"Und jetzt, kommen Sie!" - Dieter Gronau - E-Book

"Und jetzt, kommen Sie!" E-Book

Dieter Gronau

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Beschreibung

Wie schön war es vor 10 Jahren! Haben wir heute nur noch den Smartphone Blick? Wir rennen und rennen , immer der Nase nach, mit so einem kleinen Gerät in der Hand und manchmal vor der eigenen Nase. Oh, pardon, das war ein Laternenfahl, scheiße, fast wäre es mir aus der Hand gefallen, wie entsetzlich!!!

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Seitenzahl: 289

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Dieter Gronau, Ameise Ameise

"Und jetzt, kommen Sie!"

So war es vor 10 Jahren

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitelüberschrift 1

Kapitelüberschrift 2

Kapitelüberschrift 3

Kapitelüberschrift 4

Kapitelüberschrift 5

Kapitelüberschrift 6

Kapitelüberschrift 7

Kapitelüberschrift 8

Kapitelüberschrift 9

Kapitelüberschrift 10

Kapitelüberschrift 11

Kapitelüberschrift 12

Kapitelüberschrift 13

Kapitelüberschrift 14

Überschrift 15

Kapitelüberschrift 16

Kapitelüberschrift 17

Kapitelüberschrift 18

Kapitelüberschrift 19

Kapitelüberschrift 20

Kapitelüberschrift 21

Kapitelüberschrift 22

Kapitelüberschrift 23

Kapitelüberschrift 24

Kapitelüberschrift 25

Kapitelüberschrift 26

Kapitelüberschrift 27

Kapitelüberschrift 28

Kapitelüberschrift 29

Kapitelüberschrift 30

Impressum neobooks

Kapitelüberschrift 1

<<<<<„Und jetzt, kommen Sie!“ >>>> 

… Kennste dat?...

Noch nie Bus oder Bahn gefahren? Kann ich Ihnen gar nicht glauben!

Na dann mach es Dir gemütlich und lese das E-Book!“ 

"He, hallo!

Wie geht es dir, Ich?"

"Lass mich in Ruhe!"

An irgendeinem Tag in irgendeiner Woche und Monat morgens um 04.00 Uhr scheucht

mich der Wecker auf die Bettkante. Ein Wecker, mein Wecker , ein schwarzes  Wunderwerk der Technik, mit vielen winzigen Drucktasten ,alle haben eine ganz bestimmte Funktion, wenn sie aktiviert wurden durch eine der kleinen Drucktasten im oberen Teil von seinem kleinen, rundlichen Kunststoffgehäuse, vorne eine leicht gewölbte und etwas getönte Kunststoffscheibe hinter der sich, nach einem weiteren Druck auf eine bestimmte  Drucktaste dann eine beleuchtete Zahlenreihe, die man als eine Uhrzeit entziffert, erscheint. Durch gleichzeitiges drücken zweier Drucktasten, kann man die Zahlenreihe beliebig verändern. und durch verschieben einer Drucktaste, nach rechts, alles, die gesamte Technik, in eine Weckbereitschaft versetzen und bei erreichen der eingestellten Funktion, ein nerviger,  unbeschreiblicher Ton ertönt und alle herrlich tief und selig schlummernden Personen, die diesen Ton wahrnehmen, je aufschrecken und hellwach werden lassen.. Ganz gleich, ob sie es wollen oder nicht, da gibt es keinen Unterschied und niemand bleibt von diesem Ton verschont, noch kann man sich seiner Wirkung durch irgendwelche Maßnahmen entziehen. Er wird geweckt, wie es so schön und richtig heißt. 

Eine halbe Stunde später bin ich fertig mit waschen, rasieren usw.

Danach gibt es das morgendliche Frühstück. Süß muss es sein. Zwei Scheiben Brot mit Butter und Honig oder Marmelade. Dazu zwei Tassen, diese großen Hamburg Becher, mit Milchkaffee, dreiviertel Milch und den Rest mit Kaffee aufgefüllt. Das ist mein morgendliches Frühstück seit nun schon bestimmt 35 Jahren. Danach geht es gut gelaunt die Treppe aus dem ersten Stock hinunter auf die Straße.

„Verdammt, es fängt an zu regnen. Warum hat mir keiner etwas davon gesagt.“

Also noch einmal hoch, die Treppen wieder rauf, in die erste Etage, leise die Haustür aufgeschlossen und noch leiser den Schirm aus dem im Halbdunkel stehenden Schirmständer geangelt. Jetzt hatte ich meinen so wichtigen Beschützer für die schlechten und ungemütlichen Tage, wenn es etwas von oben herab gab.

„Warum hast du alleswissender Kerl, du, das besagte Ich, mir nicht schon beim Frühstück gesagt: Mensch Junge vergiss nicht deinen Schirm! Du willst doch bestimmt nicht nass werden und das schon am frühen Morgen, was sollte dann der restliche Tag noch alles bringen, wenn du schon morgens nass in der Firma ankommst, nass ,  nicht vom Schweiß, sondern von Gottes Gnaden“ An der Fußgängerampel vor dem Busbahnhof angekommen, sehe ich einen dürren alten Mann mit schlohweißem Haar, der sich gerade laut mit der Verkäuferin im Zeitungskiosk  des kleinen Busbahnhofgebäudes auf der anderen Straßenseite unterhält-.Als seinen Begleiter hat er immer einen kleinen strubbeligen, weißen Hund dabei, der immer alle Fahrgäste die sich, mehr  verschlafen als wach, der Haltestelle nähern wollen, giftig, fürchterlich laut kläffend begrüßt und ihnen am liebsten in den Fuß, Bein oder alles was er erreichen könnte in seiner Wut beißen würde, wäre nicht immer im rechten Moment seine Hundeleine gerade zu Ende und er mit einem Ruck an seiner Leine nur noch mit seinen beiden Hinterpfoten auf dem Boden steil aufgerichtet wild nach Luft ringend, denn sein Halsband zog sich bei so einer Aktion immer fester   um seinen Hals. Es lockerte sich aber sofort wieder, stand der Hund wieder auf seinen vier Pfoten. Diese Art Halsbänder kannte ich nur von den großen und schwergewichtigen Hunden, die man in so einer Aktion voller Wut, wieder zur Ruhe zwingen konnte.

In der morgendlichen Stille war das dann immer sehr viel Lärm um gar nichts und hat bestimmt in den nahe gelegenen Häusern den einen oder anderen   ruhig schlummernden Bürger aus den schönsten Träumen geholt. Es wunderte mich jedes Mal, dass sich niemand über den unsinnigen Lärm beschwerte.

Vermutlich war der alte Mann ein Nachtwächter und wohnte in dem gegenüber vom Busbahnhof stehenden Hochhaus. Ich traf ihn jeden Morgen. Eigentlich müsste mich der kleine giftige Köter schon längst kennen und mich jeden Morgen schwanzwedelnd begrüßen. Er hatte eben kein besonderes Personengedächtnis. Das wird wohl der Grund sein. Vielleicht war der Hund auch zu alt und konnte schon lange nicht mehr richtig und genau sehen.

Sein Herrchen trank einen Becher Kaffee bei der Verkäuferin und unterhielt sich dabei auch noch mehr als laut mit der Dame im Kiosk. In weitem Umkreis konnte ich jedes gesprochene Wort von dem alten Mann verstehen. Vermutlich hörte der hagere alte Mann, gemessen an seinem Alter, inzwischen schon schwer, oder hatte einen Gehörschaden aus irgendwelchen Gründen abbekommen. Deswegen musste er immer sehr laut sprechen. Jedes Mal, wenn sein Begleiter, der Hund, einen Zweibeiner, wie mich, angiftete, schimpfte der alte Mann fürchterlich in übelster Weise mit seinem Hund. Es war schon sehr merkwürdig, denn allgemein kannte ich diese Hunderasse als sehr friedlich, familienfreundlich und sehr kinderlieb.

Ich vermute, der hagere alte Mann, hatte er bei sich zu Hause ein Gläschen zu viel getrunken, schlug dann seinen Hund oder bestrafte den kleinen Strubbel, kläffte er wieder mal aus Angst über ein Geräusch oder dergleichen, was eben nicht in ein Hundeleben so richtig passte.

Ich nahm mir vor, irgendwann den alten Mann einmal daraufhin anzusprechen, um so den Grund für das eigenartige Verhalten des Hundes an seiner Seite zu erfahren und mir so Gewissheit zu verschaffen. 

Auf dem Gelände des Busbahnhofs sind hinter dem Gebäude mit dem Kiosk mehrere Stellplätze für Busse eingerichtet. Heute Morgen standen dort zwei Busse mit kaffeetrinkenden Fahrern hinter dem Lenkrad. Bei einem der Busse wurde gerade die Fahrbeleuchtung wieder eingeschaltet, der Fahrtzielanzeiger über der Windschutzscheibe begann zu laufen und blieb mit dem Namen meiner U-Bahnstation stehen. Das war mein Bus. Mit dem wollte ich fahren. In diesem Moment bewegt sich der Bus langsam nach vorne, in Richtung der Rechtskurve, die dann zur Bushaltestelle führt, an der ich stehe. Der Bus hält mit am Kantstein quetschendem und quietschendem rechtem Vorderreifen direkt vor mir. Die Türen vorne und in der Mitte des Busses schieben sich seitlich auf. In der Mitte des Busses steige ein, denn ich besitze eine gültige Abo-Karte für das laufende Jahr und muss mich nur bei einer Fahrkartenkontrolle ausweisen. Mit dieser Abo-Karte kann ich kreuz und quer durch ganz Hamburg fahren. Das lohnt und rechnet sich für mich. Der Bus fährt nach einer Weile mit mir als einzigstem Fahrgast los. Vorne am Lenkrad, sitzt heute Morgen eine Busfahrerin, die mit mir und den weiteren Fahrgästen, die noch zusteigen werden, die sechs Stationen bis zur Endhaltestelle dieser Buslinie fahren wird. 

An der ersten Haltestelle halten wir mit einer irgendwo quietschenden Radbremse. Es steigt ein Mann mittleren Alters ein. Er beeilt sich in den hinteren Teil des Busses zu gelangen und setzt sich dort in die letzte Reihe. Er kramt mit seiner rechten Hand in seinem Rucksack, den er von seinem Rücken geschwenkt und vor sich auf seine Oberschenkel gestellt hat. Zieht einen ungewöhnlich langen roten Kamm aus einer Seitentasche des Rucksackes und beginnt genüsslich seine Kopfhaare von vorne nach hinten zu kämmen. Er macht es immer und immer wieder. Hat er heute Morgen vielleicht verschlafen und ist mit seiner Morgentoilette noch nicht ganz fertig geworden? Womöglich beginnt er auch noch gleich sich im Bus zu rasieren? Das kann alles nicht sein. Denn dieser Mann benutzt jeden Morgen den gleichen Bus wie ich und jeden Morgen beobachte ich das gleiche Ritual bei ihm.

„Du, he, ich habe es dir doch schon beim ersten Mal gesagt, der Kerl hat eine Klatsche, aber Hundert prozentig, das kannst du mir glauben, auch wenn du es mir noch immer nicht glauben willst, der Kerl ist total abgefahren!“ tönte es von meinem Ich, meine innere Stimme, die doch fast immer Recht hat und behält, auch wenn wir es ungerne Wahrnehmen wollen. Das ist die Stimme der Wahrheit Wir verrennen uns immer zuerst in den falschen Weg. Ganz selten machen wir auf Anhieb gleich das richtige. So ist das nun einmal mit uns komischen Menschen! Es gibt da irgendwo im Gehirn, auf unserer Festplatte, eine Fehlschaltung, deshalb sollen wir auch erst einmal gut überlegen, bevor wir etwas unternehmen, aber dafür fehlt uns immer die Zeit, wir sind alle viel zu hektisch.

Zum Glück setzte sich der Fahrgast, mit Rücksicht auf die anderen noch zusteigenden Fahrgäste, immer in die hinterste Reihe des Buses. Er benutzte immer den gleichen Sitzplatz. Ich möchte nicht wissen, wie es hinter seinem Sitzplatz aussieht. Bestimmt liegen und hängen da unzählige lange Haare von dem Fahrgast mit dem roten Kamm. „Brr, das wäre nichts für mich diesen Sitzplatz muss ich in allen Bussen meiden. Ich habe keine Lust mit vollgespicktem und vollgehängtem Rückenteil meiner Jacke wieder den Bus an der Endhaltestelle zu verlassen. Diese widerlichen langen Haare, wie ekelhaft“, murmelte ich vor mich hin und zog meinen Kopf zwischen meine Schulterblätter ein. „Na siehste, es gefällt dir ganz und gar nicht. Kannst mir ruhig glauben, der Kerl ist nicht normal.“ Belehrte mich mein Wahrsager in mir. „Na klar, du kleines, schlaues Ekel, warum kommst du immer so spät mit deinen Weisheiten,“ zischte es zwischen meinen Lippen hervor.

Aber eines beruhigte mich ungemein, irgendwann wird dieser haarige Bus auch mal in der Busservicestation gereinigt und wahrscheinlich auch gründlich ausgesaugt. So könnte ich vielleicht, wenn nur noch ein Sitzplatz frei war, vielleicht doch diesen Sitzplatz mal benutzen? Nein, nein, das ging nicht, dieser Sitzplatz hatte etwas magisches und abstoßendes, müsste ich dort einmal Platz nehmen. Der Ekel wäre zu groß und ich müsste mich bestimmt übergeben und die Schweinerei wäre somit noch größer und unangenehmer, als ich es mir vorstellen könnte.

Jetzt fahren wir zwei Haltestellen durch ohne anzuhalten, denn kein Fahrgast wollte aussteigen und keiner wollte zu uns einsteigen.

Dann vor einem Supermarkt. Natürlich ist er zu so früher Stunde noch geschlossen, aber dort steigen immer vier Personen ein. Immer die gleichen Personen. Wenn einer mal fehlt, ist er vermutlich krank und kann nicht zur Arbeit mit uns fahren oder er hat seinen Arbeitsplatz gewechselt, vielleicht hat er ihn auch durch einen dummen Vorfall im Betrieb verloren, womöglich hat er auch mal keine Lust immer so früh auszustehen? Aber so sahen die vier Personen nicht gerade aus. Diese Vierergruppe bestand aus einem etwas korpulenten jungen Mann mit Beinen, wie ein kleiner Elefant. Seine Harre waren sehr wirr durcheinander gewirbelt. Einen Kamm, oder eine Haarbürste benutzte er vermutlich nie. Oder war es ein wahres Kunstwerk der Friseurtechnik. Erst das Kopfhaar ausgiebig bürsten und kämmen, dann einen Haarföhn zum Einsatz bringen, die Haare in alle Richtungen wirbeln, sie dann mit einem Magnet in die Senkrechte ziehen, um danach alles abzuschalten und die Haare in sich und auf sich zusammenfallen zu lassen. So, oder so ungefähr musste bei ihm das morgendliche Haarritual ablaufen.. Passende Kleidung für seinen enormen Leibesumfang zu finden, muss ein wahres Kunststück sein. Vermutlich hinterlässt in etlichen Konfektionsgeschäften seine Visitenkarte mit seiner Telefonnummer, damit das Verkaufspersonal ihn anrufen kann, wenn sie einmal versehentlich etwas von der Konfektionsnummer zu großes erhalten haben. Dann hatte er seinen großen Tag. Es gab mal

Kapitelüberschrift 2

wieder etwas Neues für ihn. Wie musste die Freude doch groß für ihn sein! „Mit dir zu fahren, ist manchmal aber wirklich sehr peinlich. Du ziehst ja förmlich alle nackt aus. Wie peinlich! Du solltest dich wirklich was schämen!“ flüsterte es in meinem Kopf, in meinem Oberstübchen.

Meine Fantasie schien nicht mehr zu bremsen. So ging es trotz der Proteste von meinem Ich, munter weiter und weiter. Der junge Mann, einer von den soeben vier zugestiegenen, hatte wirklich einen enormen Leibesumfang. Es gab keine Tailie noch einen Hals unter seinem Kopf. Schultern und Kopf schienen zusammengewachsen zu sein. Ob es bei seinem Skelett noch Halswirbel gab? Vielleicht war eine besondere Konstruktion der Natur, ein Mensch ohne Halswirbel! Warum hatten wir übrigen Menschen eigentlich einen Hals? Vermutlich, um ihn sich im Laufe des Lebens öfter mal zu brechen. Wie kam der arme Kerl wohl morgens in seine hautengen Jeans, die wie angegossen saßen? Das überlasse ich lieber der Fantasie meiner Mitmenschen, mir wäre es, das auszusprechen doch ein wenig zu peinlich. Seine Jacke, ebenfalls in Stoff und Farbe perfekt zu seiner Hose passend, war so groß, ich hätte bestimmt dreimal da reingepasst. Bestimmt war das alles eine Spezialanfertigung von einem türkischen Änderungsschneider, da waren die Preise noch erschwinglich und human. Alles, die herrliche Menschlichkeit und der riesige Aufwand an Jeansstoff und das Baumwollene darunter, wurde getragen von zwei ungewöhnlich großen Füßen und den dazugehörigen Schuhen. Diese Schuhe konnte man bestimmt nicht in einem Schuhgeschäft einmal verwechseln, da passte wohl kein anderer Fuß rein. Der arme, oder der glückliche hielt sich während der restlichen Fahrt bis zur Bushaltestelle mit beiden Händen an zwei Haltestangen im Bus Gang fest. Einen Sitzplatz gab es in den öffentlichen Verkehrsmitteln nicht. Hätte ein Sitzplatz in der Breite vielleicht doch gepasst, so reichte die Sitzreihentiefe bestimmt mal wieder nicht. So blieb er lieber stehen. An seinem Arbeitsplatz gab es bestimmt für ihn einen speziellen Sitzplatz. Darauf konnte er sich nach der Busfahrt und vielleicht nach einer weiteren U-Bahnfahrt dann freuen. Wie schön für ihn! Ob er verlobt oder sogar verheiratet war, konnte ich leider nicht erkennen, obwohl ich ihn jeden Morgen ausgiebig und sehr interessiert musterte. Einen Ring an einem Finger konnte ich nirgends entdecken. Nun ja, bei diesen Fingern! Aus zwei Ringen vielleicht einen passenden verlöten beim Goldschmied, das wäre doch durchaus möglich. Der Preis, vielleicht, vielleicht auch noch tragbar. Der Umfang seiner Hände glichen denen einer Salatschüssel. Wenn er einmal zupackt, müsste ich dreimal zugreifen. Er könnte vieles mindestens zwei oder gar dreimal so schnell erledigen, wäre es eine Tätigkeit, bei der es um das Volumen der Hände ginge.

Bei bestimmten Tätigkeiten wäre mir der junge Mann haushoch überlegen. Darüber gab es bei mir keinen Zweifel. Oh je, was machte er im Winter, bei Frost und klirrender Kälte? Was ist mit Handschuhen für ihn? Sowas könnte nur noch Oma für ihn stricken. Vermutlich benutzte er seine Jackentaschen oder die Taschen eines passenden Mantels als wärmendes Plätzchen für seine Hände. Man oh man, dieser Mann führte schon jetzt ein aufregend aufwendiges Leben! Wie viele Jahre hatte er wohl noch vor sich? Vielleicht wurde ihm von einem entsprechenden Arzt einmal geholfen, etwa mit einer Magenverkleinerung oder so Ähnlichem! So ohne Grund, nur auf Grund irgendwelcher Gene, war er bestimmt nicht so geworden, wie er jetzt war! Er musste sein ganzes Leben nur für sich arbeiten, für seinen aufwendigen Lebenswandel, der bestimmt in allen Punkten sehr kostspielig war. Heiraten, eine Familie, war bestimmt sehr schwer sich für ihn vorzustellen. Ja, ja, so hatte eben jeder Mensch seinen kleinen oder großen Kummer mit sich und der Welt. Dem einen flog alles nur so zu, der andere musste sich abrackern bis zur Vergasung. Aber glücklich waren wir doch ab und zu mal, wie wir es später immer wieder feststellen können. Das er aus einem begüterten Elternhaus stammte, konnte ich mir eigentlich nicht gerade vorstellen, denn dann wäre er nicht jeden Morgen zur gleichen Uhrzeit mit uns in unserem Bus.

Er würde dann bestimmt, oder sicherlich, einen von diesen sogenannten Fan´s benutzen mit sieben Sitzplätzen. Der Fahrersitz wäre dann bestimmt eine von diesen Sonderanfertigen, die so teuer sind, wie ein gut erhaltener Gebrauchtwagen der unteren Klasse. Dieser Fahrersitz, für den jungen übermäßig korpulenten Mann, hätte dann bestimmt auch einen Drehmechanismus, der es ermöglichte, den Fahrersitz elektrisch zur Fahrertürnische zu schwenken, um so ein einfaches Ein- und Aussteigen zu ermöglichen, ohne sich quetschen, zusammenfalten, bücken und die Luft anhalten zu müssen. Was wäre das für ein Luxus, ein Fortschritt im Leben des jungen Mannes. „Ja, ja, der arme Kerl hatte noch ein schweres Leben vor sich!“ Tönte es aus mir hervor. „Vielleicht war sein Leben gar nicht so schwer! Er hatte einen tollen Job in der Medienbranche, war dort Aufgrund seiner Leibesfülle schon so etwas  wie eine Ikone, von allen verehrt und geschätzt, weil er sehr gewitzt und sprachgewandt war und seine Figur war praktisch sein unverkennbares Markenzeichen mit einem hohen Erkennungszeichen. Wir sollten alle zu ihm aufblicken und ihn beneiden. Er bewohnte ein luxeröses Haus mit einem parkartigen Garten und seiner Garage stand bestimmt eines von diesen Luxus-Van`s mit allen nur erdenklichen Rafinessen. Er brauchte die Fahrt, mit uns, jeden Morgen. Er brauchte unsere Nähe, die Nähe der einfachen Menschen, um das zu sein, was er ebnen war, ein ungewöhnlicher noch junger Mann mit einer enormen Zukunft.“ „Puh, du hast mich jetzt aber tatsächlich überzeugt. So ausführlich und erschöpfend hast du schon lange nicht mehr etwas erklärt. Ich danke dir! Du könntest vielleicht recht haben.“ Antwortete ich meinem Ich sehr nachdenklich.

Der Mensch ist doch sehr ungern ein Einzellebewesen. Klappt es bei einigen aus irgendwelchen mir unerklärlichen Gründen nicht mit einem menschlichen Partner, so sind sehr viele inzwischen auf den Hund gekommen. Der ist schnell, wegen seiner vier Beine, spricht nicht, was der größte Vorteil ist und ist, je nach seiner Größe für jeden Finanzbeutel der passende Partner.

Aber wiederum ziehen sich Gegensätze ungemein an, so sagt eine alte Weisheit. So müsste die passende Partnerin für unseren jungen Mann., klein, schlank bis dürr sein..

„Mensch, du hast aber eine merkwürdige Vorstellung. Wer hat dir denn diese Weisheiten eingebläut? Warum nicht noch einmal so dick? Das wäre doch viel fäirer und gerecht. So dünn und dürr wäre doch für die arme Frau ein Leidensweg ohne Ende. Sie hätte doch nur Nachteile. Wie sollte sie da überhaupt glücklich sein oder werden, überleg doch mal ein bisschen! Du kleiner Spinner,“ erklärte das Ich mir.

„Es gibt doch im Leben von euch Menschen die gewissen Stündchen, wie soll es denn da ablaufen? Das wäre doch ein glatter Mordversuch der übelsten Art,“ tönte es von meinem Ich weiter. „Mindestens zweihundertfünfzig Kilogramm auf fünfundvierzig Kilogramm oder umgekehrt,“ murmelte es leise  in meinem Kopf. „Ich hatte so etwas schon einmal gehört oder in der Zeitung oder einer Zeitschrift gelesen. Es hatte tatsächlich gewisse Früchte getragen und es war tatsächlich ein ganz brauchbarer Mensch daraus hervorgegangen. Ob du es mir glaubst oder nicht, das ist mir scheißegal!“ erwiderte ich empört.

Anders herum, geht man davon, gleich und gleich gesellt sich gern, da müsste dann alle sehr groß sein. Das Bett eine Spezialanfertigung aus Holz und viel Stahl, die Matratzen wären bestimmt alle zwei Jahre, oder noch eher, vollkommen hinüber und platt. Der Fußboden müsste verstärkt und besonders trittisoliert sein. Alle Türöffnungen erheblich verbreitert, ausgenommen die Haus-,Balkon- und Terrassentür, die waren schon meist etwas breiter  und könnte man somit noch gebrauchen, denn da ginge es vielleicht noch eben mit Luft anhalten und dann hindurch.. Wenn es dann beim ersten Mal nicht gleich klappte, vielleicht seitlich und mit bauchanhalten., bis es einem schwarz vor den Augen wurde.

Der Kühlschrank, entweder mit normalem Fassungsvermögen und täglicher Auffüllung oder doppeltes Fassungsvermögen oder mehrere Kühlschranke neben einander, das müsste dann schon irgendwie klappen, bei der Nahrungsmenge für den täglichen Bedarf von zwei so dicken Menschen.

Die Toilette und das Badezimmer, der schwierigste Raum im Leben so eines Menschen, die richtige Stellung für die richtige Stelle zu finden. Baden klappte vermutlich erst richtig im Sommer in einem Pool oder im Freibad, das war dann sprichwörtlich baden in treffendster Form. Im Winter, im Badezimmer, war es dann nur ein Duschbad in eingeengster Form oder es war überhaupt nur noch mit einem riesigen Waschlappen möglich. Und die Badewanne wurde zum Ausspülen für den Waschlappen genutzt.

„oh je, oh je, deine Phantasie macht mir dir wieder Sprünge. Wenn man dich so hört, oder deine Gedanken lesen kann, so kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Oh nein, oh nein,“ ermahnte mich mein olles Ich mal wieder so treffend. Ich war für mein Ich bestimmt ein sehr schwieriger Fall hin und wieder. 

Dann war da an der Bushaltestelle noch ein Mann mittleren Alters mit einem schwarzen, glänzenden Koffer, vielleicht aus echtem Leder, eingestiegen. Dieser Mann stieg jeden Morgen vorne, direkt beim Busfahrer, oder heute einer Busfahrerin, ein. Der Grund war, der Zeitungsständer im Busfahrerbereich mit der neusten Bildzeitung jeden Morgen. Nach Erhalt und Bezahlung der bewussten Tageszeitung faltete der Mann der soeben erworbenen neusten Nachrichten sorgfältig zusammen, kniff sie an den Kanten genüsslich fest zusammen und klemmte sich die Zeitung unter den linken Arm. An immer der gleichen Stelle unter seinem Arm, die schon sichtlich einen einen dunkelnen Fleck von der Druckerschwärze auf seiner hellen Jacke hinterlassen hat. .Anschließend ging  er schwankend, denn der Bus hatte sich inzwischen wieder in Bewegung gesetzt,  sich an den einzelnen Sitzen abstützend, zu seinem Stammplatz. Witzigerweise wurde dieser Stammplatz von ihm nie von einem anderen Fahrgast morgens benutzt, es schien ein ungeschriebenes Gesetz in diesem Bus zu sein, jeder Fahrgast hatte einen Stammsitzplatz, oder einen Standort, denke ich an den jungen dicken Mann, der nie von den anderen Fahrgästen benutzt wurde. Scheinbar achtete man einander und hatte volles Verständnis unter einander was die Sitzplätze betraf, ansonsten kannte keiner den anderen oder wechselte ein paar morgendliche Worte mit den anderen Fahrgästen.

Der Mann mit der wichtigen Morgenzeitung nahm auf seinem Stammplatz, eine Sitzreihe vor mir auf der linken Seite in Fahrtrichtung, Platz, er blickte interessiert nach rechts und links, holte seine Zeitung unter seinem Arm wieder hervor, klappte sie auseinander, sah sich die Titelseite neugierig an, faltete die Zeitung wieder zusammen und ließ sie in seinem Aktenkoffer verschwinden. Vermutlich hatte er, jetzt im Bus, keine ausreichende Zeit mehr, um seine Zeitung ausgiebig zu studieren und sich gründlich über alles zu informieren. Er hatte bestimmt an seinem Arbeitsplatz viel mehr Zeit, die Zeitung zu lesen., und auch wesentlich mehr Platz, denn im Bus hatte er immer nur eine Hand frei zum lesen und gleichzeitig die Zeitung zu halten, die andere Hand benutzte er ständig dazu, sich über seinen gepflegten Kinnbart zu streicheln. Die Brille rutschte ihm dabei ständig bis auf die Nasenspitze. Die ganze Fahrt über, starrte er stur auf einen bestimmten Punkt vor sich. Es sah aus, als ob er noch immer oder schon wieder träumte.  Nun ja, es war ja auch noch sehr früh am Morgen, nämlich 05.15 Uhr. Die meisten Menschen schliefen bestimmt noch zu dieser Zeit fest und tief und waren von einem Wecker Signal weit entfernt.. Vielleicht dachte der Mann mit dem Streichelbart gerade darüber nach, was er heute alles an seinem Arbeitsplatz machen will, er schmiedete an seinen Tagesplan , um sinnvoll seinen Arbeitstag zu gestalten und einen guten Eindruck bei seinen Vorgesetzten zu machen und in den Kreis der Jenigen aufzusteigen, die für eine nächste Gehaltserhöhung vorgeschlagen werden und eine Beförderung verdienten.. Natürlich betraf das natürlich nur die Arbeitszeit die neben dem Zeitungslesen noch übrig blieb.. Es war nicht mehr viel Zeit für die eigentliche Arbeit vorhanden, aber seine Vorgesetzten waren dennoch mit ihm zufrieden, denn er war immer pünktlich und schon seit fast zwanzig Jahren kein einziges Mal krank gewesen. Man konnte mit ruhigem Gewissen behaupten, Zeitungslesen hielt den Menschen gesund und immer fit. Er war das beste Beispiel für diese Weisheit.

Die dritte Person an dieser Haltestelle ist immer eine Frau, das zweite weibliche Wesen in unserem Bus neben der Busfahrerin. Man kann sie als nicht mehr jung und auch nicht als alt bezeichnen, also in den besten Jahren, wie es so schön hieß. Schon von weitem konnte ich diese Frau erkennen.

„Da kommt deine ganz spezielle Freundin,“ flüsterte es in meinen Ohren.

„Nun mach mal halblang. Sie auf alle Fälle eine interessante Erscheinung am weiblichen Himmel. So etwas sieht man nicht alle Tage und schon gar nicht zu so früher Stunde,“ erwiderte ich etwas erbost über mein altkluges Ich.

Diese von uns umstrittene Frau erkannte ich schon weit vorher, bevor der Bus die Haltestelle mit der wartenden Frau und den drei Männern zum Zusteigen einlud. Sie lass schon, obwohl  zu  so früher Stunde, bereits unter der Straßenlaterne an der Bushaltestelle in einem dicken Buch mit mehreren heraushängenden selbst gebastelten Lesezeichen. Die Brille, vermutlich eine von diesen billigen Lesebrillen, von einem Euro aufwärts in jedem Supermarkt erhältlich, klemmte bei ihr wie festgewachsen auf ihrer Nasenspitze. Diese ungewöhnliche Frau stieg immer als letzte in den Bus. Beim Einsteigen bewegte sie sich dermaßen langsam und vorsichtig, das die Busfahrerin vermuten musste, die schläft wohl jeden Moment gleich im Stehen oder gehen ein..  Die Busfahrerin drehte sich jedesmal zu der Frau um, um sie beim Einsteigen zu beobachten, um genau im richtigen Moment, wenn die Frau im Bus war,  die Türen zu schließen und wenn die Frau ihren Stammplatz erreicht hatte, einen Stehplatz an einer Haltestange genau in der Mitte des Busses, dann ließ sie erst den Bus langsam anfahren. Diese Frau hatte wirklich eine bewundernswerte Fähigkeit, sie schaffte es langsam, aber durchaus sicher, während des Einsteigens ständig weiter zu lesen, ohne auch nur einmal auf den Buseingang und die Stufen zu achten. Sie las und las in einem fort. Was für ein ungewöhnlicher Mensch in unserer morgentlichen Bus Runde!

„Das ist eine Frau mit Übung. Denk doch einmal nach! Die macht das jedes Jahr so etwa

Kapitelüberschrift 3

zweihundertfünfzig Mal, das einsteigen und am Zielort aus oder in eine U-Bahn umsteigen oder vielleicht womöglich noch einmal ein- und umsteigen, um dann irgendwo wieder auszusteigen. Bei so viel Übung könnte man das ein- und aussteigen schon förmlich mit geschlossenen Augen bewerkstelligen. Also doch nicht so ungewöhnlich mein Lieber,“ erklärte ich den Sachverhalt meinem Ich.

„Wenn ich so über deine Rechnung nachdenke, muss ich dir tatsächlich auch zu stimmen,“ bestätigte mein Ich. Bei so viel konnte man schon alles im Schlaf und somit in aller Ruhe in einem Buch weiterlesen ohne eine Unterbrechung.

Es gab ja noch in und wieder mal die noch älteren Busmodelle, da musste man beim Einsteigen drei Stufen hochklettern. Was wäre dann mit der lesenden Frau passiert? Vermutlich wäre sie dann mit ihrer Lektüre in der rechten Hand in voller Länge in den Bus gestolpert und gefallen. Beim Aussteigen dann ein Sturz auf den Gehweg mit schlimmstenfalls einem oder mehreren Knochenbrüchen an Armen und Beinen. Dann könnte sie in aller Ruhe im Krankenwagen uns anschließend in einem Krankenhaus und einem Krankenbett auf einer Station weiterlesen.

„Oh je, ich dachte wieder einmal schlecht und merkwürdig über meine Mitmenschen. Wenn die das wüssten, sie würden mich aus den morgendlichen Bus prügeln und mich die Straße hinunter jagen.. als unmöglicher Mensch, der nichts in ihren Kreises mehr zu suchen hatte und den  der Teufel holen sollte,“ murmelte ich leise vor mich hin.

„Du hast wirklich Recht, du bist  manchmal ein merkwürdiger Mensch,“ schimpfte das  ich.

Der dritte in diesem Quartett an dieser Bushaltestelle, war ein kleinerer, hagerer etwas gebückter Mann so um die sechszig Jahre schätzte ich ihn. Er hatte es immer sehr eilig beim einsteigen und versuchte sich jedes Mal an. dem Mann mit dem Aktenkoffer vorbei zu drängeln  und quetschte sich förmlich in den Bus.

„Du da, der da! Der hat doch etwas auf dem Kerbholz. Das sieht doch schon ein Blinder. Wenn der mal nicht irgendwas und irgendwo angestellt hatte. Autos aufbrechen, durch eine aufgeschnittene Fensterscheibe irgendwo eingestiegen, einen Überfall aus dem Hinterhalt zu morgendlichen Stunde usw.

Wie der sich immer aufführte! Die Busfahrerin blickte immer sehr neugierig durch ihren Rückinnenspiegel und beobachtete ihn aufmerksam und misstrauisch. Man oh man, das war mehr als verdächtig! Stellte ich mit Bestimmtheit fest. Nur komisch war, der Mann stieg jeden Morgen immer in unseren Bus, dem Bus der ehrlichen und schaffenden Steuerzahler ein. Hatte er kein Auto und einen Führerschein, um so unbemerkt und ungesehen seine kriminellen Schweinereien nach Hause zu fahren.

Ich hatte jedes Mal ein verdammt ungutes Gefühl. Der hagere und gebückte Mann schlich flink an mir vorbei und verkroch sich hinter mir in den Sitzreihen. Blickte ich in die gegenüberliegende Busfensterscheibe, konnte ich ihn gut beobachten wie er da gebückt und hinter der Rückenlehne kauernd in seinem mitgeführten Rucksack kramte und nach etwas zu suchen schien. Er wühlte die ganze Busfahrt in seinem Rucksack herum, zog etwas hervor, drehte und wendete es und ließ es schnell im Inneren seines Rucksackes wieder verschwinden. Was er da in den Fingern hielt und wendete, konnte ich nie entdecken, es ging alles zu schnell in seinen Fingern. Ich konnte nur entziffern, das es mal größere, dann mal wieder irgendwelche kleinen Teile oder Gegenstände waren.

„Auf den sollte man die Polizei aufmerksam machen. Das ist doch eindeutig, dass er ein ungewöhnliches Hobby hatte. Sollte ich dem Mann mal heimlich folgen und ihn beschatten, wie ein Spitzel? So wüsste ich, wo er heute und an jedem Morgen einen Teil seines Weges mit uns gemeinsam im Bus verbrachte. Vielleicht könnte ich der Menschheit und der Polizei einen guten Dienst erweisen und bekam womöglich eine und schon seit langer Zeit ausgesetzte Belohnung? Das wäre doch eigentlich eine ganz tolle Sache. Es würde mir bestimmt gewissen Spaß bereiten, mich wie ein Geheimdienstler an die Fersen eines zu höchst Verdächtigen zu heften und ihn anschließend auch noch zur Strecke zu bringen und für ein gerechtes Urteil zu sorgen, diesen Gedanken,“ schmiedete ich halblaut vor mich hin.

„Mensch, nicht so laut! Für das, was du vorhast und planst, bist du viel zu laut und auffällig. Das musst du viel geschickter abwickeln. Das läufst du noch Gefahr, von dem hageren und gebückten Mann ein paar Sitzreihen hinter dir im Bus entdeckt und enttarnt zu werden. Du würdest ein großes Risiko eingehen und Gefahr laufen und eventuell von dem Kerl noch eins auf die Rübe bekommen. Vielleicht auch nicht schlecht, es soll manchmal nichts schaden, so zur rechten Zeit. Bestimmt bist du danach ein ganz brauchbarer und friedlicher, Mitbürger und denkst nicht mehr so eigenartig über deine Mitmenschen an deiner Seite.“ ermahnte mich das Ich.

„Eigentlich könnte ich ruhig mal einen halben oder ganzen Tag blau machen aus irgendwelchem triftigem Grund. Was viele meiner Kollegen machten, durfte ich bestimmt auch mal. Die rufen morgens beim Chef an und sagen, sie können heute leider nicht aus den und den Gründen kommen und entschuldigen sich höflich. Was soll der arme Chef da schon machen, schlucken und zusehen, wie er mit einem tüchtigen Mitarbeiter weniger über die Stunden des Tages kommt., dafür war er Chef, trug viel Verantwortung und wurde für alles mehr oder weniger gut entlöhnt. Ich, als Arbeitnehmer, hatte da eben meine kleinen Freiheiten nach Lust und Laune.,“ stellte ich zufrieden fest.

Zwei Haltestellen rauschte unser Bus jetzt durch, ohne anzuhalten, denn es wollte keiner aussteigen, noch zu uns einsteigen.

Dann aber, an der vorletzten Bushaltestelle vor der Endhaltestelle und der U-Bahnhaltestelle, bremste unser Bus scharf und schwenkte in die Haltebucht vor der überdachten Haltestelle. Beide Türen flogen krachend auf, ein kleiner obeiniger, schwarzhaariger Mann in einer viel zu großen Hose steigt ein. Er grüßte unsere Busfahrerin überschwenglich und dankte ihr vermutlich, das sie ihn noch eine Station mitnahm und er nicht noch weiter laufen musste. An einem Gürtel hatte er sich eine lederne braune Aktentasche über die Schulter gehängt. Geschwind zwängte er sich durch den Mittelgang im Bus und setzte sich auf  einen der vielen freier Sitzplätze. Er streift den Gürtel mit der Tasche von seiner Schulter, versucht die Tasche auf den freien Sitzplatz neben sich zu stellen, die Tasche kippt sofort um, fällt ein paar Mal beinahe auf den Fußboden wird dann der Länge nach von ihm wieder auf den Sitz gelegt. Schließlich lehnt er sich an seine wichtige Aktentasche und streift den Gürtel über sein Knie. Das geht solange hin und her, bis wir endlich an der Busendhaltestelle ankommen.

Kurz nach der vorletzten Haltestelle, steht der Bartstreichler von seinem Sitzplatz auf, klemmt sich seinen schwarzen Lederkoffer unter den rechten Arm und hangelt sich mit der linken freien Hand in Richtung vom mittleren Busausgang. Er muss wohl immer der Erste sein, beim Aussteigen.  Der Erste, hier im Bus, oder auch an seiner Arbeitsstelle bei seiner Tätigkeit? Das wüsste ich zu gerne! Es soll ja meist genau das Gegenteil von Privat und Beruf sein. Das würde jetzt bei ihm bedeuten, im Beruf rangiert er unter den letzten. Deswegen auch der schöne elegante schwarze Aktenkoffer, wie bei einem Supermanager. Er musste in seinem Leben wenigstens einmal, morgens und auf dem Weg zur und von seiner Arbeit, für alle seine Bekannten und Nachbarn, einmal der Erste und mit dem entsprechenden Statussymbol ausgerüstet zu sein. Welch ein für keinem nachvollziehbares Glücksgefühl! Er war wer! Er war der unter den Besten an seinem Arbeitsplatz, einfach himmlisch! Und sei dieses Gefühl auch nur während der Fahrt zu Arbeitsplatz. Aber auf dem Weg dorthin und wieder zurück, gab es viele Menschen, die ihn aufgrund seiner edlen Aktentasche in schwarzem glänzenden Leder, das sah man sofort, das sie einige hundert Deutsche Mark gekostet hatte, grenzenlos beneideten.

 Unsere Busfahrerin trat ungewöhnlich stark auf die Bremse, als sie in die Haltebucht an der Endhaltestelle einfuhr. Alle Köpfe der Fahrgäste schwangen nach vorn und wieder zurück, die beiden Bustüren flogen mit einem Ruck auf und mit einem Riesenschritt sprang der Bartstreichler aus dem Bus auf den Gehweg und verschwand mit komischen kurzen Schritten um die Ecke in die U-Bahnstation. Ein ungewöhnliches Tempo legte er vor. Richtig, er durfte heute der erste aus unserem Bus sein, der auf dem U-Bahnsteig ankam. Das war für ihn das zweite Erfolgserlebnis des Tages, der Erste aus dem Bus, der Erste auf dem Bahnsteig vor allen anderen Busfahrgästen. Er brauchte dafür heute gar nicht zu kämpfen, denn meist gab es weitere Fahrgäste mit ähnlichen Aktionen. Heute war er weit und breit wirklich der Erste und der Einzigste. Was für eine Leistung! Ob er es heute seiner Frau erzählte?

„Das hast du aber nur erträumt, schau da, fast hätte die ständig lesende Frau aus dem gleichen Bus ihn doch beinahe noch eingeholt. Es lag wohl heute daran, das sie heute Sandalen und wollene Socken an den Füßen anhatte, so waren ihre Fußmuskeln ständig besser durchgewärmt für so einen kurzen Sprint bis auf den U-Bahnsteig., als die des  Bartstreichlers. Vielleicht hatte die Frau, die Buchleserin, auch tatsächlich längere Beine unter ihrem faltigen Rock, somit hätte sie ihn beinahe eingeholt und auch noch überholt.,“ so machte mich mein Ich auf einige wichtige Punkte aufmerksam. Das wäre eine fürchterliche Niederlage für den Bartstreichler geworden. Der ganze Tag würde ihn jetzt bestimmt schieflaufen, nach so einer peinlichen Niederlage, noch dazu gegen eine Frau. Er hätte sich bestimmt beide Beine sprichwörtlich ausgerissen, die Schrittzahl

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