#LOVE ME - Bea Jaksarn - E-Book

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Bea Jaksarn

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Beschreibung

Das Finale von Camelias und Shauns Story: Camelia versucht über ihn hinwegzukommen. Er versucht sie vor seiner Vergangenheit zu schützen. Was beide nicht wissen, ist, dass jemand völlig unerwartetes Camelias Leben bedroht. Jemand der von ihrer Familie vollkommen totgeschwiegen wurde ...

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

#LOVE ME

#LOVE ME

Random Lovers Band 3

Bea Jaksarn

Impressum

Bea Jaksarn, Am Rangen 2, 95356 Grafengehaig

Hinweis der Autorin

Alle Songtexte sind fiktiv original. Jegliche Übereinstimmungen mit realexistierenden Figuren und Werken ist zufällig und nicht beabsichtigt. Zitierte Songtexte sind das geistige Gut der jeweiligen Künstler.

1. Kapitel - #redcarpet

On the red carpet, she appears like a queen

No one knows where she‘s been

No one knows how it hurts her to smile

No one but me who feels her pain

Her pain she hides from me

Pain I want to kiss away

And tell her ‚everything‘s gonna be okay‘

But I can‘t since I‘m the fucking idiot who makes her cry

And I can‘t, can‘t fucking tell her why

(Shaun Tavares / Jade Nirvana McCarthy / June Hastings: Red Carpet)

„Und du hast wirklich nicht mehr versucht, mit ihm zu reden und herauszufinden, was mit ihm los ist?“, fragte Jade.

Camelia und sie saßen in Junes Büro, das kurzfristig mit geliehenen Standspiegeln und Kleiderständern zu einer Garderobe umfunktioniert worden war. In weniger als einer Stunde sollte die Openair Fashionshow von Wilhelmina Models stattfinden. Bei dieser Show würde Shaun auch seinen ersten Liveauftritt für Stay Juned Records absolvieren.

Reyna stand hinter Jade und machte sich an ihren dichten langen dunklen Haaren zu schaffen. Sie war gerade dabei, glänzende goldene Haarbänder einzuflechten, um ihre Hochsteckfrisur zu stabilisieren.

„Und hast du ihm auf seine Nachricht mit seiner Musikaufnahme geantwortet?“, wollte Jade wissen.

Camelia verneinte mit einem Kopfschütteln. „Nur mit einem Songtitel von Def Leppard.“

„Stillhalten, Camelia“, erklang prompt Caseys Ermahnung.

Jade verzog das Gesicht. „Autsch, man merkt, dass du und Liam verwandt seid. Er steht auch auf Def Leppard und hat mir genau diesen Songtitel auch schon geschickt.“

„Wer, denkst du wohl, hat mir die alten Platten geschenkt?“ Camelia grinste. „Reden wir wohl jetzt endlich über meinen Cousin?“

Jade schickte ihr einen bösen Blick hinüber, der sie nur noch breiter grinsen ließ, weil sie ihre Freundin auch einmal piesacken konnte.

Casey trug mit unterschiedlichen Pinseln professionelles Makeup auf Camelias Gesicht auf. Das war für sie eine völlig neue Erfahrung, weil sie als Assistentin bei Fotoshootings bisher nur zugesehen hatte, wie Makeup aufgetragen wurde. Jetzt saß sie einmal selbst auf solch einem sogenanntem Maskenstuhl. Sie kam sich vor wie eine blanke Leinwand, die mit unterschiedlichen Schönheitsmitteln, Farben und Cremes bemalt wurde.

Ihre Haare waren bereits fertig gestylt. Reyna hatte ihre langen dunkelbraunen Haare zu einem wunderschönen dicken, künstlerisch lockeren Zopf geflochten, der seitlich über ihre linke nackte Schulter fiel. Dazu hatte sie nur wenige Produkte aus ihrem großen schweren Haarstyling-Koffer angewendet, um Camelias Haarmähne zu fixieren und seidig glänzen zu lassen.

Umgekehrt war Jades Makeup bereits fertig, sodass die Mädchen die Plätze getauscht hatten.

Da Camelia sich mit Shaun gefühlstechnisch in einer extrem niederschmetternden Sackgasse befand, wollte Jade sie ein wenig aufheitern. Sie hatte darauf bestanden, dass Camelia ihre Begleitperson für die Openair Fashionshow von Wilhelmina Models war, nachdem die restlichen Teammitglieder von Stay Juned Records, die beim Liveauftritt ihrer Künstler nicht arbeiten musste, ebenfalls als Gast zur Modenschau eingeladen worden waren.

Casey und Reyna waren mit June in Kontakt geblieben, nachdem sie bei ihrer Livemusikveranstaltung als Barkeeperinnen eingesprungen sind. Aus diesem Grund hatten sie June auf die Idee gebracht, bei Wilhelmina Models für ihre Dienstleistungen anzufragen. Aus dieser Anfrage wurde eine Werbestrategie für die neue Sommerkollektion entwickelt: Das ganze Team von Stay Juned Records sollte von Wilhelmina gestylt und eingekleidet werden, um ihre Kollektion den anderen Gästen vorzuführen.

Im Zuge dieser Zusammenarbeit wollten die beiden Stylistinnen Camelia eine Freude machen, indem sie sie ebenfalls für die Veranstaltung herrichteten, obwohl sie ja nur Jades Begleitung war.

Casey hatte für Jade ein bodenlanges salbeigrünes Kleid ausgesucht, dessen Stil von der Antike inspiriert war. Deswegen hatte Reyna die kreative Idee, ihr eine passende Frisur zu machen, damit sie auf dem roten Teppich richtig auffiel. Unter den Gästen waren einige wichtige Entscheidungsträger aus Boutiquen oder Kaufhäusern dabei, die hoffentlich Gefallen an der neuen Sommerkollektion fanden und sie für ihre Läden einkauften.

Camelia trug ein hautfarbenes Kleid aus Tüll, das ihre Kurven betonte und mit geschickten Schlitzen ihre wohlgeformten Beine zur Schau stellte. Das Oberteil war nur eine enge Korsage, was ihre Brust ebenso schmeichelte. Florale grüne Stickerei durchzog den märchenhaften Tüll und erinnerte sie an das romantische Gewand einer Waldnymphe aus John William Waterhouses Ölgemälden. Das Kleid war überraschend bequem. Nur die passenden hautfarbenen Schuhe, die sie dazu tragen sollte, waren eine Herausforderung. Sie waren mindestens zehn Zentimeter hoch und hatten spitze Absätze. Auf dem roten Teppich würde sie Halt finden, aber sobald sie sich auf einem glatten Boden bewegen musste, würde es spannend werden. Hoffentlich wurde nicht erwartet, dass sie die Schuhe den ganzen Abend als Werbung trug. Das würden ihre Füße niemals überleben.

„Was hat es für einen Sinn, wenn er mir nicht vertraut?“, murmelte sie und schloss die Augen, damit Casey ihre Augenlider bemalen konnte.

„Ich finde das Ganze nur wirklich komisch“, sagte Jade und drückte tröstend ihre Hand. „Ich habe wirklich den Eindruck, dass er sehr viel für dich übrig hat. Abgesehen davon, dass er die Finger nicht von dir lassen kann, was ja für eine Beziehung ein guter Anfang ist. Wenn ich euch zusammen sehe, komme ich selbst ins Schwitzen, so ansteckend ist eure Chemie.“

Camelia fühlte, wie ihre Wangen ein wenig heiß wurden, als sie sich an den atemberaubenden Sex mit Shaun erinnerte. „Das stimmt schon, aber mehr als gute Chemie haben wir nicht gemeinsam. Für mehr reicht es zwischen uns wohl nicht.“

„Ich weiß nicht.“ Dieser zweifelnde Einwand kam überraschend von Casey. „Unter den Models hier bei Wilhelmina, hat sich das Gerücht bewahrheitet, dass Shaun überhaupt kein Weiberheld ist. Seine Musikgruppe Random Lovers ist uns auf manchen Veranstaltungen schon über den Weg gelaufen. Seine Kollegen ließen sich von einigen Schnecken hier schon auf solchen Partys vernaschen. Aber Shaun haben sie herumgekriegt.“

„Nie herumgekriegt“, wiederholte Camelia ungläubig und schluckte, weil sie sich die Jagd auf Shaun bildlich vorstellen konnte. Gut zu wissen, dass sie nicht die Einzige war, die seinem Charme erlegen war. Sie blinzelte Casey entgeistert an.

Casey zuckte mit ihrem Schultern und drehte Camelias Kopf wieder sanft zum Spiegel zurück, um ihr Werk vollenden zu können. „Naja, so läuft es halt auf Parties. Da geht es oft exzessiv her, wenn Alkohol oder sonstige Rauschmittel im Spiel sind.“

„Es werden sogar Wetten darauf abgeschlossen, wer von den Mädchen Shaun zuerst herumkriegt, weil er angeblich mit keiner aus der Showbranche ins Bett geht. Er lässt sich nicht einmal einen Blowjob geben“, ergänzte Reyna schmunzelnd. „Ich war selbst mit dabei, als er ein Angebot von einem ziemlich offenherzigen Model, höflich abgelehnt hat, indem er gesagt hat, er wollte ihre geschminkten Lippen nicht ruinieren. Ich habe mich vor Lachen weggeschmissen.“

„Er ist ziemlich widerstandsfähig, habe ich gehört, ein tapferer Kerl.“ Casey lachte trocken. „Wo immer er es sich auch besorgen lässt, jedenfalls nicht von den Püppchen in unserer Branche.“

„Sind das die Wetten, bei denen du und Rey das letzte Mal euch Extrakleingeld verdient haben?“ Jade grinste verschmitzt, als die beiden nickten.

„Ist er dir nicht extra zu Stay Juned Records gefolgt, Camelia?“, fragte Reyna, ohne ihre Arbeit zu unterbrechen. „Das habe ich vor kurzem im Promifernsehen gesehen. Das müsste doch heißen, dass es ihm mit dir ernst ist.“

Camelia wollte wieder den Kopf schütteln, erinnerte sich aber rechtzeitig daran, dass sie nicht durfte. Casey trug mit kleinen Pinseln unterschiedliche Mittel auf ihre Lippen auf, um sie verführerisch aussehen zu lassen. Sie war gespannt, wie sie nachher mit all dem Make-up aussehen würde.

„Nein, er wollte sowieso sein Musiklabel verlassen“, informierte sie die Mädchen, als sie ihre Lippen wieder bewegen durfte.

„Das behauptet er“, sagte Jade. „Aber es gibt genügend andere Musiklabel, die für ihn interessant wären. Stattdessen hat er das ausgesucht, wo du einen Job angefangen hast.“

„Vielleicht wollte er auch einfach dort arbeiten, weil dort eine der besten Songwriterinnen der Branche arbeitet“, erwiderte Camelia lächelnd.

Jade warf ihr einen Luftkuss zu. „Oder einer der besten Songwriter wie Liam, Süße. Nicht zu verachten, June hat auch musikalisch einiges auf dem Kasten.“

Camelia seufzte und wurde plötzlich wieder ernst. „Ich versteh ihn einfach nicht, Mädels. Ich dachte auch, er würde mich mögen. Aber er war in seiner Trainingshalle so abweisend zu mir wie ich ihn noch nie erlebt habe. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wie ich damit umgehen sollte, außer ihn in Ruhe zu lassen und Abstand zu gewinnen.“

Und meine Wunde zu lecken, fügte sie im Stillen hinzu.

„Wie auch immer“, sagte Jade entschlossen. „Da wir alle nicht wissen, was in seinem Dickschädel vor sich geht, können wir uns das Spekulieren sparen. Wichtiger ist mir, Camzy, dass du endlich aufhörst, die Liste der 118 Herzschmerzlieder auf Spotify rauf- und runter zu hören und stattdessen endlich wieder aus deinem Schneckenhäuschen herauskommst. Es wird Zeit, dass du dich nach jemand anderem umsiehst, der dich glücklich machen kann.“

Die anderen Mädchen pflichteten ihr bei.

„Auf der heutigen Veranstaltung laufen sicherlich ein paar attraktive Männer herum, die sich mit dir verabreden würden, wenn du ihnen eine Chance gibst“, fuhr Jade fort. „Was du jetzt brauchst, ist ein Trostpflaster, um Shaun aus dem Kopf zu kriegen.“

„Ich weiß nicht, ob ich es jetzt schon kann“, widersprach Camelia und wich ihrem ermunternden Blick aus. Drei Wochen waren garantiert nicht genug Zeit, um über Shaun hinwegzukommen. Oder ihn gar zu ersetzen. Sie konnte nicht so einfach ihre Gefühle für ihn abschalten. Dafür waren sie sich zu nahegekommen und das nicht nur, weil er einen unvergesslich tiefen Abdruck in ihr hinterlassen hatte.

Sie hatten einander Dinge aus ihrer Vergangenheit anvertraut, die sie auf eine viel nachhaltigere Weise miteinander verbunden hatte, als nur körperlich. Sie hatte ihm ihre Trauer, ihren Verlust und vor allem ihre Schuldgefühle (den Motorradunfall als einzige überlebt zu haben) anvertraut. Shaun hatte ihren Heilungsprozess angestoßen, indem er hartnäckig ihre emotionalen Mauern durchbohrt und eingerissen und ihr zugehört hatte.

Aber er weigerte sich, dass sie das Gleiche für ihn tat. Er weigerte sich, ihr seine Ängste anzuvertrauen, damit sie seine bösen Geister vertreiben konnte. Vielleicht hielt er sie dafür nicht stark genug.

Aber dennoch konnte sie ihn nicht so einfach vergessen oder sich schon wieder auf jemand anderen einlassen. Nicht einmal, um das Jucken zwischen ihren Beinen zu kitzeln, dass sie neuerdings hatte.

Und dieser Kuss vor dem Fotoshooting mit seiner Musikkollgin Tarja Folkstone war im Nachhinein betrachtet auch ein schwerer Fehler gewesen. Camelia bereute ihn bitter, weil nur dieser eine Kuss sie wieder zurück in das Chaos ihrer Gefühle zurückgeworfen hatte. Die Erinnerung daran wiederholte sich penetrant immer und immer wieder in ihrem Kopf. Sie konnte weder aufhören, daran zu denken noch diesen sturen Mann wie wahnsinnig zu vermissen. Allein bei dem Gedanken an ihn, zog sich ihr ganzer Körper schmerzhaft zusammen. Das war wirklich kein angenehmer Zustand und sie fragte sich irrationalerweise, ob es nicht besser war, sich taub zu fühlen wie vor ihrer Begegnung mit Shaun.

Das Einzige, was sie in der aktuellen Situation ein wenig aufgeheiterte, war der positive Abschied von ihrem Ex JC, der kürzlich nach Hause nach Kalifornien geflogen war. Ihre Wege hatten sich im Guten getrennt. Er wollte sogar mit ihr in Kontakt bleiben, nachdem er genügend Zeit hatte, über Camelias Zurückweisung hinwegzukommen. Sie bedeuteten einander immer noch so viel, dass keiner den anderen komplett aus den Augen verlieren mochte.

„Du bist sein Verlust, Herzblatt, hab Selbstvertrauen“, sagte Casey und drückte zum Trost Camelias rechte Schulter. „Rey und ich sind übrigens heute nicht nur für Junes Team zuständig, sondern auch für alle ihre Künstler, die auftreten.“

Rey nickte. „Ja, Gott sei Dank hat June uns dafür engagiert, sonst hätten wir die Models für den Laufsteg stylen müssen und das wäre viel stressiger gewesen, weil dort hinter der Bühne ständig herumgezickt wird.“

„June kann euch engagieren?“, fragte Camelia überrascht.

„Man denkt es gar nicht, aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass June als Musikproduzentin einen sehr guten Ruf hat. Unser Chef konnte ihre Anfrage jedenfalls gar nicht schnell bejahen. Er hat uns beide für die komplette Veranstaltung für euch beauftragt“, erklärte Casey. „Und wahrscheinlich will sie demnächst auch häufiger mit uns zusammenarbeiten. Es wäre total interessant, auf Tour mitzugehen und Künstler für ihre Auftritte zu stylen. Rey und ich wollten uns sowieso beruflich verändern und etwas Neues ausprobieren. Am liebsten würden wir etwas eigenes machen.“

„Oh, wow. Was für ein Stilkonzept ist für Shauns Auftritt geplant?“, fragte Jade neugierig.

„June und ihr Marketingteam haben uns freie Hand gegeben. Wir sollen ihn nur nicht so retuschieren, dass man ihn nicht wiedererkennt.“ Casey tauschte mit Reyna einen heiteren Blick. „Wir haben uns überlegt, dass wir ihn so klassisch wie die Musiker von damals lassen. Mit seinem alten Ford Mustang Mach kommt er ja sowieso schon vintage rüber. Ich persönlich finde ihn so süß und umwerfend wie er ist.“ Casey sah Camelia entschuldigend an. „Oh sorry, Camelia. Wenn du willst, male ich ihm mit Kajal einen Bart auf. Mädchen müssen zusammenhalten.“

Camelia lachte bei der Vorstellung. „Nein, bitte lass ihn umwerfend aussehen. Der Auftritt ist wichtig für seinen Start, nicht wahr, Jade?“

„So lustig ich es fände, wenn du sein attraktives Gesicht anmalst, Casey, aber wir brauchen wirklich einen erfolgreichen ersten Auftritt, damit seine Musik sich verkauft. Und obwohl ich natürlich als deine Freundin immer zu dir stehe, Camzy, aber da er jetzt einer meiner Künstler ist, für die ich verantwortlich bin, darf ich ihn nicht sabotieren. Abgesehen davon, dass mein Erfolg an seinen gekoppelt ist.“ Sie zwinkerte ihr zu.

„Ich würde mir niemals etwas wünschen, dass seiner Karriere schadet“, erwiderte Camelia grinsend. „Ich habe investiert, erinnerst du dich?“

Jade nickte fröhlich.

„Zu schade.“ Casey zwinkerte mit Humor.

Nachdem Jade und Camelia fertig gestylt waren, verabschiedeten sich Casey und Reyna von ihnen. Die beiden machten sich auf den Weg, um sich um Shaun, die anderen Künstler und um den Rest des Teams zu kümmern. Daher würden sie sich erst später auf der Show wiedersehen.

„Ich werde nach der Crew sehen. Und Liam mein Outfit zeigen“, sagte Jade. „So hat er mich noch nie gesehen.“

„Du siehst umwerfend aus, Jade. Bring ihn aber nicht auf die Palme.“

„Wer ich? Das würde ich doch niemals wagen.“ Jade warf ihre braunen, glänzenden Haare zurück. Sie lächelte, als führe sie etwas im Schilde.

„Ich habe dich gewarnt.“ Camelia konnte aber ihr Grinsen nicht verhindern. Liam würde wahrscheinlich bei Jades Anblick Schnappatmung bekommen, so hinreißend wie sie aussah. Zusätzlich zur Tatsache, dass die beiden noch eine Rechnung aus ihrer Vergangenheit zu begleichen hatten.

„Du siehst auch bezaubernd aus, Babe. So solltest du vor Shaun treten und ihm zeigen, dass du nicht nur Köpfchen und Talent hast, sondern auch ein absoluter Hingucker bist. Zeig ihm, was du wirklich drauf hast, was ich schon längst weiß.“ Jade drückte sie zur Motivation.

Camelia betrachtete sich eingehend im Spiegel und musste zugeben, dass Jade Recht hatte. Casey und Reyna hatten wirklich eine tolle Arbeit an ihr geleistet und ihre schönsten Attribute mit Make-up und dem Kleid herausgestellt. Dabei war sie immer noch sie selbst und sie fühlte sich sehr wohl in ihrer eigenen Haut. Seit dem Unfall, wo sie nur noch Haut und Knochen gewesen war und sich kaum auf eigenen Füßen bewegen konnte, war sie einen großen Schritt vorangekommen. Sie fühlte sich wahnsinnig sexy.

„Vielleicht hast du Recht“, erwiderte sie nachdenklich. „Vielleicht möchte ich ihn nicht so einfach davonkommen lassen und sollte ihm stattdessen zeigen, was ihm entgeht.“

# # #

Es war nicht das erste Mal, dass Camelia über den roten Teppich eines Events lief. Früher durfte sie zu Veranstaltungen mitgehen, wenn ihr Vater als Choreograph mit seinen Künstlern Auftritte vorzubereitet und die ganze Familie mitgenommen hatte.

Aber es war das erste Mal, dass Camelia statt des Seiteneingangs für die Mitarbeiter den Vordereingang für geladene Gäste benutzte. Sie musste also an Reportern und Fotografen vorbeilaufen, die sicherlich ihre Geräte auf sie richten würden, auch wenn sie nicht zu den meisterwarteten Gästen gehörte.

Der angekündigte Medienrummel machte sie nervös. Aber nicht so nervös wie die Aussicht darauf, Shaun nach dem Kuss wiederzusehen. Aber vielleicht zerbrach sie sich auch zu viel den Kopf darüber und sie würden sich in der Menge gar nicht begegnen.

Wie sah es wohl in ihm aus, nachdem Stay Juned Records in der Presse bekanntgegeben hatte, dass Shaun Tavares als neuer Künstler jetzt bei ihnen unter Vertrag genommen wurde?

Das Team wurde von Stay Juned Records eigenen SUVs vorgefahren. Auf dem Weg dorthin erhielt jeder Mitarbeiter seine eigene Backstagekarte zur Aufbewahrung und Rückgabe am Ende der Veranstaltung.

Die zwei SUVs hielten direkt am Anfang des roten Teppichs, worüber alle Ankömmlinge von der Straße bis zum Eingang des Royal Ontario Museums mit dem markanten gezackten Gebäudeprofil geführt wurden.

Im Gegensatz zur Vernissage von Camelias Universität war der Eingangsbereich jetzt um einiges voller und organisierter. Metallabsperrungen hielten die Schaulustigen mit ihren Smartphones zurück. Scheinwerfer waren aufgebaut, damit die Fotografen ausreichend Belichtung hatten. Insgesamt tummelten sich viel mehr Menschen herum - ein buntes Gemisch aus Presse, Organisatoren und Gästen.

Camelia konnte durch die Frontscheibe zusehen, wie der schwarze SUV mit Stay Juned's Künstler vor ihnen anhielt. Neben Shaun waren zwei weitere Künstler für Liveauftritte eingeplant.

Der eine war ein rothaariger junger Sänger aus Glasgow, dessen Lieder sie kannte. Liam hatte mit ihm zusammengearbeitet und einige seiner Lieder befanden sich auf ihrer 118 Herzschmerzliederliste, die sie mittlerweile viel richtig gut kannte.

Die anderen Künstler waren ein Männerduo, die Country-Pop machten. Mit denen hatte Jade schon zusammengearbeitet.

June und Drew verließen als erstes den SUV, gefolgt von ihrem Personenschutz. Danach sprangen ihre Künstler heraus, knöpften ihre Jacketts zu und strichen sie glatt.

Camelias Herz schlug wie wild, als sie seine große Gestalt erkannte. Es war praktisch, dass Shaun so hochgewachsen war, so überragte er die meisten um ihn herum und sie konnte ihn leicht in der Menge ausmachen.

Dann drehte Shaun sich herum, sodass sie sein markantes Profil sehen konnte. Er war in einem perfekt sitzenden Anzug in einem tiefdunklen Violett gekleidet, der seine muskulösen Schultern nicht kaschierte. (Hut ab, Casey.) Reyna hatte sein leicht gelocktes Haar ebenso hinreißend gestylt. Adhoc erinnerte sie sich daran, bei welchen Gelegenheit en sie an seinem Schopf leidenschaftlich gezogen hatte – als seine Lockenspitzen ihre Innenschenkel gekitzelt hatte, wenn er an ihr heruntergegangen war. Camelia holte tief Luft, um sich wieder zu ermahnen, einen kühlen Kopf zu bewahren.

Shaun zeigte sein ansteckendes Grinsen und winkte in die Menge. Danach ging er mit seinen Kollegen auf die wartenden Fans hinter den Absperrungen zu. Dort verteilten sie Autogramme und machten mit ihnen Selfies, wenn diese gewünscht waren.

Als der erste SUV den Parkplatz freigegeben hatte, waren Camelia und der Rest der Mannschaft darin an der Reihe auszusteigen. Was sie im gut gedämmten SUV nicht bemerkt hatte, war die laute Musik, die ihnen entgegenschallte. Aber das, was gerade aktuell abgespielt wurde - You Love von den Outfields - machte richtig gute Sommerlaune und passte auch als Empfangsmusik für eine Sommermodenschau.

Zu Camelias Erleichterung wurden sie und die anderen aus ihrem Van nicht mit einem so starken Blitzgewitter und Auslösegeräuschen empfangen wie die Insassen des Vorfahrzeugs. Die meisten Fotografen und Pressesprecher waren den Künstlern gefolgt, um Fotos und ein kurzes Interview zu erhaschen. Sie hatten also genügend Platz, um hintereinander aus dem SUV zu klettern.

Wie eine Herde Schafe wurden die Künstler auf den Roten Teppich geschickt, geleitet von Junes engagierten Personenschutz, die subtil eine Schneise durch die Menge für sie freimachten.

Camelia sah von weitem zu, wie vor allem Shaun mit Video- und Fotokameras und Mikrofonen mit Fragen und Zurufen nahezu bedrängt wurde. Was für ein Hype.

Drew hatte nur für den Fall der Fälle den externen Personenschutz organisiert, aber so wie es aussah, schien Shaun diesen gerade bitter nötigt zu haben, um die neugierigen Presseleute auf Abstand zu halten.

Dennoch winkte er freundlich, lächelte und stellte sich mit seinen Kollegen vor die Kameras, um ihre Sensationsgier zu befriedigen. Als könnte ihm der ganze Trubel nichts anhaben. Dabei wusste jeder bei Stay Juned Records, dass sein plötzlicher Weggang von J's Records nicht ganz unentdeckt vonstattengegangen war. Die Vertreter der Presse wollten jetzt Antworten, wie es dazu kam und wie es für ihn weiterging.

In diesem Moment drehte er sich herum und blickte Camelia geradewegs an. Er sprach mit niemandem mehr, sondern lächelte nur abweisend, während er sie unverhohlen anstarrte.

So viel dazu, dass sie sich in der Menge nicht sehen würden.

Der Rest der Crew war an der Reihe, den Weg über den roten Teppich bis zum Eingang zu laufen. Dafür hatten sich die Organisatoren der Fashionshow etwas einfallen lassen, um ihre Kollektion subtil zur Schau zu stellen.

Sie sollten zusammen mit ein paar Models von Wilhelmina über den Roten Teppichs laufen, damit Fotos gemacht werden konnten. Einige Mitarbeiter von der Fashion Show liefen umher und schoben die Leute auseinander, um Platz zu schaffen. Es war alles vorher abgesprochen. Die Models von Wilhelmina kamen wie verabredet an und stiegen aus ihren SUVs.

Ein hochgewachsener attraktiver blonder Mann bot June seinen Arm an. Lächelnd hakte sie sich bei ihm ein. Sie war in einem traumhaften langen Kleid in sommerlichen Türkis gehüllt und erzielte den gewünschten Effekt. Kameras richteten sich auf sie, Fragen wurden zum Kleid gestellt.

Danach folgte Jade, am Arm eines anderen Mannes, der einen akkuraten Anzug in gedecktem Gelb spazieren trug. Die beiden waren farblich perfekt aufeinander abgestimmt.

Drew lief ohne Date an den Fotografen vorbei, weil er keinen Ärger mit seiner Frau wollte, wie er der Crew vorher erzählt hatte. Aber er sah in seinem schwarzen Anzug und der Fliege auch sehr gut aus.

Liam folgte ihm mit einer lateinamerikanischen Schönheit am Arm, die Camelia bekannt vorkam. (War das nicht die gleiche, die damals auf der Promotions-Party ihre Hand in Shauns Hose stecken wollte? Sie war sich ziemlich sicher, dass es sich um dieselbe Frau handelte.)

Camelia wurde nach vorne gewunken und sah, dass Braden auf sie wartete. Er war einer der regulären Fotografen für Wilhelmina.

„Meine ehemalige Assistentin, du siehst ja bezaubernd aus“, begrüßte er sie grinsend. Er musste sich tief hinunterbeugen, um ihre Wange zur Begrüßung zu küssen, aber er bestand darauf. „Ich dachte mir, da wir schon zusammengearbeitet haben, würde es dir gefallen, wenn ich dich über den Teppich führe.“

„Braden! Ich bin geehrt“, erwiderte sie lachend.

Braden war nicht nur der Fotograf, dem sie bei Wilhelmina assistiert hatte. Er war mittlerweile auch zu so etwas wie einem Freund und Mentor geworden. Nachdem er als Playboy sein Glück bei ihr versucht und einen Korb kassiert hatte, verstanden sie sich prächtig. Abgesehen davon, hatte er bei Camelias Abschlussarbeit ausgeholfen, indem er sich kostenfrei als Fotomodel für Tanzfiguren zur Verfügung gestellt hatte.

Bei Wilhelmina war Braden allerdings auch als exzentrisch bekannt, was er im nächsten Moment gleich wieder einmal unter Beweis stellte. Er holte sein Handy aus der Sakkoinnentasche hervor und tippte eine Nachricht ein.

„Pass gut auf, meine Kleine“, sagte er grinsend. Dann schnappte er sich ihre rechte Hand mit seiner Linken und legte gleichzeitig die andere Hand an ihre Hüfte, als wollte er mit ihr Tanzen. Um sie herum machten die Mannschaft von Wilhelmina unauffällig Platz für sie, indem sie die anderen Leute ein wenig beiseite schoben. Bevor Camelia fragen konnte, was er vor hatte, ertönte eine Spur lauter die Melodie von Bryan Adams Summer of 69. Sie lachte, als Braden sie herumwirbelte. Er wollte sie nicht nur über den Roten Teppich führen wie seine Kollegen, sondern mit ihr darüber tanzen.

Irgendwann hatte er während ihrer Zusammenarbeit mitbekommen, dass Camelias Vater Tanzchoreograph war. Daraufhin hatte Braden sie gebeten, ihm während ihrer Pausen die Grundfiguren der Standardtänze beizubringen, damit er bei seinen Dates einen noch besseren Eindruck machen konnte. Das war wohl jetzt der Moment, in dem er ihr zeigen wollte, was er konnte. Um ihm den Spaß nicht zu verderben, folgte sie ihm bereitwillig in die Grundfiguren des Discofox. Seine Heiterkeit war ansteckend und die Bewegung lenkte sie sogar von ihrer Nervosität ab. Sie hätte nicht einfach dastehen und sich ablichten lassen können, ohne zur Salzsäure zu erstarren. Sie musste nur Obacht geben, dass Braden nicht auf die bodenlange Tüllschleppe ihres Kleides trat und sie festtackerte. Sie tanzten, solange das Lied abgespielt wurde und die Mitarbeiter von Wilhelmina feuerten Braden fröhlich mit Jubelrufen an, was die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich zog.

Camelia lächelte höflich, als Braden angehalten wurde und sie wie eine Ballerina eine Pirouette machen ließ, um ihr Waldnymphenkleid aus der neuen Kollektion vorzuführen. Als Fotograf konnte er sogar Fragen zur Kampagne beantworten. Zum Glück fragte keiner aus der Presse nach dem Mädchen in dem Kleid, was Camelia ganz recht war.

Über ihre Schulter hinweg sah sie Shaun mit Drew abseitsstehen. Er war jetzt endlich nicht mehr von Pressevertretern umringt, die andere Zielscheiben gefunden hatten. Wie lange hatte er sie schon beobachtet? Sein attraktives Gesicht war eine unbewegte Maske, aber seine stürmischen Augen sprachen eine andere Sprache. Sie verfolgten Bradens Auftreten mit ihr nicht unbedingt mit einem freundlichen Glänzen.

„Bist du nicht die Kleine, die mit Shaun in der Mahjong Bar Downtown gesehen wurde?“

Camelias Aufmerksamkeit wurde abrupt auf einen jungen Pressesprecher unmittelbar vor ihr gezogen.

„Wie bitte?“

Er grinste breit, als er ihre Überraschung sah und wiederholte seine Frage. Dabei hielt er ihr das schwarze schaumstoffgepolsterte Mikrofon direkt vor den Mund. Neben ihm stand ein bulliger Mann mit einer schweren schwarzen Videokamera auf der Schulter, der filmte.

Plötzlich tauchte ein weiteres Mikrofon auf und die Frage wurde von einem anderen aufgenommen. Mit trockenem Hals stand Camelia plötzlich einer wachsenden Gruppe von Mikrofonen, Kameras und Reportern gegenüber.

Sie krallte sich mit beiden Händen in Bradens Arm, um dessen Aufmerksamkeit zu gewinnen. Er blickte zuerst verwirrt zu ihr heruntersah, begriff aber schlagartig, dass sie wegwollte. Er legte ihr den Arm demonstrativ um die Taille, verankerte seinen Unterarm unter ihre Brust und wirbelte sie praktisch herum. Bei seiner Größe kostete es ihm wenig Anstrengung.

„Sorry, meine Damen und Herren, wir müssen dann mal wieder weiter. Die Show fängt bald an. Viel Spaß euch allen, genießt die offene Bar, die wir für euch aufgestellt haben, dafür dass ihr fleißig unsere Kollektion fotografiert!“ Seine Abschiedsworte verursachten sowohl Lacher als auch bissige Widerworte von den Pressevertretern.

Er reagierte nicht mehr darauf, sondern machte sich so schnell er konnte mit Camelia im Schlepptau aus dem Staub. Er trug sie fast über den Teppich, als er sie mit sich zog. Sie versuchte auf den hohen Absätzen so gut sie konnte mit Braden Schritt zu halten.

Die Pressesprecher eilten allerdings wie eine Meute Piranhas hinterher, als hätten sie Blut gewittert. Weitere Fragen zum Vorfall in der Mahjong Bar wurden laut hinterhergerufen und diesmal kamen sie auf die Idee auch zu fragen, wie ihr Name war.

Sie spurteten förmlich auf Drew und Shaun am Ende des Roten Teppichs zu.

„Drew, Hilfe!“, zischte Camelia dem Manager zu, als sie bei ihnen ankamen. Dieser schien anscheinend solche Situationen besser zu kennen. Er schickte sofort Personenschutz vor, die sich den Presseleuten in den Weg stellten. Frustrierte Rufe tönten auf, Kameras klickten wie wild.

Camelia sah erleichtert über ihre bloße Schulter und befreite sich aus Bradens Arm. Dann wollte sie auf den Eingang des Museums zugehen, als ein Ruck durch ihr Kleid ging.

Braden war versehentlich auf dessen Saum getreten!

Es passierte genau das, was sie mit den hohen Absätzen befürchtet hatte. Kopfüber stolperte sie nach vorn.

Sie biss sich auf die Unterlippe, um nicht versehentlich aufzuschreien. Gott sei Dank sah sie, wie zwei Arme von jemandem sie auffingen.

Allerdings hatte sie so einen Schwung drauf, dass derjenige ebenfalls den Halt verlor. Sie gingen beide zu Boden, er unter ihr.

Sie wusste, wer sie aufgefangen hatte noch bevor sie sich von dem kurzen Schreck erholt hatte und ihre Augen aufschlug. Sie sah sich Auge in Auge mit Shaun gegenüber.

2. Kapitel - #backstage

Baby, I‘m not myself, not myself

Playing, walking, talking backstage

Every time I feel this deep ache

For you, when I’m on my own

I‘d thought this would be a piece of cake

Getting over you, protecting you from afar

But I‘m so wrong, just wrong and it’s hard

Going back to where I was

(Shaun Tavares / Liam Knightley: Backstage)

Shauns unverwechselbarer maskuliner Duft.

Seine starken Arme, die sie festhielten.

Seine Beine unter ihren ihren Schenkeln und sein breiterer Oberkörper unter ihren Brüsten, die sich glücklich aufrichteten, weil sie sich an ihn pressten.

Seine unwiderstehlichen Attribute attackierten alle ihre Sinne gleichzeitig.

Unter ihr bebte sein angespannter starker Körper spürbar. Wenn das Timing gerade einfach nicht nur miserabel wäre, hätte Camelia liebend gerne in der Position verharrt. Und so wie seine Weichteile unter ihr auf sie reagierte und sich zunehmend erhärteten, schien es ihm ähnlich zu gehen. Ihr beider Hormonhaushalt war über ihre horizontale Lage sehr glücklich.

„Baby“, hauchte er knapp an ihren Lippen, sodass seine Oberlippe ihren Mundwinkel streifte.

Oh Gott, seine Stimme. Die Art wie er sie liebevoll ansprach.

Er war nur einen Kuss weit entfernt und leckte sich über seine volle Unterlippe. Sein Gesichtsausdruck war angespannt, einladend, auffordernd zugleich. Ein amüsiertes Schmunzeln zog seine Mundwinkeln hoch. Dann fühlte sie eine seiner großen Händen mit ihren rauen Fingerkuppen auf ihrem runden Hinterteil, der zwar von dem hauchfeinen Tüllstoff bedeckt war, aber sicherlich keine Barriere war. Shaun befühlte sachte ihre feste Kurve, dann drückte er ungeniert zu. Damit entlockte er ihr ein ungewolltes Seufzen und sicherlich verrieten ihre halb geöffneten Augen, auch die Lust, die er in ihr wachrief.

Gott erbarme, er spielte mit ihr.

Aus seinem anfänglichen Schmunzeln wurde ein ausgewachsenes Grinsen. Er presste ihren Schoß näher an seinen Schritt, sodass sie deutlich spüren konnte, wie er unter ihr komplett hart wurde. Und heiß.

Ihre Wangen glühten mindestens genauso in der gleichen Temperatur. Wobei die Situation für ihn vermutlich kein Spiel war, sondern ein willkommener Flirt. Er war kein Spieler. Aber es sah ihm ähnlich, die Gelegenheit nicht ungenutzt zu lassen, wenn es zwischen ihnen zu knistern begann. Nicht dass sie sich jemals dagegen gewehrt hatte. Im Gegenteil, sie hatte sich immer allzu gern von ihm verführen lassen.

„Shaun“, hauchte sie warnend, aber es klang atemlos und alles andere als abwehrend, weil Hitze und Lust durch ihren Körper flossen.

Sie wollte ihn immer noch.

Wenn er ihr so nah kam, wurde sie schwach. Und wenn er auch noch unter ihr lag war es einfach nur Folter, ihn nicht küssen und berühren zu können – was für eine Ironie des Schicksals.

Seine einladenden Augen funkelten sie verschmitzt an. Shaun genoss die Lage mehr als er sollte, der unverschämte liebenswerte Mann.

Drews besorgte Stimme katapultierte Camelia schlagartig zurück in die Gegenwart. „Hey, ihr beiden, braucht ihr Hilfe?“ Er beugte sich über ihre Köpfe. Sie schielte zu ihm hoch. Seine Mundwinkel zuckten verräterisch, als wäre er kurz davor loszulachen.

Mit einer gewaltigen Disziplin richtete Camelia sich auf und zwang ihren Körper, sich Zentimeter um Zentimeter von dem angenehmen Muskelbett unter ihr zu lösen. Sie bemerkte sofort den Verlust seiner Wärme.

Shaun hielt sie allerdings weiterhin fest, als er mit ihr zusammen aufstand und sie auf ihre eigenen Füße stellte. Aufmerksam wie er war, hatte er natürlich sofort bemerkt, wie wackelig sie auf ihren Highheels stand.

Mit einem aufgewühlten Ausdruck starrte er auf sie herab und ignorierte dabei den Trubel um sie herum – das unablässige Blitzgewitter und das Zischen der Kameraauslöser. Er hatte nur Augen für sie, als stünden sie sich gerade allein gegenüber und nicht im Zentrum einer neugierigen Meute aus Pressesprechern, Kollegen, Models und Organisatoren.

Der Personenschutz drängte die sensationsgierigen Presseleute zurück.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Reihen. Jemand rief: „Hey, das ist Tarja Folkstone! Sie ist hier!“

Der Ruf wurde von anderen aufgenommen und wiederholt, bis man nur noch hörte, wie sie begeistert den Namen des Popstarlets zelebrierten.

Von einer Sekunde auf die andere verlor die Pressemeute das Interesse an Shaun und Camelia. Einer nach dem anderen drehte sich herum und eilte zurück zum Anfang des Roten Teppich, wo ein weiterer schwarzer SUV angehalten hatte.

Die britische Sängerin schälte sich aus dem dunklen Inneren des Wagens und begeisterte die Pressevertreter mit einem feuerroten seidigen Kleid, das einer Königin würdig war. Die Fotografen kämpften miteinander um den besten Spot, um sie abzulichten. Sie winkte strahlend und präsentierte sich elegant von allen Seiten. Ihr Selbstbewusstsein war inspirierend. Die Kameras liebten sie abgöttisch und gaben keine Ruhe. Dann schritt sie zielgerichtet über den Roten Teppich – auf Liam zu. Er stand mit dem Rest der Mannschaft zusammen und hatte genauso gebannt ihre königliche Ankunft verfolgt. Er lächelte sogar ein wenig stolz.

Aber Camelia konnte nicht mehr verfolgen, wie Tarjas Auftritt endete. Shauns großer Körper setzte sich neben ihr in Bewegung. Er verlor keine Zeit, sondern nutzte die Ablenkung und schlang seinen rechten Arm fest um ihre Taille, sodass sich seine Handfläche besitzergreifend auf ihren Bauch legte. Während alle Aufmerksamkeit auf Tarja gerichtet war, dirigierte er Camelia zum Eingang des Museums.

Kaum waren sie hindurch gegangen und außer Sichtweite der Presse, schnappte er sich ihre linke Hand. Ihre Finger verhakten sich fest ineinander. Er führte sie weiter durch den Eingangsbereich, durch die lose Menschenmenge hindurch, mit einem gewissen Ziel vor Augen.

Sie fragte sich, wohin er sie brachte. Aber so unnachgiebig wie er ihre Hand festhielt, hätte sie sich nicht ohne Kraftaufwand befreien können. Das wollte sie das auch nicht.

Er passierte die dekorierte, aber unbesetzte Museumsrezeption und ging durch eine schwarze Tür hindurch. Darauf war ein Hinweisschild angebracht, dass nur Zutritt für Personal war. Dahinter war ein langer Gang mit weiteren schwarzen Türen, die ebenso beschildert waren – diesmal mit Firmennamen. Auf der letzten Tür stand „Stay Juned Records“.

Shaun blieb davor abrupt stehen, förderte einen einzelnen silbernen Schlüssel aus seiner Hosentasche zutage und sperrte sie auf. Kurzerhand zog er Camelia in den Raum hinein. Mit Schwung ließ er Tür zufallen und sperrte danach das Schloss wieder ab.

Das Einrasten der Schließvorrichtung hallte noch in der Stille nach, die sie jetzt umgab wie imaginäre Watte.

Diese Stille erfüllte Camelia nicht mit Panik, sondern eher mit einer gewissen lustvollen Vorahnung. Erinnerungen von ihnen beiden in intimen Positionen befielen sie akut. Es handelte sich gerade um ein ganz schlechtes Timing für diese Bilder im Kopf, weil sie sich mit ihm selbst nicht traute. Dafür war sie noch viel zu wund von ihrem letzten Gespräch. Sie war nicht nur angreifbar, sondern auch noch schwach gegenüber seiner magnetischen Anziehungskraft.

Daher machte sie sich nachdrücklich von ihm los, um künstlichen Abstand zu ihm zu schaffen. Dann atmete sie tief durch. Nach ihrem eiligen Lauf brauchte sie erst einmal Luft. Und sie brauchte einen Moment, um ihre lebhaften Erinnerungen beiseite zu drängen und sich selbst wieder in den Griff zu bekommen. Einer von ihnen sollte zumindest versuchen, sich zu beherrschen. Dabei lag die Betonung auf versuchen.

Es war gerade absolut keine gute Idee mit ihm allein zu sein, wenn alle ihre Erinnerungen um den Sex mit ihm kreisten und sie nahezu überwältigten. Sie waren sich momentan viel zu nah. Sie waren eingeengt in diesen Raum, der mit Spiegeltischen, Instrumenten und technischen Gerätschaften, Materialkoffern zugestellt war. Sie befürchtete, ihre Konzentration zu verlieren und etwas Dummes zu tun. Wie zum Beispiel ihre Selbstachtung über Board zu werfen, sich ihm an den Hals zu werfen und ihn zu bitten, ihr eine zweite Chance zu geben.

Shaun wollte allerdings keinen Abstand, sondern tauchte in ihren persönlichen Radius ein. Sie machte automatisch einen Schritt zurück und stieß prompt mit ihren Absätzen gegen die Tür. Sie stand schon mit dem Rücken zur Wand – buchstäblich.

Selbstachtung, ermahnte sie sich tapfer selbst. Sie atmete tief durch, um ihre Gefühle zu ordnen.

Er stützte sich mit seinen robusten, muskulösen Unterarmen rechts und links neben ihrem Kopf ab. Er musste wissen, was seine bloße Nähe in ihr auslöste!

Er sah sie vollkommen ernst an. „Hast du etwas mit Braden angefangen?“

„Wie bitte?“ Sie musste sich verhört haben.

„Schläfst du mit Braden?“, fragte er geradeheraus und in einem ungeduldigen Unterton.

Sein Gesicht war näher als ihr lieb war. Ihre Nasenspitzen berührten sich. Er starrte ihr direkt in die Augen und beobachtete aufmerksam ihre Reaktion. Sie konnte die grünen Sprenkeln in seinen whiskeybraunen Augen richtig deutlich sehen.

Sie schluckte. Dann schüttelte sie den Kopf und starrte zurück, weil sie sich nicht von seinem Blick losreißen konnte. Es war ziemlich unfair, wie er sie subtil verführte. Sie konnte gerade nur daran denken, ihn zu küssen. Zu beißen.

Dann schüttelte sie sich innerlich, um ihre niederen Instinkte zu verdrängen und einen klaren Kopf zu behalten.

Eigentlich ging Braden (oder überhaupt irgendein anderer Mann) ihn nichts an. Immerhin wollte er sie ja nicht mehr. Aber ihr Instinkt flüsterte ihr zu, dass es nicht ratsam war, ihn herauszufordern, wenn er sowieso gerade aussah, als wenn er kurz vor dem Sprung war. Und sie in seiner Falle saß. Natürlich hatte sie keine Angst vor seiner Physis, sondern vor den unbändigen Gefühlen, die er in ihr auslöste und mit denen sie sich nicht auseinandersetzen wollte.

Shauns Atem kam in kurzen Zügen, fächerte warm über ihre Wangen.

Erregung. Sie erkannte blitzartig, dass er eindeutig erregt war – genauso wie sie durch seine unmittelbare Nähe.

Der besitzergreifende, eifersüchtige Funke in seinen Augen ließ ihren Puls Amok laufen. Sie fühlte förmlich wie die Hitze, die sein trainierter Körper verströmte, auf sie übersprang. Sie kroch zielsicher hinunter in ihren Schoß und verursachte dort ein unerträgliches Kribbeln aus brennendem Verlangen und lustvoller Erwartung. Sie machte nicht nur ihre Knie weich, sondern machte sie … schamlos feucht. So nah wie sie sich standen, hatte sie keine Möglichkeit, seine Wirkung auf sie zu verstecken.

„Nein“, flüsterte sie daher ehrlich, atemlos.

Er drängte sich Millimeter um Millimeter näher, presste seine Lende vorsichtig gegen ihre, als wollte er das Wasser austesten. Oder sie wortlos um Erlaubnis fragen. Je mehr seine Härte gegen ihren Bauch pulsierte, desto weniger kam ihr in den Sinn, ihn abzuweisen. Was das anging, waren sie definitiv auf der gleichen Wellenlänge. Sie verlor schon wieder den Gesprächsfaden, weil sie schon wieder auf seine Lippen starrte und immer noch hineinbeißen wollte. Und sie wollte seine Haare zerzausen, während er ihre harten Nippel in den Mund nahm und saugte. Vielleicht zubiss. Sie wollte, dass seine langen Finger ihr Erleichterung verschafften.

„Und mit deinem Ex?“

Wieder schüttelte sie den Kopf. „Natürlich nicht.“

Er atmete erleichtert aus. „Gott sei Dank. Du gehörst immer noch mir.“

„Wie bitte?“ Fuck. Solche Aussagen sollten sie abschrecken und nicht noch mehr anheizen.

„Du gehörst immer noch zu mir“, korrigierte er sich schnell, was sie ein wenig beruhigte. „Und ich teile nicht.“ Er sah sie entschlossen an, als wäre damit für ihn alles geklärt.

„Wie bitte?“ Camelia konnte sich nur wiederholen, weil seine Ehrlichkeit sie geradezu sprachlos machte. Trotz flammte in ihr auf. „Ich denke, das hast du garantiert nicht zu entscheiden, mit wem ich ausgehe, wenn ich wieder ausgehe.“

„Du willst wieder mit jemandem ausgehen?“, fragte er entgeistert.

„Natürlich, was hast du denn erwartet? Dass ich dir mein Leben lang hinterher weine?“

„Camelia, ich habe dir gerade gesagt, dass ich nicht teile.“ Er knirschte mit den Zähnen. Seine Armmuskeln spannten sich an.

„Und was genau soll mir das sagen?“, entgegnete sie trotzig.

„Das soll dir sagen—“ Er räusperte sich, schloss die Augen und atmete tief durch. Dann sah er sie wieder eindringlich und vor allem entschlossen an. „Ich will dir damit sagen, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe. Ich will, dass wir beide miteinander ausgehen, offiziell. Ich will, dass wir beide es mit einer Beziehung versuchen.“

Kaum hatte sie sich mit dem Gedanken angefreundet, dass ihre Wege sich trennten, da warf er sie mit diesen unverblümten Worten wieder zurück in ein Gefühlschaos.

Sie blinkte ihn erstaunt an. Dann fand sie ihre Sprache wieder. „Und das hast du jetzt einfach so beschlossen und ich soll zustimmen und dir um den Hals fallen?“ Sie hatte Angst, ihm zu glauben.

Es war verlockend. Viel zu verlockend. Aber ihre Selbstachtung war ihr immer noch wichtig. Ohne sie war sie nichts.

„Das ist wirklich eine ausgezeichnete Idee, um unsere Versöhnung zu beschleunigen. Ich bin für alle Schandtaten bereit. Je schmutziger desto besser.“ Er schmunzelte, neckend, hoffnungsvoll. Entwaffnend.

Er und sein trockener Humor. Und seine Zweideutigkeiten. Sie schüttelte innerlich den Kopf über die Tatsache, dass er es schaffte, trotz der ernsten Lage sie zum Lachen zu bringen. Er war wirklich dreist ohne Ende. Und liebenswert. Und umwerfend. Und unwiderstehlich.

„Verdammt nochmal, Babe“, sagte er frustriert angesichts ihres Schweigens, dass er anscheinend als Widerstand interpretierte und nicht akzeptieren wollte. Sein Humor verschwand. „Ich weiß, dass du mich noch willst. Ich kann fühlen, dass du scharf auf mich bist. Hör bitte auf, mit mir zu spielen.“ Er presste seinen Schritt gegen ihren Unterleib, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Seine große Hand legte sich an ihren Hals, fühlte ihren jagenden Puls. „Bitte tu das nicht“, hauchte er flehend.

Sie zog scharf die Luft ein und protestierte gegen seinen ungerechtfertigten Vorwurf. „Ich spiel nicht—“

Er ließ sie allerdings nicht ausreden. Seine rechte Hand griff in ihr Haar, bog ihren Kopf zurück, während er mit seinen Lippen gleichzeitig ihren Mund versiegelte. Er verschluckte den überraschten Laut in ihrer Kehle, teilte ihre Lippen mit seiner Zunge und drang ein, tief. Ohne süßes Vorspiel verschlang er sie.

Dieser Kuss war stürmisch, heiß, hart und verlangte, dass sie sich seinem Mund hingab. Dass sie sich ihm hingab.

Er hielt sie fest und dirigierte ihren Kopf in einen Winkel, damit er besseren Zugang hatte. Dabei ruinierte er ihre Frisur und zog ihr Strähnen heraus.

Mit seiner freien linken Hand umfasste er ihr Hinterteil, packte fest zu. Dann schob er ungeduldig den Saum ihres Kleides hoch, fasste zwischen ihre Beine. Sie keuchte unwillkürlich auf, weil er mit dieser Berührung ihre eiserne Kontrolle zerschlug.

Mit den Fingerknöcheln rieb er entlang ihres feuchten Slips, entzündete ihre Lust in Sekundenschnelle. Er zog ihr die dünnen Spitzenwäsche herunter, dass sie zu ihren Fersen herabfiel. Sein Daumen presste sich zielsicher und sanft gegen ihre pulsierende Mitte, ließ ihren ganzen Körper nach ihm wortlos aufschreien. Ihr Verstand war durchtränkt vor Leidenschaft und es blieb nur der eine Gedanke: Ihn verzweifelt endlich wieder in sich zu spüren.

„Liebling, du hast mir so gefehlt“, hauchte er an ihrem Ohr, als er ihr eine kurze Atempause von dem stürmischen Kuss gab. Er biss in ihr Ohrläppchen, leckte mit seiner warmen Zunge entlang und entlockte ihr einen weiteren Laut, diesmal ein Stöhnen. Sie konnte es nicht unterdrücken, obwohl sie sich auf die Lippen biss bis sie Blut schmeckte.

Damit sprach er genau das aus, was auch sie empfand. Gott sei Dank war sie nicht allein in dieser Misere. Die Erleichterung über diese Erkenntnis war unermesslich. Dann verschlang er wieder rücksichtslos ihre kussgeschwollenen Lippen, als bekäme er nicht genug.

Diesmal erwiderte Camelia den Kuss, verzweifelt und ungeduldig nach seinem Geschmack. Sie hatte es satt, sich zurückzuhalten. Sich zu verleugnen. Sich selbst zu kontrollieren. Sich zweimal zu hinterfragen. Sie wollte ihn mehr als alles andere auf der Welt. Sie wollte, dass er sie füllte und den lustvollen Schmerz befriedigte, der zwischen ihren Beinen brannte.

Es war etwas, was sie zuvor noch nie gebraucht hatte, bevor sie ihm begegnet war. Etwas, was nur er ihr zu geben vermochte.

Sie würde morgen über die Konsequenzen nachdenken und sich verfluchen. Jetzt musste sie ihn erst einmal in sich spüren, weil sie ihn so schrecklich vermisst hatte.

Sie öffnete ungeduldig seinen schwarzen Ledergürtel und knöpfte seine Anzughose auf. Sie zog rasant den Reißverschluss mit einen lauten Zippen hinunter. Dann tastete sie sich mit beiden Händen vor und ohne Zögern unter seine schwarze Boxershorts. Er stöhnte erleichtert auf, als sie seine samtige heiße Härte umfasste. Er pulsierte gierig in ihren Händen, glücklich über ihre Berührung, ungeduldig für mehr Liebkosung.

Sie begann, ihn zwischen ihren Händen im gleichen Rhythmus zu reiben wie er sie mit seinen Fingern berührte und anspornte. Aus der Spitze seiner stolzen Krone entkamen Tropfen Flüssigkeit. Sie verrieb die Feuchtigkeit an ihn und leckte sich die Lippen, weil sie ihn zum einen schmecken und zum anderen ihn schnellstmöglich in sich spüren wollte.

Oh Gott, jetzt war sie ernsthaft verzweifelt danach, zu kommen. Es gab kein Zurück mehr. Ihr beider Vernunft hatte sich schon verabschiedet und machte impulsiven Gefühlen Platz, die lüstern nach Befriedigung strebten.

Shaun reagierte auf ihre händischen Liebkosungen mit einem lustvolles Knurren in der Kehle. Er küsste sie erneut – hart und biss ihr in die Unterlippe. Mit seiner groben Geste schürte er damit nur noch mehr ihr Verlangen. Wenn seine Finger noch weiter arbeiteten, würde sie endlich Erleichterung und Frieden finden.

Aber er gestattete ihr diese ersehnte Erleichterung nicht.

Stattdessen riss er seinen Mund von ihr los und drehte sie herum, sodass er hinter ihr stand. Er schob sie nach vorn, sodass sie sich vor der Kommode mit dem beleuchteten Spiegel wiederfanden. Geschwind schob er den Saum ihres Kleides hoch und aus dem Weg. Dabei half er ihr ein Bein aus ihrem Spitzenslip zu befreien.

Sie hatte keine Zeit, ihren Atem wiederzufinden. Er schob ihre Beine auseinander. Seine verheißungsvolle Härte presste sich zwischen den Spalt ihrer Schenkel und suchte sehnsüchtig ihren Eingang. Die Kraft, mit der er in sie eindrang, war so mitreißend, sodass sie beide aufstöhnten. Vor Lust oder Erleichterung, sie konnten es wahrscheinlich nicht auseinanderhalten. Sie war feucht und mehr als bereit für ihn. Es war für ihn einfach, vollkommen in ihrem heißen Schoß zu versinken, bis er mit seinen Leisten anstieß. Er fühlte sich perfekt an als würde er nach Hause kommen.

Seine Hände hielten ihre Hüfte so fest und nachdrücklich umklammert, dass sie wahrscheinlich am nächsten Tag noch Druckstellen davon sehen würde. Aber es kümmerte sie nicht im Geringsten. Sie konnte nur fühlen und ließ sich in ihm sinken, während er ihren Körper genoss.

Dann begann er sich ohne Vorspiel zu bewegen. Er nahm sie mit kraftvollen tiefen Stößen, als fühlte er genau, was sie brauchte und wie sie es von ihm brauchte. Ihr Atem kam in in kurzen abgehackten Zügen, ihr Herz überschlug sich. Die sexuelle Reibung war noch intensiver und hitziger als jemals zuvor. Er brachte sie förmlich um ihren Verstand vor Verlangen. Ihr ganzer Körper stand in Flammen, wollte von ihm berührt und benutzt werden. Ohne Rücksicht auf Verluste.

„Shaun“, flehte sie, ohne zu wissen, um was.

Sie verlor sich in ihrer Leidenschaft und in ihm. Sie unterwarf sich einfach ihrer unkontrollierten Lust, die er erbarmungslos von ihr einforderte. Sie stieß instinktiv mit ihrem Schoß zurück, um ihn verzweifelt noch mehr zu spüren. Er war noch nicht tief genug in ihr drin. Sie erkannte sich selbst nicht wieder. So schamlos. So gierig. Aber es fühlte sich so unglaublich gut an.

„Vorbeugen, Hände auf den Tisch“, raunte er in ihr Ohr, ohne aus dem Takt zu kommen. „Ich brauche dich tiefer.“ Als würde er ihre Gedanken lesen und sie erwidern.

Sie folgte seinem heiserem Befehl, legte ihre Hände auf den Tisch, beugte ihren Oberkörper nach vorne. Sie stöhnte ungeniert auf, als sich der Winkel veränderte und sie ihn noch ein paar Millimeter mehr in sich spürte. So hätte sie ihn ewig in sich behalten und verharren können.

Er schmiegte sich an sie, sodass sein Körper von den Oberschenkeln bis zur Brust parallel an ihr lag. Seine linke Hand kehrte zurück zwischen ihre Beine, legte sich auf ihre pochenden intimen Venuslippen. Er zupfte und spielte mit ihnen wie auf einer Gitarre, im Rhythmus seiner Bewegung. Seine rechte Hand umfasste ihren Hals, seine Lippen waren gegen ihre Wange gepresst. Sein heißer Atem liebkoste sie. Er versuchte sie zu küssen, aber sie konnte sich nicht darauf konzentrieren, weil seine tiefen Stöße sie nur unkontrolliert reagieren ließen. Sie erzwangen sogar ungewollte Laute aus ihrem Mund, weil kein zusammenhängender Gedanke oder gar ausgesprochene Worte möglich waren.

Er hielt sie vollkommen bewegungslos fest. Er nahm sie mit einer Leidenschaft in Besitz, die ihre Seele erneut brandmarkte, während er sie vögelte, als wollte er ihr etwas beweisen. Dass sie nur zu ihm gehörte. Dass nur er sie in diesen wahnsinnigen Zustand versetzen konnte. Sie konnte sich nicht von dem Anblick von ihnen beiden im Spiegel losreißen. Er war atemberaubend in seiner dominanten Lust.

Er starrte mit dunklen Augen zurück, besitzergreifend, intensiv und voller Begehren, dass nur auf sie gerichtet war.

Sein Gesichtsausdruck war konzentriert und wirkte im Spiegel, als hätte er sich unter Kontrolle. Aber sie konnte ihn mittlerweile auch besser lesen. Sie spürte seinen sich überschlagenden Herzschlag an ihrem Rücken. Sie erkannte den verzweifelten und besorgten Zug um seinen Mund. Sie bemerkte seinen nahezu verbissenen, aber flehenden Blick.

Er war mehr als nur aufgepeitscht und getrieben. Er benahm sich, als hätte er etwas zu verlieren, wenn er sich ihr jetzt nicht vollkommen hingab und ihr zeigte, wie sehr sie einander brauchten. Und dieser Gedanke steigerte ihre Lust für ihn auf unerklärlicherweise Weise noch mehr. Es war unerträglich. Sie glaubte, dass jede Zelle in ihrem Körper kurz vor der Explosion stand. Er war nicht nur in ihr, sondern ging ihr unter die Haut. Sie konnte ihn überall spüren.

Sie hatte keine Chance zu entkommen und war ihm völlig ausgeliefert. Gott erbarme, aber sie wollte auch nicht weg. Es fühlte genau richtig an, dort wo sie waren.

Seine harte Spitze rieb über eine Stelle in ihrem Inneren, die sie regelrecht in Ekstase versetzte. Er konzentrierte sich immer und immer wieder darauf. Mittlerweile konnte er ihre Reaktionen lesen und spürte genau, was sie wild machte. Ihre inneren Muskeln umklammerte ihn felsenfest und ließen ihn genauso zügellos werden.

Ihr Orgasmus krachte ungebremst in sie. Sie zuckte aufbäumend auf und unterdrückte einen wortlosen Aufschrei. Wenn er ihr keinen Halt gegeben hätte, wäre sie einfach in tausend Stücke zerfallen.

Während sie auf ihrem Höhenflug war, spürte sie, wie er ebenfalls seine Kontrolle verlor. Seine Stöße wurden rauer, kürzer, härter. Ein kehliges Grollen füllte ihre Ohren und wahrscheinlich den ganzen Raum, als er auch seine Erlösung fand.

Als es vorbei war, schnappten sie beide hechelnd nach Atem. Als wären sie in die Tiefen ihrer Leidenschaft untergetaucht, hätten die Luft angehalten und wären jetzt wieder zur Oberfläche gekommen. Wenn sie daran dachte, dass er sie vollkommen vergessen ließ, wo sie sich gerade befanden, dann war der Vergleich sehr akkurat. Sie waren kurzzeitig so ineinander versunken gewesen, dass sie sich erst in der Gegenwart wiederfinden mussten.

Plötzlich versteifte sich Shauns Körper. Er stieß einen gedämpften Fluch aus, der sie aber aufschreckte. „Fuck. Ich habe keinen Schutz verwendet.“

Panik hämmerte gegen ihre Brust, dann fiel ihr ein, dass sie ja selbst Verhütungsmittel einnahm.

„Shaun, es ist alles in Ordnung“, beruhigte sie ihn schnell und mit fester Stimme. „Ich verhüte. Ich habe mir ein Rezept verschreiben lassen, bevor wir–“ Sie wollte sagen, bevor sie sich getrennt hatten, aber da sie ja nie zusammen gewesen waren, war es keine Trennung gewesen. Keine im traditionellen Sinne. Sie räusperte sich. „bevor wir uns zuletzt bei deinem Training gesehen haben“, beendete sie daher den Satz.

Da sie den Zyklus begonnen hatte und das Rezept nicht umsonst sein sollte, hatte sie es nicht wieder abgesetzt, auch wenn sie und Shaun sich nicht mehr gesehen hatten.

Er atmete erleichtert auf und bedeckte ihren Hals mit Küssen. Er war immer noch in ihr und drückte sie fest an sich, sodass sein großer Körper sie nahezu komplett umfing wie eine warme Decke. „Ich will nur auf keinen Fall, dass du dich mit mir nicht sicher fühlst. Ich habe kürzlich den ganzen Gesundheitscheck gemacht, den June verlangt hat. Ich wurde auf Herz und Nieren und sonst noch alles mögliche geprüft. Sie haben sogar einen Bluttest auf Rauschmittel gemacht. June ist ganz schön paranoid, aber jetzt weiß ich sicher, dass ich völlig sauber bin.“

Sie lächelte schwach und genoss seine Liebkosungen. Es war ein süßer Widerspruch zu dem rauen Sex, den sie eben gehabt hatten. Ein aufmerksamer Shaun war liebenswert. Ein sanfter Shaun war zum Dahinschmelzen. Ein dominanter Shaun im Schlafzimmer war einfach nur atemberaubend. Aber auch diese Art von Sex war mit ihm aufregend und befriedigend. Sie hatte jede Minute davon genossen. Mehr als sie sich jemals zugetraut hätte.

„Ich habe den gleichen Gesundheitscheck durchgemacht und bei mir ist auch alles in Ordnung.“

Zu ihrem Bedauern glitt er aus ihr heraus und packte sich ohne großes Aufheben wieder ein. dann drehte er sie sanft zu sich herum. Er hielt sie zum Glück noch fest, denn ihre Knie waren weich. Sein Gesichtsausdruck war besorgt. „Soll das heißen, du hattest geplant, über mich hinwegzukommen und dich auf jemand anderen einzulassen?“

Er lag mit seiner Vermutung völlig falsch, aber sie wollte sich die Blöße nicht geben, indem sie etwas anderes zugab.

Sie wich seiner Frage aus. „Ich war nach dir noch mit keinem anderen zusammen.“ Aber vielleicht wäre es irgendwann doch unweigerlich dazu gekommen. Sie hatte nicht geplant, einsam und allein vor sich hinzuleben.

„Ich war nach dir auch mit keiner anderen zusammen. Gott sei Dank bin ich zur Vernunft gekommen“, sagte er scherzhaft, aber mit einem ernsthaften Unterton.

Sie halfen sich gegenseitig, sich mit Papiertüchern sauber zu machen, die sie im Raum fanden. Ihre Kleidung brachten sie so gut es ging wieder in Ordnung.

Es war irgendwie bezeichnend, dass er vor ihr auf die Knie fiel und ihr half, wieder in ihren Slip zu schlüpfen. Dabei streichelte er zärtlich ihre Innenschenkel. Sie zog scharf die Luft ein, weil sie von ihm aufgerieben und empfindlich war. Und ihr Stand war auch noch wackelig.

Er runzelte die Stirn, dann begriff er, was mit ihr los war. „War ich zu rau? Sorry, Baby, ich habe keine Rücksicht genommen. Ich hab dich so vermisst, es sind 23 Tage her und ich—“ Er unterbrach sich verlegen, streichelte nervös über ihre Haut als konnte er trotzdem nicht aufhören, sie zu berühren.

Er hatte die Tage mitgezählt? Sie musste schmunzeln.

„Nein, das hat mich nicht gestört, im Gegenteil.“ Sie trat verlegen einen Schritt zurück.

Er grinste. Mit beiden Händen umfing er ihre Hüfte und hielt sie zurück, damit sie nicht auf Abstand gehen konnte.

„Camelia, nicht wegrennen.“

Sein Blick wurde wieder ernst. Stattdessen sah er sie bittend an und auch ein wenig nervös. „Unser letztes Wiedersehen – es tut mir furchtbar Leid, wie es gelaufen ist. Es gibt keine Entschuldigung und keine Worte, wie dreckig es mir ging. Und wie sehr ich unser letztes Gespräch bereut habe. Ich dachte, es wäre ohne mich besser für dich. Aber jetzt ist mir klar geworden, dass ich mit dir besser dran bin. Ich wollte dich beschützten, aber eigentlich habe ich nur mich selbst geschützt und uns beiden weh getan. Im Endeffekt habe ich nur an mich gedacht.“

„Du hast mir etwas verheimlich“, zog sie den Schluss. Es war mehr eine Vermutung als eine Frage. Trotzdem warfen seine Worte sehr viele Fragen auf.

Er seufzte, aber nickte bestätigend. „Ich werde dir alles erklären, sobald ich den Auftritt hinter mir habe und wir mehr Zeit füreinander haben, okay?“

Er zog sie fest an sich und legte seine Wange an ihren Bauch. Dann sah er zu ihr hoch. „Bitte nimm mich zurück. Ich brauche dich.“

Das sagte er ausgerechnet, während er förmlich vor ihr auf seinen Knien rutschte. Und sein Gesicht sah sie dabei inständig und aufrichtig an. Da war aber auch ein Schimmer von Selbstzweifel, als hätte er Angst vor ihrer Reaktion. Tränen sammelten sich in ihren Augen. Sie blinzelte sie rasch weg.

Wie konnte sie diesem Mann noch widerstehen? Dennoch hatte er ihr sehr weh getan und die Erinnerung daran schmerzte immer noch.

Aber konnte sie ihm wirklich wieder vertrauen?

Vertraute er ihr?

Hatte er überhaupt tiefere Gefühle als Lust auf Sex, die sie es brauchte, damit es mit ihnen beiden funktionierte?

3. Kapitel - #confessions

Sie musste es wissen, sonst war das Ganze aussichtslos.

„Brauchst du wirklich mich oder braucht mich deine Musik, damit du schreiben kannst?“ Ihre Augen füllten sich ungewollt mit Tränen. Sie war unsicher, wie seine Antwort darauf lauten würde. Aber es war ihr lieber, jetzt und hier eine klare Position zu beziehen, um sich sich nicht selbst mit unsicheren Gefühlen zu quälen. Lieber ein Ende mit Schmerzen als Schmerzen ohne Ende.

Shaun starrte sie schweigend an. Er schien nicht sofort zu wissen, was er darauf sagen sollte. War das ein gutes oder schlechtes Zeichen?

Sie schreckten beide auf, als der silberne Türgriff sich bewegte und nach unten gedrückt wurde.

„Hey, wieso ist die Tür abgesperrt?“, fragte eine raue voluminöse Männerstimme in einem deutlich britischen Akzent. Sie hörte sich unmissverständlich nach Liam an. Der Türgriff ratterte heftiger beim abermaligen Versuch, sie zu öffnen. Andere Stimmen ertönten, dann klopfte es.

„Hallo? Ist jemand da drin?“ Das war Casey.

Camelia rannte in Windeseile zum Fenster und riss es auf. Der Raum duftete wahrscheinlich immer noch verräterisch nach Sex und Schweiß. Nicht dass sie sich dafür schämte, dass Shaun sie gerade um den Verstand gevögelt hatte, aber es war etwas anderes, dabei erwischt zu werden und ihren Freunden Bilder in den Kopf zu setzen.

Shaun erhob sich auf seine Füße und ging zur Tür. Er entsperrte sie und machte sie nur einen Spaltbreit auf.

Im Gang standen nicht nur Liam, Casey, Reyna und Jade, sondern auch noch seine gesamte Familie: Alejandro, Karyn und Alessandra.

„Was wollt ihr?“, platzte es aus ihm heraus. Sein Tonfall war hörbar genervt von der Unterbrechung.

Alle blickten ihn verdutzt an.

Camelia trat von hinten an ihn heran und ergriff seinen Unterarm. Dieser war unter ihren Fingern angespannt, dass seine Muskeln sich abzeichneten. Sie drückte seinen Arm und zog seine Aufmerksamkeit auf sich, um ihm wortlos zu signalisieren, dass sein Tonfall schroff war.

Shaun tauschte mit ihr einen Blick. Dann räusperte er sich, als hätte er seinen Fehler erkannt und fuhr sich nervös durch die gelockten, leicht feuchten Haare.

Jade fixierte ihn mit einem provozierenden Blick. „Was meinst du damit, was wir hier wollen?“, fragte sie. „An der Tür steht Stay Juned Records und das letzte Mal, wo ich hier war um unsere Ausrüstung abzustellen, gehörten wir dazu. Das hier ist ein Raum für das ganze Team, wobei wir Senior Songwriter übrigens Vorrechte haben im Gegensatz zu dir.“ Etwas Schalkhaftes glitzerte ihn ihren grünen Augen, aber wenn sie ihn mit ihren Worten reizte.

Camelia warf ihr einen warnenden Blick zu, damit Jade sich einen zweideutigen Kommentar verkniff, der ihr wahrscheinlich auf der Zunge lag. Dieser emotional aufgeladene Moment war gerade vermutlich nicht der richtige, um Shaun aufzuziehen.

Shaun holte tief Luft, dann machte er die Tür weit auf.

„Kommt herein.“

Er ignorierte die Fragen auf ihren Gesichtern, als wäre es überhaupt nicht fragwürdig, dass die Tür abgesperrt war, während Camelia und er sich drinnen aufgehalten hatten.

Camelia erahnte bereits Liams wissendes Grinsen, bevor sie überhaupt sein attraktives Gesicht sah. Ihr Cousin hatte natürlich weniger Skrupel, die Situation zu kommentieren: „Du hast da noch Lippenstift dran, Kumpel.“ Er tippe zur Veranschaulichung auf seinen eigenen rechten Mundwinkel.

Shaun wischte sich automatisch mit dem rechten Handrücken über den Mund, ohne eine Miene zu verziehen. Viel eher begegnete er jedem einzelnen von ihnen mit einem selbstbewussten Ausdruck.

Liam sah sie beide mit einem so breiten Grinsen an, sodass seine Grübchen deutlich hervortraten. Dreckiger Humor spiegelte sich in seinen dunklen Augen, die ihren eigenen dank ihrer gemeinsamen Wurzeln ähnlich waren. „Schön, dass ihr beide euch wieder vereint— ehem, ihr wiedervereint seid“, konnte Liam sich die Bemerkung nicht verkneifen.

Camelia fühlte, wie ihr Gesicht rot anlief. Shauns Mundwinkel zuckten verräterisch.

„Was ist mit deinen Haaren passiert?!“, meldete sich Reyna zu Wort und starrte Shaun entgeistert an. Dann richtete sich ihr Blick sich auf Camelia. „Und meine schöne Zopffrisur, was um Himmelswillen habt ihr gemacht?“

„Wir … uhm—“ Camelia war so verlegen, ihr fiel keine Ausrede ein außer der Wahrheit. Ihr war bis jetzt gar nicht aufgefallen, wie zerfleddert sie aussah, bis sie einen Blick in den Spiegel neben sich warf.

Oh Gott. Sie hatte nicht nur, ihr Anblick verriet praktisch „gerade wilden Sex gehabt“. Sogar ihre Korsage war sichtbar verrutscht, denn ihr Ausschnitt war nicht mehr mittig positioniert. Wunderbar.

Jade betrachtete sie mit einem schelmischen, aber stolzen Ausdruck, was sie ein wenig beruhigte. Shaun hatte wirklich etwas an sich, das sie zügellos werden ließ und ihre Vernunft dabei entgleiten ließ. Sie erkannte sich kaum wieder, wenn sie mit ihm zusammen war. Und trotzdem empfand sie nichts davon als falsch, was er mit ihr anstellte. Im Gegenteil, sie ließ sich nur allzu gern von ihm mitreißen und dabei alle Hemmungen fallen.

„Wir kriegen das wieder hin“, sagte Casey zu ihrer Rettung. Sie kam breit grinsend herein, hob ihren Schminkkoffer auf und stellte ihn auf den Spiegeltisch ab, um ihn aufzuklappen. „Setzt euch auf die Stühle, ihr beiden.“