Trennung auf Raten - Bea Jaksarn - E-Book

Trennung auf Raten E-Book

Bea Jaksarn

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Beschreibung

Es ist eine quälend lange Woche seit der Trennung vergangen. Das wird die härteste Trennung, du je durchstehen musstest. Eine Trennung auf Raten. Du bist zur Arbeit. Du hast das Haus versorgt. Du hast die Tiere versorgt. Du warst die ganze Zeit in einem trüben Aquarium, das wiederum auf einer einsamen Insel steht. Diese Insel scheint sich wie die Inselschildkröte im Meer zu bewegen...

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Trennung auf Raten

Trennung auf Raten

Bea Jaksarn

Für Suffnase

Damit du weißt, dass Worte ohne Handeln nichts bedeuten.

Impressum

Bea Jaksarn

Am Rangen 2, 95356 Grafengehaig

Kapitel 1 - Tag 8

Posteingang

Sa., 14. Jan., 11:57

Es ist eine quälend lange Woche seit der Trennung vergangen. Das wird die härteste Trennung, du je durchstehen musstest.

Eine Trennung auf Raten.

Du bist zur Arbeit. Du hast das Haus versorgt. Du hast die Tiere versorgt. Du warst die ganze Zeit in einem trüben Aquarium, das wiederum auf einer einsamen Insel steht. Diese Insel scheint sich wie die Inselschildkröte im Meer zu bewegen.

Du hast ein wenig das Gefühl für Raum und Zeit verloren. Zeitweise bist du in deinem kreativen Raum, zeitweise in der Realität. Das Einzige, was dein Verstand realisiert und hoffentlich sauber umsetzt ist die Arbeit, denn du weißt, dass du das Einkommen brauchst. Was auch immer du fühlst. Du darfst niemals emotional so abstürzen, dass du deine Arbeit nicht richtig machst, denn Fehler bedeuten, dass deine finanzielle Sicherheit gefährdet ist. Die Arbeit hat deinen Schmerz die erste Woche ein wenig verdrängt. Das war noch nie der Fall gewesen, dass sie geholfen hat, dich abzulenken.

Das Einzige, was dir aktuell ein Outlet gibt und dich die Zeit überbrücken lässt, ist Musik. The Greatest Rockballads Playlist.

Und das Schreiben und Lesen.

Bei dem Wetter gibt es sonst nichts draußen im Garten zu tun.

Du flüchtest dich in deinen kreativen Raum so oft es geht, und lässt den Schmerz, ihn als deine Liebe zu verlieren, vor der Tür.

Manchmal klappt es, manchmal schleicht sich der Verlust mit hinein und leistet dir Gesellschaft wie Bärchen, dein treuer Weggefährte.

Das Schreiben bringt keinen Nutzen außer dir selbst, aber du musst alles tun, um DEIN Chi wiederzufinden – es aufzupäppeln, dass es wieder selbstständig dein Leben erfüllt.

Du hast es nicht bemerkt, aber du hast von seinem negativen Chi gelebt. Du hast darunter gelitten, aber es hat dich dennoch in dieser Beziehung gehalten wie eine Droge, weil die Liebe, die du für ihn empfunden hast, einfach stärker war.

Es war sicherlich Dummheit und Blindheit, aber solange du das intakte Gefühl hattest, hast du einfach alles annehmen können – sein negatives Chi, seine Unzufriedenheit, weil er dich vielleicht auch ein wenig gern hatte, trotz aller seiner Fehler.

Manchmal kommen auch Zweifel daran auf. War es Liebe oder war es nur Zuneigung?

Aber diese Zweifel schmerzen nur, wenn du alles in Frage stellst, daher verdrängst du sie. Die 10 Jahre sind trotzdem passiert, egal, ob du sie jetzt anzweifelst oder nicht.

Jetzt hat ER sich von dir losgesagt.

ER will dich nicht mehr.

ER liebt dich nicht mehr wie du ihn.

ER will ein eigenes Leben - mit der anderen Frau, in die er verliebt ist.

ER hat dich aus seinem Alltag und seinem Leben gestrichen, obwohl er es vorher anders gesagt hat. Aber er hält sich selten an seine Worte, wenn er fühlt. Er handelt einfach ohne nachzudenken – impulsiv.

Du bist nach der Trennung als Erste wieder in die Welt hinausgegangen und hast deinen guten Bergfreund zum Pizza essen getroffen, um ihm dein Herz auszuschütten.

Er ist ein guter Freund, der dir Mut gemacht hat. Er hat dich teilweise sogar zum Lachen bringen können und dir auf die Beziehung eine neue Perspektive geben können. Er hat den gleichen Schmerz durchgemacht und kann verifizieren, dass es besser wird. Du hast das ja schließlich auch schon viermal durchgemacht. Zweimal davon jetzt mit Suffnase.

Jetzt hat Bergfreund nach drei Jahren Alleinsein eine neue Liebe gefunden und muss sich neu in eine Beziehung einfinden, während du ungeplant, unverhofft verlassen wurdest.

Er hat vorgeschlagen, eine Selbsthilfegruppe für anonyme Beziehungsproblematiker zu gründen, da ihr euch über Beziehungen austauscht.

Am Freitag wolltest du etwas alleine unternehmen, um dich nicht nur daheim zu verkrümeln und zu grübeln. Suffnase ist bereits ab 14 Uhr losgefahren.

Du wusstest nicht, wann oder ob er danach zurückkommt. Ausziehen kann er noch nicht sofort, weil er weder eine neue Wohnung hat noch einen Job hat.

Du hast dich für ein Konzert in der nächsten Stadt fertiggemacht, weil dort Herr der Ringe & Hobbit gespielt wird, die Musik zu deiner Lieblingsfilmreihe.

Dein Trost ist Musik, daher wirst du dieses Jahr, so oft du es dir leisten kannst, live Musik anhören. Ansonsten musst du ab jetzt sorgfältig deine Finanzen im Auge behalten, damit du nicht in Schwierigkeiten kommst, wenn du dann auf dich allein gestellt bist.

Du hast von Oma noch deinen Notgroschen. Du wolltest ihn eigentlich als Erinnerung an sie behalten, aber jetzt musst du sie möglicherweise versetzen, wenn es notwendig ist, um das Haus zu halten.

Die Fahrt über 112 km zum Konzert war entspannend und du bist in der Musik versunken, weil du sie laut hören konntest. Du hattest das Gefühl, als wenn du die Schmerzen am Straßenrand zurücklässt, einen Kilometer nach dem anderen.

Sicher bei der Sparkassen Arena angekommen, hast du nach einigen Umwegen erfahren müssen, dass das Konzert wegen einem Bauschaden im Gebäude ausfällt.

Du musstest ohne Musik nach Hause fahren, aber die Fahrt zurück gab dir Zeit zum Nachdenken ohne seine Anwesenheit schmerzhaft zu spüren.

Du hast dich gefragt, ob er wieder daheim ist, aber der A4 war nicht da, als du ankamst.

Er blieb wieder die ganze Nacht weg, bis 4:37 Uhr. Das weißt du, weil du ab 3:00 wieder aufgewacht bist und aus dem Fenster gesehen hast. Du hast gelesen bis du irgendwann das Auto hörtest.

Du hast dich gefragt, warum er überhaupt noch heimkommt.

Du fragst dich, wie er es schafft, die ganze Nacht lang, sich mit ihr oder ihnen zu unterhalten, ohne seine Unzufriedenheit zu zeigen wie bei dir. Das geht nur, weil sie ihm Bilder von ihrem zerstörten Land zeigen, was seine Probleme im Gegensatz dazu klein und nichtig erscheinen lassen. Er ist gezwungen, sich zurückzunehmen. Du fragst dich, wie lange er das aushält, denn die letzten 10 Jahre hat er zwar gesellschaftlich zurückgesteckt, aber sich nie verbal zurückgenommen wie du. Im Gegenteil, seine stundenlangen Monologe sind legendär.

Seit der Trennung hast du nur noch einmal mit ihm gesprochen, um ihm zu sagen, dass du dich leer fühlst. Zwischen euch ist die Glaswand, weil er nicht mit dir redet und dich komplett aussperrt.

Er wohnt nur noch hier, nimmt alle Annehmlichkeiten mit, nutzt das Haus, nimmt sich das Essen, was da ist und geht wieder aus. Ansonsten sitzt er daheim, raucht und trinkt. Er rührt keinen Finger am Haus.

Das alles hast du nicht gesagt, denn das wäre Kritik an seinem Verhalten.

Er hat am 23.12. gesagt, dass er keine Rücksicht mehr auf irgendwen nehmen wird, auch nicht auf dich, weil niemand ein Leben lang Rücksicht auf ihn genommen hätte. Es ist unfair, dass DU jetzt für alle anderen büßen musst, die ihn verletzt haben.

Aber du kannst nichts tun, außer den Schmerz zu ertragen und trotzdem weiterzumachen - für die Tiere. Egal, wie sehr er dich verletzt, du bist eine Kämpferin.

Du hast ihm vor der Trennung gesagt, er soll sich nur um sich kümmern und nicht mehr an seine Verantwortung dir, den Tieren und dem Haus gegenüber denken. Du kannst deine Worte nicht zurücknehmen. Auch nicht nach der Trennung, denn seine geistige Gesundheit ist immer noch wichtig.

Außerdem hat er dich mundtot gemacht, indem er sich von dir getrennt hat, damit du kein Recht mehr hast, ihn etwas über sein Privatleben zu fragen. Du bist darauf angewiesen, dass er dir freiwillig Informationen rüberwirft.

Aber du bist gut im Ertragen – besser als jeder andere Mensch, besser als ER. Du erträgst diese Blackbox, die er ist.

Du erträgst dieses Psychospiel, weil deine Psyche stark ist.

Seine Antwort auf deine Worte war, dass er nichts dazu zu sagen hat. Er kann buchstäblich nichts dazu sagen, was für einen verbalen Menschen wie ihn völlig neu ist. Du vermutest, dass er nichts sagen will, aber er hat sich aufgeregt und gesagt, dass er nichts sagen KANN. Er will dir irgendwann schreiben, aber darauf vertraust du nicht. Seine Worte sind nicht mehr glaubwürdig ohne Handeln.

Sein Handeln ist aktuell nur auf sich gerichtet.

Er sagte, dass er dir nur Müll erzählen würde, egal, was er sagt. Er hat 5.000 Gedanken, aber kann nichts sagen.

Natürlich nicht, denn das Einzige, was ihn gerade beschäftigt, ist sein Leben, seine aussichtslose Lage, seine Arbeitslosigkeit, sein Selbstmitleid und sein Trinken. Und die andere Frau.

Heute denkst du dir, dass er immer noch im gemachten Nest sitzt. Er kann frei handeln, kann vögeln, wen er will, treffen, wen er will und du bist mundtot, weil du nicht mehr seine Frau bist. Das ist für ihn sehr praktisch.

Er sagte, ob du ihn fröhlich herumspringen siehst. Er kann nicht heiter herumspringen, weil er alles verlieren wird. Er hat bald keine Lebensgefährtin mehr. Er hat bald kein Zuhause mehr. Er hat bald gar nichts mehr, was ihm zeige, dass alles überhaupt nicht geplant war, weil er keine Plan hat.

Er wäre nicht einfach rausgegangen und hätte sich irgendeine Uschi gekrallt, weil er dich nicht mehr ertragen hat. Er habe sich einfach verliebt, was er mit 42. Jahren nicht erwartet hat, weil er mit DIR alt werden wollte.

Zumindest bleibt er immer noch so eine Dramaqueen, auch wenn er bald nichts mehr haben wird.

Sobald er den Mund aufgemacht hat, redete nicht er, sondern seine Unzufriedenheit: Er hatte keinen Job, keine Aufgabe, wolle sich keine Aufgabe suchen, schiebe die Bewerbungsunterlagen von einer Seite auf die andere.

Du fragst dich, wie lange dieser Zustand anhalten soll. Er hat keine Orientierung, keine Perspektive. Er hat sich einfach nur getrennt, weil er in eine andere verliebt ist, obwohl du angeblich so toll bist.

Ihr beide befindet euch jeder in euren Aquarien und habt keinen Zugang mehr zueinander.

Du erträgst ihn nicht mehr, wenn seine Unzufriedenheit mit dir redet, weil es verletzend ist, weil die Unzufriedenheit mit IHR und den Ladies den Mund hält.

Jeder Tag mit ihm ist verletzend, weil du ihn vermisst, so wie er vorher deiner war. Jetzt ist da nur noch dieser Fremde im Haus, der nicht einmal die Tiere ansieht.

Letztendlich bist du gegangen, weil er dich nicht mehr sehen wollte.

Er hat dich noch verletzt, indem er dir sagte, du sollst deine Pizza wieder mitnehmen, den Rest, den du ihm mitgebracht hast. Eine Geste von deiner Liebe.

Das war das letzte Mal, dass du ihm irgendetwas mitgebracht hast. Das letzte Mal. Er bekommt von dir nichts mehr.

Am nächsten Tag hattest du dich aber wieder so weit im Griff, dass du an der Treppe standest, als er ausgegangen ist, zu seinen Ladies. Die neuen Menschen, die sein neues Leben bereichern. Für die er dich weggeworfen hat, obwohl er hätte beides haben können. Du hast ihm damals gesagt, dass er sich mit ihnen treffen soll. Dass er Input haben soll, um normal leben zu können. Dass er Spaß haben soll.

Aber statt beides zu haben – dich und sein neues Leben – hat er sich entschieden, dich und die Tiere aufzugeben. Zumindest war er so schlau, um das zu erkennen, ehe die Folter für dich noch weiterging.

Gestern hast du auch wieder an der Treppe gestanden und dich gedanklich wie immer verabschiedet – mit zärtlichen Küssen und Umarmung wie im vergangenen Jahr – obwohl du ihn nicht berührt hast. Er hat dich nur angesehen, weil es ihm unangenehm war. Vielleicht hat er sich auch an eure früheren Abschiede erinnert.

Er hat dir zuvor wieder gedankenlos eine Hand auf den Rücken gelegt.

Du bist immer noch seine Gewohnheit. Eine Gewohnheit, die er dann nicht mehr haben wird und vielleicht ein wenig missen wird, wenn er nicht mehr da ist.

Er will dich nicht mehr, daher reisst du dich zusammen, um ihn nicht zu berühren. Früher konntest du das besser, bevor ihr euch das erste Mal getrennt habt. Du konntest ihn besser ignorieren. Jetzt ist es schwerer, weil deine Gefühle für ihn so tief verwurzelt sind und ihr noch auf unbestimmte Zeit zusammen im Haus wohnen bleiben müsst.

Aber du übst dich darin, dich zu kontrollieren.

Kapitel 2 – Tag 9

Posteingang

So., 15. Jan., 12:09

Die Wochenenden sind für dich noch nie so langsam vergangen.

Du hast das Gefühl, dass du mehr Zeit hast als sonst, obwohl es nicht sein kann, denn es sind genauso 48 Stunden wie zuvor.

Das Wetter lässt auch nicht viele Aktivitäten rund um Haus und Garten zu. In den letzten 6,5 Jahren hattet ihr im Januar immer zusammen zwei Wochen Urlaub und habt am Haus etwas gemacht.

Jetzt kannst du nichts machen, um ihn nicht zu stören.

Du hast eine Liste erstellt, was gemacht werden muss und gemacht werden kann. Aber die hebst du dir für das restliche Jahr auf, weil du aufgrund des engen Budgets sowieso nicht viel unterwegs sein kannst. Ab jetzt liegt dein ganzer Fokus auf dem Haus, den Tieren und der Arbeit. Genauso wie Suffnase zuvor gelebt hat – weshalb er kein soziales Leben hatte und jetzt aus diesem heimischen idyllischen Gefängnis ausbrechen muss.

Was du aber die ganze Zeit vernachlässigt hast, weil du den ganzen Sommer gewandert bist, ist das Schreiben. Dafür hast du jetzt Zeit und genau das machst du, neben Musik hören. Du musst für die Zukunft budgetieren und das Jahr dir einplanen. Es vergeht am Ende wieder schneller als gedacht, auch wenn es jetzt gerade sehr zäh wie Kaugummi angefangen hat.

Gestern Nacht hast du das nächste Buch angefangen. Wenigstens hast du noch eine lange Bücherliste zu lesen, die dir helfen, deine Gedanken zu zerstreuen, den Schmerz zu verdrängen.

Er ist letzte Nacht wieder lange ausgegangen und kam wieder ab 4:30 oder später heim.

Sein Privatleben geht dich nichts mehr an. Aber du hast dir vorgestellt, wie er mit der anderen auf der Couch sitzt oder liegt und einfach nur kuschelt, so wie ihr es getan habt, ohne zu reden, weil eine tiefe Verbundenheit besteht, die keine Worte braucht.

Solange die da ist, sind alle widrigen Umstände drumherum irrelevant. Solange man sich sicher und geborgen fühlt. Oder wenn sie reden, dann geht es nicht um Gastronomie, sondern um Dinge, die Spaß machen. Darauf bist du sehr eifersüchtig. Auf Gespräche, die sich nicht um Gastronomie drehen, während er für dich kein anderes Thema hatte.

Spaß gab es bei euch seit Jahren nicht mehr. Es gab nur seine Unzufriedenheit und seine Monologe und Schimpftiraden. Du weißt nicht einmal mehr, wie es ist, dich mit ihm über das Wetter zu unterhalten.

Du weißt aber noch wie es ist, ihn nur verliebt anzusehen, weil er so attraktiv ist und mit den Jahren für dich nur attraktiver geworden ist. Du wirst nie mehr einen Mann so ansehen können wie ihn, ihm einen Handkuss geben, weil das Gefühl so stark war, dass du es tun musstest. Du wirst nie wieder einen Mann finden, der in einem einfachen weißen T-Shirt und Jeans oder Kochhose für dich so anziehend ist, dass du ihn am liebsten anspringen möchtest. Jemand Oldschool wie James Dean.

Er weiß nicht mehr, wie es ist, dich anzusehen und einfach nur dich anzusehen, so wie du bist. Er weiß nicht mehr, dass du nichts von ihm brauchst, als seine Liebe und Verbundenheit, seine Küsse, seine Berührung, seine Umarmung, dann waren alle Probleme für dich nicht mehr so groß, sondern mit ihm gemeinsam lösbar.

Letzten Dienstag, als du versucht hast, dich ihm mitzuteilen, hat er dich erstmals angesehen – einfach nur angesehen wie seit Monaten nicht mehr. Er hat versucht, in dich hineinzusehen? Trotzdem war diese Glaswand zwischen euch, die er aufgebaut hat, weil er aus der Beziehung will.

Du wirst niemals mehr seine Worte vergessen "Ich weil raus hier. Ich will nur noch meine Ruhe." Sie taten weh wie sonst noch nie etwas, was er zu dir gesagt hat.

Heute morgen bist du aufgewacht und hast plötzlich nicht mehr gewusst, wo du bist.

Wenn du allein bist, verschwimmen die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit.

Nur der Song von Cinderella You don't know what you've got till it's gone hallte in deinem Kopf wieder und du bist so liegen geblieben und hast an die Decke gestarrt.

Für eine Weile hast du dich wieder geborgen gefühlt wie früher, als du neben Suffnase in eurem früheren Leben in der Stadt aufgewacht bist, in seinen Armen, obwohl er sich zum Schlafen immer weggedreht hat, weil es ihm zu warm war. Hier im Haus habt ihr nicht immer nebeneinander geschlafen, aber die Verbundenheit war immer da, wenn ihr zusammen Kaffee getrunken und nebeneinander den ganzen vormittag gesessen und gelesen habt.

Jetzt bist du allein in deinem trüben Aquarium und er oben im ehemaligen Schlafzimmer.

Er sagt zumindest noch täglich Guten Morgen, aber es ist, als wenn ein Fremder vor dir steht. Er ist nicht mehr deine Liebe, deine Suffnase, er ist unnahbar und unerreichbar. Er gehört einer anderen Frau.

Daher gehst du ihm aus dem Weg, während du so lautlos wie möglich den Haushalt machst.

Du fragst dich, ob er sich auch so von der Welt abgekapselt fühlt oder er sich nur frei fühlt, weil du ihn nicht mehr ansprichst. Angeblich hat er zu viele Gedanken im Kopf, die er dir gegenüber nicht formulieren kann. Er ist eine komplette Blackbox.

Aber du fühlst immer noch die Gegenwart seiner Unzufriedenheit, die wie ein Schatten neben ihm steht, dich angrinst, weil sie gegen dich gewonnen hat, egal, was du gegen sie unternommen hast. Er gehört immer noch ihr und der anderen neuen Frau.

Du bist machtlos gegen sie, wenn er sich nicht von ihr trennen kann.

Du fragst dich, wie die neue Frau damit klarkommen wird. Ob sie gegen diese Dämonin ankommen wird oder schneller aufgibt als du. Du fragst dich, wie lange sie den Kampf aushält, Monate oder Jahre? Wie viele Jahre?

Du fragst dich, ob sie ihn mit in seine Heimatstadt begleiten wird, als seine neue Frau. Du fragst dich, wie seine Familie reagieren wird, weil du plötzlich ausgetauscht wurdest.

Er wird es ihnen nicht einmal sagen, weil er sie genauso aussperrt wie dich.

Aber du hast von ihm diesmal gefordert, dass ER ihnen Bescheid sagt, dass er sich getrennt hat, weil du dich zurückziehen wirst.

Du hingegen kannst kein Wort zu ihm aussprechen, weil seine Gegenwart schmerzt wie eine offene Wunde. Er ist deine offene Wunde, die unaufhörlich blutet. Du bist manchmal völlig taub vor Schmerz, wenn du ihn nur ansiehst. Es fühlt sich an, als wäre ein Stück von dir herausgerissen worden und die Wunde ist einfach offen.

Du siehst die nächsten Tage wie ein Déjà-vu vor dir: Ihr lebt weiter in euren Aquarien ohne miteinander zu kommunizieren. Er geht aus und trifft sich mit der anderen Frau oder anderen Menschen, die er dir nie vorstellen wollte.

Du verrichtest weiterhin deine Aufgaben, kümmerst dich um Haus, Tiere und deine Arbeit. Du hast ihm im Herbst versprochen, dass der Haushalt gemacht wird, daher machst du ihn. Es ist mittlerweile Routine geworden.

Du verdrängst jeden vorwurfsvollen Gedanken an ihn, denn dir soll das Haus irgendwann allein gehören, daher ist es selbstverständlich, dass du dich darum kümmerst.

Du fragst dich, ob er irgendetwas an dir persönlich vermisst außer dem Haus. Vielleicht dein Lachen. Eure Gespräche. Dein thailändisches Essen, was du nach den Straßenrezepten von Chiang Mai gekocht hast.

Irgendetwas, was ihm an dir persönlich gefallen hat und ihn die Jahre an dich gebunden hat.

Oder ob er keine Erinnerung mehr an dich hat, weil er nichts mit dir erlebt hat. Du fragst dich, was er jetzt ohne dich erlebt, das in seinem Gedächtnis haften bleibt. Hoffentlich ist es positives Chi, denn er braucht das, um sein zweites Leben zu leben. Er braucht positives Chi, weil negatives Chi ihn nur irgendwann zerstören wird.

Heute Abend unternimmst du etwas, um dich aufzubauen.

Diese Trennung ist anders als die letzte von ihm. Du möchtest nur noch allein sein und kannst nicht sprechen. Du kommunizierst nur wortlos mit Bärchen und den Katzen, die dir nicht von der Seite weichen. Nur Musik hilft dir, deine starken Emotionen zu ertragen. Die Songtexte spiegeln sie wider.

Du musst dir Zeit geben und Geduld haben. Du nimmst dir jeden Tag eine Aufgabe vor und willst sie gut verrichten.

Kapitel 3 – Tag 10

Posteingang

Mo., 16. Jan., 11:05

Du hast bereits 10 Tage geschafft. Sie vergingen zäh und langsam und du fragst dich, wie lange es sich anfühlt, bis 10 Wochen, 10 Monate, 10 Jahre vergehen.

Du hast den ganzen Tag Musik gehört, gelesen, dann hast du dich Abends für das Konzert Tribute to Pink Floyd von Echos fertiggemacht.

Suffnase kam Abends aus seinem Kabuff und fing an, sich um das Aquarium zu kümmern. Wenigstens tut er irgendetwas, was zeigt, dass er nicht völlig ... ist.

Es tat aber weh, ihn anzusehen oder auch nur anzusprechen, daher hast du ihm nur eine Nachricht geschrieben, dass du wegfährst. Du wolltest Kuss-Kuss dahintersetzen wie immer, hast dich aber wieder an eure Situation erinnert.

Während der Fahrt zum Konzert konntest du deinen Gedanken wieder freien Lauf lassen.

Dir sind so viele Fragen durch den Kopf gegangen.

Wie sieht die Situation in drei Monaten aus, wenn er Arbeitslosengeld bekommt oder wenn er einen Job findet?

Wann zieht er aus?

Ist er schon mit der anderen zusammen? Wann zieht er mit ihr zusammen?

Wann kannst du einen Notartermin ausmachen, um das Haus auf dich überschreiben zu lassen? Wie kannst du dir das leisten?

Wie sparst du am besten Rücklagen an, um dein Leben alleine bestreiten zu können?

Wie lange erträgst du es, mit ihm in einem Haus zu leben und er ist nicht mehr deiner?

Vermisst er dich?

Wie lange werdet ihr nicht miteinander kommunizieren?

Du hast auf alles keine Antwort. Nur, dass du aktuell nicht mehr mit ihm kommunizieren kannst, weil es weh tut. Da ist immer noch ein klaffendes Loch in deiner Brust und du möchtest mit niemandem reden, nur allein sein und Musik hören.

Du möchtest ihm so viel sagen, aber hast kein Recht mehr dazu. Es zerreißt dich, dass er dich einfach so aus seinem Leben aussperrt und gestrichen hat. Angeblich liegt ihm etwas an dir, aber du merkst nichts davon.

Du hast dir vorgestellt, wie du ihn fragst, wann er endlich ausziehen möchte.

Er erwidert, warum?

Du erwiderst, ob er sich vorstellen kann, wie dich jeder Tag verletzt? Um es in seiner Sprache auszudrücken: Er ist im Elfenbeinturm, du bist die helfende Hand, die er weggeworfen hat. Er will sein eigenes Leben leben, dann kann er das auch auf eigene Faust in einer eigenen Wohnung machen.

Dann musst du dich nicht mehr einsam fühlen, sowohl mit ihm im Haus als auch wenn er nächtelang weg ist.

Das Konzert hat dich ein wenig aufheitern können, weil es so schön ist live Musik und laut zu hören.

Am Anfang hat dich wieder die Niedergeschlagenheit übermannt, weil du die Menschen um dich herum beobachtet hast.

Eine attraktive Dame mit rotem Lippenstift und in einem grünen Kleid war eine Ausnahme, die ins Auge gestochen ist.

Du warst die einzige im gelben Minikleid und hast dich gefragt, ob das deine Zukunft sein wird.

Du allein, abgekapselt in einer Menschenmenge. Kein Wunder, dass du gern liest, um dich vor der Realität zu flüchten.

Das Konzert war dann so toll, dass es dich von deinem Herzschmerz abgelenkt hat.

Du hast an das letzte Konzert mit ihm gedacht. Du hast dir vorgestellt, dass er auch an diesem Konzert etwas auszusetzen gehabt hätte, wenn er die Leute angesehen hätte. Trotzdem hast du ihn an deiner Seite vermisst, gerade weil vor dir ein altes Pärchen saß, dass die ganze Zeit geschmust hat. Du hast deine Suffnase furchtbar vermisst.

Auf dem Heimweg hast du wieder die Gedanken frei fließen lassen, ohne Struktur.

Wie lange kann er sein Biertrinken vor der anderen verstecken?

Wann wird sie das erste Mal mit zu seiner Familie fahren?

Wird er bald eine Wohnung für sie, ihr Kind und ihre Mutter und für sich finden?

Wie wird er es schaffen, mit ihr zusammenzuwohnen und seine Unzufriedenheit vor ihr zu verstecken?

Wie lange wird sie seine Liebe zum Bier tolerieren, wenn ihr Kind der Mittelpunkt ihres Lebens ist?

Werden die beiden ein zweites Kind haben? Wird er es adoptieren und versorgen, wenn er nicht einmal sich selbst versorgen kann?

Wird er überhaupt ausziehen oder für immer dich mit seiner Unerreichbarkeit im Haus quälen?

Werdet ihr jemals wieder Zugang zueinander finden, ohne dass das Gespräch sich um Gastronomie dreht? Wird er jemals wieder mit dir sprechen, ohne dass die Unzufriedenheit für ihn spricht?

Kannst du weiterhin so mit ihm im Haus leben, ohne ihn berühren zu können?

Er kann bei seinem Auszug alles mitnehmen, was er möchte, es gibt nichts, woran dein Herz hängt außer dem Schmuck, den er dir geschenkt hat und den du mit Stolz trägst.

Du kamst dann gegen Mitternacht zurück in deine Realität, ohne ihn zu sehen. Bärchen hat schon auf dich gewartet und ihr seid zusammen gleich auf euer Zimmer.

Der iMac wurde benutzt, aber der Verlauf wurde gelöscht. Das macht er wahrscheinlich absichtlich, damit du nichts von seinen Aktivitäten mitbekommst. Du wirst von allem ausgesperrt, obwohl es vorher keinen von euch jemals gekümmert hat, wie der Verlauf des anderen aussieht.

Heute ist der erste Tag, an dem du ALLE Bierflaschen ausgeräumt hast, seit dem Sommer. Es fühlt sich erleichternd an, die Belastung weggefahren zu haben, jede einzelne Flasche.

Keiner kriegt es mit außer er, aber für dich ist es ein Schritt nach vorne, um dich von ihm zu befreien.

Gesellschaft von Menschen ist dir unangenehm, du willst nur noch allein sein.

So muss es auch Suffnase gehen. Nur dass er keine Aufgabe mehr hat, dafür aber eine neue Frau, mit der er eine Zukunft aufbauen kann.

Du hast hingegen nur noch deine Aufgaben, aber ohne seine Liebe ist das alles auch sinnlos geworden, weil das Materielle nicht brauchst.

Wenn das Wohl der Tiere für dich nicht an erster Stelle stehen würde, würdest du einfach nur verschwinden.

Kapitel 4 – Tag 11

Posteingang

Di., 17. Jan., 14:36

Ein weiterer Tag ist geschafft.

Gestern hast du letzten Bierflaschen Pfand abgegeben und hast den Einkauf erledigt.

Damit bist du eine Last von Monaten losgeworden, die sich in eurer Garage angesammelt hat. Zukünftig wirst du nie mehr so viel ansammeln lassen, egal, was passiert.

Auf dem Weg nach Hause hast du dir Scorpions Album Born to make you feel angehört und hast geweint und um eure Liebe getrauert bzw. Dass deine Liebe nicht mehr erwidert wird.

Die Trauer kommt und geht. Du lässt den Schmerz einfach zu bis er nachlässt. Er kann sich nicht ewig festsetzen, weil dein Bauchgefühl weiß, dass du das Richtige tust, indem du ihn loslässt.

Du fragst dich nur, ob er ob zurechtkommen wird, weil er alles aufgibt - die Katzen, Bärchen, sein Zuhause. Ist die andere Frau das alles wert? Hoffentlich kümmert sie sich gut um ihn.

Du bist heimgekommen und hast erwartet, dass er ausgegangen ist. Mittlerweile hast du dich an den Schmerz seiner Abwesenheit gewöhnt.

Der A4 war nicht da, also ist er wieder was Privates erledigen, dann bei ihr bis mindesten 4 Uhr morgen.

Es ist seltsam, dass sie nicht jede freie Minute bei ihm verbringt. Vermutlich ist er nicht ihre erste Priorität so wie er es für dich 10 Jahre lang war. Dir fällt jetzt erst richtig auf, dass du dein gesamtes Leben um ihn und seine Arbeit herumgebaut hast und er seine wenige Freizeit um das Haus. Es konnte so nicht ewig weitergehen.

Du hast den Einkauf erledigt, dann daheim Pizza gemacht. Um 19 Uhr hast du eine Autotür gehört, was irritierend war. Du hast nach draußen geguckt und es war euer A4.

Auch wenn er gleich in die Werkstatt gegangen ist, ohne dich aufzusuchen und dich zu begrüßen wie früher, hast du im Inneren eine irrationale Freude verspürt, dass er heimgekommen ist und zumindest noch da ist, auch wenn euch wieder zwei Wände trennen. Es wird noch lange dauern, bis du dich daran gewöhnst, dass er nicht mehr heimkommen wird wie in den letzten 10 Jahren, sondern zu einer anderen oder zu einem anderen Zuhause heimkommen wird, wenn er sich wieder eins aufbauen kann.

Du bist dann mit Bärchen, den Minikatzen Sake und sogar eurer halbblinden Sherry die Abendrunde durch den starken Wind gegangen. Danach hast du deinen Drang unterdrückt, seine Nähe zu suchen, denn er erträgt dich nicht mehr, obwohl du nichts getan hast, außer ihm nahe sein zu wollen und ihn emotional zu unterstützen. Er erträgt einfach nichts, was von dir kommt, aber er kann sich mit IHR die ganze Nacht unterhalten. Es tut weh und er versteht nicht, wie weh es tut, dass er dich nicht mehr will.

Kapitel 5 – Tag 14

Posteingang

Fr., 20. Jan., 02:03

Es vergeht noch kein Tag, an dem du nicht schreibst, um den Schmerz loszuwerden. Das Schreiben ist dein einziger Trost und Musik.

Heute bist du trotz Schneesturm zur nächsten Stadt gefahren, um das Konzert Herr der Ringe & Hobbit anzuhören.

Diesmal war es erträglicher, allein dort zu sein, weil du weiß, dass ihm die Location nicht gefallen hätte. Die Plätze in der Sparkassen Arena waren unbequem und zu eng für seine langen Beine.

Du bist es mittlerweile ja seit 10 Jahren gewohnt allein ohne ihn irgendwohin zu gehen, weil er entweder keine Zeit oder keine Lust darauf hatte. Am wenigsten, mit dir und Bärchen in die Natur zu gehen, wo es keine Menschen gibt. Immer wenn ihr Menschen begegnet seid, hat sich seine Unzufriedenheit – die dämliche Fotze – über deren Verhalten lautstark bemerkbar gemacht, daher wolltest du lieber irgendwohin, wo es keine Menschen gab, damit die Unzufriedenheit endlich ihre Klappe hält. Als die Unzufriedenheit auch dann nicht still sein konnte, wenn ihr allein in der Natur wart, bist du dann lieber nur noch mit Bärchen in die Natur gegangen, weil Bärchen ein stiller Genießer ist und die Zeit mit dir genießen kann.

Alles, was du wolltest, ist abschalten und keine unzufriedenen Monologe mehr hören, und wenn es nur für eine Stunde ist.

Außer Pilze sammeln. Das waren die einzigen schönen – wirklich entspannten Erlebnisse in der Natur, die ihr gemeinsam mit Bärchen machen konntet. Und ihr habt euch endlich freuen können, wenn ihr Pilze gefunden habt.

Du wirst daher wieder alleine unterwegs sein, nur wirst du diesmal den Wunsch unterdrücken, ihn dabei haben zu wollen, weil ER dich sowieso nirgendwo dabei haben wollte, am wenigsten bei seinen Ladies. Vielleicht, weil du ihm mit deiner vintage Art peinlich bist.

Du bist nach der Arbeit nur eine Stunde daheim gewesen, um Bärchen zu bewegen und dich fertigzumachen. Er war gar nicht daheim. Als du dann allerdings mit Bärchen wiederkamst, stand das Auto da. Er war wieder irgendwo, was dich nichts angeht oder du nicht fragen kannst, weil er ein eigenes Leben haben will.

Du gewöhnst dich hoffentlich schnell daran, nicht zu fragen und nicht mehr wissen zu wollen, auch wenn das jetzt noch schwerfällt. Wenn er das kann, dann kannst du das auch. Das bedeutet nicht, dass die Gefühle weg sind, sie schmerzen nur umso mehr, weil er nicht teilen will. Aber an Schmerzen kann ein Mensch sich gewöhnen und er kann damit leben.

Du bist dann schon um kurz vor 18 Uhr wieder losgefahren, um Zeit zu haben und hast ihm diesmal keine Nachricht geschrieben. Das gehört für dich zum Loslassen dazu.

Er ist sowieso gleich in die Werkstatt zum Trinken gegangen. Morgen kannst du dann wieder genügend Flaschen einsammeln, um sie wegzubringen.

Er grüßt dich sowieso nur, wenn ihr euch gezwungenermaßen im Haus begegnet. Außerdem nennt er dich jetzt wieder nur beim Namen.

Unpersönlich und ohne Zuneigung. Du hast den Schlag verkraftet so wie alle Schläge in der Vergangenheit.

Gestern Abend hast du Limburger eingelegt und er hat sich in der Küche etwas zu essen geholt. Er stellte sich neben dich und hat dir die Hand auf den Rücken gelegt. Das hast du dir monatelang gewünscht, einfach nur Berührung und Wärme von ihm.

Aber jetzt, wo er dich nicht mehr will, tut es nur weh, von ihm berührt zu werden.

Trotzdem hat er das Gleiche nochmal gemacht, bevor er aus dem Raum gegangen ist.

Du magst ihn weder ansehen noch ansprechen. Er soll sein eigenes Leben haben und du dafür deins. Das hat er sich gewünscht. Denn er hat dich nie für etwas gebraucht, außer als emotionale Müllhalde für seine Unzufriedenheit über die Gastronomie oder über etwas anderes.

Der Entzug von ihm ist hart, aber du gewöhnst dich schon wieder daran, nicht mit ihm zu kommunizieren.

Du wolltest ihm nicht mehr schreiben, dass du wegfährst. Du willst ihm gar nichts mehr mitzuteilen, weil es sowieso nur weh tut, weil du nichts zurückbekommst. Er kann daher genauso wegfahren, ohne dir Bescheid zu sagen. Er hat sich nie um dich gesorgt – zumindest hast du das nie gemerkt, warum sollte er plötzlich damit anfangen?

Du warst bis Mitternacht weg und in dieser Zeit hat er dir kein einziges Mal geschrieben, um nach dir zu fragen. Es kümmert ihn nicht oder er ist froh, dass du nicht da bist. Er wollte sowieso, dass du für mindestens 2 Wochen wegfährst.

Das kannst du dir nicht leisten, aber du kannst ihm aus dem Weg gehen bis er auszieht.

Egal, was jetzt noch kommt, es wird nie wieder so wie es vorher war.

Du wünschst dir, dass er schnellstmöglich auszieht und hast doch Angst vor diesem Moment, weil du dann die ganze Last alleine tragen musst. Aber für Bärchen und die Katzen wirst du alles Mögliche tun, damit sie ihr Zuhause nicht verlieren.

Kapitel 6 – Tag 14,5

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Fr., 20. Jan., 21:03

Endlich vergeht die Zeit wieder etwas normaler als vorher, nicht mehr so zäh.

Heute hast du mit Musik im Ohr von 8 bis 16 Uhr durchgearbeitet. Früh beim Zähneputzen hat er dir guten Morgen gesagt, ohne dich mit irgendeinem Namen anzusprechen. Du bist namenlos geworden so wie er. Es ist Monate her, seitdem du ihn mit seinem Namen angesprochen hast. Er ist immer noch Suffnase.

Du hast ihn kaum gehört und daher auch nicht schnell genug reagiert. Du wolltest dann auch nicht mehr reagieren, du willst einfach nur deine Ruhe. Seine Höflichkeit nervt, weil er nie höflich war.

Du bist dir einfach seiner Gegenwart schmerzhaft bewusst, aber bringst kein Wort mehr heraus. Nicht dass du Probleme mit Sprechen hast, es gelingt dir jetzt besser und präziser bei der Arbeit. Aber daheim verschlägt es dir wegen ihm die Sprache.

Du erinnerst dich gar nicht mehr richtig an das letzte Gespräch an Neujahr, als er das letzte Mal irgendetwas mit dir geteilt hat.

Du hast ihn auch lange nicht mehr angesehen, weil du nur zu Boden guckst. Es fällt schwer, ihn anzusehen, wenn du ihn jedesmal umarmen willst. Oder auf seinen Schoß klettern und dich an ihn schmiegen willst, Wärme auftanken.

Heute morgen ist er den vormittag weggefahren und kam ab Mittag wieder. Er ist gleich in die Werkstatt zum Trinken gegangen, dann hoch in "sein" Schlafzimmer.

Du erinnerst dich bald nicht mehr daran, wann du das letzte Mal da geschlafen hast, weil du schon lange ausgezogen bist.

Er redet nicht mehr mit dir, aber wahrscheinlich mit seiner neuen Frau. Das soll er ruhig machen, um zu lernen, wie ein normales Gespräch abläuft, ohne dass er über Gastronomie redet oder über seine Unzufriedenheit.

Ein Gespräch, was Spaß macht und wo man sich danach gut fühlt und nicht von seinen Worten geprügelt.

Du hast heute Wäsche gemacht, bevor sich wieder ein Berg ansammelt. Du hast drüben dich hingesetzt und die Stille genossen, bis die Maschine piept. Dann hast du ihn gehört, wie er rein wollte, also hast du aufgemacht, ohne ihn anzusehen und hast die Wäsche aufgehängt.

Er ist wie ein Geist im Haus, den du nicht siehst und du meidest es, ihm über den Weg zu laufen.

Als du dich fertig gemacht hast, um mit Bärchen die Abendrunde zu gehen, hat er dich plötzlich unerwartet angesprochen. Es war seltsam, von ihm wahrgenommen zu werden, wenn er dich seit etlichen Monaten missachtet hat.

Die Aufmerksamkeit tat wieder weh, weil du nicht antworten willst. Du willst ihm einfach nichts mehr mitteilen. Er hat sein Recht verloren, deine Gedanken zu hören und er weiß es, weil er das gesagt hat. Aber du weißt, dass er insgeheim froh ist, dass du ihn nicht mehr aufsuchst, weil er schlechtes Gewissen hat und weil er dir nur Müll erzählt, sobald er den Mund aufmacht.

Er hat dich darüber informiert, dass er heute Abend bei der FFW ist. (Du vermutest, dass er danach zu ihr fährt, wenn sie nach 1-2 Stunden fertig sind. Er war auch davor bei ihr, denn er hat Essen von ihr mit heimgebracht, so wie du früher für ihn. Das heißt, sie kochen und essen zusammen.)

Dann hat er gesagt, dass er wahrscheinlich ab dem 01.02. im Dorfladen das Arbeiten anfängt.

Das bedeutet, dass du dort nicht mehr hingehen kannst. Du wolltest am liebsten fragen, wann er auszieht, weil du nur noch allein sein möchtest.

Warum sucht er sich ausgerechnet im Dorf eine Arbeit, wenn er hier sowieso nicht bleiben will? Warum geht er nicht in die Stadt, um in ihrer Nähe zu sein?

Es ist aber nur eine Übergangslösung bis etwas Besseres kommt. Somit ist er erstmal jeden Tag außer Haus.

Du konzentrierst dich ab sofort nur noch auf deinen Job, um deine Position zu verbessern und mit dem Gehalt, die Tiere versorgen zu können.

Du hast nichts auf die Information geantwortet, weil du ihm nicht glauben kannst, bis er handelt. Seine Worte sind nur noch leere Hülsen für dich. Genauso wie die Geschichte mit ihr. Ihre Karte mit dem Kussmund zu seinem Geburtstag erzählt eine andere Geschichte. Sie nennt ihn "Meine Liebe" - so wie du ihn "meine Suffnase" nanntest. Sie sieht ihn als ihre Liebe an.

Aber es ist egal, ob du die Wahrheit kennst oder nicht. Der Schmerz bleibt der gleiche und er hat selbst gesagt, dass er dir nie alles gesagt hat. Genauso wie du ihm nicht alles sagen willst, weil er nicht alles verträgt, auch wenn er das von sich behauptet. Er hat nie vertragen, was du gesagt hast. Vor allem keine Kritik.

Dein Gefühl sagt dir, dass er dich nie wirklich geliebt hat. Es gab nur liebevolle Momente und die waren äußerst rar, weil seine Unzufriedenheit nie weit entfernt war. Dennoch hat es irgendeine Verbundenheit gegeben, die er jetzt rigoros gekappt hat, weil er dich und dieses Leben nicht mehr will.

Du kannst ihn nicht mehr fühlen. Du kannst nicht mehr spüren, was in ihm vorgeht. Du kannst ihn nicht mehr ansehen und lesen.

Du fühlst das Band zwischen euch nicht mehr.

Es ist vollkommen zerrissen und kann auch nie wieder zusammengeknotet werden.

Alles was du nur noch fühlst, ist Schmerz und nochmal Schmerz.

Kapitel 7 – Tag 16

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So., 22. Jan., 14:40

Je mehr Abstand du zu ihm gewinnst, desto mehr Zweifel kommen dir, was die Wahrheit ist. Du träumst von euren Konflikten und hinterfragst alles, was er gesagt hat.

Du hast dein Vertrauen in seine Worte verloren. In ihn. Alles scheint dir wie eine Lüge, auch die letzten 10 Jahre, in denen ihr so wenig miteinander erlebt habt.

Aber es war besser so, denn wenn ihr mehr zusammen erlebt hättet, würdest du noch mehr Erinnerungen mit ihm haben. Die wenigen, die du hast, sind so schon schmerzhaft genug und du hast genug zum Verarbeiten. Dein gesamtes Leben hat sich die letzten 10 Jahre nur um ihn gedreht. Du musst wieder lernen, auf eigenen Füßen zu stehen.

Zuerst behauptete er, dass er nur mit anderen Menschen ohne dich etwas unternehmen will, damit er über dich reden kann. Während eures Streits hat er dir schmerzhaft und anschaulich vor Augen geführt, wie sehr es ihn ankotzt, dass er niemanden hat, mit dem er über dich reden kann. Dabei hast du selbst niemanden, mit dem du über ihn reden könntest, wenn dich die Gastronomie belastet. Du hast nur seine lustigen Anekdoten aus der Küche weitererzählen können. Du bist nur raus in die Natur geflüchtet, um überhaupt niemanden mehr reden zu hören, sondern einfach nur Stille zu hören.

Dann hat er dich strikt von diesen neuen Menschen ferngehalten, um dann zuzugeben, dass er sich zu der einen hingezogen fühlt. Er hat gewusst, dass er sich verlieben würde und wollte nicht, dass du es merkst. Du fragst dich die ganze Zeit, ob er ihr gesagt hat, dass es dich gibt oder ob sie gedacht hat, er wäre frei.

Dann wollte er den Kontakt zu diesen Menschen komplett abbrechen, hat aber seine Meinung geändert und sich wieder mit ihnen getroffen, weil du das von ihm gefordert hast, damit er nicht vereinsamt und weiterhin von seiner Unzufriedenheit aufgefressen wird, weil er niemanden außer dich zum Reden hat.

Dabei hat er sich weiter allein auf die eine eingelassen, mit der er es sich vorstellen konnte, bis er sich dann von dir getrennt hat, bevor er angeblich mit ihr intim wird. Aber bei der Trennung behauptete er, dass es keine Zukunft mit ihr habe, weil es nicht wirtschaftlich sei, weil sie kein Auto habe und so weiter. Du hast ihn gefragt, ob schon etwas passiert wäre. Er hat gesagt, nein, natürlich nicht. Genau das kann nicht stimmen, sonst hättest du nicht die ganze Zeit seine Abwehrhaltung erfahren und den Schmerz gespürt. Genau da hat er gelogen, sonst würde er keine Motivation haben zu handeln, wenn nicht schon etwas passiert wäre – wenn es kein Ziel gäbe, etwas zu ändern.

Er kündigt, trennt sich von dir, um sich dann mit ihr etwas Neues aufzubauen, sein zweites normales Leben.

Er behauptet, dass er sein Zuhause vermissen wird, weil er sich gern um das Haus und Garten gekümmert hat.

Er behauptet, dass er dich als Menschen nicht verlieren will, aber bringt es nicht mehr fertig, mit dir zu sprechen.

Dir tut nur alles weh, wenn du darüber nachdenkst.

Du kannst nichts mehr glauben, obwohl für dich vorher alles transparent erschien. Aber es ist nichts so wie er dir vormachen wollte. Es ist alles eine riesengroße Lüge. Genauso wie die letzten 10 Jahre nur ein Schauspiel waren. Ihr wart nichts als eine Finanz-WG und eine Zweckgemeinschaft so wie ihr es am Anfang gewesen wart.

Du vergräbst dich ins Schreiben und in Musik. Du kannst immer noch nicht mit ihm sprechen. Er ist einfach so weit weg, auf der anderen Seite der Glasscheibe und die Distanz schmerzt dich tagtäglich.

Aber du hast dich aufgerafft und ihm gestern und heute jeweils eine Tasse Kaffee hingestellt, als Zeichen dafür, dass du ihn registrierst, wenn du auch nicht mehr mit ihm sprechen kannst. Du weißt nicht einmal mehr, wie du mit ihm sprechen könntest, er ist dir so fremd. Er kennt nur das Thema Gastronomie und seine Unzufriedenheit, nichts anderes. Er redet nur mit ihr über Dinge, die Spaß machen. Er kann sich mit dir nicht mehr normal unterhalten als würde ein Gespräch mit dir automatisch zur Gastronomie führen.

Du wartest nur noch darauf, dass er endlich irgendein eigenes Einkommen hat, dann kannst du aus seinem Leben verschwinden.

Das ist Einzige, was du dir im Moment wünschst. Einfach nur mit Bärchen und den Katzen aus seinem Leben verschwinden und ihn für lange Zeit nicht wiedersehen. Vielleicht erst wieder, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren.

Oder einfach überhaupt nie wieder sehen, fühlen, riechen, sich begegnen.

Du überlegst die ganze Zeit, ob du an deinem Geburtstag alleine mit Bärchen wegfährst, um dich irgendwo zu verkriechen. Aber du brauchst jeden Cent, den du sparen kannst, um das Haus zu halten, falls er auszieht oder du.

Du kannst es dir nicht leisten, Geld zum Fenster rauszuschmeißen. Auch mit Rücksicht auf das Haus und die Tiere. Auf jeden Fall kannst du zugunsten der Tiere das Haus nicht einfach so aufgeben, wenn er nicht die Mittel hat, es zu halten. Du hast Angst, dass sie ihr Zuhause verlieren, auch wenn du einfach nur verschwinden willst.

Er ist die ganze Woche anwesend gewesen, anstatt die Nacht bei ihr oder einem der anderen neuen Menschen zu verbringen. Jetzt wünschst du dir nur noch im Haus allein zu sein, egal wie weh es tut, dass er bei ihr ist. Er lässt einfach ihr Geschenk liegen und ihr Essen verschimmeln, was nicht okay ist, wenn sie es ihm mit Gefühlen gegeben hat. Er legt die Sachen nicht einmal in den Kühlschrank oder isst sie auf. Du kannst dich aber nicht auch noch darum kümmern. Es ist sein Privatleben, seine neue Beziehung.

Du reisst dich zusammen und überstehst auch den heutigen Tag und jeden weiteren Tag, der kommt, bis er endlich auszieht oder du.

Gestern Abend kam er in die Küche, als du ein wenig Abendbrot gemacht hast.

Er hat dich diesmal nicht mehr angefasst. Es tat weh, aber du musst dich sowieso daran gewöhnen, also ist es auch besser so, dass er endlich aufhört, dich ohne Liebe anzufassen.

Du bist immer noch seine Gewohnheit, während er es für dich nicht ist. Du kümmerst dich immer noch um seine Sachen, seine Wäsche und sorgst dich um ihn, um seine Zukunft. Solange du etwas dafür tun kannst, dass er versorgt ist, tust du das, bis du aus seinem Leben verschwindest.

Kapitel 8 – Tag 16,5

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So., 22. Jan., 23:13

Er kommt und geht, wie es ihm passt. In unerwarteten Momenten zerreißt es dich wieder vor Sehnsucht, vor Traurigkeit, vor Schmerz, dass es am ganzen Körper wehtut.

Kurz nachdem du ihm den Kaffee gebracht hast, hast du endlich einmal den Schalter umlegen können, damit du nichts mehr fühlst, vor allem nicht ihn.

Er hat wieder nur geraucht und vor sich hin gegrübelt. Du wolltest seine Gedanken nicht mehr fühlen, seinen Schmerz, seine Belastung, seine Sorgen. Du wolltest seine Gefühle nicht mehr spüren, weil er sie sich selbst zuzuschreiben hat.

Er hat euch aufgegeben, damit er mit der anderen die Nächte verbringen kann. Er beachtet keinen mehr von euch, weder das Haus, die Katzen noch Bärchen. Er kümmert sich nur um sein eigenes Wohlbefinden. Er hat die Verantwortung für euch abgegeben. Deswegen hat er auch dein Vertrauen verloren.

Wenn du nicht auf Arbeit bist, konzentrierst du dich darauf, eine Wohnung für dich und Bärchen zu finden. Nur für den Fall der Fälle.

Du hast heute wieder gekocht und dabei hast du dich in der Küche umgesehen. Dabei ist dir aufgefallen, dass dein Herz an nichts davon hängt, weil er dich nicht mehr will. ER war dein Zuhause, nicht dieses Haus, was nur ein Ort zum Wohnen ist.

Er kann alles behalten.

Was auch immer kommt, es gibt nichts an dem Haus, was dich wirklich hält. Das einzige, was dich überhaupt gehalten hat, war deine Suffnase, weil du dachtest, er würde dich brauchen und du kannst ihm auch ein Zuhause geben.

Jetzt ist es wahrscheinlicher, dass er dich nie geliebt oder gebraucht hat, sondern hat nur die Annehmlichkeiten, die du ihm geboten hast, angenommen, weil es günstiger war, sich die Kosten zu teilen.

Es ist mühsam, über seine Motive nachzudenken, da er dich jetzt weder braucht noch deine Gesellschaft genießt.

Er erträgt dich einfach nicht mehr, obwohl du ihm nichts getan hast, außer die meiste Zeit zuzuhören, wenn er seiner Unzufriedenheit über die Welt Luft gemacht hat.

Deine Gefühle haben dich die ganzen 10 Jahre irrational handeln lassen.

Du erinnerst dich an seine Launen, Schimpftiraden und seine Missachtung. Alles hat wehgetan. Vor allem seine Wut, als er deine erstmalige im Nachhinein berechtigte Eifersucht bemerkte.

Du hast trotzdem seine Nähe, seine Aufmerksamkeit und seine Zuneigung gesucht und hast die Zurückweisung eingesteckt. Du kapierst nicht im Nachhinein nicht, warum du das gemacht hast.

Es wäre besser, nur die persönlichen Sachen mitzunehmen und sonst nichts, damit du keine Erinnerungen aus dem Haus mitnimmst. Du solltest nur das mitnehmen, was in dein Auto passt, das wäre Bärchen, deine Kleidung und deine Arbeitstaschen und deinen Laptop. Mehr brauchst du nicht. Du bist mit weniger nach Chiang Mai gereist, um dort für ein Jahr zu leben.

Du hast noch deine Kiste Küchenausstattung von deiner ersten Wohnung. Darin ist alles drin, was du brauchst. Zwei Teller, ein kleiner Topf, ein wenig Küchenzubehör und das Besteck von früher. Alles andere lässt sich besorgen.

Du brauchst nichts aus dem Haus mitnehmen außer vielleicht eine Matratze und ein Set Bettwäsche. Aber selbst die brauchst du nicht, weil du theoretisch einen Schlafsack hast.

Früher hast du dir vorgestellt, du müsstest eine Wohnung ausstatten, aber du hast in Chiang Mai nur mit dem Nötigsten gelebt und es hat auch geklappt.

Du kannst auch hier von dem Nötigsten leben und brauchst nicht einmal zu kochen, wenn es keine Küche gibt.

Du hast genauso genügend Klamotten, um einen Monat zu überdauern, bevor du sie zur Wäscherei bringen musst.

Langsam entwickelst du einen klaren Plan für die Zukunft, deine selbstständige Zukunft. Das hilft, den Schmerz zu verdrängen und dich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Entweder du ziehst zuerst aus und fängst neu an, ohne ihn und auch nie wieder mit ihm, nur mit Bärchen. Aktuell hast du nicht das Bedürfnis, ihn je wiederzusehen so wie damals 2015.

Jetzt willst du nur noch weg und ihn nie wiedersehen, weil er dich so verletzt hat. Jeder Tag, an dem du ihn auch rumoren hörst geschweige denn sehen musst, ist verletzend. Es tut körperlich weh.

Es ist jetzt mehr eine Erleichterung, dass er außer Haus ist und fast die ganze Nacht wegbleibt. Du kannst sein Nichtstun und Trinken kaum noch ertragen, dass er seiner neuen Frau nicht zeigt.

Du hast wieder einen ganzen Beutel Pfandflaschen ausgeräumt, um sie beim nächsten Einkauf abzugeben.

Du fragst dich, ob er sich daran erinnern wird, wenn du nicht mehr da bist, um die leeren Flaschen aufzuräumen.

Solange er im Haus ist, wagst du es auch nicht, Lärm zu machen und zu putzen. Du blendest ihn mit lauter Musik über deine Kopfhörer aus, damit du eine Entschuldigung hast, ihn nicht anzusprechen.

Es hat dich gewundert, dass er dir überhaupt Bescheid gesagt hat, dass er wegfährt, nachdem du ihm das letzte Mal nicht Bescheid gesagt hast.

Hoffentlich erinnert er sich daran, dass du bald auf Dienstreise mit Übernachtung bist, dass er sich um Bärchen kümmert, weil die Pension teuer ist.

Er will nichts wissen und nicht teilen, also teilst du auch nichts mehr.

Das nächste Mal, wenn du über Nacht weg musst, muss Bärchen dann in Pension, weil du ihn ihm nicht mehr anvertrauen kannst.

Kapitel 9 – Tag 21

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Fr., 27. Jan., 10:24

Du hast 21 Tage seit der Trennung geschafft.

Das sind erst 3 Wochen und du weißt nicht, wie viele Wochen noch vor dir liegen, bis er eine Wohnung findet und auszieht. Die Trennungsraten zermürben deinen Geist.

Du hast es geschafft, seit dem 23. nicht zu schreiben und dich nur auf die Arbeit zu konzentrieren.

Du warst zwei Tage auf Dienstreise und konntest endlich räumlichen Abstand gewinnen, bevor du komplett den Verstand verlierst, weil die verfluchten Schmerzen nicht aufhören. Du bist früh um 7:30 Uhr gefahren, ohne Verabschiedung, ohne ihm Bescheid zu geben. Es tut wohl, dich endlich nicht mehr rechtfertigen zu wollen. Dein Herz löst sich allmählich von ihm, wenn es auch gerade irgendwohin abgetaucht ist und du weißt nicht, wo es ist. Alles, worauf du dich aktuell verlassen kannst, ist dein kristallklarer Verstand.

Am Nachmittag, wo du eigentlich von Arbeit heimgekommen wärst, kam eine Nachricht von ihm. Er hat dich nur mit Namen angeschrieben, völlig ohne Gefühl und neutral - unwichtig. Du hast nicht gedacht, dass du 0815 Schnecki jemals vermissen könntest, aber das tust du jetzt, was total behämmert ist. Er hat sich daran erinnert, dass du Ende Januar auf Dienstreise sein müsstest.

Du hast sofort, aber kurz geantwortet, dass du zum nächsten Tag weg bist. Er musste seine Pläne mit der anderen Dame wahrscheinlich wegen Bärchen ändern, aber das konntest du nicht verhindern. Du hast dich 10 Jahre seiner Arbeit angepasst, ohne jemals etwas Zeit für euch zu erfragen. Deine Arbeit ist auch wichtig, wenn du alles alleine tragen musst.

Dieser räumliche Abstand hat dich endlich ein paar Stunden Schlaf finden lassen. Der Termin hat dich von deiner Taubheit abgelenkt. Du hast dir zusätzlich Musik mitgenommen, um Gedanken ausblenden können und damit du dich auf die Arbeit konzentrieren kannst.

Abends hast du dennoch plötzlich das Bedürfnis, deinen emotionalen Müll bei ihm abzuladen, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen, seine Gefühle, seine Reaktion. Du warst 10 Jahre lang SEIN emotionaler Mülleimer. Jetzt kannst du das auch einmal ohne Hemmungen machen und er soll damit klarkommen. Du hast dabei geweint wie ein Schoßhund, weil du ihn so sehr vermisst hast.

Wie kann es sein, dass du ihn so vermisst, wenn jedes Gespräch mit ihm ein Krampf war? Wenn er nur über seine Unzufriedenheit schimpfen konnte? Warum schmerzt es weiterhin, nichts mehr mit ihm teilen zu können?

Abends nach der Dienstreise, bist du heimgekommen und Bärchen und die Minikatzen haben sich so auf dich gefreut, dass sie alle drei mit dir die Abendrunde gegangen sind.

Bärchen musste dreimal Geschäft machen, was dir verraten hat, dass er mit ihm nicht draußen war, sondern nur in den Garten gelassen hat.

Da hast du endlich wieder etwas anderes als Schmerz gespürt – Ärger. Aber nur sehr schwach. Absofort vertraust du ihm Bärchen nie wieder an.

Du verzichtest auf das Wegfahren oder Bärchen kommt in Pension, wo die Pfleger mit ihm regelmäßig rausgehen. Auch wenn er noch nicht ausgezogen ist.

Danach bist du gleich auf dein Zimmer und hast ihn und den Schmerz mit Musik ausgeblendet.

Anschließend hast du es geschafft, ihn fast eine Woche lang nicht zu sehen, bis er dir heute den Kaffee hochgebracht hat. Dabei hast du die Tasse extra kalt werden lassen, weil dir nicht genügend Zeit blieb, bis er in der Küche auftauchte. Seine Gegenwart tut weh, sobald du ihn auch nur ansehen musst. Das Einzige, was den Schmerz ausblendet oder herausleitet, ist Musik.

Es ist allerdings interessant, welchen Impact Musik hat, wenn man Liebeskummer hat und trauert. Man hört plötzlich jeden Text und versteht ihn.

Kapitel 10 – Tag 23

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So., 29. Jan., 22:01

Du hast schon 23 Tage lang geschafft.

Du hast 1 Tag lang es ausgehalten, nicht über ihn zu schreiben. Du musst daran arbeiten, dass die Zeitabstände dazwischen immer länger werden.

Gestern warst du von 10 bis 0 Uhr unterwegs, um dich allein in Gesellschaft zu bewegen und zu lernen, wieder alleine zu sein. Er war bereits vor dir außer Haus und kam noch später "heim". Er war vermutlich nur mit ihr unterwegs und auch die Nacht zusammen.

Es tut immer noch wehgetan, weil du aus seinem Leben ausgeschlossen wurdest und mit diesem Schmerz gehst du weiterhin schlafen. Du weißt nicht, wohin er fährt und was er mit der anderen macht. Die Eifersucht richtet sich auf ihre Gespräche, die sich nicht um Gastronomie drehen, weil er es schafft seine dämliche Fotze von Unzufriedenheit unter Kontrolle zu halten.

Auf der Fahrt vom Planetarium bis nach Hause und von dort bis zum Konzert, hat es dich wieder zerrissen und die Tränen liefen dir über das Gesicht.

Du musst das Gespräch wegen der Wohnsituation suchen, um dich nicht selbst noch mehr kaputtzumachen. Du bist zermürbt und findest keinen Schlaf. Das ist kein Dauerzustand, sonst bist du bald zu gar nichts mehr in der Lage.

Warum musst du dich noch so verantwortlich für ihn fühlen?

Warum kannst du ihn nicht einfach abschreiben und verschwinden?

Warum sind diese Gefühle noch da, wenn er dir so wehgetan hat?

Warum weinst du immer noch um ihn wie eine Bekloppte?

Heute hast du dich dann schließlich aufgerafft, ihn anzusprechen, ob er jetzt schon einen Job hat. Du hast dir selbst diese Frist gesetzt, damit du endlich handeln kannst.

Du hast ihn gefragt, ob er schon eine Wohnung hat. Er hat hat geantwortet, dass er noch nicht einmal gesucht hat.

FUCK. Die Folter sollte noch weitergehen. Du bist gleich wieder gegangen, bevor du das heulen angefangen hast.

Er kam dir hinterher, um zu diskutieren und argumentieren, dass er als Arbeitsloser keine Wohnung bekommen würde und auch keinen Umzug finanzieren könnte.

Es war dir klar, dass er das bequeme Nest nicht verlassen will, obwohl er sich von dir getrennt hat. Du bist immer noch seine Gewohnheit, die daheim alles macht, den Kühlschrank füllt usw.

Du hast ihn daran erinnert, dass er ausziehen wollte, nicht dass er das vergessen hat. Er hat dich gleich wieder herabblassend wie ein Kind behandelt und gesagt, dass du ihm "wieder" nicht richtig zugehört hast, dass ihr das mit dem Haus vernünftig regeln müsst. Natürlich will er es nicht aufgeben, weil es günstiger ist, wohnen zu bleiben und sich die Kosten zu teilen eine Mietwohnung.

Später ist er wieder rüber in die Werkstatt. Du hast das Notariat von eurem Hauskauf herausgesucht und die Unterlagen für eine Überlassung dir angesehen.

Wenn er es mit der Hausüberschreibung wirklich ernst meint, dann willst du schnellstmöglich handeln, um aus dieser Situation herauszukommen.

Aber anstatt ihm eine schmerzhafte Sprachnachricht zu schicken, bist du diesmal persönlich in die Werkstatt gegangen, um ihm alles in Person zu sagen.

Er darf sehen, wie es dich zerreisst und wie weh er dir nur mit seiner bloßen Anwesenheit tut. Er darf persönlich erfahren, wie er auf deinen Gefühlen herumgetrampelt hat und es immer noch tut, indem er hier bleibt.

Du hast ihm gesagt, dass du handeln musst, dass du einen Termin brauchst, um auf etwas hinzuarbeiten. Er würde dich nicht für voll nehmen, aber du verstündest sehr gut deutsch und was er sagte. Daher musst du weitermachen.

Er fragte, wieso du das plötzlich willst und wirkte ein wenig nervös.

Du hast ihm gesagt, weil du jeden Tag in diesem Zustand 1.000 Tode stirbst.

Was du nicht gesagt hast, ist, dass er einfach weitermacht wie bisher – ständig mit seiner neuen Frau schreibt wie seit Monaten und irgendwann nächtelang ausgeht. Aber du stirbst 1.000 Tode, weil du das ertragen musst und nichts sagen darfst.

Er behauptete, dass er das weiß und dir deswegen aus dem Weg geht.

Du konntest ihm nicht einmal das glauben und hast genau das ausgesprochen.

Er sähe nicht aus, als wenn er auch nur irgendwie leiden würde.

Er behauptete, dass er sich ständig Gedanken um alles mache. Wie solle er denn aussehen, solle er sich mit dem Kopf an die Wand stellen?

Auch das konntest du ihm nicht mehr glauben. Seine Story hat sich jeden Tag geändert. Außerdem redet er immer besonders viel, wenn du nahe an der Wahrheit bist, dann erzählt er dir erstrecht Mist, als müsste er ablenken. Damit versteckt er immer seine Unsicherheit, um dich mundtot zu reden. Genauso wie sein Geschrei nach deiner Nachricht damals, wo du ihm gesagt hast, dass du gemerkt hast, wie er wieder dich und andere Menschen evaluiert und dass du deswegen hoffst, dass er dich in seinem Leben behalten will.

Aber du bist kein Möbelstück, was er bewerten muss, ob er dich behalten will.

Dann fing er wieder damit an, dass er es mehrfach erklärt hat, dass er kein Leben und dir nichts zu erzählen hat. Er fragte dich, was er dir hätte erzählen sollen?

Du hast gesagt, er hätte über euch reden können. Du wolltest aber nicht mehr auf die andere Frau eingehen, weil du dann alles nochmal durchleben müsstest. Du hast einfach keinen Bock mehr auf sein Gesülze, sondern willst endlich weitermachen und die Situation beenden.

Du hast gesagt, dass du einen Plan für dich hast.

Der Rest ist abhaken, auch alles, was du an Geld investiert hast. (Du bekommst das sowieso nie wieder.)

Dann hatte er noch die Frechheit, zu sagen, dass sich alles "normalisiert". Da bist du ihm fast ins Gesicht gesprungen und hast ihn gefragt, was sich normalisieren soll? Doch nicht etwas die Beziehung? Du hast ihm nochmal in aller Deutlichkeit gesagt, dass du mit seiner Unzufriedenheit unzufrieden bist und keine Lust mehr hast, mit dieser dämlichen Fotze weiterzuleben, die direkt neben ihm steht wie eine dritte Person und dich anglotzt.

Du hast gesagt, dass du einmal in 10 Jahren es gewagt hast, dein Maul aufzumachen, um dich über seine Unzufriedenheit zu beschweren und wurdest dafür niedergebrüllt und niedergeschrien. Das kann sich nie wieder normalisieren. Abgesehen davon, dass du ihm nichts mehr glauben kannst, weil alles keinen Sinn mache und sich ständig ändere.

Wahrscheinlich sind sie schon seit einer Weile zusammen. Aber egal, ob du die Wahrheit jemals erfährst, der Schmerz bleibt gleich, daher ist es müßig, dir darüber Gedanken zu machen. Jetzt heißt es für dich Konsequenzen ziehen.

Du hattest schließlich genug davon, wieder vor ihm zu heulen, auch wenn du wahrscheinlich mehr sagen könntest, aber irgendwann dreht sich wieder alles im Kreis. Auf jeden Fall stimmte er dir zu, dass du dich um den Notartermin kümmern kannst und musst.