und das. Einmal klagen sie über Trockenheit, dann über zu viel Regen. Sie fürchten Hagel und Frost. Sie leben ständig in Angst. Immer gehen sie mit Sorgen schlafen und stehen mit Sorgen auf.

Heute war es auch nicht anders. Sie haben Angst vor euch gehabt. Das ist alles!“

Der Samurai antwortet darauf: „Ich verstehe das nicht!“

Mit Terrorismus verhält es sich genauso: Die Menschen sind sehr kindisch, machen sich ewig Sorgen und leben ständig in Angst. Immer gehen sie mit Sorgen schlafen und stehen mit Sorgen auf.

Damit Du in Zukunft weniger Bauer und mehr Samurai bist, wurde dieses Buch über Terrorismus geschrieben. Es enthält alles, was Du wissen musst, damit Deine Angst durch Wissen und Verstehen ersetzt wird.

Sofern Du das aber willst, so lasse Dir gesagt sein, dass Du dieses Buch nicht herunterkonsumieren darfst, sondern mit mir zusammen mitdenken musst. Das ist der Preis, den Du zu zahlen hast, um zukünftig von unnötigen Ängsten befreit zu sein!

Ich widme dieses Buch den Frauen, die ich liebte, denjenigen, die ich liebe sowie jenen, die ich zukünftig lieben werde.

Über den Autor

Walter Leonhardt ist Strategie-Berater und Sicherheitsanalyst.Von Terrorismus versteht er nichts, findet ihn aber trotzdem ganz gut.

In allen Bereichen des Lebens erwächst aus dem

Unwissen Unsicherheit. Alles, was Zweifel verursacht,

beansprucht das Bewusstsein.Wenn das Grundprinzip

geklärt ist, wird das Bewusstsein frei. Und mit freiem

Bewusstsein werden alle Aufgaben leicht.

Yagyū Munenori

Haste nicht ohne Sinn und Zweck herum, bevor Du Dir Deiner

Lage voll bewusst bist. Sinnlose Tätigkeiten begünstigen das

Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das zu Panik führen kann.

John Boswell

Inhalt

Vorwort

Was ist Terrorismus?

Ist religiöser Terrorismus ein neuzeitliches Phänomen?

Ist religiöser Terrorismus als typisch islamisch zu bezeichnen?

Wie der aktuelle Siegeszug von Selbstmordattentaten in der Neuzeit begonnen hat: Der Protestsuizid

Die Arten von Selbstmord

Selbstmordattentate

Sind Selbstmordbombenattentate ein typisch islamisches Phänomen?

Das sunnitische Selbstmordbomber-Paradoxon

Al-Hussein

Ali Shariati

Warum es nach einem Anschlag sofort weitere Anschläge gibt

Warum nach jedem Anschlag aufs Neue von „gemachten Fehler der Behörden und Politik“ die Rede ist

Was der größte „von Behörden und Politik zu machende Fehler“ ist

Der Kampf gegen Terrorismus unter Beachtung des Rückschaufehlers mithilfe von Lotto 6 aus 49 erklärt

An wen sich Terroristenbotschaften richten

Arno Gruens Emotionstheorie

Kann man den Kampf gegen den Terrorismus gewinnen?

Der asymmetrische Krieg

Die zwei Wege, den Terrorismus zu besiegen

Der einfache Weg oder: „Das Ende mit Schrecken“

Der schwere Weg oder: „Der Schrecken mit Ende“

Was das in Bezug auf einen Terroranschlag in Europa heißt

Die Bedeutung der 2 Wege

Wie Terroristen in Europa an Sprengstoff und Waffen gelangen

Wie Terroristen ihre Taten vor sich selbst rechtfertigen

Warum Moral kein Maßstab in Bezug auf Maßnahmen gegen Terrorismus ist

16.1 Ein gekapertes Flugzeug abschießen

Die moralischen Denkschulen

16.2 Ein unschuldiges Kind foltern

Warum Terrorismus keine Bedrohung ist und trotzdem als Bedrohung verkauft wird

Mohammed Farrah Aidid vs. Jonathan Howe

Volk und Führer mithilfe von Schafen und Hirten erklärt.

Die politische Notwendigkeit, im Volk gleichzeitig Furcht zu schüren und Panik verhindern zu müssen

Schlusswort

Literaturverzeichnis

Vorwort

Dieses Buch enthält alles, was Du als interessierter Bürger über Terrorismus wissen musst. Ich behaupte, dass es nach wissenschaftlichen Standards, trotzdem aber nicht langweilig geschrieben ist.

Dadurch, dass ich zitiere, kannst Du als Leser jederzeit überblicken, woher meine Informationen stammen und nachvollziehen, ob meine Quellen zuverlässig sind. Außerdem kannst Du so leichter beurteilen, ob das, was ich sage, richtig oder falsch ist. Ich kann Dir diesbezüglich nur versichern, dass ich mir größte Mühe in Bezug auf Richtigkeit aller Informationen gab!

Dieses Buch soll Dir helfen, die Grundlagen und Prinzipien des „Terrorismus“ besser zu verstehen. Hierbei folge ich wie bei allem einer wissenschaftlichen Methode, die sich Ockhams Rasiermesser nennt. Diese besagt, dass man bei mehreren zur Verfügung stehenden Erklärungen für ein und denselben Sachverhalt immer die einfachste und damit die dem normalen Leben am ehesten entsprechende Antwort allen anderen vorzieht, da der direkte Weg im Normalfall der richtige Weg hin zur Wahrheit ist. Denn wirkliches Wissen ist wie klares Wasser: Es fließt durch kleinste Ritzen und sucht keine Umwege, wenn es den Ozean auf direktem Weg erreichen kann.

Laut Aussage des japanischen Strategen Yagyū Munenori erwächst durch Unwissenheit die Unsicherheit, welche Zweifel verursacht. Und der Zweifel ist es, der der Angst die Nahrung gibt. Nur wenn Du daher die Grundprinzipien des Terrorismus verstanden hast, kann Dein Bewusstsein frei von unnötigen Ängsten sein. Sofern Du also das Wissen der folgenden Seiten zu verstehen versuchst und in groben Zügen im Kopf behältst, kannst Du endlich damit aufhören, Energie mit unnötigem Nachrichtenkonsum aus den Medien zu verschwenden. Denn Du wirst besser als die meisten Journalisten und Politiker das Wesen des Terrorismus begriffen haben. Bedenke einfach, wie unlaublich kostbar jede Minute Deines Lebens ist. Also verschwende sie nicht!

1. Was ist Terrorismus?

Egal ob Frankreichs Revolutionäre 1789, die texanischen Aufständischen 1836, die jüdischen Palästina-Insurgenten der 1940er Jahre, ebenso aber Mahatma Gandhi und Nelson Mandela – sie alle wurden von den von ihnen bekämpften Machthabern als Terroristen bezeichnet. Bezüglich letzterem schrieb auch Dick Polman, dass wenn Mandela ein Terrorist gewesen sei, dieselbe Aussage für George Washington und alle anderen Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika gilt (vgl. Polman 2013).

Daher kann man sagen, dass der Begriff „Terrorismus“ eine negative moralische Wertung für eine Tat darstellt, die vor allem von Vertretern rücksichtsloser Realpolitik für Akte wieder ihrer bestehenden Ordnung verwendet wird (vgl. Chaliand/Blin 2007a: 212). Terroristen selber würden sich niemals als „Terroristen“, sondern als Rebellen, Widerstands- oder „Freiheitskämpfer bezeichnen (vgl. ebd.).

So gesehen kann man sagen, dass legitime Staatsgewalt zum Terrorismus rein logisch betrachtet in einem ähnlichen Verhältnis wie die Werbung zur Propaganda steht: Das, was Du selbst oder Teile Deiner Gruppe machen, kann niemals Propaganda / Terrorismus sein, da eigenes Handeln immer als prinzipiell legitim wahrgenommen wird. Daher kritisiert man am eigenen Werbe- / kriegerischem Verhalten die Ausschweifungen im Sinne von Exzessen, da diese Ausnahme des eigenen an sich richtigen Verhaltens ist. Da man aber sicher selber legitimiert und damit als gut ansieht, unterstellt man dem anderen automatisch, dass dieser nicht legitimiert und damit von schlechter Gesinnung ist. Daher muss folglich bei diesem der Exzess die Regel, Vernunft und Ordnung dagegen die Ausnahme1 sein (vgl. Asad 2007: 15f.; vgl. hierzu Bernays 22f.).

Der Begriff „Terrorismus“ ist aus dem lateinischen von „terrere“ abgeleitet und bedeutet „zittern lassen“ (vgl. Chaliand/Blin 2007b: vii). In diesem Sinne stellt Terrorismus also eine Waffe psychologischer Kriegsführung dar, die den Zweck verfolgt, entweder die eigene Bevölkerung oder eine Fremdbevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, um Widerstand zu brechen (vgl. ebd.).

Spätestens seit Albert Wohlstetters 1958 veröffentlichtem „balance of terror“-Strategiepapier gilt Terrorismus als anerkanntes modernes Machtmittel (vgl. Chaliand/Blin 2007a: 209). Dieser sprach als erster von Variationen indirekter Konflikte, zu denen Guerrilla-Krieg und Terrorismus hinzu gezählt werden (vgl. ebd.). In diesem Sinne schrieb auch der Schweizer Armeemajor Hans von Dach, dass diese fortdauernde Form von Kleinkrieg „eine der schärfsten und abschreckendsten Waffen des Kleinstaates“ ist und es falsch wäre, auf „diese im grossen Rahmen gesehen so starke Kräfte bindende Waffe aus Scheu, falschem Ehrbegriff oder überholten Vorstellungen zu verzichten“ (vgl. Dach 1985: 10). Das, was wir heutzutage unter „Terrorismus“ verstehen, kann daher als „Waffe der Schwachen gegenüber den Starken“ bezeichnet werden2, wobei die Frage, ob Terroristen „Helden oder Feiglinge“ sind, erstens eine Frage der Perspektive, zweitens von Interpunktion3 ist. Drittens hängt diese davon ab, ob Terroristen sich letzten Endes durchsetzen oder nicht. Denn Sieger schreiben Geschichte.

1 Edward Bernays schrieb in diesem Sinne auch bezüglich der Propaganda, dass „a group of citizens writes and talks in favor of a certain course of action in some debatable question, believing that it is promoting the best interest of the community. Propaganda? Not a bit of it. Just a plain forceful statement of truth. But let another group of citizens express opposing views, and they are promptly labeled with the sinister name of propaganda“ (vgl. Bernays 1928: 22f.). Beachte hierzu bitte Abschnitt 15!

2. Ist religiöser Terrorismus ein neuzeitliches Phänomen?

Religiöser Terrorismus ist ebenso neu wie Religionen neu sind. In dem Augenblick als Menschen begannen, an unterschiedliche Dinge zu glauben, begannen sie auch damit, Andersgläubige deswegen auf den Kopf zu schlagen. Nicht ohne Grund lautet das erste Gebot der Bibel „Ich bin der Herr, Dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“

Und ebenso wie bei einem Regierungswechsel oftmals aus Helden der Vergangenheit die Schurken der Gegenwart wurden, so wurden auch die Götter der Vergangenheit zu den Teufeln der Gegenwart erklärt4, wenn man bedenkt, dass Satans viele Namen alles Götternamen von durch das Juden- oder Christentum unterworfener Kulturen sind (vgl. La Vey 1999: 40-47). Daher ist auch „heiliger Terror“ im Namen der Religion ein geschichtlich immer wiederkehrendes Phänomen, das sich von den jüdischen Zeloten über persische Assassinen und böhmische Taboriten bis zum heutigen Islamistischen Terror nachzeichnen lässt (vgl. Chaliand/Blin 2007c: 2f.). Die Kreuzzüge erwähne ich erst gar nicht...

2 Vgl. Chaliand/Blin 2007b: viii

3 Paul von Watzlawicks 3. Axiom menschlicher Kommunikation kommt hierbei ins Spiel (vgl. Leonhardt 2016b: 3; siehe auch Abschnitt 15 in diesem Buch).

3. Ist religiöser Terrorismus als typisch islamisch zu bezeichnen?

Hierzu stelle ich die Gegenfrage: Was sagt Dein gesunder Menschenverstand dazu?

4. Wie der aktuelle Siegeszug von Selbstmordattentaten in der Neuzeit begonnen hat: Der Protestsuizid

Die Amerikaner sagen „Mit Terroristen verhandeln wir nicht“. Der Sinn dahinter ist Folgeattentate ähnlichen Musters zu verhindern. 1963 galt diese Devise anscheinend noch nicht, denn ansonsten hätten Selbstmordanschläge nicht ihren Siegeszug um die Welt gehalten. Denn bis dahin waren deren Vorläufer – sogenannte „Protestsuizide“ - ein vereinzelt auftretendes lokales Phänomen, das vor allem in Südostasien beobachtet werden konnte.

1963 inszenierte der vietnamesische Buddhistenmönch Thich Quang Duc seine Selbstverbrennung medial, um damit gegen die von den USA unterstützte südvietnamesische Regierung zu protestieren (vgl. Graitl 2011: 40). Associated Press-Fotograf Malcolm Browne schoss davon ein Foto, das wie ein Lauffeuer um den Globus ging und weltweit Proteste gegen die USA und Südvietnam auslöste. Präsident Kennedy wollte, dass die Bilder des brennenden Mönchs unter allen Umständen aufhören und entsagte der mit Amerika verbündeten südvietnamesischen Regierung jegliche Unterstützung, woraufhin das Diem-Regime geschlossen zurücktreten musste (vgl. ebd. 41).

Durch Präsident Kennedys menschlich verständliches, doch politisch falsches Entscheiden sahen Nachahmer weltweit, dass sich Protestsuizide lohnen können, wodurch die Büchse der Pandora geöffnet wurde und seitdem nicht mehr geschlossen ist.

4 Vgl. La Vey 1999: 39.

5. Die Arten von Selbstmord

Die Wissenschaft unterscheidet in zwei Arten von Selbstmord, den egoistischen und den altruistischen Selbstmord. Egoistischer Selbstmord entsteht aufgrund innerer Konflikte und Probleme, die in Hoffnungslosigkeit münden, sodass man seinem Leben kurzerhand ein Ende macht. Es stellt eine Art von verspätetem Hilfeschrei dar, der ausdrücken soll, dass der Selbstmörder Probleme hatte, zu deren Lösung er sich nicht mehr imstande sah (vgl. Graitl 2011: 27f.). Altruistischer Selbstmord dagegen verfolgt einen höheren Zweck. AltruistischeTäter schreien zwar ebenfalls um Hilfe, aus ihrer Sicht aber nicht aufgrund eigener sondern gesellschaftlicher Probleme, auf die sie durch ihre Tat aufmerksam machen wollen. Diese Selbstmordattentäter (mehr aber noch die sie führenden Hintermänner) sehen sich selbst als von einer schweigenden Mehrheit delegiert, Rächer ihrer unterdrückten Volksgruppe zu sein (vgl. Graitl 2011: 140f.).

Daneben gibt es noch eine Mischgruppe, also Selbstmordattentäter, für die das altruistische nur als Deckmantel für persönliche Gründe dient (vgl. Graitl 2011: 111). Diese sind besonders perfide, da egoistischer Selbstmord in vielen Kulturen – darunter auch unserer christlichen – als Kainsmal und Schande gilt, während altruistisch „sich aufopfern“ nicht nur gesellschaftlich anerkannt sondern heldenhaft mystifiziert wird (vgl. ebd. 29f.). Der „gescheiterte David gegen Goliath“ (Mohammeds Enkel al-Husseins Tod in der sinnlosen Schlacht von Kerbela im Jahre 680 nach Christus)5 und der „gescheiterte David gegen Goliad“ (Davy Crocketts und William Travis Tod in der sinnlosen Schlacht von Alamo 1836)6 gelten als Beispiel dafür.

Die altruistisch suizidale Motivationsforschung stützt sich stark auf Emile Durkheims These des altruistischen Selbstmord. Durkheim definiert diesen Selbstmordtypus als „Suizid für ein höheres politisches oder religiöses Ziel“ und erklärt dieses Verhalten mit einer „charakteristisch für primitive Völker typischen […] archaischen Kollektivpersönlichkeit"