The Arrangement: Zweite Chance für die Liebe - Lia K. Harry - E-Book

The Arrangement: Zweite Chance für die Liebe E-Book

Lia K. Harry

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Beschreibung

Nachdem Layla Chris scheinbar grundlos verlassen hat, versucht Chris sein Leben in den Griff zu bekommen. Nun hat er die schwere Aufgabe, seinen Eltern zu beichten, dass diese Ehe mit einem Vertrag begonnen hat. Laylas Versuch, in ihr altes Leben zurückzukehren, scheitert, da Chris ihr immer wieder begegnet. Doch dann wird sie Opfer eines Unfalls mit verheerenden Folgen: Vier Jahre ihres Lebens sind aus ihrem Gedächtnis gelöscht. Chris nutzt diese zweite Chance, und tut alles, damit Layla sich erneut in ihn verliebt. Abschlussband des "The Arrangement"-Zweiteilers.

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Lia K. Harry

The Arrangement Teil 2: Zweite Chance für die Liebe

© 2021 Plaisir d’Amour Verlag, D-64678 Lindenfels

www.plaisirdamour.de

[email protected]

Covergestaltung: © Sabrina Dahlenburg (www.art-for-your-book.de)

ISBN Taschenbuch: 978-3-86495-481-8

ISBN eBook: 978-3-86495-482-5

Sämtliche Personen in diesem Roman sind frei erfunden. Dieses Buch darf weder auszugsweise noch vollständig per E-Mail, Fotokopie, Fax oder jegliches anderes Kommunikationsmittel ohne die ausdrückliche Genehmigung des Verlages oder der Autorin weitergegeben werden.

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 27

Kapitel 28

Epilog

Danksagung

Autorin

Kapitel 1

Christopher

Drei Tage sind seit der Anhörung vergangen. Drei Tage, seit Layla einen Schlussstrich unter unsere Ehe gezogen hat. Ich bin nur ein Schatten meiner selbst. Meine Wohnung habe ich, nachdem Layla sich umgedreht und fortgegangen ist, nicht mehr verlassen, sondern ich habe mich komplett abgeschottet. Im Büro denken alle, ich wäre krank. Gewissermaßen bin ich das auch: krank – vor Sehnsucht nach dieser Frau.

Die meiste Zeit lag ich im Bett und hatte das Gefühl, dass die Wände mich erdrücken. Oft habe ich daran gedacht, meinen Kummer in Alkohol zu ertränken. Ja, er hätte mich für ein paar Stunden betäubt, und dann? Dann wäre alles wieder beim Alten. Also tat ich es nicht.

Meine Eltern wollten vorbeischauen, ich habe ihnen jedoch gesagt, dass es nicht gut wäre, da ich die Grippe habe und sie nicht anstecken wolle. Sie mussten noch nicht wissen, dass er mir so dreckig geht, weil Layla sich von mir getrennt hat.

Wenn ich mal nicht im Bett lag, schlurfte ich von einer Ecke in die andere. Mein ganzes Penthouse ist voller Erinnerungen an sie und sogar die Bettlaken riechen immer noch nach ihr.

Die Stille ist unerträglich. Einmal habe ich das Radio eingeschaltet, aber nachdem ich gehört habe, welches Lied gespielt wurde, habe ich sofort auf den Off-Knopf gedrückt. Es erinnert mich an sie.

Ein paar Stunden nachdem ich die Anhörung verlassen hatte, hat Jeremy mich angerufen und mir mitgeteilt, dass Layla keinen einzigen Penny von dem haben wollte, was wir vertraglich vereinbart hatten. Auf der einen Seite war ich erleichtert, da mir so klar geworden ist, dass sie nicht hinter meinem Geld her war, sondern wahre Gefühle für mich haben musste. Auf der anderen Seite frage ich mich aber, warum sie mich trotzdem verlassen und die Annullierung beantragt hat. Ich glaube, dass ich darauf vielleicht nie eine Antwort bekommen werde.

Jeremy hat mehrmals nach mir gesehen und mir öfter gesagt, ich solle mich endlich zusammenreißen und nach vorn schauen. Der hat gut reden. Er hat ja nicht die Frau verloren, die ihm die Welt bedeutet. Ich habe es. Er kann weiter durch die Clubs ziehen und mit Frauen vögeln. Das kann ich nicht.

Ich kann nicht in mein altes Leben zurückkehren und mit anderen Frauen Sex haben, ohne sie mit Layla zu vergleichen. Bestimmt werde ich nie wieder in der Lage sein, eine andere Frau so zu lieben. Keine andere Frau kann Layla ersetzen. Sie ist diejenige, die mir Leben eingehaucht und es mir wieder genommen hat.

Irgendwie habe ich das starke Bedürfnis, eine bestimme Person zu sehen, um zu versuchen, ein paar entspannte Minuten mit ihr zu verbringen. Aus der Küche hole ich mein Handy und suche ihre Nummer aus den Kontaktdaten heraus. „Hey. Ich brauche dich dringend. Hast du Zeit für ein Mittagessen?“

„Für dich immer“, antwortet sie.

„Gut. In einer Stunde. Du weißt, wo.“

Noch bevor sie mir antworten kann, beende ich das Gespräch und gehe mich fertig machen.

In zehn Minuten müsste sie hier sein. Es ist knapp eine Woche vergangen, seit ich sie zum letzten Mal gesehen habe. Ich nehme den Kaffeelöffel in die Hand, klopfe damit auf die Handinnenfläche, lege ihn wieder weg, um den Zuckerstreuer hin und her zu wirbeln. Wie wird sie wohl reagieren, wenn sie erfährt, warum ich sie so kurzfristig sehen musste?

Eine Hand legt sich auf meine Schulter und weiche Lippen hauchen mir einen Kuss auf die Wange. Ich zucke kurz zusammen, da mich das an Layla erinnert. Vielleicht ist sie es ja.

Aber ein Blick über meine Schulter reicht aus, um mich zurück in die Realität zu holen. „Hey, schön dich zu sehen.“

„Schön, dich zu sehen.“ Sie setzt sich auf die Sitzbank.

Irgendwie kommt sie mir immer hübscher vor. Ihre hellblauen Augen strahlen wie immer. Die neuerdings pink gefärbten Haare sind gewöhnungsbedürftig, aber sie stören mich nicht. Das zartrosa Kleid, das sie anhat, ist nicht mein Geschmack, aber sie ist bei allen bekannt dafür, dass sie ihren ganz eigenen Stil hat. Ich bevorzuge die schlichte, sexy Mode bei einer Frau.

Für ein paar Augenblicke sitzen wir uns stumm gegenüber. Dann ergreift sie die Initiative und legt ihre Hand auf meine. „Ich kann mir schon denken, warum du mich hergebeten hast.“

Ich hole tief Luft und lehne mich in der Sitzbank zurück. Ist sie sich da wirklich so sicher? Ich glaube nicht, dass sie weiß, was ich gerade durchmache. „Britney!“

„Chris, ich sehe es dir doch an. Ich habe es an deinem Tonfall gehört. Du siehst echt scheiße aus, und ich bin mir sicher, dass es mit Layla zu tun hat.“

Meiner kleinen Schwester kann ich nichts vormachen. Sie hatte schon immer die Gabe, meine Stimmung richtig einzuschätzen, noch bevor ich etwas sagen konnte.

Als ich jünger war, habe ich mich zwar immer davor gedrückt, was mit ihr zu unternehmen oder auf sie aufzupassen, das hat sich aber auf der High School geändert. Wir wurden älter, und ich musste sie vor den anderen Jungs beschützen, damit sie ihr nicht an die Wäsche gehen. Jedenfalls bin ich nun außerordentlich froh darüber, dass ich sie habe.

„Ein Streit ist vollkommen normal unter Paaren und du musst …“

Ich hole tief Luft und sehe sie an. Anscheinend denkt sie, wir hätten einen fürchterlichen Streit. Ich stütze mich mit dem Ellbogen auf dem Tisch ab, fahre mir durch die Haare, schlucke den riesigen Klumpen herunter, der sich in meiner Kehle gebildet hat, und schließe die Augen.

„Sie hat mich verlassen, Brit“, falle ich ihr krächzend ins Wort. „Vor drei Tagen haben wir die Unterlagen für die Annullierung der Ehe unterzeichnet“, raune ich und bei dem Gedanken daran zieht sich mein Brustkorb zusammen.

„Was?“ Sie reißt die Augen auf. „Du verarschst mich, oder?“

„Tue ich nicht.“

Brit stützt die Ellbogen auf den Tisch und vergräbt das Gesicht in ihren Händen. Als sie sie wieder herunternimmt, sieht sie mich mitleidig an. Erneut greift sie nach meiner Hand und drückt sie ganz fest, zeigt mir damit, dass sie an meiner Seite ist. „Tut mir leid, Chris. Das ist echt scheiße. Hast du irgendetwas Falsches gesagt oder getan?“

„Nicht du auch noch.“ Seufzend entziehe ich ihr meine Hand und schaue über ihre Schulter.

Am Tisch hinter ihr sitzt ein Pärchen, das sich, eng umschlungen, in die Augen schaut und sich zwischendurch immer wieder küsst. Erneut werden Erinnerungen an meine gemeinsame Zeit mit Layla in mir geweckt und ein Stich fährt durch mein Herz.

„Wie meinst du das?“, höre ich Brits Stimme und sehe wieder zu ihr.

„Was?“

„Ich fragte, wie du das meinst?“

„Na, Jeremy, Trish – alle denken, dass ich was getan habe. Und nun du auch noch“, sage ich, atme tief ein und senke den Kopf.

„Bei deiner Vergangenheit …“

„Bist du nun auf meiner Seite oder nicht?“, werfe ich ein und hebe den Kopf, weil ich keine Lust habe, mich an mein altes Leben zurückzuerinnern. Das war einmal. Seitdem ich Layla getroffen habe, hat sich mein Leben um hundertachtzig Grad gedreht. Sie hat es verändert.

„Das bin ich. Aber irgendetwas muss doch der Auslöser gewesen sein.“

Ich seufze, lege die Hand auf den Mund und reibe mir über meine Bartstoppeln. Etwas schnürt mir die Kehle zu und erschwert mir das Atmen. Sie hat das Recht, die Wahrheit zu erfahren. Ich muss es ihr sagen, ihr alles berichten – von dem Tag an, an dem Luke mir Layla für die Scheinehe vorgeschlagen hat, bis zu dem Zeitpunkt, als mir meine Gefühle für sie klar geworden sind. Ja, ich wollte sie zu Beginn nur vögeln, aber mit der Zeit wollte ich einfach mehr für sie sein als nur ihr Fake-Ehemann. Sie sollte bis in alle Ewigkeit meine Frau sein.

„Brit, ich muss dir etwas gestehen.“

Sie sieht mich mit einem Ausdruck an, der mir ganz klar sagt: „Ich wusste, dass du etwas getan hast.“

Erneut fahre ich mir mit zitternden Fingern durch die Haare, während ich tief Luft hole. Mein Herz rast wie verrückt. „Layla und ich sind ein Arrangement eingegangen“, beginne ich zu erzählen und sehe ihren verwunderten Gesichtsausdruck. „Unsere Heirat war ein Deal.“

„Ihr habt einen Vertrag geschlossen? Das war alles ein Fake?“

„Zu Beginn schon.“

„Wie soll ich das denn verstehen?“

Ich schließe die Augen und ein tiefer Seufzer entfährt mir, während ich versuche, die richtigen Worte zu finden. „Am Anfang war es ein Fake. Mit der Zeit habe ich jedoch gemerkt, dass ich Gefühle für sie entwickelt habe. Ich wurde rasend vor Eifersucht, wenn ein anderer Mann sie ansprach oder sie auch nur ansah. Wenn sie mir Kontra gab, fand ich es nicht mehr amüsant, sondern liebte es. Bei ihr zu sein, sie in meinen Armen zu halten, war das Schönste, was ich je erlebt habe.“

Ihre Lippen zucken, bis sie sich zu einem Lächeln ausbreiten. „Du liebst sie“, stellt sie klar.

Ich lächele zurück. „Ja, ich liebe sie.“

„Das ist doch schon mal ein guter Anfang.“ Brit lehnt sich nach vorn und greift nach meiner Hand. Sie lächelt mich zuversichtlich an und Hoffnung breitet sich in mir aus. „Operation ‚Wir holen uns Layla zurück‘ hat soeben begonnen.“

Layla mag mich zwar verlassen haben, jedoch bin ich mir sicher, dass sie noch irgendetwas für mich empfindet. Würde sie es nicht tun, dann hätte sie das Geld genommen und nicht ausgesehen, als würde sie auf eine Beerdigung gehen.

Ich sehe meine kleine Schwester an. Während ich geglaubt habe, dass alles verloren ist, strotzt sie nur so vor Optimismus. Sie schafft es tatsächlich, mir ein Lächeln auf das Gesicht zu zaubern. Ich bin bereit für diese Operation. Wir werden Layla zurückholen.

„Also, wir müssen es irgendwie schaffen, an sie ranzukommen, und dann …“

Ihre Augen schauen nach draußen und sie verstummt. Sie schluckt schwer, reißt die Augen auf und schaut mal zu mir, mal nach draußen, bis sie sich auf das fixiert, was auf der Straße los ist. Ich folge ihrem Blick und spüre sofort, wie mein Blutdruck steigt. Meine Finger kribbeln und mein Kiefer mahlt, als ich Layla auf der anderen Straßenseite sehe. Sie geht neben einem Mann, den ich von irgendwo her kenne und der seine Hand auf ihren Rücken gelegt hat. Wer ist dieser Bastard, der seine Finger auf meine Frau legt? Ihr scheint es keineswegs etwas auszumachen! Ganz im Gegenteil! Es gefällt ihr, denn sie lächelt.

„Chris?“, höre ich Brit warnend sagen, als sich meine Atmung beschleunigt und das Blut durch meinen Körper rauscht. Meine Hände ballen sich zu Fäusten, die ich diesem Kerl gern ins Gesicht schlagen würde.

„Chris?“, nehme ich die Stimme meiner Schwester erneut ganz vage wahr.

Ich starre Layla weiterhin an. Sie bleibt mit dem Kerl stehen, fährt ihm mit der Hand über die Brust und umarmt ihn schließlich. Ich glaube, ich kenne diesen Bastard. Irgendwo habe ich sein Gesicht schon mal gesehen.

Sofort springe ich auf und eile zum Ausgang.

„Chris!“, schreit Brit, aber ich ignoriere sie, weil ich nur den einen Gedanken habe, diesem Kerl die Fresse zu polieren. „Al! Hilf mir“, ruft sie und packt meinen Arm, um mich daran zu hindern, das Bistro zu verlassen. Innerhalb von Sekunden steht Al vor mir, legt die Hände auf meine Brust und drückt mich zurück.

„Lass mich los!“, brülle ich. „Ich bringe ihn um!“

Al drückt mich mit seinem Körper weiter nach hinten, aber ich versuche, mich loszureißen. Ich will nur raus und diesem Bastard die Gurgel umdrehen.

„Troy, komm her!“, ruft Al, und ich spüre, wie jemand die Arme um meine Schultern schlingt und mich ebenfalls nach hinten zieht. Ich wehre mich mit aller Kraft, aber die zwei Männer sind stärker als ich und bringen mich hinter die Theke. Al öffnet die Tür des dahinter liegenden Büros, Troy zerrt mich hinein und geht wieder hinaus.

„Du bleibst jetzt hier, Palmer, bis du wieder klar denken kannst“, informiert mich Al, bevor er das Büro ebenfalls verlässt und die Tür hinter sich zumacht.

Ich tigere durch das Büro, reibe dabei ständig meine zur Faust geballte Hand an der Handinnenfläche der anderen. Verdammt noch mal! Vor drei Tagen hat sie den Schlussstrich gezogen und jetzt schon einen anderen Mann gefunden. Fuck! Bestimmt hat sie deswegen die Annullierung eingereicht. Sie waren sicher die ganze Zeit heimlich ein Paar und Luke wusste nichts davon. Aber wenn sie mit einem anderen Mann zusammen war, warum hat sie dann mit mir geschlafen? Womöglich ist sie das Arrangement eingegangen, um das Geld zu bekommen und mit diesem Kerl ein schönes Leben zu verbringen. Ich schüttele den Kopf und schiebe diesen Gedanken zur Seite, denn sie wollte keinen einzigen Cent haben.

Während ich weiterhin auf und ab stampfe, bleibe ich plötzlich stehen und mein Blick fällt auf das Poster, das in Als Büro hängt. Die Dallas Cowboys. Das Football-Team. Ich gehe näher ran, und meine Augen starren auf ein Gesicht, das ich vor ein paar Minuten draußen mit Layla gesehen habe. Shit! Das ist der Kerl. Der Quarterback der Cowboys. Ich wusste, dass ich das Gesicht schon mal irgendwo gesehen habe.

Kapitel 2

Layla

Es war schön, meinen besten Freund Allan wiederzusehen. Gott, wie sehr ich ihn vermisst habe. Er hat mich im Büro abgeholt und wir haben zusammen zu Mittag gegessen, bevor er mich wieder zurückbegleitet hat. Ich hätte gern den restlichen Tag mit ihm verbracht, aber er musste zum Training und ich wieder zurück in die Kanzlei. Wir haben aber ausgemacht, dass er mich einmal ins Stadion mitnimmt, solange er noch hier ist. Hoffentlich hat sein Trainer nichts dagegen, wenn er einen Zuschauer mitbringt. Ich will Allan nämlich nicht vom Training ablenken. Die Saison beginnt bald, und das Team muss hart arbeiten, wenn es an die Spitze kommen will.

Ich habe meinem Freund die Sache mit Chris anvertraut. Immer wieder betonte er, wie verrückt ich gewesen bin, mich auf so etwas einzulassen. Wenn er hier gewesen wäre, dann hätte er mich daran gehindert. Chris Palmer ist und bleibt ein Playboy.

Allan sagte außerdem, Chris hätte mich nicht verdient und dass ich viel zu gut für ihn bin. „Wenn du einen besseren Mann gefunden hast, wird er sich in den Arsch treten, dass er dich betrogen hat. Er ist ein arroganter Mistkerl und hat bekommen, was er verdient“.

Vielleicht hat er recht. Chris wird nie in der Lage sein, einer Frau mehr als Sex zu geben.

Seufzend lasse ich mich in meinen Bürostuhl fallen. Tagsüber lächele ich und bin gut gelaunt, um meinen Trennungsschmerz vor meinen Kollegen und Freunden zu verbergen und ihnen zu zeigen, dass es mir gut geht. Nachts, wenn ich im Bett liege, kommt mir alles wieder in den Sinn, und ich sehe Kylie vor mir, die halb nackt in seiner Wohnung steht. Erst da kommen meine wahren Gefühle zum Vorschein und ich leide Höllenqualen. Das Eis um mein Herz, das Chris zum Schmelzen gebracht hatte, baut sich nun wieder Schicht für Schicht auf.

Ständig sehe ich ihn vor mir, wie er mich mit seinen hellblauen Augen ansieht, und spüre, wie seine Finger über mein Gesicht streichen. Wie er mir meinen Namen erregt ins Ohr flüstert, wie seine Lippen über meine streichen und sie letztendlich mit einem sinnlichen Kuss in Besitz nehmen. Jede Nacht wälze ich mich von einer Seite auf die andere, schlafe nicht durch und sehe morgens auch dementsprechend aus. Aber hey, Make-up kann alles vertuschen.

Trish hat mir gesagt, er sei bei ihr aufgetaucht und habe nach mir gesucht. Bestimmt hat Kylie ihn darüber informiert, dass ich da war, und er hat sich auf den Weg gemacht, um mich zu finden und mir zu erklären, dass zwischen ihnen nichts gelaufen sei. Während der Anhörung hat er die Frechheit besessen, sich als zutiefst verletzt darzustellen und vorzugeben, nicht zu wissen, warum ich die Annullierung eingereicht habe. Ich bin mir sicher, er hatte nur Muffensausen, dass sein Vater ihm den Geldhahn zudreht, weil er ihn bezüglich unserer Beziehung angelogen hat. Geschieht ihm recht!

In meiner Brust sticht es unangenehm und meine Augen beginnen zu brennen. Immer wieder kreist dieser eine Gedanke durch meinen Kopf: Wie konnte er mir das nach dieser Zeit antun?

Das Klingeln meines Telefons reißt mich aus den Gedanken. Ich schlucke und räuspere mich. „Ja, Linda.“

„Layla, Roger Davids möchte Sie sehen.“

„Was?“

„Ich kann ihn auch wegschicken, wenn Sie …“

„Nein, nein. Schicken Sie ihn rein.“

Was will er hier? Roger und ich hatten für ein paar Wochen was miteinander, aber unsere letzte Begegnung liegt schon Jahre zurück. Ihm gehört eine Ölraffinerie in Dallas, und er ist außerdem der Präsident der Dallas Cowboys, die zurzeit hier in Houston ihr Vorbereitungstraining absolvieren. Damals, in meinem letzten Jahr auf dem College, arbeitete Roger für seinen Großonkel in Philly. Erst dachte ich, ihm würde eine Restaurantkette gehören und Roger würde dort als Manager arbeiten. Nachdem unserer Affäre zu Ende war, erfuhr ich allerdings, was die beiden wirklich für Geschäfte führten. Rogers Onkel gehörte einer kriminellen Gruppe an, die der italienischen Mafia gleicht.

Roger war schon damals ein verdammt gutaussehender Typ, bei dem die Frauen schnell schwach wurden. Daher hatte es mich gewundert, dass er mit mir eine Affäre anfing. Wir haben uns in Freundschaft getrennt, und aus reinem Interesse habe ich seine berufliche Laufbahn weiterverfolgt. Roger hatte irgendwann die Nase voll von Philadelphia, und nahm, als sein Onkel gestorben war, dessen Vermögen und investierte es in Öl. Das war vor knapp fünf Jahren. Und nun … nun ist er einer der reichsten Männer in Dallas, und ein verdammt heißer dazu.

Ich hole meinen kleinen Spiegel aus der Schublade, um schnell nachzusehen, ob mein Make-up nachgebessert werden muss und ob ich wirklich so erbärmlich aussehe, wie ich mich fühle.

Als ich gerade dabei bin, den leicht verschmierten Kajalstift abzuwischen, ertönt eine tiefe Stimme: „Diese Angewohnheit, in den Spiegel zu sehen, bevor du mich triffst, hast du immer noch?“

Schnell klappe ich den Spiegel zu, zaubere mir ein Lächeln aufs Gesicht und sehe zu ihm rüber. Vor Freude, ihn wiederzusehen, beginnt mein Herz zu rasen. Ganz lässig lehnt er sich gegen den Türrahmen, die Arme vor der Brust gekreuzt, und strahlt genau das Selbstbewusstsein aus, das er schon immer hatte.

Er trägt Jeans, Schlabbershirt und ein Jackett. Nie und nimmer würde man denken, er wäre ein Millionär. Seine hellbraunen Haare, die einen leichten Rotstich haben, hat er mit Gel nach hinten gekämmt, wodurch sein markantes Gesicht besonders gut zur Geltung kommt, und seine grünen Augen strahlen pure Freude aus.

„Hey! Was führt dich nach Houston?“ Ich stehe auf, gehe zu ihm und wir umarmen uns. Er hat fast den gleichen Körperbau wie Chris. Groß, breite Schultern, sehr muskulös. Bestimmt ist er hier, um seinem Team bei der Vorbereitung auf die nächste Saison zuzusehen.

„Lass dich ansehen.“ Er zieht sich zurück, beäugt mich von Kopf bis Fuß und pfeift bewundernd. „Ich muss sagen, du bist noch heißer als damals“, bemerkt er und zwinkert mir zu.

„Wir haben den Freunde-Kodex geschworen, Davids“, erinnere ich ihn.

„Leider.“ Er hebt die Augenbrauen und seufzt laut auf.

Nach unserer Trennung haben wir uns versprochen, dass wenn einer die Hilfe des anderen benötigt, wir alles unternehmen werden, um ihn zu unterstützen. Bisher habe ich seine Hilfe nicht gebraucht, aber ich denke, er braucht meine, sonst wäre er nicht hier.

„Also, Roger, was führt dich her?“

„Ich brauche deine juristischen Fähigkeiten“, antwortet er, während er auf dem Sessel Platz nimmt.

Ich lege den Kopf schief. Wenn er meinen juristischen Rat braucht, dann ist er sicher verheiratet und will sich scheiden lassen. Davon habe ich aber nichts gehört oder gelesen.

„Vor drei Jahren hatte ich eine kurze Beziehung. Eigentlich nichts von Bedeutung.“

Roger ist genau der gleiche Typ wie Chris. Reich, gutaussehend und ein Womanizer. Er hatte immer eine Frau nach der anderen, daher wundert mich diese kurze Beziehung nicht.

„Sie wurde schwanger“, fährt er fort, „und bis vor ein paar Monaten war alles okay. Ich habe ihr eine Wohnung gekauft, damit sie keine Miete zu zahlen braucht, habe sie finanziell unterstützt und durfte meinen Sohn sehen, wann immer ich wollte. Doch nun hat sie einen neuen Partner und verbietet es mir.“

Ich öffne den Mund, um etwas zu sagen, jedoch bleiben mir meine Worte im Hals stecken. Roger hat einen Sohn und will für ihn kämpfen.

Anscheinend muss ich in diesem Moment so bescheuert aussehen, dass Roger in sich hineinlacht. Er räuspert sich, lehnt sich nach vorn und stützt die Ellbogen auf die Knie. „Du bist die Beste auf diesem Gebiet. Olivia hat das alleinige Sorgerecht beantragt, weil sie nun als Model arbeitet und ich ihr keinen Unterhalt mehr zahlen möchte.“

„Ihr wart nicht verheiratet. Sie hat kein Anrecht auf Unterhaltszahlung und kann froh sein, dass du sie freiwillig unterstützt hast. Natürlich kann sie Unterhalt für das Kind fordern, wenn die Vaterschaft anerkannt wurde.“

„Ich habe einen Vaterschaftstest machen lassen, Layla. Er ist mein Sohn und ich will für ihn da sein.“

„Du kannst ein geteiltes Sorgerecht beantragen und ihn als deinen Erben angeben.“ Ehrlich gesagt hätte ich nie gedacht, dass Roger irgendwann für einen Menschen Verantwortung übernehmen würde. Wenn mir das jemand gesagt hätte, wäre ich in schallendes Gelächter ausgebrochen. Aber es aus seinem Mund zu hören, umhüllt mein Herz mit Glück, dass dieser Mensch sich, allem Anschein nach, wegen eines Kindes geändert hat.

„Du und ich“, sagt er wie aus der Pistole geschossen.

Ich hebe die Brauen und mein Mund steht offen. Roger lehnt sich über den Tisch, legt seine Hand unter mein Kinn und drückt es nach oben. „Ich möchte, dass du mir bei diesem Fall zur Seite stehst.“

„Wieso ich?“

„Weil ich dir blind vertraue.“ Roger schaut auf seine goldene Rolex und steht anschließend auf. „Ich muss leider zu einem geschäftlichen Termin. Wollen wir heute Abend essen gehen und die Details besprechen?“

Ich nicke.

„Um sieben im Charivari?“

„Okay.“

In meiner neuen Wohnung gehe ich durch die Zimmer und suche nach meinem grauen Anzug, der irgendwo hängen muss. Mein Kleiderschrank ist noch nicht aufgebaut, deswegen hängt alles an Türen und Regalen. Schließlich werde ich fündig, mache mich fertig und verlasse die Wohnung, die sich im südöstlichen Teil der Stadt befindet.

Die ersten zwei Tage, nachdem ich Kylie in Chris’ Penthouse angetroffen habe, war ich in einem Hotel. Da konnte ich aber nicht für immer bleiben, und Prescott half mir dabei, eine Wohnung zu finden und den Mietvertrag schnell zu unterschreiben.

Nach zwanzig Minuten Fahrt erreiche ich das Charivari. Roger sitzt schon an einem Tisch, der sich ziemlich weit hinten im Lokal befindet. Sicher möchte er in Ruhe über seinen Fall sprechen und hat aus diesem Grund einen Tisch reserviert, der etwas abseits der anderen ist. Am Eingang teile ich dem Kellner mit, dass ich von Mr. Davids erwartet werde, woraufhin er mich zu dem Tisch führt.

Roger steht auf, legt seine Hände auf meine Oberarme und begrüßt mich mit einem Kuss auf die Wange. Plötzlich höre ich, wie Geschirr klappert und lautes Fluchen folgt.

Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, aus der die Geräusche kommen, und sehe Jeremy, der Chris am Arm festhält. Chris’ Kopf ist knallrot und die Adern an seinem Hals sind deutlich sichtbar. Die Zähne hat er zusammengebissen, und er versucht verzweifelt, sich loszureißen, während ein weiterer Kellner dazukommt und ihn ebenfalls festhält.

Mein Blick heftet sich auf ihn, und ich rümpfe die Nase, was ihn natürlich noch wilder macht. Erneut will er sich auf uns stürzen, aber Jeremy und der Kellner ziehen ihn immer wieder zurück und reden auf ihn ein. Es ist das erste Mal, dass ich ihn nach der Anhörung wiedersehe, und mein Herz beginnt vor Aufregung, zu rasen. Die Schmetterlinge in meinem Bauch machen sich selbstständig und tanzen wie verrückt herum. Egal, was er mir angetan hat, meine Gefühle für ihn kann ich nicht einfach so abstellen.

„Kennst du ihn?“ Roger sieht Chris argwöhnisch an.

„Ist der Ex-Mann einer Klientin. Niemand von Bedeutung.“ Absichtlich lege ich meine Hand auf Rogers Oberarm, fahre mit ihr einige Male auf und ab und lächele ihn an. „Lass uns essen. Der Manager wird sich schon um diesen Verrückten kümmern.“

Ich setze mich auf den Stuhl, den Roger mir, ganz gentlemanlike, zurechtrückt, und nehme aus dem Augenwinkel wahr, wie Jeremy Chris nach draußen führt. Gott sei Dank hat Jeremy sofort reagiert. Ich will nicht wissen, was passiert wäre, wenn Chris es bis zu unserem Tisch geschafft hätte. Um Roger mache ich mir keine Sorgen, sondern um Chris. Denn wie schon erwähnt war Roger Mitglied einer kriminellen Organisation, und ich denke, er hätte Chris mit einem gezielten Hieb k. o. geschlagen.

Ich widme mich wieder Roger und seinem Vorschlag, ihn zu vertreten, und lasse mich nicht von dem Getümmel am Eingang ablenken.

Kapitel 3

Christopher

„Lass mich durch!“, brülle ich Jeremy an und versuche, an ihm vorbeizugehen, um wieder ins Restaurant zu gelangen.

Er stellt sich mir in den Weg, legt seine Hände auf meine Brust und schubst mich zurück. „Nur über meine Leiche!“

„Wie du willst!“ Ich balle meine rechte Hand zu einer Faust und hole aus, um ihm einen Kinnhaken zu verpassen.

Jeremy ist aber schnell. Verdammt schnell. Er weicht aus, ich verliere mein Gleichgewicht und falle dabei gegen die Motorhaube meines Wagens.

„Verdammter Mistkerl! Komm endlich zur Besinnung!“ Jeremy knurrt mich an, während ich immer noch schwer atmend auf dieser verfluchten Motorhaube liege. „Sie will nichts mehr mit dir zu tun haben. Versuch, dein Leben wieder in den Griff zu bekommen, und lerne, ohne sie zu leben.“

Ich stütze die Hände auf der Haube ab, erhebe mich und sehe ihn dabei aus zusammengekniffenen Augen an.

„Leck mich, J.“

Schnell wende ich mich ab und gehe auf die Fahrerseite meines Wagens zu.

„Es sollte dich nicht mehr interessieren, mit wem sie sich zum Essen trifft. Sie kann tun, was sie will“, ruft er mir hinterher.

Sofort bleibe ich stehen, wirbele herum und zeige mit dem Zeigefinger auf die Glasfront.

„Das ist Roger Davids, du Arsch! Ölraffineriebesitzer aus Dallas, Präsident der Cowboys und dazu noch bekannt für seine zahlreichen Affären. Er hat soeben meine Frau auf die Wange geküsst, sitzt mit ihr in einem teuren Restaurant, und Gott weiß, wie der Abend enden wird.“

„Ex-Frau, Chris. Sie ist deine Ex-Frau.“

Ich beiße meine Zähne kräftig zusammen.

„Wie schon gesagt, J. Leck mich.“

Die Scheinwerfer meines Wagens leuchten auf, als ich auf den Knopf der Fernbedienung drücke.

Ich steige ein, schließe die Tür und umfasse das Lenkrad, sodass meine Knöchel weiß hervortreten. Jeremy steht direkt vor mir und blockiert mir den Weg. Ich presse die Lippen zu einer schmalen Linie zusammen, kneife die Augen zu und trete mit dem Fuß auf das Gaspedal. Der Motor heult auf und Jeremy tritt endlich zur Seite. Mit quietschenden Reifen fahre ich vom Parkplatz des Charivari.

Zu Hause schnappe ich mir eine Flasche Whiskey und kippe sie mir in den Rachen. Heute Vormittag sah ich sie mit diesem Quarterback und jetzt mit Roger Davids. Mit wie vielen Kerlen treibt sie es noch? Sie ist anscheinend zu einer der Frauen geworden, die sich früher um mich scharten. Wieder setze ich die Flasche an und nehme einen Schluck. Als ich an der Stereoanlage vorbeigehe, schalte ich sie ein und drehe die Lautstärke auf. Unser Lieblingssender ist eingestellt. Love Radio.

Der R&B-Sänger Babyface singt gerade davon, wie einsam er sich fühlt. Sie fehlt ihm, er vermisst sie. Ihr Gesicht, ihren Kuss, ihre Streitigkeiten. Shit! Ich tue es auch. Alles an Layla fehlt mir. Ihre Wärme, ihre Stimme, ihr Lachen. Die wütenden Blicke, wenn ich mal was Falsches gesagt habe. Ihre glücklichen Blicke, wenn ich sie mit etwas überrascht habe. Der Rosenduft, der ihren Körper umhüllte. Oh Gott, dieser Körper, der durch meine Berührung mit Gänsehaut übersät war und voller Verlangen gebebt und geglüht hat, als sie sich mir hingab.

Fuck! Ich spüre einen starken Stich in meiner Brust, die sich anschließend zusammenzieht. Sie fehlt mir so sehr. Und sie lässt sich mit diesem Kerl ein. Shit!

Mit der Flasche an meinen Lippen gehe ich hinaus auf den Balkon und setze mich auf die Couch. Die vorherigen Tage habe ich es vermieden, meinen Schmerz in Alkohol zu ertränken. Aber heute halte ich es nicht mehr aus. Der Whiskey wird mir helfen, den Schmerz für ein paar Stunden zu vergessen. Sie mit einem anderen Mann zu sehen, tat weh. Gott, es tat so unheimlich weh.

Jemand rüttelt mich.

„Chris! Hey, wach auf.“

Vergeblich versuche ich, meine Lider zu öffnen. Sie sind so schwer und mein Kopf dröhnt. Sie ein wenig zu öffnen, schaffe ich aber doch, und ich merke, dass ich mich auf dem Boden meines Balkons befinde. Was zum … Shit! Ich habe die Nacht hier draußen verbracht. Stöhnend setze ich mich auf und lehne den Kopf gegen das Geländer, als Jeremy in meinem Blickfeld erscheint. In der Hand hält er die Flasche, die mir letzte Nacht Gesellschaft geleistet hat.

„Hast du die ganze Flasche alleine ausgetrunken?“

Ist das eine Fangfrage? Ich fasse mir an den Kopf, weil mir jemand mit dem Vorschlaghammer dagegen schlägt. „Möglich.“

„Möglich? Bist du von allen guten Geistern verlassen?“ Er verschränkt die Arme vor der Brust.

Meine Güte, der ist aber stinkig.

„Du musst heute ins Büro kommen. Wir haben in einer Stunde ein wichtiges Meeting, verdammt. Willst du da so auftauchen?“

„Gib mir einen starken Kaffee“, sage ich und stehe langsam auf, „und es geht mir wieder gut.“

„Das will ich für dich hoffen“, ruft er mir zu, während ich in mein Schlafzimmer schlurfe, um dann ins Badezimmer zu gehen, um zu duschen. „Es ist ein sehr …“

„Wichtiges Meeting“, beende ich seinen Satz. „Ja, ich weiß.“

Es war besonders hart für mich, aber wir haben das Meeting erfolgreich hinter uns gebracht. Meine Kopfschmerzen waren nicht mehr so schlimm wie heute Morgen nach dem Aufstehen, aber sie waren noch da. Immer wieder rieb ich über meine Stirn und versuchte, so wenig wie möglich zu reden, denn sobald ich anfing, etwas zu sagen, brachte ich keinen anständigen Satz zustande, und somit übernahm Jeremy das Reden.

Während des Meetings musste ich ständig an Layla denken und an das, was letzten Abend passiert war. Ich bin mir sicher, dass mit diesem Davids etwas läuft. An ein Anwalt-Mandanten-Verhältnis glaube ich nicht, denn für mich war dieses Essen zu intim für eine geschäftliche Verabredung. Wie sie ihn angestrahlt hat und wie er seine Hände auf ihre Arme legte und sie auf die Wange küsste.

Uh-uh! Da läuft definitiv mehr. Und ich will verdammt noch mal wissen, was. Kein Mann hat das Recht, sie anzurühren oder zu küssen.

Eine halbe Stunde nachdem ich mein Büro verlassen habe, stehe ich im Fahrstuhl und fahre hoch zur Etage, in der sich die Kanzlei befindet, in der sie arbeitet. Ich war noch nie hier, aus diesem Grund erkundige ich mich am Empfang nach ihrem Büro. Die Dame fragt mich, ob sie mich anmelden solle, jedoch verneine ich es. Ich will nicht, dass Layla über meine Anwesenheit informiert wird und sich aus dem Staub macht, bevor ich ein paar Dinge klargestellt habe.

Die Empfangsdame erklärt mir den Weg, ich mache mich auf die Suche und werde schließlich fündig. An einem Schreibtisch sitzt eine blonde junge Frau mit einem Kurzhaarschnitt, die mir als Laylas Assistentin beschrieben wurde.

„Ist Layla hier?“, frage ich, und als sie mit „Ja“ antwortet, gehe ich an ihr vorbei und reiße die Tür auf. Ich bleibe auf der Türschwelle stehen, halte die Klinke fest in meiner Hand und blecke die Zähne. „Was zur Hölle soll das?“

Layla hebt abrupt ihren Kopf, nimmt ihre Brille ab – die sie unglaublich sexy macht – und sieht mich argwöhnisch an. Ihr Blick ist so intensiv, dass ich eine Gänsehaut bekomme.

„Verzeihung?“

Der Ton ihrer Stimme ist eiskalt und reißt mich aus diesem schönen Gefühl heraus.

Oh, sie tut so, als wüsste sie nicht, worüber ich rede. Gestern Abend sah das aber anders aus. Sie hat mich gesehen und auch, dass ich ausgerastet bin, nachdem dieser Scheißkerl sie geküsst hat.

Kapitel 4

Layla

Eigentlich sollte ich ihn zum Teufel schicken. Was geht es ihn an, mit wem ich mich treffe? Unser Arrangement ist beendet. Punkt! Ich sollte ihn rausschmeißen, aber in meinem Kopf ist immer noch dieser kleine Teil, der rebelliert und wieder die Kontrolle über meinen Körper übernehmen möchte. Ehrlich gesagt sieht er im Moment ziemlich heiß aus, so wütend, wie er ist. Und eifersüchtig?

Ich lege meine Hände auf den Schreibtisch und erhebe mich. Mein Blick hält seinen fest, aber ausnahmsweise spüre ich nicht den Drang, zu ihm zu laufen und ihm um den Hals zu fallen. Diese Bilder von Kylie in Unterwäsche in seinem Apartment und von dem, was sie vor meinem Eintreffen anscheinend getan haben, kommen mir wieder ins Gedächtnis, daher hake ich den Gedanken, dass er womöglich eifersüchtig ist, schnell wieder ab. Das, was ich im Moment fühle, ist Abscheu.

„Das geht dich einen Dreck an, Palmer“, sage ich, presse die Zähne aufeinander und hebe meine linke Hand. „Wie du siehst, trage ich keinen Ehering mehr.“

Chris kommt näher, bis er auf der anderen Seite des Schreibtisches stehen bleibt, die Hände darauf abstützt und sein Gesicht nur Zentimeter von meinem entfernt ist. Ich sehe seine Kiefer mahlen und die blanke Wut in seinen Augen. Gut, denn ich denke, er sieht den gleichen Ausdruck in meinen.

Dieser Mistkerl traut sich, mir wieder unter die Augen zu treten und so zu tun, als wäre er eifersüchtig und gedemütigt. Nicht mit mir. Ich habe ihn durchschaut. Jedoch muss ich sagen, dass er ein sehr guter Schauspieler ist.

„Du kannst von Glück sagen, dass kein Paparazzo anwesend war, sonst wärst du heute als Davids neues Betthäschen auf den Titelseiten zu sehen“, sagt er mit zusammengebissenen Zähnen.

So etwas lasse ich mir nicht bieten, und von ihm schon gar nicht. Ohne großartig über seinen beleidigenden Betthäschen-Kommentar nachzudenken, hebe ich meine Hand und verpasse ihm eine Ohrfeige. Sein Kopf fliegt zur Seite und meine Hand schmerzt, aber das ist mir völlig egal. Wie kann er es wagen, mich so zu nennen! Ausgerechnet er, der fast alle weiblichen Einwohnerinnen von Houston flachgelegt hat.

„Verschwinde aus meinem Büro!“

Er wendet sich mir wieder zu. „Du wirst dich von dem Kerl fernhalten.“

„Ich tue, was ich will!“, schreie ich und schlage mit der Hand auf den Schreibtisch.

Seine Augen verengen sich, und an seiner Schläfe wird eine kleine Vene sichtbar, die extrem pocht. Er atmet tief durch die Nase ein und aus. „Der Kerl ist ein Spieler. Ein Sonnyboy und Womanizer.“

Das soll wohl ein Witz sein. Der Wolf warnt das Schaf vor dem anderen Wolf. Ich kreuze die Arme vor der Brust und hebe eine Braue. „Welch Ironie!“

„Layla! Treib es nicht zu weit!“

Er droht mir? Ich lehne mich nach vorn, sodass ich ihm ganz nahe bin. Wir halten den Blickkontakt. Der Duft seines Aftershaves steigt mir in die Nase und für einen kurzen Augenblick muss ich an unsere Tage in Puerto Rico zurückdenken. Er hielt mich in seinen Armen und küsste mich leidenschaftlich. Oh nein! Nicht schwach werden. Schublade auf, Erinnerungen rein, Schublade wieder zu.

„Du hast kein Recht, mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe“, raune ich und lehne mich wieder zurück, um einen angemessenen Abstand zu ihm zu bekommen und seinen Duft nicht mehr in mich aufzunehmen. Ein paar Sekunden länger und dieser kleine Teil in meinem Gehirn könnte wieder anfangen, zu rebellieren, und ich würde die Kontrolle über meinen Körper verlieren und schwach werden.

„Das werden wir noch sehen.“ Er bleckt die Zähne, und mit diesem letzten Satz, der wie eine Drohung rüberkam, wendet er sich ab und verlässt mein Büro.

Zitternd und schwer atmend, lasse ich mich auf meinen Stuhl fallen. Dieser Arsch! Nach allem, was er getan hat, wagt er es, herzukommen, um mir vorzuschreiben, was ich zu tun habe? Allein der Gedanke an jenen Nachmittag, an dem ich seine Wohnung für immer verlassen habe, macht mich rasend vor Wut. Ich zittere wie Espenlaub, und mir wird schlecht, als ich an diese Kylie denke.

Ich eile zur Toilette und erreiche die Kabine, bevor sich mein Mageninhalt auf dem Boden verteilt. Als ich mich auf die Fliesen knie, höre ich, wie die Tür aufgeht.

„Layla?“

Oh Shit! Linda. Bestimmt fragt sie sich, was vorgefallen ist, da ich wie eine Verrückte zur Toilette gerannt bin.

„Geht es Ihnen gut?“

Mit einem Stück Papier wische ich mir den Mund ab. „Ja, Linda. Es geht schon. Ist vielleicht eine Magen-Darm-Grippe.“ Tolle Ausrede, aber ich kann ihr schlecht sagen, dass die Anwesenheit meines Fake-Ex-Mannes daran schuld ist.

„Sagen Sie mir Bescheid, wenn Sie mich brauchen“, hallt ihre Stimme durch den leeren Raum.

Ich nicke mehrmals. Was tue ich da bloß? Sie kann mich doch hier drinnen gar nicht sehen. Jetzt verliere ich anscheinend auch noch den Verstand.

Zurück in meinem Büro werde ich von Linda mitleidsvoll angesehen. Vielleicht ist es besser, wenn ich nach Hause fahre und mich ausruhe. Ich nehme meine Tasche und ein paar Unterlagen, die ich mir ansehen möchte, in die Hand, und teile Linda mit, dass sie meine restlichen Termine für heute streichen soll.

Statt mit dem Wagen zu fahren, lasse ich mir ein Taxi kommen. Mir ist immer noch übel und etwas schwindelig. Das Risiko, einen Unfall zu bauen, gehe ich nicht ein.

Als ich in meiner Wohnung bin, mache ich mir einen Tee und setze mich auf die Couch. Doch statt mich auf die Unterlagen zu konzentrieren, wandern meine Gedanken zu Chris und seinem Besuch von vorhin. Er sah wirklich toll aus. Dieser leichte Bartschatten steht ihm unheimlich gut. Ich kann mir gut vorstellen, wie es kitzeln würde, wenn er … Stopp! Ein kleiner verräterischer Teil in meinem Hirn versucht tatsächlich, wieder die Oberhand zu gewinnen. Aargh!

Nach einem Bad fühle ich mich wesentlich besser. Anscheinend hat Chris’ Aufkreuzen dafür gesorgt, dass mir übel wurde. Ich setze mich auf mein Bett und gehe die Unterlagen durch, die Roger mir hat zukommen lassen. Er will seinen Sohn Chase jedes zweite Wochenende sehen, bei der Wahl der Schule ein Mitspracherecht haben und zweimal im Jahr Urlaub mit ihm machen, wenn er ein angemessenes Alter erreicht hat. Chase soll alles erben, seine Mutter allerdings keinen Penny bekommen und keinen Zugang zu dem Treuhandkonto haben. Falls Roger irgendetwas passieren sollte, bevor sein Sohn volljährig ist, wird sich seine Anwältin – damit bin ich gemeint – um alles kümmern.

Beim Durchsehen der Unterlagen fühle ich, wie meine Lider schwerer werden. Ich lege alles zur Seite und schlafe ein.

Am nächsten Morgen fühle ich mich ausgeruht, voller Tatendrang und verbringe den ganzen Tag im Büro. Der Chris-Palmer-Virus ist wohl endgültig verschwunden. Zum Glück habe ich heute keine Gerichtstermine und kann mich völlig meinen Unterlagen und Beratungsterminen widmen.

Gegen Mittag bekomme ich eine Nachricht von Allan.

Essen heute Abend?

Hätte er mich gestern gefragt, hätte ich definitiv Nein gesagt, so wie ich mich gefühlt habe. Da es mir heute wieder gut geht, werde ich die Einladung meines besten Freundes natürlich annehmen.

Ich: Klar. Wo? Wann?

Allan: Um 19:30 Uhr im La Table.

Warum muss es ausgerechnet das La Table sein. Ein tiefer Seufzer entfährt mir. Ich weiß von Luke, dass Chris sehr gern dort essen gegangen ist. Die Betonung liegt auf gegangen. Ob er es immer noch tut, weiß ich nicht. Ich hoffe, er hat sich mittlerweile ein anderes Restaurant ausgesucht. Auf ein erneutes Treffen mit ihm habe ich nämlich keine Lust.

Ich: Warum nicht bei Eddie? Das Essen dort soll echt gut sein.

Allan: Das wird gerade renoviert.

So ein Mist. Dann will ich nur hoffen, dass Chris heute Abend zu Hause bleibt und nicht mit Jeremy dort auftaucht. Vielleicht veranstaltet er ja mit Kylie eine kleine private Eisparty in seiner Wohnung. Mein Magen meldet sich wieder, und ich nehme zügig einen Schluck aus meiner Wasserflasche, um diesen bitteren Geschmack zurückzubefördern.

Bevor ich mich am Abend mit Allan treffe, rufe ich Trish an, die zurzeit bei einem Anwaltskongress in Baltimore ist. Leider springt nur die Mailbox an. Ich hätte so gern mit ihr gesprochen und ihr erzählt, was gestern vorgefallen ist. Dann versuche ich es eben später noch mal oder warte einfach, bis sie sich bei mir meldet.

Das La Table ist nicht besonders gut besucht und die Gästezahl überschaubar. Meine Augen schweifen herum, und ich sehe weder Chris noch Jeremy. Nur einen gutaussehenden Quarterback, der sofort lächelt, sobald unsere Blicke sich begegnen. Seine Anwesenheit lässt mich jeglichen Kummer vergessen.

„Hallo, Rechtsverdreherin.“

„Hör auf, mich so zu nennen, Supersportler.“

Ja, wir haben schon komische Spitznamen füreinander. Das hat sich im Laufe der Jahre irgendwie so ergeben. Bei mir, weil er denkt, dass ich manchmal die Gesetze missachte und meine Fälle so hinbiege, wie es mir passt, und bei ihm, weil er nun mal der beste Quarterback der NFL ist.

Nach einer kurzen Umarmung setzen wir uns und Allan sagt: „Ich habe dir schon mal ein Glas Tempranillo bestellt.“

Ach, Allan weiß genau, was ich brauche, um nach einem anstrengenden Tag im Büro wieder runterzukommen. Er ist groß, hat einen wahnsinnigen Körper, dunkle Haare, rehbraune Augen und ein Lächeln, das Eis zum Schmelzen bringt. Warum muss er nur schwul sein? Das Leben ist unfair.

„Wie war das Training heute?“, möchte ich wissen.

„Gut. Wir haben ein paar neue Spielzüge ausgearbeitet. Der Coach meinte, wenn wir es schaffen, den Run-Block, Pull und QB Sneak zu kombinieren, sodass …“ Plötzlich hält er inne und sieht mich an. „Das interessiert dich doch gar nicht.“

„Doch, doch, rede weiter.“

„Lay“, Allan stützt die Ellbogen auf den Tisch und verschränkt die Finger, „du hast doch überhaupt keine Ahnung von Football. Ich erzähle dir was von Spielzügen und du verstehst nur Bahnhof. Genauso gut könntest du mir was von Gesetzen und Paragrafen erzählen. Davon verstehe ich nämlich auch nichts.“

„Tut mir leid, Allan.“ Kopfschüttelnd senke ich meinen Blick.

„Schon gut. Weißt du, ich bin unheimlich froh, dass wir die Saisonvorbereitung hier machen. So kann ich ein wenig Zeit mit dir verbringen. Wenn die Saison wieder anfängt, werde ich es kaum schaffen, nach Hause zu kommen.“

Ich weiß nicht, warum, aber ich habe das Gefühl, dass er sehr nachdenklich wirkt. Und meine Vermutung bestätigt sich, während er weiterspricht. „Ich habe mir überlegt, mich zu outen. Meine Mutter weiß es seit ein paar Jahren. Dad lebt nicht mehr, also kann er sich nicht in Grund und Boden schämen.“ Allan nimmt meine Hände und hält sie fest. „Was meinst du dazu? Deine Meinung ist mir am wichtigsten.“

Klar finde ich es gut, dass er sich zu seiner Homosexualität bekennen möchte, aber bei so einem Mannschaftssport ist es vielleicht doch ein kleines Problem. Sehr viele Menschen sehen die Homosexuellen als krank oder als verweichlichte Typen an. Wie werden die Menschen, seine Teamkollegen und die Fans reagieren, wenn er sich outet? Seine Karriere wäre vielleicht in Gefahr. Nicht nur bei den Cowboys, sondern in der gesamten NFL. „Glaubst du wirklich, es ist eine gute Idee? Du könntest aus dem Team fliegen.“

Allan senkt langsam seinen Blick, schaut auf unsere miteinander verbundenen Hände. „Ich kann dieses Versteckspiel nicht mehr. Mich ständig mit irgendwelchen Frauen zeigen, nur damit ich das Image des Frauenschwarms behalte.“

„Das verstehe ich. Aber ich möchte nicht, dass mein bester Freund von den Medien fertiggemacht und seine Karriere beendet wird.“

Allan hebt wieder seinen Kopf und sein Blick verrät mir alles. Er steckt in der Klemme.

„Du hast viel zu hart gearbeitet, um dorthin zu gelangen, wo du gerade bist. Überlege es dir gut, bevor du diesen Schritt wagst. Immerhin bist du ein erfolgreicher und sexy Quarterback, der von allen Frauen angehimmelt wird. Das können nicht viele Sportler von sich behaupten“, füge ich hinzu und zucke mit der Schulter.

Allan hebt meine Hand an seinen Mund und haucht mir einen Kuss auf den Handrücken. Sein Blick ist liebevoll, und er hat diese merkwürdige Art, mich mit nur einem einzigen Blick zum Lächeln zu bringen. Ich verstehe nicht, wie er das macht, aber es fühlt sich jedes Mal gut an. Auch jetzt.

„Du interessierst mich“, sagt er schließlich und mein Lächeln wird breiter. „Du und deine Meinung. Die ist mir besonders wichtig.“

Eine plötzliche Unruhe sorgt dafür, dass Allan und ich unseren Blick zum Eingang richten. Ich hatte gehofft, Chris hier nicht zu begegnen, aber wie der Teufel es so will, taucht er immer genau da auf, wo ich ihn nicht haben will. Sein Kopf läuft rot an und sein ganzer Körper ist extrem angespannt. Jeremy steht vor ihm und blockt ihn, indem er seine Hände auf seine Brust legt.

„Ist das Chris?“, fragt Allan ruhig.

„Ja“, bestätige ich und beiße die Zähne zusammen. Ich dachte, bei seinem Auftritt in meinem Büro hätte ich mich klar genug ausgedrückt. Es hat ihn nicht zu interessieren, wo und mit wem ich mich treffe.

Chris’ Blick ist intensiv und fixiert nicht mich, sondern Allan. Jeremy redet auf ihn ein, aber Chris scheint unbeeindruckt. Er schubst seinen Freund zur Seite und macht sich mit strammen Schritten und geballten Fäusten auf den Weg zu uns.

Instinktiv stehe ich auf und stelle mich zwischen ihn und Allan. Er soll es bloß nicht wagen, meinen besten Freund anzufassen. Meine Augen verengen sich zu Schlitzen, sobald er vor mir stehen bleibt. „Mach auf der Stelle kehrt und verlass das Restaurant.“

Seine Augen sprühen Funken der Wut und er ballt die Hände fester zusammen. An seinem Hals kann ich seinen rasenden Puls erkennen. Er schlägt bestimmt genauso schnell wie meiner. Plötzlich lächelt er, was natürlich ein totaler Fake ist, und legt den Kopf schief. „Was ist, Habibti? Hast du Angst, ich könnte deinem Freund wehtun?“, raunt er.

Um ehrlich zu sein, so wie er aussieht … ja, die habe ich. Aber ich lasse mich von ihm nicht abschrecken, straffe die Schultern, recke mein Kinn und halte den Blickkontakt. „Warum lässt du deine schlechte Laune nicht an deiner Schmusekatze aus statt an einem unschuldigen Mann!“

Chris schnaubt. Macht er sich jetzt auch noch lustig über mich?

„Wenn wir schon gerade dabei sind, über Schmusekatzen zu reden …“ Seine Stimme ist sehr leise und er kommt noch einen Schritt näher. Sehr nah.

Sein Duft steigt in meine Nase, und wieder beginnt ein kleiner Teil in meinem Kopf, zu rebellieren. Dieser Teil bringt mein Blut zum Kochen, beschleunigt meinen Herzschlag und sorgt dafür, dass ich weiche Knie bekomme. Mayday! Mayday! Restliches Gehirn, übernimm die Kontrolle! Bitte übernimm sie, und zwar schnell! Überwältige diesen kleinen Teil.

„Für wie viele Kerle spielst du eigentlich das Betthäschen?“

WAS? Der große Teil des Gehirns übernimmt nun wieder die vollkommene Kontrolle, beendet die Meuterei und treibt meinen Blutdruck in die Höhe. Ich beiße kräftig die Zähne zusammen und hebe meine Hand, um ihm eine Ohrfeige zu verpassen. Aber er hat es wohl kommen sehen und packt mein Handgelenk, bevor ich seine Wange berühren kann. Seine Finger um mein Gelenk senden eine Hitze durch meinen Körper, die versucht, jede einzelne Zelle zu erreichen, um sie wieder mit dem Chris-Palmer-Virus zu infizieren. Oh nein! Nicht schon wieder.

„Verschwinde aus meinem Leben.“ Ich blecke die Zähne, sorge aber dafür, dass er genau das auch in meinem Blick sieht.

Für einen kurzen Moment schließt er die Augen und öffnet sie wieder. Ich denke, er tut es, um sich ein wenig zu beruhigen, da wir uns in der Öffentlichkeit befinden. Chris hält mein Handgelenk immer noch fest, und für ein paar Sekunden glaube ich, so etwas wie Verlangen in seinem Blick zu sehen. Natürlich. Anscheinend hat er erst mal genug von Kylie. Vielleicht kann sie seine Lust nicht mehr befriedigen oder er hat genug von ihr, und statt sich in der Houstoner Clubszene nach einer willigen Frau umzusehen, versucht er, die rumzukriegen, die sich von ihm hat weichklopfen lassen. Nämlich mich. Jedoch kenne ich diesmal seine Masche. Er spielt mal wieder den Eifersüchtigen, damit ich schwach werde und seinem Charme nicht widerstehen kann. Das zieht bei mir nicht mehr. Ich kenne seine Spielchen mittlerweile und kann mit Stolz verkünden, dass ich dagegen immun bin.

„Könntet ihr das bitte lassen?“ Jeremy erscheint neben Chris. „Wollt ihr, dass die Presse davon Wind bekommt und ihr durch den Dreck gezogen werdet?“

Chris lässt erst jetzt meine Hand los, aber ist immer noch außer sich vor Wut. Sein Blick wandert rüber zu Jeremy und wieder zurück zu mir. „Wir sind noch nicht fertig“, warnt er mich, indem er sich nach vorn lehnt und sein Gesicht ganz nah an meins bringt.

Ich spüre seinen Atem, sehe, wie seine Adern am Hals hervortreten. Unter anderen Umständen wäre ich ihm ganz sicher um den Hals gefallen, aber ich unterdrücke dieses Bedürfnis, indem ich mir Kylies Bild in seinem Penthouse ins Gedächtnis rufe.

„Und ob wir das sind.“ Ich recke erneut das Kinn.

Sofort wendet er sich ab und verlässt mit kräftigen und strammen Schritten das Restaurant, gefolgt von Jeremy, der mich mit einem „Tut mir leid“-Ausdruck ansieht. Nachdem beide durch die Tür verschwunden sind, atme ich erleichtert aus und setze mich langsam wieder auf den Stuhl.

„Alles okay?“, fragt Allan besorgt.

Ich kann ihm nicht antworten, da meine Kehle wie zugeschnürt ist, also nicke ich einfach. Hoffentlich stellt er jetzt keine Fragen. Braucht er auch eigentlich nicht. Er weiß über alles Bescheid und hat nun mit eigenen Augen erlebt, was ich ihm über Chris erzählt habe. Nach ein paar Minuten des Schweigens entschuldige ich mich und gehe auf die Toilette.

Als ich aus der Kabine herauskomme und in den Spiegel schaue, sehe ich Chris wieder vor mir. Seine wütenden Blicke, die angespannte Haltung, seine drohenden Worte und die Beleidigung, die er mir gegenüber geäußert hat. Betthäschen. Ich! Die gerade mal mit drei Männern was hatte. Daran erkennt man, dass er keine Gefühle für mich hatte. Ein Mann, der für eine Frau etwas empfindet, beleidigt sie nicht. Chris hat nur für Sex etwas übrig. Bei dem Gedanken daran wird mir wieder übel.

Ich gehe wieder zu Allan an den Tisch zurück und bitte ihn darum, das Restaurant mit mir zu verlassen. Chris hat es geschafft, mir den netten Abend mit meinem besten Freund zu vermasseln. Das Einzige, was ich nun will, ist, mich auf meine Couch zu legen und einzuschlafen. Zum Glück versucht er nicht, mich umzustimmen, sondern bezahlt die Rechnung und wir gehen hinaus.

Am Eingang ruft jemand meinen Namen. Es ist Mrs. Thomas, eine Klientin, die ich vor einem Jahr vertreten habe.

„Ich warte an deinem Wagen auf dich“, informiert mich Allan.

„Danke, ich mache es kurz.“ Er nickt mir zu, ich setze ein Lächeln auf und wirbele herum. „Mrs. Thomas, schön, Sie wiederzusehen. Wie geht es Ihnen?“ Ich bin nicht in der Stimmung für Small Talk, bleibe aber so nett ich kann.

„Sehr gut, Miss Elias. Ich habe gehört, Sie sind mit Christopher Palmer liiert?“ Meine Güte, die kommt aber direkt auf den Punkt.

„Nun ja, Sie kennen doch die Klatschblätter. Die schreiben, was ihnen Geld einbringt“, winke ich ab und hoffe, so dem Gespräch ein Ende zu bereiten.

„Sie wissen doch: Wo Rauch ist, ist auch Feuer.“

Kapitel 5

Christopher

Die ganze Fahrt nach Hause fluche ich vor mich hin und schlage immer wieder auf das Lenkrad ein. Sie war wieder voll in ihrem Element. Wütend, hat mir Kontra gegeben und das war … unheimlich heiß. Heißt es nicht, was sich liebt, das neckt sich? Oh ja, ich liebe sie und bin mir sicher, sie hegt die gleichen Gefühle für mich, versteckt sie aber gut, aus welchem Grund auch immer.

In meinem Penthouse gehe ich direkt zu meiner kleinen Bar und nehme eine Flasche Whiskey heraus. Ich gönne mir einen Schluck und will gerade raus auf den Balkon, da klingelt mein Handy. Auf dem Display erscheint Jeremys Name. Ich senke meine Hand, verdrehe die Augen und stöhne auf. Er will bestimmt nur checken, ob ich mich mittlerweile beruhigt habe. Die Antwort ist einfach: Nein, habe ich nicht.

„Was ist?“, knurre ich.

„Okay. Ich spare mir dann die Frage“, blafft er zurück. „Schalt Kanal 42 ein.“

„Wozu?“

„Schalt Kanal 42 ein!“

Ich nehme die Fernbedienung in die Hand und schalte den Sender, den Jeremy mir genannt hat, am Fernseher ein. Die Bilder, die ich sehe, sind von einer Livekamera. Meterhohe Flammen. Polizei und Feuerwehr befinden sich im Einsatz, und verletzte Menschen, die zu Krankenwagen geführt und verarztet werden, sind zu sehen. Doch was mein Herz zum Stillstand bringt, ist der Text, der eingeblendet wird: Explosion im La Table.

„Nein“, hauche ich.

Meine Beine geben nach und ich falle auf die Knie, als ich auf die Couch zugehen will, um mich zu setzen. Ich nehme das Telefon vom Ohr und mein Arm hängt schlaff an meiner Seite. Jeremys laute Stimme ertönt aus dem Handy, die aber Sekunden später nicht mehr zu hören ist. Mein ganzer Körper ist taub. Layla war da. Ein stechender Schmerz schießt in meine Brust und verteilt sich in meinem ganzen Körper.

Oh mein Gott, sie saß im Restaurant. Ich habe sie verloren. Sie ist tot.

Kurze Zeit später klingelt mein Handy wieder, aber meine Finger sind so darum verkrampft, dass ich meine Hand nicht heben kann, um das Gespräch anzunehmen. Die Augen habe ich immer noch auf den Fernseher gerichtet. Der Reporter erzählt und erzählt. Von vielen Schwerverletzten und einigen Toten ist die Rede. Die genaue Zahl kennen sie noch nicht. Die Feuerwehr befindet sich im Großeinsatz, um die Flammen unter Kontrolle zu bringen.

Vor meinem inneren Auge sehe ich Laylas leblosen und blutverschmierten Körper auf einer der Bahren liegen. Ich stehe daneben und streichele ihr Gesicht, bitte sie, die Augen zu öffnen und wieder zu mir zurückzukommen. Immer und immer wieder. Vergeblich. Sie rührt sich nicht.

Ich schluchze und Tränen lösen sich aus meinen Augen. „Warum?“, schreie ich, packe meine Haare und ziehe verzweifelt daran.