Ti amo heißt Ich liebe dich - Brigitte D'Orazio - E-Book

Ti amo heißt Ich liebe dich E-Book

Brigitte D'Orazio

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Beschreibung

Der Duft von Pizza, Pasta und der großen Liebe: Brigitte D’Orazios Romantic-Kiss-Roman „Ti amo heißt Ich liebe dich“ jetzt als eBook bei dotbooks. Das italienische Restaurant „Trullo“ ist bekannt für seine hervorragende Küche und die schönste Kellnerin der Stadt. Isabella hat mehr mediterranes Temperament, als gut für sie ist – wieder und wieder verliebt sie sich hemmungslos, nur um dann schnell festzustellen, dass die Traumprinzen allesamt Frösche sind. Dabei wünscht sich die junge Frau nichts so sehr wie einen Mann, der ihre Gefühle wirklich wert ist. Hauptsache, er hat Feuer im Blut und ist nicht so ein langweiliger Deutscher wie der Stammgast, den sie heimlich „Stockfisch“ nennt. Doch manchmal täuscht der erste Eindruck … Jetzt als eBook kaufen und genießen: der Romantic-Kiss-Roman „Ti amo heißt Ich liebe dich“ von Brigitte D‘Orazio. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.

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Seitenzahl: 156

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Über dieses Buch:

Das italienische Restaurant »Trullo« ist bekannt für seine hervorragende Küche und die schönste Kellnerin der Stadt. Isabella hat allerdings mehr mediterranes Temperament, als gut für sie ist – wieder und wieder verliebt sie sich hemmungslos, nur um dann schnell festzustellen, dass die Traumprinzen allesamt Frösche sind. Dabei wünscht sich die junge Frau nichts so sehr wie einen Mann, der ihre Gefühle wirklich wert ist. Hauptsache, er hat Feuer im Blut und ist nicht so ein langweiliger Deutscher wie der Stammgast, den sie heimlich »Stockfisch« nennt. Doch manchmal täuscht der erste Eindruck …

Über die Autorin:

Brigitte D’Orazio ist ein Pseudonym der erfolgreichen Autorin Brigitte Kanitz, unter dem sie ihre romantischen Unterhaltungsromane veröffentlicht. Sie arbeitete viele Jahre als Redakteurin für Zeitungen und Zeitschriften in Hamburg und in der Lüneburger Heide. Heute lebt sie gemeinsam mit ihren Zwillingstöchtern an der Adria.

Brigitte D’Orazio veröffentlichte bei dotbooks die Romantic-Kiss-Romane Das Haus in Portofino, Der Fünf-Sterne-Kuss, Fundstücke des Glücks, Geliebte Träumerin, Kapitäne küsst man nicht, Sing mir das Lied von der Liebe und Ti amo heißt Ich liebe dich sowie die Romane Die Sterne über Florenz und Villa Monteverde.

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Originalausgabe Dezember 2014

Copyright © 2014 dotbooks GmbH, München

Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Titelbildgestaltung: init | Kommunikationsdesign, Bad Oeynhausen, unter Verwendung eines Motivs von thinkstockphotos, München

ISBN 978-3-95520-777-9

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Brigitte D‘Orazio

Ti amo heißt Ich liebe dich

Ein Romantic-Kiss-Roman

dotbooks.

Kapitel 1

»Isabella!« Die Stimme ihres Vaters donnerte von der Küche bis in den Gastraum. »Komm sofort her! Die Pasta wird kalt!« Isabella zuckte gleich zweimal zusammen. Zum einen wegen der Lautstärke, zum anderen, weil er sie bei ihrem vollen Namen rief. Normalerweise nannte Sandro Martini seine Tochter zärtlich Bella, und sie musste schon mehrere Sünden gleichzeitig begehen, damit er so böse wurde. Aber im Moment war sie sich keiner besonderen Schuld bewusst. Sie war doch nur einen Moment stehen geblieben, um diesen wunderbaren Mann an Tisch zwei zu bestaunen. Kein Grund für Sandro, gleich so auszurasten. Aber in letzter Zeit passierte das oft. Wegen Kleinigkeiten, über die er früher gelacht hatte, verlor er jetzt die Fassung. Isabella fragte sich, was dahintersteckte.

Ihr Vater wurde von großen Sorgen gequält, aber er vertraute sich ihr nicht an. Eher wird Apulien noch einmal von den Griechen besiedelt, dachte sie bitter, als dass der alte Dickkopf mich wie einen erwachsenen Menschen behandelt. Für ihn bin ich immer noch das kleine Mädchen, auf das er aufpassen muss, damit es keinen Unsinn anstellt.

Seufzend fuhr sie sich durch ihre kupferfarbene Mähne und warf einen letzten Blick in Richtung Tisch zwei. Dio mio!, was für ein Mann! Groß und dunkel, definitiv bildschön und elegant gekleidet. Armani, natürlich, was sonst. In ihre dunklen Augen trat ein Leuchten. Ich bin verliebt, dachte sie glücklich. Was an sich nichts Ungewöhnliches war. Isabella Martini besaß, abgesehen von ihrer Haarfarbe, nicht nur die typische mediterrane Schönheit, sondern auch das entsprechende Temperament. In der Zeit, in der andere Leute ein Glas herben apulischen Landwein austranken, konnte sie ihr Herz verlieren.

Glücklicherweise gelang es ihr auch ebenso leicht, sich wieder zu ent-lieben, sonst wäre ihr Leben eine einzige Katastrophe gewesen. Mit fünfundzwanzig, so dachte sie manchmal, sollte ich vielleicht ein bisschen ruhiger werden. Aber das war leichter gedacht als getan. Besonders wenn so ein Mann wie dieser Gast von Tisch zwei das Ristorante »Trullo« besuchte und ihre Knie weich werden ließ.

»I-s-a-b-e-l-l-a!!«

Noch ein Seufzer, noch ein sehnsüchtiger Blick auf den Armanimann, und sie eilte in Richtung Küche.

An der Durchreiche stand ihr Vater und funkelte sie zornig an. »Die Orecchiette für den Herrn Studienrat stehen hier schon seit einer Ewigkeit rum«, knurrte er. Was eine maßlose Übertreibung war, fand Isabella. Auf den öhrchenförmigen Nudeln aus Vollkornmehl dampfte noch das kräftig gewürzte Lammragout, und der Teller war so heiß, dass sie ihn kaum anfassen konnte.

»Reg dich ab, Papa, ich geh ja schon. Und dein hochgeschätzter Herr Stoccafisso kann ruhig mal ein paar Minuten warten.« Sie sah, wie Sandro knallrot wurde, und zog zur Sicherheit den Kopf ein.

»Untersteh dich, unseren treuesten Stammgast noch einmal Stockfisch zu nennen!«, brüllte er so laut, dass ein paar Gäste in der Nähe den Kopf hoben. Daraufhin wurde er noch röter, was eine echte Leistung war, und verschwand schnell wieder in der Küche.

Isabella grinste. Sie liebte es, den Gästen Spitznamen zu geben, und sie fand, bei dem Studienrat hatte sie gut gewählt. Dr. Hagen Friedrichs wirkte auf sie steif und trocken – eben wie ein gedörrter Kabeljau. Sie schnappte sich eine Stoffserviette, nahm damit den Teller hoch und bewegte sich hüftenschwingend durchs Lokal bis zu dem kleinen Ecktisch am Fenster, wo Papas liebster Stammgast auf seine Pasta wartete. Aus den Augenwinkeln bemerkte sie zufrieden, wie der Armanimann jeder ihrer Bewegungen folgte.

»Bitte«, sagte sie und knallte den Teller auf den Tisch. Hagen Friedrichs verzog keine Miene. »Dazu hätte ich gern einen halben Roten.«

»Was?« Sie hatte den Kopf abgewandt, in Richtung Tisch zwei.

»Würden Sie mir bitte einen halben Liter Rotwein bringen, schöne Isabella?«

Jetzt hatte Hagen ihre volle Aufmerksamkeit. Schöne Isabella? Was war denn in den gefahren? Angestrengt starrte sie auf sein abgewetztes dunkelbraunes Cordsakko, Marke Kaufhaus Sonderangebot. Dann wanderte ihr Blick nach oben und blieb an der entsetzlichen Hornbrille hängen. Tja, die Augen dahinter, grün-grau-blau vielleicht, waren gar nicht so übel. Und die Haare, dunkelbraun, hätten mit einem anständigen Schnitt auch nicht schlecht ausgesehen. Überhaupt, wenn man sich mal diese scheußliche Brille wegdachte, besaß der Stoccafisso sogar ein richtig gutes Gesicht.

»Geht’s Ihnen nicht gut?«, fragte sie, in Gedanken wieder bei der schönen Isabella.

»Doch, prächtig. Ich habe nur Durst.«

Eine hochgezogene Augenbraue ragte über den Rand der Brille, und Isabella ärgerte sich schon wieder, weil Hagen sie jetzt seinerseits gründlich musterte. Auf einmal fühlte sie sich gar nicht mehr wohl in ihrer Haut, und sie wünschte sich wie schon oft, eine von diesen coolen modernen jungen Frauen zu sein, die sie so sehr bewunderte. Stets perfekt geschminkt und gekleidet, mit schlanker Taille und ausgeglichenem Gemüt. Aber für eine Modelfigur liebte sie das Essen viel zu sehr, ihr Temperament war bekanntlich alles andere als cool, und ihr Modegeschmack war eher eigenwillig. Hatte der Kerl vielleicht etwas an ihrem Outfit auszusetzen? Nur weil sie zu dem etwas zu engen Minirock ein Männerhemd trug? Pah! »Es ist mir so was von egal, was Sie von mir denken!«, klärte sie ihn auf.

»Wie bitte?«

»Mit Ihrem spießigen Sakko sind Sie auch nicht gerade der Hit.«

»Verstehe.« Hagen wirkte jetzt sichtlich verwirrt.

Isabella wollte plötzlich nur noch weg von ihm. »Rotwein kommt sofort«, sagte sie und eilte zur Theke. 

Hagen sah ihr nach, wie sie sich aufreizend langsam durchs Lokal schlängelte und dabei ihre merkwürdigen Haare über die Schultern warf. Wie unhygienisch, dachte er und schaute schnell auf seinen Teller, ob er dort nicht ein paar Strähnen fand. Dann musste er über sich selbst lachen. Hatte er dieses Mädchen eben wirklich Schöne Isabella genannt? Nicht zu fassen! Er, Dr. Hagen Friedrichs, Studienrat und seit kurzem Vizerektor der Geschwister-Scholl-Realschule, machte doch einer kleinen Italienerin keine Komplimente. Wo käme er da denn hin! Aber es hatte ihn einfach geärgert, wie sie diesen neuen Gast mit den Augen verschlungen hatte. Wenn ihr Vater sie nicht gerufen hätte, würde er jetzt vor einem kalten Teller Pasta sitzen. Hagen war es nicht gewohnt, dass man ihn im »Trullo« übersah. Na ja, und da wollte er das Mädchen mal provozieren. Prompt hatte sie ihn angestarrt wie eine Erscheinung, und für einen Moment war er versucht gewesen, seine Verkleidung abzulegen. Die Haare mit den Fingern nach hinten streichen, das Sakko ausziehen, die Brille, die sowieso nur aus Fensterglas war, weglegen. Dann hätte die schöne Isabella nämlich mal gesehen, dass er in Wahrheit ein verdammt gutaussehender Mann von Mitte dreißig war.

Doch er hatte der Versuchung widerstanden. War auch viel zu riskant. Die Schule lag gleich um die Ecke des Ristorante, und jeden Moment hätte ein Kollege, oder noch schlimmer, eine Kollegin hereinkommen können. An seiner früheren Schule hatte Hagen jahrelang Probleme mit seinem guten Aussehen gehabt. Die Männer im Kollegium zeigten mehr oder weniger offen ihren Neid, die Frauen machten ihm schöne Augen, einige Schülerinnen ebenfalls, und die Jungs nahmen ihn nicht ernst. Irgendwann wurde die Situation für ihn unerträglich. Er bat um seine Versetzung, und diesmal sorgte er vor. Mit Erfolg. Den Respekt, den er sich erworben hatte, würde er für nichts in der Welt aufs Spiel setzen.

Hagen atmete tief durch und sah sich um. Isabella hatte die Theke erreicht, im »Trullo« herrschte jetzt um die Mittagszeit Hochbetrieb. Rot-weiß karierte Tischdecken und darauf Tropfkerzen in alten Korbflaschen verbreiteten trotzdem eine anheimelnde Atmosphäre. An den Wänden hingen Poster von den berühmten runden apulischen Zipfelmützenhäusern, den Trulli, die dem Ristorante ihren Namen gegeben hatten. Es roch nach scharfem Käse und in Olivenöl gebratenem Brot. Von der Decke hingen getrocknete Rosmarinsträuße, Knoblauchkränze und an langen Fäden aufgereihte Peperoncino-Schoten herab. Aus unsichtbaren Lautsprechern klangen die Stimmen von Al Bano und Romina Power und beschworen ihre ganz eigene Felicità, ungeachtet der Tatsache, dass das Paar im wahren Leben schon seit vielen Jahren getrennt war. Hagen kam es so vor, als sei die Zeit für Sandro Martini stehengeblieben, seit er vor dreißig Jahren nach Deutschland gekommen war. Apulien blieb sein Heimatland, der Ort seiner Sehnsucht, obwohl er höchstens einmal im Jahr zu Besuch hinfuhr. Und Isabella, in Deutschland geboren und aufgewachsen, hätte genauso gut in jede süditalienische Trattoria gepasst – mal abgesehen von den unsäglichen Haaren.

Hagen fuhr sich über die Stirn. Schluss jetzt! Er war zum Essen hier, weiter nichts. Endlich nahm er eine Gabel voll Orecchiette auf und merkte gar nicht, dass seine Pasta nun endgültig kalt geworden war.

***

Für zwei Minuten hatte Isabella nicht mehr an den Armanimann gedacht. Genauso lange, bis Kristina zu ihr sagte. »Der Herr von Tisch zwei wartet auf seinen Prosecco.«

»Oh, ich gehe schon.« Vergessen war der Stockfisch, das Leuchten kehrte in ihre Augen zurück. »Bring du doch bitte den Rotwein zum Studienrat.«

Kristina maß sie mit einem wissenden Blick. Sie war doppelt so alt wie Isabella und sah sich gern als ihre mütterliche Freundin. Als junge Studentin war Kristina Lundgren vor dreißig Jahren aus Schweden nach Deutschland gekommen und in der Stadt hängengeblieben. Seitdem jobbte sie halbtags im Ristorante. Damals, um sich ihr Studium zu finanzieren, heute, weil ihr Arbeitsentgelt als wissenschaftliche Assistentin zum Leben nicht ausreichte. Als Isabellas Mutter Maria vor drei Jahren starb, hatte Kristina dem trauernden Mädchen und dem untröstlichen Sandro zur Seite gestanden. Seitdem war sie aus dem »Trullo« nicht mehr wegzudenken. Aber manchmal, fand Isabella, ging Kristina mit ihrer Rolle als Ersatzmutter zu weit.

So wie jetzt, zum Beispiel. »Sei vorsichtig, Liebes. Der Mann ist nichts für dich.«

»Was du mit deiner großen Erfahrung natürlich gut beurteilen kannst«, gab Isabella giftig zurück. Ihre Worte trafen einen wunden Punkt. Kristina schlug die Augen nieder. Es war allgemein bekannt, dass sie seit Jahren allein war und unter ihrer Einsamkeit litt.

»Tut mir leid«, sagte Isabella schnell. »Ich wollte nicht …«

»Ist schon gut. Beeil dich mit dem Prosecco. Und nimm auch gleich den Brotkorb mit.«

Je näher Isabella Tisch zwei kam, desto schnell schlug ihr Herz in der Brust. Diese aristokratische Nase! Das energische Kinn! Der Armanimann war es gewohnt, sich durchzusetzen. Was er wohl von Beruf war? Geschäftsmann? Wissenschaftler? Nein, Anwalt, entschied Isabella, Juniorpartner in einer alteingesessenen Sozietät und auf dem Weg nach ganz oben. Ein strahlendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, aber der Armanimann bemerkte es nicht. Er war in ein paar Akten vertieft, die er vor sich auf dem Tisch ausgelegt hatte.

Jemand anderes sah ihr Lächeln und kippte daraufhin ein Glas Rotwein in zwei Schlucken hinunter.

Isabella hatte Tisch zwei jetzt fast erreicht. Das Proseccoglas auf dem kleinen Tablett schwankte ganz leicht, so zittrig fühlte sie sich. Das ist er, dachte sie. Mein Märchenprinz, auf den ich schon mein ganzes Leben lang warte. Oh, verflixt! Warum habe ich kein hübsches Sommerkleid angezogen? Sie besaß zwar gar kein solches Kleid, aber das tat im Moment nichts zur Sache. Sie wünschte, sie hätte wenigstens ihr Haar zu einem dezenten Knoten zusammengesteckt, wusste aber aus Erfahrung, wie sinnlos ein solcher Versuch war. Nach spätestens einer Stunde machten sich ihre wilden Locken wieder selbständig und standen ihr vom Kopf ab, als hätte sie gerade einen Stromschlag abbekommen.

Nichts zu machen. Sie musste dem Armanimann so begegnen, wie sie war. Aber wenigstens konnte sie ein damenhaftes Benehmen an den Tag legen. Das hätte auch geklappt, wenn sie zwischendurch mal zu Boden geblickt hätte, anstatt nur ihn anzustarren. Dann hätte sie nämlich die Handtasche entdeckt, die von einer Stuhllehne herabgefallen war, und wäre nicht darüber gestolpert. Isabella stieß einen Schrei aus, schwankte einen Moment hin und her wie ein vom heißen Südwind durchgeschüttelter Feigenbaum, schien sich zu fangen, kippte dann aber nach vorn, genau auf Tisch zwei zu.

»Aiuto!«, rief Isabella.

»Verdammt!«, rief der Armanimann, als sich der Prosecco genau über seinen Akten ergoss. Duftende Brotscheiben mit dunkler Kruste fielen auf seinen Anzug, Krümel kullerten über das gestärkte Hemd, die Krawatte bekam ein paar Tarallucci ab, kleine, mit Rosmarin gewürzte Teigkringel.

Direkt nach den Lebensmitteln folgte Isabella und landete zu ihrem größten Bedauern nicht auf dem Mann, sondern auf der Tischkante.

»Aua.« Sie rappelte sich auf und rieb sich die schmerzende Schulter. Mit einem Blick in das zornige Aristokratengesicht fügte sie schnell hinzu: »Tut mir furchtbar leid.« Sie schickte einen langen Augenaufschlag und ein grandioses Lächeln hinterher.

»Ähm. Halb so wild. Das sind nur Kopien.«

Ganz klar, sie hatte ihn bereits verzaubert. Nun half sie ihm, Brot und Gebäck von seinem Anzug zu pflücken, und kam ihm dabei doch noch ganz nahe. Sein Atem strich über ihr Haar, und für Sekunden stieg ihr der Duft eines teuren Rasierwassers in die Nase. Isabella überlegte, ob es angebracht war, jetzt noch in Ohnmacht zu fallen. Dummerweise hatte sie sich aber nur die Schulter und nicht den Kopf gestoßen. Auf der Suche nach weiteren Krümeln beugte sie sich tiefer über die Krawatte, woraufhin der Armanimann kräftig nieste. Eine vorwitzige Locke hatte ihn gekitzelt.

»Hoffentlich werden Sie nicht krank«, sagte Isabella.

»Dazu braucht es schon mehr als einen Brot- und Prosecco-Überfall«, gab er grinsend zurück.

Humor hatte er auch. Isabella liebte humorvolle Männer! Sie versenkte ihren Blick in seinem und spürte genau, wie er schneller atmete.

»Bitte«, sagte er, und sie war bereit, ihm jeden Wunsch zu erfüllen – natürlich in geschmackvollen Grenzen. Ein leichter Kuss vielleicht, ganz zart auf die Wange …

»Bitte!« Jetzt ächzte er. »Ob Sie wohl ein wenig von mir abrücken könnten? Ich bekomme keine Luft mehr.«

»Oh.« Im selben Moment wurde Isabella unsanft zurückgerissen. Sandro Martini war herbeigerannt gekommen, um den zauberhaften Moment zu zerstören. Es gab Momente, da hasste sie ihren Vater.

»Ich muss mich für meine tolpatschige Tochter entschuldigen«, sagte er förmlich und hielt dabei Isabellas Oberarm fest umklammert.

Tolpatschig!, dachte sie wütend. Als wäre ich dreizehn.

»Es ist doch nichts passiert«, wiegelte der Armanimann ab. »Und Isabella kann ja nichts dafür, wenn eine Handtasche genau in ihrem Weg liegt.«

Er kannte ihren Namen. Innerlich jubilierte sie und befreite sich aus dem Griff ihres Vaters. War er vielleicht nur ihretwegen hier? Hatte er sie schon einmal gesehen, sein Herz an sie verloren und dann Erkundigungen über sie eingezogen? Ach nein, verdammt! Sandro hatte ja vorhin so laut nach ihr gebrüllt, dass inzwischen sogar der schwerhörige Rentner von Tisch drei wusste, wie sie hieß.

Sandro Martini verbeugte sich vor dem Gast. »Erlauben Sie mir trotzdem, Sie zum Essen einzuladen.«

»Gut«, kam es nach kurzem Zögern zurück. »Aber nur wenn Sie gestatten, dass ich Isabella zu einem Glas Prosecco einlade, damit sie sich von dem Schrecken erholen kann.«

Sandro schüttelte den Kopf. »Das ist leider unmöglich. Wir haben viel zu viel zu tun und …« In diesem Moment betrat Eleni das Ristorante. Die junge Griechin arbeitete als Aushilfe im »Trullo«. Jetzt steuerte sie direkt auf Tisch zwei zu, nachdem sie Isabellas beschwörenden Blick aufgefangen hatte.

»Padrone«, sagte sie mit einer gewissen Ehrerbietung in der Stimme zu Sandro. »Ich konnte heute früher von der Uni weg. Gibt es Arbeit für mich?«

»Reichlich«, knurrte Sandro und zog mit ihr ab.

Der Armanimann machte eine einladende Handbewegung, und Isabella setzte sich ihm gegenüber.

Ein paar Tische weiter schob Hagen seinen Teller Orecchiette weg. Ihm war der Appetit vergangen. Er warf einen Geldschein auf den Tisch und verließ das Lokal, ein wenig verwundert, weil er so wütend war.

Kapitel 2

Hagen verließ das Ristorante »Trullo«, ohne noch einen Blick zurückzuwerfen. Sollte die verrückte Isabella doch flirten, mit wem sie wollte. Ihn interessierte das nicht. Ein paar Meter weiter blieb er stehen und atmete tief die frische Luft ein. Der Frühsommer zeigte sich von seiner besten Seite. Nicht zu heiß, nicht zu kalt – genau das richtige Wetter für sein Vorhaben. Hagen zögerte. Ursprünglich hatte er geplant, nach dem Mittagessen noch einmal in die Schule zu gehen, die nur zwei Häuserblocks entfernt lag. Er war erst seit einem halben Jahr Vizerektor und, zumindest in den Augen des Rektors, noch in der Probezeit. Auf seinem Schreibtisch wartete eine Menge Papierkram. Hagen machte zwei Schritte in Richtung Schule, drehte sich dann um und ging in die entgegengesetzte Richtung davon. Er wusste, er würde sich heute sowieso nicht mehr konzentrieren können. Was er jetzt brauchte, war etwas ganz anderes. Fünf Minuten später erreichte er seine Wohnung und beeilte sich beim Umziehen.

***

Kristina Lundgren beobachtete mit wachsender Sorge, wie Isabella es sich an Tisch zwei gemütlich machte. Erst hatte sie über dem armen Mann den Brotkorb ausgekippt und seine Akten in Prosecco gebadet, nun saß sie ihm gegenüber und klimperte mit den Wimpern. Dieses Mädchen war einfach unmöglich! Aber Kristina konnte ihr nicht wirklich böse sein. So lange war es schließlich nicht her, dass sie selbst jung gewesen war, und sie erinnerte sich sehr gut an das Gefühl, frisch verliebt zu sein. Es war etwas ganz anderes als das, was sie jetzt empfand. Dieser leise Schmerz in ihrem Herzen, dieses Wissen um die Hoffnungslosigkeit – das war schwer zu ertragen.

Sandro Martini kam zu ihr an die Theke und schlug mit der Faust fest auf das robuste Pinienholz. »Diesmal treibt meine Tochter es zu weit«, knurrte er. »Ich werde ihr Lokalverbot erteilen.«

Kristina senkte den Blick. Sandro sollte ihren Schmerz nicht sehen. »Das kannst du nicht. Wer soll dann die Gäste bedienen?«