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Bea Jaksarn

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Beschreibung

SHAUN: King of Pop made in Kanada. Er darf sich nicht verlieben. Zu viel hängt davon ab. Seine Karriere. Seine Vergangenheit. Seine Zukunft. Sein Herz. Musik ist seine große Liebe. Bis SIE kam. CAMELIA: Das Leben ist hart. Es ist nicht fair. Daher ist es besser nicht darin zu leben, sondern es zu fotografieren. Bis ER kam.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

#TRUST ME

Random Lovers Band 2

Bea Jaksarn

Danke an

Frau H.

Martina H.

Sandra H.

Impressum

Bea Jaksarn, Am Rangen 2, 95356 Grafengehaig

Hinweis der Autorin

Alle Songtexte sind fiktiv original. Jegliche Übereinstimmungen mit realexistierenden Figuren und Werken ist zufällig und nicht beabsichtigt. Zitierte Songtexte sind das geistige Gut der jeweiligen Künstler.

1. Kapitel - #ache

I'm drowning, drowning into you

I'm falling, falling for you

I'm begging, begging for your forgiveness

You're consuming me with your brightness

Everytime I'm around you, I feel this ache

This ache like my heart is gonna break

When I'm dreaming, dreaming about us

Waking up in sweat, fear closing in, because

When I let this love go further, let it grow

He'll tear you away, he'll know

(Shaun Tavarez: Drowning into you)

Camelia verbrachte den Nachmittag in Shauns Apartment damit, sich auf ihr Meeting mit June vorzubereiten. Sie sprachen nicht mehr über das, was er von ihr wollte.

Eine Art künstlerische Freundschaft. Eine inspirative Affäre. Ein kreativer Austausch. Ohne Erwartungen aneinander, ohne Zukunft miteinander.

Ohne Gefühle füreinander? Waren sie überhaupt exklusiv?

Es gab noch sehr viele ungeklärte Fragen. Keine davon war einfach. Und alle waren mit verwirrenden Gefühlen verknüpft. Gefühle für ihn. Gegen ihn. Ach, einfach nur zu viele Gefühle überhaupt, die er in ihr verursachte. Momentan war sie überhaupt nicht in der Verfassung, um sich mit ihnen auseinanderzusetzen – so müde wie sie von der Probearbeit auf der gestrigen Livemusikveranstaltung war.

Sie wusste nicht, was sie fühlte, was sie wollte, was sie sollte. Also wusste sie auch keine Antwort.

Shaun hatte es für den Moment auf sich beruhen lassen. Er war anscheinend dankbar, dass sie überhaupt noch da war. Er hatte jedenfalls nicht protestiert, als sie Abstand von ihm brauchte.

Zu dumm, dass sie keine Wechselkleidung dabeihatte, welches sie zu dem Meeting mit June anziehen konnte. Zumindest hatte sie ein frisches Hardrock-Café-T-Shirt von ihm ausgeliehen.

Sie saß auf seinem bequemen weißen Sofa. Musik von Boston (More than a feeling) begleitete sie über ihre weißen Kopfhörer.

Sie packte alle ihre neuen (von Stay Juned Records zur Verfügung) gestellten Arbeitsgeräte aus der schwarzen Notebooktasche und machte sich mit ihnen vertraut. Es handelte sich um ein flaches silbernes Macbook und ein IPhone neuster Ausführung. Ihre (hoffentlich) zukünftige Chefin June Hastings hatte angewiesen, dass sie alle Fotos darauf bearbeiten und ihre ganze Kommunikation mit dem Musiklabel darüber stattfinden sollte. Dies diente natürlich dem Schutz der Rechte des Musiklabels. Einleuchtend.

Camelia sortierte sorgfältig ihre Fotos und prüfte, ob sie nicht etwas nachbearbeiten musste. Sie wollte June nur ihre beste Arbeit zeigen. Und als sie alle Fotos vom Vorabend begutachtete, empfand sie mächtig viel Stolz.

Die Bilder waren genau das, was sie sich erhofft hatte: Emotional, heiter, lustig, berührend.

Insbesondere Shauns Spaß und die Freude am Singen und Musizieren hatte sie mehr als einmal mit ihrer Spiegelreflex eingefangen. Er war nicht nur fotogen. Auf der Bühne war er aufgeblüht wie ein strahlender Stern. Er hatte die Menschenmenge bewegt – gerockt.

Sie erinnerte sich nur allzu gut an die Euphorie, die er im Publikum entfacht hatte. Sie konnte die begeisterte Stimmung immer noch hören und spüren, als sie die Gesichter der Menschen sah, die sie festgehalten hatte. Ihr Herz klopfte bei dem Gedanken an Junes Reaktion.

Shaun hatte sie in seinem Wohnzimmer alleine arbeiten lassen. Sie wollte sich auch nicht von ihm ablenken lassen. Allein wenn sie ihn nur ansah, kamen ihr schmutzige Ideen, was er mit ihr anstellen könnte. Oder besser gesagt, was sie zulassen würde, dass er mit ihr anstellte.

Daher war es vernünftig, wenn sie sich getrennt voneinander auf ihre kommenden Gespräche im Musiklabel vorbereiteten. Er hatte es eingesehen. Nachdem er ihr einen nachdrücklichen, tiefen Kuss gegeben hatte (als würden sie sich für die nächsten Tage nicht sehen), hatte er sich in das Zimmer nebenan zurückgezogen.

Von dort aus hörte sie hinter der Tür nur leise Gitarrenmusik oder Klavier und seine Stimme, wenn er sang. Aber sie konnte nicht verstehen, was er sang. Er hatte sie nicht extra gebeten, ihn nicht zu stören, aber es verstand sich von selbst.

Ihr Gespräch mit June, was für den Nachmittag geplant war, rückte schließlich immer näher. Camelia packte ihre Ausrüstung und Arbeitsgeräte wieder ein. Sie sah unsicher auf die Uhr. Hoffentlich hatte Shaun sie nicht vergessen, so vertieft wie er in dem verschlossenen Musikzimmer war.

Schließlich stoppte der Klang der Musikinstrumente. Kurz darauf öffnete sich die weiße schwere Tür und seine hochgewachsene, schlanke Gestalt tauchte im Türrahmen auf. Obwohl sie sich erst vor ein paar Stunden gesehen hatten, flatterte bei seinem Anblick etwas Aufgeregtes in ihrer Brust. Sie wollte ihn schon wieder gern fotografieren. Irgendetwas an ihm faszinierte sie immer. Sie konnte sich an ihm nicht satt sehen. (Na gut, sie hatten sich auch noch nicht oft gesehen, um sich satt sehen zu können, aber sie bezweifelte, dass es daran lag.)

War es sein markantes, attraktives Gesicht mit den dunklen Augenbrauen und Wimpern, die seine grüngesprenkelten braunen Augen umrahmten? War es die blasse Narbe auf seiner rechten Wange, die deutlicher hervortrat, wenn er lächelte? War es sein voller Mund, der unglaublich anziehend war, wenn er sich nachdenklich auf die Unterlippe biss? Oder waren es seine starken, tätowierten Arme, seine großen Hände und langen Finger, die sie geschickt zum Höhepunkt bringen konnten?

Sie konnte Shaun Tavarez nicht klar auf den Punkt bringen, aber sie wollte alle Facetten von ihm fotografisch studieren. Sie wollte ihn offenlegen.

Hm, der Gedanke an sich war ganz schön intim. Das sollte sie ihm besser nicht sagen. Sonst bekam er Angst, dass sie eine von den Mädchen war, die nach dem Sex zur Stalkerin mutierten. Eine, die alle seine Social-Media-Bilder mit hundert Copy-Paste-Herzen kommentierte. Eine, die wusste, wo er wohnte und unangemeldet vor seiner Tür auftauchte.

Camelia lachte innerlich über das Szenario, in dem sie sich als verrücktes Fangirl vorstellte, die online alle Nachrichten von Shaun Tavarez verfolgte und jedes Foto von ihm abspeicherte.

Dank der Arbeit ihres Vaters als Tanzchoreograph für einige (unter anderem namhafte) Künstler, nahm sie es mit der Privatsphäre sehr ernst. Er hatte seine Familie so oft es möglich war, mit zu den Proben genommen. Sie hatte sehr früh begriffen, dass Vertrauen sich nur aufbaute, wenn man den Künstlern die Hand schüttelte, ohne in der anderen Hand das Smartphone zu haben, bereit zum Abdrücken. (Akzeptabler war da eine Spiegelreflexkamera, denn die bedeutete Arbeit.)

Jetzt wo sie darüber nachdachte, hatten sie und Shaun jemals ein Selfie zusammen gemacht? Nein, sonst hätte sie es sich sicherlich oft genug heimlich angesehen, wenn sie an ihn dachte. Sie lachte wieder in sich hinein. Wie war das noch einmal mit dem verrückten-Fangirl-Syndrom?

„Was lachst du so vor dich hin?“, fragte Shaun verwundert, als er auf sie zukam.

„Wenn ich dir das sage, lachst du mich nur aus oder hältst mich für verrückt“, sagte sie ausweichend und unterdrückte ihre Belustigung.

Wie selbstverständlich zog er sie in den Käfig seiner starken Arme. Seine vom Gitarrenspiel geübten Hände wanderten ihren Rücken hinunter und legten sich ungeniert auf ihr rundes Hinterteil.

„Camelia, Babe, sag mir, was in deinem hübschen Köpfchen vor sich geht. Regel Nummer Eins in unserer Beziehung. Wir sagen einander immer ehrlich, was der andere denkt.“

Sie zog erstaunt ihre dunklen geschwungenen Augenbrauen hoch. Hatte er gerade wirklich das gesagt, was für ihn bei ihrer letzten Verabredung ein No-Go war?

Da bemerkte er selbst seinen Ausrutscher. Er räusperte sich. „Ich meine natürlich nicht Beziehung im Sinne von Beziehung. Ich meine, unsere künstlerische Beziehung, ehem, irgendwie fällt mir gerade kein anderes Wort als das mit B ein. Ich meinte, unsere sexuelle Affäre, nein, das klingt bescheuert–“ Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf und biss sich auf die Unterlippe.

„Wie wäre es mit Freundschaft Plus? Freunde mit Vorzügen?“, schlug Camelia grinsend vor, um ihm aus seinem Dilemma zu helfen.

„Das klingt nach einem klischeehaften Filmtitel“, wandte er ein, ließ sich aber von ihrem Humor anstecken. „Du bist viel mehr als das. Du bist meine Muse, meine Inspiration, meine kreative Eingebung, die mir ständig Texte zuflüstert.“

Hm...

Camelia lehnte sich in seinen wohlriechenden warmen und trainierten Körper. Er überragte sie um gefühlt 30 Zentimeter, aber er war alles andere als einschüchternd. Sie fühlte sich neben ihm sicher und geborgen. Ganz besonders, wenn er sie so umschlang und in seinen Armen einschloss, als würde er sie nie wieder loslassen wollen.

Wie einfach wäre es jetzt, ihn zu sich herunterzuziehen, um ihn zu küssen. Aber nein, sie mussten bald los.

„Wir müssen uns wohl endlich auf den Weg machen, schätze ich mal“, sagte er mit einem Hauch von Bedauern, als hätte er ihre Gedanken gelesen. Er strich sich mit der rechten Hand durch seine dichten braunen Haare. Er wirkte nervös. „Ich zieh mich nur noch schnell um. Hilfst du mir, etwas Passendes herauszusuchen?“

Er ging voran in sein Schlafzimmer und sie folgte ihm. Er schob seinen einfachen weißen Schrank auf und griff hinein.

„Formales Hemd oder lässiges T-Shirt?“, fragte er und hielt die Auswahl hoch.

Sie sah ihn skeptisch an, dann ging sie auf ihn zu und nahm ihm die Kleidung aus der Hand.

„Shaun.“ Sie legte ihm die Hände auf die Brust und spürte, wie sein Herz klopfte. Er schien mächtig aufgeregt zu sein. Sie sah ihn einfach nur an und versuchte ihm Ruhe und Kraft zu geben. Tatsächlich schien sich das Rasen in seiner Brust zu beruhigen.

„Warum ziehst du nicht einfach das an, worin du dich am wohlsten fühlst?“, schlug sie schließlich vor.

Er legte seine größere rechte Hand auf ihre linke an seiner Brust. „Ich weiß nicht, ob das angemessen ist, immerhin ist es ein Vorspiel.“

„Das ist egal, Hauptsache du fühlst dich darin wohl und umso besser wirst du auch vorspielen.“ Sie nickte ermutigend. „Schau, ich habe auch noch meine Sachen vom Vortag an außer dein T-Shirt. Und ich bin auch furchtbar nervös, June meine Fotos zu zeigen. Aber ich will mich dabei wohlfühlen.“

Er nickte und zog aus dem untersten Stapel seiner T-Shirts ein blass-weißes heraus. Es hatte ein Loch in der Schulter, ausgefranste Saumränder und wirkte schon ziemlich verwaschen. Einen Moment lang schien er sich in Erinnerungen zu verlieren, als er das T-Shirt anstarrte.

Camelia musste ihn in die Gegenwart zurückholen, weil sie sich langsam auf den Weg machen mussten. Sie zupfte ihn an seinem T-Shirt und zog es ihm über den Kopf, um ihn in Bewegung zu bringen. Er ließ es mit sich geschehen. Sie küsste aus einem Impuls heraus leicht seine nackte Brust. Er atmete hörbar tief ein und starrte sie an, angespannt.

„Du wirst sie alle überzeugen, ich glaube fest an dich“, hauchte sie und lächelte überzeugt. „Ich werde bei dir sein.“

Er hob ihr Kinn mit seinem rechten Zeigefinger hoch. „Danke. Das bedeutet mir sehr viel.“ Er hauchte ihr einen zarten, beinahe scheuen Kuss auf die Lippen.

„Wir haben wohl nicht noch ein bisschen Zeit, um – naja, Dampf abzulassen und uns etwas von dem bevorstehenden Treffen abzulenken, oder?“, murmelte er verschmitzt. Er umfasste mit der rechten Hand ihre Brust und knetete. Ihre Nippel freuten sich darüber sichtbar und schamlos. Sie freuten sich immer, wenn er ihnen Aufmerksamkeit schenkte.

„Nein, dafür reicht die Zeit nicht“, grinste sie kopfschüttelnd, amüsiert über seine lüsternen Gedanken.

„Ich wette, dass ich keine fünf Minuten brauchte, um dich zum Kommen zu bringen“, behauptete er großspurig und spielte weiterhin mit ihrer Brust, diesmal mit der anderen. Diesmal drängten sich ihre Nippel seiner Berührung bereits entgegen und er bemerkte es grinsend.

Sie schlug seine spielerische Hand beiseite. „Diese Wette nehme ich ein andermal an, wenn nicht gerade meine Zukunft davon abhängt, pünktlich zu einem Meeting zu erscheinen. Und deine Zukunft hängt übrigens auch davon ab.“

„Ich schaffe das auch unter drei Minuten“, bot er grinsend an.

Um ihn zum Schweigen zu bringen, stülpte sie ihm das frische verwaschene T-Shirt über den Kopf. Er zog es sich rasch an. Sie begann seine Jeans aufzuknöpfen, damit er sie gegen eine neue eintauschen konnte.

„Hast du es dir wohl doch anders überlegt?“, scherzte er. „Ich zeig dir, wie's am schnellsten geht.“ Mit einem geübten Ruck hatte er die komplette Jeans aufgeknöpft. Darunter war ein bestimmter köstlicher Teil seiner Anatomie bereits halb aufgerichtet und warm. Es kostete Camelia einiges an Kraft, ihn dort nicht anzufassen, zu streicheln und zu sehen, wie er komplett hart wurde. Ein erregter Shaun tat ihr wilde Dinge an. Er beobachtete ihr Gesicht und grinste einladend, als wüsste er genau, woran sie gerade dachte.

Sie biss sich verlegen auf die Unterlippe und drückte ihm eine frische schwarze Jeans an den nackten harten Bauch. Dieser war verdammt einladend. Sie widerstand dem Drang, sich hinunterzubeugen und von unten nach oben eine Linie entlang zu küssen, nur um ihn aus der Fassung zu bringen.

Mädchen, ein wenig Konzentration bitte, ermahnte sie sich. Das galt vor allem für alle ihre weiblichen Körperzonen, die sich hoffnungsvoll meldeten.

„Anziehen bitte, jetzt sofort.“

„Hm, ich glaub, ich mag dich so bossig. So kenne ich dich gar nicht.“ Er stahl rasch einen Kuss, dann zog er sich die Hose an.

Anschließend marschierte er ins Wohnzimmer und betrachtete seine geordnete Gitarrensammlung an der Wand. Sie waren wie ein plastisches Kunstwerk in drei Reihen ausgestellt. Er runzelte leicht die Stirn, dann griff er in die mittlere Reihe und hob eine braune Akustikgitarre herunter.

„Ich werde auf Mayer vorspielen“, sagte er und packte sie in seinen schwarzen zerkratzten Gitarrenkoffer, der schon bessere Tage gesehen hatte.

Camelia nickte wortlos. Ob jede der Gitarren einen Namen hatte? Bei Gelegenheit würde sie ihn dazu noch mal befragen.

Sie fuhren auf ihrer schwarzen Ducati zum Termin mit Stay Juned Records, Downtown. Als sie vor dem Eingang des Musiklabelgebäude ankamen, parkte Shauns altes Fahrzeug (ein Ford Mustang Mach von 1969) auf dem steinigen Hof. So wie es aussah, waren ihre Freunde Jade und ihr Cousin Liam bereits vor ihnen angekommen.

Sie betraten das Fabrikgebäude, was bei Tageslicht und noch dazu im nahezu leeren Zustand viel größer wirkte. Sie standen verloren in der Halle, in der zuvor die Musikveranstaltung stattgefunden hatte. Da Camelia nicht wusste, wo man sie erwartete, rief sie Jade an.

Ihre beste Freundin nahm den Anruf beim ersten Klingeln sofort an. Sie beschrieb ihr den Weg zum Aufnahmestudio in der ersten Etage.

Sie stiegen über eine breite robuste Treppe hinauf, weil Shaun darauf bestand, sich zu bewegen. Er war wahrscheinlich wieder nervös.

Im ersten Stock angekommen, wartete Jade bereits am Treppenabsatz auf sie. Ihr attraktives Gesicht mit den grünen verschmitzten Augen zeigte gar keine Spur von Müdigkeit, obwohl sie gestern Abend genauso lang auf der Veranstaltung geblieben war. Ihre lange dunkelbraune Haarmähne hatte sie zu einem chaotischen Knoten hochgebunden. Sie war mit einem legeren roten T-Shirt und einer schwarzen Jeans, die modische Risse aufwies, und Sneakers gekleidet. Anscheinend gab es bei Stay Juned Records keine Kleiderordnung, daher hätte Shaun sich gar keine Gedanken machen brauchen, dachte Camelia.

„Camzy, Schätzchen.“ Jade begrüßte sie mit einem breiten Lächeln und umarmte sie. „Shaun, danke für deine großzügige Leihgabe. Ich liebe dein schwarzes Baby. Willst du es nicht zufällig verkaufen?“ Sie überraschte ihn mit einer herzlichen Umarmung und hielt ihm danach seinen Autoschlüssel hin.

Er lachte. „Keine Chance, du freche Diebin. Das Auto gehörte meinem Großvater.“

Sie verzog schmollend den Mund, aber kassierte seine Absage mit Würde. „Fragen kann man ja mal. Aber das Fahrzeug passt optimal zu dir. Du versprühst ja sowieso diesen vintage Charme.“

„Autsch, danke, Jade.“ Shaun hielt sich spielerisch das Herz, als wäre er verwundet worden. „Als vintage wurde ich noch nie beschrieben.“

„Du wurdest noch nie als von-der-alten-Schule bezeichnet?“ Jade sah ihn ehrlich verwundert an. „Jeder, der dich ansieht muss doch spüren, dass du nicht aus dieser Zeit bist.“

Shaun grinste schief. „Red nur weiter, deine Worte sind wirklich Zucker für mein Selbstbewusstsein. Ist sie immer so, Babe?“ Er zwinkerte Camelia zu.

Jade formte mit dem Mund ein überraschtes Oh, als sie den Kosenamen hörte. Sie grinste Camelia wissend an, als hätte sie gerade ein Geheimnis entdeckt.

Camelia wurde leicht verlegen. „Jade, Shaun ist aus einem bestimmten Grund mitgekommen“, unterbrach sie das Geplänkel der beiden. „Er möchte euch seine neuste Musik vorspielen.“

Jade zog erstaunt ihre geschwungenen Augenbrauen hoch. „Soll das heißen, du willst das Lager zu uns wechseln?“ Ihr Gesicht wurde sofort ernst.

Er nickte. „Wenn ihr mich nehmt, ja. Das möchte ich wirklich sehr gerne.“

Jade sah ihn nachdenklich an. „Ehrlich gesagt, kann ich mir sehr gut vorstellen, mit dir zusammenzuarbeiten. Es ist nur nicht so einfach, sich von so einem großen Musiklabel wie J's Records zu trennen, das muss du bedenken.“

Shaun sah sie ernst an. „Deswegen bin ich hier. Ich möchte eure, das heißt deine und Liams Meinung zu meinem Song hören. Ihr seid erfahrene Songwriter und ich vertraue euch, dass ihr mir sagen könnt, ob ich diesen Schritt machen kann.“

Jade legte ihm gerührt die Hand auf den Arm. „Ich habe eine bessere Idee. June soll auch zuhören. Wenn ihr gefällt, was du hast, dann hast du eine Chance.“ Sie eilte durch den Gang davon und verschwand kurz darauf aus ihrem Blickfeld durch eine dunkle Holztür.

Da Camelia und Shaun nicht wussten, wohin, setzten sie sich beide auf den Treppenabsatz. Shauns Haltung war völlig angespannt und sein Atem ging plötzlich unruhig. Wenn sie sich nicht täuschte, zitterten sogar seine Hände leicht. Er ballte sie zu Fäusten und öffnete sie wieder, als versuchte er sich zu entkrampfen. Mit seinen eigenen Fingernägeln hinterließ er sichelförmige Spuren auf der Innenfläche seiner Hände, so stark presste er sie zusammen.

Instinktiv legte Camelia ihm ihre rechte Hand auf den muskulösen Oberschenkel und drückte fest zu, ermutigend. Er zuckte leicht zusammen. Dann lehnte er sich schwer an sie und roch an ihren frisch gewaschenen dunklen Haaren. Er schien ihren Duft tief einzuatmen.

„Deine Anwesenheit beruhigt mich, Baby“, murmelte er. Seine Lippen hauchten über ihren Hals, verursachten eine warme Gänsehaut.

Sie drückte nochmals fest zu. „Es gibt keinen Grund, Angst zu haben, Shaun. Du bist gestern in einer Halle voller Menschen aufgetreten und hattest keine Angst. Ich dagegen wäre da gestorben.“

Er zog sie auf seinen Schoß, sodass sie seitlich auf seinen Beinen saß und schlang seine Arme fest um sie. Es war fast erdrückend, aber sie ließ ihn gewähren. Er schien es zu brauchen und sie war nicht aus Pappe. Er atmete sie weiterhin bewusst und tief ein, als gäbe es ihm Kraft.

„Das ist etwas Anderes. Ich habe nicht meine Lieder gesungen. Das hier ist persönlich, sehr persönlich“, sagte er heiser.

„Hast du wirklich über mich Lieder geschrieben?“, fragte sie, um ihn vielleicht abzulenken. „Positive, hoffe ich?“

„Positive Aspekte, ja“, murmelte er. Seine Umarmung lockerte sich etwas.

„Was soll das heißen?“, fragte sie mit gespielter Empörung und ein wenig ernster Besorgnis. „Ich habe dir doch bisher keinen Anlass gegeben, etwas Anderes zu schreiben.“

„Du wirst schon hören.“ Jetzt schmunzelte er endlich. „Lass mich dich einfach halten und mich beruhigen. Normalerweise hilft mir da Suntory, aber da er jetzt nicht da ist ...“

„Wer ist Suntory?“

„Der flauschige rote Hund, der seine Schnauze in deinen Schritt gesteckt hat. Was ich übrigens nur ihm erlaube und sonst keinem anderen männlichen Wesen.“

Seine Worte waren sicherlich nur so dahin gesagt, aber hatten eine zielsichere Wirkung auf sie. Sie fühlte sich plötzlich heiß und … es machte sie an. Sie rutschte auf seinem muskulösen Schoß unruhig hin und er, was ihn reagieren ließ. Sie spürte seinen wachsenden Schritt, der sich heiß zwischen ihre Schenkel presste. Er nibbelte an ihrem Ohr, fuhr mit der Zungenspitze ihre Ohrmuschel nach. Sie unterdrückte ein Seufzen. Eine winzige Berührung von ihm und sie wollte ihn sofort. Sie war wirklich unersättlich geworden. Zumindest wenn er in der Nähe war.

Sie versuchte ihre körperliche Reaktion allerdings zu ignorieren, da jetzt weder der richtige Ort noch die richtige Zeit dazu war.

Stattdessen versuchte sie, den Gesprächsfaden wiederaufzunehmen. „Sein Name ist Suntory, wie der japanische Whiskey?“

Shaun lächelte schief. „Naja, er ist ein japanischer Akita, auch wenn er in Montreal geboren wurde. Meine kleine Schwester Alessandra wollte ihn so nennen.“

„Putzig. Aber auch würdevoll.“

„Er ist ein sehr ernster und würdevoller Hund, glaub mir.“ Shaun schüttelte leicht den Kopf. „Putzig beschreibt ihn nicht wirklich. Wenn er dich verstünde, wäre er zutiefst beleidigt. Er ist eher ein Krieger.“

Sie sah ihn eingehend an. „Und inwiefern hilft er dir? Wenn du dich aufregst?“

Shaun wich ihrem fragenden Blick aus. „Sozusagen. Wenn ich so etwas wie Panik oder Angst spüre. Meine Mom hat manchmal ähnliche Zustände. Suntory ist hauptsächlich für sie da, aber er beruhigt mich auch.“

„Verstehe.“ Camelia lehnte sich zurück, um ihn anzusehen. Und um Abstand zu seinem verführerischen Mund zu gewinnen, der sie beim Sprechen streifte. „Es ist nichts, was dir peinlich sein müsste. Panik, Angstzustände, ich – kann das nachvollziehen. Ich meine, ich-“ Sie schluckte, weil ihre Stimme förmlich abbrach.

Die Worte schienen sich in ihrer Kehle querzustellen. Ihr Körper erstarrte plötzlich, als sich alles in ihr zusammenkrampfte. Ihr Verstand erkannte, was passierte, denn es war immer wieder der gleiche Ablauf. Er erinnerte sich und sie wurde in die Erinnerung zurückversetzt. Dann erfolgte eine unkontrollierte körperliche Reaktion, weil ihr Verstand versuchte, in die Gegenwart zurückzukommen und ihr klarzumachen, dass alles mit ihr in Ordnung war.

Camelia schluckte erneut mühsam, weil es ihr die Kehle zuschnürte. Es fehlte ihr der Atem. Sie rief sich in Erinnerung, wie sie sich selbst helfen konnte. Sie musste sich auf ein Lied konzentrieren, um den posttraumatischen Anfall abzuschütteln. Sie kannte den Drill, den sie immer und immer wieder mit ihrer Musiktherapeutin (Jades Mutter) geübt hatte.

„Camelia, Baby.“

Shauns Worte erinnerten sie wieder daran, wo sie war. Sie hatte kurzzeitig tatsächlich die Orientierung verloren. Seine Lippen streiften ihre. Sein warmer Atem fächerte über ihre Nase. Er drückte sie fest an sich und schaukelte sie leicht. Er schien zu begreifen, dass mit ihr etwas nicht stimmte.

„Atme, atme“, befahl er besorgt. „Ich halte dich. Sag mir was ich tun kann?“

„Ein Lied“, stieß sie leise hervor. „Ich muss mich auf ein Lied konzentrieren.“

Er begann Rivers zu singen. Das hatten sie im Auto auf dem Weg zu seinem Apartment gehört, bevor sie miteinander ihre erste gemeinsame Nacht verbracht hatten.

Oh, I wanna come near and give ya, Every part of me, But there's blood on my hands And my lips aren't clean.

Sie hörte auf seine leise kratzige, aber deutliche Stimme, die den bittersüßen Text wiedergab. Sie beruhigte sie zunehmend. Der Song befand sich auf dem Album Coming Home von Leon Bridges. Wenn sie auf Shauns Schoß saß, dann fühlte sie sich genau so: Zuhause.

Camelia holte tief Luft. „Warum hast du gerade dieses Lied gesungen?“, fragte sie.

„Gefällt es dir nicht?“ Er streichelte über ihren Rücken, als wollte er sie weiterhin beruhigen.

„Doch. Es ist nur verwirrend, widersprüchlich.“

Seine Hand hörte plötzlich auf, sie zu streicheln. „Es handelt von Vergebung und es erinnert mich an gewisse Dinge.“

Jetzt hätte ihm wirklich gern in die Augen gesehen, um seine Gedanken erraten zu können. Seine Stimme klang schmerzlich und seine Worte machten sie neugierig. Aber er hatte sie fest umschlungen, als wollte er nicht, dass sie ihn ansah.

„Gibt es denn Dinge, die du dir selbst vergeben musst?“, fragte sie leise. Sie dachte dabei an all die Dinge, die sie sich auch selbst vergeben musste.

„Das beantworte ich dir, wenn ich so weit bin.“

Sein Herzschlag war plötzlich laut und deutlich an ihrem Ohr, das an seiner Brust lehnte, zu hören. Sein großer Körper war angespannt. Sie wollte gern mehr über ihn wissen, über seine Vergangenheit, die ihn ebenso zu verfolgen schien.

Aber er schüttelte den Kopf, als hätte er ihre Gedanken gehört. „Jetzt geht es erst einmal um dich, Babe.“ Es klang wie eine Bitte und eine Warnung zugleich, nicht weiter zu fragen. Er war nicht bereit, jetzt über sich zu sprechen.

Camelia konnte wieder atmen. Ihr Körper entkrampfte sich. Seine Gegenwart hatte eine unglaubliche Wirkung. Er gab ihr ein Gefühl von Sicherheit und Mut. Sie wollte darüber sprechen und sich ihm anvertrauen. Sie wollte ihre Dämonen endlich abschütteln können. Sie schluckte schwer. Jetzt oder nie. Sie zwang sich zum Sprechen.

„Wir waren zusammen auf dem Motorrad unterwegs. Meine Mom ist gefahren.“ Ihre Stimme war heiserer als sonst, tiefer. Als wehrte sie sich dagegen, die Worte herauszubringen. Aber sie gewann zunehmend den Kampf und ihre Stimme wurde auch stärker. „Sie war immer eine sichere Fahrerin gewesen. Sie besaß früher auch eine schwarze Ducati.“

Sie klang konfus, weil sie nicht wusste, was sie zuerst erzählen sollte. Aber Shaun kommentierte es nicht, sondern drückte sie nur fester an sich. Er zeigte wortlos, dass er für sie da war und ihr zuhörte.

„Wir fuhren in Miami am Strand entlang. Dort bin ich aufgewachsen. Wir wollten mit Dad ausgehen, nachdem er eine Choreo mit einem Künstler fertig einstudiert hatte. Der Verkehr war nicht einmal so dicht. Wir fuhren gerade einen Hügel hinunter, da fing das Vorderrad plötzlich an zu wackeln, als wäre es locker. Meine Mom versuchte das Motorrad unter Kontrolle zu bekommen, aber die Bremsen funktionierten auch nicht mehr richtig. Wir wurden immer schneller, gerieten ins Schleudern. Bevor es in die nächste Kurve ging, drehte sie sich plötzlich zu mir herum und schubste mich herunter. Ich prallte heftig auf, aber unter mir war zum Glück Sandstrand. Ich überschlug mich ein paar Mal. Ich kam mit vielen Prellungen, geringen Brüchen und einer Gehirnerschütterung davon. Ich war eine Weile im Krankenhaus, weil ich nicht aufgewacht bin. Man hat mir danach erzählt, dass meine Mom versuchte, zum Halten zu kommen, indem sie sich in die Kurve legte, um das Fahrzeug loszulassen. Das brauchte aber einen langen Bremsweg und geriet dadurch auf die Gegenfahrbahn. Ein Truck kam ihr entgegen. Der hat sie nicht gesehen, weil er auf sein Handy geschaut hat. Der Abstand war zu knapp. Das Motorrad und sie sind unter seinen Truck...“

Camelia holte tief Luft. Sie hatte es tatsächlich geschafft. Sobald die ersten Worte überwunden waren, waren sie nur so aus ihr herausgesprudelt. Jades Mom wäre so stolz auf sie. Sie musste ihr später auf jeden Fall von dem Durchbruch schreiben. Ihre Augenlider brannten vor Schmerz, Trauer, aber auch Erleichterung.

Aber es kamen keine Tränen. Keine Tränen bedeuteten, dass sie noch nicht völlig in Ordnung war. Seit diesem Tag in Miami hatte sie keine Träne vergossen, auch wenn es gute Anlässe gegeben hätte. Es hätte ihr wahrscheinlich geholfen, schneller und besser zu verarbeiten. Tränen hätten den Schmerz über ihre Verluste vielleicht leichter hinausgespült. Stattdessen war irgendetwas in ihrem Inneren erkaltet, gestorben. Nicht einmal nachdem JC sie verlassen hatte, hatte sie geweint. Stattdessen war sie nur taub gewesen.

Aber jetzt, nachdem sie es einem Menschen erzählte – dem ersten Menschen überhaupt, dem sie gegenüber die Ereignisse dieses schrecklichen Tages aus ihrer Sicht in Worte fasste – schien sich an dieser toten Stelle in ihr etwas zu bewegen. Lebendig zu werden. Es war, als würde eine vertrocknete Pflanze einen Schluck Wasser bekommen. Sie wollte mehr davon.

Sie zwang sich, dieses neue wiederbelebte Gefühl aus der dunklen Kammer herauszuziehen und ihre Geschichte zu beenden. „Die Polizei hat danach herausgefunden, dass das Vorderrad manipuliert wurde. Die Ducati war neu gewesen, daher wurde ein Werksfehler ausgeschlossen. Wir wissen bis heute nicht, wer es war oder warum, ob es geplant war oder nur irgendein Verrückter. Wir leiden alle noch jeder auf seine Art unter dieser Ungewissheit. Manchmal habe ich von den Erinnerungen an den Unfall noch posttraumatische Störungen. Zum Beispiel ist das auch bei unserem Date im Park passiert, als ich so komisch reagiert habe. Sie hat mich häufig „mein Farbklecks“ genannt und so einen ähnlichen Satz wie du gesagt und das ist ein Auslöser. Oder wenn ich Sand unter meinen Füßen spüre, dann erstarre ich kurz, weil mein Körper sich automatisch an den Aufprall erinnert. Ich muss dann an ein Lied denken, um mich wieder zu fangen und mich zu vergegenwärtigen.“ Sie vergrub ihr Gesicht an seinem Hals, plötzlich erschöpft.

„Also gibt’s für uns wohl keine romantischen Spaziergänge am Strand, oder?“, fragte er mit Humor.

Sein scherzhafter Tonfall, brachte sie zum Kichern. Es war ein unkontrolliertes, erleichtertes Kichern, weil die Anspannung in ihr sich löste.

Sie holte tief Luft, um sich wieder in den Griff zu bekommen. „Mir wären romantische Wanderungen auf einen Berg lieber.“

„Gut, dass wir dann in Kanada leben, Miami-Girl“, meinte er zwinkernd, wurde aber wieder ernst. „Und du fährst trotzdem noch Motorrad?“

„Es hat etwas gedauert, bis ich wieder fit war, aber ich habe keine Angst vor dem Motorrad selbst. Nur vor diesem Gefühl zu stürzen. Das Gefühl, keine Kontrolle über die Maschine zu haben. Angst ist nicht das richtige Wort. Ich werde einfach wieder in diesen Unfallmoment zurückversetzt und reagiere instinktiv. Aber irgendwann war meine Sehnsucht nach ihr größer als die Angst. Sie hat mir das Fotografieren gezeigt, sie ist mit mir immer Motorrad gefahren. Ich wollte damit wieder eine Verbindung zu ihr aufbauen. Deswegen bin ich wieder in den Sattel gestiegen, ja. Meine große Schwester hat mir geholfen, eine ähnliche gebrauchte Ducati zu finden und zu kaufen, weil sie mich verstanden hat. Mein Dad war davon nicht begeistert, aber er hat sich inzwischen damit abgefunden. Er hat nur so seine eigenen Kurzschlussmomente, wenn er ein Motorrad sieht. Er hatte ihr damals ihre Maschine geschenkt und er gibt sich selbst die Schuld, dass sie damit verunglückt ist.“

Shaun zog sie wieder an seine breite Brust und streichelte ihr über den Rücken.

„Sorry, eigentlich wollte ich dich einfach nur beruhigen und nicht in einen trüben Monolog verfallen.“

Er lächelte. „Ich habe mich tatsächlich beruhigt, weil ich mich auf dich konzentriert habe. Fühl mal.“ Sein Herz schlug jetzt ganz ebenmäßig, während ihres ihr bis zum Hals klopfte. Sie hob den Kopf und sie sahen sich einfach nur in die Augen. Sie sah in seinen … Wärme? Bewunderung? Zuneigung?

Sie wusste nur, dass sie das dringende Bedürfnis hatte, ihn zu küssen. Dafür, dass er es ihr ermöglichte, diese Erinnerungen endlich in Worte zu fassen und den Schmerz herauszulassen. Sie konnte förmlich spüren, wie ein Druck im Herzen nachließ, als wäre eine entzündete Wunde geöffnet worden. Das war der erste Schritt zur Selbstheilung.

Als spürte er ihr Verlangen, griff er in ihr Haar, hob ihr Kinn an und küsste sie. Leidenschaftlich und tief. Sie glaubte, nicht nur sein Begehren, sondern eine Art Sehnsucht zu fühlen. Aber Sehnsucht nach was?

Er verschlang sie mit seinen Lippen und hielt sich nicht zurück. Hitze formte sich in ihrem Schoß, machte sie feucht. Ihre Nippel wurden hart und pressten sich gegen ihn. Seine freie Hand wanderte hinunter zu ihrem kurvigen Hinterteil, presste sie näher an sich und drückte beherzt zu. Seine Forschheit steckte sie an und ermutigte sie. Sie versuchte an ihm hochzuklettern, wollte ihm noch näher sein. Ihr beider Atem beschleunigte sich und sie bekamen nicht genug voneinander. Sein Griff in ihrem Haar wurde bestimmter, fester. Er winkelte ihren Kopf so an, wie er wollte, um sie noch tiefer zu schmecken. Er grollte tief in der Kehle, als müsste er sich zusammenreißen, nicht weiter zu gehen. Seine linke Hand war schon unter ihrem locker sitzenden T-Shirt. Sie rieb über ihren nackten Rücken, spielte an ihrer Hose und kroch unter den Bund.

„Hey, ihr Turteltäubchen, wollen wir Musik machen oder wollt ihr hier weiter im Treppenhaus knutschen?“, unterbrach die trockene Stimme von Camelias Cousin ihre steigende Makeout-Session.

Shaun unterbrach ihren Kuss ganz gemächlich, als hätte er ihn gar nicht gehört. Er leckte über Camelias Lippen und lächelte sie reumütig an. Dann drehte er sich um und sah hoch. „Liam. Kann ein Mann in diesem Schuppen hier nicht einmal in Ruhe sein Mädchen küssen?“

Camelias Herz schmolz in diesem Augenblick ein klein bisschen mehr für ihn.

Er hievte sich mit Camelia auf dem Schoß hoch und stellte sie auf die Beine. „Geht's jetzt wieder, Baby?“

Die Tatsache, dass er sie vor Liam so liebevoll ansprach, machte sie komischerweise verlegener als dabei erwischt zu werden, mit ihm einen Kuss auszutauschen. Schnell trat sie beiseite. Sie nickte, ohne Shaun anzusehen.

Liams Megawattgrinsen war allerdings kaum zu übersehen. Sie sah ihren älteren Cousin warnend an und er verkniff sich zum Glück einen weiteren Kommentar, um sie aufzuziehen. Zumindest für diesen Moment.

Shaun hängte sich seinen schwarzen Gitarrenkoffer über die Schulter. Sie folgten Liam, der sie durch den langen Gang des Fabrikgebäudes zum Aufnahmestudio führte.

Dort warteten nicht nur Jade und ihre Chefin June Hastings auf sie. Neben den Frauen stand noch ein Mann, der gering älter zu sein schien als die Musikproduzentin.

„Shaun, Camelia.“ June sprang von ihrem Sitz auf und kam ihnen entgegen, sobald sie das Studio betraten. „Kommt herein, willkommen offiziell im Stay Juned Records Label.“ Sie drückte Camelia herzlich zur Begrüßung als wären sie alte Freunde. Danach grüßte sie Shaun auf die gleiche Weise, wobei er sich zu ihr herunterbeugen musste wie zu den meisten Menschen, weil er sie meistens überragte.

June winkte den Fremden zu sich, um ihn vorzustellen. „Das ist Drew, mein Manager für unsere Künstler. Ich möchte, dass er zuhört. Danach muss er gleich los, um seinen Flieger nach London zu erwischen, daher lassen wir Shaun zuerst vorspielen. Danach ziehen Camelia und ich uns zurück, um ihre Angelegenheit zu besprechen und ihr-“ (Sie sah Liam und Jade an.) „Ihr seid für heute fertig.“

Alle waren mit dem Plan einverstanden.

Sie nahmen vor dem Mischpult Platz. Über dessen Oberfläche mit Knöpfen und Schiebereglern hinweg konnte man durch eine Glasscheibe in das Aufnahmestudio hineinsehen. Es war ausgestattet mit einfachen Holzstühlen, diversen Instrumenten, schwarzen Mikrophonen, silbernen Notenständern und einem schwarzen Flügel. Bevor Shaun das Studio betrat, drückte Camelia ihm unauffällig die Hand. Sie zitterte jetzt nicht mehr.

Drinnen setzte er einen der Kopfhörer auf, auf dem Mikrofonständer aufgehängt wurde. Dann setzte er sich an den majestätischen schwarzen Steinway-Flügel.

June setzte sich ebenfalls schwarze ledergepolsterte Kopfhörer auf, schaltete verschiedene Knöpfe an und testete den Ton. „Okay, Shaun, wann immer du bereit bist.“

„Okay.“ Er nickte, nachdem er sie durch die Kopfhörer gehört hatte. „Ich spiele einen der fertigen Songs vor.“

Er saß mit seinem Profil zu ihnen und schien ein paar Sekunden lang nur die glänzende Tatstatur anzustarren. Plötzlich stand er auf und verschob den Flügel, der auf Rädern stand, sodass er mit dem Rücken zur Glasscheibe saß. Er warf noch einen letzten Blick über seine rechte Schulter, um Camelia anzusehen, dann kehrte er seinen Zuhörer wieder den Rücken. Dann begann er zu spielen.

I'm drowning, drowning into you

I'm falling, falling for you

I'm begging, begging for your forgiveness

You're consuming me with your brightness

Everytime I'm around you, I feel this ache

this ache like my heart is gonna break

Die Melodie war schwermütig, tragend. So traurig der Song war, so klar war seine Stimme, als er die Worte sang. Camelia konnte sein Gesicht nicht sehen, aber sie war sich instinktiv sicher, dass er lächelte. Er lächelte, weil er sang und ein Lied spielte, was er selbst geschrieben hatte, auch wenn es sich wahrscheinlich um die traurigste Ballade handelte, die Camelia jemals gehört hatte. Sie war sich ziemlich sicher, dass er in diesem Moment glücklich war. Das Lied brachte sie nämlich automatisch auch zum lächeln, nur weil sie ihm zuhörte.

Seine Stimme war bewegend. Der Songtext berührte sie zutiefst. Die Melodie versetzte ihr Stiche in die Brust, als wenn sie jedes einzelne Mauerstück, dass sie um sich gebaut hatte, herausbrechen würde. Sie fühlte sich an, wie heilendes Balsam für ihre Seele.

Die tote Stelle in ihrem Herzen, die vorhin durch ihren ehrlichen Austausch, den ersten Schluck Wasser bekommen hatte, saugte den Song begierig auf. Sie spürte förmlich, wie sich dieser gepeinigte und taube Teil in ihr wieder bewegte, aufblühte. In diesem Moment erkannte sie, dass sie ein Stück mehr ihres Herzens an ihn verlor.

Dann spürte sie ein unerwartetes Kribbeln hinter ihren Augenlidern. Kurz darauf fühlte sie eindeutig, wie sich Tropfen sammelten. Bei der zweiten Strophe bemerkte sie, wie ihr eindeutig ein Tropfen aus den Augenwinkeln entkam. Sie starrte in ihr eigenes perplexes Spiegelbild auf dem Glas. In ihrer Brust explodierte Verwunderung, Freude und sogar so etwas wie unerwartete Erleichterung. Sie spürte alles Mögliche, auch an der Stelle, die bisher taub gewesen war und etwas fühlte sich wunderbar an.

Sie unterdrückte ein ungläubiges Lachen, weil Shaun mit diesem Song das schaffte, was sie bisher in keiner Musiktherapiesitzung erreicht hatte. Er und seine Musik ließen sie fühlen, lachen, trauern.

2. Kapitel - #heat

Whatever comes, wherever this road leads

I'm gonna follow your steps with lightning speed

I'm listening, listening to our new beat

Feeling hot, feeling your burning heat

I know, I fear one of us is getting burned

Needing you, I should stop before you'll be hurt

Oh, but I'm weak, you're warm, you're light, you're heat

Oh Lord, have mercy, you're what I want, what I need

(Liam Knightley / June Hastings / Shaun Tavares: What I need)

Schnell wischte Camelia sich über die Augen, damit keiner der anderen bemerkte, was für eine Wirkung der Song auf sie hatte. Sie wollte sich erstmal ganz allein an diesem Durchbruch erfreuen. Später würde sie die Freude mit Jade und Liam teilen, die verstehen würden, was es für sie bedeutete. Aber jetzt sollte die ganze Aufmerksamkeit erst einmal nur Shaun gehören, der mit seiner Musik June und Drew überzeugen wollte.

Jade war allerdings aufmerksamer als Camelia sich in diesem Augenblick gewünscht hätte. Sie hatte ihre Bewegung bemerkt und sah sie mit Erstaunen an. Camelia schüttelte schnell unauffällig den Kopf, um sie wortlos zu bitten, nichts zu sagen. Jade nickte, als sie verstand, grinste aber breit.

Nachdem die letzten Klaviertöne verklungen waren, platzte Liam als erster heraus: „Verdammte Axt, Shaun, was für ein geiler Song!“

Jade stimmte aufgeregt Liam zu: „Ein hammergeiler Song!“ Wobei sie Camelia aber unauffällig einen wissenden Blick zuwarf, der ihr sagte, wie sehr der Song sie wirklich beeindruckte.

June und Drew nickten und begannen mit leiser Stimme miteinander zu kommunizieren.

Im Aufnahmestudio drehte Shaun sich wieder zu ihnen um und spähte durch die Glasscheibe hinaus, um die Reaktionen auf sein Lied zu erhaschen.

Jade stellte sich neben Camelia und drückte ihre rechte Hand mit ihrer linken.

„Er wird es schon schaffen, er hat wirklich enormes Potential“, flüsterte sie ihr zu und Camelia nickte hoffnungsvoll. Er verdiente die Chance.

Jade holte ihr Handy aus der hinteren Hosentasche und flüsterte aufgeregt: „Oh mein Gott, Camzy, ich kann es kaum fassen, aber hast du gerade wirklich ein wenig geweint?“ Sie sah verstohlen über ihre Schulter, dass die anderen sie nicht hören konnten. Liam war mittlerweile zu June und Drew gegangen und schien sich mit ihnen zu beraten.

„Darf ich das meiner Mom schreiben?“, fragte Jade.

Camelia lachte unterdrückt über ihre Euphorie, aber nickte zustimmend. Jade machte tatsächlich von ihr ein Video und schickte es ihrer Mutter in London. Dann winkte sie Shaun zu, dass er herauskommen sollte.

Er verließ das Aufnahmestudio und machte ein ernstes Gesicht. Seine Augen suchten nervös nach June und den anderen, die sich immer noch leise unterhielten.

Sie warteten alle schweigend ab, wie das Urteil lautete. Camelia sah ihn an und versuchte ihm wortlos Mut zu machen.

Schließlich kam Liam als erster auf Shaun zu, gefolgt von den anderen. Er grinste motiviert und vielversprechend.

June sah Shaun prüfend an, dann lächelte sie breit. „Also Shaun, wir haben uns beraten und unser erster Eindruck ist sehr gut.“

Ihr Manager Drew pflichtete ihr bei: „Dieses Lied hat nicht nur Potential, es hat mich ehrlich gesagt richtig bewegt. Ich musste an gewisse Sachen aus der Vergangenheit denken. Es hätte nicht viel gefehlt und mir wären die Tränen gekommen.“

June legte ihm lächelnd die Hand auf die breite Schulter, als verstünde sie genau, was er meinte.

Jade stellte sich an Liams Seite. „June, ich möchte auch gern mit Shaun zusammenarbeiten. Er hat das Zeug zum Weltstar. Und mein Eindruck von dem, was ich bisher von ihm gesehen habe, ist, dass er wirklich ein anständiger Kerl ist. Großzügig, manierlich, freundlich, zuverlässig, hat noch keine Drogen- oder Alkoholprobleme. Diese Eigenschaften sind bei einem Künstler auch nicht immer leicht zu finden. Mir brennt es jetzt schon in den Fingern, mit ihm Musik zu schreiben und ich habe bereits jede Menge Ideen für Songs.“ Ihre Worte waren direkt, aber ehrlich.

Dafür schenkte ihr Shaun ein breites Grinsen. „Wow, Jade, ich hatte ja keine Ahnung, dass du so große Stücke auf mich hältst.“

Jade lächelte schief. „Das waren erstmal nur Fakten, Kumpel. Was ich am Ende von dir halte, wird sich mit der Zeit herausstellen, wie du unsere Songs produzierst.“

June lachte heiter auf. „Du und Liam seid euch mal einig? Wow, dass ich das noch erlebe.“ Sie sah ihren Manager fragend an. „Drew?“

Dieser grinste breit und ging auf Shaun zu. „Absolut, Shaun. Wenn du wirklich mit uns zusammenarbeiten willst, dann herzlich willkommen bei Stay Juned Records. Ich bin geehrt, dass du uns deine Karriere anvertrauen willst. Jade hat völlig Recht. Du hast ein ganz besonderes Talent. Ich wäre geehrt, deine Kunst zu unterstützen.“

Shaun schüttelte ihm kräftig die Hand. „Danke, Drew. Ich bin auch geehrt. Ihr seid für mich die richtigen, das habe ich so im Gefühl. Ich fühle mich bei euch jetzt schon wie zuhause.“

Drew rieb sich nachdenklich das Kinn, dass den Schatten eines dunklen Bartes aufwies. „Es wird allerdings eine schwierige Verhandlung, weil unser Budget vielleicht nicht reicht, um deinen Vertrag bei J's Records abzulösen. Ich werde heute noch mit jemandem vom Hauptquartier sprechen. Dann kontaktiere ich schnellstmöglich deinen Manager. Wie denkst du, wird er reagieren, Shaun?“

„Wahrscheinlich nicht so gut. Er muss sich dann mit den restlichen vier Mitgliedern eine neue Strategie einfallen lassen, wenn ich aussteige.“

„Aber ist er grundsätzlich ein Hindernis?“, fragte Drew.

„Ich denke eher nicht. Er stand bisher meistens hinter uns, wenn es kreative Differenzen gab, aber er konnte nicht viel machen, wenn es um Entscheidungen ging.“

„Hm.“ Drew rieb sich wieder das Kinn. „Ich werde mir etwas einfallen lassen, wie wir dich am besten von J's Records freibekommen.“

„Hast du mehr als nur diesen Song geschrieben?“, erkundigte sich June. „Könnten wir gleich mit den Aufnahmen beginnen?“

Shaun nickte. „Ich habe schon so viel geschrieben, dass es wahrscheinlich für ein ganzes Album reicht.“

June nickte, wandte sich an ihren Manager. „Das reicht mir, Drew. Ich bin bereit, mich für ihn einzusetzen und sein Album aufzunehmen. Zusammen mit dem ganzen Team bekommen wir das in ein paar Monaten hin, wenn er schon die meisten Songtexte hat. Der Song von vorhin wird die erste Single von dem Album sein. Er braucht nicht mehr viel Korrektur. Ich habe ihn vorhin schon aufgenommen, er könnte so auf das Album. Wir werden Shaun damit schon live auftreten lassen, um seinen Solostart zu promoten. So hast du für die Bigbosse handfeste Argumente, ihn unter Vertrag zu nehmen.“

„Ich werde alles anstoßen, sobald ich gelandet bin“, versprach Drew.

„Moment, ich möchte, dass mein Vater bei den Verhandlungen dabei ist.“ Shaun warf Camelia einen flüchtigen Blick zu. Sie sah ihm an, dass er von dem schnellen Ablauf überwältigt war. Genauso war sie von dem schnellen Austausch geplättet.

Drew gab Shaun seine schwarze Visitenkarte. „Gib ihm meine Kontaktdaten und ich werde ihn auf dem Laufenden halten. Jetzt muss ich mich aber schleunigst auf den Weg machen, sonst verpasse ich noch meinen Flug.“

Drew ließ sich von einem Taxi abholen und zum Flughafen Toronto-Pearson fahren. Wie vorher von June angekündigt, war danach Camelia an der Reihe, um ihren Job als zukünftige Fotografin für Stay Juned Records zu besprechen. Zu ihrer Überraschung wollte Shaun noch bleiben und auf sie warten, bis sie fertig war, anstatt nach Hause zu gehen. Er blieb bei Liam und Jade im Studio, um sich damit vertraut zu machen.

June führte sie in ihr Büro, das ein paar Türen weiter gelegen war. Sie setzten sich gemeinsam an ihren geordneten Schreibtisch, um die Fotos der gestrigen Musikveranstaltung anzusehen.

Camelia war zuerst angespannt, als ihre (hoffentlich zukünftige) Chefin die Bilder auf ihrem iMac Desktop laden ließ.

Sie war von June einfach nach wie vor beeindruckt. Sie war gerade Ende 20 (so schätzte Camelia, wusste es aber nicht genau) und führte bereits ihr eigenes Unternehmen, das ein Unterlabel von einem namhaften Musiklabel in den UK war. Dabei konnte sie mit ihren anziehenden Gesichtszügen, den ausdrucksstarken grünen Augen und ihrem energetischen Charisma selbst auf der Bühne stehen und die Zuschauermenge mit ihrer voluminösen Stimme begeistern. Das hatte Camelia an der Musikveranstaltung live miterlebt und jeden Moment davon festgehalten. Sie konnte nicht in Worte fassen, wie sehr June sie inspirierte. Dies war einer der Gründe, weshalb sie unbedingt mit ihr zusammenarbeiten wollte.

Je länger June die Bilder durchsah und zufrieden kommentierte, desto leichter wurde Camelia ums Herz. Ihre Arbeit gefiel ihr! Stolz durchflutete sie.

June traf bereits eine Vorauswahl, welche Fotos für die Social-Media-Kanäle des Musiklabels verwenden werden sollten.

Danach lehnte sie sich in ihrem Bürostuhl zurück und sah Camelia aufmunternd an.

„Wunderbar, ich bin wirklich zufrieden mit den Fotos, Camelia. Ich denke, dein Fotostil wird gut zu den Künstlern unseres Labels passen. Ich mag es, wenn ungeschminkte, rohe Emotionen eingefangen werden. Vor allem von dem, was Backstage abläuft. Ich möchte auch die live Auftritte der Künstler mehr wie eine Fotodokumentation anstatt Portraits haben, dass die Fans daheim das Gefühl haben, sie wären live mit dabei gewesen. Ich denke, du wirst sehr gut in unser Team passen.“

Camelia strahlte sie glücklich an. „Danke, June, ich kann es kaum fassen, dass du mich wirklich in deinem Team aufnimmst.“

June lächelte. „Wir haben noch zwei weitere Fotografen. Mit denen wirst du dich sicherlich gut verstehen. Die sind schon bei mir, seitdem ich das Label gegründet habe und auf sie ist Verlass. Sie können dir sicherlich auch noch viel neues zeigen.“ Sie druckte für Camelia ein mehrseitiges Dokument aus. „Das hier wird dein Vertrag sein. Da geht’s hauptsächlich darum, dass unser Musiklabel das erste Recht zur Veröffentlich deiner Fotos hat, wenn du unsere Künstler fotografierst und mit ihnen auf Tour gehst.“

„Du würdest mich mit auf Tour nehmen?“

„Wenn wir eine planen, dann wirst du dafür auf jeden Fall eingesetzt. Außerhalb der Termine kannst du andere Projekte machen.“ June steckte den dicken Vertrag in einen braunen Umschlag und reichte ihn ihr. „Lies dir alles genau durch, ob du mit den Bedingungen einverstanden bist. Du kannst es auch von einem Anwalt prüfen lassen. Ich gebe dir zwei Wochen Zeit. Dieser Job ist nicht immer einfach und auch oft stressig, wenn wir mit den Künstlern von einem Auftritt zum anderen fliegen. Du wirst wochenlang von Zuhause fort sein. Wenn wir auf Tour sind, sogar monatelang. Überlege dir bitte ganz genau, ob du damit leben kannst, deine Freunde und Familie nicht mehr regelmäßig sehen zu können. Für viele ist das nach einer Weile ein Problem und deswegen sind schon viele Beziehungen kaputtgegangen, inklusive meiner eigenen.“

Angesichts ihrer Offenheit sah Camelia sie verblüfft an. „Ich habe mir bereits Gedanken darum gemacht, ja. Aber ich habe nicht solche festen Bindungen an Zuhause. Meine Familie reist selbst ständig beruflich umher.“

„Dein Vater ist Choreograph, hat Jade mal erwähnt, richtig?“

„Ja. Er ist genauso oft wochenlang weg, wenn er mit einem Künstler zusammenarbeitet. Es gibt hier nicht wirklich jemanden, der auf mich wartet.“

June zwinkerte wissend. „Vielleicht wartet ja derjenige in Zukunft auf dich, der gerade im Studio nebenan auf dich wartet.“

Camelia wurde verlegen. „Uhm, wir–, also es ist nichts Ernstes. Wir sind nur–“

June schüttelte den Kopf. „Du musst mir nichts erklären. Ich respektiere die Privatsphäre meiner Künstler. Wir halten sie unter Verschluss, wenn wir zusammenarbeiten, das ist mir am wichtigsten.“

Camelia nickte. „Das ist für mich selbstverständlich.“

„Aber, wenn ich dir meine persönliche Meinung sagen darf“ June grinste breit. „Der Kuss vor der Veranstaltung sah für alle, die es mitbekommen haben, ziemlich ernst aus. Und ich denke, es ist auch kein Zufall, dass Shaun beschlossen hat, zu Stay Juned Records zu kommen. Ich denke, es ist mein Glück, dass er von dir so eingenommen ist, dass er hierher zu uns wechseln möchte, um in deiner Nähe zu sein.“

Camelias Wangen wurden heiß. Sie schüttelte heftig den Kopf, dass ihre Haare wippten. „Nein, da täuschst du dich. Er hat ganz eigene Gründe, die nichts mit mir zu tun haben.“

„Das ist es, was er dir vielleicht erzählt hat. Aber wenn man nicht ganz ignorant ist, dann fällt einem schon von weitem auf, wie er dich ansieht und dass ihr zusammengehört.“

„June, es ist absolut nicht so, wie du denkst.“

June zuckte grinsend mit den Schultern. „Ihr beide werdet es schon noch herausfinden. Allerdings wollte ich dich nur warnen, dass dein Job als Fotografin für uns viel reisen beinhaltet und ihr beide euch deswegen im Klaren sein müsst, was auf euch zukommt. Wir werden mit Shaun hier das Album aufnehmen, aber zwischendurch werden wir für ihn so oft es geht Liveauftritte organisieren. Ich lege sehr viel wert auf Liveauftritte für meine Künstler, damit ihre Musik authentisch ist. Damit meine ich nicht Interviews, sondern Performance. Unser Musiklabel ist dafür bekannt, dass unsere Künstler eine starke Bühnenpräsenz haben. Drew ist dafür verantwortlich, dass wir bei den wichtigsten Großveranstaltungen im Jahr auftreten und er macht seinen Job sehr gut. Ich kann euch nicht versprechen, dass ihr beide immer am selben Ort sein werdet, wenn ich dich für die Auftritte unserer anderen Künstler brauche.“

„Das musst du auch nicht.“ Camelia schüttelte den Kopf. „Ich habe mir sorgfältig Gedanken um diesen Karriereweg gemacht und ich freue mich auf die Chance, die du mir gibst. Alles andere werde ich schon sehen.“

„Okay, dann bin ich beruhigt.“ June stand auf und streckte sich. „Okay, dann lass uns für heute Schluss machen. Danke, dass du am Wochenende extra hergekommen bist. Und ich muss dir auch trotzdem danken, dass du Shaun mitgebracht hast. Ich denke, durch ihn bekommt Stay Juned Records einen frischen Wind und ich freue mich wirklich darauf, mit ihm zusammenzuarbeiten. Und mit dir.“

„Camzy, wir müssen das feiern!“, war Jades Begrüßung, als Camelia zurück ins Studio kam. Liam und Shaun saßen vor dem Mischpult und spielten an den Schaltern herum. Musik ertönte aus den Boxen und die Töne veränderten sich, je nach dem welchen Regler sie gerade betätigten. Liam drehte die Lautstärke herunter, damit sie einander verstehen konnten.

Shaun sprang auf. Er kam sofort auf sie zu und zog sie in seine Arme. „Und, alles gut gelaufen?“, fragte er und wirkte etwas besorgt.

Camelia nickte und lächelte, weil es ihn so kümmerte. Er küsste ihr zart die Stirn. Dann ließ er sie wieder los, weil Jade ihn beiseitedrängte. Sie packte Camelia an den Oberarmen.

„Was hältst du davon, Süße, lass uns trinken gehen und darauf anstoßen, dass du-“ Sie biss sich auf die Zunge, um sich zu stoppen. „Lass uns auf die Zukunft anstoßen.“ Wahrscheinlich wollte sie eher Camelias Durchbruch feiern, aber wagte es nicht, es laut auszusprechen.

Camelia lächelte gerührt und nickte. „Das ist eine super Idee, ich bin dabei. Ich könnte jetzt wirklich Drinks gebrauchen, nach dem Wochenende, das wir hatten.“

„Uhm, wie wäre es, wenn wir Jungs mitkommen, Jade?“, meldete sich Shaun zu Wort. Er schob sich hinter Camelia, legte ihr die Hände auf die Schultern und zog sie ein Stückchen an sich. Oder von Jade weg. Sehr subtil.

„Vielleicht können wir ja auch noch darauf anstoßen, dass ich zukünftig mit euch zusammenarbeiten werde. Mir ist natürlich klar, dass meine Solokarriere für dich nicht so bedeutend ist. Aber eigentlich hatten Camelia und ich den Abend anders verplant.“

Camelia lachte über seinen Humor. „Was schlägst du vor, wo wir hingehen?“

„In die Mahjong Bar, Downtown.“

„Bist du dabei, Liam?“, fragte sie ihren Cousin.

„Absolut. Wir können von mir aus los.“ Liam schaltete das Mischpult aus und zog sich seine navyfarbene, abgetragene Cargojacke an.

Jade tat es ihm gleich und hing sich ihre Tasche um. „Bist du sicher, dass wir dich mitnehmen können, ohne aufzufallen, Shaun? Ich habe nämlich keine Lust, vor kreischenden Fans davonzurennen.“

Shaun grinste. „Das passiert in der Mahjong Bar nicht. Und wenn, dann opfere ich mich für euch auf und werde sie von eurer Spur ablenken.“

„Das will ich auch hoffen, immerhin hätten wir den Hype dir zu verdanken. Es gibt einen Grund, weshalb Liam und ich Songwriter sind.“ Sie marschierte an ihm vorbei und alle folgten ihr.

Sie beschlossen, Shauns Wagen, den klassischen Ford Mustang Mach, im Hof vor Stay Juned Records stehen zu lassen und stattdessen mit der Metro Richtung Downtown zu fahren. Somit war es kein Thema, wer am Ende nüchtern bleiben musste, um alle heimzufahren.

Im Wagenabteil saßen sie sich jeweils paarweise gegenüber, was für Camelia seltsam normal vorkam. Jade und Liam schienen zwar auffallend mit Abstand zueinander zu sitzen (Liam scheinbar lässig in den Gang gelehnt, Jade an die Fensterseite gedrückt), aber dennoch schienen die beiden für den Moment einen Waffenstillstand ausgehandelt zu haben.

Camelia war froh darüber. Das bedeutete, dass die Wahrscheinlichkeit stieg, dass sie sowohl ihre beste Freundin als auch ihren liebenswerten Cousin noch eine Weile zusammen in Toronto sehen konnte, bis sie wieder für andere Projekte woanders hinfliegen mussten. Anscheinend hatte der Kickoff von Shauns Solokarriere den beiden etwas gegeben, worauf sie sich konzentrieren konnten. Die beiden waren schon immer bemerkenswert zielorientiert gewesen (um nicht zu sagen ehrgeizig), wenn es um ihre Musik ging. Sie konnte sich erinnern, dass Jade manchmal tagelang im Studio verbrachte, wenn es um die Arbeit an einer neuen Aufnahme ging.

Liam machte es noch eine Spur extremer. Er packte manchmal sein Team und seine Künstler einfach ein und fuhr mit ihnen irgendwo in eine Gottverlassene Gegend, wo sie keine Ablenkung hatten und nahm mit ihnen Musik aufnahm. Genau wegen dieser Hingebung zur Musik hatte er sich einen Namen als Songwriter gemacht und war in der Szene ziemlich gefragt.

Shaun hingegen nahm es mit dem Abstand zu Camelia nicht so genau. Er hatte wie selbstverständlich seinen rechten Arm um ihre schmalen Schultern gelegt, als gehörte er dorthin. Sein starker Oberkörper lehnte sich an sie, gab ihr Wärme. Sein einzigartiger Geruch umhüllte sie, wiegte sie praktisch in Sicherheit. Es fühlte sich so wahnsinnig vertraut an.

Er wollte sogar ihre Musik mithören, die sie sich über ihre weißen Kopfhörer teilten. Bei Heart's All I wanna do is make love to you wippte er im Takt mit, warf ihr dabei verschmitzte Blicke zu. Jede Wette, dass er davon den Text auch in- und auswendig kannte und gedanklich mitsang.

Sie wusste nicht, ob ihm das überhaupt bewusst war, wie intim das für Außenstehende aussah oder ob es ihm egal war. Seitdem sie ihm im Treppenhaus des Musiklabels ein wenig von ihrer Vergangenheit erzählt hatte, das einen Teil ihres Verhalten erklärte, schien er ihre Nähe zu suchen. Als wollte er sichergehen, dass mit ihr alles in Ordnung war, so wie er sie ab und zu fragend ansah.

Sie nickte dann jedes Mal beruhigend.

Dann erhaschte sie Jades amüsierten Ausdruck in ihren grünen Augen. Camelia senkte den Blick, um ihre Verlegenheit zu überspielen. Jade sagte nichts, sondern hob sich das wahrscheinlich für später auf, wenn sie allein waren. Es gab sehr viel zu bereden, signalisierte sie Camelia wortlos. Bis sie auf der anderen Seite des Ganges vier hübsche Frauen sitzen sah. Diese tuschelten und checkten Liam offensichtlich aus, flirteten ihn mit einem Lächeln an.

Es war nicht verwunderlich. Camelias Cousin hatte ein gewisses anziehendes Charisma. Seine kubanischen-italienischen Wurzeln (der kubanische Teil gehörte zu Camelias Onkel) zeigten sich in seinen dunklen, markanten Gesichtszügen, der aristokratischen Nase, dem starken, hervorstehenden, leicht schrägen Kinn. Seine vollen Lippen hatte er von seiner italienischen Mutter. In Kombination mit seinen dunklen kräftigen Haaren, den noch dunkleren Augen umrahmt von dichten Wimpern (ähnlich wie Camelias) war er ein Hingucker.

Jade schickte den Mädchen einen hitzigen Blick zu und diese wandten sich irritiert (und bedauernd) ab.

Liam grinste sie breit an. „Vorsicht, Wildkatze, deine Eifersucht zeigt sich.“

Sie machte einen undefinierbaren Laut, was sowohl Resignation als auch Ärger sein konnte. Aber sie verteidigte sich nicht.

„Kein Wort mehr“, warnte sie ihn und verschränkte die Arme mit einem Hmpf.

Shaun tauschte mit Camelia einen belustigten Blick, breit grinsend. In der rechten Hand hielt er sein iPhone und las geschäftliche E-Mails. Es schien ihn nicht im Geringsten zu stören, dass sie mitlesen konnte, wenn sie wollte. Aus Respekt sah sie nicht so genau hin. Sie bekam aber aus den Augenwinkeln mit, dass er an Keith eine Nachricht schickte, dass sie auf dem Weg zur Mahjong Bar waren und dass er kommen sollte.

„Keith ist mein bester Kumpel. Wir haben gemeinsam in der Band begonnen. Er verdient es, von mir selbst zu hören, dass ich jetzt wirklich solo gehe“, erklärte Shaun, als er Camelias Blick bemerkte. „Es wird für den Rest der Gruppe Änderungen geben, wenn ich nicht mehr da bin. Ich werde die anderen auch noch treffen müssen, um mich zumindest von ihnen zu verabschieden.“ Er verzog das Gesicht. Es war vermutlich keine Aufgabe, auf die er sich freute.

Mit „dem Rest“ meinte er seine aktuelle Musikgruppe Random Lovers, mit der seine Karriere begonnen hatte. Und welche Veränderungen auf diese zukamen, wenn der Leadsänger die Gruppe verließ.

Es war überraschend, dass er sich vor ihr überhaupt darüber äußerte, als ob es sie etwas angehen würde. Camelia lächelte ihn an und legte ihm die Hand auf den Oberschenkel, um ihn ermutigend zu drücken.

Er rieb seine Nase an ihrer Schläfe und flüsterte ihr ins Ohr: „Könntest du die Hand etwas höher legen und massieren?“

Meine Güte, manchmal war er einfach nur unmöglich. Unmöglich versaut, aber liebenswert. Es kostete sehr viel Selbstkontrolle, nicht zu lachen und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.

Sie ließ ihre Hand wie gewünscht höher wandern. Da zwischen ihnen und den anderen ein Tisch war, konnten sie nicht sehen, was ihre Hände darunter trieben. An seinem Oberschenkelansatz schob sie einen Finger in die Spalte seines Schritts. Er zog die Luft scharf ein und versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Aber hinter ihrem Rücken spannte sich sein Arm merklich an.

Sie winkelte ihre Finger an und kitzelte ihn überraschend am Innenschenkel.

Shaun zuckte zusammen. Seine Schultern zitterten. Er versuchte sich zusammenzureißen. Dann platzte er mit einem heiseren Lachen lauthals heraus. Angesteckt von seinem Lachen, zog Camelia ihre Hand zurück. Sie sah ihn verschmitzt an.

Liam und Jade starrten Shaun an, als hätte er den Verstand verloren. Er ignorierte sie und beugte sich wieder zu ihrem Ohr herunter.

„Das wirst du mir büßen. Was so was angeht, bin ich sehr einfallsreich.“

Sie zuckte die Schultern und wisperte zurück: „Du kannst es gern versuchen.“

„Diese Herausforderung nehme ich gern an.“ Seine Hand legte sich um sie. Seine Fingerspitzen waren gefährlich nahe an ihrer Brust, sodass sie vor Schreck fast aufquiekte. Es war gerade an der Grenze zwischen kitzelig und erregend.

„Hey ihr beiden, wir sind immer noch da und können euch hören“, unterbrach Jade trocken ihr Geplänkel, aber ihre Augen lachten mit.

„Süße, tu so, als wenn die beiden nicht zu uns gehören“, schlug Liam vor.

Shaun grinste. „Ja, Jade. Wie wär's wenn du deine Eifersucht nur auf Liam beschränkst?“

Sie lachten alle über Jades verlegenes Gesicht.

Sie erreichten die Union Station und folgten dem Menschenstrom zum Ausgang, der zur abendlich beleuchteten Innenstadt führte. Es dauerte nur wenige Gehminuten und sie betraten die Mahjong Bar in der 1276 Dundae Street West.

Keith lehnte bereits an der Bar und war mit seiner Größe kaum zu übersehen. Ein paar gestylte Mädchen um ihn herum checkten den großgewachsenen dunkelblonden Mann eindeutig aus. Er lächelte jede an, mit seinen humorvollen Augen flirtend.

Shaun stellten alle einander vor, die sich noch nicht begegnet sind. Keith strahlte Camelia mit einem breiten Grinsen an und gab ihr eine bärenstarke Umarmung, dass es sie von den Füßen hob.

„Camelia, lange nicht mehr gesehen, Ex-Trainerin!“

Sie lachte gedämpft in seine breite Brust. „Ja wirklich, Keith. Was macht dein Knie?“

Er ließ sie los und grinste schief. „Das was es immer macht, es schmerzt. Aber ich kann damit leben.“

Mit Erstaunen sah Camelia zu, wie der ältere asiatische Barkeeper mit dem stylisch gebundenen dunklen Bandana um den Kopf, unaufgefordert Gläser auf den Tresen stellte. Er goss in alle Gläser honigbraunen Suntory Whiskey ein.

Okay, anscheinend kannte er Shaun und Keith schon, keine Bestellung notwendig.

Es gab nur zwei freie rot gepolsterte Barhocker, die natürlich typisch hoch waren. Jade hatte sich mit einem Schwung platziert ohne auf der anderen Seite wieder runterzufallen, die Glückliche.

Liam lehnte sich mit seinem Glas bereits zurück an den Tresen und beobachtete den Raum mit Menschen. Er schien nicht gesprächig, aber auch nicht abweisend, vielmehr in sich versunken.