Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen - damit er dabei rauchen kann! - Lena Greiner - E-Book

Unser Mathelehrer unterrichtet von draußen - damit er dabei rauchen kann! E-Book

Lena Greiner

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Beschreibung

Ein Schuljahr lang "James Bond" gucken, die dritten Zähne auf dem Flügel, Verzweiflung am Overhead-Projektor: Pädagogen sind manchmal seltsam, treten gern in Fettnäpfchen und haben Marotten. Was im Klassenraum an Eigenheiten tagtäglich ausgelebt wird, ist lustig und skurril. Schließlich fühlen sich Lehrer bei der Arbeit völlig unkontrolliert – und Schüler sind ihren Schrullen schonungslos ausgesetzt. Fast jeder Schüler kann von bizarren Begebenheiten mit Pädagogen berichten. DER SPIEGEL hat sie gesammelt. Ein großer Spaß und zugleich ein realer Blick in den Alltag deutscher Klassenzimmer.

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Das Buch

Schule ist oft anstrengend – aber manchmal auch krass komisch. Hinter geschlossenen Klassentüren spielt sich schließlich das wahre Leben ab, in der Hauptrolle: Schräge Pädagogen, an die sich Schüler ihr Leben lang erinnern.

Sie haben mitunter liebenswerte Spleens und eklige Marotten, geben absurde Aufgaben oder haben keinen Bock. So guckt manche Klasse ein Schuljahr lang „James Bond“, die nächste schleppt Wassereimer wie im bolivianischen Dschungel oder lässt sich vom Lehrer die Pausenbrote klauen.

Eine witzige Sammlung voller verrückter Lehrer-Anekdoten und Schulzeit-Erinnerungen von SPIEGEL-Lesern.

Die Autorinnen

Lena Greiner, geboren 1981 in Hamburg, ist Journalistin und Buchautorin. Sie studierte Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen in Hamburg, Berlin und Washington, D.C. Seit 2013 ist sie Redakteurin beim SPIEGEL. Zusammen mit Carola Padtberg hat sie bereits fünf Bücher veröffentlicht, darunter mehrere Bestseller.

Hinweis der Autorinnen:

Rechtschreib-, Grammatik- und Zeichensetzungsfehler in den Anekdoten wurden von uns korrigiert. Die meisten Gesprächspartner und Einsender baten um strikte Anonymität; wenn Namen und Orte vorkommen, haben wir diese geändert. Wir können die Erinnerungen unserer Leserinnen und Leser nicht in Gänze verifizieren, haben aber keinen Anlass, an deren Richtigkeit zu zweifeln. Wenn wir für Begriffe wie „Schüler“, „Lehrer“ oder „Pädagogen“ das generische Maskulinum verwenden, sind damit selbstverständlich alle Geschlechter gemeint.

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ISBN 978-3-8437-2310-7

Originalausgabe im Ullstein Taschenbuch

1. Auflage August 2020

© Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2020

Inhaltsverzeichnis
Über das Buch / Über die Autorinnen
Titel
Impressum
Einleitung
Verrückte Aktionen: »Unser Lehrer klaut unsere Pausenbrote«
Schräge Aufgaben: Tanzen wie eine Honigbiene
Expliziter Unterricht: »So führt man den Tampon ein«
Fiese Lehrersprüche: Vielleicht haben sie euch die Gehirne amputiert«
Schulrecht: Was Lehrer dürfen – und was nicht
Spleens: »Unsere Kunstlehrerin erspürt die Noten mit den Füßen«
Typologie: Mit diesen 13 Lehrern müssen Schüler rechnen
Eklig: »Unser Lehrer hat sich im Unterricht die Zehennägel geschnitten«
Pech und Pannen: Wenn es im Video-Call plötzlich anfängt zu stöhnen
Null-Bock-Lehrer: »Wollt ihr Klassenarbeiten oder einfach eine 2 für jeden?«
Lehrergeständnisse: »Sportlehrer reden ständig übers Flirten«
Schlusswort: »Eine der schönsten Zeiten im Leben«
Danksagung
Feedback an den Verlag
Empfehlungen

Einleitung

»Die Schule ist wie eine Sitcom«, schreibt eine Schülerin der Jahrgangsstufe 12 aus Nordrhein-Westfalen. »Ich habe nur noch nicht die versteckte Kamera gefunden.«

Jeder war in der Schule, und jeder erinnert sich daran. An trostlose Gebäude und zugige Schulhöfe, an Mattenwagen (stinken) und Medienwagen (defekt) und an das mulmige Gefühl, wenn die Mathelehrerin den Notenspiegel an die Tafel schrieb, bevor sie die Arbeit zurückgab. An die lähmend stickige Kreideluft im Geschichtsunterricht in der siebten Stunde.

Aber da waren auch: Dieses irre Prickeln am Vorabend vor der Klassenfahrt. Die Freude über eine gelungene Klausur. Die Freundschaften, die wechselten oder auch fürs Leben geschlossen wurden.

Die Schule ist ein Ort, an dem sich das ganze Kaleidoskop menschlicher Regungen täglich wieder neu entfaltet: Freude, Lachflashs, Verknalltsein – aber auch Ungerechtigkeiten, Enttäuschungen, Langeweile. Und vorne steht stets eine Person, Herrscher und Opfer der Klasse zugleich, die schon immer als Zielscheibe für Witze und Streiche herhalten musste: die Lehrkraft. Sie führt und formt, tröstet und tadelt, soll Kinder stärken und aufs Leben vorbereiten – inhaltlich und charakterlich. Eine denkbar große Aufgabe, die oft gelingt, selten scheitert, aber häufig ein klein wenig danebengeht.

Deshalb ist das, was in Klassenzimmern passiert, oftmals ganz große Comedy. So skurril, dass man sie ein Leben lang nicht vergisst. Als der US-Moderator und Komiker Jimmy Fallon in seiner TV-Sendung »The Tonight Show« die Zuschauer bat, skurrile Erinnerungen an die Schulzeit und die eigenen Lehrer auf Twitter unter dem Hashtag #myteacherisweird zu veröffentlichen, war der Rücklauf enorm. Eine Zuschauerin berichtete von dem Tag, an dem sie einen Mars-Riegel auf ihrem Pult liegen hatte. Ihr Mathelehrer griff nach der Süßigkeit, stampfte mit dem Fuß darauf und rief: »Schaut, ein Mann auf dem Mars!«

Wir baten daraufhin auch SPIEGEL-Leser, uns Anekdoten aus ihren Klassenzimmern zu schicken. Hunderte folgten unserem Aufruf. Sie berichteten uns von versehentlich explodierten Stinkbomben, dem Geschichtslehrer, der gern seinen Schlafanzug unter seinem Anzug trug, oder dem Musiklehrer, der immer sein Gebiss auf den Flügel legte. Sie schickten uns ihre Erinnerungen daran, wie sie ein Schuljahr lang fast nur »James Bond« guckten, weil der Lehrer keine Lust hatte zu unterrichten, wie sich die Lehrerin im Unterricht ausgiebig schminkte und wie während des Corona-Shutdowns plötzlich ein Porno in das Zoom-Meeting eingeblendet wurde. Ooopsi.

Diese und viele weitere lustige und bizarre Begebenheiten aus deutschen Schulen und Klassenzimmern haben wir in diesem Buch versammelt. Sie zeigen: Lehrer und Lehrerinnen sind auch nur Menschen – und wie wir alle manchmal ganz schön schrullig. Im Gegensatz zu den meisten anderen können sie ihre Spleens und Macken allerdings kaum verstecken, da sie ja jeden Tag stundenlang Hunderte Zuschauer haben. So manches Exemplar scheint es sogar zu genießen, sich vor den Kindern und Jugendlichen völlig ungehemmt und unkontrolliert ausleben zu können – denn dass sich Pädagogen im Lehrerzimmer genauso benehmen, bezweifeln wir doch sehr.

Außerdem ist es wie immer: Die meisten Lehrkräfte sind sicherlich ganz normal, freundlich und am Fortkommen ihrer Schüler interessiert. Aber dann gibt es diese paar Prozent, die einfach nur schräg sind und eventuell ihren Beruf verfehlt haben. Und die vergisst man eben nicht. Vielleicht lernt man an ihnen am Ende sogar fürs Leben, wer weiß das schon.

Lesen Sie auf den folgenden Seiten von absurden Aufgaben, die Lehrer verteilen – so sollten Schüler Wasserkanister durchs Schulgebäude schleppen, um zu erfahren, wie sich bolivianische Frauen beim täglichen Wasserholen fühlen. Von schrägen Aktionen, die sich Pädagogen einfallen lassen, zum Beispiel mit verspiegelter Sonnenbrille auf einem Stuhl auf dem Pult die Klausur zu überwachen. Und von zum Teil ziemlich ekligen Marotten, wie der Öko-Lehrer, der seinen müden Schülern empfahl, ein paar rostige Nägel in einen Apfel zu stecken und diesen ein paar Tage später zu essen.

Einige Lehrkräfte fühlen sich nie ernst genommen, andere müssen immer den Boss markieren. Wieder andere haben ein Nähe-Distanz-Problem, so wie die Lehrerin, die im Stuhlkreis mit den Schülern ihren eigenen Liebeskummer erörterte. Zusammengenommen macht all das die Schulzeit so unvergesslich.

Natürlich kommen auch faule Lehrer vor, fiese Lehrer und solche, die sich vielleicht sogar strafbar gemacht haben. Zwar kommt physische Gewalt an Schulen heutzutage glücklicherweise kaum mehr vor, psychisch demütigen Lehrer ihre Schüler allerdings zuweilen immer noch gerne. Und so gehören auch diese Berichte zu den Schulzeit-Erinnerungen unserer Leserinnen und Leser.

Doch wo ist die Grenze – was dürfen Pädagogen, was nicht, und was sagen die Gerichte dazu? Das klären wir in einem Kapitel übers Schulrecht. Außerdem stellen wir in einer kleinen Typologie 13 Lehrer und ihre Eigenarten vor, damit Schüler und Eltern wissen, worauf sie gefasst sein müssen.

Und schließlich haben wir natürlich auch die Pädagogen selbst befragt. In den Geständnissen aus dem Lehrerzimmer können sie ihren Frust ablassen über bildungsresistente Intelligenzallergiker, die im Unterricht Sprachnachrichten abhören oder an ihrer Insta-Story feilen. Oder über die Drückeberger-Kollegen, die gut gelaunt durchs Schulgebäude hüpfen, gebräunt und entspannt – da sie ja keine korrekturintensiven Fächer haben und damit ihre Wochenenden nur aus Freizeit bestehen. Sie verraten, warum Sportlehrer unter sich ständig über Sex reden, und wie traumatisch es ist, als Junglehrer zum ersten Mal vor einer Klasse zu stehen und sich von den Kollegen nicht ernst genommen zu fühlen.

Auch der Comedian und Ex-Lehrer Johannes Schröder kommt zu Wort. Er sagt: »Lehrer sind großartiges Comedy-Material. Man kann sie so herrlich zu Klischees formen. Und sie haben eine enorme Gestaltungsfreiheit in ihrem Beruf, dass daraus manchmal sehr wundersame Persönlichkeiten erwachsen.«

Finden wir auch. Viel Spaß mit diesem Buch!

Verrückte Aktionen: »Unser Lehrer klaut unsere Pausenbrote«

Viele Leserzuschriften, die uns erreichten, beginnen mit den Worten »Mein Lehrer war ein komischer Kauz«. Wir vermuten mal, dass der Anteil an sonderbaren Charakteren in einem Kollegium in etwa so groß ist wie an jedem anderen Arbeitsplatz (in etwa bei 15 Prozent), doch im Gegensatz zu anderen Kollegien gilt in der Schule: Es gibt kein Entrinnen. Während schräge Typen, denen ein angemessenes Sozialverhalten nicht liegt, in den meisten Unternehmen früher oder später auf eine Position gesetzt werden, in der sie möglichst wenig Sozialkontakte haben, geht das im Lehrerberuf natürlich schlecht. Und so haben Pädagogen nicht nur immer ein Publikum, das jede Äußerung und Bewegung genau registriert, sondern auch 20 bis 30 Gegenüber, die sie mit ihren schrägen Ideen, übergriffigen Handlungen und persönlichen Anliegen behelligen können.

Lesen Sie nun von Lehrern, die ihre Schüler bei Feueralarm grundsätzlich im Klassenzimmer einschließen, die Schwammwasser trinken oder während einer Klausur mit ihrem Stuhl auf dem Pult sitzen – samt verspiegelter Sonnenbrille.

Mein Lehrer, das komische Wesen

Für Grundschüler ist es häufig unvorstellbar, doch ältere Jahrgänge haben es längst gecheckt: Auch Lehrer und Lehrerinnen sind nur Menschen. Mit Fehlern, Macken – und heimlichen Leidenschaften. So kommt es, dass manche Pädagogen in der Unterrichtszeit lieber etwas anderes machen als Unterricht. Das wiederum kommt den Schülern meist ganz gelegen.

Music was my first love

»Unser Mathelehrer unterrichtete auch Musik. Hin und wieder hielt er im Matheunterricht plötzlich inne, verdrehte die Augen und flüsterte: ›Kommt mit in den Musiksaal, ich muss jetzt komponieren.‹ Und da saß er dann selig entrückt am Flügel und klimperte vor sich hin, während wir uns mucksmäuschenstill verhielten. Wir wollten schließlich nicht die Entstehung eines großen Kunstwerkes verhindern. Und Gleichungen lösen wollten wir auch nicht.«

Ich höre was, was du nicht siehst

»Wir hatten eine sehr liebe, nicht mehr ganz junge Musiklehrerin. Als das Thema ›Oper‹ dran war, wollte sie uns gern eine Arie vorsingen, traute sich das aber, wie sie sagte, nicht vor der Klasse. Sie zog sich deshalb zum Singen hinter die mobile Tafel zurück.«

King of Klassenzimmer

»Wenn jemand an der Tafel zu lange für die Aufgabe brauchte, legte unser Mathelehrer ein kleines Tänzchen hin. So bewegte er zum Beispiel beide Füße nach links und rechts, vollführte also eine Art seitlichen Moonwalk, und glitt damit von einer Seite des Klassenzimmers auf die andere – und zurück.«

You are the dancing king

»Bei einem Sommerfest in der Schule gab es, wie eigentlich jedes Jahr, kleine musikalische Aufführungen. In einem Jahr hat der Abschlussjahrgang zu ›Dancing Queen‹ getanzt, was erst mal eher langweilig war. Aber dann kam plötzlich zum Refrain der Sportlehrer auf die Bühne getanzt – in einem Blümchenkleid und mit Prinzessinnendiadem.«

Cooler Dude, das hätten wir gern gesehen. Lehrer haben allerdings nicht nur heimliche Leidenschaften, sondern zuweilen auch Liebschaften. Oder auch mal: Liebeskummer.

Paris, die Stadt der Trauer

»In der elften Klasse fuhren wir auf Klassenfahrt nach Paris. Was wir nicht wussten: Unser Lehrer hatte dort eine Freundin – sie arbeitete in einem Museum und organisierte dort auch eine Führung für uns. An einem Abend wollte unser Lehrer mit ihr essen gehen, wir hatten Freizeit. Tags darauf kam er nicht aus seinem Zimmer, angeblich hatte er sich an Steak frites den Magen verdorben. Seiner extrem schlechten Stimmung nach zu urteilen – er schrie uns wegen Nichtigkeiten an –, handelte es sich aber wohl eher um Herzschmerz.«

Die Lehrerin der folgenden Episode trug ebenfalls ihr Privatleben ins Klassenzimmer. Es ging um Männer, Nachbarn und anderen Frust. Gefrühstückt hat sie dabei auch noch. Tja, so ungehemmt war das damals, back in the 80s.

Therapiestunde im Klassenzimmer

»Grundschule in den 1980er Jahren: Unsere Mathelehrerin stellte zu Beginn jeder Stunde ihren Stuhl mittig vor die Klasse, setzte sich und begann frustriert aus ihrem Privatleben zu berichten. Es handelte sich bei den Storys meist um Probleme mit ihrem Mann, der später zum Ex-Mann wurde. Aber auch andere Ärgernisse teilte sie uns mit: Stress mit einer Supermarkt-Kassiererin oder den Nachbarn. Diese Show dauerte meist fünf bis zehn Minuten, manchmal länger. Anschließend begann der Unterricht. Zudem gab uns diese Lehrerin ab und zu praktische ›Hausaufgaben‹: So sollten wir zum Beispiel die Zigaretten unserer Eltern mit feinen Nadeln durchstechen, um etwas für deren Gesundheit zu tun. Es kam auch mehrfach vor, dass ein Schüler während des Unterrichts zum Bäcker gehen musste, um Brötchen für unsere Lehrerin zu kaufen. Marmelade hatte sie immer dabei. Sie frühstückte dann vor unseren Augen.«

Heute sind solche Szenen unvorstellbar, allein wegen des Zuckers in der Marmelade würden die Elternvertreter vermutlich schon zur Schulleitung rennen. Wobei: Dass Lehrer abschweifen und die Zeit zerrinnt wie in einem Dalí-Bild, kennen Schüler immer noch. Noch besser ist nur, wenn der Unterricht an einen anderen Ort verlegt wird, also de facto nicht stattfindet.

Ich rede, also bin ich

»Ein sehr kauziger Lehrer von uns verwandelte seinen Unterricht stets in einen monotonen Vortrag. Er interagierte dabei nie mit den Schülern, sondern rezitierte wie aus einem Buch – allerdings las er nicht ab, er hatte den Text im Kopf. Wann immer sich mal jemand meldete, quittierte er dies zunächst mit: ›Ich sehe, da möchte sich jemand einbringen.‹ Dann notierte er sich in seinem Notenbuch einen Punkt – tatsächlich einen gemalten Punkt –, um die mündliche Beteiligung zu bestätigen. Dies geschah auch dann, wenn ein Schüler lediglich fragte, ob er mal aufs Klo dürfe.«

Kafkaeskes Klassenzimmer

»Meinem Mathelehrer fiel einmal die Kreide aus der Hand. Daraufhin schaute er kurz auf seine Armbanduhr, bückte sich, hob die Kreide auf und sah erneut auf seine Uhr. Dann wendete er sich der Klasse zu und teilte uns mit, dass das Aufheben der Kreide acht Sekunden gedauert hätte. Anschließend hielt er uns einen sehr langen Monolog über ›kleine Dinge, die den Unterricht aufhalten‹.«

Praxisnaher Unterricht aka Sparmaßnahme

»In der 11. Klasse behandelten wir im Wirtschaftsunterricht das Thema Geld. In einer Stunde waren wir deutlich schneller fertig als gedacht. Unser Lehrer fragte uns nach Ideen für die verbleibende Zeit. Ein Schüler wollte Döner essen gehen. Alle lachten, doch der Lehrer willigte ein – sein Argument: So würden wir den Fluss des Geldes live miterleben können. Mit derselben Begründung gingen wir einige Wochen später auf den Weihnachtsmarkt, wo unser Lehrer jedem einen Kinderpunsch ausgab. Er habe sich ausgerechnet, dass er als angestellter Lehrer durch die Überstunden mehr Geld bekommt, auch wenn er uns etwas spendiert, erklärte er uns.«

Geld gegen Freundlichkeit

»Unser Kunst- und Physiklehrer war ziemlich ausgefallen. Er hatte einen Eintrag im Guinnessbuch der Rekorde und eine eigene Farbenlehre entwickelt. Zu Beginn jeder Stunde begrüßte er die Klasse, und wer als Erster zurückgrüßte, bekam 50 Cent geschenkt.«

Gute Stimmung ist jedoch leider nicht in allen Schüler-Lehrer-Konstellationen ausreichend vorhanden. Schüler fühlen sich von ihren Lehrern gedisst (»Sie hasst mich einfach, da kann ich nichts machen!«), und Lehrer fühlen sich von ihren Schülern nicht ernst genommen. Typische Szene: Die Lehrkraft bittet um Ruhe, die Kinder sind weiterhin laut. Was tun? Diese Lehrerin hatte da eine Idee:

Hörprobe

»In der Unter- und Mittelstufe hatten wir eine sehr exzentrische Chemielehrerin. Einmal hatte sie einen Artikel über britische Ladenbesitzer gelesen, die mit skurrilen Tricks Kinder und Jugendliche von ihren Geschäften fernhalten wollten. Eine Abschreckmethode war das sogenannte ›Moskito-Summen‹. Dies ist ein Ultraschall-Störgeräuschsender, der extrem hohe und schrille Töne von sich gibt, welche nur Kinder und Jugendliche bis zu einem bestimmten Alter hören können. Meine Chemielehrerin war davon derart begeistert, dass sie sich so eine Hochton-Anlage kaufte. Daraufhin piepte es jedes Mal, wenn wir laut waren, zehn Minuten lang.«

Argh, da bekommt man schon beim Lesen einen Tinnitus. Und was macht ein Pädagoge, der sich jahrelang von seiner Schulleitung nicht ernst genommen fühlt?

Protest mal anders

»Ein Sportlehrer an unserer Schule kämpfte jahrelang erfolglos bei der Schulleitung um eine Unterrichtsverkürzung, da er aufgrund der Akustik in den Sporthallen unter Hörproblemen litt. Um sein Anliegen nochmals zu verdeutlichen, erschien er bei einer Lehrer-Vollversammlung in der Aula mit einem voll aufgedrehten Gettoblaster. Der Rektor verwies ihn daraufhin des Saales. Mit den Worten: ›Gut, dann aber auf direktem Weg‹ sprang der Sportlehrer vor den Augen des gesamten Kollegiums aus dem Fenster im dritten Stock. Alle waren wie erstarrt, eine Kollegin fiel vor Schreck in Ohnmacht. Was niemand wusste: Er hatte vorher einige Hochsprungmatten aus der Sporthalle unten platziert. Der Lehrer blieb bis auf eine kleine Platzwunde an der Stirn unverletzt.«

Sogar der örtliche Radiosender soll damals über den Vorfall berichtet haben. Andere Lehrer verlieren vor lauter Freude das Maß, nur weil, ach …, lesen Sie selbst:

Zu viel des Guten

»Mein Geschichtslehrer in der 9. Klasse stellte eine relativ einfache Frage. Ich meldete mich und antwortete richtig. Er starrte mich an und sagte: ›Komm sofort nach vorne!‹ Am Pult angekommen, musterte er mich streng und wies mich an, mich auf seinen Stuhl zu stellen. Ich kletterte auf den Stuhl, und als ich oben stand, kniete er sich vor den Stuhl, beugte dreimal seinen Oberkörper mit ausgestreckten Armen nach vorne und sagte jedes Mal dabei: ›Ich danke dir für deine richtige Antwort.‹«

Eine heikle Situation im Schulalltag ist das Klausurenschreiben. Die Schüler sind aufgeregt bis ängstlich, und viele versuchen, ihre Chancen auf eine gute Note spontan noch etwas zu verbessern. Diesen urplötzlichen Wissenszuwachs wollen die meisten Lehrer verhindern, von wegen Gerechtigkeit und so. Doch das ist nicht so leicht: Spickzettel in der Federtasche, Notizen auf dem Unterarm, ein schneller Blick zum Sitznachbarn, der sein Heft strategisch rübergeschoben hat, nachdem sein Kumpel »2 c« geraunt hat. Viele Lehrer verlieren da ganz offensichtlich den Überblick – oder haben sie es am Ende doch nur gut gemeint? Diese Frage scheint eines der letzten Lehrergeheimnisse zu bleiben. Anyway, wer es ernst meint, macht es als Pädagoge während einer Klausur so:

Lehrer auf dem Hochsitz

»Der Mathelehrer meines Bruders setzte sich bei Klassenarbeiten mit dem Stuhl auf das Pult und trug eine verspiegelte Sonnenbrille, damit die Schüler nicht sehen konnten, in welche Richtung er schaute.«

Lehrer auf dem Hochsitz II

»Ein alter Lateinlehrer – eigentlich schon pensioniert und nur wegen Lehrermangels noch im Dienst – hatte zu Recht den Eindruck, dass wir recht einfallsreich beim Schummeln waren. Um dagegen vorzugehen, stellte er bei der nächsten Klausur seinen Stuhl auf den Tisch in der letzten Reihe und überwachte die voll besetzte Klasse von diesem Hochsitz aus. Einzig meinen Klassenkameraden unter seinem Stuhl hatte er nicht im Blick. Außer ihm schrieben alle deutlich schlechtere Noten als sonst.«

Lehrer im Hochstand

»Wenn wir Klassenarbeiten schrieben, nahm unser Lehrer eine Doppelseite aus der Tageszeitung und schnitt zwei kleine Gucklöcher in die Mitte. Dann stellte er sich damit auf das Lehrerpult und beobachtete die Klasse. Wir konnten tatsächlich nicht sehen, in welche Richtung er schaute, was das Abschreiben natürlich erschwerte.«

Alles im Blick

»Unser Geografielehrer hatte ein Auge verloren, über dem Glasauge trug er meistens eine schwarze Augenklappe. Bei schriftlichen Tests nahm er das Glasauge heraus und legte es vor sich auf das Pult. Dann verschanzte er sich hinter einer Zeitung und ermahnte uns: ›Nicht schummeln! Mein Auge sieht alles!‹«