#STRIP ME - Bea Jaksarn - E-Book

#STRIP ME E-Book

Bea Jaksarn

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Beschreibung

SHAUN: King of Pop made in Kanada. Er darf sich nicht verlieben. Zu viel hängt davon ab. Seine Karriere. Seine Vergangenheit. Seine Zukunft. Sein Herz. Musik ist seine große Liebe. Bis SIE kam. CAMELIA: Das Leben ist hart. Es ist nicht fair. Daher ist es besser nicht darin zu leben, sondern es zu fotografieren. Bis ER kam.

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Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

Impressum

#STRIP ME

Random Lovers Band 1

Bea Jaksarn

Danke an

Frau H.

Martina H.

Sandra H.

Impressum

Bea Jaksarn, Am Rangen 2, 95356 Grafengehaig

Hinweis der Autorin

Alle Songtexte sind fiktiv original. Jegliche Übereinstimmungen mit realexistierenden Figuren und Werken ist zufällig und nicht beabsichtigt. Zitierte Songtexte sind das geistige Gut der jeweiligen Künstler.

1. Kapitel - #excited

Future is waiting for me

And I'm so excited to get on the train

Whatever's ahead of me

I'll take it, everything, the joy, the fear, the pain

coz I know –

you'll be by my side

(Shaun Tavares / Liam Knightley: Excited)

„Keith.“ Shaun blickte seinen besten Freund an und wusste nicht, wie er auf dessen Worte reagieren sollte. Er machte ihm Vorwürfe wegen Camelia, aber er verstand nicht warum. Schließlich rieb er sich die Stirn und blickte auf seine Armbanduhr. „Ich muss zu meinem nächsten Termin.“

„Ich auch“, sagte Keith kurz und dreht sich schon um, um den Gang entlangzulaufen.

„Hey, warte. Lass uns nochmal richtig reden, ich will hören, was du zu sagen hast. Was machst du heute nach Arbeit?“, hielt Shaun ihn zurück.

„Whiskey in der Mahjong Bar?“, schlug Keith ohne Zögern vor.

Shaun nickte. „Um 20 Uhr an der Bartheke.“

Nach einer Reihe Meetings und einem Radiointerview verabschiedete Shaun sich von seinem Manager und dessen Team. Nicht nur, dass die Termine seine Konzentration erschöpften, zu allem Überfluss irrten seine Gedanken immer wieder zu Camelia und Keiths Warnung und die Arbeit und was das alles für ihn zu bedeuten hatte. Vor allem aber dachte er an Camelia. Sich in eine seiner Lieblingskneipen zu begeben und dort die Gedanken mit guten Getränken zu beruhigen, schien genau das Richtige zu sein.

Er ließ sich ausnahmsweise von einem Fahrer seines Arbeitgebers zum Green P Parkplatz in der Nähe des Trinity Bellwood Parks fahren, wo er von dort aus nur noch 450 Meter zur Mahjong Bar in der Dundas Street West laufen musste. Der Fahrer von J's Records musste nicht unbedingt wissen, wo er in Toronto zum Trinken hinging und es anschließend weitererzählen. Gerüchte verbreiteten sich im Musiklabel so schnell wie ein Lauffeuer und waren schwer zu bändigen. Sein eigenes Auto hatte er in der Tiefgarage von J's Records gelassen, weil er nicht plante, nüchtern zu bleiben, sodass er danach noch heimfahren konnte.

Er war kurz vor der vereinbarten Zeit da und ließ sich ein Glas Suntory Hibiki Whiskey ohne Eiswürfel eingießen. Die alkoholische Flüssigkeit floss seine Kehle hinunter wie warmer Honig. Suntory Whiskey war zwar nicht die günstigste Spirituose, auch nicht in einer Untergrundbar wie dieser, aber zum Teufel, wenn der Geschmack nicht immer wieder so göttlich wäre, dachte Shaun. Das Aroma von Sandelholz erinnerte ihn an Camelia. Plötzlich tauchte ein Bild vor seinem Auge auf, wie genau dieser Whiskey über Camelias gleichmäßig gebräunten Rücken floss. Eine feuchte Spur über die Rinne ihrer Wirbelsäule zog und sich in der sexy Kurve zwischen ihrem Rücken und ihrem festen Hinterteil sammelte. Dort würde er ihn dann aufschlecken und mit den Lippen weiter abwärts küssen. Er konnte es so deutlich wie ein Déjà-vu vor sich sehen, dass er körperlich darauf reagierte. Blut wanderte in seine untere Region, zumal er diesen Rücken schon einmal bewundert konnte.

Wow. Shaun schüttelte sich von dem mentalen Bild, um sich wieder in Griff zu bekommen. So etwas war ihm noch nie so schnell passiert. Es war eine Überraschung, welch Wirkung die Fantasie hatte. Aber überraschender für ihn war, die Verbindung zwischen seiner Fantasie von Camelia und dem seltsamen Druck, der plötzlich seine Brust belegte. Sex und Gefühle waren normalerweise keine Partner, die bei ihm Hand in Hand gingen.

Kurz nach acht Uhr tauchte Keith im Eingangsbereich auf und erspähte ihn sofort. Shaun signalisierte dem Barkeeper asiatischer Herkunft, dass er das Gleiche nochmal in zweifacher Form ausschenken konnte. Keith nahm mit einem Nicken sein Glas entgegen und sie stürzten beide die bernsteinfarbene Flüssigkeit hinunter.

Ungefragt goss ihnen der Barkeeper nach und machte für jeden einen weiteren Strich auf ihre Trinkzettel. Wahrscheinlich würde es heute viele Striche zu begleichen geben. Shaun wettete darauf.

Als Hintergrundmusik lief Bring me to life von Evanescence, was seltsamerweise Shauns wirbelnde Gedanken besänftigte. Der Hibiki Whiskey begann auch allmählich zu wirken und ihn mit entspannender Wärme zu erfüllen. Er dreht sich zur Bühne um, lehnte sich gegen die Bar und sah zu, wie der DJ des heutigen Abends und seine Helfer seine Ausrüstung aufbauten. Die Mahjong Bar lud regelmäßig verschiedene DJs aus Torontos künstlerischem Untergrund ein, die ihre Musik auflegen konnten. Später würde es richtig voll werden, je nachdem wie gut der DJ die Menge anheizen konnte und die Besucher ihren Freunden texteten oder über Social Media dazu aufforderten, vorbeizukommen.

Keith und er besuchten diese Bar seit ihrer Zeit als Trainees im Musiklabel. Hier schien sich keiner dafür zu interessieren, ob sie Popidole waren. Die Leute kamen hierher, um Musik zu hören, zu trinken und zu tanzen, nicht, um gesehen zu werden wie in anderen exklusiven Clubs, wohin sie ab und zu geladen wurden, um Werbung zu machen. Außerdem konnten sie unter der bunt flackernden Beleuchtung der Bar prima unerkannt bleiben.

„Hey, hör mal, Shaun“, sagte Keith neben ihm und beobachtete ebenfalls das Geschehen in der Bar. Leute strömten herein und suchten sich Plätze an Tischen. Noch gab es Essen zu bestellen. Ab 22 Uhr wurde nur noch ausgeschenkt. Die Musik klang gedämpft aus den Alpha Recording System Boxen, sodass eine Unterhaltung noch möglich war, ohne sich gegenseitig anschreien zu müssen.

„Es tut mir Leid, dass ich dich heute so angeschnauzt hab. Ich bin über's Ziel hinausgeschossen. Das geht mich ja eigentlich nichts an.“

„Erklär mir nochmal, was dich deswegen beschäftigt“, forderte Shaun ihn auf und nahm einen Schluck. Es war seine Art, ihm den Friedenshandschuh zu reichen.

Keith seufzte, dann sagte er: „Unser Erfolg mit Random Lovers nimmt gerade erst richtig Fahrt auf. Wir haben so lange darauf hingearbeitet und müssen dranbleiben. Du weißt, wie schnell sie uns aus dem Programm streichen können, wenn wir uns nicht an ihre Regeln halten.“ Er brauchte nicht zu erklären, wessen Regeln er meinte. Die des Musiklabels, deren Vorschriften sie sich alle unterwerfen mussten. „Ich will das alles bloß nicht gefährdet sehen, nur weil dein Kopf nicht hundertprozentig bei der Sache ist. Wir sind immer noch eine Band und ein Team. Ich hab noch nie erlebt, dass du wegen jemandem so die Fassung verlierst, noch dazu wegen einer Frau.“

Shaun schwieg und ließ seine Worte setzen. „Was macht es für einen Unterschied, ob wir heute oder in einem Jahr ersetzt werden, Keith? Du weißt, dass unsere Uhr tickt, wenn wir die 25er-Marke erreichen. Und da ich der Älteste bin, wird es für mich früher als später sein.“

„Das ist nicht gesagt. Wir können immer noch woanders im Showbusiness unterkommen“, widersprach Keith. „Und wenn wir erfolgreich bleiben, dann behalten sie uns auch noch eine Weile als Sänger. Außerdem, je erfolgreicher wir sind, desto mehr Kontrolle werden wir auch haben.“

„Ich wäre mir da nicht so sicher, dass wir wirklich jemals Kontrolle über unsere Karriere haben werden.“ Shaun nahm nachdenklich einen Schluck aus seinem Suntory Whiskey. „Hast du vergessen, was mit Tommy passiert ist?“

Keith verzog seinen Mund zu einer harten Linie, als er ihren älteren Freund aus der Agentur erwähnte, der vor ihnen ein Idol gewesen war. „Natürlich nicht. Aber es war ein Unfall, Shaun.“

„Das ist es, was das J's Records bekanntgegeben hat. Aber er hatte schmutzige Details über das Label und deren Führungskräfte, Keith. Er wollte es öffentlich machen.“

Keith sah sich um, ob jemand heimlich zuhörte, dann fragte er: „Woher weißt du das?“

„Er hat mich vor seinem Tod angerufen. Er hat gesagt, dass er es mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann und das Richtige tun muss, dass keinem von uns das gleiche passiert wie ihm. Wir wollten uns treffen und er wollte mir alles erklären.“

„Und am Ende der Woche hatte er den Unfall.“

„Ja.“ Shaun ließ seinen Blick grimmig über die Bar schweifen, ohne wirklich die Menschen zu sehen. Am Ende dieser Woche vor fünf Jahren hatte man ihren Freund in einem zerschmetterten Auto auf einer der vielen Highways von Toronto gefunden. Angeblich war er betrunken am Steuer gewesen. Dabei wussten sie, dass Tommy niemals trank, wenn er Auto fuhr.

Kurz darauf waren seine Gruppenmitglieder nicht mehr unter Vertrag und an ihrer Stelle wurde die Gruppe Random Lovers vermarktet. Was für ein zufälliges Timing.

„Warum hast du mir das nie erzählt?“, fragte Keith mit einem genauso grimmigen Ausdruck.

„Ich hatte keine Ahnung, was wirklich passiert war, ich hatte nur Vermutungen. Außerdem musste ich eine Verschwiegenheitserklärung unterschreiben.“

Keith starrte ihn an. „Die musste ich auch unterschreiben. Und ich schätze mal, wir brechen sie grade, indem wir darüber reden.“

„Das ist mir scheißegal.“ Shaun knallte das leere Glas auf die Bartheke. „Deswegen vergiss den Gedanken an Kontrolle. Das Management sagt uns, was wir anziehen, wann wir auftreten, wie wir singen, was wir singen.“ Letzteres war das, was ihn am meisten frustrierte. Keiner seiner geschriebenen Songtexte wurde von den Produzenten in Original angenommen, sondern immer wieder für ihre Vermarktungszwecke umgeschrieben. Nichts machte ihn wütender, als wenn seine Texte zerstört wurden. Es war, als wenn jemand seine Kunst missbrauchte.

„Soll ich dir mal was verraten?“ Er bedachte Keith mit einem ernsten Blick. „Ich denke darüber nach, auszusteigen. Komplett auszusteigen und auch von J's Records wegzugehen. Ich will selbst Musik machen und etwas Längerfristiges aufbauen, ohne Angst zu haben, ersetzt zu werden oder sogar den Kopf zu verlieren, wenn ich nicht nach deren Pfeife tanze. Und ich will mit jemandem zusammen sein zu können, ohne dass das Label mir Vorschreibungen macht.“ Shaun bemerkte, dass sein geschliffenes Glas wieder nachgefüllt worden war. Er nickte dem Barkeeper ein Danke zu.

„Dann ist es dir also ernst mit Camelia?“ Keith sah ihn von der Seite an, aber Shaun beobachtete weiterhin den jungen DJ mit dem roten Basecap auf der Bühne.

„Ich weiß nicht wie ernst es ist, auf jeden Fall will ich überhaupt etwas Ernstes mit jemandem.“

Keiths Glas war mittlerweile ebenfalls nachgefüllt und er warf sich zusätzlich ein paar Eiswürfel ein. „Okay. Wir werden schon klarkommen, was immer du auch in Zukunft tust.“

Zum ersten Mal sah Shaun ihn freundlich an und nickte. „Danke.“

Mehr brauchte er nicht sagen. Keith verstand, dass er damit nicht nur eine Sache meinte.

„Sie ist der Hammer“, bemerkte er stattdessen grinsend. „Hättest du nicht als erster ein Auge auf sie geworfen, hätte ich mein Glück versucht.“

Shaun lachte. „Du hättest dir die Zähne ausgebissen. Sie ist nicht so einfach.“

Keith stimmte seinem Lachen zu. „Auf jeden Fall ist sie anders als die Frauen, die wir sonst in unserem Geschäft antreffen.“

„Du hast ja keine Ahnung.“ Shaun grinste in sich hinein. Eine Mischung aus Stolz und Besitzerstolz überkam ihn, weil nicht nur ihm auffiel, dass Camelia herausragte.

„Ist schon was gelaufen?“

Shaun schüttelte den Kopf. „Ich arbeite daran. Es gab so paar Sachen, die wir erst aus dem Weg räumen mussten.“

„Ross?“

„Der kleine Giftzwerg versucht mich immer zu übertrumpfen, auch wenn ich ihn mag. Aber in diesem Fall hatte er keine Ahnung, worauf er sich einlässt. Ich muss das mit ihm noch klären.“ Mehr wollte Shaun dazu nicht sagen.

„Sei aber vorsichtig, du weißt nicht, wie unser Management darauf reagiert, wenn du mit ihr ausgehst. Sie ist immer noch Co-Trainerin, wenn auch nicht mehr hauptsächlich für uns“, gab Keith zu Bedenken. „Und wie willst du das überhaupt vereinbaren, wenn du gerade darüber nachdenkst, wegzugehen?“

„Was läuft bei dir so gerade?“, lenkte er ab. Er wollte nicht über Camelia reden, da er sich absolut nicht darüber im Klaren war, worauf das hinauslief.

„Das Übliche.“ Keith zuckte gelangweilt mit den Schultern und beobachtete eine Gruppe Mädchen, die auf der anderen Seite der Bar um einen Tisch herumstanden und ausgelassen tanzten. Sie konnten Auslandsstudentinnen oder Reisende sein. Toronto war ein beliebtes Reiseziel für junge Leute. Ein brünettes Mädchen in einem knappen roten Lederkleid bemerkte Keith und warf ihm immer interessiertere Blicke zu. Sie flüsterte ihrer hellhaarigen Freundin etwas zu und beide schauten anschließend offen zu ihnen herüber, was einer Einladung gleichkam. Es war nicht schwierig, Kontakt zu knüpfen, wenn man die Zeichen richtig zu lesen wusste. Er und Keith waren inzwischen darin gut geübt, was auch davon herrührte, dass sie in der Regel nur eine Nacht zur Verfügung hatten. Ein One-Night-Stand im sprichwörtlichen Sinne, denn Beziehungen waren laut ihrem Arbeitsvertrag aktuell unerwünscht, wenn auch nicht schriftlich verboten – denn laut Gesetz konnte man so etwas nicht vertraglich festlegen. Da gab es ja noch so etwas wie Freiheit und Menschenrechte im Gesetzbuch. Aber es gab Konsequenzen, wenn man sich nicht an seinen Arbeitsvertrag hielt.

Die blonde Freundin in einem knappen schwarzen Minikleid war hochgewachsen und hatte gefühlt endlos lange schöne Beine, die in schwarzen Komm-und-Fick-mich-Highheels endeten. Sie entsprach genau Shauns Geschmack. Er bandelte gern mit ausländischen Frauen an, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch war, dass sie ihn nicht aus den Medien kannten und ihn auch nie nach seinem vollen Namen fragten. Sie machten zwar gern mit ihm Selfies als Trophäe, aber konnten ihn nicht namentlich markieren, wenn sie diese in ihren Social-Media-Profilen veröffentlichten. Für sie war er nur ein einmaliges Date während ihres Trips nach Kanada, wo Toronto auf der Städte-die-man-gesehen-haben-muss-bevor-man-stirbt-Liste stand.

Ausländerinnen waren also die sichersten Dates, um Spaß zu haben. Sicher, weil sie bei ihm keinen bleibenden Eindruck hinterließen, wenn es nur um Sex ging. Sicher, weil sie in ihm nur Lust weckten, keine komplizierten Gefühle oder Gedanken, die ihn quälten. Sicher, weil sie sich hier nur innerhalb einer bestimmten Frist aufhielten und wieder abreisten, wenn ihr Reisevisa ablief oder ihr Studium beendet war. Sicher, weil sie überhaupt keinen emotionalen Einfluss auf ihn hatten, außer den physischen Wert, ihn hart zu machen. Aber er bemühte sich genauso, dass sie mit ihm ebenfalls auf ihre Kosten kamen. Er konnte ohne falsche Bescheidenheit von sich behaupten, dass er mit seiner hochgewachsenen, schlanken, aber muskulösen Statur, dem markanten Gesicht, den whiskeybraunen Augen umrahmt von dichten Wimpern und den festen braunen leicht gelockten Haaren durchaus attraktiv für das andere Geschlecht war. Manche bezeichneten ihn als einen Mann mit einem leicht klassischen Touch, weil er am liebsten bequeme schwarze Jeans, einfarbige T-Shirts oder Longshirts und seine bevorzugten schwarzen Stiefel (wovon er nur das eine Paar hatte) trug. Die Medien verglichen ihn gern mit einer modernen Version der legendären Rockmusiker wie Bruce Springsteen, trotz seines jugendlichen Alters von gerade mal 24 Jahren. Umso mehr war es für ihn ein Kompliment, was ihm schmeichelte.

Die kleinen silbernen Piercings in seinem linken Ohr und die blasse Narbe auf seiner rechten Wange verliehen ihm einen Schimmer von Wildheit, aber das hatte bisher keine Frau gestört, im Gegenteil es schien sie umso mehr anzuziehen. Und wenn er sein Bestes gab, dass sie das Hotelzimmer befriedigt verließen, gingen sie im wahrsten Sinne den Wortes zufrieden auseinander.

Vielleicht sollte er die blonde Statuenhafte ansprechen, wenn Keith schon ihre brünette Freundin im Visier hatte. Eine oder idealerweise mehrere Runden Sex könnten seiner angestauten Lust helfen, Druck abzulassen.

In diesem Moment nahm die Blonde ihre Freundin in den Arm und beide posierten für Selfies.

Die Art wie sie ihre Körper streckten und reckten, ihre langen Beine und Hüften versetzt positionierten, sodass eine sexy Kurve entstand, um Aufmerksamkeit darauf zu ziehen, wie sie ihre glossierten Lippen zu einem Kussmund formten, das Kinn hochhielten und die Haare zurückwarfen, um das Bild für Instagram oder Tinder oder sonst ein Onlineportal perfekt zu machen, wie sie dabei ihm und Keith suggestive Blicke zuwarfen, sagte ihnen unmissverständlich, dass sie mit ihnen flirteten. Und wenn sie ihnen großzügig den hausgemixten Mahjong Cocktail spendierten, dann könnten sie auch für die Nacht Glück haben. Er sah Keith an, dass ihm die Show gefiel, was auch der Absicht der Mädchen entsprach. Er würde sich liebend gern abschleppen lassen.

Shaun verglich gedanklich eine verschwitzte Camelia in Trainingsklamotten und wirr hochgebundenen Haaren mit ihnen. Plötzlich befiel ihn eine Nüchternheit, als hätte jemand ihm kaltes Wasser über den Kopf geschüttet. Er erkannte all diese Selfie-Positionen, die er im Laufe seiner Karriere mit Hilfe von Fotografen gelernt hatte. Alles war einstudiert, nicht natürlich, nicht real, nicht normal - wie Camelia.

Er konnte sich nicht vorstellen, wie Camelia sich für ein Selbstportrait so in Pose warf, sie hatte keinen Grund dafür. Sie strahlte natürliche Eleganz und Sexappeal mit einer gewissen Verwundbarkeit aus, ohne sich anzustrengen, was sie sicherlich auch ihrem Tanztraining zu verdanken hatte. Und mit einem Mal, wenn nicht gar zum ersten Mal, schien eine blonde Frau mit blauen Augen, die in Toronto auf Durchreise war, für ihn nicht mehr so anziehend. Er hatte Gefallen an einer Frau mit ebenholzfarbenen langen Haaren und dunkelbraunen großen Augen, die hier in Toronto lebte.

# # #

Im Schneidersitz saß Shaun alleine in einem der Trainingsräume von J's Records. Sonnenlicht schien durch die großen rechteckigen Fenster auf der gegenüberliegenden Seite und brach sich auf der Oberfläche des blanken Spiegels, der sich rechts von ihm an der Wand entlangzog. Es blendete.

Shaun übte eine Akkordkombination auf der Gitarre, die ihm seit Tagen nicht mehr aus dem Kopf ging.

So viel er wusste, stand seiner Gruppe Random Lovers die Produktion einer neuen Single bevor. Bislang hatte aber keiner der verantwortlichen Produzenten ihnen nähere Informationen gegeben. Nicht, dass irgendjemand dazu verpflichtet war, die Künstler rechtzeitig zu informieren. Er wurde nur dafür bezahlt, gut auszusehen und zu tanzen und zu singen, um Fangirls zu beglücken. Natürlich nur auf musikalische Weise und jede Menge Augenschmaus.

Oh Gott, wie ihm das Tanzen auf die Nerven ging. Jeder Schritt in der Choreographie war für ihn wie eine Gleichung, bei der er überlegen musste. Falsch, eine Gleichung war viel einfacher, als sich die ganzen Schrittkombinationen zu merken.

Shaun begann wieder, die Saiten zu zupfen und die Melodie wiederzugeben, die in seinen Gedanken herumgeisterte. Stück für Stück offenbarte sie ihm ihre Noten, in der sie gespielt werden wollte.

J's Records war stark daran gelegen, ihre Boybands an der Chartspitze zu halten – unabhängig davon, ob deren Musik erinnerungswürdig war. Random Lovers war nur eine unter den vielen Gruppen, die sie unter Vertrag hatten.

Shaun war voller Tatendrang und hatte seine freie Zeit damit verbracht, Videotutorial bei Youtube zu gucken, um sein Gitarrenspiel zu verbessern. Er wusste nicht wie, aber er hoffte, sich durch das neue Projekt als Musiker beweisen zu können und nicht nur als Popidol vermarktet zu werden.

In letzter Zeit hatte Shaun viel über die Zukunft nachgedacht. Er musste diese konstante Abgestumpftheit durchbrechen. Dazu brauchte er ein Ziel. Einen Plan. Eine Veränderung. Er wollte sogar aus dieser unfreiwilligen, aber selbstgewählte Isolation ausbrechen, die ihn seit Beginn seiner Karriere im Musikbusiness umhüllte. Irgendwann hatte er sich eingestanden, dass es eine Person gab, die ihm nicht mehr aus dem Kopf ging: Camelia.

Vielleicht war sie sein Zugticket in die andere Welt. In die Welt, wo alle anderen außerhalb des Showgeschäfts lebten. In eine Welt, ohne falsche Gesichter, ohne Vermarktung und vor allem ohne Kontrolle über sein Image und seine Person.

Er liebte die Musik und vielleicht war es an der Zeit, neue Wege mit ihr zu gehen.

Vielleicht kommt sie ja heute vorbei, um nach ihrem Vater zu sehen, dachte er. Solche Gedanken waren neu für ihn. Sie enthielten Erwartung und Hoffnung.

Je mehr Zeit verging, in der er sie nicht sah, desto mehr nahm sie seine Gedanken ein. Warum nur?

Er dachte an ihre Stimme, wie sie ihn angesehen und über ihn gelacht hatte, aber auch mit ihm. Sie hatten bisher eigentlich wenig miteinander zu tun gehabt, aber seltsamerweise konnte er sich umso mehr an jede Kleinigkeit ihrer gemeinsamen Begegnungen erinnern.

War es das, was man den Funken nannte? Shaun war sich gegenüber ehrlich genug, um zu erkennen, dass er mehr als das oberflächliche Lust-auf-Weibchen-Interesse an ihr hatte, obwohl die Lust garantiert ein Hauptfaktor war. Er fühlte sich zu ihr magnetisch hingezogen. Seine Gedanken drifteten im Alltag ungewollt zu ihr ab und spielten die wenigen Momente, die sie gemeinsam verbracht hatten, wie eine Wiederholspur immer wieder und wieder vor seinem inneren Auge ab. Sie war wie ein Ohrwurm-Song aus den Charts. Er bekam sie einfach nicht aus dem Kopf. Er wusste nicht, ob es gut oder schlecht für ihn war.

Dieser Zustand, dass seine Gedanken ständig um eine Person kreisten, war ihm nicht wirklich vertraut. One-Night-Stands hakte er gedanklich ab, sobald er das Hotelzimmer verließ.

Vielleicht lag es an der Art und Weise wie sie sich kennengelernt hatten. Nicht auf einer Feier oder in einem Club. Nicht über eine Dating-App oder gemeinsame Freunde, die sie einander vorgestellt hatten. Nein, es war auf der Arbeit während des Trainings für die Auftritte mit seiner Band Random Lovers und doch hatte Camelia nichts mit dem Showgeschäft zu tun. Er konnte sie wahrscheinlich über Google nicht finden, um seine Neugier zu befriedigen. Wenn sie seinen Namen hingegen in die Suchmaschine eingeben würde, dann würde sie genügend Artikel und Fotos von ihm finden, um seinen gesamten Lebenslauf zu rekonstruieren. Er war zwar nur privat auf Instagram aktiv, aber es gab genügend Fans, die Bilder von ihm posteten.

Nein, er würde wahrscheinlich über Internetrecherche wenig von ihr in Erfahrung bringen wie über sonstige Künstlerinnen aus seinem Umfeld, die sich aktiv über Social-Media-Seiten präsentierten, um Fanservice abzuleisten. Alles, was er von der Tochter seines Tanzchoreographen wusste, musste er wohl oder übel persönlich erfragen. Diese Tatsache war so „normal“, dass er in sich hinein grinsen musste. Dennoch würde er bei nächster Gelegenheit auf jeden Fall seine Theorie testen und sie online auskundschaften. Recherche konnte nicht ja schaden.

Ihm war auf absurde Art und Weise danach, alles stehen und liegen zu lassen, durch die Gänge der riesigen Agentur zu streifen, um sie zu suchen und vielleicht nur „Hallo“ zu sagen. Er hatte Lust, andere Musik zu machen, um irgendwie diese wehmütigen Gefühle in der Brust herauszulassen.

Wenn er die Augen schloss, sah er automatisch ihr attraktives, herzförmiges Gesicht vor sich. Aus diesem Grund brannte er darauf, neue Musik aufzunehmen. Er wollte diese seltsame, aber inspirierende Energie in ihm irgendwie verarbeiten und daraus etwas Umwerfendes machen.

Vor allem aber wollte er sie endlich wiedersehen. Es kam ihm vor wie eine halbe Ewigkeit, seitdem sie im Restaurant der Agentur gemeinsam zu Mittag gegessen hatten, ihr erstes inoffizielles Date. Dieses Mal wollte er eine offizielle Verabredung mit ihr und irgendwohin gehen, wo sie ungestört und unbeobachtet von Arbeitskollegen waren.

Normalerweise wunderte er sich, wie schon wieder eine Woche verstreichen konnte, wenn er noch keinen Moment erlebt hatte, der erinnerungswürdig war. Sein Leben zog rasant an ihm vorbei, weil er so mit Arbeit beschäftigt war. Aber das war wahrscheinlich, was fehlte. Erinnerungswürdige Erlebnisse.

Er besaß bereits ihre Telefonnummer, die er erfragt hatte. Warum rief er sie nicht einfach an? Aber welchen Grund, außer sie sehen zu wollen, konnte er nennen?

Das Gespräch mit Keith hatte ihn mehr zu denken gegeben als gewünscht. Würde es Schwierigkeiten für Camelia geben, wenn er sich ernsthaft außerhalb des Labels mit ihr traf? Würde sie gekündigt werden? Immerhin war sie nur eine Art kurzzeitige Aushilfe für die Tanztrainings.

Es dauerte nicht mehr lange, bis er Mitte zwanzig war. Bis dahin oder auch darüber hinaus hatte sein Management ein wachsames Auge auf sein Privatleben. Er hatte noch nie ausgetestet, wie ernst das Gebot für Non-Dating für die Künstler war. Auf jeden Fall war die Verschwiegenheitserklärung darüber, die er zu Beginn seiner Karriere unterschrieben hatte, sehr ernst.

Noch mehr beunruhigte ihn allerdings Keiths Frage, wie er Camelia und seine Zukunftspläne vereinbaren sollte, wenn er tatsächlich an eine Karriere im Ausland dachte, idealerweise bei einem anderen namhaften Label. Und wenn er wie insgeheim geplant, sich als Musiker Platz in den oberen Reihen erkämpfen wollte, dann würde er (so Gott will) meistens touren und auftreten.

Dies war eine Frage, mit der Shaun sich noch überhaupt nicht beschäftigt hatte. Aber jetzt, da Keith sie in den Raum geworfen hatte, war sie nicht mehr zu ignorieren.

Entschlossen verdrängte Shaun schließlich die Gedanken, die ihn nur frustrierten, je länger er grübelte. Für den Moment wollte er nichts anderes als Camelia wiederzusehen und er würde verflucht nochmal genau das tun. Und brauchte er dafür überhaupt wirklich einen Grund, außer die Tatsache an sich, dass er es wollte? Fuck auf die Vorgaben, Regeln oder Verträge.

Manchmal war diese Welt der Unterhaltungsindustrie einfach nur absurd, wenn er sich darum Gedanken machen musste, ob er sich verabreden durfte. In Hollywood war es völlig normal, mit jemanden in die Kiste zu springen, wenn man Lust hatte. Das war allerdings Hollywood mit all seinem schillernden und hemmungslosen Lifestyle à la Californication und nicht die kanadische Musikszene.

Wie es der Zufall so wollte, hatte sich in seinem Terminplan eine Lücke aufgetan.

Das Nachmittagsprogramm beim Radiosender war überraschend abgesagt worden, daher hatten er und seine vier Bandmitglieder von Random Lovers den Nachmittag zur freien Verfügung und man hatte ihnen auch keine Ersatztermine hineingequetscht.

Es war die Gelegenheit, Camelia um eine offizielle Verabredung zu bitten und er wollte es von Angesicht zu Angesicht machen, nicht via Textnachricht.

Ihm fiel ein passendes Lied ein, um seiner Aufregung Ausdruck zu verleihen.

I'm so excited and I just can't hide it. I'm about to lose control and I think I like it.

Die Pointers Sister waren immer wieder eine Motivation. Aus einer plötzlich aufflammenden Euphorie heraus, sprang Shaun mit der Gitarre auf. Er spielte die Akkorde lauter, legte vollen Körpereinsatz in das Instrument, während er mit Stimmgewalt den ersten Vers sang. Er war gerade mitten im Refrain, als er von einer tiefen Männerstimme unterbrochen wurde: „Guten Morgen, Shaun.“

Vor Schreck machte Shaun einen Satz nach vorne. Im Spiegel sah er die Reflexion seines Tanztrainers Arden Cavallo, der ihn interessiert anlächelte. „Machst du schon dein Warm-up?“

„Arden.“ Ertappt und überrascht starrte Shaun ihn an und fragte sich, warum er ihn vorher nicht bemerkt hatte. Das war wohl jetzt der Moment, um vor Verlegenheit im Boden zu versinken, aber Shaun kannte das Gefühl von Scham vor Menschen nicht mehr. Er war schon zu sehr abgestumpft, Publikum zu haben.

„Ja, so in etwa.“ Er räusperte sich und starrte Camelias Vater an, der mit ihm auf gleicher Augenhöhe war.

Geistesgegenwärtig verzogen sich Shauns Lippen zu einem Grinsen.

Ardens dichte Augenbrauen wanderten erstaunt in die Höhe, dann wurde sein Lächeln breiter. „Das Lied gehört zu meinen Favoriten und von dem, was ich gehört habe, hast du es ziemlich gut gecovert.“

„Ich habe es gestern in einem Film gehört.“

„Welchem?“ Es überraschte ihn, dass sein Tanzchoreograph ihn so etwas fragen würde.

„Transformers Teil zwei“, gab Shaun zu.

„Den Film habe ich mit meinen Töchtern auch erst kürzlich gesehen.“ Ardens Augen leuchteten auf und es sah aus, als ob er noch mehr dazu sagen wollte.

Shaun bemerkte, dass er nicht mit meiner Familie oder Frau und Töchter sagte und fragte sich, ob wohl keine Frau Cavallo dazugehörte.

„Ah ja?“ Bei der Erwähnung ihres Namens, konnte Shaun die Gelegenheit nicht verpassen, seinen Plan in Bewegung zu bringen. „Apropos Camelia, Arden, ich hätte eine Frage.“

„Jaß“ Arden legte seine Sporttasche auf einen Stuhl ab und machte den Reißverschluss auf.

„Können Sie mir bitte sagen, wo ich sie heute finde? In welchem Trainingsraum?“ Shaun sprach rasch weiter, bevor er es sich anders überlegte: „Ich spiele mit dem Gedanken, sie zu fragen, ob sie heute mit mir ausgeht. Mein Nachmittag ist frei.“ Angespannt beobachtete er Arden, ob dieser Einwand erheben würde. Dieser sah ihn aber nur nachdenklich an. Shaun hätte zu gerne gewusst, was er dachte.

„Moment“, sagte Arden schließlich, holte einen großen schweren DIN A 4 Terminplaner in einem vintage Ledereinband von Greenburry aus seiner Tasche und blätterte darin.

Shaun seufzte lautlos. Warum hatte er ihn überhaupt fragen müssen? Ein Teil von ihm wollte ihren Vater um Erlaubnis bitten, so wie es sich gehörte. „Ach, machen Sie sich keine Umstände. Ich gehe mich umziehen“, sagte er. Verlegen wandte er sich ab, doch Arden hielt ihn mit den Worten zurück: „Warte bitte einen Moment, ich habe zufällig ihren aktuellen Trainingsplan hier, sodass wir nachsehen können.“ Er zeigte ihm das Blatt Papier.

Positiv überrascht nahm Shaun ihm den Plan aus der Hand und machte mit seinem Iphone ein Foto davon.

„Danke“, murmelte er grinsend und gab ihm das Blatt zurück.

„Kein Thema. Aber das nächste Mal, solltest du sie endlich persönlich danach fragen und nicht über Dritte.“

Shaun blinkte ihn überrascht an, kaschierte das aber schnell. „Ich arbeite dran, Arden.“ War es Ardens versteckte Art, ihm seine Zustimmung zu geben?

„Shaun.“ Arden blickte ihn mit einem ernsten Ausdruck an. „Ich weiß, Camelia wirkt manchmal etwas kühl und distanziert. Das war sie auch für lange Zeit, weil sie gewisse Sachen zu verarbeiten hat. Aber während wir die Choreo einstudiert habe, habe ich bemerkt, dass sie zu dir offener ist. Vielleicht solltest du dich weiterhin um sie bemühen und ihr eine Chance geben, dich richtig kennenzulernen. Ich halte dich für einen der zuvorkommendsten Menschen, den ich bisher in der Musikindustrie getroffen habe.“

Es gefiel Shaun, dass er ihn nicht als nett bezeichnete wie so manche andere.

Arden fuhr weiterhin ehrlich fort. „Ich denke sogar, du könntest ihr helfen, in diesem Business besser zurecht zu kommen. Aktuell habe ich den Eindruck, dass sie sich etwas schwer tut, sich richtig zu verhalten, um niemandem auf die Füße zu treten.“

Was zum Teufel? Shaun sah ihn sprachlos an. Seine Worte stachelten seine Neugier ins Unermessliche und gleichzeitig verrieten sie rein gar nichts. Was für ein Vater bringt es fertig, so etwas zu einem quasi Fremden, noch dazu jemand, den er trainiert, über seine Tochter zu sagen?

2. Kapitel – #nervous

Your beauty makes me nervous

Your brain stresses me out

you make me self-concious

I'm saying things out-loud

(Shaun Tavares / Liam Knightley: Nervous)

Camelia hatte ihre Trainingseinheit am Vormittag mit ihrer jungen Popgruppe (die man ihr zugeteilt hatte) beendet und darum für heute sozusagen Feierabend.

Das Label besaß für seine Angestellten moderne Sanitäranlagen, welche sie gern benutzte. Die abgeschlossenen Duschkabinen waren großzügig und geräumig und besaßen nicht nur normale kleine Brausen, sondern auch eine quadratische Regendusche, die an der Decke angebracht war. Gästehandtücher, kleine Flaschen mit Shampoo, Duschgel und diverse Toilettenartikel und Haartrockner standen wie in einem Hotel zur Verfügung. Man durfte sich einfach bedienen.

Zwei Stunden Training brachten einen ganz schön ins Schwitzen und es gab für ihre beanspruchten Muskeln nichts angenehmeres als sich mit warmen Wasser abzuduschen.

Vor einem der breiten rechteckigen weißen Waschbecken beugte sie sich zum großen, blanken Spiegel hin und prüfte nach dem Anziehen ihr Aussehen.

Sie bürstete ihre frisch geföhnten langen Haare aus und band sie anschließend mit einem Gummi zu einem lockeren Knoten über dem Kopf zusammen. Mit den Fingern rieb sie sich über ihre hohen Wangen, ihr Kinn und inspizierte ihren natürlich gebräunten Teint. Make-up legte sie nicht auf, da es nicht wirklich einen Anlass dafür gab. Sie hatte durch ihre dunklen geschwungenen Augenbrauen und die dichten Wimpern, die ihre dunklen Augen umrahmten, glücklicherweise auch ohne Makeup Kontur im Gesicht. Ihre vollen Lippen waren höchstens ein wenig trocken, aber da half Lippenbalsam und glänzender Lipgloss und voilà, sie konnte auf die Straße gehen.

Sie musste nachher nur noch um 11:15 Uhr an der Universität sein, um zwei Seminare zu besuchen. Gegen halb drei waren diese zu Ende und sie konnte dann nach Hause, ihre Kursinhalte aufzubereiten.

Als sie sich abschließend die Hände abwusch, kamen drei junge Frauen herein, die sie nur von Weiten einmal gesehen. Sie waren eine neue Popgruppe beim Musiklabel. Sie überlegte fieberhaft, wie die Gruppe hieß, aber der Name wollte ihr einfach nicht einfallen.

Die drei fielen bei J's Records auf jeden Fall auf, da sie immer überaus modisch gekleidet waren, als hätte jede von ihnen einen persönlichen Modeberater. (Vielleicht war das auch der Fall.)

Alle drei waren größer als Camelia, was ihr Auftreten nochmal umso einschüchternder wirken ließ.

„Oh, Camelia“, flötete die eine und lief elegant auf sie zu. Ihre Absätze verursachten bei jedem Schritt einen klappernden Ton, der sie aber nicht zu stören schien.

„Wie ich sehe, bist du im Label ganz schön beliebt geworden. Letztens haben wir dich gesehen, wie du in der Kantine wie selbstverständlich mit Shaun Tavares zusammen gegessen hast.“

Camelia fand es unhöflich, in welchem persönlichen Tonfall sie mit ihr sprach. Als kannten sie sich bereits gut. Außerdem fragte sie sich, wie sie sie erkannt hatte. Aber vermutlich war das gar nicht so schwer zu erfragen, da ihr Vater als Choreograph einen bedeutenden Anteil am Erfolg der Popgruppen bei J's Records hatte.

Er hatte sich im Musiklabel einen Namen gemacht. Es war abzusehen, dass sie als seine Tochter dadurch irgendwann auch die Aufmerksamkeit auf sich zog.

„Nicht nur mit Shaun Tavares. Seine ganze Gruppe hat mich dazu eingeladen“, erwiderte Camelia höflich, obwohl sie nicht das Gefühl hatte, als müsste sie sich erklären.

Die beiden anderen Frauen holten synchron ihre Kosmetiktäschchen aus ihren teuer aussehenden Handtaschen, um ihr Make-up aufzufrischen.

„Ich habe gehört, dass du inzwischen Trainerin einer anderen Gruppe bist. Herzlichen Glückwunsch“, bemerkte eine von ihnen und zupfte an ihren langen, fuchsrot gefärbten Haaren, die sie künstlich zu Korkenzieherlocken gedreht hatte. Mit ihrem moosgrünen Haarreif und dem weißen runden Gesicht sah sie beinahe wie eine Porzellanpuppe aus, die es im vorigen Jahrhundert in Europa gegeben hatte. Es war schwierig zu schätzen, wie alt sie war, da ihr Make-up ihre lilienweiße Haut makellos machte und sie auch sorgfältig nachgepudert hatte.

„Danke“, murmelte Camelia verkrampft und überlegte, wie sie das Gespräch am Schnellsten abbrechen konnte. Sie würde sich einfach verabschieden und gehen, daher zog sie den Reissverschluss ihrer braunen vintage Messenger-Tasche zu und hängte diese über ihre rechte Schulter.

„Ich hoffe, dein Vater wird nicht traurig, wenn er erfährt, dass seine Tochter sich an jeden Direktor wirft, um hier aufzusteigen.“

„Wie bitte?“ Camelia drehte sich entgeistert um und glaubte zuerst, dass das Porzellanpüppchen einen Scherz machte.

Deren verächtlicher Blick meinte es aber eindeutig ernst. „Ach, Camelia , wir wissen doch alle, wie es hier läuft.“ Sie lachte in einem hohen lockeren Ton auf.

„Und wie läuft es hier denn?“, fragte Camelia vorsichtig.

Sie hatte so eine Ahnung, worauf das Porzellanpüppchen anspielte, aber wie zum Teufel kam sie auf die Idee, sie in diese Schublade zu stecken? Vielleicht schloss sie von sich auf andere.

Gerade wollte sie ihr genau das sagen, als ein Schwall aus dem Wasserhahn rechts neben ihr lossprudelte. Der Druck des Wasserstrahls war so stark, dass er über den Beckenrand schwappte und gleich einer kleinen Welle hochspritzte und sich großzügig über Camelias Brust verteilte.

Kalt!, war ihr erster Gedanke als sie erschrocken zusammenzuckte.

„Oh du meine Güte, das tut mir aber leid!“, rief die blonde von den Dreien aus, die bisher anscheinend neben ihr gestanden hatte. „Ich habe ja nicht gewusst, dass der Wasserstrahl so stark ist!“

Dass der Wasserhahn komplett aufgedreht war, schien sie anscheinend auch nicht bemerkt zu habe, dachte Camelia sarkastisch.

Geistesgegenwärtig drehte sie den Hahn zu, um das Wasser zu stoppen. Blubbernd versickerte es im Abfluss.

Sprachlos sah Camelia die drei Popstars an, dann an sich selbst herunter. Sie war so perplex, dass sie erstmal gar nicht wusste, wie sie reagieren sollte. Sich aufregen? Die Frauen beschuldigen, dass das sicherlich Absicht war? Konnte sie das überhaupt beweisen? Sie hatte nicht gesehen, wie die eine den Wasserhahn hochgehebelt hatte. Genauso gut konnte es tatsächlich ein Versehen gewesen sein, auch wenn ihr Bauchgefühl das Gegenteil behauptete.

Sie hätte niemals erwartet, dass sie sich selbst im erwachsenen Alter schon wieder in einer Mobbing-Szene wiederfinden würde.

Mit ein bisschen Verspätung entzündete sich schließlich ihr Ärger und sie funkelte die drei an. Sie ließen sich davon aber überhaupt nicht beeindrucken und grinsten sich verschwörerisch an.

Camelias Kopf blieb völlig blank und ihr fiel ums Verrecken keine Zeile ein, um ihnen um die Ohren zu werfen. Ihre Schlagfertigkeit schien sie gerade in Stich zu lassen. Vielmehr überwog das Gefühl der Demütigung und Hilflosigkeit, was sich furchtbar anfühlte. Hilflosigkeit ähnelte zu sehr Schwäche und das war ein gewaltiger Knacks in ihrem Selbstbewusstsein. Sie fühlte sich prompt in die Schulzeit zurückversetzt, als sie sich genauso machtlos gegen ihre mobbenden Schulkameradinnen gefühlt hatte.

Ihr Oberkörper war bis auf die Unterwäsche durchnässt. Der weiße Stoff ihrer Tunikabluse war durchsichtig. Nicht dass das so schlimm war, denn sie hatte noch Wechselkleidung im Kofferraum ihres Autos, aber …

Schließlich gab sie es auf, nach einem schlagfertigen Comeback zu suchen, und verließ wortlos den Waschraum. Die Tür fiel noch nicht einmal ins Schloss und sie hörte, wie die Drei in schallendes Gelächter ausbrachen.

Auf dem Weg zur Tiefgarage musste sie durch das weitläufige Hauptfoyer des Musiklabels gehen, in dem sich die Rezeption und die Aufzüge befanden. Mit der linken Hand hielt sie die Umhängetasche an ihre Brust gepresst, damit wenigstens ihr weißer Spitzen-BH verdeckt blieb. Sie war nicht darauf erpicht, dass jemand sie darauf ansprach, warum sie entweder wie ein begossener Pudel durch J's Records lief oder aber noch besser, warum sie buchstäblich transparent unterwegs war. In der Rechten trug sie ihre schwarze Sporttasche. Gerade hatte sie es in den Aufzug geschafft, als sie ihren Namen hörte: „Camelia!“

Oh Gott, das war seine Stimme!

Sie schloss die Augen und atmete tief durch, kämpfte die aufkeimende Nervosität nieder.

Ausgerechnet jetzt, stöhnte sie in Gedanken auf und heiße Verlegenheit überkam sie. Vielleicht wenn sie einfach in den Aufzug einstieg und nicht reagierte, dann würde sie davonkommen, ohne dass er sie so sehen musste.

„Camelia!“ Seine Stimme war diesmal lauter. „Halt den Aufzug an!“

Sie hörte seine Schritte näher kommen. Uh, der Fluchtplan hätte funktionieren können, wenn ihr Herzklopfen sie nicht aufgehalten hätte. Aber sie fing sich sofort wieder. Ob es ihm auffiel, wenn sie jetzt noch den Tür-zu-Knopf drückte? Nein, unhöflich wollte sie auch nicht sein. Aber die Verlegenheit wandelte sich rasch in Scham und sie stellte sich ein Loch an der Decke vor, in dem sie elegant verschwinden konnte.

Aber um fair zu bleiben – Shaun wusste ja nicht, was sie gerade erlebt hatte. Also überwand sie sich und schob die Hand zwischen die Türen, um den Aufzug zu stoppen.

Er sprang in die Kabine und die Türen schlugen zischend zu.

„Danke.“

Er holte tief Luft und studierte sie von oben bis unten. Camelia lehnte sich neben den Aufzugseingang gegen die Metallwand, vermied den Augenkontakt und drückte stattdessen den Knopf für das zweite Untergeschoss der Tiefgarage.

Davon ließ er sich allerdings nicht abschrecken und fragte genau das Offensichtliche: „Was ist passiert? Wieso läufst du so nass durch die Gegend?“ Er hätte auch blind sein müssen, um ihren begossenen Zustand zu übersehen. Allerdings hatte sie auf sein Taktgefühl gehofft. Die Hoffnung starb bei Shaun zuerst.

Wunderbar.

Camelia zog unwillkürlich den Kopf ein und spürte, wie ihre Wangen heiß anliefen. „Tja, ich hatte eine Art Unfall“, murmelte sie leise und studierte die leuchtenden Etagenknöpfe, die plötzlich sehr interessant waren.

Wenn sie Shaun auch bisher nicht richtig einschätzen konnte, in einem Punkt war sie sich bei ihm sicher. Er war alles andere als ignorant und noch weniger ignorierte er dahingeworfene Andeutungen. Er trat einen Schritt näher und beugte sich zu ihr herunter, damit sie auf einer Augenhöhe waren. Und bei ihrem Größenunterschied von gefühlt 30 Zentimetern war das für ihn wahrscheinlich tatsächlich etwas mühsam.

„Was für eine Art Unfall?“, fragte er.

Als sie nicht antwortete, hob er mit dem Zeigefinger seiner rechten großen Hand ihr Kinn an, um ihr in die Augen zu sehen. „Was ist passiert?“

Das Gefühl seiner rauen Fingerspitze auf ihrer Haut war ihr nur allzu intensiv bewusst. Wie fühlte sich diese an, wenn diese über ihre nackte Haut streichen würde?

Camelia schluckte und schloss kurz die Augen, um sich wieder in den Griff zu bekommen. Dann sah sie ihn unverwandt an. „Bitte frag mich nicht weiter, ich möchte jetzt wirklich nicht darüber reden.“

Sie musste ihre Blamage erst einmal selbst verarbeiten, ehe sie es jemandem erzählte. Noch dazu Shaun, der sie sowieso schon aus Gründen in Verlegenheit brachte, über die sie lieber nicht genauer nachdenken wollte. Im Moment konnte sie es darauf schieben, dass er sie als Popidol beeindruckte und sie deshalb etwas neben sich stand, wenn er ihr nahe war. Aber was ist, wenn es mehr als schwärmen war? Ihr normalerweise scharfsinniger Verstand hatte dazu ausnahmsweise mal keinen Kommentar übrig. Stattdessen hatte das Herzrasen sie fest umklammert und hatte seinen Spaß mit ihr.

Shaun sah sie frustriert an, aber nickte zu ihrer Überraschung. „Okay.“

# # #

Ein dankbares Lächeln erschien auf Camelias Lippen, als Shaun seine brennende Neugierde zurückhielt und nicht weiter bohrte. Sie würde ihm hoffentlich erzählen, was passiert war, wenn sie so weit war. Es musste auf jeden Fall ein Vorfall gewesen sein, der sie stark in Verlegenheit brachte, sonst würde sie nicht so ausweichen.

Er holte tief Luft und überlegte, wie er am besten das zur Sprache brachte, weswegen er sie gesucht hatte.

„Hast du Lust, mit mir auszugehen?“, platzte es auf einmal aus ihm heraus, ehe er zu lange zögerte. Okay, das war direkt, aber ihm fielen keine taktvolleren Worte ein. Um genau zu sein, war er noch nie in der Verlegenheit gewesen, nach einem Date zu fragen. Wenn er eins seiner One-Night-Stands wiedertreffen wollte (und das kam sehr selten vor), dann hatte er per Textnachricht gefragt und sie hatten ihm auf die gleiche Art einen Korb gegeben.

Das war Toronto für den Neueinsteiger in dessen Nachtleben. One-Night-Stand bedeutete wirklich eine Nacht. Was für eine Überraschung für den Anfänger im Dating Game.

Er sollte wirklich endlich mal einen Song darüber machen und seinen Fans damit zeigen: Shaun Tavares hat auch nur One-Night-Stands. Mehr wollten sie nicht von ihm.

Ja, auch als Popidol wird man sitzengelassen, wenn sich herausstellt, dass er als Freund nicht gerade die ideale Wahl ist. Er war ja immer noch wie ein Musiker. Wenn er sich nicht tagelang im Studio vergrub, um Songs aufzunehmen, dann musste er auftreten, promoten und oder sogar touren und auch häufig am Wochenende arbeiten.

Shaun schüttelte sich innerlich, um seine Selbstzweifel schnell zu vertreiben. Es gab keinen Grund, Camelia jetzt schon mit den Aussichten auf seine chronische Abwesenheit abzuschrecken. Auch ein Popidol hatte ein Recht auf ein Date. Und dieses Recht nahm er sich gerade heraus.

Dennoch konnte er es nicht leiden, um den heißen Brei herumzureden und er kämpfte gegen die Nervosität in seiner Brust an. Er fühlte deutlich, wie sein Puls lauter in seinem Hals trommelte.

Sie würde nicht Nein sagen, oder?

Je länger er ihr attraktives Gesicht beobachtete, desto nervöser wurde er. Ihre Augen waren geweitet und sie schien tatsächlich total überrumpelt. Sein Körper spannte sich an.

Ja oder nein, Camelia?, fragte er sie gedanklich.

Ja oder nein?

3. Kapitel - #greedy

Up until now, I lived my days without any worries

Didn't need anything, told the crowd same old stories

Meeting you, makes me question, makes me wonder

Feeling you, makes me see beyond my border

Tasting you, makes me come alive

Kissing you, makes me greedy for life

(June Hastings / Shaun Tavares: Greedy)

„Mit dir ausgehen?“, wiederholte Camelia erstaunt und senkte ihre Umhängetasche.

Ihre Brust zog seinen Blick auf sich. Ihr weißer Spitzen-BH zeichnete sich deutlich unter dem nassen Blusenstoff ab. Seine Kehle wurde ein wenig trocken und er verlor sich kurz in dem Anblick. Seine Fantasie flüsterte ihm zu, auf sie zuzugehen, sie an sich zu pressen und …

Shaun atmete tief ein.

Ruhig Blut, Shaun. Etwas mehr Kontrolle bitte. Es war doch sonst auch nicht so schwer. Bis jetzt.

Die Tatsache, dass ihr bedröppelter Zustand alles andere als geplant war, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen, bewirkte bei ihm genau das Gegenteil. Er konnte nicht aufhören, zu starren. Er war zu schwach.

Nach gefühlt zehn Sekunden drehte sie sich zur Tür, dass er nur ihr Profil sehen konnte. Sie straffte die Schultern, als wollte sie sich die Verlegenheit nicht anmerken lassen. Aber er sah, wie ihre Wangen rot anliefen und ihre Brustwarzen hart geworden sind. Das hieß, dass sie betroffen war. Allein der Gedanke ließ seinen Puls hochjagen.

Dennoch machte sie keine Anstalten, die Arme zu verschränken, um sich zu verstecken. Sie war verlegen, aber spielte keine falsche Scham vor.

Faszinierend.

Er lehnte sich absichtlich an die gegenüberliegende Wand der Kabine und verschränkte die Arme, um nicht dem Drang nachzugeben, sie anzufassen, sie über ihren Arm zu streicheln, ihr die Hand in den Nacken zu legen, sie gegen die kühle Metallwand des Aufzuges zu drücken und ihren Duft einzuatmen. Dann erklärte er ihr, dass er den Nachmittag frei hatte und erst abends zum Gesangstraining musste.

„Also erstmal muss ich zwei Vorlesungen besuchen“, sagte sie nachdenklich. Der Aufzug meldete sich mit einem Pling, als er zum Stehen kam. Camelia verließ die Kabine und eilte schnellen Schrittes durch die Tiefgarage, wahrscheinlich zu ihrem geparkten Fahrzeug.

Shaun folgte ihr auf den Fersen und hakte nach. „Und danach, wenn die Vorlesungen zu Ende sind?“

„Uhm, danach wollte ich nach Hause, um etwas für mein Studium zu machen“, erklärte sie.

„Wow, bitte bändige deine Begeisterung“, bemerkte er ironisch, aber grinste breit.

Sein Grinsen war ansteckend und Camelia erwiderte es, als sie ihr Auto per Fernbedienung entsperrte. In circa 50 Meter Entfernung erwachte ein silberner SUV Range Rover zwitschernd zum Leben und erhaschte Shauns Aufmerksamkeit mit dessen gelben Warnleuchten.

„Was für ein schicker Schlitten“, kommentierte er, als sie davor stehen blieben.

„Gehört meinem Vater, ich darf ihn mir nur ausleihen“, erklärte sie schulterzuckend und machte den Kofferraum auf. Dort stellte sie ihre Messenger-Tasche und die Sporttasche ab und öffnete einen schwarzen Rucksack, um ein einfaches weißes T-Shirt herauszufischen.

„Hätte auch nicht gedacht, dass eine Studentin sich so einen Wagen leisten kann“, schmunzelte er.

„Auf keinen Fall. Meine Bezahlung als Co-Trainerin reicht nicht einmal, um eine Rate zu bezahlen“, stimmte sie lachend zu.

Sie blickte ihn zögerlich an, als wollte sie ihm einen Hinweis geben. Er blickte verständnislos zurück. Sie zuckte schließlich mit den Schultern, drehte sich wieder zum geöffneten Kofferraum und zog sich die Tunikabluse über den Kopf.

Zum zweiten Mal an diesem Tag blieb Shaun vor Überraschung die Luft weg, als er mit ihrem nackten Rücken konfrontiert wurde. Hatte sie ihn deswegen vorhin so fragend angesehen? Ihre Muskeln bewegten sich auf wundervolle Weise, als sie die Arme reckte. Sie steckte die Bluse in den Rucksack und streifte sich ohne viel Aufheben das T-Shirt über den Kopf. So schnell wie sie sich ausgezogen hatte, so schnell war sie auch schon wieder angezogen. Zusätzlich zog sie noch ihre grüne Cargojacke drüber.

Ihr simpler Kleidungsstil traf auch seinen Geschmack. Er mochte Frauen in engen Hosen und einfachen T-Shirts. Für ihn mussten Frauen nicht kerzengerade und gertenschlank sein. Ein gesundes Gewicht mit ein paar Kurven machte eine Frau für ihn anziehend. Und mit ihren Killerkurven sah Camelia definitiv gesund und unglaublich sexy aus.

Leider bevorzugten die meisten Künstlerinnen, denen er begegnet war, es lieber, dünn zu sein und waren stolz darauf. Es gab natürlich immer Ausnahmen, aber so weit war der Trend der Kurven noch nicht gekommen.

„Uhm, gib mir doch eine kleine Warnung“, sagte er und ließ die Luft heraus, die er anscheinend angehalten hatte.

Sie lächelte ihn schief an, dann zwinkerte sie. „Wieso, das ist bestimmt nicht dein erstes Mal, dass du einen Frauenrücken siehst, oder?“ Sie ließ den Kofferraumdeckel mit einem Schwung ins Schloss fallen.

Shaun lachte in sich hinein. Es war sicherlich nicht sein erster Frauenrücken, aber es war das erste Mal, dass er sie sah. Er sagte nichts darauf, sondern antworte nur mit einem vielsagenden Blick, während er den warmen Schauer in seinem Inneren über sich ergehen ließ. Der Puls an ihrem schlanken Hals pochte sichtbar und sie war wahrscheinlich gar nicht so unberührt, wie sie den Anschein erweckte. Wenigstens war er nicht der einzige, der die pulsierende Elektrizität zwischen ihnen spürte. Shaun schüttelte sich und erinnerte sich wieder an seinen ursprünglichen Plan: Eine Verabredung.

„Also, ja oder nein?“, stellte er sie schließlich vor die Wahl.

Bitte sag ja, bitte sag ja... Nein war eigentlich keine Option für ihn.

Camelia starrte ihn sekundenlang an und räusperte sich schließlich: „Tja, wenn du wirklich Lust hast, dann kann ich dich nach dem Seminarende in der Stadt treffen. Wo soll ich hinkommen?“

# # #

Shauns breites Grinsen wischte jeden Zweifel, den Camelia hatte, beiseite.

„Treffen wir uns am Nathan Philipps Square vor den blauen Buchstaben Toronto“, schlug er vor. „Du kannst im Parkhaus vom Toronto Eaton Centre parken. Dort können wir spontan entscheiden, wo wir hingehen. Was hältst du davon?“

Sie mochte es, dass er sie mitentscheiden ließ und das Date anscheinend für ihn ebenso ungeplant war. Das Eaton Centre in Downtown Toronto bot viele Möglichkeiten, auszugehen und international essen zu gehen.

Später, während sie in der Universität in den Seminaren saß, fragte sich Camelia , weshalb sie überhaupt gekommen war, weil sie kaum mitbekam, was der Dozent ihnen erzählte. Sie sah zwar, dass sein Mund sich bewegte, aber die Worte kamen nicht bei ihr an. Stattdessen drifteten ihre Gedanken immer wieder zu Shaun.

Es war schon eine ganze Weile her, seitdem sie auf einem richtigen Date war. Noch dazu mit jemandem, der interessant war. Und es war sicherlich auch keine Einbildung, dass da Interesse von ihm ausging, sonst hätte er sie nicht um eine Verabredung gefragt, oder?

Sie schlug sich an die Stirn und appellierte an ihr Selbstbewusstsein. Solche Fragen durfte man nicht an sich stellen, sondern einfach akzeptieren, wie es war.

Jemand fragte sie um ein Date. Es gab keinen Grund, weshalb ihr das nicht auch einmal passieren sollte. Sie war mit ihren exotischen attraktiven Gesichtszügen, die sie ihrer kubanisch-mexikanischen Abstammung zu verdanken hatte, auch nicht gerade schlimm anzusehen.

Gut, ein paar Zentimeter mehr Körpergröße (wie die meisten Kanadier hier hatten) von Mutter Natur, wären zwar auch noch schön gewesen – mit nur 160 cm ließ es sich schwer zum Küchenregal hochreichen. Aber dafür gab's in ihrer Küche einen Hocker und im Alltag gab es Schuhe mit Absätzen, von denen sie ohne Scham Gebrauch machte. Sie unterstütze die Schuhindustrie doch gern.

Was konnte es schon schaden, mit Shaun noch etwas mehr Zeit zu verbringen?

Sie waren immer noch Kollegen. Ein Kollege, der bei ihr Herzrasen auslöste, sobald er sie mit seinen aufmerksamen Augen musterte, als würde er versuchen ihre Gedanken zu lesen. Ein Kollege, der ihren Puls um das doppelte beschleunigte, sobald er sich in ihrem persönlichen Umkreis befand.

Es war bestimmt das sogenannte Starstruck-Syndrom, was sie befiel, sobald er in der Nähe war. Genau das musste es sein. Eine andere Erklärung gab es nicht. Er war immerhin so etwas wie ein Star, wenn auch Newcomer. Aber die Medien ergötzten sich bereits über sein Talent, seine Stimme, sein Aussehen, was alles Vorraussetzungen für einen aufsteigenden Superstar waren.

Daher würde diese Chance ihn oder überhaupt irgendeinen Sänger so hautnah zu erleben vielleicht nie wiederkommen. Sie musste das nutzen, solange ihre Aushilfstätigkeit als Co-Trainerin im Musiklabel andauerte. Zumindest hatte sie das für sich entschlossen, nachdem sie für ein paar Wochen ihren Vater für seine Choreographie unterstützt hatte. Sie musste nur bald ihren ganzen Mut zusammennehmen und ihm beichten, dass sie nicht in seine Fußstapfen treten konnte. Dieser Teil des Showgeschäft war nicht ihre Welt. Sie war den Intrigen und den Medien nicht gewachsen. Ihr graute es jetzt schon davor, ihren Vater enttäuschen zu müssen, und sie wusste, dass er enttäuscht sein würde.

Nach der letzten Vorlesung schlenderte Camelia gedankenverloren über den Campus. Sie dachte an ihre bevorstehende Verabredung, während über ihre Kopfhörer Taylor Swift Gorgeous sang.

Shaun war ein Mysterium.

Einerseits schien er ganz umgänglich, dann wieder distanziert. Und es war für sie eindeutig, wie wenig Spaß er am Tanzen hatte. Er schien mehr damit beschäftigt zu sein, sich in eine Ecke zu setzen und auf der Gitarre vor sich hin zu zupfen. Aber vor allem schaffte er es mit wenigen Worten, sie dermaßen aufzuwühlen, dass ihre Gedanken Amok liefen. Nicht zu vergessen das köstliche Gefühl von Begehren, dass sein hochgewachsener muskulöser Körper in ihr auslöste.

Er war nicht einmal im klassischen Sinne schön. Sein Gesicht war scharf und kantig geschnitten, mit einem markanten Kinn, das von seinem breiten Grinsen dominiert wurde. Aber er strahlte eine magnetische Anziehungskraft aus und das nicht nur auf seine Fans zwischen fünf und fünfzig. Vor allem seine whiskeybraunen aufmerksamen Augen jagten ihr warme Schauer über den Rücken, wenn er sie eingehend beobachtete.

Die Tattoos auf seinen Armen verliehen ihm noch zusätzlich einen Hauch von Badboy/Rockstar von früher.

Die Bedeutung der Tattoos war aufgrund ihrer Form noch mysteriöser. Jedes Tattoo hatte eine Geschichte, das wusste sie und es kribbelte ihr jedes Mal in den Fingern, Tattoos zu fotografieren. Das eine hatte die klaren Umrisse einer Gitarre, wobei man glaubte, auch eine Art Skyline erkennen zu können.

Tattoos, Musiker, ansteckendes Lachen. Shaun war eine ganz schwierige unwiderstehliche Kombination wie ein Cocktail, von dem man wusste, dass er einem zu Kopf steigen wird, wenn man ihn probiert. Oder noch schlimmer, man wollte mehr davon und sich davon betrinken, egal welche Konsequenzen es hatte.

Camelia fand eine leere Bank auf dem Campus und ließ sich darauf nieder, um ihre verstreuten Gedanken zu sammeln.

Erst das Angebot von J's Records, als Co-Trainerin für die Popgruppen weiterzumachen – was sie aber ablehnen würde, das sagte ihr jetzt schon ihr Instinkt. Der Karrieretraum ihres Vaters war nicht ihr Traum, so gern er sich gewünscht hatte, ihn mit ihr zu teilen und sie darauf vorbereitet hatte.

Ihr Traum war ein anderer und das wollte sie ihm und sich selbst bald in dem kommenden Fotowettbewerb beweisen.

Dann all diese konfusen Fragen, die Shaun in ihr auslöste.

Danach die drei Frauen, die sie dumm angemacht hatten und jetzt eine offizielle Verabredung mit Shaun – sie wusste nicht mehr, wo ihr der Kopf stand.

Sie musste endlich mit jemandem darüber reden und dazu kam nur eine Person in Frage: Jade.

Je länger sie es hinausschob, desto länger würde es dauern, ihrer engsten Freundin alles zu erzählen. Abgesehen davon, dass Jade beleidigt sein würde, wenn sie ihr vorenthielt, dass sie jemanden kennengelernt hatte, was bei ihr so selten vorkam, dass das Ereignis einem Sechser im Lotto gleichkam. Wobei „kennenlernen“ in Bezug auf sie und Shaun eigentlich so gar nicht der Wahrheit entsprach, weil es völlig anders verlaufen ist, als es wahrscheinlich üblich war. Im Café, auf dem Campus, in einer Bar, es gab viele Szenarien, wo zwei sich kennenlernen konnten und keins davon hatte Camelia jemals erlebt.

Ihre Erfahrung (die sich bisher auch nur auf eine einzige mit einem Mann beschränkte), war süß und lieblich, berührend und zärtlich, aber ohne Happy End gewesen. Der sinnliche Höhenflug war zwar berauschend (vor allem, wenn der Mann wusste, was er tat), aber der Sturz war umso härter, wenn keiner da war, um einen aufzufangen.

Deswegen hatte sie sich geschworen, beim nächsten Mann vernünftiger zu sein, wenn sie denn die Chance bekam und jemand sich für sie interessierte.

Sie pausierte ihre Playlist auf dem Smartphone, ein Geschenk ihrer Schwester, die sich ein neues zugelegt hatte. Dann rief sie Jades Kontaktdaten auf und rief sie über Messenger an.

Es dauerte nicht lang und Jades sexy raspelnde Stimme grüßte sie über die Kopfhörer: „Hallo, Babe.“

Ihr eleganter britischer Akzent klang für die Ohren so wohltuend wie eine Massage – solange sie nicht fluchte. Camelia würde gern einmal hören, wie sie ein Hörbuch las. Zumindest hatte sie aber bisher das Vergnügen, sie singen zu hören. Und fluchen. Wobei Jade auch das mit Eleganz hinbekam. Aber wenn sie einen so liebevoll mit einem Kosenamen ansprach, dann kam Camelia nicht umhin, ein wenig zu kichern. Das Einzige, was dem Konkurrenz machen könnte, war vielleicht nur, wenn Shaun sie so nannte. Allein der Gedanke daran, ließ ihr Herz hüpfen.

„Hallo, Jade“, erwiderte Camelia.

Sie hatten zwar erst vor einer Woche Kontakt gehabt, weil Jade wegen ihrer Arbeit als Songwriterin viel beschäftigt war, aber sie freute sich riesig, ihre Stimme zu hören.

Jade Nirvana McCarthy und Camelia kannten sich seit sie klein waren aus Miami, Florida. Dort hatte Jade wegen der Arbeit ihres Vaters die Hälfte ihrer Kindheit verbracht.

So viel sie und Jade wussten, und das war nicht viel, war Jades Mutter ursprünglich aus Aberdeen, Bundesstaat Washington, und schon ein Fangirl der amerikanischen Punkrockband Nirvana, bevor Nirvana offiziell gegründet wurde. Daher gab es für sie keinen Zweifel, dass ihr Kind, egal ob ein Junge oder Mädchen, einen Namen mit Bezug zu ihren Musik-Idolen bekommen würde. Als es sie auf die Britische Inseln verschlug und sie dort Jades Vater aus dem schottischen Aberdeen kennenlernte, schien es ein irrwitziger Zufall. Zumindest hatte ihr Vater darauf bestanden, dass ihr erster Vorname unmissverständlich weiblich war, daher musste Nirvana in ihren Papieren an zweiter Stelle stehen. Jades älterer Bruder Cobain musste mit seinem Vornamen keine Verwechslungen fürchten.

Jade war aktuell in Miami, in ihrer beider alten Heimat. Dort war sie als Songwriterin an der Entstehung eines Studioalbums für eine Band beteiligt. Ihre ganze Familie schien von Musik in irgendeiner Form beeinflusst zu sein. Ihr Vater arbeite als Musikproduzent fürs britische Fernsehen, ihre Mutter war Musiktherapeutin, ihr Bruder war Kameraassistent für Musikvideoaufnahmen. Es war nicht verwunderlich, dass Jade ebenso einen Beruf in diese Richtung ausüben würde, zumal sie auch schon früh mit Gitarre und Klavierspiel anfing.

Es war Jades Mutter, die Camelia und ihre Familie behandelt hatte. Ihre Musiktherapie hatte allen dreien geholfen, ihre Trauer über ihren Verlust zu verarbeiten. Lächelnd dachte Camelia daran zurück, wie Jade ihr jedes Mal Musik herausgesucht und ihr geschickt hatte, wenn es ihr nicht gut ging. Das pflegte sie immer noch zu tun, auch wenn sie gar nicht mehr von ihrer Mutter behandelt wurde. Genauso hatte sie die Gewohnheit, sie mit allen möglichen Namen, aber selten bei ihrem eigentlichen Vornamen anzusprechen.

„So, wie geht’s dir, Süße?“

Jades Frage unterbrach ihren Trip in die Vergangenheit.

„Ich hab jemanden kennengelernt“, fiel Camelia direkt mit der Tür ins Haus. Jetzt wo sie Jade am anderen Ende der Leitung hatte, bemerkte sie erst, wie sehr sie mit ihr über Shaun reden wollte. Es gab sonst niemanden, mit dem sie die Erfahrungen teilen konnte, außer vielleicht ihre Schwester. Ihr Freundeskreis war sehr eingeschränkt.

„Oh du meine Güte! Gott sei Dank habe ich gerade Pause, sonst hätte ich das nicht ausgehalten, bis du mir alles erzählst. Wen? Wann? Wo?“

Camelia lachte über ihren Enthusiasmus. Normalerweise hatte Jade spannende Anekdoten aus ihrem Liebesleben zu berichten. Bis auf das eine Mal letztes Jahr war Camelia bisher nur Zuhörerin ihrer detaillierten Eskapaden gewesen.

„JC hat sich aber nicht wieder gemeldet oder?“, fragte Jade besorgt.

Camelia schüttelte den Kopf, obwohl sie sie nicht sehen konnte. „Nein und das ist auch besser für uns beide, du weißt, ja warum.“

Bei der Erwähnung ihres Exfreundes, den sie streng genommen nicht einmal als Freund bezeichnen konnte, weil sie so kurz zusammen gewesen waren, musste sie wehmütig lächeln. Exlover beschrieb ihn besser. An manchen schlechten Tagen vermisste sie ihn stark und musste sich zwingen, ihn nicht einfach zu kontaktieren.

Camelia holte tief Luft. Dann erzählte sie Jade von Shaun und dass er sie um ein Date gebeten hatte.

„Heiliger Jesus Christus“, rief Jade danach aus und Camelia konnte hören wie die Rädchen in ihrem Kopf sich drehten. „Random Lovers' Musik wird hier in Miami jetzt auch häufiger in Bars gespielt und nicht nur im Radio. Die Popgruppe ist aktuell richtig angesagt und Shaun ist aus seiner Band der populärste! Wahrscheinlich wegen diesem gewissen Badboy-Rockstar-Vibe, auch wenn er in Interviews eigentlich eher zurückhaltend rüberkommt und sich sonst in Social Media bedeckt hält. Meine Arbeitskolleginnen stehen trotzdem voll auf ihn. Die wären jetzt grün vor Neid, wenn sie hören könnten, dass du ihn live getroffen hast. Es war wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis dein Vater mal die Choreographie für seine Gruppe macht, wenn er schon für J's Records arbeitet.“ Sie lachte begeistert. „Und er hat dich heute um ein Date gebeten? Du hast hoffentlich zugesagt, oder?“ Es war erfrischend, dass Jade mit Neid nichts am Hut hatte.

„Ich war so überrumpelt, dass gar nicht dran gedacht habe, Nein zu sagen“, erzählte Camelia. „Ich wollte nur aus den nassen Klamotten raus.“

Jade stieß über das Verhalten der Frauen aus der Agentur einen undamenhaften Fluch aus. „Babe, erstens mach dir auf keinen Fall Gedanken, was andere sagen. Die sind nur neidisch, weil du nicht nur attraktiv bist, sondern auch noch Talent hast. Ich denke, mit deinen idealen Victoria-Secret-Engel-Maßen-“

„Autsch, danke, Jade.“ Camelia unterdrückte ein Lachen, weil Jade genau den Finger in die Wunde legte. Sie war das genaue Gegenteil von einem wunderschönen, hochgewachsenen Victoria Secret Model mit endlos langen Beinen.