Wandern mit Aiyuki - Bea Jaksarn - E-Book

Wandern mit Aiyuki E-Book

Bea Jaksarn

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Beschreibung

Roadtrip 2018 1. Station: Bad Schandau, Sächsische Schweiz, 246 km Am Freitag, den 13. Juli waren mein Koffer, Rucksack, Zeichenkoffer, Yukis Futterkiste und Reisetasche gepackt. Das kleine Batmobil wurde beladen, damit die Abfahrt am Samstag ohne Verzögerung um 10 Uhr losging. Samstagmorgen verabschiedeten Yuki und ich uns von Herrchen (der Mittags zur Arbeit musste) und den Katzinatoren (alle standen am Zaun und guckten beim Beladen zu – zwischendurch saßen auch zwei von ihnen im Auto), und wir schwangen uns auf die Autobahn Richtung Sächsische Schweiz, zum Kurort Bad Schandau an der beschaulichen Elbe. Die 246 km schafften wir in einer gUten Fahrtzeit von 3 Stunden und wir kamen ohne Stau am Apartmenthaus Saxonia direkt neben dem Kurpark an.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Inhaltsverzeichnis

Wandern mit Aiyuki

Wandern mit Aiyuki

BEA JAKSARN

Impressum

Copyright © 2023 Bea Jaksarn

Am Rangen 2, 95356 Grafengehaig

Alle Rechte vorbehalten.

WIDMUNG

Für Oma

und zur Erinnerung an

Stefan † 20.03.2022 und

Reinhold † 10.01.2023

Roadtrip

2018

1. Station: Bad Schandau, Sächsische Schweiz, 246 km

Am Freitag, den 13. Juli waren mein Koffer, Rucksack, Zeichenkoffer, Yukis Futterkiste und Reisetasche gepackt. Das kleine Batmobil wurde beladen, damit die Abfahrt am Samstag ohne Verzögerung um 10 Uhr losging.

Samstagmorgen verabschiedeten Yuki und ich uns von Herrchen (der Mittags zur Arbeit musste) und den Katzinatoren (alle standen am Zaun und guckten beim Beladen zu – zwischendurch saßen auch zwei von ihnen im Auto), und wir schwangen uns auf die Autobahn Richtung Sächsische Schweiz, zum Kurort Bad Schandau an der beschaulichen Elbe.

Die 246 km schafften wir in einer gUten Fahrtzeit von 3 Stunden und wir kamen ohne Stau am Apartmenthaus Saxonia direkt neben dem Kurpark an.

In Bad Schandau war einiges los, sowohl Kurgäste als auch Tagesgäste tummelten sich in der Stadt und auf dem Elberadweg und der Promenade. Es war warm, aber durch den Wind war es für Yuki erträglich, dass wir ebenso an der Elbe entlang spazierten.

Obwohl ich dort inzwischen schon viermal war, gefällt es mir immer wieder. Bad Schandau und die Schrammsteinbaude sind idyllisch und friedlich.

Der Fuchsbär fiel durch sein Aussehen auf wie ein bunter (roter) Hund. Damit hatte ich nicht gerechnet, da wir das erste Mal auf einer Reise sind. Immer wenn wir an Menschen vorbeigingen, hörte ich entzückte Ausrufe, Verwunderung oder einfach nur „Ist das ein Hund oder ein Kuschelbär?“

(Sehr) Viele wollten ihn streicheln, Fotos machen oder einfach wissen, was er für eine Rasse ist, woher er kommt. Sie waren ganz aus dem Häuschen.

Ich hätte mich hinsetzen und einen Hut aufstellen sollen, um für jedes Foto oder jede Frage einen Euro kassieren zu können – so hätten wir unser Essen während der Reise finanzieren können.

Gutmütig wie Yuki war, war er immer höflich und brav und hat niemanden angeknurrt, obwohl er es nicht mag, wenn man ihm zu nahe kommt. Wahrscheinlich war er aber auch einfach nach der langen Fahrt hundemüde und konnte sich nicht wehren. Ich ließ aber auch selten zu, dass er angefasst wird, sondern nur angucken.

Zum Wandern war es uns viel zu warm, daher verbrachten wir den Nachmittag an der Elbe. Dort lernte er zum ersten Mal einen Fluss kennen und ging ganz vorsichtig ins Wasser, um sich die Pfoten zu kühlen. Er setzte sich sogar rein, weil es ihm anscheinend so gut gefallen hat, während ich mit den Füßen planschte.

Den Abend verbrachten wir in unserem kleinen, aber feinen Ferienzimmer mit Capirinha aus der Flasche und selbstgemachter Brotzeit. Wir vermissten Herrchen und die Katzinatoren daheim sehr und wünschten uns, dass er bei uns war, um mit uns die neuen Eindrücke zu erleben. Es war das allererste Mal, dass wir ohne ihn auf einer Reise waren. Sein anstrengender Job als Koch erlaubt es ihm nie, im Sommer irgendwohin zu fahren.

Ich hatte dafür Mal- und SchreibUtensilien eingepackt, um die Ruhe für das Zeichnen und Schreiben zu nutzen.

Das Ferienzimmer stellte Kaffee, Geschirr und sogar einen kleinen Kühlschrank bereit, sodass wir uns selbst versorgen konnten. Der Kühlschrank war nötig, da Yuki Futter für eine Woche dabei hatte. Er hatte allerdings die ersten drei Tage wenig Appetit, weil es ihm wahrscheinlich zu warm war und weil alles für ihn aufregend war.

Sonntagmorgen ging es früh eine Runde in den Kurpark. Dort gab es für Yuki viel zu schnuppern, weil andere Hunde vor ihm unterwegs waren. Einige andere Hunde und ihre Halter waren auch sehr neugierig auf ihn. Wir fühlten uns ständig beobachtet. So viel Aufmerksamkeit habe ich in meinem Leben noch nie erlebt und auch noch nie so viel Freundlichkeit.

2. Station: Villa Sorgenfrei, Radebeul 65 km

Ab Mittag fuhren wir weiter zu unserer nächsten Station unserer Reise: Zur Villa Sorgenfrei in Radebeul.

Zu meiner Überraschung kamen wir von der Autobahn an dem Friedhof vorbei, wo Mutti ruht, und dann konnten wir links abbiegen und direkt 3 km geradeaus nach Radebeul fahren.

Für die 65 km benötigten wir fast 1,5 Stunden, weil wir um Stadt Dresden herum nur langsam vorankamen.

Schließlich kamen wir wohlbehalten, aber verschwitzt in der Villa an, die in einem ganz ruhigen Villenviertel von Radebeul liegt.

Die Villa ist renoviert und zu einem Hotel umfunktioniert worden. Sie hatte einen tollen Garten, sodass wir den Nachmittag dort auf unserer Picknickdecke verbrachten und nur lasen und dösten. Da nicht so viele Touristen vorbeispazierten, hatte auch Yuki einmal Ruhe vor den Kameras und verschlief den nachmittag mit seinem Kuschelschaf. Dort stellte ich einen Hut auf, aber wie gesagt, es kamen zu wenige Passanten vorbei, um uns etwas einzuwerfen.

Das Hotelpersonal war sehr zuvorkommend. Sie brachten Yuki sogar einen Napf mit Wasser in den Garten, ohne dass ich darum gebeten habe (ich habe selbst alles für ihn dabei) – kostenfrei!

Für den Abend hatte ich mir ein 4-Gänge-Menü von einem Sternekoch im Atelierrestaurant der Villa gebucht.

Es war einmal eine tolle neue Erfahrung, so fein und künstlerisch angerichtete Speisen zu probieren. Zusammen mit einer Weinbegleitung wurden man sogar satt. Wir waren nicht die einzigen Gäste, aber wir bekamen definitiv die größte Aufmerksamkeit. Da es Abends endlich kühler wurde, ging es Yuki auch besser. Er war mit seinem Wassernapf und seinen Leckerli ganz zufrieden und beobachtete den Garten.

Als hin und wieder ein Fremder aus dem Schatten auftauchte, fühlte er sich dafür verantwortlich, uns alle mit laUtem Bellen zu warnen. Es erforderte wiederholte Übung und gUtes Zureden, bis er sich beruhigte, weil er die Gesichter der Fremden nie sehen konnte und nicht wusste, ob diese eine Gefahr waren oder nicht.

Ich habe den anderen Gästen erklärt, dass er noch jung war und lernen musste, Gefahr von Nichtgefahr zu unterscheiden, daher zeigten sie Verständnis. Im Gegenteil, sie fühlten sich mit ihm sogar sicherer.

3. Station: Kasnevitz, Putbus, Rügen

Am Montag packten wir wieder unsere Taschen und es ging auf die lange Reise von 483 km zu unserem Ferienzimmer in Kasnevitz bei Putbus auf Rügen.

Nach knapp 6 Stunden Fahrt mit Pausen kamen wir dort ebenso wohlbehalten an.

Die Reise war teilweise spannend, denn zuerst fuhren wir auf der A13 über die A10 und A11 an dem verkehrsreichen Berlin vorbei.

Bei Prenzlau wechselten wir auf die A20 und von dort ging es einfach nur geradeaus durch das Nirgendwo bis nach Stralsund. Ich habe noch nie so wenige Ausfahrtschilder an einer Autobahn gesehen wie an der A20!

Zwischendurch musste ich rausfahren und tanken. Als wir über die huppeligen Dorfstraßen fuhren und an den zerrütteten Häusern vorbeifuhren, kamen wir uns tatsächlich ein wenig vor, wie im Wilden Osten. Es erinnerte mich sehr an Nordthailand und hat mir sehr gut gefallen. Wir dachten, dass das auch Herrchen gefallen hätte.

Aiyuki war die ganze Fahrt über ein wunderbarer braver Begleiter. Er hat sich nur ab und zu hinten umgesetzt und ansonsten die ganze Fahrt über gedöst, ohne sich zu beschweren. Auf der Rückbank hatte er sein Kuschelschaf dabei, etwas zum Kauen und ansonsten die Aussicht aus dem Fenster. Wenn er seinen großen Kopf hob, um nach hinten rauszusehen, haben die LeUte im Auto hinter uns gleich gelacht, wo sie vorher nur ernste Gesichter gezogen haben.

Gegen 15 Uhr erreichten wir unser Ferienzimmer und es war ein absolUter Glücksgriff!

Es war so gemütlich im nautischen Stil eingerichtet, dass wir gar nicht mehr wegwollten. Die liebe und nette Vermieterin hatte alles piccobello vorbereitet und uns sogar Obst und Saft bereitgestellt.

Nach der langen Reise war es eine Wohltat anzukommen und erstmal im Zimmer zu schlafen.

Putbus, 6 km

Abends erkundeten wir die Kleinstadt Putbus auf der Suche nach etwas zu essen. Diesmal war ich vorbereitet: Yuki und ich fielen an der Promenade wieder enorm auf.

Die LeUten waren entzückt von seinem Aussehen, seiner stolzen Haltung und seinem Gesicht und wie er neben mir her „stolzierte“. Uns begleiteten Kommentare „schöner Hund, bezaubernder Hund“ entlang des Weges.

Andere überlegten laut, ob wir aus Asien so weit angereist waren, um hier Urlaub zu machen, weil ich einen typischen weißen Touristensonnenhut trug.

Einige sprachen mich auf Englisch an, um zu fragen, was für einer Rasse er angehört, weil sie so einen wie Yuki noch nie gesehen haben. Huskys waren im Osten bekannt, aber wenige kannten einen japanischen Akita.

Ich glaub, kein anderer Hund hat dermaßen positive Aufmerksamkeit erregt wie Yuki an dem Tag, obwohl es viele Hunde dort gab. Er ist auch immer brav an meiner Seite gegangen und hat sich neugierig umgesehen, ohne auf eigene Faust losziehen zu wollen.

Neuendorf, Putbus – Naturstrand

Am Dienstag ließ die Sonne nach und der Himmel war bewölkt. Dennoch war es schwül und warm genug, dass wir beschlossen, zum nah gelegenen Naturstrand in Neuendorf zu fahren, um zu Baden. Da Yuki noch nicht ausgewachsen war, kam langes Wandern noch nicht in Frage und bei dem Wetter wäre es für ihn sowieso eine Qual gewesen.

Ich konnte in der Nähe des Strandes das Auto abstellen und bepackt mit Rucksack und Strandzelt kletterten wir einen kurzen Stück Weg zum Strand hinunter.

Die Badestelle war perfekt, idyllisch und der Grund sehr flach, sodass das Wasser durch die Sonne auf mind. 23° aufgeheizt war. Unsere Vermieterin hatte uns diesen einsamen Strand als Tipp gegeben.

Vor uns war bereits eine andere Familie mit zwei Kindern und ihrem großen Golden Retrieverhund da. Dieser Hund war völlig aus dem Häuschen, baden zu dürfen und hat sich gar nicht mehr beruhigen können, weil er so eine Freude daran hatte.

Ich machte Yuki an seiner langen Schleppleine fest, sodass er im 5 m Radius erkunden konnte. Dafür hatte ich extra einen Stahlpfosten mit Ring für den Boden besorgt.

Er tastete sich auf allen Vieren in das flache Gewässer vor, als hätte er Angst, jeden Moment weggeschwemmt zu werden. Schließlich stand ich ihm bei und ging mit ihm mit ins Wasser.

Dort stand er erst einmal minUtenlang da und starrte in die Ferne. Der andere Hund hingegen sprang immer noch herum wie ein Känguru und machte dementsprechende Geräusche.

Yuki sah zu ihm rüber und schien sich zu fragen, was man dem Artgenossen wohl ins Futter getan hatte.

Dann entdeckte er ein paar große Komorane in der Entfernung, die für ihn plötzlich ganz interessant waren – mögliche BeUte?

Allerdings schätzte er wohl den Abstand ab und sie waren ihm zu weit weg und die Gefahr komplett nass zu werden war dabei auch sehr hoch. Also blieb er dort stehen, wo er war und achtete peinlich genau darauf, nicht am Bauchfell nass zu werden.

Ich habe Herrchen davon ein Video geschickt, um seine erste Erfahrung mit der See mit ihm zu teilen. Er dachte, wenn sich das Wasser nicht bewegt hätte, hätte es ausgesehen wie ein Foto, so regungslos stand Yuki da wie eine Statue. Er schrieb zwinkernd zurück, dass unser Fuchsbär vor laUter Freude ja „außer Rand und Band“ wäre.

Dort verbrachten wir den ganzen Tag in unserem mitgebrachten Strandzelt und planschten, dösten, genossen die Aussicht auf die Ostsee oder beobachteten die Komorane. Das flache Wasser war lauwarm und ganz angenehm.

4. Station: Klein Zicker, Thiessow, Süd-Rügen

Am Mittwoch ging unsere Reise weiter in den Süden von Rügen, nach Klein Zicker und Thiessow.

Wir waren früh auf der Halbinsel Klein Zicker, daher war dort noch wenig los. Wir wanderten auf einem 3 km langen Wanderweg hoch zum Aussichtspunkt, der scherzhafterweise die Zickerische Alpen genannt wird.

Der Wind war zum ersten Mal richtig heftig und ich war froh, dass ich mir wetterfeste Kleidung mitgebracht habe. Für den Fuchsbär war die kühle Brise eine Wohltat, nachdem er bisher nur geschwitzt hat. Dort hatte er Spaß, die Seevögel zu beobachten, Spuren nachzugehen und an der Küste zu schnuppern.

Einmal wurde er übermütig und ist über den Küstenrand hinuntergesprungen und hätte mich beinahe ins Meer gezogen. Aber durch pures Glück konnte ich ihn halten und er kämpfte sich durch den abschüssigen Sand wieder hoch. Danach hatte er erst einmal keine Lust mehr auf, allein loszuziehen.

5. Station: Thiessow, Göhren, Baabe, Sellin, Binz, Sagard, Lohme

Nach der Wanderung fuhren wir an der Küste entlang durch die Bäder Thiessow, Göhren, Baabe, Sellin, Binz, Sagard bis zu unserer nächsten Ferienwohnung bei Lohme.

Eigentlich wollten wir zwischendurch anhalten und uns die Städte ansehen, aber es waren sehr viele Autos unterwegs, dass wir nur langsam vorankamen.

Es waren so viele Menschen in den Städten, dass die Parkplätze alle „besetzt“ anzeigten und es war auch uns einfach zu stressig immer wieder auszusteigen, um kurz rumzulaufen und wieder einzusteigen.

Also fuhren wir lieber so schnell es ging durch die Städte, wobei wir in Binz am längsten im Stau standen.

In unserem abgelegenen Feriendomizil angekommen, war die Ferienwohnung verglichen mit unserer ersten alles andere als gemütlich, sondern nur zweckmäßig eingerichtet. Dafür hatte man dort wirklich seine Ruhe und der Steinstrand war nur 500 m entfernt. Von dort aus konnte man schöne Wanderungen nach Lohme und Umgebung machen. Allerdings war es zum Baden zu windig, die Wellen waren hoch und stark und das Wasser war voller Algen, dass es auch nicht so sauber schien.

Das nächste Mal werden wir durchgehend in Putbus übernachten und von dort aus Ausflüge unternehmen. Eine gemütliche Unterkunft macht den Aufenthalt um einiges schöner, wenn man müde vom Wandern ist.

Dennoch kamen Yuki und ich dort die drei Nächste zurecht und verbrachten die Zeit viel draußen und machten Ausflüge nach Kap Arkona und Lohme.

Zu den Kreidefelsen und dem berühmten Königsstuhl sind wir nicht gekommen, weil der Wanderweg für Yuki mit 10-12 km zu weit war und mit dem Auto konnte man im Nationalpark nur bis zum Parkplatz fahren. Von dort aus musste man noch 16 km bis zu den Kreidefelsen wandern, was ihm zu weit gewesen wäre.

Kap Arkona, Putgarten

Wir fuhren von Lohme aus 30 km Richtung Norden, zum Kap Arkona mit dem berühmten Aussichtssturm. Dort hat Yuki die Wanderung von 5 km rund um Kap Arkona wunderbar bewältigt. Das ist bisher die längste Strecke, die er gelaufen ist.

Auch dort fielen wir wieder auf. Die LeUte hatten scheinbar bisher wirklich noch nie einen so großen roten Fuchsbär gesehen.

Es waren viele andere Hunde mit ihren Besitzern unterwegs, aber keiner zog so die Blicke auf sich wie Yuki. Er hatte sich mittlerweile an die Aufmerksamkeit gewöhnt und begegnete jedem mit einer ruhigen Art.

Lohme

An unserem vorletzten Tag erkundeten wir das Fischerörtchen Lohme, wo es überraschenderweise viele Hotels und Pensionen gab, die alle ausgebucht waren. Wir wanderten im Wald umher, chillten am Steinstrand und aßen einige Matjes-Sandwiches. Yuki bekam nur seine getrockneten Hähnchenfilets, weil er keinen Fisch mochte. Das Matjes-Sandwich (frisch belegt!) an einem Fischerimbiss hat nur 2,30 EUR gekostet und schmeckte göttlich.

Am 20. Juli packten wir wieder unsere Sachen und machten uns auf den langen Heimweg von 655 km.

Diese bewältigen wir mit zwei Zwischenstops in nur 8 Stunden. Gott sei Dank hatte das Auto Klimaanlage, denn zwischendurch zeigte die Außentemperaturanzeige auch einmal 38° an. Gegen nachmittag kamen wir wohlbehalten Zuhause an, wo Herrchen und die Katzinatoren uns bereits im Garten erwarteten.

Yuki hat sich auf dieser ersten Reise als großartiger Reisebegleiter erwiesen und wir haben gemeinsam circa 1600 km bewältigt.

Roadtrip

2019

1. Station: Riezlern im Kleinwalsertal

Nachdem Aiyuki und ich im vergangenen Jahr einen wunderbaren Roadtrip nach Rügen unternommen haben, habe ich auch in diesem Jahr wieder eine Reise mit ihm geplant. Da ich seit September den Wanderleiterschein habe, hat es sich angeboten, dass ich im Vorfeld mit ihm in die Berge fahre, wo ich meine erste Genusswanderung für den DAV geplant hatte, um die Gegend zu erkunden.

Außerdem hatte ich mit meiner Freundin in Zürich eine Verabredung. So wollten wir den Roadtrip gleichzeitig mit einem Besuch verknüpfen.

Am Vorabend vor der Abfahrt ging es ans Packen, wobei Aiyuki und die Katzen bereits neugierig zusahen. Wir hatten aus der vergangenen Reise gelernt und diesmal konnten wir das Gepäck reduzieren.

Die ersten zwei Stunden fuhren wir bei bestem Wetter über die A9 Richtung Riezlern. Ohne Stau kamen wir bereits gegen 14 Uhr in unserer Pension an, die ein Ferienzimmer für nur 35 EUR mit Frühstück und Internet anbot.

Allzu viel Auswahl hatten wir sowieso nicht, denn offiziell waren in Riezlern Betriebsferien und die meisten Gaststätten und Hotels machten erst am 29. Mai auf.

Wir waren die einzigen Gäste und es war sehr angenehm, denn dann mussten wir uns nicht auf viele Begegnungen mit Hunden und Wanderern einstellen.

Unsere Pension wurde von einem betagten Ehepaar betrieben, die uns gleich ins Herz schlossen, denn sie waren früher selbst Halter von Schäferhunden.

Unsere Wirtin ist über 70 und der Check-in am Computer – ein altes Modell von vor 10 Jahren – dauerte länger als normal, sogar so lange, dass Yukibär sich erlaubte, sich erstmal hinzulegen. Das hat er in der Hundeschule gelernt, wenn es länger dauerte.

Unser Zimmer war sehr einfach, das wichtigste war da und für die zwei Tage würde es reichen.

Wir machten uns nach der Ankunft gleich auf Erkundungstour zum Dorf Riezlern, was klein und schnuckelig war.

Offensichtlich ist es im Sommer gut besucht, denn es reihte sich ein Hotel nach dem anderen. Aber es war so gut wie menschenleer und es fing auch noch an zu schneien, sodass wir als einzige unterwegs waren.

Erst eine Woche zuvor hatte es Schneefall gegeben, sodass die Berge schön weiß waren. Am Ende des Dorfes fuhr ein Fahrzeug mit einem Hund im Kofferraum an uns vorbei, der ähnlich aussah wie Aiyuki. Er war ebenso ein Akita!

Zu unserer Überraschung schlug das Auto die Bremse ein und fuhr rechts auf dem Gehsteig vor uns heran.

Wir fragten uns schon, was wir falsch gemacht hatten, als sie auf uns zueilten und uns begrüßten. Es war ein ganz nettes Pärchen, das ganz aus dem Häuschen war, weil sie zum ersten Mal jemand anderen mit einem Akita sahen. Da mussten sie einfach anhalten, um uns kennenzulernen.

Wir tauschten uns gegenseitig über Herkunft und Ziel aus und ich erzählte ihnen, dass ich mit Aiyuki erstmals die Berge auskundschaftete. Sie bewunderten ebenso seine neue Wanderausrüstung (eine stabile Leine und ein neues Geschirr) und erzählten von ihrem eigenen Rüden, der neugierig aus dem Kofferraum aus zuguckt. Er war drei Jahre alt und ebenso ihr ständiger Wanderbegleiter. Er durfte bloß nicht mit aussteigen, weil Rüden sich erfahrungsgemäß nicht verstanden.

Nach dieser interessanten Begegnung kann ich also behaupten, dass Aiyuki sogar ein Auto anhielt. Vor seiner Zeit ist mir das noch nie passiert.

Da der Schnee immer stärker wurde, machten wir uns bald zurück auf den Weg zur Pension. Gaststätten hatten alle zu, daher gab es zum Abendbrot nur Dosenfutter, Käse, Salami und Baileys, das wir mitgebracht hatten.

Yuki machte es sich mit seiner Schildröte Charlotte (die Herrchen eigentlich mir geschenkt hat, aber er hat sie beschlagnahmt und sie reist neuerdings immer mit) auf seiner Decke bequem, während ich in Ruhe schreiben und lesen konnte.

Am zweiten Tag klarte es auf und die Sonne zeigte sich. Es war perfektes Wetter für eine Wanderung – unsere erste in den Bergen überhaupt. Es gab viel Auswahl an Wanderrouten, allerdings mussten wir feststellen, dass viele noch zu verschneit und unbegehbar waren.

Also entschied ich mich für eine kurze Wanderung zur nächsten Ortschaft Hirschegg entlang des Flusses, der durch das Kleinwalsertal floss.

Der Fuchsbär war sehr aufgeregt und wir brauchten anfangs ungefähr 20 MinUten, um einen Rhythmus zu finden. Die fünf Meter lange Leine stellte sich mit der Zeit auch als unpraktisch heraus, denn sie sie war statisch, sodass einer von uns immer vor- oder zurückgerissen wurde, wenn einer zu schnell oder zu langsam war.

Der Fuchsbär wäre so gern sehr viel schneller gelaufen und hätte die Gegend erkundet, aber ich konnte ihn nicht freilaufen lassen, ohne ihn zu verlieren.

Allerdings konnte ich dort bei den Höhenmetern auch nicht so schnell laufen. Letztendlich musste er auch mit der Zeit feststellen, dass die steilen Wanderwege viel anstrengender waren als die bei uns daheim im Frankenwald. Er begann mit der Zeit genauso zu schnaufen und zu schwitzen wie Frauchen. Aber es machte ihm sichtlich Spaß, sodass er sich durchkämpfte.

Zwischendurch musste er austreten und suchte nach einer geeigneten Stelle, die gar nicht so einfach war, denn es ging rechts von uns steil abwärts hinunter zum Fluss und links neben uns ging es steil aufwärts. Es gab nicht viel Spielraum.

Schließlich entschied er sich für eine tiefere Stelle und hockte sich direkt über dem Abgrund hin und schaute dabei nach unten auf den rauschenden Wasserfall, weil er so eine Geräuschkulisse noch nie gesehen oder gehört hatte. Ein Leben am Limit – sprichwörtlich. Wenn er im Schnee ausgerutscht und abgestürzt wäre, hätte ich ihn nicht halten können. Ich war erleichtert, als er wieder hochkletterte, wobei ich ihm mit Ziehen ein wenig helfen musste, denn es war sehr rutschig.

Nach circa 6 km erreichten wir die nächste Ortschaft Hirschegg, das kleiner, aber noch uriger war als Riezlern. Wir waren bereits fast zwei Stunden unterwegs gewesen, weil es in den Bergen langsamer zugeht als daheim.

Langsam kam auch der Fuchsbär an seine Grenzen, sodass eine Pause vonnöten war. An einem schönen Rastplatz, der um einen Bergspringbrunnen gebaut war, fanden wir einen guten Platz für unsere Brotzeit.

Das Wasser war so klar und schmeckte anscheinend auch gut, denn Yukibär trank erst einmal ausgiebig und schlang dann seine getrockneten Hühnerfleischstücke hinunter.

Nach der Pause war er wieder fit, um weiterzugehen.

Die Wanderroute führte uns durch die Ortschaft in Richtung Riezlern. Der Rückweg wurde allerdings noch spannend, denn wir mussten Hindernisse zu überwinden, die Aiyuki noch nicht kannte. Wir mussten den rauschenden Fluss (die Breitach) überqueren. Ich stellte mich schon darauf ein, ihn über die Brücke tragen zu müssen, denn damals, als wir eine Fußgängerbrücke über die Elbe überqueren musste, hatte er noch ziemliche Angst gehabt.

Diesmal war davon keine Spur mehr sehen. Er ging mit mir erst an den Rand der Brücke und betrachtete die rauschende Breitach. Danach schien er Anlauf zu nehmen und lief schnurstracks genau in der Mitte über die Brück bis zum anderen Ende. Es war die höchste Brücke, die er jemals überquert hat, wo er hinuntersehen konnte und ich war sehr stolz auf ihn, dass er diese furchtlos gemeistert hatte.

Wie wir schon oft feststellen konnten, überwindet er seine Angst, wenn es notwendig ist und es keinen anderen Weg gibt - eine Eigenschaft, die ich beim Wandern sehr zu schätzen weiß.

Danach passierten wir einen Kindergarten, wo die Kinder gerade draußen spielten. Das hieß, unterwartet kamen lauter kleine schreiende Menschen an den Zaun gerannt, um Aiyuki zu bestaunen. Gott sei Dank waren ihre Arme zu kurz um ihn über den Zaun anzufassen, also entspannte er sich schnell wieder. Ungelenkige Kinder sind ihm manchmal noch nicht geheuer.

In Riezlern angekommen fanden wir sogar ein Bistro, das offen hatte und Gulaschsuppe im Mittagsangebot hatte.

Wir setzten uns auf deren Terrasse und gönnten uns dort nochmals eine ausführliche Mittagspause. Danach kam die nächste Herausforderung für ihn dran: Busfahren.

So einfach das für uns klingt, aber für einen Hund ist es angsteinflößend in einen wackelnden Kasten zu steigen, der sich auch noch in die Kurven legt.

Da wir beide von der Wanderung erschöpft waren, beschlossen wir den Rest des Weges mit dem Talbus zurückzulegen, denn an der Straße entlanglaufen war zu gefährlich und den gleichen Weg zurückzulaufen würde zu lange dauern.

Ein netter Junge zeigte uns den Weg zur Bushaltestelle und in unserer Kurkarte waren Busfahrten sogar inklusive.

Angesichts des unbekannten Gefährts war Aiyuki zögerlich, aber er stieg vertrauensvoll ein. Als der Bus sich allerdings in Bewegung setzte, wurde ihm die Situation nicht richtig geheuer und er legte sich instinktiv zwischen meine Beine, sodass ich ihn stabilisieren konnte. So blieb er die ganze Fahrt über so flach wie möglich liegen und überstand auch diese neue Erfahrung mit Bravour, während die Fahrgäste uns die ganze Zeit anlächelten, um ihm Mut zu machen. Danach war er sehr froh, wieder aussteigen zu dürfen und wieder festen Boden unter den Pfoten zu haben.

Der erste Urlaubstag war für ihn so überwältigend, dass er den Rest des Abends sich mit Charlotte auf seine Decke zurückzog und schlief.

2. Station – Insel Lindau, Konstanz

Am nächsten Tag packten wir bereits wieder unsere Sachen und nach einem ausgiebigen Spaziergang verabschiedeten wir uns vom Kleinwalsertal.

Unser nächstes Ziel war die Insel Lindau im Bodensee, die unterwegs zu unserer Herberge bei Konstanz lag.

Wir wählten die landschaftliche schönere Strecke entlang des Bodensees, wobei wir uns auch noch die Mautgebühren sparten.

Nach nur 86 km erreichten wir bei Sonnenschein die Insel Lindau. Die Wärme war ein krasser Gegensatz zum kalten Kleinwalsertal.

Dort war schon mehr los als in Riezlern, denn es waren bereits Maiurlauber unterwegs. Wir fielen auf wie ein bunter Hund, aber diesmal hatten wir uns daran gewöhnt und spazierten gemütlich die ganze Insel ab. Sie hatte interessante alte Häuser mit wunderschönen Fenstern und Türen, die man schön abmalen konnte.

An der Promenade fanden wir sogar eine freie Bank, wo wir eine Weile saßen.

Am Nachmittag ging es entlang des beschaulichen Bodensees weiter zu unserer Unterkunft Landgasthof Kreuz in Dettingen, circa 10 km vom Zentrum Konstanz entfernt.

Zwischendurch hielten wir an, um irgendwo spazieren zu gehen und das Wetter zu genießen.

Der Landgasthof war noch etwas gehobener als unser Ferienzimmer in Riezlern, auch wenn es ein Gemeinschaftsbad gab. Aber das Zimmer war sauber und sehr gemütlich, sodass wir den ganzen Abend darin verbrachten. Wir waren von der Fahrt und den ganzen neuen Eindrücken sowieso ziemlich müde.

Am nächsten Tag war eigentlich eine Wanderung mit Stadtbesichtigung in Konstanz geplant, aber das Wetter schlug um.

Es regnete so stark, dass wir keine sichere Wanderroute finden konnten. Die, die wir gefunden hatten, war wegen Lebensgefahr gesperrt, weil man abrutschen konnte. Also verbrachten den Rest des verregneten Tages in der gemütlichen Unterkunft.

3. Station – Zürich

Unser Reiseziel Zürich lag nur 79 km entfernt und die Strecke bewältigten wir auch ohne weitere Schwierigkeiten. Zum Glück hatte ich mir schon an einer Tankstelle vor der Grenze eine Vignette gekauft, sodass ich nicht kurz davor wie andere Fahrzeuge herausfahren, mit anstellen und erst eine kaufen musste.

Zürich war ein völlig anderes Pflaster als das Kleinwalsertal und auch völlig anders als damals Rügen – sprichwörtlich.

Der Fuchsbär hatte einige neue Herausforderungen vor sich und musste vor allem aufpassen, wo er hintrat.

Die Straßen waren zum Glück wunderbar sauber, aber die Gehsteige waren so viel höher als bei uns. Dann kreuzten Straßenbahnschienen Fußgängerwege. Es gab jede Menge Fußgängerampel zu beachten und zu guter Letzt mussten wir auch noch eine Stadtbrücke zu überqueren, um danach mit einem Fahrstuhl hinunterzufahren.

Und nicht zu vergessen so viele Menschen, die anscheinend ihn neugierig anstarrten. Yukibär blieb instinktiv immer eng bei mir. Er war von den unbekannten Eindrücken einer Stadt sehr überwältigt, aber hat alles tapfer gemeistert ohne sich zu beklagen. Die Stadtbrücke konnte er überwinden, weil sie gemauert war und er nicht runtersehen musste. Allerdings waren die Radfahrer und vielen Menschen ihm nicht geheuer und der Verkehr, der an uns vorbeirauschte. Es waren wirklich außerordentlich viele Menschen unterwegs, so etwas hat er noch nie erlebt, weil er durch eine richtig belebte Stadt gelaufen ist.

Wir gingen zuerst zum Mittagessen in die Innenstadt. Wie es der Zufall wollte, war dort in der riesigen Restauranthalle (eine renovierte Bahnhofshalle) eine japanische Reisegruppe zu Besuch. Die waren ganz aus dem Häuschen, als sie Yuki sahen.

Abends ab 22 Uhr wurde es für uns nochmal aufregend, als wir uns auf den Weg zur Unterkunft machten. Wir ließen das Auto stehen, weil unsere Unterkunft nur 1,5 km entfernt war. Es war aber noch einiges an Verkehr unterwegs und auch viele Menschen, die die Nachtrunde mit ihren Hunden machten.

Obwohl in Zürich Leinenpflicht herrschte, ließen einige Halter ihre Hunde trotzdem frei laufen und wir versuchten ihnen so gut es ging auszuweichen. Oftmals konnten wir allerdings im Dunkeln nicht sehen, wer auf uns zukam.

In Zürich gab es bezüglich Hunden einige strenge Vorschriften des Kantons und wir wollten lieber keinen Verstoß herausfordern, indem es zu einer unangenehmen Begegnung kam.

Zwar steht Yukis Rasse nicht auf der Roten Liste, aber bei einem Beißvorfall (auch wenn es unverschuldet wäre) wären wir bei der Polizei gelandet. Im schlimmsten Fall wird kurzen Prozess gemacht und jeder Hund, der beißt, kann sofort eingeschläfert werden wie in Norwegen und Dänemark – unabhängig von der Rasse.

Also sind Aiyuki und ich unter Anspannung so schnell wie möglich mit einigen Umwegen zur Unterkunft gelaufen.

Die Unterkunft war auch ebenso eine neue Erfahrung für uns, denn die funktionierte völlig automatisch ohne Rezeption. Es dauerte etwas, bis ich herausfand, welchen Zugangscode und wie ich ihn eingeben musste, um ihn aus dem Schlüsselkasten zu bekommen, aber schließlich gelang auch da.

Am nächsten Tag verbrachten wir bis zum Konzert eine gemütliche Zeit in der Wohnung der Freundin, anstatt Sightseeing zu machen. Sie kochte für uns zu Abend und wir lernten ihren ersten Sohn (11 Monate) kennen. Dieser war von Yuki sehr fasziniert und versuchte alle möglichen Wege, um zu ihm zu gelangen. Für ihn war ein Tier wie Yuki ebenso etwas völlig neues und er dachte wahrscheinlich, das wäre ein riesiges Kuscheltier.

Yuki hat hingegen immer wieder versucht, ihm auf alle möglichen Arten aus dem Weg zu gehen, denn krabbelnde Babies, die ihn mit ihren Augen fixierten, waren ihm nicht geheuer (mit den Augen fixieren ist für ihn ein Zeichen von Aggression). Und Sie bewegten sich auch noch unberechenbar.

Das Konzert sollte zwei Stunden dauern und ich hatte mich schon darauf eingestellt, Aiyuki in der Zeit im Hotelzimmer zu lassen.

Aber netterweise boten sich zwei Freunde als Hundefutter an, die direkt neben der Konzerthalle wohnten.

Der Weg dorthin war für den Fuchsbär auch wieder eine völlig neue Erfahrung. Erst einmal waren sehr viele Menschen wie wir dorthin unterwegs. Parallel dazu fand am andere Ende der Stadt noch ein zweites Rockkonzert statt, was auch die hohe Besucherzahl in Zürich erklärte.

Um dorthin zu kommen, mussten wir wieder durch die Stadt laufen und dann 15 Minuten mit dem Zug fahren, weil die Halle am anderen Ende von Zürich lag. Dann mussten wir durch ein ziemlich belebtes Viertel laufen, wo wir ziemlich viel Aufmerksamkeit erregten. Zwischendurch kam sogar eine koreanische Studentin auf uns zu, um zu fragen, ob sie Aiyuki streicheln durfte. Ich lehnte lieber ab, denn er war sowieso schon von der Stadt überwältigt genug und würde wahrscheinlich noch weniger gern von Fremden angefasst werden.

Auf dem Weg dorthin wollte er austreten, aber es gab keinen einzigen Baum, der nicht von einer dekorativen Metallplatte umsäumt war (weil der Bordstein so hoch war und der Erdboden wohl noch ein Stück tiefer lag, wurden die Bäume mit den Platten eng umbaut und zusätzlich mit einem Geländer umrahmt, damit keiner reinfällt), sodass er sich nicht richtig positionieren konnte. An Häuser und Objekten durfte er das Bein nicht heben, als war es für ihn ein Dilemma.

Schließlich schaffte er es auf wackeligen drei Beinen wenigsten an einem Baum sich zu erleichtern, wobei ich ihn gestützt habe, weil seine Pfoten auf der löcherigen Metallplatte standen.

Die Freunde, die auf Aiyuki aufpassen wollten, waren ganz aufgeregt über seinen Besuch. Sie hatten sich schon ausgemalt, mit ihm einen Spaziergang zu machen, aber da ich leider nicht darauf vertrauen konnte, dass sie ihn kontrollieren konnten, habe ich sie gebeten, ihn einfach ruhen zu lassen und aufzupassen, dass er nichts markierte.

In der Wohnung benahm ich er sich den Fremden gegenüber vorbildlich und höflich (d.h., er hat nur ihre Hand angeschnuppert, sie nicht angesprungen oder einen Ton von sich gegeben), dann legte er sich gleich hin und sie wollte ihn sogar gern frei laufen lassen und auf ihre Couch lassen. Aber das war weder daheim noch im Urlaub erlaubt, da musste ich sie enttäuschen.

Allerdings durften sie ihm etwas Käse geben, wenn sie welchen da gehabt hätten. Sie planten schon damit, ihn in den drei Stunden komplett zu verziehen, weil sie sich so freuten, babysitten zu dürfen.

Wir kehrten nach drei Stunden zurück. Ich hatte mir schon ausgemalt, dass wir zu einem Schlachtfeld zurückkehrten, weil sie Aiyuki womöglich zu sehr auf die Pelle rückten und er sich ihren Streicheleinheiten erwehren musste. Es war für sie eine völlig neue Erfahrung, einen so zurückhaltenden, disziplinierten Hund zu begegnen.

Zum Glück war alles in Ordnung und die beiden berichteten uns, dass er sich ziemlich bald aus dem Wohnzimmer entfernt habe, erst Wache an der Haustür geschoben und danach sich ins Nebenzimmer gelegt hatte, ohne groß herumzuwandern. Vorbildlich wie von mir erhofft und hoffnungsvoll erzogen, ich war sehr zufrieden – auch wenn sie eher enttäuscht waren, dass er nicht mehr auf sie zugegangen ist. Die wissen auch nicht, wie viel Erziehung dahintersteckt, um ihn so hinzubekommen! Ich habe es ihnen dann erklärt und sie waren sehr erstaunt, wie sehr es für eine Erziehung spricht, dass ein Hund so ruhig ist.

Der nächste Tag war schon unser Abreisetag. Trotz der schönen neuen Erfahrungen, freuten wir uns schon sehr auf Herrchen und die Katzen zuhause, die wir so gern mit dabei gehabt hätten, aber die Arbeit hatte ihn davon abgehalten, uns zu begleiten.

Aiyuki hat so viel gelernt und gemeistert, was für ihn völlig neu war – Berge, Busfahren, hohe Brücken, Zugfahren, Fahrstuhlfahren, Stadtbrücken, Menschenmengen, volle Restauranthalle. Ich war mir nicht sicher, wie er das alles verkraften würde, aber wurde nur positiv überrascht.

Wanderung 1

2019

Am Samstag, den 12.10. führten Aiyuki und ich unsere erste Herbstwanderung für den DAV an. 10 Wanderer haben sich vor dem Rathaus Grafengehaig eingefunden und bei bestem sonnigem Wetter sind wir losmarschiert.

Aiyuki war gering aufgeregt und hat alle Leute erst beschnuppert. Dann interessierte er sich nur noch für den Weg und alle fremden Gerüche.

Wir hatten eine kurze Begegnung mit einer fremden Hündin, die vielleicht in Zukunft seine Spielgefährtin werden könnte. Sie ist fast so groß wie er, aber viel flinker und aufgeregter.

Wir liefen von Grafengehaig nach Schindelwald, Eppenreuth bis zum Pressecker Knock. Dort fand gerade eine Kerwa statt, wo es Bratwürste und Steaks gab. Aber da wir davon nichts wussten, hatten wir schon alle unsere eigene Brotzeit dabei.

Von dort aus ging es über den Lautergrund durch den Wald zurück nach Grafengehaig. Zwei Kilometer Anstieg mussten wir noch bewältigen, dann wurden wir mit einer tollen Aussicht auf Grafengehaig belohnt. Der Anstieg hat die meisten Teilnehmer noch ganz schön außer Puste gebracht.

Aiyuki hat sich die ganze Zeit tapfer geschlagen und dank der Pausen, die die Teilnehmer brauchten, konnte er sich auch zwischendurch erholen. Seine Fleischbällchen und sein mitgebrachtes Wasser hat er auf jeden Fall gebraucht.

Nach der Wanderung habe ich ihn nach Hause gebracht, während ich mit den Teilnehmern am Ende noch in Seifertsreuth im Gasthof Zeitler einkehrte. Dort gab es selbstgebackenen Kuchen und Haxen, die den Teilnehmern sehr gut schmeckte. Vor dem Gasthof schnatterten dicke Gänse aus eigener Aufzucht, die für das Martinsgansessen am 10.11. geplant sind.

Somit hat der Fuchsbär sein Wanderdebüt wunderbar überstanden und wurde auch aufgrund seines braven Benehmens positiv aufgenommen. Er darf daher das nächste Mal wieder mitgehen.

Er war zwar erschöpft, aber hat am Ende noch gelächelt.

Bis Montag wollte er allerdings dann seine Ruhe haben und hat sich mit seinem trockenen Rinderhautstück auf seine Matte nach oben verzogen und wollte nichts mehr von uns wissen.

Wanderung 2

Am Wochenende waren Aiyuki und ich wieder fleißig am Trainieren.

Wir haben zusammen mit Freunden den Rennsteig im Norden des Frankenwaldes ausgekundschaftet, wo wir am 9.11. eine DAV Wanderung leiten werden. Der Rennsteig ist ein historischer Grenzweg zwischen Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge und Frankenwald, der 170 km lang ist. Er wird als Weitwanderweg in Deutschland aufgelistet.

Unser Rundweg führte uns über den Rennsteig zum Altvaterturm und Wetzstein.

Es ist leichter für uns, eine Gruppe zu führen, wenn wir uns nicht mehr um die Orientierung

kümmern müssen.

Es war Regen angesagt, daher sind wir rechtzeitig um 9:15 Uhr aufgebrochen.

Einen Tag davor war es wunderschönes Wetter, sonnig, wo Aiyuki sowieso keine Lust hatte, sich zu bewegen. Stattdessen sind Herrchen und ich Pilze sammeln gegangen und wurden fündig. Wir kamen mit einem Eimer mit Maronen und Steinpilzen zurück, woraus er Pilzsuppe wie bei seinen Großeltern kochte.

Am Sonntag wurden wir von unseren Wanderfreunden aus Bayreuth abgeholt, die uns freundlicherweise bis nach Brennersgrün im Schiefergebirge mitnahmen. Dort sagen sich wirklich Fuchs und Hase Gute Nacht.

Dort war kaum etwas los, die Bürgersteige hochgeklappt. Wenn dort keine Autos stehen würden, hätte man gedacht, dass die Gegend unbewohnt wäre. Die Häuser waren wunderschön von allen Seiten mit dunklem Schiefer gedeckt, auch die Außenfassaden.

Wir fanden den Startpunkt ohne Probleme. Der Rennsteig war freundlicherweise vom Rennsteigverein mit einem riesengroßen R an den Bäumen gekennzeichnet. Allerdings verliefen viele Querwege, weswegen wir öfters uns orientieren mussten. Mit Hilfe der mitgebrachten Karten, fanden wir allerdings einen geeigneten Weg, der uns zu einem öffentlichen Schiefermuseum mit einem See inmitten des Schiefergebirges führte.

Aiyuki hat den ganzen Weg über fleißig markiert (damit er den Weg allein zurückfinden würde) und ich habe jede Menge gesunde Pilze einfach am Wegrand entdeckt. Aber wir haben nichts mitgenommen, denn unser Eigenbedarf ist ja schon gedeckt.

Neulich gab es beunruhigende Nachrichten, dass zwei übereifrige Steinpilzsammler für 19 kg Pilze 1700 EUR Strafe zahlen mussten. Laut Gesetz darf man nur maximal 1 kg Pilze pro Tag sammeln (habe ich nachgelesen). Dieses Jahr ist auf jeden Fall ein sehr pilzreiches Jahr, sie waren überall und sehr vielfältig.

Nach dem offenen Schiefermuseum, was auch gleichzeitig das alte Schiefertagebauwerk war, führte unser Weg am See entlang bis nach Lehesten.

Alte leere Baracken standen noch herum sowie Schiefertransportwaggons, Hebebühnenkraftrad und die Arbeiterquartiere. Es sah mystisch schön aus wie in einer Geisterstadt – was es auch war, denn dort lebte niemand mehr.

Aiyuki fiel mit seinem roten Fell vor dem grauen Hintergrund sehr auf. Wir begegneten keinen anderen Menschen außer einem Pärchen mit einem Beagle, der allerdings schnell weiter wollte als er Aiyuki sah (er war kleiner).

Aiyuki war wieder sehr tapfer und ausdauernd. Meine Freunde schlugen ein zügiges Tempo an und er bekam nur zweimal Trinkpausen. Er ist genauso zügig hinter ihnen her marschiert, um den Anschluss nicht zu verlieren. Anscheinend läuft er gern vorne mit, wie ich feststelle.

Am Ende kehrten wir im Gedenkturm für die vertriebenen Sudetendeutschen ein, wo er sofort die Zeit zum Schlafen nutzte. Die restlichen 2 km trabte er umso schneller, weil das Auto in Sicht war. Sobald wir am Auto waren und heimfuhren, fing der vorausgesagte Regen auch heftig an.

Als wir daheim ankamen, hat Aiyuki sich gleich hoch auf seine Matte im Dachgeschoss verzogen und wollte nichts mehr von uns wissen. Später kam er wieder zurück nach unten, um weiterzuschlafen. Sogar im Schlaf träumte er von der Wanderung, weil seine Pfoten liefen. Es waren für seine Verhältnisse doch viele neue Eindrücke und Gerüche, da es dort anscheinend recht wildreich war, so viele Spuren wie er unterwegs aufgenommen hat.

---ENDE DER LESEPROBE---